Stadt Seligenstadt
Der Magistrat
Marktplatz 1
63500 Seligenstadt

http://www.seligenstadt.de

Seligenstadt

160pxAbb. 1 Wappen von Seligenstadt
Basisdaten
Bundesland Hessen
Höhe 110 m
PLZ 63500
Vorwahl 06182
Gliederung 3 Stadtteile
Website www.seligenstadt.de
Daniell Bastian (FDP)

Seligenstadt ist eine Stadt im Landkreis Offenbach in Hessen. Sie liegt am Main und war in karolingischer Zeit von großer Bedeutung.

Geographie

Geographische Lage

Seligenstadt ist eine von 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Offenbach. Die Stadt liegt im Osten des Kreises etwa 25 km südöstlich von Frankfurt am Main am linken südwestlichen Ufer einer rechtswendenden Mainschleife. Der Fluss bildet hier die Grenze zu Bayern. Die Gemarkung Seligenstadt umfasst mit 2043 Hektar rund zwei Drittel des Stadtgebietes, davon sind 1026 Hektar bewaldet (Stand 1961). Der größte Teil der Waldungen liegt im Südwesten des Stadtgebietes, wo das Geländeniveau allmählich von der 108 Meter hoch gelegenen Mainniederung auf bis zu 145 Meter am Walddistrikt Kieselhecke ansteigt.

Nachbargemeinden

Seligenstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Hainburg, im Osten an die Gemeinde Karlstein (Landkreis Aschaffenburg), im Südosten an die Gemeinde Mainhausen, im Süden an die Stadt Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) sowie im Westen an die Stadt Rodgau.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet umfasst neben der Kernstadt Seligenstadt die zwei Stadtteile Klein-Welzheim, mainaufwärts im Osten gelegen, und Froschhausen im Nordwesten.

Geschichte

In erhaltenen Urkunden wurde Seligenstadt unter
den folgenden Namen erwähnt (Jahr der Erwähnung):
Ortsname Jahr
superior Mulinheim 815
Saligunstat 10. Jahrhundert
superiori Mulnheim,
quod moderno tempore Selgenstat nuncupatur
933
Selegonostat 1002
Selgenstat 1012
Selingestat 1026
Saligenstat 1041
Molnheim nunc vero Seligunstat 1045
Selgenstat 1063
Saligenstad 1120
Seligenstad 1122
Selingestat 1136
Seliginstat 1247
Selingestat 1249
Selginstat 1255
Selgenstat 1256
Selegenstad 1266
Seligenstad 1336
Mülheim nunc Seligenstat dicto 1405
Bezeichnung der Siedlung:
villa 815
civitas 1232

Antike

Um das Jahr 100 n. Chr. wurde in der Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan ein Kohortenkastell auf dem Gebiet des heutigen Seligenstädter Marktplatzes und Teilen der heutigen Altstadt erbaut, das Castrum Selgum. Die dort stationierte Kohorte hatte den Namen Cohors I Civium Romanorum equitata und war für die Sicherheit des am Main verlaufenden Limesabschnittes (auch: Obergermanischer Limes) verantwortlich. Mit dem Fall des Limes während der Alamannenstürme um das Jahr 260 n. Chr. wurde das Kastell aufgegeben, und die Römer zogen sich wieder hinter die Rheinlinie zurück. Auf den Trümmern des ehemaligen Kastells und auf dem heutigen Klosterareal entstand im Talabschnitt des Breitenbaches die frühmittelalterliche Siedlung Mulinheim superior, Obermühlheim.

Mittelalter

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung Seligenstadts, damals als Obermühlheim, geht auf die Schenkung Ludwigs I. an Einhard in Michelstadt zurück und datierte, laut einer Abschrift der Schenkungsurkunde im Codex Laureshamensis, vom 11. Januar 815. Die Stadt wurde von Einhard, dem Biographen Karls des Großen, gegründet. Nachdem er das fränkische Domanialgut Obermulinheim 815 von Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, begründete er hier ein Benediktinerkloster. Als ein früherer Besitzer wird ein Graf Drogo genannt. Die in Rom gestohlenen Gebeine der Märtyrer Petrus und Marcellinus wurden 828 aus der Basilika in Steinbach im Odenwald nach Obermühlheim überführt, das somit Wallfahrtsort wurde. Darauf änderte sich schon bald der Ortsname von Obermühlheim zu Seligenstadt. Die Gebeine der Märtyrer wurden zunächst in der Laurentiuskapelle des Gutshofes aufbewahrt, die sich aber, angesichts des Zustroms der Gläubigen, als zu klein erwies. Einhard begann somit zeitnah mit dem Bau der Einhard-Basilika, dem Wahrzeichen der Stadt am Untermain und begründete, als dessen erster Laienabt, eine Benediktinerabtei als Eigenkloster. Die Abtei erhielt reichen Besitz durch Schenkungen beiderseits des Mains und verfügte, gemäß dem ältesten Zinsregister, kurz vor 1000 über Einkünfte aus 40 Orten.

1028 wurde in der Stadt eine römisch-katholische Synode abgehalten, deren wichtigstes Ergebnis die Einführung des Quatember mit strengen Fastenregeln war. 1063 bestätigte Kaiser Heinrich IV. dem Erzbischof von Mainz die Rechtmäßigkeit seines Besitzes der Abtei.

Bei einem Hoftag in Seligenstadt schloss Kaiser Friedrich Barbarossa mit König Alfons VIII. von Kastilien einen Ehevertrag ab. Während seiner Regierungszeit erhielt der Ort Stadtrechte, und ein Königshof (Palatium) wurde am Mainufer gebaut.Seligenstadt gründete 1346, als eine von neun Städten, den Neunstädtebund des Mainzer Oberstifts. Zunächst mit kommunaler Selbstverwaltung (Ratsverfassung) ausgestattet, konnten die Mitgliedsstädte sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts von ihrem Landesherrn, dem Mainzer Erzbischof und zum Mainzer Domkapitel weiter emanzipieren. Unter anderem hatte Seligenstadt das Recht, eigenständig Steuern zu erheben und zu bewilligen. Das Selbstverwaltungsrecht endete mit den erzbischöflichen Verfügungen aus den Jahren 1527 und 1528, mit welchen der Städtebund faktisch aufgelöst wurde.

Reformationszeit und Renaissance

1527 wurde durch den Mainzer Erzbischof „Albrecht von Brandenburg“ für den Ort eine neue Stadtordnung erlassen, wodurch die Rechte der Seligenstädter Bürger stark eingeschränkt wurden.

Während des Dreißigjährigen Krieges verwaltete um 1631 ein schwedischer Kommissar die Abtei im Auftrag König Gustav Adolfs. Die Seligenstädter Bürger entrichteten dem Schwedenkönig Kontributionszahlungen, der dafür auf das damals übliche Niederbrennen der Häuser verzichtete. Als er mit seinem Heer weiterzog, plünderten die zurückgelassenen Besatzungssoldaten trotzdem Stadt und Abtei. Erst im Jahre 1685 wurden Abt- und Konventsgebäude wieder neu errichtet.

Neuzeit

Durch die Säkularisation von Kurmainz 1803 kam das Amt Seligenstadt an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und die Abtei wurde aufgelöst. 1832 wurde der Landratsbezirk Seligenstadt in den Landkreis Offenbach eingegliedert und am 1. Mai 1882 die Eisenbahnstrecke Hanau-Seligenstadt-Eberbach eröffnet. 1925 wurde die Einhard-Basilika St. Marcellinus und Petrus durch Papst Pius XI. zur päpstlichen Basilica minor erhoben.

Moderne

Seligenstadt hatte eine jüdische Gemeinde, die durch den Terror des Nationalsozialismus 1941 vernichtet wurde.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1977 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Nachbargemeinden Froschhausen und Klein-Welzheim per Gesetz eingemeindet. Ortsbezirke wurden in Seligenstadt nicht gebildet.

Stadtlegenden

Legende von der Umbenennung Seligenstadts

Einer Legende (Eginhard und Emma) zufolge soll die Umbenennung der Stadt nicht aufgrund der Lagerung der Gebeine von St. Petrus und St. Marcelinus geschehen sein, sondern weil der bereits erwähnte Einhard, der Berater und Biograf Karls des Großen war, mit dessen Tochter Emma geflüchtet war. Er lebte mit ihr in Obermulinheim. Der Kaiser zog eines Tages durch diese Stadt und betrat dort das Gasthaus, in dem seine Tochter Emma mittlerweile arbeitete. Sie servierte ihm Pfannkuchen, und der Kaiser erkannte den unvergleichlichen Geschmack.

Daraufhin soll der bekannte Ausspruch Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand entstanden sein, der auch heute noch auf dem Erker des so genannten Einhardhauses (erneuert 1596) in Seligenstadt zu finden ist. Infolgedessen wurde die Stadt selig genannt, der Name Seligenstadt war entstanden.

Brauchtum

Seligenstädter Geleit

Das Seligenstädter Geleit ist ein in der Bundesrepublik Deutschland einmaliger Brauch aus dem Mittelalter, welcher sich in abgewandelter Form bis heute erhalten hat. Im Mittelalter zogen Verbände von Kaufleuten mit ihren Pferdefuhrwagen aus allen Himmelsrichtungen zur Frankfurter Messe. Kaufleute aus Augsburg und Nürnberg mussten über den Spessart oder am Main entlang bis zum Rastplatz Seligenstadt ziehen. Der Weg war gefährlich, da die reichen Kaufleute für Wegelagerer und Raubritter ein lohnendes Ziel darstellten. Deshalb stellte der Stauferkaiser Friedrich II. im Jahre 1240 die Kaufleute durch einen „Geleitsbrief“ unter kaiserlichen Schutz. Jeder betroffene Landesherr war seitdem verpflichtet, den Durchreisenden gegen Entgelt bewaffneten Geleitschutz zu gewähren. In der Nähe von Seligenstadt wurde die Geleitstruppe gewechselt. Kurmainzer Geleitsoldaten übergaben den Geleitszug an Frankfurter Schutztruppen. Aus dieser Zeit stammt der „Hänselbrauch“ unter den Kaufleuten. Neulinge mussten den einen Liter Wein fassenden Geleitslöffel mit einem Zug restlos austrinken, um in die Kaufmannsgemeinschaft aufgenommen zu werden. Wer die so genannte „Nagelprobe“ nicht bestand, musste die Gilde „freihalten“, d. h. die Verpflegung bezahlen. Dieser Brauch ist in gemäßigter Form bis heute in Seligenstadt der Höhepunkt des alle vier Jahre stattfindenden Geleitsfestes des Heimatbundes Seligenstadt e. V.

Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel

Zur Pflege des Brauchtums um den historischen „Löffeltrunk“ wurde im Jahr 1989 die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt gegründet. Der Ordensbruderschaft steht der Ordensmeister vor. Sein Stellvertreter ist der Fauth. Die Löffelgruppe, die den Löffeltrunk mit den Kandidaten vollzieht, besteht aus dem Löffelmeister, dem Examinator und dem Protokollanten. Dazu gehören noch der Löffelwirt und die so genannten Löffelmädchen, die die großen Trinklöffel mit einem Fassungsvermögen von einem Liter an schweren Holzketten tragen.

Seligenstädter Fastnacht

Die Stadt Seligenstadt ist überregional bekannt für ihren Fastnachtszug, welcher sich traditionell am Rosenmontag durch die historische Innenstadt und das angrenzende Stadtgebiet schlängelt. Nachweislich existiert dieser Rosenmontagszug seit dem Jahr 1859. In heutiger Zeit besitzt der Zug 99 aufwändig gestaltete Zugnummern und lockt mit dieser Attraktion durchschnittlich 40.000 Besucher aus nah und fern an. In der Fastnachtszeit nennen sich die Seligenstädter Narren „Schlumber“ und ihre Stadt „Schlumberland“. Jedes Jahr wird für die Faschingszeit ein Prinzen- und ein Kinderprinzenpaar gekürt, welche das „Schlumberland“ regieren. Seligenstadt ist auch eine von wenigen Städten, die zwei Faschingsumzüge haben. Neben dem Rosenmontagsumzug gibt es jedes Jahr sonntags den Kinderfaschingsumzug. Verantwortlich für die Organisation und die Ausrichtung ist der Heimatbund Seligenstadt e. V.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,8 13 43,4 16 51,7 19 50,8 19
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,6 8 21,5 8 24,1 9 32,9 12
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 10,5 4 16,6 6 6,5 2 5,9 2
FDP Freie Demokratische Partei 20,7 8 9,0 3 10,2 4 4,9 2
FWS Freie Wähler Seligenstadt 12,5 4 9,5 4 7,5 3 5,5 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 49,3 49,7 47,6 56,0

Die Stadtverordnetenversammlung hat vier Ausschüsse:

  1. Ausschuss für Bildung, Soziales und Kultur
  2. Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung
  3. Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr
  4. Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss

Bürgermeister

2003 wurde Dagmar Nonn-Adams zur neuen Bürgermeisterin gewählt, sie wurde 2009 im Amt bestätigt. Im Juli 2015 wurde Daniell Bastian im zweiten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt.

Wappen

Blasonierung: „Gespalten, vorne in Gold ein halber rotbewehrter schwarzer Reichsadler, hinten in Rot das halbe silberne Mainzer Rad.“

Das Wappen wurde am 4. Dezember 1952 amtlich verliehen.

Städtepartnerschaften

Seligenstadt unterhält Partnerschaften mit der französischen Gemeinde Triel-sur-Seine (seit 1967), der amerikanischen Stadt Brookfield (seit September 2008) sowie der italienischen Stadt Piedimonte Matese (seit September 2010).

Im März 2008 wurde die seit 1972 mit der niederländischen Gemeinde Heel bestehende Partnerschaft beendet. Dies geschah auf Wunsch der Gemeinde Maasgouw, in die die vormaligen Gemeinden Heel, Maasbracht und Thorn zum 1. Januar 2007 fusioniert wurden. Die Partnerschaft mit Heel ging auf die Partnerschaft der früher selbständigen und jetzt zu Seligenstadt gehörenden Gemeinde Klein-Welzheim mit der niederländischen Gemeinde Wessem, die dann zu Heel gehörte, zurück.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Seligenstadt

Sakrale Bauwerke

Bedeutendster Bau Seligenstadts ist die Einhard-Basilika St. Marcellinus und Petrus mit Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus; seit 1925 trägt sie den vom Papst Pius XI. verliehenen Ehrentitel einer Basilica minor. Obwohl der Bau im Laufe der Jahrhunderte stark verändert wurde, handelt es sich dennoch um eine der eindrucksvollsten Basiliken mit karolingischer Bausubstanz nördlich der Alpen.

Die südlich angrenzende, 1803 aufgehobene Benediktiner-Klosteranlage mit barocken Flügelbauten und großflächigen Hof- und Gartenanlagen wurde in vollem Umfang restauriert.

Profane Bauwerke

Aus der Zeit Friedrich Barbarossas (12. Jahrhundert) stehen noch zwei Relikte:

Vom Palatium am Mainufer, auch Rotes Schloss genannt, steht nur noch die Mainfront mit Doppel- und Dreifacharkaden mit Überfangbögen aus rotem Sandstein. Mit 47 m × 14 m Grundfläche war der Rechteckbau im Vergleich zu anderen Kaiserpfalzen klein. Die ersten Restaurierungsarbeiten fanden 1938 statt; die Rekonstruktionsarbeiten an der Süd- und Westwand sind seit 1996 im Gange.

Aus gleicher Zeit stammt das so genannte Romanische Haus („domus lapidea“) in massiver Bauweise aus Stein, mit großen Arkaden im Sockelgeschoss, im 1. Geschoss Doppelarkaden mit Mittelsäule und Überfangbogen und einer Blendarkade unter dem Staffelgiebel. 1187 war das Gebäude Vogtei und 1188 Schauplatz des Hoftags Barbarossas. Restauriert wurde es 1984. 1986 wurde das Romanische Haus mit dem Denkmalschutzpreis des Landes Hessen ausgezeichnet. Im 21. Jahrhundert finden dort kulturelle Veranstaltungen sowie standesamtliche Trauungen statt.

Die im 12. Jahrhundert angelegte und im 15. Jahrhundert verstärkte Stadtbefestigung hatte ursprünglich vier Tortürme und sechs Bollwerktürme. Von den Stadttoren ist nur das Steinheimer Tor von 1603 bis 1605 erhalten, von den Bollwerktürmen stehen noch drei. Die Mainfront des Palatiums war in die Stadtmauer, zu der auch Wall- und Grabenanlagen gehörten, integriert. Der größte Teil der Stadtbefestigung wurde im 19. Jahrhundert abgerissen.

Das Rathaus am Marktplatz wurde 1823 erneuert und fällt als einziger klassizistischer Bau mit großen Arkaden inmitten von Fachwerkhäusern architektonisch aus dem Rahmen. Zwei Wappensteine mit Drachenköpfen vom 1539 dokumentierten Vorgängerbau sind integriert. Der quadratische Turm stammt von der ehemaligen Pfarrkirche, die abgerissen wurde, als die städtische Pfarrei die Einhard-Basilika 1812 nach Aufhebung der Benediktinerabtei übernahm.

Der im Jahre 1938 erbaute 51,70 Meter hohe Wasserturm ist als Kulturdenkmal in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland aufgeführt. Auffällig ist seine „pickelhaubenförmige“ Dachkonstruktion, die einem barocken Schlossturm gleicht. Der ursprüngliche Wasserhochbehälter, der 500 m³ Wasser aufnehmen konnte und für den nötigen Druck im Trinkwassernetz sorgte, beherbergt heute Nistkästen für Turmfalken und sechs verschiedene Antennen für die Feuerwehr, den Katastrophenschutz und Mobilfunknetzbetreiber. Bis in die 1990er Jahre wurde in dem Wassertank Löschwasser für das angrenzende Krankenhaus gespeichert.

Fachwerkarchitektur

Seligenstadt besitzt eine Vielzahl von historischen Gebäuden und Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die teilweise unter Denkmalschutz stehen. Deshalb ist die Stadt auch Teil einer der neun Routen der Deutschen Fachwerkstraße (Route Rhein-Main-Odenwald).

Die meisten dieser zwei- bis dreigeschossigen Fachwerkhäuser gibt es am Marktplatz und in den umliegenden Straßenzügen (insbesondere Steinheimer Straße, Kleiner und Großer Fischergasse, Kleiner und Großer Maingasse, Freihofstraße). Beispiele sind am Markt die Alte Schmiede (Nr. 13, heute Restaurant), Markt 7 und 10, die historische Apotheke mit Emblem des Apothekers mit Mörser, das so genannte Einhard-Haus von 1596 mit reich dekoriertem Erker, das Haus Steinheimer Straße/Ecke Stadtmühlengasse (1697), Freihofplatz 3 (1567), das kleine Haus Freihofstraße 4 (Andenkenladen) und viele andere.

Mit dem Fachwerk-Viertel Klaa-Frankreich in der Rosengasse hat es eine besondere historische Bewandtnis: Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelte Abt Leonhard Colchon Menschen aus seiner wallonischen Heimat hier an, nachdem die lokale Bevölkerung durch Kampfhandlungen, Hungersnot und Pest dezimiert war. Personennamen wie Beike, Massoth, Bonifer, Dutine, Oger und Assion deuten noch auf diese frankophone Besiedlung hin.

Bauwerke außerhalb des Stadtzentrums

  • Im Stadtteil Klein-Welzheim liegt bei den historischen Klosterfischteichen eine Wasserburg im Stil einer mittelalterlichen Burg, jedoch mit barocken Anbauten, die sich der Seligenstädter Abt 1707 als Sommersitz gestaltete. Sie ist Teil des Regionalparks Rhein-Main.
  • Im Stadtteil Froschhausen hat das ehemalige Rathaus der Gemeinde eine besondere Bedeutung. Bei der Erbauung im Jahre 1939 wurde die an dieser Stelle stehende ehemalige Kirche der Gemeinde abgebrochen. Der Kirchturm wurde allerdings in das neue Rathausgebäude integriert. Der alte Ortskern Froschhausens weist einige weitere schmucke Fachwerkgebäude auf.

Museen in Seligenstadt

  • Regio-Museum (ehemaliges Landschaftsmuseum Seligenstadt)
  • Prälaturmuseum in der ehemaligen Abtei
  • Fastnachtsmuseum
  • Galerie Altes Haus (Kunstforum für moderne Kunst)
  • Flipper- und Arcademuseum des Vereins For Amusement Only

Einhard-Preis

Zur Pflege des Erbes Einhards wurde 1998 eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet. Zweck der Stiftung ist es, die Idee der europäischen Einigung auf der Ebene einer traditionsreichen Stadt anschaulich und die Wurzeln der europäischen Nationen sichtbar zu machen. Der Stiftungszweck wird insbesondere durch die Vergabe eines nach Einhard benannten Literaturpreises sowie die wissenschaftliche Pflege des Andenkens und die Erforschung Einhards und seiner Zeit verwirklicht.

Sport

Es gibt zwei Tennisanlagen, ein Städtisches Sportzentrum, fünf Sportanlagen und sieben Turnhallen.

1965 wurde in Seligenstadt das Freischwimmbad mit vier Beckenbereichen eröffnet. Es findet Trainingsbetrieb statt.

Vereine

Die Vereinskultur ist ein wichtiger Bestandteil der Seligenstädter Identität. Über 190 Vereine sind in der Stadt ansässig.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Seligenstadt hat eine eigene Autobahnanschlussstelle an der Bundesautobahn 3. Das nach Seligenstadt benannte Seligenstädter Dreieck liegt etwas weiter östlich auf der Grenze der Gebiete der beiden Nachbargemeinden Mainhausen und Stockstadt am Main (Bayern).

Der Bahnhof Seligenstadt liegt an der Bahnstrecke Hanau – Groß-Umstadt Wiebelsbach (- Erbach) (Odenwaldbahn), die am 1. Mai 1882 eröffnet wurde.

Im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wirkt die Kreis-Verkehrs-Gesellschaft Offenbach (KVG) als Lokale Nahverkehrsgesellschaft und Aufgabenträger im Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Radfernwege

Am linken Mainufer verlaufen:

  • Der Main-Radweg führt von den beiden Quellen des Mains entlang des Flusses bis zu dessen Mündung in den Rhein bei Mainz. Er hat eine Gesamtlänge von etwa 600 Kilometern.
  • Die D-Route 5 (Saar-Mosel-Main) über 1021 km von Saarbrücken über Trier, Koblenz, Mainz, Frankfurt am Main, Würzburg und Bayreuth bis zur tschechischen Grenze.
  • Der Deutsche Limes-Radweg folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Gerichte

Seligenstadt verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Darmstadt und zum OLG-Bezirk Frankfurt am Main gehört.

Schulen

  • Alfred-Delp-Schule in Froschhausen
  • Don-Bosco-Schule
  • Emma-Schule Seligenstadt
  • Einhardschule Seligenstadt
  • Freie Schule Seligenstadt gegründet in Klein-Welzheim, jetzt in Mainhausen
  • Gerhart-Hauptmann-Schule in Klein-Welzheim, wurde in die Merianschule integriert.
  • Merianschule Seligenstadt
  • Konrad-Adenauer-Schule
  • Merian­schule Seligenstadt
  • Walinusschule in Klein-Welzheim

Sicherheit

  • Die Polizei-Station Seligenstadt des PPSOH sitzt im ehemaligen Amtsgericht Seligenstadt in der Giselastraße und ist zuständig für die Kommunen Seligenstadt, Mainhausen und Hainburg.
  • Die Stadt Seligenstadt betreibt drei Freiwillige Feuerwehren mit rund 120 aktiven Einsatzkräften. Die Feuerwehr der Kernstadt ist im Feuerwehrhaus in der Frankfurter Straße 31 mit 13 Fahrzeugen und 60 Feuerwehrfrauen- und Männer untergebracht. Die Einsatzkräfte rücken im Jahr rund 160 Mal zu Einsätzen aus. Zu den Einsatzschwerpunkten gehört die Bundesautobahn 3 und 45 sowie die Wasserschifffahrtsstraße Main. In den Stadtteilen Klein-Welzheim und Froschhausen bestehen außerdem Einsatzabteilungen mit jeweils 30 Einsatzkräften und 3 Fahrzeugen. Die Stadtteile werden im Schnitt pro Jahr zu 30 Alarmen gerufen. Oberhaupt der Feuerwehren ist laut dem HBKG der amtierende Bürgermeister. Die führenden Aufgaben übernimmt jedoch der Stadtbrandinspektor Alexander Zöller und sein Stellvertreter Thorsten Ott (gewählt 2014, auf 4 Jahre). Hauptamtliche Kräfte sind tagsüber 2 Personen.
  • Der hauptamtliche Rettungsdienst des Kreis Offenbach ist in der Seligenstädter Asklepios Klinik sowie auf der Autobahnraststätte Weiskirchen mit je zwei RTW stationiert. Zudem befindet sich ein NEF-Standort im Industriegebiet Froschhausen nahe der Autobahnraststätte Weiskirchen. Der NEF-Standort sowie der RTW-Standort auf der Autobahnraststätte werden im Jahr 2016 in einen Rettungswachen-Neubau im Froschhäuser Industriegebiet zusammengelegt.
  • Der DRK-Ortverein Seligenstadt hat sein Domizil mit 32 aktiven Einsatzkräfte im Seligenstädter Norden.
  • Der THW-Ortsverband Seligenstadt hat sein Domizil ebenfalls im Seligenstädter Norden. Die Einsatzgruppe bezog im Jahr 2012 ihre neue Unterkunft, in der zwei Bergungsgruppen sowie die Fachgruppen Wassergefahren und Beleuchtung untergebracht sind.
  • Die DLRG-Ortsgruppe hat Ihre Heimat am Seligenstädter Freischwimmbad. Sie stellt einen Strömungsrettertrupp und einen Bootstrupp. Die Einheiten sind in den Katastrophenschutz des Landes Hessen eingebunden. Zur Ausrüstung der 22 aktiven Mitglieder gehören ein Motorrettungsboot, ein Raft und zwei Einsatzfahrzeuge.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • 20. April 1921, Franz Xaver Dorn, Schulrektor, * 17. Februar 1852, † 10. Februar 1927
  • Theodor Eichberger jun., Stifter der St. Marcellinus- & Petrus-Glocke der Basilika, * 29. April 1867, † 8. Januar 1938
  • Franz Boeres, * 4. September 1872, † 24. Mai 1956
  • Fritz Bruder, * 30. Mai 1907, † 1975
  • Juli 2000, Marcellin Spahn, * 31. Oktober 1928, † 1. April 2005
  • November 2009, Hubert PostDie ehemals selbstständige Gemeinde Froschhausen ernannte 1976 den langjährigen Kommunalpolitiker Josef Happel zum Ehrenbürger. Verstorben sind bereits die Ehrenbürger Froschhausens, Dr. Ernst Braun und Pfarrer Josef Gremm. Diese beiden Personen wurden mit Straßenbenennungen in Froschhausen geehrt.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Johannes Herbort von Seligenstadt, Drucker in Venedig um 1480.
  • Hans Memling, * etwa 1433 in Seligenstadt, † 11. August 1494 in Brügge, deutscher Maler der niederländischen Schule.
  • Franz Jakob Nessel, * 30. Juni 1808 in Seligenstadt; † 13. Dezember 1862 in Beerfelden, Landrichter und Landtagsabgeordneter
  • Nikolaus Reuß, * 21. September 1809 in Seligenstadt, † 12. Mai 1890 in Worms, katholischer Stadtpfarrer und Ehrenbürger von Worms
  • Johann David Wissel (1818–1863), Seligenstädter Bürgermeister und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen
  • Isaak Bacharach, * 2. Dezember 1854 in Seligenstadt, † 22. September 1942 im Ghetto Theresienstadt, deutscher Mathematiker.
  • Hermann Josef Wolz (1827–1895), hessischer Landtagsabgeordneter (Zentrum) und Bürgermeister von Seligenstadt
  • David Singer (1865–1932), Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen und 1903 bis 1931 Bürgermeister von Seligenstadt.
  • Franz Boeres, * 4. September 1872 in Seligenstadt, † 24. Mai 1956 in Stuttgart, Bildhauer und Maler.
  • Johann Philipp Hofmann, * 22. Dezember 1873 in Seligenstadt, † 21. Oktober 1926 ebenda, Landtagsabgeordneter.
  • Käthe Sturmfels, * 25. November 1878 in Seligenstadt, † 15. November 1958 in Darmstadt, Schriftstellerin.
  • Otto Sturmfels, * 19. Mai 1880 in Seligenstadt, † 2. April 1945 im KZ Dachau, Landtagsabgeordneter.
  • Heinrich Galm, * 23. Oktober 1895 in Seligenstadt, † 30. Oktober 1984 in Offenbach am Main, sozialistischer Politiker.
  • Franz Singer, * 8. September 1898 in Seligenstadt, † 22. Juli 1953 in Saarbrücken, Journalist und Politiker im Saarland.
  • Walter Wilz, * 20. Oktober 1937 in Seligenstadt, † 1983 in München, Schauspieler.
  • Frank Lortz, * 5. Juni 1953 in Seligenstadt, Abgeordneter und Vizepräsident des Hessischen Landtags und Vereinsringvorsitzender in Froschhausen.
  • Martin Diepgen, * 27. August 1956, Kommunalpolitiker (CDU).
  • Ralf Weber, * 31. Mai 1969, Fußballspieler.
  • Gina-Lisa Lohfink, * 23. September 1986, Model und It-Girl

Weitere Persönlichkeiten in Seligenstadt

  • Elisabeth Langgässer, Dichterin und Schriftstellerin, unterrichtete von 1920 bis 1928 zeitweilig an der Volksschule (Knabenschule) in Seligenstadt. In diese Zeit fällt auch der Beginn ihrer Beziehung zu dem Staatsrechtler Hermann Heller.
  • Theodor Eichberger, Schriftsteller, Humorist, Bildhauer und Fastnachter, * 28. Dezember 1835 in Mainz, † 3. Mai 1917 in Seligenstadt.

Opfer des Nationalsozialismus

In der Liste der Stolpersteine in Seligenstadt sind die Menschen aufgeführt, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Mainfähre

Technische Daten
Name „Stadt Seligenstadt“
Länge über alles 28 Meter
Breite über alles 8,40 Meter
Fahrbahnbreite 5,25 Meter
Tiefgang (leer) 0,62 Meter
Tiefgang (beladen) 1 Meter
Tragfähigkeit 45 Tonnen
Antrieb 2 Antriebsmotoren Iveco
Propeller 2 Schottel Propeller SRP 30
Bordstrom 24 Volt
Geschwindigkeit 5 Knoten
Kiellegung Februar 1971
Inbetriebnahme Mai 1971
Bisher geleistete
Betriebsstunden
über
75.000 Stunden

Die heutige Mainfähre (früher „Newe“ genannt) ist eine frei fahrende Wagenfähre und überquert den Main bei Mainkilometer 69,60. Sie ist seit 1971 in Betrieb. Vor ihr gab es bereits zwei oder drei (die genaue Anzahl ist heute nicht mehr feststellbar) Fähren, die die hessische Stadt Seligenstadt mit der bayerischen Mainseite – Gemeinden Kahl und Karlstein am Main – verbinden. Die Fähre wird von den Seligenstädter Stadtwerken betrieben und fährt jedes Jahr hohe Verluste ein, unter anderem wegen der hohen Verwaltungskosten. Deswegen wurde schon des Öfteren darüber diskutiert, ob nicht anstelle der Fähre eine Brücke über den Main gebaut werden sollte, (wie dies in Mainflingen geschehen ist) oder die Autofähre durch eine reine Fußgänger-/Radfahrer-Fähre ersetzt werden soll. Man spielt auch mit dem Gedanken die Fähre von einer privaten Firma betreiben zu lassen, um so Kosten einsparen zu können. Sie ist eine von zwölf Fähren, die den Main heute noch überqueren.

Geschichte

Schon seit dem neunten Jahrhundert gibt es eine ständige Verbindung über den Main, da das Seligenstädter Kloster das Recht hatte, Personen und Güter auf die andere Mainseite zu befördern. Gegen Geld oder Naturalien wurde dieses Recht weitergegeben, woraus sich die „Fährgerechtigkeit“ entwickelte. Diese „Fährgerechtigkeit“ blieb meist viele Jahre im Besitz einer Familie und konnte weitervererbt werden. Als 1803 das Kloster aufgelöst wurde, ging das Fährrecht auf das Großherzogtum Hessen über, der Fährbetrieb wurde verpachtet. Im Jahr 1868 übernahm die Stadt Seligenstadt für 4.000 Gulden alle Rechte und Privilegien zur Mainfahrt von den damaligen Fährleuten. Die Stadt verpachtete damals das Fährrecht an den Höchstbietenden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Stadt die Fähre wieder. Zunächst wurde ein unmotorisiertes Fährboot angeschafft, das erst 1957 zu einer frei fahrenden Fähre umgerüstet wurde.

Kurioses

Die Seligenstädter haben den Beinamen Schlumper, Schlumber gesprochen. Der Name hat folgende Bedeutungen: „unmäßig lang herabhängendes weites Kleid“, „Einer, der nachlässig langsam geht“ und „kleiner Mainschelch“ mit ca. 250 bis 280 Zentner Ladekapazität.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Seligenstadt

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Deutschlandkarte
Stadtplan Seligenstadt