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Stadtplan Wittenberge
Stadt Wittenberge
Der Bürgermeister
August-Bebel-Straße 10
19322 Wittenberge

http://www.wittenberge.de

Wittenberge

160pxAbb. 1 Wappen von Wittenberge
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 22 m
PLZ 19322
Vorwahl 03877
Gliederung 7 Stadtteile/Stadtbezirke
Website www.wittenberge.de
Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos)

Wittenberge ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Prignitz im Nordwesten Brandenburgs und der bevölkerungsreichste Ort in der Prignitz. Die Stadt an der Elbe auf halber Strecke zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg besteht seit dem Mittelalter. Sie entwickelte sich während der Industrialisierung durch den Bahnhof Wittenberge und den Elbhafen als Technologiestandort, vor allem mit den Eisenbahnreparatur- und Nähmaschinenwerken. Mit dem benachbarten Perleberg bildet es ein Mittelzentrum. Es finden hier jährlich die Elblandfestspiele statt.

Geografie

Wittenberge liegt im nordwestlichen Brandenburg in der Prignitz, etwa elf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Perleberg, am nördlichen Ufer der Elbe, direkt an der Einmündung der Stepenitz und der Karthane in diesen Strom. Die Stadt befindet sich ungefähr auf der Hälfte der Strecken Berlin–Hamburg und Rostock–Magdeburg.

;NachbargemeindenDem Uhrzeigersinn folgend sind die Nachbargemeinden, beginnend im Westen, Cumlosen, Lanz, Perleberg, Weisen, Breese und Bad Wilsnack auf der brandenburgischen Elbseite sowie jenseits des Flusses Seehausen (Altmark) und Aland (Altmark) in Sachsen-Anhalt.

Stadtgliederung

Zu Wittenberge gehören laut Hauptsatzung der Stadt die Ortsteile Bentwisch, Garsedow, Hinzdorf, Lindenberg, Lütjenheide, Schadebeuster und Zwischendeich. Darüber hinaus sind die drei Wohnplätze Berghöfe, Hermannshof und Wallhöfe Teil des Stadtgebietes.

Lütjenheide, Schadebeuster und Zwischendeich sind seit dem 20. Juni 1957 Ortsteile von Wittenberge. 1962 wurde Lindenberg nach Wittenberge eingemeindet und seit 1995 ist es ein Ortsteil von Wittenberge. Garsedow und Hinzdorf wurden am 20. Oktober 1971 eingemeindet. Bentwisch kam am 1. Dezember 1997 hinzu.

Geschichte

Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Wittenberge unter Obhut der Familie Gans gegründet, wie auch Perleberg und Putlitz. Wittenberge soll 1226 in einer Urkunde, die nur als Transsumpt in einer Originalurkunde des Markgrafen Friedrich d. J. von Brandenburg vom 15. Februar 1463 vorliegt, erstmals urkundlich erwähnt worden sein. In der besagten Urkunde verfügten die Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg, dass niemand eine Schiffsfähre auf der Elbe zwischen der Stadt Werben (Elbe) und „Wittemberge“ unterhalten darf. Hermann Krabbo bezeichnete 1910 die Urkunde von 1226 als Fälschung, was durch Forschungen im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt im Januar 2006 bekräftigt wurde. Eine weitere urkundliche Erwähnung findet sich am 29. Oktober 1239. Damals unterschrieb ein Zeuge eine Urkunde mit „prepositus de uittenberge“. Ferner wurde Wittemberg am 22. Juli 1300 urkundlich erwähnt, als der Stadtherr Otto I. Gans die Rechte Wittenberges als Stadt bestätigt.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war Wittenberge vollständig entvölkert.

Die Stadt fiel 1686 und 1757 verheerenden Bränden und 1709 und 1761 Elbdeichbrüchen zum Opfer. 1820 legte das erste Dampfschiff der Berlin-Hamburg Passagierlinie im Hafen von Wittenberge an. Der industrielle Aufschwung der Stadt wurde 1823 durch den Bau einer Ölmühle (1823–1935: Herzsche Ölmühle, 1942–1946: Märkische Ölwerke Wittenberge AG, 1946–1990: VEB Märkische Ölwerke Wittenberge, 1990–1991: Märkische Ölwerke GmbH Wittenberge) durch den Kaufmann Salomon Herz begründet. Die Fertigstellung des Elbhafens im Jahre 1835 und der Anschluss an die Eisenbahnlinie Berlin-Hamburg am 15. Oktober 1846 sowie die Fertigstellung der Anschlussstrecken nach Magdeburg zwischen 1847 und dem 25. Oktober 1851, Lüneburg (1874) und Salzwedel (1879) waren ebenfalls entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Der Ölmühle folgten 1846 eine Seifenfabrik, 1849 eine chemische Fabrik und 1875 ein Eisenbahn-Ausbesserungswerk, das bis heute besteht.

1903 errichtete die in New York City ansässige Firma Singer Manufacturing Company eine Nähmaschinenfabrik, die bis in die 1920er Jahre weitere Ausbauten erfuhr, u. a. 1928/29 durch die größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Kontinent. Hier wurden bis zum 3. Mai 1945 die Singer-Nähmaschinen hergestellt. Während der DDR-Zeit wurde die Nähmaschinenproduktion erfolgreich weitergeführt. Die Nähmaschinen aus Wittenberge hießen jetzt VERITAS und Naumann und wurden ein Weltprodukt. In den 1980er Jahren avancierte der VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge zur modernsten Nähmaschinenfabrik der Welt.

1912 erhielt das Baubüro Gropius den Auftrag, im Norden der Stadt die Projekt- und Bauleitung einer großen Arbeitersiedlung zu übernehmen. Um 1914 entstanden auf diese Weise drei Typen von Siedlungshäusern, in denen sich erstmals Gropius’ Konzept rationell errichteter Bauten umsetzen ließ. Die Stadt Wittenberge unterließ es, die Bauten unter Denkmalschutz zu stellen, so dass durch die jahrzehntelange Nutzung sowie private Um- und Anbauten der ursprüngliche Zustand verloren ist.

Bereits 1912 war ein Teil des Friedhofs als Begräbnisstätte für die Juden der Stadt eingerichtet worden. Die 1923 gegründete Jüdische Gemeinde, die keine eigene Synagoge besaß, bestattete hier ihre verstorbenen Mitglieder. Während der NS-Zeit in Deutschland beseitigten die Nationalsozialisten den Friedhof. Außerdem befand sich ab 1942 auf dem Gelände der 1937 gegründeten Zellstoff- und Zellwollefabrik das KZ-Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme. Die etwa 3000 Häftlinge wurden unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit verpflichtet. Hunderte überlebten nicht, weil sie an Hunger oder Krankheiten starben oder ermordet wurden. Im Jahre 1962 wurden Grabsteine restauriert und aufgestellt, dazu ein Gedenkstein.

Durch die Ölmühle, Singer und das Bahnwerk sowie den Bau weiterer Fabriken wie 1935 die Norddeutsche Maschinenfabrik und 1937/38 die Zellstoff- und Zellwollefabrik wurde Wittenberge die wichtigste Industriestadt der Region. Durch den industriellen und damit wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Einwohnerzahl schnell an. Dies führte zur Ausweitung des Stadtgebietes. Besonders zwischen der Altstadt und dem rund 1 km nordöstlich davon errichteten Bahnhof entstanden in mehreren Phasen Wohnungen für Arbeiter. Darunter sind auch etliche Gebäude der Gründerzeit, die nach und nach saniert werden. Besonderes Augenmerk verdient auch das „Haus der Vier Jahreszeiten“ mit seiner Fassade im Jugendstil.

In den Jahren 1912–1914 wurde das Wittenberger Rathaus (Turmhöhe 51 m) errichtet, das in seiner monumentalen Ausführung deutlich den großstädtischen Anspruch der aufstrebenden Industriestadt symbolisiert. Dieser Aufbruch wurde durch die Folgen des Ersten Weltkrieges 1914–1918 und die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er Jahre gedämpft.

Wittenberge hatte nach 1816 dem Kreis Westprignitz in der preußischen Provinz Brandenburg (Regierungsbezirk Potsdam) angehört. Am 1. August 1922 schied die Stadt Wittenberge aus dem Kreis Westprignitz aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. 1950 verlor die Stadt Wittenberge ihre Kreisfreiheit und wurde wieder dem Kreis Westprignitz einverleibt.

Im Jahr 1952 wurden das Land Brandenburg und der Kreis Westprignitz aufgelöst. Wittenberge gehörte von diesem Zeitpunkt an zum Kreis Perleberg im Bezirk Schwerin, seit 1990 in Brandenburg. 1993 wurden der Kreis Perleberg und damit auch Wittenberge Bestandteil des neu gebildeten Landkreises Prignitz.

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachte für die Prignitz und Wittenberge erhebliche wirtschaftliche Veränderungen. Neben dem Nähmaschinenwerk (1991) wurden auch das Zellstoffwerk (VEB Zellwolle, 1990) und die Ölmühle (1991) geschlossen. Von den großen Betrieben blieb nur das Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge (RAW) als jetziges Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn AG erhalten. Aufgrund des damit verbundenen Wegfalls von Arbeitsplätzen kam es zu einer Abwanderung von Einwohnern in erheblichem Ausmaß (ca. 2 % p. a. seit 1990), deren Ende noch nicht prognostiziert wurde. Der Bahnhof Wittenberge, der bis 2000 noch stündlich mit ICE-Zügen auf der Strecke Hamburg–Berlin bedient wurde, verlor drastisch an Bedeutung.

Seit dem Jahre 2000, der 700-Jahr-Feier der Stadt, ist Wittenberge der jährliche Austragungsort der überregional bekannten Elblandfestspiele Wittenberge (EFS), des internationalen Festivals der Operette und heiteren Bühnenkunst in Deutschland. Es ist damit das bedeutendste Musikfestival dieses musikalischen Genres in Deutschland. Gleichzeitig ist Wittenberge Austragungsort des Internationalen Gesangswettbewerbes für Operette – Paul Lincke.

Bevölkerungsentwicklung

  • 1652: 252
  • 1719: 374
  • 1730: 406
  • 1740: 454
  • 1742: 667
  • 1750: 761
  • 1756: 770
  • 1800: 884
  • 1812: 910
  • 1819: 1.200
  • 1825: 1.325
  • 1840: 2.500
  • 1845: 2.700
  • 1850: 4.176
  • 1853: 5.305
  • 1863: 5.912
  • 1864: 6.200
  • 1867: 6.941
  • 1875: 7.367
  • 1877: 8.062
  • 1880: 9.548
  • 1882: 10.250
  • 1890: 12.338
  • 1895: 14.559
  • 1900: 16.322
  • 1905: 18.603
  • 1910: 20.709
  • 1914: 22.693
  • 1920: 24.848
  • 1925: 26.493
  • 1930: 26.476
  • 1935: 26.605
  • 1938: 28.421
  • 1940: 31.415
  • 1941: 32.597
  • 1943: 34.842
  • 1945: 39.587
  • 1946: 31.485
  • 1954: 32.200
  • 1964: 32.439
  • 1966: 32.735
  • 1968: 33.077
  • 1977: 33.279
  • 1980: 32.287
  • 1981: 31.855
  • 1985: 30.519
  • 1987: 30.181
  • 1988: 30.240
  • 1990: 28.168
  • 1995: 24.515
  • 1996: 24.041
  • 1997: 23.833
  • 1998: 23.398
  • 1999: 22.825
  • 2000: 22.163
  • 2001: 21.513
  • 2002: 21.112
  • 2003: 20.639
  • 2004: 20.120
  • 2005: 19.767
  • 2006: 19.566
  • 2007: 19.297
  • 2008: 19.023
  • 2009: 18.710
  • 2010: 18.571
  • 2011: 17.638
  • 2012: 17.476
  • 2013: 17.297
  • 2014: 17.200
  • 2015: 17.206
  • 2016: 17.318
  • 2017: 17.201

Gebietsstand des jeweiligen Jahres

1991–2013, ab 1991 jeweils Stand 31. Dezember, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Wittenberge besteht aus 28 Stadtverordneten und dem jeweiligen hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgender Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung:

Partei / Liste Sitze
SPD 9
CDU 7
Die Linke 6
Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG) 3
FDP 2
Grüne 1

Bürgermeister

  • 1990–1993: Sigmar Luft (CDU)
  • 1993–2008: Klaus Petry (SPD)
  • seit 2008: Oliver Hermann (parteilos)

Hermann wurde als Kandidat der SPD am 10. April 2016 ohne Gegenkandidat mit 94,8 % der gültigen Stimmen für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.

Flagge

Die Flagge der Stadt ist Rot – Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften

Partnerschaften gibt es mit folgenden Städten:

  • Châlons-en-Champagne, Frankreich
  • Elmshorn, Deutschland
  • Rasgrad, Bulgarien

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Bauwerke

  • Steintorturm (ältestes Gebäude, ca. 1300)
  • Alte Burg Wittenberge (Stadtmuseum Wittenberge)
  • Evangelische Kirche in der Altstadt, erbaut 1872
  • Neoklassizistisches Kultur- und Festspielhaus
  • Katholische Kirche St. Heinrich, erbaut 1898, mit moderner Innengestaltung (1976) von Friedrich Press
  • Neobarockes Rathaus (1912–1914) (Turmbesteigung in der wärmeren Jahreszeit möglich)
  • Historischer Wasserturm im Stadtpark (1905 erbaut) mit Trinkhalle
  • Jugendstilhaus „Haus der vier Jahreszeiten“, erbaut 1906, Schillerplatz
  • Historischer Bahnhof mit großem Gründerzeit-Speisesaal
  • Alte Ölmühle zu Wittenberge erbaut 1856, einzige Brauerei in Wittenberge und Festspielgelände der Elblandfestspiele mit „Elblandbühne“, Kapazität ca. 3500 Besucher
  • Ehemalige Singer-/Veritas-Nähmaschinenwerke (erbaut 1903)
  • Uhrenturm, größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Festland
  • Gropiussiedlung im Norden der Stadt
  • Elbebrücke Wittenberge (Straße) (1978), mit 1.110 m längste in der DDR gebaute Straßenbrücke
  • Elbebrücke Wittenberge (Eisenbahn) (1987), mit 1.030 m längste in der DDR gebaute Eisenbahnbrücke

Skulpturen und Denkmale

  • Der Bildhauer Christian Uhlig schuf die dreiteilige Skulpturengruppe Zeitreise, die am Elbufer platziert wurde.
  • Gedenkstein von 1949 gegenüber dem Haupteingang des Friedhofs an der Parkstraße 30 für die Opfer des Faschismus durch KZ-Terror und Zwangsarbeit
  • Mahnmal von 1996 für die Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft in der Nähe der Feierhalle
  • Gedenkstein im Hof des ehemaligen Nähmaschinenwerkes in der Bad Wilsnacker Straße 43 für sieben Personen, die als antifaschistische Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter(innen) ermordet wurden
  • Gedenkstein von 1962 zur Erinnerung an den Jüdischen Friedhof auf dem Gelände des Städtischen Friedhofes
  • Gedenkstein von 1969 an der Ernst-Thälmann-Straße für den gleichnamigen Arbeiterpolitiker, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde

Parks

  • Stadtpark
  • Waldfriedhof
  • Schützenplatz (Veranstaltungsort für Zirkus, Schützenfest, Osterfeuer)
  • Clara-Zetkin-Park

Naturdenkmale

Offiziell anerkannte Naturdenkmäler:

  • Hängebuche (Fagus silvatica Pendula) auf dem östlichen Teil des Elmshorner Platzes
  • Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia) auf dem westlichen Teil des Elmshorner Platzes
  • Stiel-Eiche (Quercus robur) auf der Anhöhe des Stadtparkes
  • Platanen (Platanus acerifolia) beiderseits der Auffahrt zum Grundstück Perleberger Straße 31
  • Stiel-Eiche in der Straße „Weinberg“
  • Stiel-Eiche in einer Gasse zwischen der Bahnstraße und der Straße „Hinter den Planken“
  • acht Rotbuchen (Fagus silvatica) an der Straße „Am Kuhberg“, welche eine „Laube“ bilden
  • Stiel-Eiche an der Straße zwischen Gasedow und Lütjenheide
  • vier Stiel-Eichen vor der Ortschaft Lütjenheide
  • Stiel-Eiche am Brack zwischen Hinzdorf und Scharleuk

Museen

  • Stadtmuseum in der Alten Burg, dem ältesten Wohnhaus der Stadt.
  • Eisenbahnmuseum Historischer Lokschuppen Wittenberge

Theater

  • Kultur- und Festspielhaus Wittenberge am Paul-Lincke-Platz
  • Elblandfestspiele Wittenberge – internationales Festival für Operette und heitere Bühnenkunst in Deutschland (jährliche Veranstaltungen in den Sommermonaten)

Kino

  • Kino „Movie Star“ in der Friedrich-Ebert-Straße 15 nahe dem Bismarckplatz.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • im Mai: Internationale Schießsportwoche
  • im Mai: Internationaler Gesangswettbewerb für Operette „Paul Lincke“ Wittenberge
  • im Juni: Freiluft-Volleyballturnier "Volleyballsommer" des SV Empor / Grün-Rot Wittenberge 1990 e. V.
  • im Juni: Dixilandfest im Hof des Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge
  • zu Pfingsten: Country-Music-Festival Wittenberge, auf dem Sport- und Freizeitgelände des ESV 1888 nahe dem Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn
  • im Juli: Elblandfestspiele Wittenberge
  • im August: Stadt- und Hafenfest, Elb-Badetag

Kulinarische Spezialitäten der Region

Knieperkohl („Saurer Hansen“)

Weiteres

Zum regional tradierten Volksgut gehört die Legende vom Fährmann Hildebrand.

Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen

Der Wirtschaftsstandort ist Teil des Wachstumskerns Prignitz, einer von 15 Regionalen Wachstumskernen im Land Brandenburg. Dadurch werden ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert.

In Wittenberge gab es 89 Jahre lang das Nähmaschinenwerk Wittenberge mit 3200 Mitarbeitern im Jahr 1989. Obwohl hier in den 1980er Jahren noch neue Fertigungsanlagen errichtet wurden, sah die Treuhandanstalt keine Zukunft für das Werk und liquidierte es kurz nach der Wende 1992. Das Werk ging als Zweigwerk der amerikanischen Singer 1903 in Betrieb, die produzierten Maschinen wurden unter den Namen Veritas und Naumann verkauft. Auf Grund der hohen Zuverlässigkeit der Maschinen gibt es 20 Jahre nach Produktionsstillstand und guten Ersatzteilen noch immer einen Markt für die Maschinen. In den Jahren 2012 und 2013 gab es Gewerbeansiedlungen wie den österreichischen Dämmstoffhersteller Austrotherm, den Frankiermaschinenhersteller Francotyp-Postalia oder den Transformatorenhersteller Schacht GmbH.

Der weiterhin noch größte Arbeitgeber ist mit dem Ausbesserungswerk Wittenberge die Deutsche Bahn, es ist mit der Instandhaltung von Reisezugwagen beauftragt. Von 2012 bis 2014 erfolgte dort die Revision der Doppelstockwagen mit Einbau neuer Monitore, LED statt Röhren und Notebook-Stromanschlüssen für den Nahverkehr in z. B. Hessen und Brandenburg. Ebenso wird dort die IC-Flotte der Deutschen Bahn modernisiert.

Verkehr

Straßenverkehr

Wittenberge liegt an der Bundesstraße 189 zwischen Perleberg und Stendal. Von der B 189 zweigt hier die B 195 nach Boizenburg ab. Über die Landesstraße L 11 ist Bad Wilsnack erreichbar.

Die Elbbrücke an der B 189 bei Wittenberge ist die einzige Straßenbrücke zwischen den Brücken der B 191 bei Dömitz (ca. 50 km flussabwärts) und der B 188 bei Tangermünde (ca. 60 km flussaufwärts). Dazwischen kann die Elbe nur mit Hilfe von Fähren überquert werden.

Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Suckow und Meyenburg an der A 24 Hamburg–Berlin und Wittstock an der A 19 nach Rostock. Mit der geplanten Verlängerung der A 14 Schwerin–Magdeburg wird Wittenberge einen direkten Autobahnanschluss erhalten.

Schienenverkehr

Der Bahnhof Wittenberge mit umfangreichen weiteren Betriebseinrichtungen liegt an der Schnellfahrstrecke Berlin–Hamburg und ist die wichtigste Station zwischen den beiden Städten. Er ist außerdem Ausgangspunkt der Bahnstrecken nach Wittstock (Dosse) und Stendal.

Wittenberge wird im Fernverkehr von einzelnen Intercity-Express-Zügen der Linie (Kopenhagen/Aarhus–)Hamburg–Berlin(–Leipzig–München) und von weiteren Intercity- bzw. Eurocity-Zügen auf der Strecke (Westerland–)Hamburg–Berlin–Dresden(–Prag–Bratislava bzw. Wien) angefahren. Einmal wöchentlich verkehrt zusätzlich ein Intercity Rostock–Schwerin–Stendal–Magdeburg–Leipzig.

Im Regionalverkehr halten hier Regional-Express-Züge der Linie RE 2 (Wismar–Schwerin–)Wittenberge–Berlin–Cottbus im Stunden-Takt (zwischen Wittenberge und Wismar im Zwei-Stunden-Takt). Einmal stündlich fahren eine Regionalbahn S 1 nach Stendal–Wolmirstedt–Magdeburg–Schönebeck (Elbe) und der Regional-Express RE 6 nach Perleberg–Pritzwalk–Wittstock (Dosse)–Neuruppin–Berlin Gesundbrunnen. Die Bahnlinie nach Arendsee–Salzwedel ist mittlerweile ohne Personenverkehr und wurde durch den Landesbus 200 ersetzt.

Zuvor verkehrten hier ab 1870 auch die Züge der Bahnstrecke Wittenberge–Lüneburg der Berlin-Hamburger Bahn, die bei Dömitz über die Elbe und über Dannenberg und Lüneburg nach Buchholz führte. Sie sollte ursprünglich der direkten Verbindung Berlin–Bremen dienen, was aber nicht zustande kam. Während der Zeit der DDR war der Bahnhof Wittenberge einer der wichtigsten Bahnhöfe im nordwestlichen Bereich des Netzes der Deutschen Reichsbahn und, von den Grenzbahnhöfen Schwanheide und Griebnitzsee bzw. Staaken abgesehen, einzige Haltestelle der Interzonenzüge zwischen Hamburg und Berlin. Das frühere Reichsbahnausbesserungswerk wurde von der Deutschen Bahn übernommen und wird als Radsatzwerkstatt und Ausbesserungswerk (AW) für Reisezüge betrieben.

Mit der Aufbereitung Wittenberger Eisenbahngeschichte beschäftigt sich der Verein Historischer Lokschuppen Wittenberge e. V. Im Lokschuppen sind seit 2012 die Fahrzeuge des Dampflokfreunde Salzwedel e. V. stationiert.

Schiffsverkehr

An der Einmündung der Stepenitz in die Elbe befindet sich der Hafen von Wittenberge. Die zwischenzeitlich für den Güterverkehr aufgegebene alte Anlage wird nachhaltig wiederbelebt. Im Rahmen des Elbschifffahrtstages 2010 in Wittenberge wurden u. a. der Arbeitskreis Binnenschifffahrt und die neuen, zum Teil noch im Bau befindlichen Hafenanlagen vorgestellt. Ein Anleger für Tankschiffe ist bereits in Betrieb und ein innovatives trimodales Terminal befindet sich kurz vor der Fertigstellung.

Öffentliche Einrichtungen

Stadtinformation Wittenberge im Festspielhaus am Paul-Lincke-Platz

Bildung

Neben dem Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge gibt es noch die Oberschule Wittenberge, das Oberstufenzentrum des Landkreises Prignitz, mehrere Grund- und Förderschulen sowie acht Kindertagesstätten, die von der Stadt oder anderen Betreibern unterhalten werden.

Die Kreisvolkshochschule Prignitz bietet Weiterbildung für Erwachsene, auch auf dem zweiten Bildungsweg.

1907 wurde eine Stadtbibliothek eröffnet, die seit 1954 den Namen Martin-Andersen-Nexö-Bibliothek trägt und 2019 etwa 33.000 Medien anbietet.

Sport

Derzeit gibt es 20 Sportvereine mit knapp 2170 Mitgliedern. Die Wittenberger Schützengilde, einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Vereine der Stadt, brachte Welt- und Europameister hervor, auch aus dem Tanzcentrum Wittenberge kamen Europameister.

  • Wittenberger Schützengilde 1582
  • Turngemeinde Wittenberge 1863
  • Eisenbahnersportverein (ESV) Wittenberge 1888
  • FSV Veritas Wittenberge/Breese (Fußball)
  • SSV Empor 90 Wittenberge
  • SV Empor/Grün-Rot Wittenberge 1990
  • Tanzcentrum Wittenberge
  • Prignitzer Handball-Club (PHC) Wittenberge (Handball)
  • Motorboot- und Segelclub Neptun
  • SchwimmClub "Delphin" Wittenberge
  • Reitverein Wittenberge.
  • DS "Racing-Team" (Motorsport)
  • Boxsportverein Veritas Wittenberge
  • Inside Bowling Club Wittenberge
  • zahlreiche Anglervereine

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Hermann Bamberg (1846–1928), Unternehmer, Berliner Kommunalpolitiker, Ehrenbürger von Berlin
  • Johannes Daniel Benda (1849–1927), Jurist
  • Eugen Hildach (1849–1924), Komponist
  • Carl Lindenberg (1850–1928), Jurist und Philatelist
  • Arthur Obst (1866–1936), Journalist
  • Otto Telschow (1876–1945), Politiker (NSDAP), Gauleiter
  • Fried Lübbecke (1883–1965), Kunsthistoriker
  • Friedrich Burmeister (1888–1968), Politiker (CDU), Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR
  • Emanuel Hirsch (1888–1972), evangelischer Theologe
  • Agnes Wendland (1891–1946), Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, Gerechte unter den Völkern
  • Otto Hilgenfeldt (1900–1983), Handchirurg
  • Marianne Ammerpohl (1901–1995), Konzertsängerin und Gesangspädagogin („Wittenberger Nachtigall“)
  • Ernst August Wiese (1902–1945), plattdeutscher Dichter
  • Georg Wolff (1914–1996), SS-Hauptsturmführer und Journalist
  • Adolf Fritz Guhl (1917–1977), Dirigent und Generalmusikdirektor des Großen Rundfunkorchesters Leipzig
  • Hans Bluhm (1922–2009), Journalist, Erfinder der Goldenen Kamera
  • Klaus Havenstein (1922–1998), Schauspieler und Kabarettist
  • Erwin Lademann (1923–2015), Schriftsteller und Journalist
  • Willi Heine (1929–2017), Kinderheilkundler
  • Hans Joachim Hirsch (1929–2011), Rechtswissenschaftler
  • Gisela Gneist (1930–2007), politische Gefangene in der SBZ, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande
  • Ulrich Makosch (1933–2008), Journalist (Fernsehen der DDR)
  • Heinz-Dieter Winter (* 1934), DDR-Diplomat
  • Henning Schneider (* 1939), Gynäkologe und Hochschullehrer
  • Helge Jung (1943–2013), Komponist
  • Stefan Paetow (* 1943), Richter am Bundesverwaltungsgericht
  • Christian Schmidt (* 1943), Politiker (Die Grünen)
  • Friedrich Schorlemmer (* 1944), Theologe
  • Jörg Buchna (* 1945), evangelisch-lutherischer Geistlicher, Autor
  • Bernd Rudow (* 1947), Psychologe und Arbeitswissenschaftler
  • Gustav Kluge (* 1947), Maler und Hochschullehrer
  • Joachim Tschirner (* 1948), Dokumentarfilmregisseur
  • Hans-Georg Lemme (1953–1974), Todesopfer an der innerdeutschen Grenze
  • Udo Schenk (* 1953), Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher
  • Norbert Klaar (* 1954), Sportschütze, Olympiasieger 1976 (Schnellfeuerpistole)
  • Uwe Potteck (* 1955), Sportschütze, Olympiasieger 1976 (Freie Pistole)
  • Jürgen Stadelmann (* 1959), Politiker (CDU)
  • Olaf Briese (* 1963), Kulturwissenschaftler und Hochschullehrer
  • Heiko Reissig (* 1966), Kammersänger, Gründer und Intendant der Elblandfestspiele Wittenberge
  • Richard Kruspe (* 1967), Gitarrist der Band Rammstein
  • Christine Magerski (* 1969), Professorin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin

Mit Wittenberge verbundene Persönlichkeiten

  • Gans zu Wittenberge, Stadtgründer
  • Salomon Herz (1791–1865), jüdischer Kaufmann aus Berlin, Gründer der Wittenberger Ölmühle an der Elbe
  • Paul Lincke (1866–1946), Operettenkomponist, 1882–1886 musikalische Ausbildung an der Wittenberger Stadtpfeiferei unter Rudolph Kleinow
  • Johann Wilhelm Trollmann (1907–1944), sinto-deutscher Boxer. 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht, 1944 im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme ermordet
  • Ulrich Woronowicz (1928–2011), evangelischer Theologe und Buchautor, Pfarrer in Wittenberge
  • Georg-Michael Fleischer (* 1941), Chirurg, Chefarzt in Wittenberge

Sonstiges

Die Stadt erhielt mit den Jahren zwei Identifikationsnamen, den ersten wegen des Nähmaschinenwerkes – „Wittenberge Stadt der Nähmaschinen“ und den zweiten, da die meisten Arbeiter des Nähmaschinen- und des Zellwollwerks, aber auch die der Ölmühle ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad bestritten, „Fahrradstadt Wittenberge“, und seit 2000 zunehmend „Festspielstadt Wittenberge“.

Wittenberge ist beliebter Drehort diverser Filmproduktionen (historische Bausubstanz-Kulissen) u. a.:

  • Yella mit Nina Hoss, Hinnerk Schönemann und Devid Striesow, Regie Christian Petzold (2007)
  • Neger, Neger, Schornsteinfeger mit Veronica Ferres (2005)
  • Kleinruppin forever mit Tobias Schenke, in einer Nebenrolle: Heiko Reissig (2004)
  • Crazy Race 2 – Warum die Mauer wirklich fiel mit Wolke Hegenbarth, Katy Karrenbauer, Daniel Küblböck, Mundstuhl und Dirk Bach (2004)
  • Der Verleger mit Heiner Lauterbach (2001)
  • Toter Mann mit Nina Hoss, André Hennicke und Sven Pippig (2001)
  • Karbid und Sauerampfer mit Erwin Geschonneck und Marita Böhme (1963), Regie Frank Beyer

Weblinks

Hinweis

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