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Schweinfurt
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Stadt Schweinfurt
Markt 1
97421 Schweinfurt

http://www.schweinfurt.de

Schweinfurt

160pxAbb. 1 Wappen von Schweinfurt
Basisdaten
Bundesland Bayern
Höhe 226 m
PLZ 97421, 97422, 97424
Vorwahl 09721
Gliederung 15 Stadtteile
mit 23 Bezirken
Adresse der Verwaltung Markt 1
97421 Schweinfurt
Website www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU)

Schweinfurt (fränkisch Schweifädd) ist eine kreisfreie Stadt in Bayern (Regierungsbezirk Unterfranken). Die Hafenstadt am Main ist Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Oberzentrum, Hochschul-, Schul-, Verwaltungsstadt und fränkischer Weinort. Im Jahre 791 wurde Schweinfurt erstmals als Suuinfurtero marcu urkundlich erwähnt und war vom 12. Jahrhundert bis 1802 Reichsstadt. Im 21. Jahrhundert profilierte sich Schweinfurt auch als Kunststadt und wirbt seitdem mit dem Motto Industrie und Kunst.

Schweinfurt hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner und die höchste Arbeitsplatzdichte Deutschlands (2015), ist heute wichtigste Industriestadt Nordbayerns und gilt als Welthauptstadt der Kugellager. Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF, der zweitgrößte Schaeffler und der drittgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen (vormals Fichtel & Sachs) haben ihr jeweils größtes Werk in der Stadt am Main. Das Einzugsgebiet der Stadt ist die Region Main-Rhön im östlichen Unterfranken mit 432.000 Einwohnern (2015) und Südthüringen. Bei der Gebietsreform in Bayern gehörte Schweinfurt zu den wenigen Städten, in die keine Vororte eingemeindet wurden. Die Agglomeration beträgt 97.900 Einwohner (2015). Die Stadt wird von einer sehr fruchtbaren und traditionsreichen fränkischen Umgebung mitgeprägt, umrahmt von Mittelgebirgen, Naturparks und Kurbädern, im waldreichsten bayerischen Regierungsbezirk.

Mehrere bedeutende Erfindungen stammen aus Schweinfurt: Brauchbare Kugellager von Friedrich Fischer (1884), Fahrradfreilauf (1889) und Rücktrittbremse (1903) von Ernst Sachs und die Mutter der Gütesiegel, das Zeichen für Echtes Leder (um 1960). In Schweinfurt wurde 1652 die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet. Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.

Geographie

Lage

Schweinfurt liegt am mittleren Main, in der Mitte Mainfrankens und der DACH-Region sowie jeweils etwa 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt. Auf einer Linie 40 km östlich von Frankfurt am Main und 70 km westlich von Schweinfurt liegt der derzeitige Mittelpunkt der EU. Die Stadt liegt zum größten Teil im Schweinfurter Becken, das mit der Rhön im Norden, den Haßbergen im Osten, dem Steigerwald im Südosten und dem Spessart im Westen von Mittelgebirgen umrahmt wird, die alle auch Naturparks sind. Auf Sichtweite von der Stadt liegen der Steigerwald, der Gramschatzer Wald undvon höheren Gebäuden die Rhön (Bilder siehe: Stadtbild).

151011-154548 Bene-Pano.jpg|Blick vom Zabelstein im Steigerwald über Weinberge und das Schweinfurter Becken
nach Schweinfurt (am Horizont, 20 km)Ehemalige Spinnmühle in Schweinfurt.jpg|Main mit Altstadt und Schleuseninsel,
links das ehemalige Fischerviertel Fischerrain

Schweinfurt liegt im nordöstlichen Bereich des Fränkischen Weinlandes. Die Stadt ist auf der Deutschlandkarte leicht lokalisierbar, da sie am Beginn (der Nordostecke) des Maindreiecks liegt, dem flussabwärts das Mainviereck folgt.

Der Stadtkern und der überwiegende Teil des bebauten Stadtgebiets liegen nördlich und die neueren Industriegebiete Hafen und Maintal südlich des Mains. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt auf 202 m ü NN und der höchste auf 343 m ü NN.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Fertigstellung der Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt– Schweinfurt im Jahre 2005 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr.16) änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. Die Stadt unweit des früheren Zonenrandgebietes wurde zu einem Autobahnknotenpunkt in der bundesdeutschen Mitte und die Arbeitslosenzahlen der Region gingen stärker als anderswo zurück und erreichten 2016 südbayerische Werte.

Die Lage in Bayern und die gleichzeitige zentrale Lage im Bundesgebiet (Bayerns Deutsche Mitte) sowie mehrere bedeutende ansässige Unternehmen, insbesondere in der Wälzlagerindustrie, führen zu Standort- und Agglomerationsvorteilen, wie der Ballung von Wissen. Die Agglomerationsnachteile, Verkehrsstress, knapper Parkraum, starke Umweltbelastungen und hohe Immobilienpreise blieben andererseits der Stadt erspart, da sie abseits der großen Ballungsräume liegt (Stille Mitte Europas) und landschaftliche Freiräume, Naturparks und Erholungsgebiete sie allseits nah umgeben. Deshalb gehört die Stadt auch zu den wenigen deutschen Industriezentren, die keiner Metropolregion angehören (siehe auch: Raumordnung). Berlin (City-West) via A 71: 442 km; via A 70: 450 km *Kilometerangaben beziehen sich auf die Entfernung zwischen den Stadtzentren bei Fahrt über Autobahnen

Schweinfurt hat eine sehr zentrale Lage, was in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wird als in der Logistikbranche. Alle Autobahnen mit der ersten Ziffer „7“, auch die A 72 nach Chemnitz, führen radial in Richtung Schweinfurt (bzw. in Gegenrichtung), mit Ausnahme des nördlichen Teils der A 73. Unweit der Stadt kreuzt der 50. Grad nördlicher Breite (N 50 °), der der Mainlinie und der A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (O 10 °), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas Dänemark– Norditalien und der A 7 ist. Am Schnittpunkt der beiden Grade, 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck, an der Bundesstraße 26a, befindet sich ein Schnittpunkt-Denkmal.

Raumordnung

Schweinfurt ist das Oberzentrum der Planungsregion Main-Rhön, einer von 18 Planungsregionen in Bayern. Zu dieser Planungsregion Nummer 3 gehören die kreisfreie Stadt Schweinfurt und die Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Dem Oberzentrum Schweinfurt wurden ursprünglich folgende Mittelzentren zugeordnet: Bad Brückenau, Bad Kissingen, Bad Neustadt an der Saale, Gerolzhofen, Hammelburg und Haßfurt. Durch die im neuen Landesentwicklungsplan (LEP) vorgesehene Aufwertung bisheriger Mittel- zu Oberzentren werden Bad Kissingen und Bad Neustadt zu einem neuen Doppel-Oberzentrum.

Durch diese Aufwertung fühlt sich Schweinfurt zu niedrig eingestuft und strebt zusammen mit Würzburg eine Regiopole an, da beide Städte keiner Metropolregion angehören. Zwischen beiden Städten verläuft eine Entwicklungsachse, die baulich aber nur im näheren Umfeld der Städte ausgeprägt ist und ansonsten eher theoretischen Charakter besitzt und durch dünn besiedeltes Gebiet führt. Die Achse rückte jedoch in neuerer Zeit in den Blickpunkt der regionalen Entwicklung. Sie setzt sich von Schweinfurt entlang eines fast durchgehenden Siedlungsbandes durch das Obere Werntal nach Bad Kissingen fort, wo sich die Gemeinden in der Allianz Oberes Werntal zusammenschlossen. Die Achse Würzburg–Schweinfurt–Bad Kissingen, entlang der die Bundesautobahnen A 7 und A 71 verlaufen, bildet die zentrale Entwicklungsachse Mainfrankens.

Nachbargemeinden

Neun Gemeinden, die alle zum Landkreis Schweinfurt gehören, grenzen an die kreisfreie Stadt Schweinfurt.

Naturräumliche Gliederung

Der Großteil des Stadtgebiets liegt innerhalb des gering reliefierten Schweinfurter Beckens (Haupteinheit 136), das sich beiderseits des Mains erstreckt, mit der Innenstadt nördlich des Flusses. Die östlichen und nördlichen Stadtteile Haardt, Hochfeld und Deutschhof liegen topographisch teils deutlich erhöht auf den südlichen Ausläufern der von zahlreichen Tälern durchschnittenen nördlich des Mains gelegenen Landschaft der Schweinfurter Rhön. Sie ist identisch mit dem Naturraum Hesselbacher Waldland (Haupteinheit 139). Schweinfurter Becken und Hesselbacher Waldland liegen in der Kernzone der Mainfränkischen Platten (Haupteinheitengruppe 13). Diese gehören zum Schichtstufenland beiderseits des Oberrheingrabens (Großregion 1. Ordnung 07-23), das sich vom Pariser Becken bis nach Franken hinzieht.

Geologie und Tektonik

Die Geologie im Stadtgebiet reicht (von älter/unten nach jünger/oben) von den harten Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den weicheren tonig-mergeligen, von einzelnen Sandsteinen und Kalkbänken unterbrochenen Unterkeuper (Lettenkeuper) bis zu den weichen Tonsteinen des Gipskeupers. Im Bereich zwischen Bergrheinfeld und Schweinfurt befindet sich das Zentrum eines tektonischen Senkungsgebiets (Schweinfurter Mulde). Der Gipskeuper kam in das heutige Niveau des Mains, der im Quartär ein weites Becken ausräumen konnte. Im Stadtgebiet befinden sich Sande und Schotter als Reste höherer Flussniveaus. Am Ostrand des Maintals im Stadtgebiet befinden sich am Schwebheimer Wald Flugsanddünen. Sie sind mit Kiefern bewachsen und inaktiv, sodass sie nicht mehr wandern.

Nordöstlich der Innenstadt verläuft die Kissingen-Hassfurter Störungszone von Nordwesten nach Südosten, die das Hebungsgebiet des Kissingen-Hassfurter Sattels von der Schweinfurter Mulde trennt. Im Bereich der Sattelzone wurden harte Kalksteine des Muschelkalks in das heutige Niveau des Mains und seiner Zuflüsse gehoben. Das Relief ist deutlich bergiger, die Flüsse konnten nur schmale Täler formen.

Hydrologie

Auf Grund der Topografie gab es innerhalb des geschlossen bebauten Stadtgebietes bisher kein Hochwasser. Da sich zum einen der Main bei Schweinfurt verbreitert, bis auf maximal 172 m und mit Nebenarmen (Saumain), Altmainarmen (Sennfelder Seenkranz) und den dazwischen liegenden Inseln und Halbinseln (siehe: Maininseln) bis auf 750 m. Zum anderen liegt die Innenstadt auf einem Sockel ca. 10 bis 15 m über dem Wasserspiegel des Mains und dem Niveau des tieferen Bereichs des Schweinfurter Beckens auf der gegenüberliegenden, südlichen Mainseite, wo vereinzelte Gebäude in und um den Stadtpark (siehe: Wehranlagen) einige Male im Hochwasser standen.

Am Main selbst richtete jedoch starker Eisgang große Schäden an den Wasserbauten beim größten Hochwasser des 19. Jahrhunderts 1845 an, mit einem Pegelstand von 6,25 m. Beim Hochwasser 1909, mit einem Pegelstand von 6,10, stürzten die Eismassen über die Mainwehre. Die Böckleinsinsel (siehe: Maininseln) und der Stadtpark mit dem damaligen Zoo (siehe: Wehranlagen) wurden überflutet.

An der Innenstadt (ca. 220 m ü. NN) befindet sich am Hauptmain (Main-km 332) seit 1960 eine neue Staustufe. Oberhalb (östlich) von ihr liegt der Mainwasserspiegel auf 207,68 m ü. NN. Unterhalb beträgt die normale Mainhöhe 203,1 m Ü. NN. Bei Hochwasser werden bei Bedarf Wehre der Staustufe geöffnet. Der höchste Stand des Mains betrug in den letzten 100 Jahren oberhalb der heutigen Staustufe 209,72 m ü. NN; seitdem war die Maininsel Bleichrasen (siehe: Maininseln) mit einer Höhe von 210,0 m ü. NN noch nie überflutet Zudem liegt der Saumain auf nur 203,60 ü. NN, wohin sich das Hochwasser zuerst ergießt. Die tiefere, südliche Mainseite liegt im Stadtbereich auf 205 bis 209 m ü. NN. Die hier ab 1963 errichteten Industrie- und Gewerbeparks Hafen und Maintal, die fast vollständig unterhalb der Staustufe liegen, sind durch Deiche geschützt und waren bisher (2016) ebenfalls noch nie überflutet (siehe: Maintal#Hydrologie).

Klima

Infolge der Lage der Stadt östlich des Spessarts, der die Klimascheide zum maritimen Klima bildet, ist das Klima kontinental. Deshalb ist auch der Jahresniederschlag am Nord-Ost-Rand des trockenen und sommerwarmen Schweinfurter Beckens, im Windschatten des westlich und nordwestlich gelegenen Landrückens Rhön-Spessart, mit etwa 602 mm vergleichsweise niedrig und liegt im letzten Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 21 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Vor der Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte lag der Jahreswert sogar deutlich unter 600 mm. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni, 1,8-mal so viel wie im Februar. Wobei im Sommer ein Großteil des Regens in kurzen Gewittergüssen und Wolkenbrüchen fällt, weshalb trotz der geringen Jahresniederschläge die städtischen Abwasserkanäle Übergröße besitzen. In Folge dessen wurde im Jahr 2015 Schweinfurt Deutschlands Blitzhauptstadt. Mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer lag die Stadt vor Cottbus (4,3/km²) und Garmisch-Partenkirchen (4,1/km²).

In den Mainfränkischen Platten, in denen die Stadt liegt, gab es im Hitzesommer 2015 zwei weitere Wetterrekorde: Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt war der trockenste Ort Deutschlands, und in Kitzingen wurden am 5. Juli und 7. August mit 40,3 °C die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur erreicht.

Dialekt und Prägung

Schweinfurt liegt in der Mitte des ostfränkischen Dialektgebietes und ist heute, wie in früherer Zeit, frei von Einflüssen benachbarter Dialektgruppen, wie kaum eine andere Region Frankens. Ein auffälliges Kennzeichen des Dialektes im Raum Schweinfurt ist im Gegensatz zu anderen fränkischen Regionen, wie auch zum benachbarten Würzburger Raum, wo man ebenfalls Meefränggisch (Mainfränkisch) spricht, neben einer ausgeprägten Deftigkeit die Verkleinerungsform bei der Pluralbildung. So werden zum Beispiel die Häuschen neben der Variante Häusli auch Häuslich genannt, weshalb der Dialekt nicht als Fränkisch oder Meefränggisch sondern als Schweinfurterisch bezeichnet wird. Roland Weger erstellte ein Wörterbuch Schweinfurterisch–Deutsch. Besonders unter der jüngeren, in Teilen multikulturellen Bevölkerung wird, wie anderswo, der Dialekt kaum noch gesprochen.

Trotz der Lage an der Mainlinie hat Mainfranken absolut süddeutschen Charakter. Es liegt mit seiner ethnischen Prägung näher am Alpenraum als am benachbarten Frankfurt am Main, was auch die nebenstehende Karte der Oberdeutschen Mundarten veranschaulicht. Andererseits ist, im Gegensatz zum Bairischen, der örtliche Dialekt dem bis in die äußerste Nordostecke Frankreichs reichenden Südfränkischen sehr ähnlich. Dasselbe gilt für die Landschafts- und Ortsbilder. Die Mainschleife im Fränkischen Weinland südlich Schweinfurts wird deshalb als Elsass Bayerns bezeichnet.

Der Raum Schweinfurt besitzt die typischen süddeutschen Wesensmerkmale:

  • Er liegt im Bereich des Oberdeutschen
  • Er war nie preußisch, liegt also südlich der einstigen Hegemonialgrenze Preußen/Bayern-Österreich
  • Er liegt im Verbreitungsgebiet des Grußes Grüß Gott, das nahezu identisch mit dem Oberdeutschen ist
  • Man spielt(e) Schafkopf statt Skat, zudem, im Gegensatz zu Oberfranken und der Oberpfalz, mit der langen Karte, wie in Ober-, Niederbayern und Bayrisch Schwaben

Stadtgliederung

Eine Einteilung in amtliche Stadtbezirke gibt es nicht. Lediglich für statische Zwecke der Stadtverwaltung wurde das Stadtgebiet in 23, zum Teil schwer nachvollziehbare Bezirke eingeteilt, die bei den Bürgern nicht wahrgenommen werden. Die 23 Bezirke wurden zu 15 Stadtteilen zusammengefasst (in der Liste in fetter, blauer Schrift). Im Zuge der Bayerischen Gebietsreform der 1970er Jahre wurden keine Vororte nach Schweinfurt eingemeindet, weshalb die kreisfreie Stadt nur das kleine Gebiet der Kernstadt mit 36 km² umfasst, ohne den Speckgürtel, mit einer daraus resultierenden relativ niedrigen Einwohnerzahl und erhöhten Anteilen von Ausländern und Doppelstaatlern.

Schweinfurt-Altstadt.jpg|Schweinfurt, Rüfferstraße 1-002.jpg|

Melderegisterbasierte Bevölkerung der Stadt Schweinfurt in den 23 statistischen Gebieten am 31. Dezember 2015
Nr. Statistisches Gebiet Einwohner Ausländer
(%)
Doppelstaatler
(%)
11 Altstadt (zur Innenstadt) 2.529 17,7 6,9
12 Innenstadt West 4.291 29,4 15,7
13 Innenstadt Nord 3.994 23,0 13,1
21 Bergl 9.162 18,8 23,9
22 Musikerviertel 3.103 20,4 20,1
31 Nordwestlicher Stadtteil 3.314 19,1 15,5
32 Gartenstadt 2.787 6,6 9,4
33 Nördlicher Stadtteil 3.024 11,9 16,6
34 Haardt 1.779 7,4 17,4
35 Eselshöhe 2.561 4,3 13,9
41 Hochfeld/Steinberg 5.126 7,6 10,8
42 Nordöstlicher Stadtteil 2.734 7,4 8,2
43 Deutschhof Süd 1.855 6,1 26,3
44 Deutschhof Mitte 1.454 9,6 27,4
45 Deutschhof Ost 962 7,3 25,7
46 Deutschhof Nord 963 6,0 14,6
47 Deutschhof Zeilbaum 784 1,9 11,4
51 Hafen-Ost 244 7,8 7,4
52 Hafen-West 22 50,0 4,5
53 Badesee am Schwebheimer Wald 4 0,0 0,0
54 Maintal 2 0,0 0,0
61 Oberndorf–Süd 1.135 11,3 9,7
62 Oberndorf Mitte 1.326 16,1 13,7
nicht zuzuordnen 47 2,1 25,5
Schweinfurt insgesamt 53.202 14,6 16,2

Zudem gibt es viele kleinere Viertel, die den 15 Stadtteilen (in Klammern) wie folgt statistisch zugeordnet wurden.

  • Askren Manor (Musikerviertel)
  • Bellevue (Musikerviertel)
  • Breite Wiese (Hochfeld/Steinberg)
  • Fischerrain (Innenstadt)
  • Gründerzeitviertel (Innenstadt)
  • Hainig (Nordwestlicher Stadtteil)
  • Höllental (Nordöstlicher Stadtteil)
  • Kiliansberg (Nordöstlicher Stadtteil)
  • Klingenbrunn (Nördlicher Stadtteil)
  • Klingenhöhe (Hochfeld/Steinberg)
  • Ledward/i-Campus (Nordwestlicher Stadtteil)
  • Neutorvorstadt (Innenstadt)
  • Theuerbrünnleinsiedlung (Nördlicher Stadtteil)
  • Yorktown Village (Nordwestlicher Stadtteil)
  • Zeilbaum (Deutschhof)
  • Zürch (Altstadt)

Geschichte

Der Raum Schweinfurt hat auf Grund seiner zentralen Lage, der Furt über den Main und fruchtbaren Böden eine lange Geschichte, die sich nahezu lückenlos durch alle prähistorischen und historischen Epochen hindurchzieht. Die Stadt umgebenden Dörfer zählen zu den ältesten Deutschlands (siehe: Dittelbrunn und Schwanfeld). Die Markgrafen von Schweinfurt unterstützen zweimal ostfränkische Könige auf ihrem Weg auf den Kaiserthron des Heiligen Römischen Reichs. So den ersten römisch-deutschen Kaiser Otto I., mit seinem Rückgriff auf die Kaiseridee Karls des Großen. Bereits spätestens 1057 endete die große historische Zeit Schweinfurts und der Markgrafen, die keine männlichen Nachkommen mehr hatten. In dem Macht-Vakuum in der Reichsmitte entstand das Hochstift Bamberg.

Vor- und Frühgeschichte

Siedlungsspuren lassen sich in und um die Stadt seit 12000 Jahren nachweisen. Von der Mittelsteinzeit (um 10000 v. Chr.), der Bandkeramik (um 5500 v. Chr.), der Jungsteinzeit (um 4000 v. Chr.), der Urnenfelderkultur (um 1200 v. Chr.), der Hallstattzeit (um 700 bis 400 v. Chr.), bis zur Latènezeit (um 450 v. Chr.). Auf der Eselshöhe wurden Funde der Bandkeramik und in den nördlich angrenzenden Vororten aus allen vorgeschichtlichen Epochen gemacht.

Um 500 v. Chr. ist die Besiedlung durch Kelten nachgewiesen, unter anderen am Biegenbach zwischen dem Stadtteil Bergl und Geldersheim und während der Römischen Kaiserzeit an selber Stelle eine Besiedlung durch Germanen. Lediglich von den Römern gibt es keine Hinterlassenschaften, da sie vergeblich gegen die Germanen versuchten ihr Reich jenseits des Mains bis an die Elbe auszudehnen.

Siehe auch: Eselshöhe/Geschichte und Landkreis Schweinfurt/Vorgeschichte

Frühmittelalter

Thüringer und Franken

Die Thüringer beherrschten das nördliche Mainfranken, bevor sie ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt bzw. überlagert wurden. Erste Siedlungen im Raum Schweinfurt wurden von ihnen wohl bereits im 5. Jahrhundert gegründet. Ortsnamen mit der Endung -ungen, wie Schonungen, Rannungen oder Jeusungen, deuten auf thüringischen Ursprung hin.

Die Franken besiegten die Thüringer 531 und besiedelten daraufhin auch Schweinfurt zwischen dem Marienbach am Ostrand der heutigen Schweinfurter Altstadt und dem 1 km mainaufwärts gelegenen Höllental. Damit war auch die Christianisierung verbunden, die in Franken Ende des 7. Jahrhunderts einsetzte. Früheste archäologische Funde lassen sich heute zwischen Marienbach und Höllental bis auf das Jahr 650 datieren. Bereits für die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts bezeugt ein Reihengräberfeld hier eine Siedlung am Ort des alten Straßenkreuzes einer Nord-Süd-Verbindung mit der Furt über den Main und der Ost-West-Straße entlang der Mainlinie Richtung Frankfurt.

Herkunft des Stadtnamens

Die naturgegebene Verbreiterung des Mains bei Schweinfurt mit Nebenarmen und Inseln brachte seit ältesten Zeiten seichtes Wasser. Dies war bereits den Menschen in der Frühzeit bekannt. Durch die Furt entstand eine überregionale Nord-Süd-Verbindung.

Vermutlich nicht das Schwein sondern der Swin hat der Stadt ihren Namen gegeben. Das Wort stammt wahrscheinlich nicht aus dem Althochdeutschen, sondern wurde von den Franken aus ihren ursprünglichen Gebieten um Maas und Schelde mitgebracht. Im Hölländischen bezeichnet Zwin (Aussprache Swin) einen Priel, einen Wasserlauf in Watt und Marsch. Das Zwin ist ein versandeter Meeresaltarm in Flandern; Swin bedeutet im eigentlichen Sinn abnehmen. Das Wort war auch im Altsächsischen in Gebrauch, worauf mehrere Orte namens Swinford auf den Britischen Inseln hinweisen. Ferner auch Swinemünde an der Swine. Swin wird zudem auch von einem von Quellen durchzogenen Sumpfgebiet hergeleitet. Die (erste) Furt wird 1,5 km weiter nordöstlich, am Altmain vermutet, dem heutigen Sennfelder Seenkranz, einem Quellengebiet.

Der Siedlungsname ist wie folgt belegt:

  • 720 Suinuurde.
  • 791 Suuinfurtero (erste urkundliche Erwähnung).
  • 804 Suuinfurte.
  • ? Swinfurt.
  • ? Swinvordi.
  • 1254 Swinvorde
  • ? Sweinvort.
  • ? Sweinfurt.
  • ? Schweinfurt

Siehe auch: Ortsname

Erste urkundliche Erwähnung

Erstes schriftliches Indiz für die Existenz der Siedlung im 8. Jahrhundert ist die Nennung im Codex Edelini des Klosters Weißenburg. Wahrscheinlich wurde damals in Suinuurde bereits Weinbau betrieben. Die erste sicher datierbare schriftliche Erwähnung einer Siedlung zwischen Marienbach und Höllental (siehe: Thüringer und Franken) erfolgte im Jahr 791. Hiltrih übereignet einen Besitz in Suuinfurtero marcu an das Kloster Fulda.

Markgrafschaft Schweinfurt

Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941 mit der Nennung des Markgrafen Berthold von Schweinfurt als erstem Glied des Hauses der Markgrafen von Schweinfurt. Die Herkunft der Familie ist umstritten. Schweinfurt lag in der Mitte des Ostfrankenreichs, wie auch in der Mitte des nachfolgenden Heiligen Römischen Reichs. Die Grafschaft Schweinfurt gründete sich auf Besitzungen im Nordgau, Radenzgau und im Volkfeldgau, die durch eine Kette von Burgen gesichert waren. Dadurch nahm der Markgraf eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet ein.

Die Markgrafen von Schweinfurt unterstützten wiederholt ostfränkische Könige auf ihrem Weg zur römisch-deutschen Kaiserwürde. Berthold gab dem König des Ostfrankenreichs Otto I. (936-973), der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto I. den Nordgau, in etwa die heutige Oberpfalz. Dadurch waren um das Jahr 1000 die Markgrafen von Schweinfurt das mächtigste Adelsgeschlecht auf dem Gebiet des heutigen Nordbayern. Ihr Machtbereich erstreckte sich bis in den Bayerischen Wald. Ihre Hauptburg lag zunächst entweder im Nordgau oder bereits auf dem Burgberg Peterstirn am Ostrand der heutigen Stadt.

Schweinfurter Fehde

Später unterstützte Graf Heinrich von Schweinfurt, auch „Hezilo“ genannt, den ostfränkischen König Heinrich II. (1002–1024, ab 1014 römisch-deutscher Kaiser) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde zugesagt. Nach der Wahl löste jedoch Heinrich II. das Versprechen nicht ein. Daraufhin kam es 1003 zur Schweinfurter Fehde. Hezilo unterlag und verlor zumindest einen kleinen Teil seiner Besitzungen, die Königshöfe Rangau, Volkfeld und Radenzgau. Sie bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg, das unmittelbar darauf von Heinrich II. gestiftet und 1007 von Papst Johannes XVIII. bestätigt wurde. Heinrich nahm Hezilo auf Burg Giebichenstein gefangen, begnadigte ihn aber bereits 1004. Ob Hezilo tatsächlich seine königlichen Lehen ganz verlor oder großteils restituiert wurde, ist umstritten.

Die markgräfliche Burg auf der Peterstirn wurde geschleift. Hezilos Mutter Eila rettet jedoch die Siedlung und die Burgkirche.

Klosterburg auf der Peterstirn

Hezilo behielt jedoch unumstritten seinen Besitz um den Burgberg Peterstirn, wo um 1015 Eila unterhalb der Burg ein Nonnenkloster stiftete. Nach einigen Besitzwechseln wurde das Frauenkloster um 1055 in ein Benediktinerkloster namens Stella Petri (zu deutsch Peterstern) umgewandelt, worauf im Laufe der Zeit Peterstirn wurde.

Hochmittelalter

Aussterben der Markgrafen von Schweinfurt

Hezilos Sohn Otto von Schweinfurt wurde von König Heinrich III. (1039–1056) zum Herzog von Schwaben (Otto III.) ernannt. Einer seiner zahlreichen Töchter, Judith von Schweinfurt, wurde zu einer zentralen Figur der Alt-Schweinfurter Stadtgeschichte, bei der sich historische Überlieferungen und Legenden verbinden. Sie soll schließlich in zweiter Ehe Königin von Ungarn geworden sein und fand ihre letzte Ruhestätte im Veitsdom in Prag.

Otto von Schweinfurt heiratete aus reichspolitischen Gründen eine Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin (Manfred von Susa), womit Verbindungen der Reichsteile nördlich und südlich der Alpen gestärkt werden sollten. Nach Otto starb das Geschlecht im Mannesstamm 1057 aus und spätestens dieses Jahr markiert das unumstrittene Ende der bedeutenden Rolle der Markgrafen von Schweinfurt.

Das Gut um Schweinfurt erbte Ottos Tochter Beatrix. Der Besitz bestand damals aus der Burg auf der Peterstirn und dem Dorf, das zwischen Höllental und Marienbach lag, mit der einstigen Kilianskirche (siehe: Kiliansberg). Beatrix’ letzter männlicher Nachkomme, der Fürstbischof von Eichstätt Eberhard I. von Hildrizhausen, vermachte 1112 seinen Besitz um Schweinfurt dem Hochstift Eichstätt. Dadurch kam die Stadt bis zur späteren Reichsunmittelbarkeit als Freie Reichsstadt unter geistliche Herrschaft. 1263/65 wurde das heruntergekommene Benediktinerkloster an der Peterstirn auf Betreiben des Würzburger Bischofs Iring von Reinstein-Homburg dem Deutschen Orden übergeben.

Aufstieg zur Reichsstadt

Die heutige Altstadt ist eine Gründungsstadt. Sie liegt 2 km mainabwärts (westlich) der einstigen eichstättischen villa, der Alten Stätte, die heute nur noch über historische Straßennamen am Ostrand des Villenviertels Kiliansberg, wie der Altstadtstraße, lokalisierbar ist. Vermutlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ im 12. Jahrhundert in Konkurrenz zur eichstättischen villa, unter Verwendung von vorhandenem Königsgut, die neue Civitas Imperii (Reichsstadt) anlegen. Als klassische mittelalterliche Stadtanlage, mit Straßenkreuz am Marktplatz, vier Vierteln und vier Stadttoren, mit späterer Erweiterung im Westen und Norden. An dieser Stelle konnten die Furt und die Straßen vom Untermain zum Obermain und von Nürnberg nach Erfurt kontrolliert werden. 1233 ist Schweinfurt als Reichsstadt nachgewiesen.

Spätmittelalter

Erstes Stadtverderben

Im Kampf um die Vorherrschaft in Mainfranken zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). In einem Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254 heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen („…Swinforde, que olim imperii civitas fuerat“). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Stadtzerstörung Bezug genommen wird. Jedoch ist dieser Brief der erste urkundliche Nachweis von Schweinfurt als Reichsstadt und somit auch als Ort mit Stadtrecht. 1263 wird das Mönchskloster in der ehemaligen markgräflichen Bürg in eine Kommende des Deutschen Ordens umgewandelt. Bemühungen der Henneberger und des Bischofs von Würzburg, die Stadt zu mediatisieren, blieben erfolglos. König Rudolf von Habsburg (1273–1291) weist in seinem Schiedsspruch vom 29. April 1282 den Anspruch des Deutschen Ordens auf die Gericht- und Vogteirechte Schweinfurts zurück. Die Grenzen zwischen der Altstadt und Hilpersdorf (siehe Wüstungen) wurden neu festgelegt. Schweinfurt wurde 1282 von Rudolf von Habsburg als Reichsstadt bestätigt. Innerhalb der Stadtmauern, im ältesten Quartier der Reichsstadt, dem Zürch, befand sich von 1310 bis 1427 eine Reichsburg.

14. Jahrhundert: Verpfändungen und Auslösung

Die deutschen Könige verpfändeten bei Geldnot häufig ihren Besitz oder bestimmte Privilegien. Eine Vielzahl der Reichsstädte verlor bis zum Ende des Alten Reiches ihre Selbständigkeit, wenn sie nicht in der Lage waren, das Pfand auszulösen.

Bereits in den 1290er Jahren wurden bestimmte Rechte der Stadt Schweinfurt verpfändet. Am 3. Juli 1304 verpfändete König Albrecht von Habsburg (1298–1308) die Stadt an Bischof Andreas von Würzburg für 2000 Pfund Heller. 1305 wurde die Summe auf 1000 Mark Silber und 100 Pfund Heller erhöht. König Heinrich VII. (1308–1313) verpfändete am 28. Dezember 1309 die Stadt zu 1000 Mark Silber an Berthold IV. von Henneberg-Schleusingen. Kaum ein halbes Jahr später, am 31. Mai 1310, wurde diese Summe verdoppelt. König Ludwig der Baier (1314–1347) erhöhte die Pfandschaft am 21. März 1323 nochmals auf 3000 und am 26. Mai 1330 auf 5000 Mark Silber. Nach dem Tod des Grafen Heinrich VIII. von Henneberg-Schleusingen am 10. September 1347 wurde die Pfandschaft in zwei Teilen an seine Witwe Jutta von Brandenburg († 1353) und seinen Bruder Johann I. von Henneberg-Schleusingen vererbt. Damit war unter anderem die Teilung der Vogteirechte verbunden. Bischof Albrecht II. von Würzburg erwarb 1354 für 3000 Pfund Heller den einen Teil der Reichspfandschaft von der Tochter Juttas, Elisabeth von Henneberg. Wäre Johanns Teil ebenfalls an den Bischof von Würzburg verkauft worden, hätte die dauerhafte Entfremdung vom Reich gedroht. 1361 löste die Stadt deshalb die eine Hälfte des Pfands zu 2500 Mark Silber von Johanns Witwe aus. Als Gegenleistung gewährte Kaiser Karl IV. (1346–1378) am 29. April 1361 der Stadt die eigene Gerichtsbarkeit und erließ ihr für 20 Jahre die Reichssteuer.

Am 28. Januar 1362 versprach Kaiser Karl IV. der Stadt, die Reichsrechte in Zukunft nicht mehr zu verpfänden oder zu entfremden, was allerdings von späteren Kaisern nicht immer als bindend angesehen wurde und immer wieder von neuem erkämpft werden musste. Die Schweinfurter Bürger durften nun ihren Amtmann selbst bestimmen. Die Verhandlungen mit dem Bischof von Würzburg zogen sich über Jahre hin. Schließlich bestätigte er am 28. Juli 1386 die Auslösung des Pfandes für 15.000 Gulden.

1386 tritt Schweinfurt dem Schwäbischen Städtebund bei.

Aufbau eines Territoriums

Schweinfurt gelang es, das Pfand über die in der Reichsvogtei gelegenen Reichsdörfer Forst, Sennfeld, Gochsheim und Rottershausen zu erwerben. Diese Pfänder gingen bis zum Ende des alten Reiches wieder verloren.1397 wurde durch König Wenzel (1376–1400) die Erlaubnis zum Bau von Mühlen, Landestegen, Wehren und einer Brücke über den Main erteilt. Im gleichen Jahr wurde auch ein wirtschaftlich wichtiges Privileg, die Zollfreiheit für alle in der Stadt verkauften und aus der Stadt exportierten Waren, erworben. Die Lösung aus der Verpfändung und die damit verbundene Rückgewinnung der Reichsfreiheit kostete die Stadt 30.000 bis 40.000 Gulden und führte zu einer starken Verschuldung. König Ruprecht minderte deshalb ab 1407 für zehn Jahre die Reichssteuer auf 100 Gulden. Das Recht, eine jährliche Messe abzuhalten, die am 11. November beginnen und 17 Tage dauern sollte, erwarb die Stadt 1415 von König Sigismund.

1436 wurde die unmittelbar südwestlich an die Stadtmauer grenzende alte Fischersiedlung Fischerrain, deren Ursprünge im Dunkel der Geschichte liegen und die einen eigenen Schultheiß hatte, in die Stadt eingegliedert.

Auf Grund positiver wirtschaftlicher Entwicklung kann die Stadt von den Brüdern Karl und Heinz von Thüngen am 26. Februar 1436 den südwestlich gelegenen Vorort Oberndorf für 5.900 Gulden erwerben. 1436/37 erhielt der Rat der Stadt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Burg auf der Peterstirn sowie das zugehörige Landgebiet mit den Dörfern Altstadt, Hilpersdorf, Zell und Weipoltshausen sowie den Höfen Deutschhof und Thomashof. Dazu gehörten auch die beiden Exklaven Ottenhausen und Weipoltsdorf. Das reichsstädtische Territorium wurde 1620  um Madenhausen ergänzt. Die Einwohner dieser Ortschaften waren Untertanen der Reichsstadt und besaßen in der Regel kein Bürgerrecht.

Durch die Zuerwerbe hatte das Territorium der Reichsstadt nun von Südwesten nach Nordosten eine Ausdehnung von 17 km. Dadurch war von der Stadt Schweinfurt über den Ritterkanton Baunach ein nahezu durchgehender protestantischer Korridor durch die Hochstifte Würzburg und Bamberg ins protestantische Herzogtum Sachsen entstanden.

Frühe Neuzeit

Bauernkrieg

Das Territorium des Hochstifts Würzburg befand sich seit April 1525 fast vollständig in der Hand aufrührerischer Bauern. Die Stadt Schweinfurt stellte sich auf ihre Seite und unterstützte sie mit Mannschaften und Lebensmitteln. Am 17. Mai 1525 wurde durch Betreiben Schweinfurts das Schloss Mainberg des Grafen Wilhelm von Henneberg durch den Bildhäuser Haufen zerstört. Das Heer des Schwäbischen Bundes hatte Anfang Juni den Würzburger Raum von den Aufständischen zurückerobert und traf am 12. Juni 1525 mit 15.000 Mann in Schweinfurt ein. Die Stadt wurde zur Aufkündigung des Bündnisses mit den Aufständischen gezwungen und musste für den Wiederaufbau des Schlosses Mainberg 4566 Gulden und für allgemeine Brandschatzung pro Haus 10 rheinische Gulden leisten.

Zweites Stadtverderben

Am 22. Mai 1553 wurde Schweinfurt im so genannten Zweiten Markgrafenkrieg durch Markgraf Albrecht II. Alcibiades erstmals besetzt. Vom 1. bis 23. Juni 1553 wurde es von den Truppen Braunschweigs, Kursachsens und Würzburgs erstmals belagert und beschossen.

Der große Angriff auf die Stadt erfolgte im darauffolgenden Jahr ab dem 27. März 1554. Die Bundestruppen schossen die Stadt innerhalb von zehn Wochen sturmreif und hungerten sie aus. Der Markgraf ließ am Abend des 12. Juni 1554 seine Truppen vor der Übermacht seiner Gegner abziehen. Dadurch war die Stadt ohne Schutz. Noch bevor der Rat mit den Bundestruppen Verhandlungen aufnehmen konnte, wurde die Stadt am Morgen des 13. Juni 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Die bereits durch Hunger und Seuchen dezimierte Bevölkerung floh in Scharen ins Umland. Die auf Rache bedachte Landbevölkerung, die im Krieg viel zu leiden hatte und Schweinfurt die Schuld gab, drang nach dem Abzug der Bundestruppen am gleichen Tag in die Stadt ein und vollendete das Zerstörungswerk (Zweites Stadtverderben).

Der Wiederaufbau zog sich bis 1615 hin. Zeugnisse davon sind die Renaissance-Bauten Rathaus, Altes Gymnasium und Zeughaus sowie der wiederaufgebaute Ebracher Hof. Das damalige Stadtbild änderte sich mit Ausnahme der Befestigungsanlagen bis ins frühe 19. Jahrhundert nur noch wenig.

Siehe auch: Altstadt

Reformation und Dreißigjähriger Krieg

1542 schloss sich Schweinfurt der Reformation an und 1609 trat die Stadt der Protestantischen Union bei (siehe Evangelisch-lutherisch). „Schweinfurt gerät immer wieder zwischen die Fronten der großen Politik – als Vorreiterin der Reformation seit 1542 mitten im katholischen Kernland hat sich die Stadt den Status des Brennpunkts sozusagen selbst ausgesucht.“ Durch die Gegenreformation von 1585 bis 1603 im Bistum Würzburg, Bistum Bamberg und Bistum Fulda wandten sich viele wohlhabende protestantische Familien nach Schweinfurt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schweinfurt häufig von den Truppen der Kriegsparteien besetzt. 1632 kam der schwedische König Gustav Adolf in die Stadt. Der Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel errichtete sein Hauptquartier in Schweinfurt am Rossmarkt. In den 1640er Jahren wurde die Stadtbefestigung von Wrangel ausgebaut. Erhalten sind aus dieser Zeit die Schanzanlagen am Oberen Wall. Beim Umbau des Ernst-Sachs-Bades zur Kunsthalle Schweinfurt stieß man auf einen Teil der Naturheilschanze von Wrangel, die in die Ausstellungsräume integriert wurde (siehe: Architektur/Kunsthalle Schweinfurt). Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt weder zerstört noch nennenswert beschädigt. Die beiden bekanntesten (nebenstehenden) Abbildungen der Reichsstadt stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Gescheiterter Versuch einer Universitätsgründung

Die Reichsstadt Schweinfurt war eine, wenngleich mit menschlichen Schwächen behaftete, frühdemokratische, humanistische und protestantische Insel innerhalb des Hochstifts Würzburg und in Nachbarschaft zum Hochstift Bamberg, auf der ein enormer politischer Druck lag. Knapp hundert Jahre nachdem in Schweinfurt 1652 die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (heute Nationale Akademie der Wissenschaften) gegründet wurde, gab es in Würzburg die letzte Hexenverbrennung.

Auf Weisung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf wurde 1632 in Schweinfurt das Gymnasium Gustavianum, das heutige Celtis-Gymnasium, gegründet. Zudem wollte Gustav Adolf in der Stadt als protestantischen Gegenpol zum Hochstift Würzburg eine Universität gründen. Er nahm im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Ländereien weg und schenkte sie der Reichstadt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde letztlich durch seinen Tod 1632 in der Schlacht bei Lützen vereitelt.

Siehe auch: Nationale Akademie der Wissenschaften

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert gab es in der Reichsstadt keine kriegerischen Auseinandersetzungen. Jedoch hatte sie öfters unter dem Durchzug unterschiedlichster Truppen zu leiden, die sich verpflegen, ausstatten oder finanzieren ließen. 1739 wurde eine Stadtkompanie aus 79 Berufssoldaten aufgestellt.

Wirtschaftlicher Aufschwung wurde durch finanzielle Altlasten, einer immensen gesetzlichen Überregulierung und Korruption des Stadtrates stark gehemmt, weshalb alle seine Versuche zur Wirtschaftsförderung fehlschlugen und Kritik aufkam. Erfolglos versuchte man sogar Friedrich Schiller nach Schweinfurt zu locken. Der wichtige örtliche Weinbau wurde 1760 durch die Einführung des Kaffees in der Stadt zurückgedrängt. Von 1770 bis 1772 verhängte das die Reichsstadt umgebende Hochstift Würzburg eine Fruchtsperre über Schweinfurt, was zu einer Teuerung führte. Ende des 18. Jahrhunderts wies der Stadtrat, aus Sorge an Bedeutung zu verlieren, das Ansinnen aus Wien ab, das Reichskammergericht von Wetzlar nach Schweinfurt zu verlegen. Was zu Protesten in der Bevölkerung und Maueranschlägen führte.

Das Jahr 1777 markierte den Beginn der Industrialisierung der Stadt, durch die Errichtung einer Bleiweißmühle von J. W. Schmidt. Weitere fabrikähnliche Anlagen dieser Art entstanden an der Bellevue und im benachbarten Vorort Niederwerrn.

Siehe auch: Die Anfänge: Farben und Chemie

Späte Neuzeit

Königreich Bayern

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern, drei Jahre bevor das Königreich Bayern gegründet wurde. 4000 Menschen demonstrierten am Roßmarkt gegen den Anschluss. Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel die Stadt 1814 erneut an das Königreich Bayern.

1852 erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn von Bamberg zum Schweinfurter Stadtbahnhof der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Neben dem Stadtbahnhof errichtete der bayerische Staat ein Hauptzollamt und es entstand hier östlich der Altstadt ein kleines Industriegebiet als erster wichtiger industrieller Brückenkopf der Stadt, in dem sich heute noch in historischen Mauern eine kleine Farbenfabrik befindet. Dadurch wurde der Südrand des ersten Siedlungsgebietes der Stadt, der markgräflichen Siedlung, nach 700 Jahren wieder neu bebaut. Die Bahnstrecke wurde danach um 3 Kilometer auf einer schmalen Trasse zwischen Altstadt und Main mit zwei Gleisen nach Westen verlängert, wo ein Centralbahnhof angelegt wurde. Schließlich wurde die Strecke bis 1854 über Würzburg nach Aschaffenburg weitergebaut. Mit dem Bau der Linien nach Bad Kissingen (1871) und Meiningen (1874) wurde Schweinfurt ein Eisenbahnknotenpunkt. Am Ende kamen noch die Nebenlinien nach Kitzingen mit einem weiteren Bahnhof auf Stadtgebiet, dem Sennfelder Bahnhof sowie nach Gemünden hinzu. Der Centralbahnhof wurde zwei Kilometer westlich der Altstadt auf Oberndorfer Gemarkung als Hauptpersonen- und Hauptgüterbahnhof angelegt. Als die Stadt noch kaum über die mittelalterlichen Mauern hinausgewachsen war, wurde der Standort in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern gewählt, um möglichst viel Raum für die erwartete große Industrialisierung um den Bahnhof zu erhalten, mit Möglichkeiten von Industriegleis-Anschlüssen. Das alles wurde dann auch bis Ende der 1930er Jahre vollständig umgesetzt. Die große Entfernung vom Centralbahnhof zur Innenstadt wurde ab 1895 mittels der ersten kommunalen Straßenbahn Bayerns, der Straßenbahn Schweinfurt überwunden, einer Pferdebahn mit einem Straßenbahndepot am Unteren Wall. Der Centralbahnhof wurde 1906 in Hauptbahnhof umbenannt.

Im 19. Jahrhundert hatte die Stadt ein kontinuierliches, im Vergleich zu anderen Städten zunächst jedoch nur durchschnittliches Bevölkerungswachstum. Der Agrarsektor spielte weiterhin eine wichtige Rolle (Viehmärkte), daneben entstanden erste Fabriken, vor allem der Farbenindustrie. Seit den 1890er Jahren wurde die Entwicklung der Stadt maßgeblich von der metallverarbeitenden Industrie bestimmt. Durch die Industrialisierung hatte Schweinfurt zwischen 1840 (7.700 Einwohner) und 1939 (49.700 Einwohner) prozentual (635 %) nach Nürnberg das zweithöchste Bevölkerungswachstum aller Städte in Franken. An die Zeit Schweinfurts im Königreich Bayern erinnern heute noch mehrere Straßen- und Brückennamen, wie Luitpoldstraße, Maxbrücke und Ludwigsbrücke. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde im Stadtwald nördlich des heutigen Stadtteils Deutschhof ein Truppenübungsplatz angelegt. In Folge des Kriegsausbruchs wurde er nie benutzt. Die Schützengräben sind heute noch erhalten und mit großen Bäumen bestanden.

Zwischenkriegszeit

1921 wurde der Betrieb der Schweinfurter Straßenbahn in Folge der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt und ab 1925 durch Linienbusse ersetzt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten waren die 1930er Jahre in Schweinfurt eine der wichtigsten Epochen der Stadtentwicklung. Die Mitarbeiterzahl der metallverarbeitenden Großfirmen stieg bis 1939 auf 20.700 an. Dadurch kam es zu einen Bauboom und die Weichen für die moderne Stadtentwicklung wurden gestellt. Stadtplanungen aus den 1920er Jahren für die Bebauung in Richtung Niederwerrn wurden verändert und die Stadt weitläufig im Nordwesten mit Wohnvierteln und im Südwesten mit Klinkerbauten im Bauhausstil für die Großindustrie bebaut. Die 1930er Jahre sind bis heute stadtbildprägend und charakteristisch für Schweinfurt.

In der Zwischenkriegszeit entstanden das St.-Josefs-Krankenhaus der katholischen Erlöser-Schwestern (1929), das Städtische Krankenhaus (1930), das Ernst-Sachs-Bad (1932), die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1933) und das Willy-Sachs-Stadion (1936).

Seit 1936 ist Schweinfurt Garnisonsstadt. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht wurde an der Niederwerrner Straße eine große Panzerkaserne errichtet.

Siehe auch: Metallverarbeitende Industrie und Profanbauten

Zweiter Weltkrieg (Drittes Stadtverderben)

In Folge der Aufrüstung erlangte die Mitarbeiterzahl der kriegswichtigen Schweinfurter Großindustrie 1944/45 einen vorläufigen Höhepunkt mit 26.800 Beschäftigten.

Der Luftkrieg über Schweinfurt unterschied sich von den anderen Städten. Nicht die einheimische Bevölkerung, sondern die angreifende Luftwaffe erlebte einen Schicksalstag. Auf Grund der kriegswichtigen Wälzlagerindustrie, einer Schlüsselindustrie, hatte Schweinfurt die beste Luftverteidigung Deutschlands. Die Eisenbahnflak war meist auf den Schienen der Bahnlinie nach Erfurt westlich der Stadt postiert, wo auch ein Fliegerhorst für Abfangjäger errichtet wurde. Die USAAF erlitt in Luftkämpfen über der Stadt ihre größten Verluste. Trotz insgesamt 15 größerer und sieben kleinerer Luftangriffe wurde die Stadt lediglich zu 40 % und das Industriegebiet zu 45 % zerstört, wo die Straßenzüge mit den Klinkerbauten der 1930er Jahre komplett erhalten blieben. Trotzdem fügten die Luftangriffe der Briten und US-Amerikaner der Stadt vielerorts schwere Schäden zu, was als Drittes Stadtverderben bezeichnet wird (siehe auch: Zweites Stadtverderben).

Der erste Luftangriff erfolgte wegen der Lage der Stadt in der deutschen Mitte, weit von den Stützpunkten der Alliierten im Westen entfernt, relativ spät, am 17. August 1943, im Rahmen der Operation Double Strike mit 376 Bombern. Die deutsche Luftwaffe gab nach den verheerenden Zerstörungen bei der Operation Gomorrha in Hamburg ihren Widerstand gegen neue Waffen auf und setzte nun erstmals über Schweinfurt in größerer Zahl neue Luft-Luft-Raketen ein. 36 Bomber wurden daraufhin abgeschossen und 122 beschädigt. Der zweite Angriff am 14. Oktober 1943 führte die USAAF in die Katastrophe, sie erlitt über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage. Der Tag ging später als Schwarzer Donnerstag in die Geschichte der amerikanischen Luftwaffe ein. Von insgesamt 291 Bombern bei diesem Angriff verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber und weitere 121 wurden so schwer getroffen, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnten. Unter den Bomberbesatzungen gab es mit 600 Todesopfern weit mehr als unter der Zivilbevölkerung. Darauf galt bei den Alliierten Bomberbesatzungen ein Angriff auf Schweinfurt als Kamikaze-Einsatz.

Bei allen 22 Luftangriffen zusammen gab es unter der Schweinfurter Zivilbevölkerung, ohne Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, 1079 Todesopfer. So gab es hier bei zwei größeren Luftangriffen jeweils nur ein und beim Luftangriff am 19. Juli 1944, mit 250 Bombern, kein einziges Todesopfer zu beklagen. Im westlichen Teil des Stadtgebietes waren zahlreiche Hochbunker errichtet worden. In ihnen gab es bei allen Luftangriffen kein einziges Todesopfer (siehe auch: Fichtel-und-Sachs-Bunker). Die größten Angriffe fanden am 24. Februar und in der Nacht zum 25. Februar 1944 im Rahmen der Big Week mit insgesamt 1100 Bombern in drei Einzelangriffen statt, wobei die USAAF immer tagsüber und die Royal Air Force nachts ihre Angriffe flogen. Dabei wurden auch Dörfer im Umland zum Teil zerstört, insbesondere Sennfeld und Grafenrheinfeld und auch viele Brandbomben abgeworfen. Jedoch scheiterte der Plan, einen Feuersturm zu entfachen, da sich einerseits die modernen, häufig erst wenige Jahre alten Industriebauten im Stahlbeton-Ziegel-Verbundbau hierfür nicht eigneten und zudem Brandbomben die Innenstadt verfehlten und auf Äckern niedergingen. Weshalb die Festung Schweinfurt in den 22 Angriffen lediglich zu ca. 40 % zerstört wurde, während das benachbarte Würzburg, das keine strategische Bedeutung hatte und den Alliierten schutzlos ausgeliefert war, in einem Angriff, in dem ein Feuersturm entfacht wurde, zu 80 % zerstört wurde.

Siehe auch: Metallverarbeitende Industrie

Amerikaner in Schweinfurt

USAG Schweinfurt

Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee in die Stadt ein, nachdem sie vorher zwei Tage lang von Artillerie beschossen wurde. Am nächsten Tag verstarb der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt und die Amerikaner hielten bereits am selben Tag in der Stadt eine große Trauerfeier vor der zerstörten Kilianskirche ab. Sein Tod versetzte Hitler in Euphorie und er glaubte an eine Wende im Krieg, das Ereignis hatte jedoch keinerlei Einfluss. Die Amerikaner besetzten sofort den Fliegerhorst unmittelbar hinter der westlichen Stadtgrenze, die späteren Conn Barracks. Sie beschlagnahmten neben Ämtern und Schulgebäuden auch ganze Wohnviertel in der Stadt, die ohnehin ein massives Wohnungsproblem hatte.

1948 übernahmen die US-Truppen die ehemalige Panzerkaserne im Stadtgebiet und nannten sie ab 1951 Ledward Barracks. Hier wurde auch das Hauptquartier der Garnison, das Headquarters der U.S. Army Garrison (USAG) Schweinfurt eingerichtet. Im Mai 1948 wurde das Amerika-Haus eröffnet, das nach einer anfänglichen Behelfsunterkunft ins Ernst-Sachs-Bad einzog, der heutigen Kunsthalle Schweinfurt. In den 1960er Jahren wurde ein Standortübungsplatz aufgebaut, der Brönnhof in der Schweinfurter Rhön und die Heeresstraße, eine direkte, interne militärische Verbindungsstraße ab den Ledward Barracks. Zuvor in den 1950er Jahren wurde das erste amerikanische Wohnviertel Askren Manor errichtet und von 1986–1992 das Offiziers-Wohnviertel Yorktown Village. Bis in die späten 1990er Jahre wurde sukzessive eine zivile Infrastruktur aufgebaut, die der einer amerikanischen Kleinstadt entsprach. Zuletzt umfasste die USAG Schweinfurt 11.000 Menschen, darunter rund 4000 Soldaten und über 7.000 Familienangehörige und Zivilangestellte des amerikanischen Verteidigungsministeriums. In Folge der Schließung vieler anderer deutschen US-Standorte wurden Bereiche nach Schweinfurt verlagert und dieser Standort wurde zu einem der größten Europas. Ab den 1990er Jahren wurden nochmal rund eine Milliarde US-Dollar in Schweinfurt investiert, unter anderen in die Sanierung von Askren Manor.

Sozialer Wandel

Seit den 1990er Jahren veränderte sich das Bild gegenüber der herkömmlichen Vorstellung zu einem US-Standort erheblich. Die USAG Schweinfurt bekam einen zunehmend zivileren Charakter. Zum einen war die Wehrpflicht in den USA abgeschafft worden, es kamen keine Zeitsoldaten mehr und Kriminalität wurde im Gegensatz zur Nachkriegszeit nicht mehr wahrgenommen. Mit den Berufssoldaten kamen sehr viele Familienangehörige, die schließlich in der Mehrheit waren. Bei großen Auslandseinsätzen befanden sich fast nur amerikanische Zivilisten in der Stadt, mit dem weiblichen Geschlecht in Überzahl. Die viele Freizeit verbrachte man in den immer größer aufgebauten amerikanischen Freizeiteinrichtungen. In diese wurde schließlich bis Anfang des 21 Jahrhunderts mehr investiert, als in die eigentlichen Militäranlagen, die im Stadtgebiet ausgedünnt und in die Conn Barracks verlagert wurden, im Gemeindegebiet der Vororte Niederwerrn und Geldersheim. Zum Zweiten bemerkte man deutlich den sozialen Wandel in den USA hin zu einer multikulturelleren Gesellschaft mit mehr Farbigen, Latinos und Asiaten im Gegensatz zum weißen Amerika früherer Zeiten. So brachten die Amerikaner in neuerer Zeit eine multikulturelle Bereicherung im Schweinfurter Westen, mit einer, im Gegensatz zu anderen Städten exotischeren Veranstaltungs- und Diskothekenszene (Mad, Megadrom), was in der übrigen Stadt kaum wahrgenommen wurde. Und zum Dritten glichen sich durch Globalisierung und den Wandel seit den 1990er Jahren Mode und Lebensstil zwischen jungen Amerikanern und Deutschen ohne und mit Migrationshintergrund immer mehr an und Unterschiede waren kaum mehr wahrnehmbar.

Siehe auch: Nordwestlicher Stadtteil/Deutsch-Amerikanischer Boulevard und Ledward/Multikulturelles Publikum

US-Konversion

Am 2. Februar 2012 verkündete Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé nach einem Gespräch mit dem Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa Mark Hertling, dass die US Army die Garnison in Schweinfurt vollständig auflösen wird. Da durch die Umstrukturierung der US-Streitkräfte eine Verlagerung von schweren Truppenteilen aus Europa zurück in die USA stattfindet. Die dadurch freiwerdenden Liegenschaften gingen, mit kleinen Ausnahmen, in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über. Die US-Konversion in Schweinfurt zählt aufgrund der Größe zu den Top-Fünf Projekten der Bundesanstalt in Deutschland. Die US-Armee verließ am 19. September 2014 die US-Liegenschaften in Schweinfurt mit der feierlichen Einholung der Flaggen in den Ledward Barracks. Die USAG Schweinfurt umfasste Areale von 29 km²  mit unterschiedlichsten Gebäuden: Hangars, Lagerhallen, Wohnanlagen, Einfamilienhäusern, Schulen, Kirchen, Kliniken, Kaufhäusern, Tankstellen, Kino, Bowlingcenter, Veranstaltungs- und Sporthallen.

Die Turbokonversion begann bereits, bevor die Liegenschaften an die BImA zurückgegeben wurden und man machte sich Gedanken über Nutzungen, auch zu Bereichen, die aus militärischer Geheimhaltung noch nicht betreten werden durften. Am 26. Februar 2015 erwarb die Stadt von der BImA die Ledward Barracks mit einer Fläche von 26 ha. Seit Juli 2015 besteht in ihrer südwestlichen Ecke eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Im Südosten wird derzeit (2016) für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) der Internationale Hochschulcampus i-Campus Schweinfurt geplant. Am 29. Februar 2016 erwarb die Stadt von der BImA drei weitere Konversionsflächen von insgesamt 48 ha: die ehemalige US-Wohnsiedlung Askren Manor zur Entwicklung eines neuen Wohnquartiers, die ehemalige US-Offizierssiedlung Yorktown Village, deren Doppelhäuser 2016 an Privatleute verkauft wurden, und das Kessler Field, wo in die ehemalige US-Highschool 2016 die International School Mainfranken einzog. Die im Stadtgebiet liegenden Bereiche der Heeresstraße wurden der Stadt Schweinfurt von der BImA mitübertragen. Damit hatte die Stadt insgesamt etwa 94 % der ehemaligen US-Areale auf Stadtgebiet erworben. Der Standortübungsplatz der USAG Schweinfurt war mit 26 km² drittgrößter Übungsplatz der US Army in Europa. Es ist der sogenannte Brönnhof in der Schweinfurter Rhön, der 2016 flächengrößtes Nationales Naturerbe Bayerns wurde.

2016 wurde somit der endgültige Schlusspunkt in die nun 71-jährige Nachkriegsgeschichte der Stadt gesetzt.

Schweinfurt im Spiegel der Weltgeschichte

Im Zweiten Weltkrieg erlitten die Amerikaner über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage (siehe: Schweinfurt#Zweiter Weltkrieg). Eiserner Vorhang und Kalter Krieg waren durch Panzer der stationierten US-Streitkräfte auf öffentlichen Straßen im westlichen Stadtgebiet deutlich vernehmbar.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich die Situation grundlegend. An der Ledward-Kaserne wurden die Kontrollen ganz aufgehoben und jedermann konnte die zivilen amerikanischen Einrichtungen (Lokale, Kino usw.) frei nutzen. Die Terroranschläge am 11. September 2001 veränderten die Lage schlagartig. Um alle US-Einrichtungen, einschließlich der amerikanischen Wohnviertel, wurden Sperranlagen mit massiven Checkpoints errichtet. Das Deutsch-Amerikanische Volksfest, das innerhalb dieser neuen Hochsicherheitszonen lag, wurde von den Besuchern nicht mehr angenommen und schließlich ganz eingestellt. Viele in Schweinfurt stationierte US-Soldaten wurden in Kriege eingezogen: Von der 3rd Infantry Division 1990 und 1991 in den Irak und nach Kuwait und von einer späteren Division in den Irakkrieg 2003, Die Conn Barracks besitzen einen eigenen Bahnhof, die Schweinfurt Terminal Station, in der Panzer verladen wurden. Mehrere in Schweinfurt stationierte US-Soldaten fielen in den Kriegen. Manche Soldaten liefen auf Krücken durch die Straßen im Schweinfurter Westen, ein neuer Anblick nach Jahrzehnten Kalten Kriegs.

Auch außerhalb der USAG Schweinfurt widerspiegelte sich Weltgeschehen in der Stadt: Als Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld unweit der Stadtgrenze vorzeitig im Jahre 2015 abgeschaltet. In Folge des Bürgerkriegs in Syrien wurde nach dem Abzug der US-Amerikaner im Juli 2015 in einem Teil der Ledward-Kaserne eine große Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber eingerichtet, die seit dem starken Rückgang der Flüchtlingszahlen Anfang 2016 entsprechend geringer belegt ist.

Deutsche Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg

Nachkriegszeit

Ein schneller, planmäßiger Wiederaufbau der gesamten Stadt war auf Grund des Zerstörungsgrades von 40 bis 45 % nicht nötig (siehe: Stadtbild). Wie viele andere westdeutsche Städte erlebte auch Schweinfurt in den 1950er und 1960er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswunder. Die Großindustrie stieg zu neuer Blüte auf. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, wurden Südeuropäer und Türken als Gastarbeiter angeworben.

Zahlreiche neue Stadtteile entstanden: Bergl, Musikerviertel, Hochfeld, Steinberg, Haardt (ab 1972) und Deutschhof (ab 1972). Durch den Sprung über den Main (ab 1963) entstanden südlich des Mains der Gewerbepark Hafen-Ost und das neue Industriegebiet Hafen-West. Die Infrastruktur wurde ausgebaut: Neues Rathaus (ab 1954), neuer Volksfestplatz (1958), Sommerbad (1958), Friedrich-Rückert-Bau mit Volkshochschule und Stadtarchiv (1962), Mainhafen (1963), Theater der Stadt Schweinfurt (1966), Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (1971), Bildungszentrum-West (1974) und Beginn der Altstadtsanierung im Alten Gewerbeviertel (1979).

Seit den 1970er Jahren verließen viele jüngere Familien und auch alteingesessene Bürger die engen politischen Grenzen der Stadt und zogen in die Vororte, wodurch ein Speckgürtel um Schweinfurt entstand.

1980er Jahre

1981 wurde das große städtische Klinikum Leopoldina-Krankenhaus eröffnet. Die bislang historische Fußgängerzone Kesslergasse wurde um die Spitalstraße vergrößert (1982). Ab 1984 wurde der neue Stadtteil Eselshöhe bebaut und ab 1988 die Schweinfurter Stadtmauer in Stand gesetzt und das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) errichtet.

Die Ära Gudrun Grieser

In der von der SPD dominierten Stadt gelang es der CSU 1992 erstmals den Oberbürgermeister zu stellen, mit der frischen, politisch unverbrauchten Quereinsteigerin Gudrun Grieser, die erst kurz vor ihrer Wahl der CSU beitrat (siehe auch: Politik). Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) begleitete diesen historischen Machtwechsel fördernd. Als Gegenmaßnahme zur schweren Krise der Großindustrie Anfang der 1990er Jahre stärkte der Freistaat Bayern nun den Dienstleistungssektor. Teile des Bayerischen Landessozialgerichts und des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden von München nach Schweinfurt verlegt.

Während der Amtszeit der Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (1992 bis 2010) stabilisierte sich ab Mitte der 1990er Jahre die Lage, 4500 neue Industriearbeitsplätze und rund 6000 Jobs im Dienstleistungsbereich entstanden, was schließlich bis zur Weltwirtschaftskrise 2009 in einer Boom-Phase von 2005–2008 mündete. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe und die Stadt konnte Rücklagen im zweistelligen Millionenbereich ansparen.

In der Grieser-Ära wurde das neue Motto der Stadt Industrie und Kunst entwickelt. Sehr viele Projekte, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten Jochen Müller (SPD) gaben der Stadt ein neues Gesicht, setzten in der Architektur neue, überregional beachtete Maßstäbe und wurden mit zahlreichen Architekturpreisen honoriert. Was einen Imagewandel der Stadt zur Folge hatte.

Unter die vielen verwirklichten Projekte dieser Ära fallen das Gründer-, Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS) (1994), der neue Industrie- und Gewerbepark Maintal (ab 1995), die neue Anschlussstelle Nr. 6 Schweinfurt-Hafen der A 70, der umgestaltete Roßmarkt (1997), die Fahrzeugakademie (1998), das Bayerische Landesamt für Statistik (1998), das Museum Georg Schäfer (2000), die Zweigstelle des Bayerischen Landessozialgerichtes (2000), das Konferenzzentrum Maininsel (2004), die Restaurierung der Schweinfurter Stadtmauer Am Unteren Wall, die Stadtbücherei im Ebracher Hof (2007), die Kunsthalle Schweinfurt (2009), die Stadtgalerie Schweinfurt (2009), die Umgestaltung der Weststadt (2009), der Gesundheitspark Schweinfurt (ab 2009), der Campus 2 der Hochschule für angewandte Wissenschaften, der DB-Halt Schweinfurt-Mitte, das Jugendgästehaus (2009) und der erste Abschnitt der Umgestaltung des Mainufers östlich der Maxbrücke (2010).

Gegenwart

Unter dem neuen Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU, seit 2010) wurde bereits die Neue Hadergasse 2014 fertiggestellt. Ein auf den Sockel einer neuen Tiefgarage aufgesetztes Geschäfts- und Wohnquartier an der westlichen Stadtmauer mit einem größeren Hotel. 2013 stiegen die Gewerbesteuereinnahmen auf eine neuerliche Rekordmarke von 60,462 Millionen Euro netto. Die Stadt wurde schuldenfrei und konnte höhere Rücklagen ansparen. Diese werden derzeit (seit 2016) für das Mammutprojekt der US-Konversion eingesetzt, in deren Zuge unter anderen die Planungen für den i-Campus Schweinfurt laufen (siehe: US-Konversion).

Weiteres

Wüstungen

Innerhalb des heutigen Stadtgebietes sind mehrere Wüstungen bezeugt. Südlich des Mains auf Oberndorfer Gemarkung lag in der Nähe des Bahnhofs Schweinfurt-Sennfeld das im 16. Jahrhundert untergegangene Dorf Leinach. Nur wenige hundert Meter mainabwärts war Schmalfeld zu finden, das im 13. Jahrhundert aufgegeben wurde. Am südlichen Rand des Stadtgebiets am Schwebheimer Wald befindet sich die Wüstung Schmachtenberg. Nachdem Schmachtenberg im 15. Jahrhundert aufgegeben worden war, siedelten sich die Bewohner wohl am sogenannten Senftenhof an, der noch bis ins 17. Jahrhundert bestand.

An der Straße von Schweinfurt nach Niederwerrn, in der Nähe der Ansiedlung An der Schussermühle, die seit 1830 Bellevue genannt wird, lagen einst die Ortschaften Affeltrach und Hilpersdorf. Hilpersdorf wurde in der Urkunde vom 29. Juni 1282 in einem Streit zwischen dem Deutschen Orden und der Reichsstadt Schweinfurt erwähnt. Die Stadt Schweinfurt erwarb es 1437. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf zerstört. 1661 verschwand als letzter Rest die Kirchenruine.

Eingemeindungen

1436/37 kamen die Dörfer Oberndorf, Zell und Weipoltshausen und 1620 Madenhausen zur Reichsstadt Schweinfurt (siehe Aufbau eines Territoriums). Als 1802 durch den Reichsdeputationshauptschluss Schweinfurt an Bayern kam, wurde der Stadtstaat aufgelöst und alle vier Dörfer aus dem Stadtgebiet ausgegliedert. Am 1. Dezember 1919 wurde Oberndorf wieder eingemeindet. Die Oberndorfer Gemarkung grenzt an die Innenstadt (Landwehrstraße) und umfasst neben dem Altort auch den Hauptbahnhof, den Stadtteil Bergl und den weitaus größten Teil des heutigen Stadtgebietes südlich des Mains. 1919 lag der größte Teil der Großindustrie auf Oberndorfer Gemarkung und heute liegt auf ihr die gesamte Schweinfurter Großindustrie, mit Ausnahme des Verwaltungshochhauses der SKF. Oberndorf wurde eingemeindet, da es die Wasserversorgung der Industrie trotz des Baus eines großen Wasserturms (1911) nicht mehr gewährleisten konnte.

Bei der Gebietsreform in Bayern hatte die Staatsregierung die Eingemeindungen der Vororte Dittelbrunn, Niederwerrn und Sennfeld bereits beschlossen. Durch Anordnung von Staatssekretär Erwin Lauerbach wurde der Beschluss wieder rückgängig gemacht. Da die Stadt keine Erweiterungsflächen für ihre im Süden liegende Großindustrie hatte, musste Grafenrheinfeld ein unbesiedeltes, 2,4 km² großes Gebiet am 1. Mai 1978 an die Stadt Schweinfurt abtreten. Es ist der südliche Teil des heutigen Industrie- und Gewerbeparks Maintal. Dadurch ist Schweinfurt neben München die einzige kreisfreie Stadt in Bayern, in die bei der Gebietsreform in den 1970er Jahren keine Vororte eingemeindet wurden. Das Stadtgebiet umfasst nur 36 km², während zum Vergleich der angrenzende Vorort Schonungen 81 km² und die Nachbarstadt Bad Kissingen 70 km² besitzen.

Kommunale Zersplitterung

Durch die ausgebliebenen Eingemeindungen ist der Stadtraum kommunal zersplittert, was zu Hemmnissen bei der Stadtentwicklung und Schwierigkeiten führte. So ist das ehemalige US-Areal der Conn Barracks, dass zu drei Kommunen Niederwerrn, Geldersheim und Schweinfurt gehört, das einzige ehemalige US-Gebiet, bei dem die Konversion bis heute (2017) keine sichtbaren Erfolge brachte. Durch den Hafen-Ost läuft quer über drei Straßen die Grenze zwischen Schweinfurt und der Gemeinde Sennfeld, die zugleich Kreisgrenze zwischen der kreisfreien Stadt und dem Landkreis Schweinfurt ist. Die Firmen im Sennfelder Teil des Hafen-Ost geben zur leichteren Orientierung für auswärtige Kunden ihre Adressen meist als Stadtteilanschrift Schweinfurt-Sennfeld an, mit Sennfelder Postleitzahl, einer unauffindbaren Kombination.

Einwohnerentwicklung

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte Schweinfurt 50.000 Einwohner. In den 1960er Jahren wurden 90.000 Einwohner für das Jahr 2000 (ohne Eingemeindungen) prognostiziert. Jedoch erreichte unerwartet bereits Anfang der 1970er Jahre die Stadt mit nur 59.000 Einwohnern ihren historischen Höchststand. Während nahezu alle anderen Städte demografisch bedingte Einwohnerabnahmen durch Eingemeindungen ausgleichen konnten, sank in Schweinfurt die Einwohnerzahl bis 1987 auf 52.000. Danach stieg sie bis 1996 in Folge der Spätaussiedler wieder auf 56.000 an. Obwohl es durch all die Jahre nahezu immer wesentlich mehr Zuzüge als Wegzüge gab, ging die Geburtenrate sehr stark zurück, da viele junge Familien aus Mangel an Baugrundstücken innerhalb der engen Stadtgrenzen in die Vororte zogen, die ab den 1970er Jahren stark anwuchsen. Deshalb überalterte die Kernstadt zunehmend und die Einwohnerzahl fiel 2014 mit 51.600 auf den tiefsten Stand seit dem Krieg. Eine Wende wird allgemein aus mehreren Gründen erwartet. Neben dem neuen Trend in die Städte gibt es viel freigewordenen Wohnraum durch den Abzug der 11.000 US-Amerikaner (siehe: US-Konversion), die nicht zur Einwohnerstatistik zählten. Die bisher freigewordenen 1000 US-Wohnungen waren schnell vermietet, weitere werden zukünftig zur Verfügung stehen und neue Stadtteile werden derzeit auf den ehemaligen US-Arealen entwickelt. Dieser erwartete Einwohnerzuwachs ist in den statistischen Prognosen bisher (Stand 2016) nicht enthalten, da sie vorhandene Zahlen hochrechneten, ohne Berücksichtigung der US-Konversion mit freiwerdenden Wohnraum und neuen Studenten des i-Campus, Bürgerkriegsflüchtlingen und zudem einen neuen Babyboom in ganz Deutschland.

Die Agglomeration ist im Falle Schweinfurts eine bessere Vergleichsgröße zu anderen Städten. 1994 hatte sie 105.000 Einwohner, sank auf 96.600 Einwohner (Zensus vom 9. Mai 2011) und stieg auf 97.900 Einwohnern (Schätzung für den 31. Dezember 2015). Der statistisch nicht erfasste größere Ballungsraum, mit sämtlichen Vororten (zum Teil nur Altorte), wurde seit Jahrzehnten bis heute in den Veröffentlichungen mit 120.000 Einwohnern und in den 1970er Jahren mit 130.000 Einwohnern angegeben.

Einwohnerentwicklung der Stadt Schweinfurt (Kernstadt – seit 1919 ohne Eingemeindungen)

Datum Einwohner
1800 6.045 ¹
1. Dezember 1840 7.766 ²
1. Dezember 1871 10.840 ²
1. Dezember 1900 17.401 ²
16. Juni 1925 36.336 ²
17. Mai 1939 49.302 ²
13. September 1950 46.128 ²
6. Juni 1961 56.923 ²
27. Mai 1970 58.446 ²
25. Mai 1987 51.962 ²
31. Dezember 1994 55.500 ³
Datum Einwohner
31. Dezember 1995 55.700 ³
31. Dezember 1996 55.700 ³
31. Dezember 1997 55.400 ³
31. Dezember 1998 55.100 ³
31. Dezember 1999 54.500 ³
31. Dezember 2000 54.300 ³
31. Dezember 2001 54.600 ³
31. Dezember 2002 54.700 ³
31. Dezember 2003 54.600 ³
31. Dezember 2004 54.500 ³
31. Dezember 2005 54.273 ³
Datum Einwohner
31. Dezember 2006 53.970 ³
31. Dezember 2007 53.798 ³
31. Dezember 2008 53.588 ³
31. Dezember 2009 53.533 ³
31. Dezember 2010 53.415 ³
9. Mai 2011 52.143 ²
31. Dezember 2011 52.118 ³
31. Dezember 2012 52.098 ³
31. Dezember 2013 51.851 ³
31. Dezember 2014 51.610 ³
31. Dezember 2015 51.969 ³
¹ Angabe der Stadt Schweinfurt ² Volkszählung bzw. Zensus (Amtliche Einwohnerzahl) ³ Angabe des Bayerischen Landesamtes für Statistik (=Amtliche Einwohnerzahl)

Ortsname

Der lateinische Name Porcivadum entspricht einer für Schweine gangbaren Furt. Der aus der Stadt stammende Humanist Johannes Cuspinian führt den Namen auf eine Furt für Schweine zurück. In Folge spätere Erkenntnisse wurde diese einfache Namensableitung jedoch immer unwahrscheinlicher. Siehe: Die Furt über den Main

Ein Heimatdichter reimte folgende Interpretation: „Der Name Schweinfurt stammt genau Der Chronik nach vonera Sau, Un’ „furt“, dos stammt vom seicht’n Mee, Da sen’ die Säu nü groß un’ klee.“

Friedrich Rückert kommentierte den Namen seiner Geburtsstadt: „Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt heißen können, weil du führest Wein, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein.“Diesen Kommentar erläuterte er wie folgend weiter: „Vom Jean Paulschen Bayreuth bis hinan zum Goetheschen Frankfurt Ist er in der Mitte des Laufs, wo mich geboren der Main. Mainfurt sollte deswegen genannt werden meine Geburtsstadt Weinfurt ist sie genannt ohne den Zischer davor“

Religionen

Evangelisch-lutherisch

Schweinfurt wurde relativ spät, 1542 evangelisch, da die Stadt zusammen mit benachbarten Reichsdörfern und reichsritterschaftlichen Dörfern (siehe Karte: Aufbau eines Territoriums) vollständig vom katholischen Hochstift Würzburg umgeben war. Bei einem Konfessionswechsel musste mit militärischen Übergriffen gerechnet werden. Der Schutzherr der Stadt Graf Wilhelm von Henneberg bot dafür nicht genügend Rückhalt.

In St. Johannis wird mit dem „Gemeinen Kasten“ eine eindeutig lutherische Einrichtung eingeführt. Im April 1525 wurde das erste Kind „auf teutsch“ getauft. 1532 predigte der sächsische Hofprediger Spalatin anlässlich des Fürstentages in der Liebfrauenkirche, die 1729 in St. Salvator umbenannt wurde. Vor der Einführung der Reformation fanden die evangelischen Gottesdienste außerhalb des reichsstädtischen Gebiets auf Schloss Mainberg und in Sennfeld statt. Die Stadt erwarb 1542 das aufgelöste Karmeliterkloster. Die Ratsherren Nikolaus Sprenger und Ludwig Scheffer konnten mit Landgrafen Philipp I. von Hessen den führenden Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus als Schutz- und Schirmherrn und Reichsvogt gewinnen. Der vom Landgrafen gesandte Prediger Johann Sutel, genannt Sutellius, hielt in Schweinfurt am 19. Juni 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste in der Folgezeit eine Kirchenordnung. Der Rat, die Pfarrer, und jeder, der das Bürgerrecht erwerben wollte, wurden fortan auf die evangelische Lehre vereidigt. Damit waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Stadtschreiber und Syndikus Adam Alberti († 1583) unterzeichnete 1579 für den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schweinfurt die lutherische Konkordienformel von 1577.

Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten an die 700 Glaubensflüchtlinge aus der Stadt und dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus. Der prominenteste von ihnen war 1588 der Würzburger Ratsherr Balthasar Rüffer.

Römisch-katholisch

Mit Einführung der Reformation waren alle Gotteshäuser evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglicht es, dass 1806 eine katholische Pfarrei wiedergegründet wurde. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde mit dem stetigen Zuzug von Katholiken aus dem Umland mit der Zeit zu klein. Im Jahr 1902 wurde der Nachfolgebau, die Heilig-Geist-Kirche, im neoromanischen Stil fertiggestellt und ist seitdem die Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken.

Evangelische Freikirchen

Bis zu Beginn der 1980er Jahre gab es in der Stadt nur eine Methodistische und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie mehrere englischsprachige Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison. Seitdem wurden weitere Gemeinden evangelischer Freikirchen sowie freie Gemeinden gegründet, sowohl in pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Die meisten freikirchlichen Gemeinden sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

Judentum

Mit dem 1212 genannten Abraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen. Nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg erhielt die Stadt 1555 vom Kaiser das Recht, den Juden, die vorher in ihren Mauern gelebt hatten, den erneuten Zuzug zu verweigern. Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 jüdische Familien wieder in der Stadt ansiedeln; sie bildeten eine Jüdische Gemeinde und errichteten zwischen Siebenbrückleinsgasse und Roßmarkt eine Synagoge. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus von SA-Männern verwüstet, danach anderweitig genutzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das jüdische Gemeindehaus in der Siebenbrückleinsgasse wurde in den 1950er Jahren für einen Parkplatz der Städtischen Sparkasse abgerissen. Ein Gedenksteinam Parkplatz verschweigt diese Tatsache und weist diesen Platz als Standort der verwüsteten Synagoge aus.

Islam

In der Stadt gibt es vier Moscheen, von DITIB, Millî Görüş, IBV und der arabischen Gemeinde.

Politik

Schweinfurt war in den Nachkriegsjahrzehnten neben München und Nürnberg eine der wenigen bayerischen SPD-Hochburgen, in der die SPD ständig den Oberbürgermeister stellte und die Stadtratswahlen gewann. Bis während des gesellschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren auch in Schweinfurt die CSU die Oberhand gewann und die Stadt sogar zu einer CSU-Hochburg wurde. Die FDP war und ist in der Stadtpolitik, wie fast überall, bedeutungslos und die Grünen spielten in der Hochschulstadt ohne Universität nie eine größere Rolle. Nach wie vor ist die Industriestadt aber ein überregional bedeutendes Zentrum der Gewerkschaft und der Linken, deren Vertreter seit langer Zeit immer wieder Ämter auf Landes- und Bundesebene einnehmen.

Stadtrat

Seit 1990 zogen, wie vielerort anders, vermehrt Vertreter von kleineren, lokalen Gruppierungen in den Stadtrat ein, den 44 gewählte Vertreter bilden, die sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt verteilen:

Partei Sitze G/V
CSU 21 + 3
SPD 10 + 1
Linke 3 − 1
Schweinfurter Liste 3 − 1
Grüne 3 + 1
Pro Schweinfurt 2 − 1
REP/AfD 1 ± 0
FDP 1 ± 0

Der von den Wahlberechtigten in direkter Wahl gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats. Die vom Stadtrat aus seinen Mitgliedern gewählten Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind Sorya Lippert (CSU), als Zweiter und Karl-Heinz Kauczok (SPD) als Dritter Bürgermeister.

Oberbürgermeister

Die SPD war viele Jahrzehnte stärkste politische Kraft in der Stadt und stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister. Besonders prägend für die Nachkriegszeit war dabei der langjährige Oberbürgermeister Georg Wichtermann (1956–1974). Nach der gewonnenen Oberbürgermeisterwahl durch Gudrun Grieser (CSU) im Jahr 1992 wechselte auch die Mehrheit im Stadtrat. Für die OB-Wahl am 7. März 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann die Stichwahl mit 63,4 %. und wurde am 16. März 2014 mit 66,9 % im Amt bestätigt.

Wappen

Das erste bekannte Wappen bestand aus einem einköpfigen schwarzen Adler auf einem gelben oder goldenen Schild, der heraldisch nach rechts, das heißt vom Betrachter gesehen aus nach links, blickte.Im 15. Jahrhundert war der Adler auf dem Wappen der Stadt silberfarben auf schwarzem Hintergrund, im Jahre 1608 wurden die Farben Silber auf Violett erwähnt. Später war es wiederum ein schwarzer Adler auf goldenem Hintergrund. Seit 1771 sind die Farben Silber auf Blau. Die bekannteste Darstellung des Wappens befand sich bis 1875 im Torbogen des Mühltores. Sie erlangte vor allem wegen ihrer schlichten Form der Spätgotik Berühmtheit, weil der Adler dem Betrachter den Kopf zuwandte. Wegen dieses ungewöhnlichen Anblicks hielten ihn viele Schweinfurter für eine Eule; ihm widmete Friedrich Rückert in seinem Gedicht Der Besuch in der Stadt einige Verse.

Partnerstädte

  • , Frankreich
  • , Council Area, in der die ursprüngliche Partnerstadt Motherwell liegt, Vereinigtes Königreich (Schottland)
  • , Finnland

Kultur

Obwohl Schweinfurt keine typische Studentenstadt ist, gibt es seit den 1990er Jahren eine bunte Kulturszene. Die Stadt wurde auch Produktionsstätte für Kulturschaffende und entwickelte sich in neuerer Zeit zunehmend zu einem überregionalen Zentrum in der Sparte Tanz.

Nationale Akademie der Wissenschaften

In der seinerzeitigen Reichsstadt Schweinfurt wurde 1652 die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhobene Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet (benannt nach Kaiser Leopold I.). Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und ist die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt. Die Gründung erfolgte einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Academie des sciences) gegründet wurden. Das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt erinnert an diese Gründung.

Preise und Auszeichnungen

  • Carus-Preis der Stadt Schweinfurt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina verleiht für herausragende wissenschaftliche Tätigkeiten die Carus-Medaille. Seit 1961 wird den Trägern der Carus-Medaille der Carus-Preis der Stadt Schweinfurt verliehen. siehe auch: Carus-Allee
  • Der Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt wird alle drei Jahre an herausragende Schriftsteller vergeben.
  • Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung verleiht regelmäßig im Alten Rathaus der Stadt Schweinfurt einen Wissenschaftspreis für Historiker.

Theater

  • Theater der Stadt Schweinfurt.
    Es gehört zu den führenden Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Jose Carreras, Ingeborg Hallstein, Heinz Rühmann und viele andere traten hier auf.
  • Disharmonie, Kulturwerkstatt am Main, Theater, Kabarett, Musik, Kunst.
  • Hans-Sachs-Gruppe, Pflege des spätmittelalterlichen Fastnachtsspiels, der Literatur im Allgemeinen und des Renaissancetanzes
  • Freundeskreis Puppentheater Schweinfurt.

Museen und Galerien

  • Museum Georg Schäfer (MGS) Das Museum Georg Schäfer präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken von Carl Spitzweg. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Georg Ferdinand Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und anderen gezeigt.
  • Museum Otto Schäfer (MOS) Es enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen in hoher Qualität. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.
  • Kunsthalle Schweinfurt Sie befindet sich im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad und beherbergt die Sammlung Joseph Hierling zum Expressiven Realismus, eine Sammlung für zeitgenössische Kunst der Stadt Schweinfurt und Wechselausstellungen.
  • Stadtgeschichtliches Museum im Alten Gymnasium Das seit 1934 bestehende Museum ist wegen umfangreicher Sanierungs- und Bauarbeiten des Alten Gymnasiums (siehe: Profanbauten) geschlossen. Schwerpunkte der bisherigen stadtgeschichtlichen Sammlung, unter anderem mit dem Friedrich-Rückert-Zimmer, sind die Frühgeschichte seit dem 8. Jahrhundert, Darstellungen der Reichsstadtzeit, der Bürgerkultur, des Zunftlebens und des Beginns der Industrialisierung. Das Museum soll in das neue Kulturforum Martin-Luther-Platz integriert werden.
  • Museum Gunnar-Wester-Haus Sammlung Graf Luxburg, Kulturgeschichtliche Sammlung zur Entwicklung von Feuererzeugung und Beleuchtung seit der Antike und Ikonensammlung von Fritz Glöckle.
  • Naturkundliches Museum Vogelsammlung der Brüder Schuler im historischen Gebäude Harmonie am Main.
  • Künstlerhof Oberndorf Ehemaliges Wohnhaus und Atelier des Künstlers Gustl Kirchner, mit Kirchner-Ausstellung und Kirchner-Archiv, heute Wohnort und Atelier des Bildhauers Norbert Kleinlein und seiner Frau Heike, einer Keramikerin.
  • Das kleine Museum Mit grafischen Werken Hundertwassers; die Privatsammlung wird durch Leihgaben aus deutschen und internationalen Galerien ergänzt; ferner Ausstellungsobjekte von Udo Lindenberg.
  • ZF Sachs Museum Sachs-Ausstellung der ZF Friedrichshafen AG zur Industriegeschichte der Fichtel & Sachs AG, mit den drei Abteilungen Unternehmensgeschichte, Technische Highlights, Marketing und Motorsport, u. a. mit einem Prototyp für eine Automobilfertigung in Schweinfurt, die von der Firmenleitung verworfen wurde.
  • Deutsches Bunkermuseum Im Fichtel-und-Sachs-Bunker von 1941, mit einer Ausstellung zum Luftschutz.
  • Kleines Industriemuseum In der historischen Spinnmühle am Main, mit Exponaten der Schweinfurter Industriegeschichte, insbesondere der Wälzlager-Industrie.
  • Saazer Heimatmuseum Das Museum in einem von der Stiftung Saazer Heimatmuseum erworbenen Bürgerhaus in der Oberen Straße 8 zeigt eine Ausstellung zum Leben in Saaz (Žatec) bis 1945, der Vertreibung der Sudetendeutschen und der Aufnahme von über 28.000 Vertriebenen und Flüchtlingen in Schweinfurt.
  • Kulturforum Martin-Luther-Platz Am Martin-Luther-Platz sollen mehrere historische Gebäude zum Kulturforum vereinigt werden. Hierin sollen neben dem dort bereits bestehenden Stadtgeschichtlichen Museum und dem Saazer Heimatmuseum auch das Museum Otto Schäfer eine neue Heimat finden.

M Schaefer Schweinfurt 2.JPG|Museum Georg Schäfer, OberlichtsäleKH Schweinfurt 2.JPG|Kunsthalle Schweinfurt, InnenhofSchweinfurt Harmonie-Gebaeude.jpg|Naturkundliches Museum,
dahinter Spinnmühle mit Kleinem IndustriemuseumBunkermuseum Schweinfurt außen 1.jpg|Deutsches Bunkermuseum

Musik

  • Stattbahnhof Zentrum für Konzerte, Comedy u. a.m.; in der Zeitschrift Visions zu den Besten 50 Adressen der deutschen Clubszene gewählt. Bekannte Namen gastierten, wie Marla Glen oder Ten Years After
  • Tonquadrat. Plattform für Elektronische Musik.

Tanz

Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC), die 1999 gegründet wurde und heute überwiegend aus hauptberuflichen Tänzern besteht, gehört zu den besten Breakdance-Gruppen der Welt. 2012 gewann DDC das Triple, den TAF Deutschen Breakdance Meistertitel, den IDO Europameistertitel und zum zweiten Mal den IDO Weltmeistertitel. 2013 verband DDC mit dem Berliner Regisseur und Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik mit Breakdance in ihrem Theaterstück Breakin Mozart, das seitdem über 190 Mal im Berliner Wintergarten Varieté sowie in vielen anderen Städten aufgeführt wurde. Die Firma DDC Entertainment UG & Co. KG wurde gegründet, mit den vier Sparten DDC Breakdance – DDC Produktion – DDC Workshops – DDC Agentur. Mit der Show Breakdance in Lederhosen wurde 2014 der Gedanke des Crossover endgültig als Markenzeichen der DDC etabliert. 2015 folgte der internationale Durchbruch. DDC vertrat Deutschland im 15. Wuqiao International Circus Festival in China und erhielt einen Special Price for Excellent Performance. Ihr Kopfstandbild auf der Chinesischen Mauer ging durch die Medien.

2006 wurde die Dance Academy Schweinfurt gegründet – eine Akademie für Hobbytänzer und für Berufsausbildungen zum Tänzer, Tanzpädagogen und DTHO-Hip-Hop-Tanzlehrer.

Film

Schweinfurt ist Sitz von Sanartfilm, einem deutschen Filmverleih von künstlerisch anspruchsvollen Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilmen aus der Türkei.

Stiftungen

Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung ist eine unselbstständige Stiftung mit Sitz in Schweinfurt. Sie wurde 1999 von Erich Kronauer und seiner Frau Erna Kronauer gegründet. Die Stiftung ist eng mit dem Historiker Ernst Nolte verbunden. Die Verleihung des Historikerpreises an den mit geschichtsrevisionistischen Thesen hervortretenden Stefan Scheil (2014), der mittlerweile Vorstandsmitglied ist, führte zu einer öffentlichen Kontroverse, spätestens im Zuge dessen Experten der Stiftung insgesamt eine Nähe zur Neuen Rechten attestierten.

Regelmäßige Veranstaltungen

Zwischen Wein- und Bierfranken

Im Raum Schweinfurt, nahe am Landkreis Haßberge, dem Überlappungsgebiet von Weinfranken und Bierfranken, gibt es außergewöhnlich viele traditionelle Feste, wie Kirchweihen und Weinfeste, die die Lebensart ihrer Bewohner widerspiegeln. Dazu kamen, wie anderswo, viele neue Feste, so dass an manchen Wochenenden in Stadt und nahem Umland mehrere Kirchweihen und Feste gleichzeitig stattfinden.

Festivals

Die Idee des Kneipenfestivals Honky Tonk wurde von der Blues Agency 1993 in Schweinfurt geboren. Damals fand das erste Kneipenfestival in der Kneipenmeile um Zeughaus und Kornmarkt statt. Zum jährlich wiederkehrenden, eintägigen Honky Tonk Festival kamen schon bis zu 22.000 Besucher in derzeit über 40 Altstadtkneipen und Bühnen, mit Bands und Künstlern verschiedenster Musikrichtungen. Mittlerweile findet das Festival in über 50 Städten in vier Ländern statt und wird in sehr vielen anderen Städten unter anderem Namen kopiert, jedoch nahezu überall in kleinerer Form als in Schweinfurt. Der Name wurde von den Livemusik-Kneipen Honky-Tonk im Süden und Südosten der USA entlehnt. Der Name Blues Agency stammt von den Schweinfurter Bluestagen, die bis in die 1990er Jahre in den Altstadtkneipen zwischen Zeughaus und Kornmarkt abgehalten wurden.

Das Musikfestival Nachsommer Schweinfurt findet alljährlich drei Wochen im September mit internationaler Besetzung statt. Bekannte Namen, wie Malia, gastierten bereits in der SKF Halle 411, mit großer Bühne und Tribüne mit 600 Sitzplätzen.

Etwa alle drei Jahre findet das Internationale Varietéfestivalknapp hinter der Stadtgrenze statt. Für Europas größtes Varietéfestival wird ein großes Zelt am Sennfelder Seenkranz aufgebaut.

Von Fasching bis Weihnachten

Die drei Schweinfurter Faschingsgesellschaften ESKAGE, Schwarze Elf und Antöner Narrenelf präsentieren umfangreiche Veranstaltungen und Sitzungsabende. Am Faschingsdienstag führt der traditionelle Faschingsumzug der ESKAGE durch die Innenstadt, mit jährlich etwa 25.000 Besuchern. Den Festreigen im Freien beginnt in der Stadt der Vogelschuss mit einem kleinen Frühjahrsvolksfest im April. Im Mai lädt Schweinfurt@night zu einer langen Einkaufs- und Kulturnacht. An Fronleichnam lockt das Walpurgisgericht Tausende zu einem mittelalterlichen Spektakel und Handwerkermarkt in den Friedrich-Pfister-Park in Oberndorf. Am Freitag nach Fronleichnam startet für elf Tage das Schweinfurter Volksfest, eines der größten seiner Art in Franken. Für jeweils zwei Tage lädt im Mai das Frühlings- und im Juli das Sommerweinfest ins Weingut Dahms auf die sonst nicht zugängliche Peterstirn, zu einem der schönsten Weinfeste Frankens, mit Plätzen in Hof und Weinberg, mit Blick hinunter in den Schweinfurter Mainbogen mit Schloss Mainberg und hinüber zum Steigerwald. Im August finden kaum Feste statt, bis zum Monatsende, wo an zwei Tagen das Schweinfurter Stadtfest auf den zahlreichen Plätzen der Schweinfurter Altstadt Genuss und Lebensqualität der Region präsentiert. Beim eintägigen Straßenmusikfestival Pflasterklang im September treten an rund 20 Orten der Altstadt Musiker aller Stilrichtungen, Jongleure, Zauberer und Straßenmaler auf. Über drei Wochen im September lädt der Nachsommer Schweinfurt in die SKF-Halle 411 (siehe: Festivals). Die Nacht der Kultur lädt im Oktober zu Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett und Kurzfilm an viele bekannte und unbekannte Kulturorte rund um den Marktplatz. Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt auf dem großen, historischen Marktplatz beschränkt sich auf Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck und gehört deshalb zu den stilvollsten seiner Art. Traditionell kommt alljährlich das Nürnberger Christkind zu seiner ersten Auswärtsvisite auf den Markt, mit seinem Prolog vom Rathausbalkon.

Charakteristisch für Schweinfurt sind die zahlreichen Stadtteilkirchweihen, insbesondere die über 300 Jahre alte Zürcher Kirchweih, die älteste Unterfrankens, im Juni, im Dorf in der Stadt, dem kleinen Altstadtquartier und ehemaligen Burgenviertel Zürch. Und die Höllen-Kirchweih des Bürgervereins Altstadt im Höllental im Juli. Die beiden traditionellsten Feste für die Schweinfurter liegen außerhalb der politischen Stadtgrenzen: die zeitgleich am ersten Sonntag und Montag im September stattfindenden Sennfelder (Bierausschank) und Gochsheimer (Weinausschank) Kirchweihen (siehe: Gochsheim, Kirchweih und Friedensfest).

Architektur

Stadtbild

Das innerstädtische Stadtbild

SW Luitpold 002.jpg|City,
LuitpoldstraßeSchweinfurt, Schillerplatz 13-001a.jpg|Gründerzeitviertel,
SchillerplatzSchweinfurt Ryn.jpg|Fischerrain,
altes Fischerviertel am MainSchweinfurt Petersgasse 3 Schrotturm-001.JPG|Altes Gewerbeviertel,
PetersgasseSchweinfurt, Krumme Gasse 20-001.jpg|Östliche Altstadt,
Krumme Gasse

In nahezu allen überregionalen Veröffentlichungen steht fälschlicherweise, dass Schweinfurt im Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört worden sei, was nicht zutrifft. Die Stadt wurde zu etwa 45 % zerstört und damit genauso stark wie beispielsweise Rothenburg ob der Tauber. Es gelang den Alliierten nicht, einen Feuersturm zu entfachen. Davor gab es seit 1554 (siehe: Zweites Stadtverderben) keine nennenswerte Zerstörung. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Stadt schadlos und es gab keinen großen Stadtbrand außerhalb kriegerischer Auseinandersetzungen. So findet man heute noch überall in der Altstadt und im Gründerzeitviertel historische Strukturen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb ein planmäßiger, schneller Wiederaufbau nur an einigen Stellen der Stadt nötig. So blieb ihr, im Gegensatz zu zahlreichen anderen westdeutschen Städten und der Nachbarstadt Würzburg, ein gesichtsloses Nachkriegsstadtbild erspart. Zudem gab es für spätere Zeiten noch Gestaltungsspielraum, da die Lücken sukzessive über viele Stilepochen geschlossen wurden, über die Postmoderne der 1980er Jahre, der Renaissance des Bauhausstils seit den 1990er Jahren, bis hin zur Gegenwart.

Die Entwicklung von einer historischen Kleinstadt über die Industrialisierung bis zum Oberzentrum für eine halbe Million Einwohner spiegelt sich auch im gegensätzlichen, spannungsreichen Stadtbild wider. So wird in der Innenstadt das Stadtbild von Osten nach Westen hin allmählich großstädtischer (in obiger Bildfolge von rechts nach links). Altfränkische Gassen in liebevoll sanierten Quartieren der östlichen Altstadt gehen über in mittelstädtische, zuweilen chaotische Strukturen um den Roßmarkt, bis zu großstädtischem Stadtbild in der westlichen City (Bild siehe auch: Artikel-Einleitung, Main mit nächtlicher Skyline). Eine Ausnahme und scharfen Kontrast in der östlichen Altstadt bildet das Rückert-Center im Brutalismus der 1970er Jahre (Volksmund: Zementrum, abgeleitet vom ursprünglichen Namen Centrum). Jedoch wurde in den letzten Jahren die ursprüngliche Betonfassade weithin umgestaltet.

Äußere Stadtteile

Der äußere Westen der Stadt wird von der Bauweise der 1930er Jahre geprägt. Mit den Klinkerfassaden der Großindustrie im Bauhausstil im südwestlichen Bereich und großzügiger Wohnblock-Bebauung im Nordwestlichen Stadtteil, umlagert von Nachkriegs-Wohnvierteln.

Den Norden und Osten der Stadt bilden das Villenviertel Kiliansberg und mehrere bürgerliche Nachkriegs-Stadtteile. Sie liegen alle auf Ausläufern der Schweinfurter Rhön, zwischen eingeschnittenen Tälern und Bächen und lagern sich fächerförmig um die Innenstadt. Die Viertel werden von Einfamilienhäusern dominiert und umfassen fast das halbe, bebaute Stadtgebiet. Die Zentren dieser Stadtteile, mit Kirchen, Geschäften, einigen Wohnblocks und wenigen Hochhäusern, errichtete man bevorzugt auf den jeweils höchstgelegenen Bereichen. Alles überragend das 25geschossige Blaue Hochhaus, dessen Gebäudespitze (ohne Antennen) sich bereits 130 m über der Innenstadt, auf 350 m ü. NN befindet. Bei seiner Fertigstellung 1964 war das 73 m hohe Blaue Hochhaus 5 m höher als das höchste bis dahin fertiggestellte Hochhaus in Frankfurt am Main, das Zürich-Haus.

Die industrielle Skyline

KKG areal view.jpg|Kernkraftwerk Grafenrheinfeld
2015 abgeschaltet,
vor Kreuzberg/Rhön (928 m)GKS Schweinfurt CS.jpg|Hafen
mit Hochtanklager
und Gemeinschaftskraftwerk SchweinfurtSchweinfurt - Maineinfluss West - 2017.jpg|Blick auf den rechtsmainischen Teil des Industriegebiets,
am Horizont der Gramschatzer WaldSKF building Schweinfurt 2012.jpg|SKF-Hochhaus
und Stadtgalerie

Der Hochhausbau in Schweinfurt begann und endete relativ früh. Die letzten Hochhäuser wurden bereits in den 1970er Jahren errichtet. Seitdem entstanden in und um die Stadt bis heute nur noch industrielle Hochbauten, wie Kraftwerke und Hochregallager. Die industrielle Skyline manifestierte sich, trotz Umstrukturierungen hin zum Dienstleistungssektor. Mit dem Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS), mit seinem wuchtigen 97,5 m hohen Kamin, mehreren Hochregallagern, Getreidesilos und an der Peripherie dem 2015 stillgelegten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), mit den beiden 143 m hohen Kühltürmen und dem 164 m hohen Meteo-Mast. Hinter der Skyline der Industriemetropole sieht man am Horizont auf umliegende Höhenzüge und Mittelgebirge.

Stadtmauer

Die Schweinfurter Stadtmauer wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Die Südostecke der Stadtmauer im vermutlich ältesten Viertel der Altstadt Zürch war zugleich Umfassungsmauer der Reichsburg, die sich hier von 1310 bis 1427 befand. In den 1640er Jahren wurde im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, den die Stadt unbeschadet überstand, die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer vom Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel, der sein Hauptquartier am Roßmarkt hatte, zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausgebaut.

In den 1980er Jahren wurden die Befestigungsanlagen Am Oberen Wall wieder instand gesetzt und erst seit den 1990er Jahren wurden in Folge schwerer Zugänglichkeit und Bauarbeiten immer wieder an diversen Orten Entdeckungen gemacht. Teile der Spitaltorbrücke von 1748 wurden bei Bauarbeiten Ende der 1990er Jahre wiederentdeckt und freigelegt. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Stadtmauer Am Unteren Wall restauriert und beim Bau der Kunsthalle im Keller ein Abschnitt einer Schanze entdeckt und freigelegt. 2007 wurde ein Schalenturm, der sogenannte Jungfernkuss entdeckt, der in Teilen von einem 1367 gestifteten Karmeliterkloster (bis 1542) stammt. 2016 wurde der im Zweiten Weltkrieg zerstörte, kleine Höpperle Turm an der westlichen Stadtmauer rekonstruiert.

Profanbauten

Renaissance

Die Renaissance ist in der Altstadt der prägende historische Stil der protestantischen Reichsstadt. Einem Zentrum des Humanismus und der Aufklärung, das im scharfen Gegensatz zu den benachbarten katholisch-barocken Bistümern Würzburg und Bamberg stand.

Das Alte Rathaus (1570–1572) von Nikolaus Hofmann aus Halle (Saale) gilt als Glanzleistung der profanen deutschen Renaissance. Es ist das Hauptwerk Hofmanns, einem Meister und Bauunternehmer, der am Mansfelder Bergbau beteiligt war. In dem Wappen am Erkerturm hängt Kaiser Maximilian II. in den Fängen des Doppeladlers des Schweinfurter Stadtwappens. Am Abend des 20. April 1959 stand der Dachstuhl des Alten Rathauses, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, in Flammen. Der Ostgiebel bog sich nach außen und drohte in die Brückenstraße zu stürzen. Die Feuerwehren brachten jedoch den Brand, der vermutlich durch Schweißarbeiten ausgelöst wurde, unter Kontrolle. In den 1980er Jahren wurde in den sanierten, großen Kellergewölben der Ratskeller eröffnet. Daneben das Neue Rathaus von Fred Angerer (1954–1958). Mit großem Innenhof, heute Teil einer öffentlich begehbaren Abfolge von Höfen, Arkaden, Freitreppen und Loggien zwischen Markt und Museum Georg Schäfer. Das Alte Gymnasium (1582–1583, Renaissance) ließ Gustav Adolf II. als Gymnasium Academicum errichten, es ist seit 1934 Heimat des Stadtgeschichtlichen Museums (siehe: Museen und Galerien). Das Zeughaus (1589–1591, Renaissance) war Waffenarsenal der Reichsstadt und wurde 2014 umfassend restauriert. Der Schrotturm (1611, Renaissance) ist ein vorgelagerter Treppenturm eines Renaissance-Bürgerhauses, der im 19. Jahrhundert um vier Geschosse zu einem Schrotturm erhöht wurde.

Schweinfurt, Markt, Rathaus, 001.jpg|Rathaus
(1572)Schweinfurt, Martin-Luther-Platz 12, Altes Gymnasium-20151122-002.jpg|Altes Gymnasium
(1583)Schweinfurt, Petersgasse 3-20160312-003.jpg|Schrotturm und Bürgerhaus
(1614)

Weitere Stile

Der Ebracher Hof wurde 1431 vom Zisterzienser Kloster Ebrach im Steigerwald als Amtssitz und Klosterhof erworben. Er ist im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 bis auf die Außenmauern abgebrannt und erst 1578 wieder aufgebaut worden. Nach Bauarbeiten im Jahre 1698 blieb der Hof bis heute unverändert. Das Stadtschreiberhaus (16.–19. Jh., Klassizismus, beziehungsweise Biedermeier) ist im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert, ansonsten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Vorgarten ist das Johann-Christian-Schmid-Denkmal, ein kleiner Obelisk. Das Schloss Peterstirn (1873–1874, Historismus) ist ein Weinbergshaus mit zinnenbekrönten Karlsturm, Burgtor und Mauer. Es wurde auf Überresten einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert und eines Benediktiner-Klosters errichtet, mit dem lateinischen Namen Stella Petri (zu deutsch: Peterstern).

Das 20. Jahrhundert mit vielen bekannten Architekten

Zahlreiche bekannte Architekten des 20. Jahrhunderts standen mit der Stadt in Verbindung und die Verwicklungen, Probleme oder menschlichen Widersprüche mit der Zeit des Nationalsozialismus treten auch hier zu Tage. Der gebürtige Schweinfurter Theodor Fischer war an den Planungen des Berliner Reichstagsgebäudes beteiligt, distanzierte sich schließlich vom Historismus, schuf die Grundlagen für das Bauhaus-Manifest und wollte das Bauhaus im nationalsozialistischen Deutschland erhalten, was ihm nicht gelang. In Schweinfurt baute er die Wirsing Villa (1909) (Bild siehe: Ein Vater des Bauhauses). Der Erbauer des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz entwarf in Schweinfurt die Ludwigschule (1908), das Verwaltungsgebäude der Fichtel & Sachs AG (1933) und das Willy-Sachs-Stadion (1936). Roderich Fick, dessen Schwager Oberbaurat der Stadt Schweinfurt war, plante als einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers maßgeblich den Obersalzberg und den nur in Ansätzen verwirklichten Ausbau von Linz zur europäischen Kulturmetropole. Zuvor baute er in Schweinfurt ein Wohnhaus am Löhlein 4 (1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1933), die heutige Kunsthalle Schweinfurt. Von Ludwig Gies ist der nationalsozialistische Bronzeadler (1936) auf einem Pylon am Eingang des Willy-Sachs-Stadions, der auf einer Erdkugel krallt und der Bundesadler (1953) des Deutschen Bundestages im Bundeshaus in Bonn. Ein Hauptwerk von Olaf Andreas Gulbransson ist die Auferstehungskirche (1959) im Stadtteil Bergl. Egon Eiermanns Kaufhaus-Systemfassade aus Porzellan ist bei Horten (1963), heute Kaufhof, vertreten. Der Enkel von Ludwig Mies van der Rohe Dirk Lohan heiratete in die Schweinfurter Industriellen-Familie Schäfer ein. Mies van der Rohe entwickelte zwischen 1960 und 1963 einen Entwurf für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, der nicht ausgeführt wurde und danach in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt wurde. Anfang der 1990er Jahre legte Alexander von Branca einen neuen Entwurf für das Schäfer-Museum vor, der ebenfalls nicht ausgeführt wurde.

Bauwerke des 20. Jahrhunderts

Beim Ernst-Sachs-Bad (1931–1933) fertigte Roderich Fick Planzeichnungen bis ins letzte Detail, so dass von Türen, Fenstern, Möbeln bis zu Leuchtkörpern und Beschlägen alles aufeinander abgestimmt wurde und seine Handschrift trägt. Die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–1933) von Paul Bonatz steht unter Denkmalschutz, orientiert sich an dem kurz zuvor geplanten Shell-Haus in Berlin von Emil Fahrenkamp und wurde um 1960 um eine Etage aufgestockt. Das Willy-Sachs-Stadion (1934–1936), mit der Sitztribüne im Bauhausstil, von Paul Bonatz, ist eine in einen Volkspark eingebettete Sportanlage unter Denkmalschutz. Das Stadion wurde einen Monat vor den Olympischen Spielen in Berlin eröffnet. Wegen seiner zeitlosen Moderne und dem großen Baumbestand gilt es als einer der schönsten Sportparks Deutschlands.

Schweinfurt, Rüfferstraße, Brunnen-001.jpg|Ernst-Sachs-Bad, Roderich Fick
(1933)Ernst-Sachs-Straße 92 (Schweinfurt) 03.jpg|Fichtel & Sachs AG,
Paul Bonatz
(1933)Schweinfurt Willy-Sachs-Stadion.jpg|Willy-Sachs-Stadion,
Paul Bonatz
(1936)

Das Hochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF (1961–1963) ist eine Etage höher als die Hauptverwaltung in Göteborg und sollte die Vormachtstellung der Schweinfurter SKF unter seinem damaligen Generaldirektor und schwedischen Konsul Gunnar Wester repräsentieren. Das Scheibenhochhaus am Main (55 m) wurde nach dem (städte)baulichen Vorbild des UNO-Hauptquartiers (155 m) am East River in New York geschaffen. Dort existierte, aber nur bis in die 1960er Jahre, eine durch das Raumlicht hinter den Fenstern geschaltete, farblose Leuchtschrift „UN“. Auch hier diente das UNO-Gebäude als Vorbild und man erzeugte das SKF-Logo jeden Abend über blaue, heruntergezogene Fensterrollos, die von außen jeweils mit einer Neonröhre bestrahlt wurden (so noch auf unterem Bild). 2014 wurde das Hochhaus komplett saniert und die Leuchtschrift auf LED umgestellt.

River view (2).jpg|^ UNO-Haupt-
quartier,
am East RiverSchweinfurt und der Main bei Nacht.jpg|^ SKF Deutsche Hauptverwaltung,
nach (städte)baulichen Vorbild des UNO-Hauptquartiers,
am Main

Das Theater der Stadt Schweinfurt (1964–1966) von Erich Schelling wurde 2016 unter Denkmalschutz gestellt, als „einer der bedeutendsten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Bayern in der Nachfolge von Alvar Aaltos Essener Theater.“

Neue Maßstäbe im 21. Jahrhundert

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden in der Architektur in Schweinfurt neue, überregional beachtete Maßstäbe gesetzt, unter der Ägide der damaligen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (CSU) und des langjährigen Baureferenten Jochen Müller (SPD), mit eigenem Gestaltungsvermögen abseits des Mainstreams. Besonderer Wert wurde auf Stadtgestaltung mittels Architektenwettbewerbe gelegt, mit aufeinander abgestimmten Arbeiten in zeitloser Moderne, Platzgestaltung mit minimalistischen Mitteln und Harmonie zwischen Alt und Neu.

Das Museum Georg Schäfer (MGS) (1998–2000) von Volker Staab erhielt zwei Architekturpreise. Das Erdgeschoss ist als Agora konzipiert, einem öffentlichen Treffpunkt mit großer Treppenhalle zwischen Mainloggia und Rathausloggia. Die dem MGS gegenüberliegende Stadtbücherei (2004–2007) von Bruno-Fioretti-Marquez ist ein Um- und Ausbau des Ebracher Hofs, mit neuem unterirdischen Basisgeschoss. Es bildet mit dem Hauptzollamt (2005–2007), ebenfalls von Bruno-Fioretti-Marquez, ein Bauensemble, das zu einem neuen Wahrzeichen Schweinfurts wurde und vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt 2008 zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt wurde. Es zeigt „wie sich Tradition und Moderne auf das Vortrefflichste vereinen.“

Der Bau 65 (2001–2003) im Bauhausstil, von Baurconsult, steht an Stelle einer im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Produktionshalle der Fichtel & Sachs AG (heute ZF Friedrichshafen) und wurde in Anlehnung an die typischen Schweinfurter Industrie-Klinkerbauten der 1930er Jahre errichtet. Die Halle wird durch eine große vorgehängte Glasfassade mit Tageslicht versorgt, die sich an den Fagus-Werken von Walter Gropius orientiert. Die Stadtgalerie Schweinfurt (2007–2009), mit einem 230 m langen Glasdach, ist eine 300 m lange Shopping Mall im klassischen Sinne, die aus einer einzigen, geraden Ladenpassage (in zwei Ebenen mit Galerie) besteht, deren Name sich vom Ballspiel Paille-Maille ableitet, das auf langen, geraden Bahnen gespielt wurde, auf denen später städtische Straßen entstanden. In den Komplex wurde ein SKF-Jugendstil-Portal integriert. Die Kunsthalle Schweinfurt (2008–2009) ist ein Um- und Ausbau des vormaligen Ernst-Sachs-Bades von Hartwig N. Schneider/Peter Ropertz, mit 500 m² großer Halle. Der Innenhof wurde für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert, wobei Reste der sogenannten Naturheilschanze integriert wurden, die der schwedische Feldmarschall und Staatsmann Carl Gustav Wrangel 1648 anlegen ließ.

M Schaefer Schweinfurt.JPG|Museum Georg Schäfer,
Treppenhalle
(2000)Schweinfurt-002.jpg|Ebracher Hof (1578)
mit Stadtbücherei
(2007)Schweinfurt Hauptzollamt.jpg|Hauptzollamt,
Westfassade
(2007)

Kirchen

St. Johannis (ab 1200, Romanik, Gotik und weitere Baustile) ist evangelische Hauptkirche und ältestes erhaltene Gebäude der Stadt. 1237 war der Nordturm mit romanischer Turmkapelle fertiggestellt, auf den Südturm verzichtete man. Mit gotischem Taufstein (1367), mit originaler Malerei, Barocker Kanzel und freigelegten Fresken und Malereien des Mittelalters. Nahezu alle europäischen Baustile über 8 Jahrhunderte, von der Romanik bis zum Klassizismus sind vertreten.

St. Salvator (1719, schlichter Barock) ist die Kirche für das Altstadtquartier Zürch und einstige Burgkapelle (um 1315) mit gotischem Ausbau, mit noch erhaltenen Chor. Die Reformation in der Stadt nahm hier durch eine Predigt1532 ihren Ausgang. St. Salvator wurde wiederholt zum Teil zerstört und zerfiel. Zum 200. Jahrestag der Reformation 1717 begann die Stadt eine umfassende Erneuerung.

Die Heilig-Geist-Kirche (1897–1902, Neuromanik), ist die katholische Hauptkirche der Stadt, an Stelle von Vorgängerbauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Spitalkirche zum Heiligen Geist). Die Kirche hat die Form einer romanischen Kathedrale, mit Nachbildungen der Kathedrale San Vigilio in Trient (Vierungsturm und Chor). Nach der Annexion der protestantischen Reichsstadt Schweinfurt durch das Königreich Bayern 1802 wies dieses 1803 einer wieder etablierten katholischen Gemeinde die gotische Spitalkirche als Pfarrkirche zu. Durch starken Zuzug aus dem katholischen Umland in Folge der Industrialisierung wurde die Kirche zu klein und an Stelle der abgerissenen gotischen Spitalkirche und einer Zuckerfabrik entstand der große Neubau, mit 56 m hohen Turm (1911).

Die Kreuzkirche (13. Jahrhundert/1940) ist die alte evangelische Kirche des schon in historischer Zeit zur Reichsstadt Schweinfurt gehörenden Oberndorfs. Sie steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg. Chor und Turm stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle.

St. Kilian (1954) wurde auf den Außenmauern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neubarocken Kirche aufgebaut. Mit 250 m² großen Farbglasfenster, einem der größten Kirchenfenster Deutschlands, von Georg Meistermann. Am 12. April 1945 fand hier eine Trauerfeier der US-Streitkräfte zum an diesem Tag verstorbenen Präsidenten Franklin D. Roosevelt statt, einen Tag nachdem die Amerikaner in der Stadt einmarschiert waren.

Die Auferstehungskirche (1959) von Olaf Andreas Gulbransson ist die wohl außergewöhnlichste Kirche der Stadt und wurde bereits unter Denkmalschutz gestellt. Es ist das Meisterwerk von Gulbransson, in roten Sichtziegeln mit moderner Ornamentik, im Innern mit blauen Spindelsäulen und Radleuchter, der die zwölf Tore des Himmlischen Jerusalems darstellt. Gulbransson schuf mit dieser Kirche das einzige Beispiel eines neuen Baustils, der Ornamentik, Kunsthandwerk und Moderne vereint und in Folge seines tödlichen Autounfalls bei anderen, postum fertiggestellten Kirchen nicht konsequent fortgesetzt wurde.

Gewölbe, Querhaus, St. Johannis, Schweinfurt.JPG|Querhaus
St. Johannis
(ab 1200)Schweinfurt Oberndorf, Kreuzkirche-011.jpg|Kreuzkirche,
einst Wasserburg
(13. Jh./1940)Schweinfurt, Brombergstraße 73, 001.jpg|Auferstehungskirche,
Olaf Gulbransson
(1959)

Denkmäler und Brunnen

Der Ludwigsbrunnen (1830, Klassizistisch) von Johann Nepomuk Pertsch steht am Fuß der historischen Weinberge an der alten Mainleitenstraße, die 1407 erstmals erwähnt wurde, die heutige Mainbergerstraße. Von 1826 bis 1829 ließ die Stadt Schweinfurt die Straße ausbauen und pflastern. Aus diesem Anlass wurde zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. dieser Brunnen errichtet. Der Überlieferung nach soll Ludwig I. mit seiner Kutsche in der Mainleitenstraße im Morast stecken geblieben sein und daraufhin veranlasst haben, die Straße auszubauen.

Das Rückert-Denkmal (1890) am Marktplatz ist ein Bronzeguss von Wilhelm von Rümann und Friedrich von Thiersch des 1788 in Schweinfurt geborenen Dichters und bahnbrechenden Übersetzers orientalischer Dichtung Friedrich Rückert, der mindestens 44 Sprachen beherrschte. Zu Füßen des auf einem Stuhl sitzenden Dichters allegorische Figuren seiner Werke Die Geharnischte Sonette, die er 1813 unter dem Pseudonym Freimund Raimar gegen Napoleon I. schrieb und die Weisheit des Brahmanen.

Das Walzenwehr-Denkmal (1903/1965) ist eine Kettenaufzugsvorrichtung des Regulierwerks des ersten Walzenwehrs der Welt von MAN (1903). Die Technik wurde von Max Carstanjen für die Schweinfurter Wehranlage entwickelt, die den Wasserstand am Hauptarm des Mains an der Maxbrücke bis zum Ausbau zur Bundeswasserstraße 1963 regulierte. Die Aufzugsvorrichtung wurde 1965 als technisches Denkmal an der Gutermannpromenade aufgestellt. Der Prototyp dieses Walzenwehrs von 1902, der Grundablass, ist heute noch zwischen der Maininsel Bleichrasen und der Böckleinsinsel (siehe: Maininseln) in Betrieb.

Der Rossbändiger-Brunnen (1934, Neoklassizismus) von Josef Wackerle steht am Platz vor der Kunsthalle.

Das Denkmal am Willy-Sachs-Stadion (1936, Neoklassizismus) ist ein Bronzeguss von Ludwig Gies zu Ehren des Stadionstifters Willy Sachs. Auf einem Pylon ruht ein Nationalsozialistischer Reichsadler von Gies, der auch den Bundesadler im Plenarsaal im Bonner Bundeshaus schuf.

Ein Duplikat des Peking-Wheel-Lagers (2012), das sogenannte Star Gate, steht vor dem Theater der Stadt Schweinfurt. Nachdem FAG Kugelfischer in Schweinfurt die beiden Pendelrollenlager für das London Eye entwickelt und gebaut hatte, wurden sie beauftragt, die Lager für das größte, 208 m hohe Riesenrad der Welt, das Great Beijing Wheel im Chaoyang-Park, zu entwickeln. Die Bauarbeiten begannen 2006, der geplante Fertigstellungstermin 2008 zu den Olympischen Spielen wurde nicht eingehalten und 2010 wurden die Arbeiten eingestellt, da die zuständige Firma Insolvenz anmeldete. Darauf wurde ein Duplikat der beiden Pekinger Lager zu je 10 Tonnen-Gewicht und einem Außendurchmesser von 3,20 m am Theater der Stadt Schweinfurt aufgestellt. Der Innendurchmesser des Lagers entspricht exakt dem Außendurchmesser des Lagers des London Eye.

Schweinfurt, Ludwigsbrunnen-001.jpg|Ludwigsbrunnen
(1830)Schweinfurt, Ziehweg, Walzenwehr-001.jpg|Walzenwehr
(1903/1965)Schweinfurt, Rüfferstraße, Brunnen-003.jpg|Rossbändiger-Brunnen
(1934)

Gedenkstätten und Mahnmale

Der Gedenkort für die Opfer der Zwangsarbeit (2011) von Herman de Vries ist ein 3 km langer Lagerweg und Gedenkort mit drei Linden am Main in Oberndorf. Der Weg führt entlang des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers von Kugelfischer, als Gedenkstätte an die über 10.000 Zwangsarbeiter, die auch aus Kriegsgefangenen rekrutiert wurden und in der Schweinfurter Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Bei Bombenangriffen kamen viele Zwangsarbeiter ums Leben, da sie nicht in den Hochbunkern der Stadt Schutz suchen durften. Der holländische Künstler wies darauf hin, dass der erste Satz der Deutschen Verfassung, Die Würde des Menschen ist unantastbar, den er auf einen Stein einmeißelte, in keiner Verfassung eines anderen Landes stehe – einer wunderbaren Verfassung, zustande gekommen Dank der Erfahrungen aus der Geschichte. Es gab öffentliche Kritik, dass es in der Stadt lange Zeit kein entsprechendes Denkmal gab und schließlich eine private Initiative diese Lücke schließen musste(siehe auch: Der Industriestandort Schweinfurt/Zweiter Weltkrieg).

Ein Gedenkstein für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsarbeit (2014) von Steff Baur ist im Alten Friedhof. Der linke Teil des Steins hat die untere Innenform des Buchstaben „N“ für „nemec“, was Deutscher in den slawischen Sprachen heißt. Das „N“ war das Zeichen, das Deutsche in den Vertreibungsgebieten auf einem Stoffstück oder Armband tragen mussten, analog zum „KG“ der Kriegsgefangenen oder „OST“ der Ostarbeiter im nationalsozialistischen Herrschaftsgebiet. Auf einer Bronzetafel auf dem rechten Stein stehen Dankesworte an die Stadt Schweinfurt für die Aufnahme von 32.000 Flüchtlingen, Vertriebenen und Spätaussiedlern.

Stadtmodell

Seit 2015 befindet sich im Stadtschreiberhaus (siehe Weltliche Bauten, Romanik bis Historismus) ein neu angefertigtes Stadtmodell, das Schweinfurt um das Jahr 1800 zeigt. In den nächsten Jahren soll das Modell bis zum Schloss Peterstirn auf 4,80 Meter Länge erweitert werden, das dann das historische Stadtgebiet (ohne Oberndorf) auf einer Distanz von knapp über zwei Kilometern abbildet.

Freizeit

Schweinfurt verfügt wegen seiner gegensätzlichen Topografie, mit vielen intakten, unterschiedlich strukturierten Naturräumen in der Osthälfte der Stadt, über ein sehr vielfältiges und schwer überschaubares Freizeitangebot.

Wehranlagen (Stadtpark)

Die Wehranlagen sind innenstadtnah ein Stadtpark, der nach außen in einen Waldpark und Auwald überläuft, mit urwaldähnlichen Bereichen am Main. Dieser größere, äußere Bereich ist ein Landschaftsschutzgebiet. Die Wehranlagen ziehen sich entlang der Südseite des Schweinfurter Mainbogens insgesamt 2,5 km nach Osten, mit Blick auf die gegenüberliegenden Weinberge, mit Schloss Peterstirn und Schloss Mainberg, dem Fränkischen Neuschwanstein. Der Name Wehranlagen leitet sich vom Elefantenbuckel ab, einem Stauwehr zum Naturschutzgebiet Saumain, einem niedriger gelegenen Seitenarm des Mains. Auf dem Areal lagen einst der Exerzierplatz des reichsstädtischen Militärs und am Main die Farbenfabrik Gademann. Von 1869 bis 1890 wurde der Park angelegt, auf dem Gademann’schen Hügel (alte Bezeichnung Auf dem Börklein) vorwiegend mit Pflanzen aus China, Japan und Korea. Im Park befand sich zudem von 1880 bis 1944 ein Privatzoo, unter anderen mit einem Raubtierhaus. Sogenannte Vogelstimmenwanderungen erschlossen die heute noch reiche Vogelwelt des Stadtparks. 1891, im Zeitalter der Hochräder, entstand an den Wehranlagen, zum Teil auf Sennfelder Gemarkung, eine 333 Meter lange Radrennbahn.

Schweinfurt - Wehranlage - 2016.jpg|Schweinfurt, Alter Friedhof, Kriegerdenkmal-20160507-002.jpg|

Schweinfurt, Kornmarkt 17-20160507-003.jpg|Wildpark Eichen8.jpg|

Weitere Parks

Nach den Partnerstädten benannte Parks:

  • Châteaudun-Park, nordwestlich der Schweinfurter Stadtmauer
  • Motherwell-Park, nordöstlich der Stadtmauer
  • Seinäjoki-Park, am Deutschfeld-Friedhof im Stadtteil Deutschhof

Weitere Parks:

  • Alter Friedhof, an der südlichen Stadtmauer am Main
  • Fichtelsgarten, Wallanlagen nördlich der Altstadt, an der Fichtelsvilla
  • Parkanlage am Philosophengang, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach
  • Am Unteren Wall, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach
  • Am Schuttberg, auf Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs, am westlichen Rand der Innenstadt
  • Pfister-Park, am Friedhof in Oberndorf, an der Kreuzkirche

Tierpark

Nachdem der private Tiergarten im Schweinfurter Stadtpark ''Wehranlagen'' den Bombenangriffen 1944 zum Opfer fiel wurde an anderer Stelle, im Stadtwald, im Randgebiet der Schweinfurter Rhön ab 1962 ein 18 Hektar großer städtischer Tierpark aufgebaut, der Wildpark an den Eichen. 50 europäische Tierarten mit insgesamt 500 Tieren sind hier beheimatet. Ein Streichelzoo, Wasser- und Abenteuerspielplätze, Liegewiese, Minigolf und zwei Biergärten ergänzen das Angebot.

Promenaden und Strände

  • Stadtstrand Schweinfurt, in der Mainbastion der Stadtmauer
  • Gutermann-Promenade am Main, mit Grünanlagen, Skulpturen und Industriedenkmälern. (siehe auch Denkmäler und Brunnen)
  • Georg-Krug-Promenade, am Main gegenüber den Wehranlagen (Stadtpark)
  • Erholungsanlage Baggersee am Schwebheimer Wald, mit 1 km langem Badestrand (teilweise Sandstrand), mit einer Gesamtfläche von 60 Hektar, dem 26 Hektar großen Badesee, Hochseilgarten und Beachcafe.

Weitere Freizeiteinrichtungen

  • Silvana, Hallenfreibad und Freizeitbad
  • Stadtbücherei im Ebracher Hof
  • Willy-Sachs-Stadion (16.500 Zuschauer), in einem großen gleichnamigen Sportpark
  • Eisstadion Icedome (3.000 Zuschauer)
  • Natureisbahn, Ludwigsbrücke
  • Rodelbahn, im Stadtwald An den Eichen
  • Golfplatz (18 Loch) + Öffentlicher Golfplatz (6 Loch) + Öffentliche Driving Range, Golf Club Schweinfurt in Löffelsterz (Schweinfurter Rhön)
  • Öffentlicher Golfplatz (3 Loch) + Öffentliche Driving-Range in Hoppachshof (Schweinfurter Rhön)
  • Kletterwald, Erholungsanlage Baggersee
  • D. A. V. Kletterhalle, Sportpark Hundertäcker

Siehe auch: Wege (Wanderwege)

Nachtleben

Genauso wie der Einzelhandel im östlichen Innenstadtbereich ist die Kneipenszene einem für Schweinfurt typischen, häufigen Wechsel unterworfen. Mit Schließungen, Leerständen, Neu- und Wiedereröffnungen, guten und schlechten Phasen und wechselndem Publikum. In der Schweinfurter Altstadt ist das Auf und Ab der Kneipen mit benachbarten Boutiquen, Geschäften, der wirtschaftlichen Situation der Stadt und insbesondere der Stadtsanierung untrennbar verknüpft. Heruntergekommene Straßen erblühten nach der Sanierung. Derzeit (2017) befindet sich die Szenerie wieder in einer guten Phase, auch wegen der sehr guten wirtschaftlichen Situation der Stadt. Nach der Sanierung des Fichtelsgartens entstand 2017 ein weiterer Schwerpunkt um das Obertor, am Nordende der Altstadt. Auch spielen die Jahreszeiten wegen hoher Aufenthaltsqualität und vieler Freisitze der östlichen Altstadt eine große Rolle. An schönen Sommerabenden an Wochenenden sind Altstadt und Stadtstrand am Main sehr belebt und vermitteln Urlaubsatmosphäre. Zudem prägen, mehr als anderswo, viele Feste das Geschehen (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

Die Diskothekenszene der Stadt hat sich komplett verändert. In den letzten beiden Jahrzehnten vor dem Abzug der US-Amerikanischen Streitkräfte 2014 war Schweinfurt sehr multikulturell geprägt, auch bedingt durch den starken Wandel der US-Gemeinde (siehe: Sozialer Wandel). Die Diskothekenszene unterschied sich von nahezu allen anderen deutschen Städten. Als legendär galt die 90 m lange Diskothek Megadrom, die 2012 abbrannte (heute verkleinert als Club 360 Grad) - der selbsternannte Hottest Hip-Hop-Club of Germany zog Samstagabends ein afroamerikanisches und deutsch-amerikanisches Publikum aus halb Deutschland in die zentral gelegene Stadt am Main. Das Mad (heute Club Diamond), in dem einst VIVA-Club-Rotation gastierte, wurde zu einer Deutsch-Russischen Diskothek. Die Rockfabrik hielt sich seit Beginn der Ära von Techno und Groß-Diskotheken Anfang der 1990er Jahre bis heute unverändert. Der neuere Suzie Club versteht sich hingegen als Edeldiskothek.

Natur

Der Naturraum Schweinfurts, mit seiner geografischen Mittellage, ist untrennbar mit ganz Mainfranken durch fließende Übergänge verbunden. Vom Stadtgebiet und der nahen Umgebung bieten sich von erhöhten Standorten vielfältige Horizonte auf nahezu alle mainfränkischen Anhöhen und Mittelgebirge.

Wildpark im Winter - panoramio.jpg|NÖRDLICH DES MAINS
Schweinfurter Oberland,
Wildpark an den Eichen im StadtwaldSchweinfurt Am unteren Marienbach Greiferdrehkran-003.JPG|MAIN
Blick von der Maxbrücke an der Altstadt aufs Schweinfurter OberlandWeinberg Peterstirn - panoramio (4).jpg|UM DEN MAIN
Blick aus den Schweinfurter Weinbergen
zu urwaldartigen Auwäldern am StadtparkSennfeld - Blick von der Peterstirn - 2017.jpg|SÜDLICH DES MAINS
Blick von der Schweinfurter Mainleite ins Schweinfurter Becken,
auf Sennfeld, mit Gemüsekulturen und Auwäldern am Stadtpark
HORIZONT
Sonnenberg Lkr. Kitzingen (links)
Berge bei Eisenheim, Lkr. Würzburg (rechts)

Naturräume

Ein großer Teil des kleinen Stadtgebietes, das nur die Kernstadt umfasst, besteht aus Wäldern (500 ha) und aus Wasserflächen (148 ha), was zwei Drittel der Fläche des Schliersees entspricht. Die Stadt ist von vielfältigen Naturräumen mit Naherholungsgebieten umgeben.

Der nördliche Stadtrand liegt in der Schweinfurter Rhön, die auch als Schweinfurter Oberland bezeichnet wird. Hier gibt es ein großes Wanderwegenetz (siehe: Wege) und kühleres, schneereicheres Klima, als im ca. 100 m tiefer gelegenem mittleren und südlichen Stadtgebiet um den Main. Dadurch verläuft durch das nordöstliche Stadtgebiet eine Klimascheide, auch in Folge des weiteren Umlandes, im Nordosten mit Mittelgebirgen und im Südwesten mit dem sommerheißen Fränkischen Weinland (siehe auch: Haardt (Schweinfurt)#Stadtklima).

Die beiden Klimazonen und unterschiedliche Böden prägen Vegetation und Landwirtschaft in und um die Stadt. Am nordöstlichen Rand herrschen Forstwirtschaft und am südlichen Rand Sonderkulturen fast aller Art vor. Im Oberland liegen zwischen Tälern mit Wiesengründen Haardtwald und Stadtwald, mit dem Wildpark an den Eichen. Im Osten der Stadt zieht sich zwischen dem Schweinfurter Mainbogen und dem Sennfelder Seenkranz der über 2 km lange Stadtpark Wehranlagen hin (siehe: Wehranlagen). Unmittelbar südöstlich der Innenstadt liegen die drei Schweinfurter Maininseln (siehe: Maininseln). Hier befindet sich nur 250 m von der Schweinfurter Altstadt das Naturschutzgebiet Saumain in der Stadt Schweinfurt. Das Stadtgebiet südlich des Mains liegt im hier brettflachen Schweinfurter Becken und hat Anteil am Schwebheimer Wald, an dessen Rand das Naherholungsgebiet Baggersee liegt (siehe: Promenaden und Strände). Im Westen begrenzt der Wern-Grund die Stadt.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete

Im Stadtgebiet gibt es ein Naturschutzgebiet namens Saumain in der Stadt Schweinfurt, einem Nebenarm des Mains sowie zwei Landschaftsschutzgebiete und zwei FFH-Gebiete (Stand März 2016).

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete in Schweinfurt und Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Schweinfurt

Maininseln

Im Stadtgebiet liegen drei Maininseln und ein Teil einer Halbinsel.

Maininsel Bleichrasen

Die Maininsel Bleichrasen (6,93 ha; Main-km 331,76–332,65) wird als größte der drei Schweinfurter Maininseln auch nur Maininsel genannt und bis in die Nachkriegszeit wurde sie auch als Bleichrasen bezeichnet. Die Insel liegt auf Höhe der nordmainischen Schweinfurter Altstadt, zwischen dem nördlich gelegenen Schleusenkanal der Mainschleuse Schweinfurt und dem südlich gelegenen Saumain.

Westlich (mainabwärts) der Insel schließt sich eine 360 m lange Mole an, die den unteren Schleusenvorhafen vom Saumain abtrennt. Dies ist ein nicht schiffbarer, sehr naturnaher Nebenarm des Mains mit niedrigerem Wasserspiegel, der identisch mit dem Naturschutzgebiet Saumain in der Stadt Schweinfurt ist. In ihm befinden sich eine Stromschnelle und zahlreiche kleinere Inseln. Der westliche Teil der Insel, auf Höhe der Mainschleuse Schweinfurt, ist im Besitz der Bundesbehörde Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt. Hier wurden in den 1960er Jahren auch Reihenhäuser für Schleusenwärter errichtet. Am oberen Schleusenvorhafen ist an der Insel eine Anlegestelle für die bis 130 m langen Fluss-Kreuzfahrtschiffe.

In historischer Zeit war die Insel eine unbesiedelte, südlich der Stadt vorgelagerte militärische Zone. Im 17. Jahrhundert wurde sie mit Schanzen zum südmainischen Brückenkopf ausgebaut (Bilder siehe: Reformation und Dreißigjähriger Krieg). Bis in die Nachkriegsjahrzehnte war die Insel völlig anders als heute strukturiert. Den größten Teil nahmen der Neubau des Städtischen Schlachthofs aus den 1950er Jahren ein, der aufgelöst wurde und der Volksfestplatz, der 1958 neben das Willy-Sachs-Stadion verlegt wurde. Danach fristete die Insel trotz der bevorzugten Lage nur noch ein Schattendasein, bis unter der Ägide der früheren Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser 2004 das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) mit einem größeren Vier-Sterne-Hotel neben älteren Wohnhäusern eröffnet wurden. Altenheime und weitere Wohnhäuser im Luxussegment folgten und die Stadtbuslinie 81 fuhr schließlich über die Insel. So wurde die Insel seit der Gründung der Reichsstadt erst im 21. Jahrhundert ein fester Bestandteil der Stadt. Ein zweites Hotel, mit der höheren Kategorie Vier-Sterne-Plus ist von der Stadt auf der Insel erwünscht, wegen der Ausbuchung der Schweinfurter Hotels während Konferenzen, aber es fand sich bisher kein Investor.

Die Anfahrt zur Insel führt über die Marienbrücke und zuvor aus Richtung Altstadt über die Maxbrücke bzw. aus südlicher Gegenrichtung über die Ludwigsbrücke. Die drei Brücken wurden nach Namen bayerischer Könige bzw. ihrer Gattin benannt, als Schweinfurt zum Königreich Bayern gehörte (siehe: Geschichte#Königreich Bayern).

Böckleinsinsei

Die Böckleinsinsel (2,70 ha; Main-km 332,63–332,96) wurde im Volksmund früher auch Pfaueninsel genannt und liegt unmittelbar östlich der Maininsel Bleichrasen, auf Höhe des nordmainischen Altstadtquartiers Zürch, wo auch der Marienbach in den Main mündet. Die Insel liegt zwischen dem nördlichen Hauptarm des Mains und dem südlichen Saumain.

Die Insel ist nur von der Maininsel Bleichrasen über eine weitere kleine Brücke erreichbar. Somit kann man die Böckleinsinsel nur über insgesamt drei Brücken erreichen. An der kleinen Brücke befindet sich der Prototyp des ersten Walzenwehrs der Welt, das 1903 erstmals vom MAN Werk Gustavsburg unweit von hier am Hauptarm des Mains errichtet und 1963 wieder abgerissen wurde. Die Böckleinsinsel ist seit 1806 im Familienbesitz und für Unbefugte nicht zugänglich. Auf der Insel befinden sich ein Wäldchen und eine Getreidemühle, mit Hochsilos für die EG-Vorratshaltung der Bundesanstalt für landwirtschaftliche Grundversorgung (BALG) und eine Lände als Umschlagsstelle der Mühle. Im Mühlenkanal wurde eine Wildwasseranlage für Kanus eingerichtet.  (Bild siehe: Hydrologie)

Schleuseninsel

Die Schleuseninsel (4,37 ha; Main-km 331,48–332,55) liegt zwischen dem nördlichen Hauptarm des Mains und dem südlichen Schleusenkanal. Nach geografischer Definition handelt es sich um keine Insel, da sie künstlich entstand und von der einst größeren Maininsel Bleichrasen durch den Bau des Schleusenkanals abgetrennt wurde. Zur Unterscheidung wird sie aber allgemein als Schleuseninsel bezeichnet.

Die Insel ist vollständig im Besitz des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt, nicht öffentlich befahrbar und für Unbefugte nicht zugänglich. Auf ihr befindet sich das Laufwasserkraftwerk Schweinfurt und über sie läuft eine Freihaltetrasse für eine zweite Schleuse, nördlich der bestehenden Schleuse, um diese bei Bedarf zur Doppelschleuse ausbauen zu können. Zudem lief quer über die Insel, wie auch über das westliche Ende der Maininsel Bleichrasen, eine Freihaltetrasse für eine vierte Schweinfurter Straßenbrücke über den Main. Das Großprojekt, das bereits in den 1960er Jahren als eine über 350 m lange einhüftige Schrägseilbrücke skizziert war, mit einem Pylon auf einer der beiden Inseln, wurde in den 1990er Jahren vom Schweinfurter Stadtrat endgültig aufgegeben. Auf dem östlichen Ende der Insel steht die Monumentalskulptur der Anker von dem Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore.

Sennfelder Halbinsel

Die Sennfelder Halbinsel (ca. 0,9 km²; Main-km 332,33–ca. 334,25) schließt sich östlich an die drei Maininseln an. Die Halbinsel gehört nur etwa zu einem Drittel zum Gebiet der nördlich von ihr gelegenen Stadt Schweinfurt. Der größere Teil gehört zur südmainischen Gemeinde Sennfeld. Die Halbinsel ist mit Ausnahme eines schmalen Streifens am östlichen Ende vollständig von Gewässern umschlossen: vom Hauptarm des Mains im Norden, vom Saumain im Nordwesten und vom Sennfelder Seenkranz im Süden und Osten, einer zum Teil verlandeten Altmainschleife.

Der zu Schweinfurt gehörende Bereich wird nahezu vollständig vom Stadtpark Wehranlagen eingenommen (siehe: Wehranlagen). Die Halbinsel ist durch einen Staudamm, den sogenannten Elefantenbuckel, mit der Böckleinsinsel verbunden. Im Westen liegt das städtische Wasserwerk und im Grenzbereich beider Kommunen befindet sich ein Wasserschutzgebiet sowie das Vereinsgelände des FC Altstadt Schweinfurt. Am Nordufer der Halbinsel liegen Sportbootshäfen und Clubs, in einer Bucht des Main-Hauptarms, der sich hier bis auf 172 m verbreitert. Am Südufer liegt eine große Freizeitanlage der Gemeinde Sennfeld, auf der das Internationale Varietéfestival abgehalten wird (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

Weinort Schweinfurt

Die Stadt ist ein großlagenfreier Weinort im Fränkischen Weinbaugebiet, Bereich Maindreieck.

Am Ostrand der Stadt, an den steilen Südhängen des Maintals, befinden sich die beiden kleinen Weinlagen Schweinfurter Peterstirn und Schweinfurter Mainleite, mit zusammen etwa drei Hektar Rebfläche und der Leitsorte Silvaner. In Schweinfurt wird wahrscheinlich seit weit über 1000 Jahren Weinbau betrieben (siehe: Erste urkundliche Erwähnung). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bedeutende fränkische Weinbau- und Weinhandelsstadt. Zum Ende der Reichsstadt-Zeit 1802 waren es etwa 320 Hektar Rebfläche.

Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern, allein im Jahre 1821 waren es 700 Liter. Die Verbindung Goethes zum Schweinfurter Wein geht aus sieben Goethebriefen hervor, die im Goethe-Schiller-Museum in Weimar verwahrt werden.

Der Weinbau kam unter anderem infolge der Reblaus im Laufe der Zeit nahezu ganz zum Erliegen. Große Teile einiger heutiger Stadtviertel, bis nahe an den Rand der Altstadt, befinden sich auf ehemaligen Weinbergen. Insbesondere der Kiliansberg, worauf auch hier die Straßenbezeichnungen Weingartenweg und Wingertstraße hinweisen.

Seit den 1980er Jahren wird wieder in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau betrieben. Durch die Unterbrechung des Weinbaus bis zu den 1980er Jahren blieben die Weinberge von der Zuordnung zu Großweinlagen und insbesondere der Flurbereinigung der 1970er Jahre verschont, bei der vielerorts die historischen Strukturen zerstört wurden. Die kleine Wein-Kulturlandschaft am Schloss Peterstirn mit ihren Natursteinmauern und Gerätehäuschen blieb dadurch erhalten. Auf dem Burgberg des Schlosses aus dem 19. Jahrhundert, an Stelle des ehemaligen Benediktinerklosters, befindet sich ein Weingut im Familienbesitz. Hier findet auch zweimal im Jahr eines der schönsten fränkischen Weinfeste statt (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

Siehe auch: Liste der Weinorte in Franken

Dreifrankenblick

Am oberen Ende des Weinbergs Peterstirn steht ein kleiner, denkmalgeschützter Aussichtsturm. Von ihm blickt man über das Schweinfurter Becken und die zentrale unterfränkische Landschaft Mainfränkische Platten auf den gesamten Steigerwaldkamm, der in kleinen Teilen zu Oberfranken gehört. Bei guter Sicht ist westlich (rechts) hinter dem Schwanberg in 48 km Entfernung der Kapellenberg oberhalb des Weinortes Bullenheim in Mittelfranken erkennbar.

Wirtschaft

Übersicht

Schweinfurt ist heute wichtigste Industriestadt Nordbayerns und gilt als Welthauptstadt der Kugellager. Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF und der zweitgrößte Schaeffler haben ihr jeweils größtes Werk in Schweinfurt. Die Stadt Schweinfurt hat die wirtschaftliche Strukturkrise von 1990 bis 1994 erfolgreich überstanden und sich um eine größere Vielfalt im Arbeitsplatzangebot und Ausbau des Dienstleistungssektors bemüht, wodurch sie, zusammen mit neuem Wachstum der heimischen Industrie, zu den wirtschaftlich stärksten Städten Deutschlands zählt. Dies ist außerhalb der Region bisher (2017) wenig bekannt, da die überregionalen Medien ausführlich über die Krise in Schweinfurt Anfang der 1990er Jahre berichteten, aber kaum über den anschließenden Wandel.

2010 war Schweinfurt gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, hinter Wolfsburg und Frankfurt am Main, drittstärkster Wirtschaftsstandort Deutschlands. In einer Exklusivstudie für das manager magazin untersuchte 2009 das Standortberatungsunternehmen Contor über 1000 EU-Regionen auf ihre Zukunftsfähigkeit. In diesem Europa-Ranking ohne Großbritannien belegte Schweinfurt Platz 16 und lag zwischen Paris-Stadt (Platz 15) und Stockholm (Platz 17). Schweinfurt hat unter den bayerischen Mittel- und Großstädten die mit Abstand höchste Arbeitsplatzdichte und mit +34.000 (2012) einen höheren Pendlersaldo als Bayerns drittgrößte Stadt Augsburg (+32.000). Die Energiewende, mit Großlagern für Windkraftanlagen, brachte der Wälzlagerindustrie neue Geschäftsfelder. SKF eröffnet 2017 das leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt. In Schweinfurt befindet sich der größte Entwicklungs- und Produktionsstandort von Fresenius Medical Care. U. a. wurden dort bis Mitte 2016 mehr als 600.000 Dialysegeräte produziert. Zudem ist die Stadt ein wichtiger Standort der Lineartechnik und der Fahrradindustrie.

Fag stammsitz schweinfurt.jpg|Torpedo-515-36-2.jpg|

Überregional bekannte Unternehmen:

  • Bosch Rexroth; Stammwerk in Lohr am Main
  • Carl Kühne KG, einer der beiden größten deutschen Produktionsstandorte ist auf Sennfelder Gemarkung das Werk Schweinfurt; Hauptsitz in Hamburg
  • Fresenius Medical Care, zweitgrößtes deutsches Werk; Hauptsitz in Bad Homburg
  • Horton Sachs, Automotive
  • Schaeffler AG (vormals DAX-Konzern FAG Kugelfischer), größtes Werk in Schweinfurt; größer als das Stammwerk in Herzogenaurach
  • Schwedische Kugellagerfabriken SKF, größter Wälzlagerkonzern der Welt, größtes Werk in Schweinfurt; größer als das Stammwerk in Göteborg
  • SenerTec, europäischer Marktführer für Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (siehe Bedeutende Schweinfurter Erfindungen)
  • SRAM (vormals Fichtel & Sachs, Fahrradkomponenten), europäische Zentrale; Hauptsitz in Chicago
  • Winora-Staiger, Fahrräder
  • ZF Friedrichshafen (vormals Fichtel & Sachs), drittgrößter Automobilzulieferer der Welt; das Werk in Schweinfurt ist etwas größer als das ZF-Stammwerk in Friedrichshafen

Geschichte

Bedeutende Erfindungen

  • Brauchbare Kugellager (1884) Friedrich Fischer
  • Fahrradfreilauf (1889) Ernst Sachs
  • Rücktrittbremse (1903) Ernst Sachs
  • Mikro-Blockheizkraftwerk (1986) Fichtel & SachsFahrradfreilauf und Rücktrittbremse wurden in der Torpedo-Freilaufnabe (1903) von Fichtel & Sachs integriert.

1986 begann Fichtel & Sachs mit der Entwicklung von Prototypen für Mikro-Blockheizkraftwerke und startete 10-jährige Feldversuche. Aus Fichtel & Sachs ging das Unternehmen Senertec in Schweinfurt hervor, das 1996 mit der Produktion des Dachs, dem ersten serienreifen Mikro-Blockheizkraftwerk, begann.

Die Anfänge: Farben und Chemie

1777 entstand die erste fabrikähnliche Anlage in der Stadt, eine Bleiweißmühle von J. W. Schmidt mit einer angeschlossenen Fabrikation von Essig. Die weitere industrielle Entwicklung der Stadt ist eng mit dem Namen Wilhelm Sattler verbunden, dem seinerzeit reichsten und erfolgreichsten Unternehmer Bayerns, der dies auch mit sozialen Engagement verband. 1810 entwickelte er einen Sago-Ersatz, der in der Zeit der Kontinentalsperre nach Frankreich exportiert wurde. Um 1825 errichtete Sattler innerhalb der Stadtmauern, an Stelle der heutigen Heilig-Geist-Kirche, eine Zuckerfabrik. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt ein Zentrum der deutschen Farbenindustrie. Südlich des Mains lag die Farbenfabrik Gademann. Sattler produzierte und exportierte als erster industriell das (hochgiftige) Schweinfurter Grün, das u. a. auch Pariser Grün genannt wurde, in alle Erdteile. 1814 wurde die Produktion in den Vorort Schonungen verlegt. Mit dem Aufkommen der Anilin-Farben (BASF, Hoechst AG) verlor das Schweinfurter Grün jedoch ab 1860 an Bedeutung.

Die Farbenfabrik Deifel produziert noch in Schweinfurt und hat sich auf Kunststofffarben spezialisiert; außerdem gibt es die Firma Maincor, die Kunststoffrohre herstellt und einige weitere kleinere Firmen in der Kunststoffbranche.

Metallverarbeitende Industrie

Seit etwa 1890 wurde die Stadt jedoch von der metallverarbeitenden Industrie geprägt. 1883 war Ausgangspunkt der großindustriellen Entwicklung der Stadt durch die Erfindung der Kugelmühle, einer Kugelfräsmaschine mit Genauigkeiten bis 0,02 Millimetern durch Friedrich Fischer, nach heute noch angewandten Prinzip. In Folge entstanden die drei Firmen '''FAG''' Kugelfischer (Fischers Aktien-Gesellschaft), Fries & Höpflinger (1890) und Fichtel & Sachs (1895), die Schweinfurt zum Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie machten. 1903 erfand Ernst Sachs die Torpedo-Freilaufnabe. Die 1929 von Ernst Sachs und Georg Schäfer (II) gestaltete Neuordnung der deutschen Wälzlagerindustrie erwies sich für den Standort als Weichenstellung. Auf die Depression folgte ab 1934 ein von Arbeitsbeschaffungsprogrammen und Kriegsrüstung getragener Wirtschaftsaufschwung. Zudem nahm Fichtel & Sachs die Produktion von Kleinmotoren, Kupplungen und Stoßdämpfern auf. Damit konnten bereits innerhalb der Stadt wichtige Bereiche der Automobilzulieferer-Industrie abgedeckt werden. Viele Autoteile verließen in den Nachkriegsjahrzehnten von der Fertigung über den Großhandel bis zum Einbau in der Kfz-Werkstatt nicht die Stadtgrenzen.

Auch für die städtebauliche Ordnung wirkte sich die Konzentration auf die großen Drei positiv aus. War noch bis um 1900 die Innenstadt, wie bei vielen anderen deutschen Städten, von Fabriken und Schornsteinen in nahezu allen Richtungen umgeben, konzentrierte sich jetzt die Industrie auf den Südwesten um den Hauptbahnhof und lag nun größtenteils auf Oberndorfer Gemarkung.

Mitarbeiter 1928 1932/33 1938/39 1944/45
Fichtel & Sachs 6.800 2.300 6.700 7.100
Fries & Höpflinger 1.900 - - -
FAG Kugelfischer 2.200 2.800 8.000 11.700
VKF (SKF) - 2.000 6.000 8.000

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch die Konzentration der kriegswichtigen Wälzlagerproduktion (über 60 % der Gesamtproduktion des Deutschen Reiches) wiederholt das Ziel alliierter Bomberangriffe. Unter großen Anstrengungen wurde die Produktion aufrechterhalten, mit teilweise bunkerartig gegen Bomben geschützten Fabriken. Teile der Produktion wurden an andere Standorte, unter anderem nach Eltmann, Ebern und Elfershausen verlegt.

1942 begann die Organisation Todt unter der Tarnbezeichnung Baubetrieb Neustadt den Gipsstollen Neckarzimmern für die Wälzlagerproduktion der VKF (seit 1953 SKF) massiv zu erweitern. 1944 wurden große Produktionsstätten mit Verwaltungs- und Stammpersonal des Hauptwerkes in Schweinfurt und des Werkes Bad Cannstatt hierhin verlegt. Für den Stollenvortrieb und als Produktionshelfer wurden Zwangsarbeiter aus dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen KZ Neckarelz eingesetzt. Nach dem Krieg veranlassten die Amerikaner den Rücktransport der Maschinen nach Schweinfurt und in das (2001 geschlossene) Zweigwerk Bad Cannstatt. Die Zahl der Zwangsarbeiter erreichte Ende 1943 mit 4400 ihren Höchststand, Kriegsgefangene wurden insgesamt 4500 eingesetzt.

Siehe auch: Schweinfurt/Zweiter Weltkrieg

Um 1965 erreichte die Schweinfurter Industrie mit über 30.000 Mitarbeitern ihren historischen Höchststand, bei insgesamt 57.000 Arbeitsplätzen in der Stadt. Die großen Drei FAG Kugelfischer, Fichtel & Sachs und SKF zählten in dieser Zeit zu den 100 größten Industrieunternehmen Deutschlands. Der bereits zu Beginn der 1970er Jahre einsetzende Rückgang der Beschäftigung erreichte 1993/94 mit dem Verlust von 13.000 Arbeitsplätzen seinen Höhepunkt. In den folgenden Jahren gewannen die bereits seit 1909 hier ansässige Deutsche Star, die heutige Bosch Rexroth, mit 2.200 (2008) und Fresenius Medical Care mit 1.100 Mitarbeitern (2008) ebenfalls Bedeutung und Ende 2008 waren wieder 21.000 Personen in der hiesigen Industrie beschäftigt.

2001 gab es die erste Feindliche Übernahme Deutschlands. Das DAX-Unternehmen FAG Kugelfischer wurde von der bis dahin unbekannten und erst seit 1946 bestehenden INA-Schaeffler aus Herzogenaurach übernommen und 2006 in den Schaeffler-Konzern integriert. Die Marke FAG blieb erhalten. INA und FAG wurden zusammen zum zweitgrößten Wälzlagerkonzern der Welt, hinter der ortsansässigen SKF. Schweinfurt wurde Sitz der Schaeffler Technologies GmbH & Co. KG. Damit befanden sich die jeweils größten Werke der beiden größten Wälzlagerkonzerne der Welt in Schweinfurt, aber die Konzernzentralen lagen jetzt beide außerhalb der Stadt, in Göteborg und Herzogenaurach.

Fichtel & Sachs wurde ab 1987 von Gunter Sachs und Angehörigen der Familie Sachs an Mannesmann verkauft. In Folge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone ging das Unternehmen im Jahre 2000 an ein Unternehmenskonsortium um Bosch und Siemens. 2001 wurde es an ZF Friedrichshafen verkauft und in ZF-Sachs umbenannt. 2011 wurde es mit ZF Friedrichshafen verschmolzen, der Firmenname Sachs verschwand, aber die Marke Sachs wurde weitergeführt.

Weitere Branchen

Mineralöle

Das Mineralölunternehmen Erik Walther hat seinen Hauptsitz in Schweinfurt, mit einem Tanklager im Hafen (Bild siehe: Bundeswasserstraße). Das Unternehmen betreibt rund 70 eigene Tankstellen in vier Bundesländern und verschifft die Mineralöle mit einer eigenen Tankerflotte von den ARA-Häfen (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) zum Hauptsitz und anderen Tanklagern.

Nahrungs- und Genussmittel

Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche spielen im Schweinfurter Süden, insbesondere in den angrenzenden Vororten (siehe Landkreis Schweinfurt, Landwirtschaft) eine wichtige Rolle, als Folge fruchtbarer Böden und Sonderkulturen aller Art im nahen Umland. Innerhalb des Stadtgebietes befinden sich eine Getreidemühle, zwei Malzfabriken und Weinberge mit einem Weingut. Von den insgesamt 11 Brauereien existiert heute nur noch eine. Mehrere Getreidesilos prägen das südliche Stadtbild mit. In früheren industriellen Phasen gab es eine breite Palette von Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche in der Stadt, mit Herstellungen von Gelatine, Nudeln, Sago, Essig, Likören, Rum, Zucker, Malzkaffee, Margarine, Bonbons, Lebkuchen, Tabak und Schnupftabak. Bis ins 19. Jahrhundert war Schweinfurt eine große Wein- und Weinhandelsstadt (siehe: Weinort Schweinfurt).

Informationstechnologie

IBM erbrachte anfangs nur Dienstleistungen für die Werkscomputer von FAG-Kugelfischer, woraus sich die deutsche Dienstleistungszentrale IBB der IBM entwickelte, deren Hauptsitz in Schweinfurt schließlich das gesamte FAG-Verwaltungshochhaus umfasste. 2005 wurde der IBB-Hauptsitz von Schweinfurt nach Mannheim verlegt. Eine kleine IBM-Niederlassung verblieb bei FAG.

1992 wurde bei FAG als Tochtergesellschaft eine SAP-Abteilung gegründet, die 1993 als FIS GmbH ein unabhängiges Unternehmen wurde. Das Wachstum machte 1996 einen Standortwechsel nach Grafenrheinfeld notwendig und Ende 2016 beschäftigte die FIS GmbH mit ihren Tochtergesellschaften über 600 Personen, davon rund 500 in Grafenrheinfeld. FIS ist SAP One-Stop-Provider und Marktführer im Technischen Großhandel der D-A-CH-Region.

Die GPSoverIP GmbH ging 2003 aus einem 1996 gegründeten Schweinfurter IT-Haus hervor. Sie entwickelte ein neues Verfahren zur Positionsübermittlung von Geokoordinaten mit dem Namen GPSoverIP, das unter anderem in der Logistik-Branche bei LKWs und bei Formel 1-Rennwagen angewendet wird. Die GPSoverIP GmbH arbeitet im Auftrag von namhaften deutschen Unternehmen, wie Audi und BMW.

Einzelhandel

Das Einzelhandels-Gesamteinzugsgebiet Schweinfurts beträgt ca. 787.000 Einwohner, die Verkaufsfläche 237.600 m² (2016), davon entfallen 70.200 m² auf die Innenstadt. Die Verkaufsflächendichte liegt bei hohen 4.500 m² pro 1.000 Einwohner (2016). Der Umsatz stieg ständig an, auf 646 Millionen Euro 2016 (526 Millionen Euro 2014). Die Stadt besitzt aufgrund des großen Umlands und sehr leichter Erreichbarkeit mit dem Auto eine extrem hohe Einzelhandelszentralität und lag 2016 mit 221,2 Punkten (seit 2012 angestiegen) noch deutlich über dem benachbarten, ebenfalls sehr einzelhandelszentralen Würzburg mit 180,4 Punkten (seit 2012 leicht gesunken). Während zum Vergleich 2012 Frankfurt am Main bei 108,7 und Berlin bei 106,0 Punkten lagen. Trotzdem gab es um 2016 zahlreiche Geschäfts-Leerstände in der Schweinfurter Innenstadt, auch in 1a-Lagen, in Folge des zunehmenden Onlinehandels, mit seiner noch nicht allgemein erkannten Umweltschädlichkeit. Neuerdings (2017) sind die Geschäftsleerstände rückläufig und auch die seit längerer Zeit verödete Rückertstraße erfuhr eine deutliche Aufwertung. Die sehr gute wirtschaftliche Situation der Stadt macht sich zunehmend bemerkbar, auch in der innerstädtischen Gastronomie.

Die Innenstadt besitzt ein Spannungsfeld mit zwei sehr unterschiedlichen Bereichen und ebensolchem Publikum. Die Altstadt im Osten um den Marktplatz hat eine hohe Aufenthaltsqualität, mit sanierten Altstadtquartieren, Straßencafés, Bars, Restaurants und inhabergeführten Geschäften. Der Westen ist ein ehr großstädtisch strukturiertes Citygebiet, um Roßmarkt, Jägersbrunnen und der Stadtgalerie, mit der Dominanz von Kaufhäusern, Filialisten und Banken.

2009 eröffnete am Westrand der Innenstadt die Stadtgalerie Schweinfurt, eine 300 m lange Shopping Mall mit 22.500 Quadratmetern Verkaufsfläche, 100 Geschäften und 1.300 Parkplätzen auf dem Dach (siehe auch: Profanbauten). Wegen der befürchteten negativen Auswirkungen für den etablierten Handel in der Innenstadt war 2005 ein Bürgerentscheid durchgeführt worden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für das Projekt des Hamburger ECE-Konzerns, das auf dem Gelände des früheren Werks 1 von SKF verwirklicht wurde. Die Stadtgalerie hat eine tägliche, durchschnittliche Frequenz von 16.000 Besuchern.

EinkaufsgalerieSW3.jpg|City-West:
StadtgalerieSchweinfurt Altstadt 03.jpg|City:
JägersbrunnenSpitalstraße.JPG|Altstadt:
SpitalstraßeSchweinfurt, Stadtmauer, Am Unteren Wall-003.jpg|Altstadt-Ost:
Rückert-Center

Das Hauptgeschäftszentrum verlagerte sich immer weiter nach Westen. Bis 1962 war es identisch mit dem im Mittelalter angelegten Straßenkreuz um den Markt und dem Quartier Keßlergasse/Zehntstraße, eine der ältesten Fußgängerzonen Deutschlands. Die erste Westverschiebung erfolgte mit der Eröffnung des Stadtbusbahnhofes (ZOB) am Roßmarkt 1962, die zweite ab 1964 mit der Eröffnung zweier Kaufhäuser am Jägersbrunnen und die dritte mit der Stadtgalerie Schweinfurt. 1972 wurde im Osten als Gegenpol das Centrum Schweinfurt eröffnet, das heutige Rückert-Center. So misst die Innenstadt heute vom Rückert-Center bis zur Stadtgalerie 1,5 Kilometer Luftlinie.

Mit dem Sprung über den Main entstand ab 1963 südlich des Mains ein neues, großes Hafen- und Industriegebiet. Das Gewerbegebiet im östlichen Teil, der Hafen-Ost entwickelte sich dabei anders, als von der Stadt geplant. Der freie Markt sah hier, unweit der (künftigen) Autobahn A 70 ideale Voraussetzungen für Fachmärkte und so entstand eine der größten Fachmarktagglomerationen Deutschlands in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt hier jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu. Das nutzte die angrenzende Gemeinde Sennfeld aus. Um Kaufkraft abzuschöpfen siedelte sie innenstadtrelevanten Einzelhandel im östlichen Teil des Hafen-Osts an, der zu ihrem Gemeindegebiet gehört und daneben in einem neuen Einkaufszentrum.

Tourismus

Einen starken Zuwachs gab es in der Stadt 2015 bei den Übernachtungen, mit 215.181 (2014: 181.555) und den Gästeankünften mit 119.540 (2014: 103.301). Auch die Zahl der Beherbergungsbetriebe stieg auf 24 (2014: 21). Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich 2016 weiter auf 226.000. Unter den Touristen sind insbesondere Geschäftsreisende, Radtouristen auf dem vielbefahrenen Main-Radweg, Museums-Touristen und Urlauber auf dem Weg in den Süden über die Skandinavienautobahn A 7. Hier wird nach der geplanten Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2024 ein starker Zuwachs erwartet, durch eine vermutete, nahezu komplette Verlagerung des Transitverkehrs aus Skandinavien von Ostdeutschland auf die A 7.

Infrastruktur

In Folge der deutschen Wiedervereinigung rückte Schweinfurt vom Zonenrandgebiet in die bundesdeutsche Mitte, mit weitreichenden Folgen für den Verkehr. Die Stadt wurde durch das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 16, den Bau der Bundesautobahn 71 Erfurt–Schweinfurt, zu einem Autobahnknoten in der Mitte Deutschlands.

Bundeswasserstraße

Schweinfurt liegt am Rhein-Main-Donau-Kanal, der auch Europakanal genannt wird, einer Bundeswasserstraße und Großschifffahrtsstraße, die die Nordsee bei Rotterdam mit dem Schwarzen Meer bei Constanța verbindet. Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personenschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe sowie Bootshäfen. Zudem ist im Maintal ein Areal für einen möglichen Containerhafen mit Gleis- und Autobahnanschluss reserviert. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem eine Staustufe, mit einer Schleuse (Länge 300 m, Breite 12 m) für Einzelfahrer und Schubverbände bis 185 m Länge und einer Bootsschleuse für Sportboote. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasser- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202,49 km zuständig.

Schweinfurt war von 1911 bis 1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main (ab 1912 Bamberg). 1936 wurde sie wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt.

Öffentlicher Verkehr

Anbindung an den Fernverkehr

  • Main-Spessart-Express (MSX) Bamberg–Schweinfurt–(Würzburg)–Frankfurt am Main. An Wochenenden und Feiertagen fahren zwei Zugpaare auf der elektrifizierten Werntalbahn unter Umgehung von Würzburg auf direktem Weg nach Frankfurt (Main). Mit dem MSX ist unter der Woche von allen drei Schweinfurter Bahnhöfen und an Wochenenden vom Hauptbahnhof mit einmaligem Umstieg in Frankfurt (Main) Paris-Est erreichbar.
  • Regionalexpress Würzburg–Schweinfurt–Bamberg–Nürnberg. Er bindet Schweinfurt auf der elektrifizierten Strecke an die beiden nahegelegenen ICE-Halte in Würzburg und Bamberg an.

Fernverkehrsprojekte

  • Ab Dezember 2017 ist von Schweinfurt das neue Drehkreuz Erfurt in ca. 1 h 30 min und Leipzig in ca. 2 h 10 min erreichbar, da dann die neue Schnellbahnstrecke München–Berlin (mit Halt in Bamberg) mit einer Fahrtzeit von nur noch 3 h 55 min fertiggestellt sein wird.
  • Bis spätestens Dezember 2027 erhält Schweinfurt einen direkten IC-Anschluss im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive durch die neue IC-Strecke Bamberg–Schweinfurt–Stuttgart.

Regionalexpress- und Nahverkehrsstrecken

  • Würzburg–Schweinfurt-Hbf–Erfurt; Regionalexpress der DB
  • Würzburg–Schweinfurt-Hbf–Bamberg (Bahnstrecke Rottendorf–Bamberg); Regionalbahn der DB Schweinfurt-Stadtbahnhof–Meiningen (Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen); Regionalbahn der Erfurter Bahn
  • Schweinfurt-Stadtbahnhof–Bad Kissingen–Gemünden (Fränkische Saaletalbahn); Regionalbahn der Erfurter Bahn
  • Schweinfurt-Hbf–Kitzingen-Etwashausen (Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt) (Steigerwaldbahn), in zwei Abschnitten 1981 und 1987 stillgelegt. Mit rund 50 km eine der längsten Nebenstrecken Deutschlands. Nach mehreren vergeblichen Versuchen einer Wiederinbetriebnahme seit 2006 wird zur Zeit (2017) erneut eine Inbetriebnahme diskutiert.

Bahnhöfe

  • Hauptbahnhof (Taktknoten)
  • Stadtbahnhof
  • Sennfelder Bahnhof, derzeit (2016) nur Güterverkehr
  • Haltepunkt Schweinfurt Mitte
  • Güterbahnhof Schweinfurt
  • Containerterminal Schweinfurt

Fernbusse

  • In viele Städte Zentraleuropas, ZOB Bahnhofsplatz
Regionalbusse
  • Omnibusverkehr Franken (OVF)

Stadtbusse

  • 20 Omnibuslinien der Stadtwerke Schweinfurt

Personenschifffahrt

  • Schweinfurter Personenschifffahrt

Taxis

  • Taxigenossenschaft Schweinfurt

Europastraßen

Schweinfurt liegt an zwei Europastraßen:

  • Die europäische Nord-Süd-Achse mit fast 5000 km Länge verläuft auf der A 7 (siehe: Autobahnen).
  • Schweinfurt-Prag. Sie war als durchgehende Autobahn von Schweinfurt bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding geplant, wo sie an die Schnellstraße R 6 über Karlsbad nach Prag anschließen sollte. Im Endausbau wurde die E 48 als durchgehend vierspurige Schnellstraße von Schweinfurt nach Prag angestrebt. Da die Planung der Fichtelgebirgsautobahn im Januar 2009 aufgegeben wurde, verläuft die E 48 nur von Schweinfurt bis Bad Berneck über Autobahnen und läuft dann zunächst als Bundesstraße weiter.

Autobahnen

Bis zum Zweiten Weltkrieg gingen alle Autobahnplanungen vollständig am Raum Schweinfurt vorbei. In Folge der deutschen Teilung und der damit verbundenen Umplanungen (siehe: Strecke 46 und Strecke 85) und der Wiedervereinigung wurde die Stadt zu einem Autobahnknoten in der neuen bundesdeutschen Mitte (siehe: #Lage). Das Herzstück des 1,6 Milliarden Euro teuren Verkehrsprojektes Deutsche Einheit (VDE) Nr. 16, der Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt–Schweinfurt (2005 abgeschlossen), ist der Tunnel Rennsteig. Er ist mit 7916 m längster Straßentunnel Deutschlands und viertlängster zweiröhriger Straßentunnel Europas.

  • An die erste Autobahn durch Unterfranken erhielt Schweinfurt Anfang der 1960er Jahre seinen ersten Autobahnanschluss Schweinfurt-Süd/Wiesentheid über einen 34 km langen Autobahnzubringer. Diese Anschlussstelle wurde später für die Stadt durch drei neue, nähere Autobahnen, völlig bedeutungslos und wurde deshalb in Wiesentheid umbenannt.
  • Sie verläuft in Nord-Süd-Richtung von der dänischen zur österreichischen Grenze: Anschlussstellen Wasserlosen (vormals Schweinfurt/Niederwerrn) und Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A 7/A 70).
  • Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und läuft über Bamberg bis zum Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach (A 70/A 9).
  • Sie endet an der Schweinfurter Stadtgrenze am Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) und läuft über das Autobahnkreuz Erfurt (A 71/A 4) zum Autobahndreieck Südharz (A 71/A 38). In der Planung ist eine Verlängerung bis nach Magdeburg vorgesehen (die jedoch nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wurde) als Teil einer im Endausbau durchgehenden Autobahnverbindung von Schweinfurt bis nach Wismar an der Ostsee und damit einer weiteren Nord-Süd-Achse zwischen der A 7 und der A 9.

Schweinfurter Tangente

A 70 und A 71 bilden um Schweinfurt eine Tangente, die das Stadtgebiet im Westen und Süden umgibt, wo sich auch die Industrie und die meisten Arbeitsplätze befinden. An dieser Schweinfurter Tangente liegen im Nahbereich der Stadt, zwischen Schonungen und Poppenhausen, sieben Anschlussstellen. Dadurch wird das Stadtgebiet im Fern-, Regional- und zum Teil auch im lokalen Verkehr stark entlastet und der Durchgangsverkehrsanteil liegt nur bei ca. 5 %. Die Stadt hat dadurch auch keine Probleme mit erhöhten Umweltbelastungen und Feinstaubwerten, ganz im Gegensatz zum benachbarten Würzburg.

Durch die landschaftsschonenden Autobahn-Anbindungen nur über den Süden und Westen Schweinfurts, mit zwei Westtangenten A 71 und A 7, bleibt der unmittelbare Zugang der Stadt zum waldreichen Naherholungsgebiet Schweinfurter Rhön im Norden und Osten erhalten (siehe: #Wege).

Bundesstraßen

Die Bundesstraßen spielen für Schweinfurt im Fern- und Regionalverkehr, der hier größtenteils über Autobahnen verläuft, nur noch eine geringe Rolle, dienen meist nur als Autobahnzubringer oder dem lokalen Verkehr und wurden deshalb zum Teil im Schweinfurter Raum zu Staatsstraßen zurückgestuft. Schweinfurt liegt an, bzw. bei folgenden Bundesstraßen:

  • Eisenach–Kleines Walsertal. Sie verläuft 2 km vor der Stadtgrenze als Westtangente und wurde zwischen der A 70 und Meiningen herabgestuft.
  • Riedstadt (Rhein)–Bamberg, wurde im Raum Schweinfurt zur Staatsstraße herabgestuft
  • Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck–Arnstein
  • im Bundesverkehrswegeplan 2030: kreuzungsfreie Schnellstraße (mit zwei und abschnittsweise drei Fahrstreifen) vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck bis zur A 3, Anschlussstelle Helmstadt.
  • Enzlar–Bad Brückenau: Kreuzungsfreie Schnellstraße im Abschnitt zwischen A 3, Anschlussstelle Wiesentheid und Schweinfurt-Hafenkreuz. Vom Hafenkreuz bis zur A 70 vierstreifig. Weiterer vierstreifiger Ausbau bis zur Anschlussstelle Schwebheim im Bundesverkehrswegeplan 2030
  • A 7, Anschlussstelle Wasserlosen–Schirnding (Tschechische Grenze)

Um Schweinfurt führt wohl eine der ältesten Umgehungsstraßen der Welt. Die Chaussee Würzburg–Meiningen auf der Trasse der späteren B 19 wurde 1796 fertiggestellt. Mit neuer Linienführung, unter Umgehung zahlreicher Dörfer und mit schnurgeraden Abschnitten wurde die Straße als Chaussee ingenieurmäßig geplant und aus politischen Gründen an der Reichsstadt Schweinfurt vorbeigeführt.

Flugplätze

  • Verkehrslandeplatz: Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt, im 25 Kilometer entfernten Haßfurt, wird auch von größeren Flugzeugen angeflogen.
  • Sonderlandeplatz: Flugplatz Schweinfurt-Süd, mit Graspiste; er dient in erster Linie zum Starten und Landen der Motor- und Segelflugzeuge des Aeroclubs Schweinfurt e. V. und auch als Verkehrsanbindung für Geschäftsflugzeuge und -hubschrauber.
  • Militärflugplatz: An der Stadtgrenze in Geldersheim; bis 1945 Fliegerhorst der Wehrmacht, von 1945 bis 2014 Flugplatzkaserne Conn Barracks der Schweinfurter US-Garnison (siehe: USAG Schweinfurt); seitdem ohne Verwendung.

Hubschrauberlandeplätze

  • Leopoldina-Krankenhaus, für die Notaufnahme
  • Flugplatz Schweinfurt-Süd
  • Conn Barracks, derzeit (2017) nicht genutzt

Wege

Radwege

Das Stadtgebiet und die umgebende Region verfügen über ein dichtes Radwegenetz, das weitgehend überörtlich ausgeschildert ist.

Die Stadt liegt an drei Radfernwegen:

  • Main-Radweg
  • Main-Werra-Radweg
  • Werntal-Radweg

Der 600 Kilometer lange Main-Radweg wurde 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet.

Wanderwege

Der Raum Schweinfurt ist weithin eine Wanderregion auf Grund seiner günstigen Topografie: die Schweinfurter Großindustrie liegt kompakt im südwestlichen Tiefland am Main, mit Kraftwerken, Hochspannungsleitungen und Autobahnen im Trassenbündel, in Hauptrichtung Werneck/Würzburg. Dadurch blieb das Bergland im Norden und Osten eine intakte Natur- und Wanderregion, mit unmittelbaren Zugang von der Stadt. Bereits das Stadtgebiet liegt hier in der Schweinfurter Rhön, mit dem Wildpark an den Eichen, der Peterstirn und der Haardt, wo ein dichtes Wanderwegenetz beginnt, durch weithin unbesiedeltes Gebiet. Wege führen zu Bayerns größtem Nationalen Naturerbe am Brönnhof, zum Ellertshäuser See und bis in die Nachbarlandkreise Bad Kissingen und Haßberge.

Fernwanderwege

Unterfranken ist der waldreichste Regierungsbezirk Bayerns und im Raum um Schweinfurt, unweit südlich der Deutschen Mittelgebirgsschwelle und der einstigen innerdeutschen Grenze, gibt es zahlreiche Naturparks und ein Biosphärenreservat. Ein Nationalpark ist geplant, die Lage aber noch strittig. An der Stadt beginnen drei Fernwanderwege Richtung Norden und Nordosten, durch dünn besiedelte Naturräume:

  • Friedrich-Rückert-Wanderweg vom Geburtshaus Friedrich Rückerts am Marktplatz durch die Schweinfurter Rhön und die Haßberge nach Neuses bei Coburg (143 km).
  • Unterfränkischer Jakobsweg von Schweinfurt zum Kreuzberg/Rhön (928 m, Bergkloster, Klosterbrauerei, Skilifte).
  • Wanderweg zum Schweinfurter Haus am Gangolfsberg (736 m) im Biosphärenreservat Rhön, am Dreiländereck Bayern, Thüringen, Hessen.

Energieversorgung

Die Stadtwerke Schweinfurt betreiben in der Stadt und einigen Randgemeinden ein Stromnetz, Methangasnetz, Fernwärmenetz und ein Kabelnetz. Der Strom wird an der Börse in Leipzig gekauft und die Stadtwerke sind Miteigentümer des Wasserkraftwerkes an der Schweinfurter Main-Staustufe. Das Gas wird vollständig zugekauft. Die Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH bezogen, die am Schweinfurter Hafen das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) betreibt. Neben den Stadtwerken werden damit die größeren Industriebetriebe mit Heißdampf versorgt.

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Stadtgrenze befindet, ist am 27. Juni 2015 stillgelegt worden.

Die Bauarbeiten, an denen 14.000 Menschen beteiligt waren, begannen 1974 durch die Bayernwerk AG. Es wurden zwei 143 m hohe Kühltürme errichtet, die auf über 50 km Entfernung bis nach Mittelfranken zu sehen sind. Am 9. Dezember 1981 ging das Kraftwerk mit einem Druckwasserreaktor und einer elektrischen Bruttoleistung von 1345 Megawatt in Betrieb, arbeitete nahezu störungsfrei und wurde überregional wenig wahrgenommen. Es gab einen Vorfall der INES-Stufe 1 der siebenstelligen Bewertungsskala, alle anderen Vorfälle lagen unterhalb dieser niedrigsten Stufe. Bereits im ersten vollständigen Betriebsjahr 1983 produzierte das KKG mit 9,96 Milliarden Kilowattstunden Bruttostrom mehr als jede andere Anlage weltweit.

Der E.ON-Plan sieht vor, dass der Rückbau 2018 beginnt. Zunächst soll das radioaktive Material aus dem Kontrollbereich ausgebaut werden. Bis 2028 soll der Rückbau abgeschlossen sein, so dass nur noch die Gebäude stehen und das Werk formal aus der atomrechtlichen Überwachung fällt. Der Abriss der Gebäude und der Kühltürme soll danach beginnen und laut Plan 2030/31 beendet sein. Die hochradioaktiven Abfälle sollen ins benachbarte Zwischenlager BELLA kommen, so lange es noch kein zentrales Endlager gibt. Die Betriebsgenehmigung für BELLA gilt bis 2046. Die mittel- und schwachradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wird am KKG eine Bereitstellungshalle BeHa errichtet. Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2  Milliarden Euro kosten. E.on hat bislang (2016) noch kein Konzept, was danach mit dem Werksgelände geschehen soll.

Der wichtige Leitungsknoten bleibt mit dem Anschluss an das Höchstspannungsnetz und das Europäische Verbundsystemnetz bestehen und wird seit Anfang 2015 mit einem weiteren Umspannwerk ausgebaut. Am Knoten wird die geplante SuedLink als Stromtrasse und erstes Großprojekt in Erdverkabelung enden, teilte der Netzbetreiber TenneT mit. SuedLink soll im Rahmen der Energiewende die Stilllegung von Atomkraftwerken durch Windkraft aus dem Norden kompensieren. In Grafenrheinfeld soll ein Konverter gebaut werden, der den Gleichstrom am Ende der SuedLink in Wechselstrom umwandelt.

Öffentliche Einrichtungen

Schweinfurt ist ein wichtiger Schul- und Behördenstandort. Die Zuständigkeitsbereiche mehrerer Behörden erstrecken sich weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurden zwei bayerische Landesbehörden aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

Gerichte

  • Amtsgericht Schweinfurt
  • Landgericht Schweinfurt
  • Bayerisches Landessozialgericht, einzige bayerische Zweigstelle (Hauptsitz in München)
  • Arbeitsgericht, Außenkammer des Arbeitsgerichts Würzburg

Landes- und Bundesbehörden

  • Agentur für Arbeit Schweinfurt
  • Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Bayerisches Landesamt für Statistik, Dienststellen in Schweinfurt und München (Hauptsitz in Fürth)
  • Eichamt
  • Finanzamt Schweinfurt
  • Hauptzollamt Schweinfurt, zuständig für die Regionen um Schweinfurt, Würzburg, Aschaffenburg, Bamberg, Bayreuth und Coburg
  • Staatliches Forstamt
  • Staatliches Gesundheitsamt
  • Staatliches Hochbauamt
  • Staatliches Schulamt
  • Straßenbauamt Schweinfurt
  • Vermessungsamt
  • Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt, zuständig für die Bundeswasserstraße Main im Bereich Schweinfurt und Würzburg
  • Zollamt

rechts

Hochschule für angewandte Wissenschaften

In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) studieren ca. 3200 Studenten. Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule.

Die Hochschule Würzburg-Schweinfurt ist mit insgesamt ca. 9000 Studenten die viertgrößte Fachhochschule in Bayern. In Schweinfurt wurde 2011 östlich des Campus 1 der Campus 2 am Rande der Innenstadt eröffnet.

i-Campus

Derzeit wird von der Hochschule im Rahmen der Internationalisierung (FHWS i-Campus) in Schweinfurt ein dritter Campus aufgebaut. In einem insgesamt 28 Hektar großen Areal der ehemaligen US-Kaserne Ledward-Barracks entsteht im östlichen, innenstadtnahen Bereich der internationale Hochschulcampus i-Campus. Erste englischsprachige Vorlesungen für internationale Studenten begannen bereits im Wintersemester 2014/15 im bestehenden Campus 1. Ein Studentendorf soll angegliedert werden. Auf dem Campus sollen außerdem eine i-Company und eine i-Factory aufgebaut werden, wo u. a. Unternehmen direkten Zugang zu den Forschungseinrichtungen der Hochschule bekommen. Das Geld für das erste Gebäude steht zur Verfügung. Die Planungen begannen bereits und 2017 soll mit dem Bau begonnen werden. „In der schnellsten Konversion aller Zeiten“ soll hier der Vorlesungsbetrieb 2019 beginnen und im Endausbau Raum für 2000 Studenten aus aller Welt bieten.

Uni-Lehrkrankenhaus

Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina-Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Es verfügt mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern über 700 Planbetten und ist ein Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung für die ganze Region. Das Klinikum bildet den Kern eines großen medizinischen Versorgungs-Quartiers, mit Instituten, Ärztehäusern und weiteren Einrichtungen.

Schulen

In Schweinfurt besuchen derzeit rund 19.000 Schüler 50 Schulen. Von den acht staatlichen Grundschulen beherbergen drei eine Mittelschule. Daneben gibt es eine private Grund- und Mittelschule, in der nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird, zwei Realschulen und die Private Real- und Wirtschaftsschule O. Pelzl.

Abitur, die Fachhochschulreife oder das Internationale Abitur kann man in neun Schulen erlangen: in fünf Gymnasien, dem Bayernkolleg Schweinfurt, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der englischsprachigen International School Mainfranken. Das Celtis-Gymnasium wurde 1632 auf Weisung des Schwedischen Königs Gustav II. Adolf als Gymnasium Gustavianum gegründet. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war in den 1970er Jahren mit über 2.000 Schülern größtes Gymnasiums Bayerns. Die englischsprachige International School Mainfranken ist als IB World School von der International Baccalaureate Organization (IBO) zertifiziert und bietet Schülern nach der 10. Jahrgangsstufe den internationalen mittleren Schulabschluss IGCSE und nach der 12. Klasse das International Baccalaureate Diploma (IB-Diploma), vergleichbar mit einem internationalen Abitur, das in über 110 Ländern anerkannt wird. Die Abschlüsse können per Antrag als Mittlere Reife oder Abitur anerkannt werden. Eine Besonderheit stellt das private Lyzeum der Republik Griechenland dar. Der Schulträger ist das Bildungsministerium Griechenlands und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.

Die fünf Förderschulen unterscheiden sich nach ihrer Fachrichtung. Die Julius-Kardinal-Döpfner-Schule ist eine Schule zur Sprachförderung, die Carl-Sonnenschein-Schule zur Erziehungshilfe, die Franziskus-Schule zur geistigen Entwicklung, die Pestalozzi-Schule zur Lernhilfe und die Schule für Kranke in der Region Main-Rhön fördert kranke Kinder und Jugendliche.

Ferner gibt es unzählige Berufsschulen und eine Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Musikschule wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Musikschulen Bayerns.

Gymnasien

  • Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
  • Celtis-Gymnasium
  • Olympia-Morata-Gymnasium
  • Privates Lyzeum der Republik Griechenland
  • Walther-Rathenau-Gymnasium

Schulen des Zweiten Bildungsweges

  • Bayernkolleg
  • Friedrich-Fischer-Schule (FOS/BOS)

Realschulen

  • Walther-Rathenau-Realschule
  • Wilhelm-Sattler-Realschule
  • Private Realschule Pelzl
  • Private Wirtschaftsschule Pelzl

Internationale Schule

  • International School Mainfranken

Haupt-/Mittelschulen

  • Auenschule
  • Albert-Schweitzer-Schule
  • Friedenschule
  • Private Montessori-Schule

Fachakademie

  • Fachakademie für Sozialpädagogik

Fachoberschule

  • Erste Private Fachoberschule Schweinfurt

Berufsschulen

  • Dr.-Georg-Schäfer-Schule Schweinfurt, Staatl. Berufsschule I
  • Ludwig-Erhard-Schule, Staatl. Berufsschule II Schweinfurt
  • Staatl. Berufsschule III Schweinfurt

Sport

Schweinfurt galt als Stadt des Sports. Diese Bezeichnung wird auch heute noch manchmal verwendet, obwohl der Sport hier seit Jahrzehnten keine überregionale Rolle mehr spielt. Die dreimaligen Abstiege des 1. FC Schweinfurt 05 aus der 2. Fußball-Bundesliga führten auch zu einer Abnahme des Bekanntheitsgrades der Stadt. In jüngster Zeit (2016/17) zeichnet sich in einigen Vereinen in ersten Ansätzen wieder eine Trendwende ab.

Vereine

  • 1. FC Schweinfurt 05
  • 1. Radfahrer-Vereinigung 1892 Schweinfurt e. V. (Radball)
  • ERV Schweinfurt Mighty Dogs (Eishockey)
  • Freie Turnerschaft Schweinfurt
  • Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882
  • Turngemeinde Schweinfurt 1848
  • VfR 07 Schweinfurt

Willy-Sachs-Stadion

Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936, einen Monat vor den Olympischen Sommerspielen in Berlin, als Volkspark eröffnet. Es wurde 2001 umfassend saniert, um die Auflagen für die 2. Fußball-Bundesliga zu erfüllen. Am Namen des Stadions, das unter Denkmalschutz steht, wird immer wieder bundesweit wegen der Verbindungen des Stadionstifters Willy Sachs zum Nationalsozialismus Kritik geübt. Bei der Einweihung waren die mit Willy Sachs befreundeten Heinrich Himmler und Hermann Göring anwesend. Der Sportpark mit seinem alten Baumbestand wurde nach dem Krieg erweitert und hat zusammen mit den Sportanlagen benachbarter Vereine und den ehemals amerikanischen Sportanlagen (siehe US-Streitkräfte) eine Fläche von etwa einem halben Quadratkilometer. Das eigentliche Fußball- und Leichtathletikstadion, die sogenannte Hauptkampfbahn, nimmt nur einen kleinen Teil der Fläche des Sportparks ein und hatte ursprünglich ein maximales Fassungsvermögen von 22.500 und heute (2017) 15.000 Plätzen. „Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er-Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Volkspark und Aufenthaltsort für Familien gedacht.“

Anfang der 1960er Jahre, als das Willy-Sachs-Stadion noch zu den größten Sportparks in Westdeutschland gehörte, war geplant, das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik dort zu errichten. Es wurden bereits Baupläne für eine große Sporthalle nördlich der Hauptkampfbahn veröffentlicht. Das Leistungszentrum wurde dann jedoch in Hannover verwirklicht.

Fußball

Der 1. FC Schweinfurt 05 (FC 05) stellte mit Andreas Kupfer den ersten Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland im Spiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 vor 103.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion. In der Rangliste der Vereine mit den meisten Abstellungen zu A-Länderspielen belegt der FC 05 bis heute (2017) den 17. Platz. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellte Schweinfurt in einem Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (beide FC 05) und Robert Bernard (VfR 07 Schweinfurt). Die größten Erfolge des Vereins waren das Erreichen der Endrunden für die deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales im Tschammerpokal, wie der DFB-Pokal damals hieß. In den 1930er und Anfang der 1940er Jahre war der FC 05 nach dem 1. FC Nürnberg die Nummer 2 im bayerischen Fußball. Seit 1931 spielte der FC 05 ohne Unterbrechung in der höchsten nationalen Spielklasse, bis zur Einführung der 1. Bundesliga im Jahre 1963, als der Verein zweitklassig wurde. Zweimal misslang danach der Versuch in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Ein Jahr nachdem der FC Bayern München Meister der Regionalliga Süd wurde und aufstieg, wurde 1966 der FC 05 Meister dieser Liga und scheiterte in der Aufstiegsrunde. Der Verein wurde 1974 Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga, und gleich in der ersten Saison verpasste der FC 05 mit Lothar Emmerich durch ein Unentschieden zu Hause am letzten Spieltag die beiden Relegationsspiele zur 1. Bundesliga. In der Saison 2001/02 gehörte der Verein zum dritten und bisher letzten Mal der 2. Liga an. Seitdem spielt er in diversen Amateurligen, derzeit (2017/18) in der Fußball-Regionalliga Bayern (4. Liga).

Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Arsenal Stadium (Highbury) in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.

Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse, der Gauliga Bayern, im Stadion am Hutrasen. Der größte Erfolg des Vereins war 1940 das Erreichen der zweiten Hauptrunde im Tschammerpokal, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Schweinfurt Gastgeber der Tunesischen Nationalmannschaft. Sie wurde Dritter der Gruppe H und erreichte das Achtelfinale nicht.

Eis- und Rollhockey

Der Eislauf- und Rollschuhverein ERV Schweinfurt hat die derzeit mit Abstand führende Rollhockey-Abteilung Bayerns. Der ERV ist 14facher Meister der 2. Rollhockey-Bundesliga-Süd, spielte auch in der 1. Rollhockey-Bundesliga und stellte einige Zeit die meisten Rollhockey-Nationalspieler. Die Mannschaft hat sich für die neu gegründete eingleisige 2. Bundesliga ab April 2017 qualifiziert, dominierte die Liga und wurde mit großem Punktabstand Meister. Zudem gewann sie 2017 zum vierten Mal in Folge die bayerische Meisterschaft, wo sie als einziger Verein mit der ersten und zweiten Mannschaft teilnahm.

Die größten Erfolge der Eishockey-Mannschaft (seit 2003 Mighty Dogs) des ERV Schweinfurt waren zwei Spielzeiten in der 2. Liga Süd von 1994 bis 1996, die Meisterschaft in der Oberliga Süd/Ost 2003 und die dreimalige Bayerische Eishockey-Meisterschaft 1990, 2009 und 2012. Die Spielstätte der Eishockey-Abteilung ist der überdachte Icedome neben dem Willy-Sachs-Stadion, mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern.

Leichtathletik

Zu den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen Olympischen Ringen im roten Streifen).

Faustball

Die zweite Faustball-Weltmeisterschaft der Männer fand 1972 im Willy-Sachs-Stadion statt, in der die Bundesrepublik Deutschland Weltmeister wurde, vor Brasilien und Österreich. Im selben Stadion gewann 2012 die Schweiz die Faustball-Europameisterschaft der Männer, vor Österreich und Deutschland.

Regattastrecke

Der Schweinfurter Ruder-Club Franken unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main, entlang den Wehranlagen. Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die deutschen Sprintmeisterschaften, der deutsche Rudertag und das deutsche Ruderwandertreffen ausgetragen wurden.

Wissenswertes

Unterschätzte Stadt

In der Serie der ZEIT, Unterschätzte Stadt, war 2014 Schweinfurt vertreten.

Frühester gedruckter Puppenspieltext von 1582

Der Figurenspieler Balthasar Klein aus Joachimsthal besuchte 1582 die Stadt und ließ hier den Text Ein lustiges auch kurtzes und nicht minder nutzes Spiel von der Bußpredigt Jone des Propheten zu Niniue drucken. Diese Schrift ist der älteste gedruckte Puppenspieltext und für die Theaterforschung von großer Bedeutung. Das einzige erhaltene Exemplar wurde in der Bibliothek der Universität Krakau wieder aufgefunden.

Erstes Bodybuilding-Studio Deutschlands

Der US-Amerikaner Harry Gelbfarb wurde 1951 zur Armee eingezogen und später in Schweinfurt stationiert, wo er seine spätere Frau Elly Böttcher, eine Sportlehrerin und Leichtathletin kennen lernte. Nach seiner Armeezeit traf er in Kalifornien bekannte Bodybuilder und eröffnete danach 1956 in Schweinfurt das erste Bodybuilding-Studio Deutschlands. 1959 gründete er mit Mitgliedern seines Studios den ersten deutschen Bodybuilding-Verband (DKB). 1981 organisierte Gelbfarb in seinem Schweinfurter Studio die ersten deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf der Frauen. Für die ersten Frauenmeisterschaften im Bodybuilding formulierte Gelbfarb die Richtlinien mit. Gelbfarb hat „das moderne Zeitalter dieser Sportart in Deutschland eingeleitet“. „Sie waren zu siebt, als Harry Gelbfarb im Jahr 1959 den ersten deutschen Bodybuilding-Verband gründete. Ein halbes Jahrhundert später sind es sieben Millionen Menschen, die in Fitnessstudios ihre Kraft mit Gewichten und Maschinen trainieren“.

Theodor Fischer: ein Vater des Bauhauses

Der am 28. Mai 1862 in Schweinfurt geborene Theodor Fischer, der das humanistische Gymnasium in Schweinfurt (heute Celtis-Gymnasium) besuchte, wurde „als einflussreichster und bedeutendster Architekt vor dem Ersten Weltkrieg“ bezeichnet. Fischer stellte um 1900 den General-Bebauungsplan für München auf, der bis zum Zweiten Weltkrieg verbindlich galt. Er zählt zu den wichtigsten Architekten in der Übergangsphase zwischen Historismus und Moderne. Einerseits kritisierte ihn sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl der Technischen Hochschule Stuttgart, Paul Bonatz heftigst, als „fränkisch verknödelt“. Andererseits wandte sich Fischer von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der modernen Architektur und des Bauhauses. Seine Gedanken im Manifest für die deutsche Baukunst wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. 1932 sowie in einer Rede im Oktober 1933 vor der versammelten NS-Prominenz appellierte er vergeblich für den Erhalt des Bauhauses.

Ludwig Mies van der Rohe und Schweinfurt

40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer (MGS) beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtelsgarten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies van der Rohe die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin an der Potsdamer Straße in den Jahren 1965 bis 1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte und gilt als Meisterwerk am Ende seiner langen Laufbahn. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit Heidemarie Schäfer, der Tochter von Georg Schäfer, verheiratet war.

Wegen seiner Beziehungen zu Schweinfurt fand neben seiner Geburtsstadt Aachen im MGS von Ende Februar bis Ende Mai 2017 die einzige Ausstellung in Deutschland mit Collagen Van der Rohes als Leihgabe des Museum of Modern Art (MoMA) aus New York statt.

Gunter Sachs

Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt am 14. November 1932 geboren. Er war in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt. Nach seiner Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya 1962 war er von 1966 bis 1969 mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet.

Der Fotograf und Kunstsammler führte das Nachkriegsdeutschland aus seiner Provinzialität, machte die Pop Art salonfähig und entdeckte Andy Warhol. Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/14 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dalí und Max Ernst zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.

Lokale Spezialität

Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof Goldener Stern in der Oberen Gasse 36 im Jahre 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte, fränkisch Schlachtschüssel, findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern eher ein Fest in geselliger Runde, über mehrere Stunden, für einen größeren Personenkreis.

Der Ablauf erfolgt nach einem genau überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Mit der wichtigsten Besonderheit, dass das Kesselfleisch auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert wird, von denen auch gegessen wird, an Stelle von Tellern. Dazu gibt es nur Brot, Kren (fränkisch für Meerrettich) und Sauerkraut. Getrunken wird Frankenwein, Weinschorle oder Most; Bier ist verpönt.

Persönlichkeiten

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurt

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