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Perleberg
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Perleberg
Großer Markt
19348 Perleberg

http://www.stadt-perleberg.de

Perleberg

160pxAbb. 1 Wappen von Perleberg
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 31 m
PLZ 19348
Vorwahl 03876, 038793
Gliederung 12 Ortsteile
Website www.stadt-perleberg.de
Bürgermeisterin Annett Jura (parteilos)

Die Stadt Perleberg ist die Kreisstadt des Landkreises Prignitz im Land Brandenburg. Mit rund 12.000 Einwohnern ist sie nach Wittenberge die zweitgrößte Stadt im Landkreis. Seit 2016 trägt Perleberg den nichtamtlichen Namenszusatz Rolandstadt.

Geografie

Geografische Lage

Perleberg liegt in der Prignitz am Fluss Stepenitz, welcher hinter Perleberg in das Elbe-Urstromtal fließt. Die Altstadt von Perleberg liegt auf einer aus Sandablagerungen gebildeten Insel zwischen zwei Stepenitzarmen im Stepenitztal. Dieses Gelände ist fast eben und weist nur ein leichtes Gefälle vom Kirchplatz nach Süden auf. In der Pritzwalker und der Berliner Straße steigt das Gelände zum Ortsausgang hin stetig bis auf etwa 16 Meter an. Ebenfalls lassen sich Erhöhungen im Norden und Nordwesten der Stadt feststellen. Im Gegensatz dazu ist das Gelände im Westen bei der Sükower Straße eben und flach.

Im Nordosten der Stadt befinden sich drei Erhebungen: der teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesene Weinberg (83 m), Reste des Golmer Berges (ehemals 83 m), welcher durch den Kiesabbau abgetragen wurde, und der Weiße Berg (80,7 m) bei Spiegelhagen.

Südlich grenzt die Stadt an die Perleberger Heide, einem etwa sieben Kilometer breiten und 56 Kilometer langen, parallel der Elbe führenden Streifen, welcher eine dünenreiche und wenig fruchtbare Talsandebene bildet, die vor allem mit Kiefernwäldern bewachsen ist.

Benachbarte Städte sind Wittenberge und Pritzwalk.

Stadtgliederung und Flächennutzung

Die Stadt Perleberg unterteilt sich heute in die eigentliche Stadt auf der Gemarkung Perleberg und zwölf Ortsteile. Die Ortsteile sind ländlich geprägt. Sie bestehen aus je einem Dorf und den umliegenden Flächen. Die Ortsteile wurden der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angegliedert.

(Stand: Einwohner 2011, Flächen 2011)

Ortsteil Einwohner Fläche in km²
Kernstadt Perleberg 10.452 44,15
Dergenthin 263 17,83
Düpow 355 8,32
Gramzow 40 3,27
Groß Buchholz 129 6,32
Groß Linde 45 4,40
Lübzow 121 5,67
Quitzow 310 11,46
Rosenhagen 113 8,17
Schönfeld 112 5,29
Spiegelhagen 138 7,31
Sükow 185 9,99
Wüsten-Buchholz 107 5,65
Gesamt 12.370 137,82

Zudem existieren neun ausgewiesene Wohnplätze: Alt Gramzow und Gramzower Mühle im Ortsteil Gramzow, Lübzow Ausbau im Ortsteil Lübzow, Platenhof im Ortsteil Sükow, Kolonie im Ortsteil Wüsten-Buchholz sowie Henningshof, Neue Mühle, Perlhof und Waldsiedlung zur Kernstadt Perleberg.

(Stand: 2009)

Flächen nach Nutzungsart Fläche in Hektar
Gebäude- und Freifläche 719
Betriebsfläche 45
Erholungsfläche 202
Verkehrsfläche 623
Landwirtschaftsfläche 7662
Waldfläche 4393
Wasserfläche 117
Flächen anderer Nutzung 21
Bodenfläche (gesamt) 13.782

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden von Perleberg sind Karstädt, Groß Pankow, Plattenburg, Amt Bad Wilsnack/Weisen, Wittenberge, Amt Lenzen-Elbtalaue.

Klimatische Verhältnisse

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Die Geschichte der Stadt Perleberg ist eng mit der Geschichte der Prignitz verbunden. Wie entsprechende Funde belegen, gab es bereits vor 3000 Jahren eine Besiedlung der Stepenitzinsel. Später wurde auf Grund von Keramikfunden eine slawische Besiedlung nachgewiesen. An den Wasserläufen der Stepenitz, die in der Nähe von Meyenburg entspringt, durch die Prignitz fließt und schließlich in die Elbe mündet, wurden mit der Zeit einfache Mühlen und die damit verbundenen Wohnhäuser gebaut.

Die Nikolaisiedlung ist die älteste nachgewiesene frühmittelalterliche Stammsiedlung. Als ihre Entstehungszeit nimmt man die letzte Hälfte des 12. Jahrhunderts an. Das Straßennetz wurde besonders im Südteil der Siedlung in regelmäßiger Gitterform angelegt, bei der sich gerade Straßen rechtwinklig kreuzen. Einer der Baublöcke war der St. Nikolaikirche vorbehalten, die sich im Gebiet des heutigen St. Nikolaiplatzes befand. Insgesamt lässt sich eine elliptische Umrissform erkennen, die ein Ebenbild zu Wittenberge bildet.

Es siedelten sich, durch die gute Lage begünstigt, mehrere Betriebe (u. a. Fischereien, Wollwäschereien und Gerbereien) an und es zogen immer mehr gewerbetreibende Personen wie Kaufleute, Händler, Fleischer, Bäcker, Schuhmacher, Schneider, Maurer in diese Gegend. Durch den regen Verkehr entstanden schon damals Straßen, wie die Bäckerstraße und die Schuhstraße, sowie Plätze wie der Marktplatz, der Pferdemarkt (Schuhmarkt) und der Rosenhof.

Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Perleberg unter Obhut der Familie Gans gegründet und erhielt am 29. Oktober 1239 das Salzwedeler Stadtrecht verliehen. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt allerdings vom März 1239, als Johann Gans den Schuhmachern das Privileg erteilt. Die Verleihung des Stadtrechtes erfolgte aus gutem Grund, denn die Stadt war zu einem verhältnismäßig großen Ort herangewachsen. Dieser besaß eine Burg – die Gänseburg –, eine Kirche, mehrere Straßen und Plätze, Innungen, Gilden sowie eine in Handwerk und Handel geschäftige Bevölkerung. Das Stadtrecht wurde laut Urkunde von Salzwedel auf Vortrag zweier Männer, nämlich Gerardus de Hertesberge und Vorlevus de Perleberge sowie auch auf Ansuchen des Herrn Johannes Gans an Perleberg verliehen. Der Rat der Stadt bestand vorerst nur aus Konsuln (zehn im Jahre 1294) und später aus acht Ratsmännern und zwei Bürgermeistern, von denen jeder jeweils ein Jahr die Verwaltung innehatte.Seit jeher gab es nach Perleberg nur drei Zugänge: Im Osten das Mühlentor (später Dobberziner Tor), im Westen das Wittenberger Tor und im Norden das Parchimer Tor. Bereits im 13. Jahrhundert wurden Silberpfennige (sog. Perleberger Hohlpfennige) mit dem Perleberger Wappen geprägt. Später, im 14. Jahrhundert, gab es dann auch die ersten Münzen. Seit dem Jahr 1316 war "vor dem Parchimer Tor" ein Leprosorium in Perleberg nachweisbar, das St. Georg geweiht war.

Im Jahre 1303 wurde ein Antrag zum Erwerb der Stepenitz an den Markgrafen Hermann den Langen gestellt, um der Hanse beitreten zu können. Dieser Antrag wurde, ebenso wie das Recht, die Stepenitz befahren und die Flussufer nutzen zu dürfen, genehmigt. Perleberg begann Schiffe zu bauen und seine Waren der Hanse zuzuführen.

Nach der Schlacht von Bornhöved 1227, bei der die Familie Gans die Dänen gegen die Grafen von Schwerin und die Brandenburger Markgrafen unterstützt hatte, erhielt die Grafschaft Schwerin die terra Perleberg als Eigentum. Dieses Gebiet nahm Johann Gans, der Stadtherr Perlebergs, als Lehen. 1275 erwarben die Söhne Ottos III. die Lehnsherrlichkeit über Perleberg von den Grafen von Schwerin. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erlischt mit dem Tode Johann Gans die Linie der Herren Gans zu Perleberg. Perleberg fiel als erledigtes Lehen an die Markgrafen und wurde zu einer Immediatstadt. Nach dem Aussterben der askanische Markgrafen von Brandenburg sind bis 1325 die Grafen von Schwerin als Eigentümer der Stadt nachgewiesen. Perleberg entwickelte sich nach dem Eintritt in die Hanse 1358/1359 zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum in der Region.

Seit dem Jahre 1310 stand die aufstrebende Stadt nicht mehr unter der Herrschaft der Edlen Gans zu Putlitz. Die Ratsmänner kauften den „Wall“, d. h. die Umfassungsmauern mit Wall, den drei Stadttoren und Gräben. Zur Aufrechterhaltung der Sicherheit wurde 1325 ein Bündnis zwischen Perleberg, Pritzwalk, Kyritz, Havelberg, Freyenstein und Meyenburg sowie 1387 ein Friedensabkommen mit Lübeck geschlossen. Die Gebrüder und Vettern von Karstedt verkauften im Jahre 1392 das Dorf Golm (heutzutage nur noch eine Wüstung) an den Rat zu Perleberg. Sieben Jahre später fand der Perleberger Fürstentag statt. Es kamen die Herren von Braunschweig, Pommern, Meißen u. v. a. sowie die Abgeordneten des Hansebundes, um über die Beseitigung der sich häufenden Kriminalität (Plünderungen, Wegelagerungen usw.) zu beraten. Die nächsten Jahrzehnte waren durch viele Räubereien geprägt.

Bei Konflikten nahm Perleberg auch die Vermittlerrolle an. 1420 wurde zum Beispiel in Perleberg eine Fehde zwischen den Städten Hamburg und Lübeck und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg beigelegt. Die Urkunde über den „Perleberger Frieden“ befindet sich noch heute im Archiv der Hansestadt Lübeck. 1444 forderte der Kurfürst Friedrich II. die Städte der Prignitz auf, der Kriminalität Herr zu werden. Dies brachte auch Albrecht Achilles noch einmal zum Ausdruck, als er bei seinem Aufenthalt 1471 in Perleberg Hans von Quitzow zu Stavenow, einen bekannten und gefürchteten Raubritter, dazu aufforderte, die Straftaten zu unterlassen, was jener auch versprach.

Das 15. Jahrhundert war zudem vom allmählichen wirtschaftlichen Niedergang geprägt. Dies ist zurückzuführen auf die ständigen Fehden in der Prignitz, auf die Kriegszüge der mecklenburgischen Fürsten, dem Machtverlust der Hanse zum Teil durch Verlagerung des Außenhandels nach Übersee und der fehlenden Konkurrenzfähigkeit der Stepenitz im Vergleich zur Havel.

Im Jahre 1474 verkaufte Kaspar Gans die Gänseburg an Ritter Mathias von Jagow. Fünf Jahre danach wurde in der Nähe der St.-Jacobi-Kirche, die 1294 zum ersten Mal in einem Ablassbrief des Papstes Bonifatius VIII. schriftlich erwähnt wird, eine Schule errichtet. 1498 wurde erstmals ein Perleberger Roland erwähnt, der zu dieser Zeit aus Holz bestand. Danach gelangte die Burg an die Herren von Winterfeld.

Die St.-Jacobi-Kirche erhielt in den Jahren 1517/1518 vier Glocken (die Katharinenglocke bzw. Sonntagsglocke, die Apostelglocke an Hamburg verkauft, die Schellglocke zersprungen und 1824 ersetzt und die Marienglocke), die der Rat der Stadt bei Glockengießmeister Heinrich von Kampen aus Lübeck in Auftrag gegeben hatte.

Reformationszeit und Dreißigjähriger Krieg

Die von Martin Luther begonnene Reformation erhielt 1539 auch in Perleberg Einzug. Dies ging allerdings nicht ohne Kämpfe vonstatten. Der Rat der Stadt und der Bürgermeister Konow waren Befürworter der von Kurfürst Joachim II. geförderten Reformation. Im Dezember desselben Jahres fand der letzte katholische Gottesdienst statt, worauf der katholische Pfarrer Mechow sein Amt niederlegte. Mit der Einführung der Reformation wurde die geistliche Gerichtsbarkeit abgeschafft und im Jahre 1546 durch das Landgericht ersetzt, zu dessen Aufgaben zunächst vornehmlich Schuld- und Erbangelegenheiten zählten. Der erste Landrichter war der Perleberger Bürgermeister Konow.

Im Jahre 1558 erteilte der Kurfürst der Stadt Perleberg das Privileg zur Gründung einer Schützengilde, um die Kunst der Kriegsführung zu pflegen. Kurz vor Beginn des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die Pest in Perleberg. Die Schulen mussten zum Teil zeitweise geschlossen werden. Die Seuche kostete etlichen Menschen das Leben.

Nachdem der Dreißigjährige Krieg ein paar Jahre an Perleberg vorbeigegangen war, wurde die Prignitz 1627 zum „Tummelplatz“ der dänischen, schwedischen und kaiserlichen Truppen. Die Befestigungswerke, Mauern, Tore und Türme konnten die Stadt nicht vor dem Eindringen bewahren. Aufgrund der zügellosen Lebensweisen der Soldaten brannten 40 Häuser im Jahre 1638 durch Unachtsamkeit nieder. Inzwischen hatten kaiserliche und sächsische Truppen ihr Lager in Perleberg aufgeschlagen, ehe sie dieses aufgaben und den Schweden die Stadt überließen. Diese raubten den Bürgern ihre Lebensmittel und die Einwohner mussten Bargeld als Kontribution abgeben. Aber die Schweden wurden wieder von den kaiserlichen Truppen unter dem Generalwachtmeister Johann Christoph von Buchheim vertrieben. Währenddessen waren bis zu 69 Kompanien in der Stadt stationiert. Die Häuser der Bürger wurden zum Teil als Ställe für die Pferde der Truppen des Kaisers genutzt. Jene Soldaten raubten genau wie die Schweden die Bürger aus. Der General von Buchheim empfahl den Perlebergern sogar, die Stadt zu verlassen. Als von Buchheim schließlich seine Truppen abzog, ließ er einen Trupp, bestehend aus 50 Mann, zur Sicherung hier. Diese Anzahl war aber viel zu gering, als dass sie die Stadt hätten beschützen können. So kam es am 15. November desselben Jahres zu folgendem Ereignis: einige 100 Reiter standen vor den Toren Perlebergs und baten um Einlass. Dies verweigerte der Schutztrupp jedoch, sodass es zum Kampf kam, bei dem die Reiter siegreich hervorgingen. Da dieser Aufwand nicht umsonst gewesen sein sollte, wollten sie die Stadt und ihre Bürger ausplündern. Aber es gab nichts mehr was es lohnte zu rauben, sodass die Reiter glaubten, dass die Bürger ihre Wertsachen versteckt hatten. Die Wut darüber entluden sie durch Folter, Mord und Schändung an der Bevölkerung – auch vor Kindern wurde nicht halt gemacht. Nach ein paar Tagen ließ Buchheim diese Reiter durch Waffengewalt vertreiben. Neben dem Krieg verschlimmerte sich die Ausbreitung der Pest. Hunderte Bürger mussten allein durch die Seuche sterben. Als im Oktober 1636 die Schlacht bei Wittstock tobte, wurden die Verwundeten jener Schlacht nach Perleberg gebracht. Dieser Umstand trug zur Verbreitung der Pest bei. Zwischen 1636 und 1638 raffte diese Seuche etwa 700 Personen hin. Von vormals 3.500 Einwohnern überlebten nur 300 die Schreckenstage, von 300 Wohnhäusern waren nur noch 127 bewohnbar. Erst 15 Jahre danach (1653) herrschten wieder einigermaßen ordentliche Zustände und der Rat der Stadt konnte wieder Sitzungen abhalten. Im selben Jahr wurden auch der Galgen auf dem Weinberg wieder aufgestellt, welcher während des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden war.

Perleberg erholte sich nur sehr langsam von dieser Zeit, blieb aber weiter wichtigster Ort in der Prignitz. Wie auch in anderen Städten Brandenburgs dauerte es fast 200 Jahre, bis der Bevölkerungsstand wieder das Vorkriegsniveau erreichte.

Wenige Jahre nach der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges wurde der Postkurs von Cölln a. d. Spree (Berlin) nach Hamburg eingerichtet, an der Perleberg etwa auf halber Strecke lag.

Im Zeitraum von 1645 bis 1665 fanden in Perleberg noch acht Hexenverbrennungen statt. Im Jahre 1704 wurde Gottfried Arnold als Prediger angestellt.

Wirtschaftliche Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert

Ab 1724 war Perleberg eine Garnison der preußischen Kavallerie, ab 1772 lag eine ständige Garnison in Perleberg. Fortan bestimmte das militärische Leben auch die weitere Entwicklung der Stadt.

Zwischen 1730 und 1770 wuchs die Bevölkerungszahl in Perleberg um 30 Prozent, sie war hinter Wittstock die zweitgrößte Stadt der Prignitz. 1777 erfolgte die Gründung einer Ritterschaftsdirektion in Perleberg.

Die Ruine der St. Nikolaikirche wurde abgerissen und an ihrer Stelle Kasernen errichtet, in denen eine Schwadron des Kürassier-Regiments von Beeren (Altpreußisches K2) einzog. 1806 musste jenes Regiment gegen Napoleon in die Schlacht bei Jena und Auerstedt in den Krieg ziehen. Die Kürassiere unterlagen den französischen Truppen jedoch, so dass Mitte Oktober die Franzosen in Perleberg einzogen, die Stadt plünderten und die Bürger ausraubten. 1807 zogen diese Truppen wieder ab, forderten aber weiterhin Kontributionen.

Am 27. Juni 1807 brannten durch einen Blitzeinschlag 20 Wohnhäuser und viele Ställe am Großen Markt, in der Kirch-, der Heiligegeist- und der Poststraße nieder.

Zu dem wohl bekanntesten Vermisstenfall in der Prignitz kam es am 25. November 1809. An diesem Tage verschwand der britische Gesandte Benjamin Bathurst auf bis heute ungeklärte Weise. Er war auf Dienstreise von Wien nach Hamburg und wurde von den Franzosen verfolgt. Der Rittmeister Friedrich von Klitzing hatte noch Untersuchungen angestrebt, welche aber ergebnislos blieben.

Im Jahre 1812 wurde in Perleberg eine uniformierte Bürgerwehr, „Bürgergarde“ genannt, gegründet. Die Schlachten gegen Napoléon gingen auch an Perleberg nicht spurlos vorbei: In der ganzen Prignitz meldeten sich um die 1000 Kriegsfreiwillige, die die Aufgabe hatten, die Franzosen nicht über die Elbe kommen zu lassen. Dies schafften sie schließlich auch und in einem Buch kann man folgendes lesen: „Sie wagten es nicht, sie fürchteten die handfesten Prignitzer.“ In Anerkennung und Dankbarkeit der Freiheitskämpfer wurde 1815 eine Eiche auf dem Platz westlich des alten Rathausgiebels gepflanzt.

1817 wurde die Prignitz verwaltungstechnisch geteilt und Perleberg Kreisstadt der Westprignitz.

Im Frühjahr 1821 gab es große Überschwemmungen. So stand zum Beispiel der Große Markt unter Wasser und die Holzbrücke am Mühlentor wurde weggeschwemmt. Sechs Jahre später riss man dann das Mühlentor, sowie das Parchimer und das Wittenberger Tor ab und es wurde mit dem Bau der Chaussee Berlin–Hamburg begonnen, die über Kyritz, Kletzke, Perleberg, Karstädt nach Ludwigslust führte (die heutige B 5). Die Reisezeit auf dieser Strecke wurde damit um mehr als die Hälfte verkürzt, anliegende Gasthäuser und Poststationen avancierten zu wichtigen Umschlagplätzen für Waren und Nachrichten.

In Perleberg entstanden einige Unternehmen. Der Perleberger C. L. Beutel, Erfinder der Perleberger Glanzwichse, begann im Jahr 1835 mit der fabrikmäßigen Produktion dieses Erzeugnisses, das er besonders gut an das ansässige Militär verkaufen konnte, das aber auch in Mecklenburg und Sachsen Bekanntheit erreichte. Außerdem stellten die Gebrüder Kürsten Perleberger Mostrich her. Allerdings konnte Perlebergs Entwicklung im Zuge der Industrialisierung mit anderen Städten, wie zum Beispiel der Nachbarstadt Wittenberge, nicht mithalten.

1836 wurden zur Beleuchtung der Straßen Öllampen an Ketten über die Straßen gehängt. Die erste Zeitung wurde noch im selben Jahr herausgegeben. Der Herausgeber war Götze, ein hier ansässiger Buchhändler. Die Zeitung wurde in Rathenow gedruckt und nannte sich „Gemeinnütziges Wochenblatt für Perleberg und die Umgebung“. Seit 1837 wurde das Wochenblatt in der neu gegründeten Druckerei in Perleberg gedruckt.

1836 riss man das Rathaus ab und baute von 1837 bis 1839 ein neues. Der Rathaussaal und die Gerichtslaube, die zum Sitzungssaal wurde, sollten auf Befehl der Regierung erhalten bleiben – die Ratskellerwirtschaft musste jedoch schließen. Das Richtfest des neuen Rathauses und die Anbringung des Wetterhahns fanden am 26. November desselben Jahres statt. Während der Bauarbeiten wurde in der Mauer der sogenannten Tuchhalle über dem Gewölbe des alten Gebäudeteils eine gut erhaltene Hand, welche wahrscheinlich mit einem Schwert oder Beil abgehackt worden war, gefunden. Über den Grund gibt es mehrere Mutmaßungen. Die Wahrscheinlichste ist, dass sie als warnendes Beispiel – so wie es früher oftmals üblich war – neben einer Gesetzestafel der strafenden Gerechtigkeit dienen sollte.

1840 war der Bau einer Bahnstrecke Berlin–Hamburg über Perleberg geplant, welche aber 1845 vom Minister abgelehnt wurde. Logistische und wohl auch finanzielle Gründe führten zu dieser Absage. Letztendlich entschied man sich die Bahnstrecke lieber über Wittenberge zu führen, da es mit der Elbe einen größeren Fluss besaß und leicht ein Bahnabzweig nach Magdeburg gebaut werden könnte. Im Jahre 1843 wurde die Wittenberger Chaussee nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. Fünf Jahre danach wurde dann auch die Chaussee Perleberg–Pritzwalk für den Verkehr freigegeben (heute ein Teil der B 189).

Das im Jahre 1848 nach Perleberg verlegte Schwurgericht tagte zum ersten Mal im Juni 1849 im Rathaussaal. Die erste Sparkasse wurde am Anfang des Jahres 1854 errichtet, um den Sparsinn der Bürger zu wecken. Anfang Juli desselben Jahres gründete der Lithograf Carl Krüger die erste Lithographie- und Steindruckerei. Diese Druckerei war später mit dem Druck der „Prignitzer Nachrichten“ beauftragt. Im Jahre 1869 wurde die Freiwillige Feuerwehr Perleberg unter Leitung des Maurermeisters Achtel gegründet.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 waren in Perleberg 30 Offiziere und 15 Burschen als Gefangene untergebracht. Das Merkwürdige dabei war, dass ein Teil der Gefangenen in selbst gemieteten und möblierten Wohnungen lebte und sich frei in der Stadt bewegen durfte. Sie mussten sich lediglich vormittags und abends in der Meldestelle melden. Zum Andenken an die gefallenen Soldaten in den Feldzügen 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg), 1866 (Deutscher Krieg) und 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) wurde 1882 ein Kriegerdenkmal auf dem Mühlenberg im Stadtpark errichtet.

Im Jahre 1885 wurde die Bahnstrecke Perleberg–Pritzwalk–Wittstock (heute auch: Prignitz-Express), welche von immenser Wichtigkeit war, eröffnet und das Bezirkskommando von Havelberg nach Perleberg verlegt. Die Stadt galt bis 1892 als das „kleine Venedig“, denn es flossen überall kleine Kanäle durch die Innenstadt. Bis die Leute die Wasserläufe so sehr verunreinigt hatten, dass es sehr unangenehm roch. Deswegen wurden 1892 die Kanäle zugeschüttet. Zwei Jahre darauf wurde der neue Friedhof in der Wilsnacker Straße eingeweiht, nachdem man den alten Georgenfriedhof an der Sophienstraße, der von den Ufern der Stepenitz bis zum Judenfriedhof reichte, geschlossen hatte.

Von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg

Bei Arbeiten zum Bau der Kasernen in der Kurmärker Straße fand man 1903 weniger als einen Meter unter der Erdoberfläche Urnen in einer mit flachen und runden Steinen ausgelegten Vertiefung. Die meisten Urnen waren mit einem übergreifenden Deckel versehen und mit Asche von Verstorbenen gefüllt. Die Knochen waren in kleinen, zerstückelten Teilchen vorhanden. Auf diesen lagen oftmals Schädelreste und über diesem noch Bronze-Grabbeigaben, die vermutlich aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammen.

Im Mai 1905 fand man mehrere gut erhaltene Formsteine der im Jahre 1632 durch Blitzeinschlag zerstörten St.-Nikolai-Kirche auf dem St.-Nikolai-Platz bei Ausschachtungsarbeiten für die Kanalisation. In den Jahren 1903 bis 1905 erhielt Perleberg, parallel zum Kasernenbau, moderne und hygienische Trinkwasserversorgungs- und Kanalisationsanlagen. Weiterhin eröffnete in Perleberg das „Städtische Krankenhaus“ und man gründete ein Museum, um die Funde aus dem Königsgrab von Seddin zu zeigen. Heute werden davon nur noch Kopien in Perleberg aufbewahrt.

Ein Jahr später (1906) pflasterte man die Wittenberger Straße, die Krämerstraße, die Bäckerstraße und den Schuhmarkt. Außerdem wurde der Bürgersteig erneuert und verbreitert, und man ersetzte die Mühlentorbrücke, die zu dieser Zeit noch aus Holz bestand, durch eine aus Beton.

In den Jahren 1910 und 1911 wurde die 65 Kilometer lange Westprignitzer Kreisringbahn Perleberg–Karstädt–Klein Berge in Normalspur gebaut und eröffnet. In Gedenken an „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn ließ die Stadt im Jahre 1912 ein Denkmal im Hagen errichten.

Nach 100 Jahren wirtschaftlichen Aufschwunges begann 1914 mit dem Ersten Weltkrieg ein dunkles Kapitel für Perleberg und ganz Deutschland. Als der Krieg am 1. August mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland ausbrach, herrschte eine große Euphorie im gesamten Deutschen Reich, was zur Folge hatte, dass sich viele Perleberger Schüler, Studenten und junge Lehrer freiwillig zum Kriegsdienst beim ortsansässigen Artillerieregiment Nr. 39 meldeten. Doch schon nach den ersten Wochen wurde durch die ersten Verlustmeldungen klar, dass der Krieg nicht in kurzer Zeit zu gewinnen sein würde. In Perleberg richtete man zur Versorgung der Verletzten sieben Hilfslazarette ein. Die meisten Schwerverwundeten starben trotz der aufopferungsvollen Hilfe der freiwilligen Krankenschwestern. Auf dem Perleberger Friedhof fanden viele ihre letzte Ruhe. 1922 – vier Jahre nach dem Kriegsende – errichtete man für die dort beigesetzten Soldaten einen Gedenkstein.

Obwohl die sich dem Krieg anschließende Novemberrevolution in Perleberg unblutig verlief, hatte die Stadt mit den Folgen des Ersten Weltkrieges zu kämpfen. Durch die Inflation war man auch in Perleberg zum Druck von Notgeld gezwungen. Weiterhin herrschte in der Rolandstadt auch Wohnungsnot. Die Baudeputation sollte deshalb neue Gebäude bauen und Wohnungen in leerstehenden Häusern einrichten. Infolgedessen entstanden u. a. erste Siedlungen in der Kurmärker Straße und in der Hagenstraße, die Waldsiedlung und ein fast neuer Stadtteil in der Siedlung an der Lanzer Chaussee.

Zusätzlich zu der Wohnungsnot waren viele Perleberger arbeitslos. Um der Arbeitslosigkeit ein wenig Abhilfe zu schaffen, wurden die Erwerbslosen mit Pflasterungs- und Wegeverbesserungsarbeiten beschäftigt. Außerdem vergrößerten sie den Beyerteich, befestigten das Ufer und schufen Promenadenwege ringsherum. Weiterhin errichtete man zwischen der Quitzower Straße und der Karl-Liebknecht-Straße eine Stadthalle, indem man dort einen alten Getreidespeicher kaufte und diesen ausbaute. Neben der Stadthalle schuf man eine für damalige Verhältnisse moderne Turnhalle und einen Sportplatz. Die äußerst schlechte Arbeitsmarktsituation verschärfte sich während der Weltwirtschaftskrise weiter. Außerdem brannten 1926 die Stadtmühle und 1930 die Neue Mühle ab.

Wie in ganz Deutschland gewannen in den 1930er Jahren die rechten Parteien wie die NSDAP auch in Perleberg und der Prignitz an politischem Einfluss dazu. Ab 1933 wurden linke Gegner, darunter auch etliche Führungskräfte der SPD, KPD und der Gewerkschaften, verhaftet und in das von Nationalsozialisten eingerichtete Sammellager in der Feldstraße gebracht. Ein Teil der Inhaftierten ließ man ins KZ Sachsenhausen abtransportieren – viele kamen nie wieder zurück.

Nachdem Nationalsozialisten in den hohen Leitpositionen eingesetzt und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt worden war, stationierte man Truppen der Wehrmacht in den Perleberger Kasernen. Auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Tonkital wurde 1936 ein Militärflugplatz errichtet. Am 9. November 1938 kam es auch in Perleberg zur Reichspogromnacht. Auf dem Markt hielt der NSDAP-Ortsgruppenleiter eine Hetzrede, um die Massen gegen die Juden zu mobilisieren. Infolgedessen begann man die Juden auf das Schrecklichste zu demütigen, ihre Wohnungen zu zerstören, den Judenfriedhof zu verwüsten und zu schänden.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldeten sich – wie schon im Ersten Weltkrieg – viele Freiwillige, darunter etliche junge Menschen, die gerade mit der Schule fertig waren. Gefördert wurde dies durch Tage der offenen Türen in Kasernen und durch den vom Nationalsozialismus geprägten Unterricht. Als der Krieg langsam sein Ende fand und die Bomber aus Großbritannien über Perleberg hinweg nach Berlin flogen, bombardierten diese auch den Flugplatz in Perleberg. Viele flohen in der Hoffnung gen Westen, dort von den Briten und Amerikanern milder empfangen zu werden als von den Russen, die vom Osten her kamen. Bevor letztere in Perleberg einmarschieren konnten, wurden im Süden noch zwei Brücken gesprengt. Der Zweite Weltkrieg forderte in Perleberg 501 Opfer.

Sowjetische Besatzungszone und DDR-Zeit

Ab 1945 war Perleberg Garnison der Sowjetarmee. Bis 1991 war hier die 21. Motorisierte-Schützen-Gardedivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland stationiert. Ebenfalls in Perleberg lagen Grenztruppen der DDR mit der Unteroffiziersschule „Egon Schultz“.

1952 wurde Perleberg nach der Auflösung des Landes Brandenburg und der Neubildung von Bezirken in der DDR Kreisstadt im gleichnamigen Kreis Perleberg, der künftig als einzige ehemals und heute wieder brandenburgische Region dem Bezirk Schwerin, welcher zu Mecklenburg gehört, zugeordnet wurde.

Im selben Zeitraum schuf man zur Belebung der Wirtschaft Großhandelsbetriebe wie den Schlachthof, die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft, das Gewerbegebiet Quitzow und das Ausrüstungskombinat Düpow.

1964 wurde der Perleberger Tierpark angelegt.

Perleberg im wiedervereinigten Deutschland

Mit der Bildung der Länder nach der Wende wurde der Kreis Perleberg im Rahmen einer Volksabstimmung wieder dem Land Brandenburg (und nicht Mecklenburg-Vorpommern) zugeordnet und 1993 wurde Perleberg Kreisstadt des neu gebildeten Landkreises Prignitz.

Im Juni 1993 führte die Stepenitz ungewöhnliches Hochwasser, das auch Teile der Perleberger Altstadt überflutete. Daraufhin wurde am Oberlauf der Stepenitz bei Neue Mühle ein Hochwasserrückhaltebecken in Form eines Hauptschlusses errichtet.

Am 12. März 1997 endete mit dem Abzug des zuletzt hier stationierten Sanitätsbataillons der Bundeswehr für die Garnisonsstadt Perleberg eine 300-jährige Militärtradition.

Im Dezember 1999 wurden der Neubau und die teilweise Rekonstruktion der Kreisverwaltung in Perleberg beendet, am 6. Februar 2003 ein Neubau des „Kreiskrankenhauses Prignitz“ fertiggestellt.

Eingemeindungen

Am 3. Juli 1972 wurde Düpow eingemeindet. Am 1. Mai 1973 folgte Spiegelhagen. Groß Linde (mit Lübzow und Gramzow) und Rosenhagen kamen am 1. Januar 1974, Dergenthin, Quitzow (mit Schönfeld und Groß Buchholz) und Sükow erst am 6. Dezember 1993 hinzu.

Bevölkerungsentwicklung

Datum Einwohnerzahl
1620 3.500
1640 300
1648 ca. 500
1697 1.137 (nur Erwachsene) / 1.127
1719* 1.906
1722* 1.834
1730 1.791
1733 1.835
1740 1.804
1749 2.042
1750 2.110
1770 2.337
1780 2.500**
1800 2.432
1808 2.878
1817 3.058
1820 3.300
Datum Einwohnerzahl
1824 2.993
1828 3.450
1834 4.933 / 4.993
1840 5.648
1849 6.304
1852 6.414
1858 6.450***/6.471
1861 6.623 7.060
1871 7.500
1880 7.673
1885 7.698
1890 7.530
1895 8.178/8.184
1900 8.456
1905 9.502
1910 9.662
1925 10.250
Datum Einwohnerzahl
1930 11.850
1932 12.100
1939 12.342
Oktober 1946 13.701
August 1950 13.710
Januar 1971 13.573
31. Dezember 1981 14.727
31. Dezember 1985 14.385
3. Oktober 1990 13.728
31. Dezember 1991 13.297
31. Dezember 1992 13.362
31. Dezember 1993 14.681
31. Dezember 1994 14.692
31. Dezember 1995 14.596
31. Dezember 1996 14.683
31. Dezember 1997 14.141
31. Dezember 1998 14.126
Datum Einwohnerzahl
31. Dezember 1999 14.047
31. Dezember 2000 13.907
31. Dezember 2001 13.720
31. Dezember 2002 13.606
31. Dezember 2003 13.354
31. Dezember 2004 13.303
31. Dezember 2005 13.094
31. Dezember 2006 13.029
31. Dezember 2007 12.689
31. Dezember 2008 12.474
31. Dezember 2009 12.450
31. Dezember 2010 12.332
31. Dezember 2011 12.169
31. Dezember 2012 12.059
31. Dezember 2013 12.046
31. Dezember 2014 12.087
31. Dezember 2015 12.204
* geschätzte Werte ** mit Militär *** ohne Bollbrück, Neue Mühle und Perlhof

Gebietsstand des jeweiligen Jahres

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung von Perleberg besteht aus 22 Stadtverordneten und dem jeweiligen Bürgermeister. Amtierender Vorsitzender ist Frank Döring (Linke).

Parteien und Wählergemeinschaften %
2003
Sitze
2003
%
2008
Sitze
2008
%
2014
Sitze
2014
Die Linke 36,5 8 39,7 9 36,3 8
CDU 32,6 7 22,7 6 27,9 6
SPD 21,7 5 26,7 5 23.8 5
Kreisbauernverband 4.8 1
Grüne/B90 2,2 0 4,0 1
FDP 9,2 2 8,7 2 3.2 1
Gesamt 100 22 100 22 100 22
Wahlbeteiligung in % 43,6 % 45,1 % 37,9 %

(Stand: Kommunalwahl 2014)

Bürgermeister

Nach dem Tod des damaligen Bürgermeisters Manfred Herzberg wurde im Rahmen einer Stichwahl am 11. Februar 2007 mit 69,4 Prozent der abgegebenen Stimmen der parteilose Kandidat Fred Fischer (unterstützt von der Linkspartei.PDS) vor seinem ebenfalls parteilosen Mitbewerber Hans Rothbauer (unterstützt von der SPD und CDU), der 30,6 Prozent der abgegeben Stimmen erhielt, für eine Amtsdauer von acht Jahren gewählt. Fred Fischer trat am 11. Februar sein neues Amt an. Aufgrund von Vorwürfen, Fischer habe verschwiegen, während seiner Militärzeit Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen zu sein, wurde er am 4. Mai 2012 durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Dienst suspendiert. Das Verwaltungsgericht Potsdam bestätigte diese Entscheidung in einem Eilverfahren mit Beschluss vom 20. Februar 2013. Danach sei Fischer „nicht nur im Rahmen der von ihm eingeräumten dienstlichen Kontakte, sondern als Inoffizieller Mitarbeiter willentlich und wissentlich für das MfS tätig“ gewesen. Nach einer Beschwerde Fischers setzte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg diesen Beschluss im April 2013 aus, da er nicht von der Stadtverordnetenversammlung, sondern durch eine davon unabhängige Wahl in dieses Amt gelangt war. Während der Suspendierung wurde Fred Fischer bis zum 18. April 2013 durch seinen Stellvertreter Hans Rothbauer vertreten.

Annett Jura (parteilos) wurde in der Bürgermeisterwahl am 18. Januar 2015 mit 54,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.

Städtischer Haushalt

Im Jahr 2000 betrug der Verwaltungshaushalt 18,3 Mio €. Bis 2007 sank er auf 14,7 Mio €. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag 2010 bei 554,47 € und sank 2011 auf 515,08 €. Seit 2011/2012 arbeitet Perleberg mit einer doppelten Buchführung (Doppik) und mit einem Doppelhaushalt. Der Haushalt für 2012 soll ein Defizit von 1.168.000 € aufweisen, kann jedoch mit dem Guthaben von 2.547.270 € aus dem Jahr 2011 ausgeglichen werden, so dass ein Überschuss von 1.379.710 € prognostiziert wird. Im Jahre 2011 betrug der Reingewinn der Perleberger Stadtforst 369.000 Euro. Auch für 2011/2012 erzielte man Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer, beim Holzverkauf und beim kommunalen Anteil an der Einkommensteuer. Für den Doppelhaushalt 2013/2014 liegt der Finanzhaushalt bei 19 bzw. 20 Millionen Euro. Bis 2015 ist der Haushalt der Stadt ausgeglichen.

Wappen

Der größte Teil der heutigen Farbgebung des Perleberger Wappens stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die älteste bekannte farbliche Darstellung ist in Johann Christoph Bekmanns Buch Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg (Band 2) aus dem Jahre 1753 zu finden. Sie zeigt einen achtstrahligen, roten Stern auf weißem Grund.

Im Zentrum des heutigen Perleberger Wappens befindet sich ein achtstrahliger goldener Stern vor blauem Hintergrund. Bewinkelt werden die Strahlen von acht silbernen Perlen. Im Inneren des Sterns ist eine goldperlengefasste groß silberne Innenperle.Das Wappen von Perleberg ist ein redendes Wappen, dessen Wappenform vom ältesten Stadtsiegel (SIGILLVM BVRGENSIVM IN PERLEBERCH) aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts abstammt. Man vermutet, dass die große Innenperle die Stadt Perleberg als Hauptort der Prignitz symbolisiert und die übrigen acht Perlen die anderen Städte in der Prignitz.

Flagge

Die Flagge der Stadt ist blau-weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften

Perleberg unterhält städtepartnerschaftliche Beziehungen mit Kaarst in Nordrhein-Westfalen, Pinneberg und Norderstedt in Schleswig-Holstein, des Weiteren mit dem polnischen Szczawnica.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg mit historischem Brunnen befindet sich am Mönchort 7–11. Es wurde 1905 gegründet und zählt heute mit seinen zahlreichen ur- und frühgeschichtliche Funden und Exponaten aus der Westprignitz zu den sammlungsreichsten und bedeutendsten Museen Brandenburgs.

Das Oldtimer- und Technikmuseum befindet sich in der Wilsnacker Straße 12 und wurde durch den 1998 gegründeten Verein Oldtimerfreunde Perleberg e.V. in der alten Turnhalle am Ziegelhof seit Januar 2002 eingerichtet. Am 1. Mai 2002 konnte es schließlich eröffnet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ausgestellt sind ganzjährig etwa 50 Fahrzeuge und einige Kuriositäten wie ein selbstgebauter Flugzeugmotor.

Das DDR-Geschichtsmuseum im Dokumentationszentrum Perleberg in der Feldstraße 98a bietet viele Ausstellungsstücke aus dem Alltag der Deutschen Demokratischen Republik. Zu sehen sind unter anderem eine Küche, Wohn-, Kinder- und Schlafzimmer, sowie Konsumartikel und landwirtschaftliche Geräte. Das Museum befindet sich in einem Bau, der etwa 1850 errichtet wurde. Man nutzte ihn während der Kaiserzeit als Artilleriedepot der Perleberger Ulanen und während der Zeit des Nationalsozialismus als Konzentrationslager. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zogen die Maschinen-Ausleih-Station (MAS), Maschinen-Traktoren-Station (MTS) und der polytechnische Unterricht ein. Am 7. Oktober 2006 eröffnete das DDR-Geschichtsmuseum mit zehn Ausstellungsräumen. Inzwischen wuchs die Zahl der Räume auf 18 an, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Seit Februar 2009 werden regelmäßig Themenabende veranstaltet.

In der Museumsgalerie, die sich bei der Stadtinformation im Wallgebäude Puschkinstraße 14 befindet, werden moderne Grafiken und Lithographien aus dem 20. Jahrhundert ausgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf Pablo Picasso, Salvador Dalí, Joan Miró, George Grosz und Zeitgenossen.

Bauwerke

  • historische Wohn- und Geschäftshäuser, unter anderem Großer Markt 4 (1525 errichtet), Bäckerstraße 1, Schuhmarkt 1 (16. Jahrhundert), Ensemble von Giebelhäusern am Kirchplatz 9–12, Mönchort 7 (19. Jahrhundert); BIG (älteste von fünf mittelalterlichen Wassermühlen, 14. Jahrhundert)
  • Judenhof aus dem Mittelalter
  • Wasserturm (Jugendstil, 1906/07)

Pfarrkirche St. Jakobi

Die frühestete urkundliche Erwähnung der stadtbildprägenden St.-Jakobi-Kirche stammt aus dem Jahr 1294. Die dreischiffige gotische Hallenkirche wurde aus Backstein auf einem Feldsteinsockel in drei Bauabschnitten errichtet. Ihr Turm erfuhr auch in den darauffolgenden Jahrhunderten wiederholt Veränderungen, wobei mehrfach Stürme und durch Blitzschlag verursachte Brände die Turmspitze zerstörten. Zuletzt wurde sie nach einem Brand im Jahr 1916 durch ein einfaches Satteldach ersetzt. Die Kirche steht auf dem Kirchplatz im historischen Stadtkern, im Süden, Westen und Norden umringt von denkmalgeschützten Häusern. Im Osten schließt sich der Große Markt mit Rathaus und Roland an.

Roland

Der Perleberger Roland befindet sich auf der nordöstlichen Seite des Großen Marktes vor der ehemaligen Bibliothek. Bereits 1498 wird die Rolandsfigur erwähnt. 1546 erfolgte eine Neuaufstellung aus Sandstein. Auftraggeber war die Gemeinde und ausgeführt wurde die Arbeit durch ortsansässige Handwerker. Die Figur hat eine Höhe von 4,26 Meter und fällt durch die reichverzierte Wehr auf. Der sogenannte Maximiliansharnisch ist ein besonderer Schmuck der Statue.

Rathaus

Quellen aus dem Jahre 1347 bezeugen erstmals die Existenz eines Perleberger Rathauses. Wann es genau entstanden ist, lässt sich nicht sagen. Das heutige Rathaus weist zwei verschiedene Baustile auf: spätmittelalterliche Gotik und Neugotik aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei dem Westteil handelt es sich um einen gotischen Backsteinbau, welcher außen mit sieben Strebepfeilern am dreistufigen Treppengiebel versehen ist. Das Erdgeschoss des Westteils diente damals als Gerichtslaube. Nachdem in ihm zwischenzeitlich die Kreisbibliothek untergebracht war, wird es heute als Trausaal genutzt. Über diesem befand sich die Rats- und Schöppenstube. Die Kellergewölbe waren wahrscheinlich Teil des „Ratskellers“.

Den stilistischen Merkmalen des Westteils nach zu urteilen, stammt der Bau aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das bedeutet, dass dieses schon ein Nachfolgebau ist und man nicht weiß, wie das ursprüngliche Rathaus aussah bzw. ob es überhaupt am selbigen Platze stand.

Im Jahre 1836 wurde der breite östliche Teil abgerissen und im Verlauf der folgenden drei Jahre durch einen dreistöckigen, vom Architekten Friedrich August Stüler geplanten Backsteinbau ersetzt. Der zweistöckige Westteil blieb jedoch erhalten. Am 26. November 1939 wurde Richtfest gefeiert.

Wallgebäude

Das Wallgebäude, fälschlicherweise häufig Gänseburg genannt, befindet sich in der Puschkinstraße direkt neben dem Gottfried-Arnold-Gymnasium und dem Hagen. Ursprünglich umflossen vier Wasserarme, von denen der südliche wohl künstlich angelegt wurde, das Gebäude. Es wird vermutet, dass sich an dieser Stelle bereits vor dem 12. Jahrhundert ein slawischer Burgwall befand. Erstmals schriftlich wurde das Wallgebäude im Jahre 1310 und 1317 erwähnt. In letzterem Dokument übereignet Markgraf Waldemar dem Perleberger Rat dieses Grundstück (fossatum castri in perleberch dictum in vulgari wal). Später – wohl im 14. Jahrhundert – stand an dieser Stelle vermutlich ein Wohnhaus, welches dat slot to perleberghe genannt wurde. Erst 1852 ließ man den Graben um das Gebäude zuschütten. Im Laufe der Zeit wandelte der Wall immer wieder seine Funktion: er diente als Gästehaus, beherbergte eine Rüstkammer, bot städtischen Wachmannschaften Unterkunft, wurde als Schule genutzt und noch einiges mehr. Heute befinden sich auf diesem Platz die Kreisbibliothek, ein Restaurant, das Informationsbüro, die Kreisvolkshochschule, das Medienzentrum und die Museumsgalerie.

Neben der Kreisbibliothek befindet sich der einzige erhaltene Stadtmauerturm mit einigen Mauerresten. Diese Zeugnisse des mittelalterlichen Perlebergs stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Kino

Bereits seit 1912 gibt es das Kino Union-Theater an der Kreuzung Uferstraße und Wollweberstraße, das von Emil Rietsch aufgebaut und am 1. November eröffnet wurde. Dieses zog 1936 unter der Leitung von Franz Rietsch, dem Sohn von Emil Rietsch, in die Wittenberger Straße. Das Gebäude in der Wollweberstraße wurde als Lager für das Möbelhaus Heinrich umfunktioniert. Ab 1966 übernahm die Stadt Perleberg das Haus und so wurde es fortan u. a. als Turnhalle genutzt. Da Rietsch das Kino in der Wittenberger Straße nicht an den Kreislichtspielbetrieb verpachten wollte und es somit Privateigentum war, durfte er nur minderwertige Russenfilme vorführen. Das Roland-Kino am Großen Markt 10, das seit 1920 parallel zum Union-Theater existierte, durfte hingegen die in der Bevölkerung beliebten Heimatfilme zeigen. Aufgrund der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit des Union-Theaters musste Rietsch es an den Kreislichtspielbetrieb abtreten und der Betreiber des Roland-Kinos übernahm auch dieses Kino. 1992 wurde das Union-Theater aufgeteilt in Tivoli und Funhouse. Erst 1996 fand der Umzug in das vollständig sanierte Gebäude in der Wollweberstraße statt. Im Januar 2012 erhielt das Union Theater einen neuen Inhaber, der auch jeweils ein Kino in Wittenberge, Güstrow und Sangerhausen betreibt. Im Zuge der Übernahme wurden die Räumlichkeiten des Kinos vollständig umgestaltet. Außerdem wurden die Säle mit moderner Digitaltechnik und 3D-Projektoren ausgestattet.

Denkmäler und Mahnmale

  • Turnvater-Jahn-Denkmal von 1912, seit 1970 auf dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz
  • VVN-Ehrenmal von 1950 auf dem Marienplatz für Widerstandskämpfer gegen den Faschismus
  • Zwei Grabfelder auf dem Waldfriedhof an der Wilsnacker Chaussee für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verschiedener Nationen
  • Gedenkstein auf dem Waldfriedhof am Grab des Wehrmachtsdeserteurs Willi Rahde, der im Mai 1945 erschossen wurde
  • Jüdischer Friedhof an der Sophienstraße, der von den Nazis geschändet und in der DDR-Zeit wiederhergestellt wurde, mit Gedenkstein an die jüdischen Opfer des Faschismus
Heldendenkmal

Das Heldendenkmal wurde zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten auf dem Friedrich-Engels Platz – ehemals Hindenburgplatz – errichtet. Es wurde von Hans Dammann, einem Berliner Künstler, entworfen. Das Heldendenkmal ist ein Halbrundpfeilerbau mit acht Pfeilern, an denen sich Bronzeplatten mit Namen der gefallenen Soldaten befanden. Auf einem 1,30 Meter hohen Sockel steht eine 2,50 Meter hohe Rolandfigur mit Schild und Schwert, welcher männlich, kraftvoll und schützend anmutet. Der Sockelspruch lautet: „Geduld! Ich kenne meine Deutschen!“. Das Heldendenkmal wurde am 29. August 1926 feierlich enthüllt.

Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal wurde 1882 nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers O. Metzing auf dem Mühlenberg erbaut. Die Ausführung übernahm der Perleberger Bildhauer Gandow. Das Denkmal besitzt ein hohes Postament, auf welchem sich einst die in Bronze gegossene Statue der Germania befand. Finanziert vom Perleberger Kriegerbund und dem Landwehrverein, wurde es zu Ehren der in den Kriegsjahren 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Soldaten errichtet.

Schlageterdenkmal

Das Schlageterdenkmal befindet sich auf dem Weinberg. Es besteht aus Zementbeton und stellt ein Landwehrkreuz dar. An der Vorderseite befand sich ursprünglich ein Schwert. Der Entwurf stammt von Walter Otto, dem Führer des Jungstahlhelms, und wurde von den Jungstahlhelmmännern Perlebergs zu Ehren des von den Nazis als Helden bezeichneten Albert Leo Schlageter errichtet. Bis zum 8. Mai 1945 wurden dort im Sommer bzw. Winter Sonnenwendfeuer abgebrannt.

Parks

  • Hagen/Eichenpromenade (ökologisch hochwertiger, artenreicher Lebensraum und als Flächen- bzw. Gartendenkmal in der Kreisdenkmalliste aufgeführt)
  • Tierpark Perleberg
  • Goethepark

Der Perleberger Stadtpark ist ein künstlich angelegter Park, der sich östlich entlang der Wittenberger Straße und Wittenberger Chaussee erstreckt. Er wurde 1856 während der Amtszeit des Bürgermeisters Rohde (1854–1866) als Birkenwald angelegt. Der höchstgelegene Punkt im Stadtpark ist der Mühlenberg, auf welchem 1882 das Kriegerdenkmal errichtet wurde, von dem heute nur noch das Postament erhalten ist. Bei dessen Errichtung wurde der Park im französischen Gartenstil mit Rasenflächen und Blumenbeeten in geometrischen Formen umgestaltet. Der Stadtpark weist heutzutage eine beeindruckende Artenvielfalt an Sträuchern und Bäumen auf. Neben den einheimischen Baumarten wurden hier viele Bäume aus anderen Erdteilen wie Nordamerika, Ostasien und Südeuropa usw. angepflanzt. Einige Bäume sind durch beigesetzte Schilder mit der genauen Bezeichnung gekennzeichnet. Am Fuße des Mühlenberges befinden sich links und rechts zwei Findlinge. Diese besaßen einst runde Bronzeplaketten, auf denen die Köpfe von Roon und Moltke im Relief dargestellt waren. Etwas weiter davor stand ein besonders großer Stein mit der Darstellung des Kopfes Otto von Bismarcks. Am Hang des Mühlenberges wird das Perleberger Stadtwappen mit angepflanzten Blumen dargestellt.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Perleberg-Festival für Folk, Lied und Weltmusik (im Juni)
  • Kneipennacht (immer am 30. April)
  • Lotte-Lehmann-Woche (immer in der letzten Schulferienwoche der Sommerferien im Land Brandenburg)
  • Perleberg Tag des Bürgervereins (immer am ersten Freitag im Juli)
  • Perleberger Museumsnacht (immer am 30. Oktober)
  • Lichterfest der Stadt und des Culturm e. V. im Hörturm (immer am Samstag vor dem 1. Advent)

Sport

Der Perleberger Männerturnverein wurde 1862 gegründet und war damit einer der ältesten Turnvereine der Prignitz.

Einer der bekanntesten Sportvereine der Stadt ist der SSV Einheit Perleberg. Dieser zählt 435 Sportler, die in sieben Abteilungen Sport ausüben, und wurde 1950 gegründet. Die dominanteste Sportart ist der Fußball mit 246 Mitgliedern. Die erste Herrenmannschaft spielt seit 2007 in der Landesklasse West. Besonders stolz ist man auf die Nachwuchsabteilung, deren Mannschaften zum Teil in den höchstmöglichen Ligen in Brandenburg vertreten sind und die vorderen Plätze belegen.

Der SV Blau-Weiß Perleberg ist der zweite größere Sportverein. Er umfasst sieben Abteilungen und wurde 1990 gegründet. Am meisten sticht der Handball hervor. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Saison 2013/14 in der Verbandsliga Nord.

In Perleberg gibt es den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz, vier Turnhallen und ein Schwimmbad, sowie je eine Kegel- und Bowlinganlage. Weiterhin sind in den Ortsteilen noch mehrere Sportplätze vorhanden.

Kulinarische Spezialitäten

Zu den bekanntesten kulinarischen Spezialitäten in Perleberg und der Prignitz zählt der Knieper. Dieser besteht traditionell aus Weißkohl, blauem Markstammkohl und Grünkohl. In Perleberg wird er auch Suren Hansen und Suern Hansen genannt. Diesen Namen prägte der Perleberger Karl Hansen nach dem Ersten Weltkrieg, indem er seinen Knieper mit den Worten „Bei mir gibt es keinen Knieper, bei mir gibt es nur Suern Hansen“ anpries.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch Perleberg verläuft die zwischen 1827 und 1830 gebaute Bundesstraße 5 (Berlin – Hamburg). Außerdem führte bis 2002 die Bundesstraße 189 (Wittenberge–Pritzwalk) durch die Stadt, bis die teilweise zweistreifige Ortsumgehung gebaut worden war. Über diese besteht in 35 Kilometern Entfernung Anschluss an die Bundesautobahn 24 (Anschlussstelle Pritzwalk). Perleberg verfügt über ein gut ausgebautes Radwegenetz, das auch Teil der Tour Brandenburg und der Gänsetour ist.

Zum Flughafen Schwerin-Parchim sind es 51 und zum Flughafen Rostock-Laage sowie zum Flughafen Berlin-Tegel jeweils gut 140 Kilometer. Im Südwesten der Stadt befindet sich ein kleiner Flugplatz, der hauptsächlich von Segelflugzeugen des Aero-Clubs Perleberg e. V. genutzt wird.

Die Stadt besitzt seit 1881 einen Eisenbahnanschluss über die Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg, deren Abschnitt Wittenberge–Perleberg 1881 von der Wittenberge-Perleberger Eisenbahn beziehungsweise der Abschnitt Perleberg–Wittstock 1885 von der Prignitzer Eisenbahngesellschaft eröffnet wurde. Des Weiteren war der Bahnhof Mittelpunkt des normal- und schmalspurigen Netzes der Prignitzer Kreiskleinbahnen.

Der Perleberger Bahnhof wird durch die Regional-Express-Linie RE 6 (Wittenberge–Berlin Gesundbrunnen) bedient. Teilstrecken der Prignitzer Kreiskleinbahnen werden zudem noch als Museumsbahn betrieben.

Ansässige Unternehmen

Der Wirtschaftsstandort ist einer von 15 Regionalen Wachstumskernen im Land Brandenburg. Dadurch werden ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert. In Perleberg sind kleine und mittlere Unternehmen ansässig.

  • Volks- und Raiffeisenbank Prignitz
  • Perleberger Bau GmbH & Co. KG etwa 140 Mitarbeiter
  • Günther Schmidt + Sohn GmbH (jetzt PSKies; nach Insolvenz neuer Eigentümer) Kieswerk Groß Buchholz (ca. 20 Mitarbeiter)
  • Lasertechnik Edelstahl und Blechverarbeitungs GmbH in Quitzow etwa 54 Mitarbeiter
  • Feuerverzinkerei Waldhelm Perleberg-Düpow GmbH, 30 Beschäftigte
  • Waldhelm Pulverbeschichtung Perleberg-Düpow GmbH, 15 Beschäftigte
  • Steinke KG (seit 1879) 14 Mitarbeiter
  • Thiede & Brauer GmbH, 13 Mitarbeiter
  • Höpcke Naturstein GmbH (seit 1886)
  • Prignitzer Fleischzentrale GmbH Perleberg/Quitzow
  • Klöpferholz GmbH & Co. KG (geschlossen seit 01/2013)
  • Kreiskrankenhaus Prignitz gemeinnützige GmbH
  • Der Rundfunk Berlin-Brandenburg betreibt ein Regionalstudio in Perleberg, das ein Regionalprogramm für die Prignitz sendet.
  • Gerüstbau Dr. Ritter (seit 1985)
  • LTB LaserTechnik u. Bauservice K.-D. Ilchmann (seit 1998)
  • WaBe Industrieboden GmbH (seit 2002)

Bildungseinrichtungen

Die Organisation des Schul- und Bildungswesen unterliegt den Vorgaben des Landes Brandenburg.

Es gibt in Perleberg (Schuljahr 2007/08) folgende, ausschließlich staatliche Schulen:

  • Grundschulen (Klassenstufen 1–6): Rolandschule, Grundschule „Geschwister Scholl“
  • Oberschule (Klassenstufen 7–10): Friedrich-Gedike-Oberschule Perleberg
  • Gymnasium (Klassenstufen 7–12): Gottfried-Arnold-Gymnasium
  • Förderschule: Allgemeine Förderschule „Schule an der Stepenitz“
  • Volkshochschule: Kreisvolkshochschule Prignitz

Des Weiteren ist in Perleberg die Kreismusikschule Prignitz zu finden.

Perleberg ist Sitz des staatlichen Schulamtes der Kreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel.

Bibliothek und Archive

Die erste städtische Bibliothek wurde 1899 errichtet. Von 1930 bis etwa 1969 war sie im heutigen Trausaal untergebracht, bevor sie in das Haus Großer Markt 15 zog. Seit 1999 befindet sich die Stadtbibliothek im Wallgebäude. Auf einem Areal von 600 m² bietet sie einen Bestand von etwa 28.000 Medieneinheiten. Neben Büchern stehen auch andere Medien wie Zeitschriften, Videos und Spiele zum Verleih. Im Jahr 2013 hatte die Bibliothek etwa 900 Nutzer, die 35.000 Entleihungen tätigten.

Das Stadtarchiv in der Karl-Liebknecht-Straße sammelt regionales Archivgut, um es für die Öffentlichkeit benutzbar zu machen und dauerhaft zu erhalten. Dazu zählen Bild- und Schriftdokumente, darunter Urkunden, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Außerdem werden dort Verwaltungsakten der Stadt, Adressbücher, Einwohnerverzeichnisse, Fotografien, Dias und Zeitungen aufbewahrt. Ergänzt werden die Archivalien durch eine Bibliothek mit Nachschlagewerken und Regionalliteratur zu Brandenburg, Prignitz und Perleberg. Seit 2004 nimmt das Archiv am Tag der Archive teil.

Darüber hinaus befindet sich das Kreisarchiv der Prignitz in Perleberg. Dieses wurde eventuell im Jahr 1952 infolge der Verordnung über das Archivwesen in der DDR eingerichtet. Nach der Kreisreform in Brandenburg 1993, bei der die Kreise Perleberg und Pritzwalk vereinigt worden waren, zog das Archiv in den Keller des Neubaus der Kreisverwaltung in der Berliner Straße 49. Eine Nebenstelle befand sich weiterhin in Pritzwalk. Da die Räumlichkeiten bald nicht mehr ausreichten, zog man 1997 in die Telefonzentrale des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes in der Wittenberger Straße, wo auch 1998 die Archivalien aus Pritzwalk untergebracht wurden. Da die Gemeinden Putlitz-Berge, Karstädt, Groß Pankow und Meyenburg keine eigenen Archive besitzen, werden ihre Archivgüter im Kreisarchiv verwahrt. Seit Dezember 2012 finden Bauarbeiten am Nebengebäude, in dem bis 2010 das Gesundheitsamt untergebracht war, statt, um ein modernes Magazin zu schaffen. Neben Verwaltungsakten befinden sich in dem Archiv Fotografien, Postkarten, Bücher und anderes mehr.

Behörden

Perleberg ist Sitz des Amtsgerichts Perleberg.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung der Stadt Perleberg und der Umgebung wird durch das Kreiskrankenhaus Prignitz sichergestellt. Dieses beschäftigt etwa 570 Mitarbeiter. Das Krankenhaus verfügt über 364 Betten und zehn Fachkliniken. Der 2003 fertiggestellte Bau besitzt ein modernes, im Mai 2009 in Betrieb genommenes Herzkatheterlabor sowie ein MRT-Gerät der neuesten Generation und eine Stroke Unit mit 4 Betten zur raschen Erstversorgung von Patienten mit Schlaganfällen. Der Rettungshubschrauber „Christoph 39“ wurde im Juni 2008 zur Luft- und Bodenrettung in Betrieb genommen. Seit Februar 2011 ist das Krankenhaus ein Lokales Traumazentrum im Traumanetzwerk Brandenburg Nord-West. In Zusammenarbeit mit der Universität Rostock fungiert es seit April 2010 als akademisches Lehrkrankenhaus für Medizinstudenten.

Persönlichkeiten

Die wohl bekannteste Perlebergerin dürfte die Opernsängerin Lotte Lehmann sein, die als deutsche Sopranistin internationalen Ruhm erlangte. Hubert Fichte, dessen Familie kurz nach der Geburt in Perleberg nach Hamburg zog, war ein bekannter Schriftsteller und Ethnograf. Im Zeitalter der Aufklärung avancierte Ernst Georg Sonnin, der die zweite große Michaeliskirche in Hamburg erbaute, zu einem der bedeutendsten Ingenieure und Architekten im 18. Jahrhundert.

Zu den nicht in Perleberg geborenen Persönlichkeiten, die dennoch mit der Stadt in Verbindung gebracht werden, zählt der Theologe Gottfried Arnold, der als Pfarrer in Perleberg tätig war und die „Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie“ (1699/1700) verfasste. Die Schauspielerin Eva-Maria Hagen lebte in ihrer Kindheit für einige Jahre in Perleberg, die Politikerin Angela Merkel verbrachte ihre frühe Kindheit im heute zu Perleberg gehörenden Quitzow. Mit dem Verschwinden des britischen Diplomaten Benjamin Bathurst besitzt Perleberg auch einen überregional bekannten Kriminalfall, der nie aufgeklärt wurde.

Sonstiges

Perleberg im Film

Perleberg war bereits mehrfach Spielort von Filmen. So wurden 2010 verschiedene Szenen der Filmbiografie Beate Uhse – Das Recht auf Liebe (2011) dort gedreht. Es waren unter anderem die Gebäude in der Straße Am Hohen Ende zu sehen, insbesondere das alte Postgebäude, sowie die St. Jakobi Kirche, das Rathaus und die Start- bzw. Landebahn des Perleberger Flugplatzes.

Weiterhin wurden Szenen aus den Filmen Das weiße Band, Der Laden, Jerichow, Neger, Neger, Schornsteinfeger, Crazy Race und Die Frau des Frisörs in Perleberg gedreht.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Perleberg

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