Gemeinde
Großkrotzenburg
Bahnhofstr. 4
63538 Großkrotzenburg

http://www.grosskrotzenburg.de

Großkrotzenburg

160pxAbb. 1 Wappen von Großkrotzenburg
Basisdaten
Bundesland Hessen
Höhe 112 m
PLZ 63538
Vorwahl 06186
Website www.grosskrotzenburg.de
Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos)

Die Gemeinde Großkrotzenburg liegt südlich von Hanau im Main-Kinzig-Kreis, Hessen, unmittelbar am Main. Über die Gemeindegrenzen hinaus ist Großkrotzenburg wegen seines Badesees bekannt. Insgesamt entfallen etwa zehn Prozent des Gebietes der Gemarkung auf Wasserflächen.

Das Kohlekraftwerk Staudinger ist mit seinen Kühltürmen eine Orientierungsmarke im östlichen Rhein-Main-Gebiet.

Geografie

Nachbargemeinden

Großkrotzenburg grenzt im Norden an die Stadt Hanau, im Osten an die Gemeinde Kahl am Main (Landkreis Aschaffenburg), im Süden und Westen an die Gemeinde Hainburg (Kreis Offenbach).

Geschichte

Bodenfunde weisen auf eine Besiedlung der Großkrotzenburger Gemarkung seit der Vorgeschichte (Bronzezeit, Urnenfelderzeit, Hallstattzeit, La-Tène-Zeit) hin. Um 100 n. Chr. besetzten die Römer das Gebiet und errichteten im heutigen Ortskern das Kastell Großkrotzenburg. Die römische Reichsgrenze, der Limes, erreichte von Norden kommend in Großkrotzenburg den Main, der von hier ab in Richtung Süden den weiteren Verlauf des Limes markierte, bis er sich zunächst als Neckar-Odenwald-Limes ab Wörth, später als Obergermanischer Limes ab Miltenberg vom Main in südlicher Richtung wieder entfernte. Die Besatzung des Kastells war die cohors IV Vindelicorum, die als einzige der Auxiliartruppen des römischen Militärs in Obergermanien in großem Umfang in einer Militärziegelei Bauziegel produzierte.

259/60 überrannten Alamannen den Limes, die zurückgebliebene Bevölkerung wurde um 500 von den Franken unterworfen und fiel um 850 als Geschenk an den Gaugrafen von Hessen. Kaiser Ottos I. Tochter Ida schenkte den Ort Ende des 10. Jahrhunderts dem Kollegialstift zum Heiligen Petrus in Mainz (Petrusstift), in dessen Besitz er mehr als 800 Jahre bis zur Säkularisation verblieb.

Während der Hexenverfolgungen wurden von 1628 bis 1630 in Großkrotzenburg 90 Menschen Opfer der Hexenprozesse: 69 Frauen und 21 Männer. 81 Namen sind überliefert. Das Naturdenkmal Hexeneiche zwischen Großkrotzenburg und Kahl am Main wurde am 7. August 1970 durch einen Blitzeinschlag beschädigt; die schon im Dreißigjährigen Krieg nachgewiesene Eiche musste am 8. Juni 1971 gefällt werden. Eine neu angepflanzte Eiche und ein Gedenkstein erinnern an die Hexenverfolgungen. Informationen gibt es im Heimatmuseum Großkrotzenburg.

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt: Cruzenburch (1175), Crozenburc (1282), Crocenburg trans Mogum (1292) und Gross Crotzenberg (1602).

Großkrotzenburg zählt zu der kleinen Zahl von 31 Kommunen, die im Zuge der Gebietsreform in Hessen nicht verändert wurden. Die Gemeinde besteht nach wie vor aus einer einzigen Ortschaft und einer einzigen Gemarkung, so wie sie historisch gewachsen ist.

Politik

Wappen

Das Wappen besteht aus zwei gekreuzten goldenen Schlüsseln vor einer roten Burgmauer auf weißem Grund. Die Schlüssel sind Symbol für die beiden Diözesen Fulda und Mainz, denen Großkrotzenburg im Laufe der Jahre zugehörig war. Die rote Mauer steht für die römische Vergangenheit als Kastell.

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,7 7 39,0 10 44,1 11 35,0 9
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,6 5 29,9 7 32,0 8 35,3 9
KG Krotzebojer Grüne 25,9 7 20,9 5 12,2 3 11,7 3
FDP Freie Demokratische Partei 24,8 6 10,2 3 11,7 3 12,1 3
GWG Großkrotzenburger Wählergemeinschaft 5,9 1
gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25
Wahlbeteiligung in % 62,1 51,2 48,2 56,6

Bürgermeister

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Großkrotzenburg neben dem Bürgermeister sechs ehrenamtliche Beigeordnete angehören. Bürgermeister ist seit 1. Juli 2016 der parteilose Thorsten Bauroth. Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren

  • bis 2016 Friedhelm Engel (CDU)
  • bis 2004 Klaus Reuter

Partnerstädte

  • Oederan in Sachsen
  • Achères in Frankreich
  • Torsby in Schweden

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Als Sehenswürdigkeit ist vor allem der erhaltene Teil des Römerkastells zu erwähnen, welcher seit dem Sommer 2005 zum UNESCO-Welterbe gehört.Er besteht aus einem Eckturm, der als ältestes oberirdisches römisches Bauwerk diesseits des Rheins gilt, und einem Teil der Mauer des Kastells, das sich direkt an den Turm anschließt. Außerdem wurden am und im Main Reste einer Römerbrücke gefunden, auf die auch ein kleines Modell dieser Brücke am Mainufer hinweist. Die Umrisse der damaligen Eingangstore zum Kastell sind auf der Kirchstraße mit Pflastersteinen dargestellt, damit man sich ein Bild vom Ausmaß der Anlage machen kann.

Die römisch-katholische Kirche St. Laurentius wurde in den Jahren 1826–1828 durch den Baumeister Julius Eugen Ruhl in klassizistischem Stil errichtet und zuletzt in den Jahren 1997 bis 1998 renoviert, der Turm im Jahr 2009.

Sehenswerte Zeugnisse jüdischen Lebens in Großkrotzenburg sind die 1826 erbaute Synagoge in der Steingasse sowie der außerhalb gelegene jüdische Friedhof.

Naherholung

Zur Gemeinde Großkrotzenburg zählt das Strandbad Spessartblick. Im Sommer kann man sich hier an dem rund 150.000 m² großen Baggersee Freigericht-West (auch Großkrotzenburger See genannt) erholen. An den See grenzt eine große Liegewiese, die zum Sonnen einlädt. Die Wasserqualität des Sees ist zusammen mit der des gegenüber der Bundesstraße 8 auf bayerischer Seite gelegenen Sees Freigericht-Ost die beste der Seen der Kahler Seenplatte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die unterirdisch miteinander verbundenen Seen aus mehreren natürlichen Quellen gespeist werden. Der See hat seinen Ursprung im Braunkohletagebau, der bis in die 1920er Jahre in diesem Gebiet durchgeführt wurde. Später kam noch der Abbau von Sand und Kies hinzu.

Museen

Das Heimatmuseum (siehe Weblinks) ist Sitz des Heimat- und Geschichtsvereins und versucht, die wechselvolle Geschichte Großkrotzenburgs abzubilden. Es ist in der 1894 erbauten alten Schule untergebracht, die sich neben dem Eckturm des alten Kastells befindet. Eine Ausstellung gedenkt der Hexenprozesse 1628 durch das Erzstift Mainz.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Kohlekraftwerk Staudinger der E.ON AG am Main ist für die wirtschaftliche Situation des Ortes von zentraler Bedeutung.

Verkehr

Im Ort treffen sich die Landesstraßen L3309 und L3308. Bis zur Anschlussstelle 44 (Alzenau-Nord) der Bundesautobahn 45 sind es über die L3308 drei Kilometer.

Am nördlichen Ortsrand befindet sich der Bahnhof Großkrotzenburg, der an der Main-Spessart-Bahn Hanau-Würzburg liegt.

Die innerörtliche Erschließung geschieht durch die Buslinie 566, die zwischen Hanau und Kahl am Main verkehrt.

Radfernwege

Der Deutsche Limes-Radweg führt durch Großkrotzenburg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein bis nach Regensburg an der Donau.

Am linken Mainufer verlaufen der Main-Radweg und die D-Route 5 (Saar-Mosel-Main) über 1021 km von Saarbrücken über Trier, Koblenz, Mainz, Frankfurt am Main, Würzburg und Bayreuth bis zur tschechischen Grenze.

Öffentliche Einrichtungen

Die Freiwillige Feuerwehr Großkrotzenburg sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Der Feuerwehrverein hat derzeit 500 Mitglieder. Ein Jugendzentrum ist Treffpunkt für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 25 Jahren. Es befindet sich auf der Rückseite des Bürgerhauses.

Bildung

In Großkrotzenburg gibt es zwei Schulen, die Geschwister-Scholl-Grundschule und das private Franziskanergymnasium Kreuzburg, das einen überregionalen Einzugsbereich hat. Bis 1967 war es als "Gymnasium Afrikanum" eine Schule der Weißen Väter, die wegen des in den 20er Jahren gebauten kreuzförmigen Gebäudekomplexes Kreuzburg genannt wurde und auch den heutigen Namen Franziskanergymnasium-Kreuzburg prägt.

Sport

Großkrotzenburg hat ein Sportstadion, das sich im Besitz des örtlichen Fußballvereins befindet. Zudem gibt es in Großkrotzenburg den Turnverein 1884 e.V., einen Breitensportverein mit eigener Halle in der Kahler Straße, und einen Tennisverein mit mehreren Plätzen in unmittelbarer Nähe zum Main. Ebenso gibt es ein Hallenbad und das Strandbad Spessartblick. Das Strandbad verfügt über eine große Grünanlage mit Volleyballfeldern, Kinderspielplätzen und Liegewiese sowie Sanitäranlagen. Am gleichen See, Freigericht West, gelegen befinden sich zudem die Örtlichkeiten des Stemm- und Ringvereins, der Wanderfreunde Edelweiß und des Wassersportvereins.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Großkrotzenburg

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