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Schweinfurt
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Stadtplan Schweinfurt
Stadt Schweinfurt
Markt 1
97421 Schweinfurt

http://www.schweinfurt.de

Schweinfurt

160pxAbb. 1 Wappen von Schweinfurt
Basisdaten
Bundesland Bayern
Höhe 226 m
PLZ 97421, 97422, 97424
Vorwahl 09721
Gliederung 15 Stadtteile
mit 23 Bezirken
Adresse der Verwaltung Markt 1
97421 Schweinfurt
Website www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU)

Schweinfurt (vmtl. von altniederländisch Swin, schweinfurterisch: Schweifert) ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken des Freistaats Bayern. Die Industrie- und Hafenstadt am Main ist Oberzentrum, Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Hochschul-, Kunststadt (zwei größere Museen) und fränkischer Weinort. Bei der bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte eingemeindet, mit ihnen hat Schweinfurt 107.400 Einwohner (2017). Das von Mittelgebirgen begrenzte Einzugsgebiet der Stadt hat ca. 600.000 Einwohner. Zu ihm gehören die Region Main-Rhön, geprägt durch Kurbäder und Landadel und der mittlere Teil Südthüringens.

Schweinfurt ist über 2100 Jahre alt und wurde 791 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1000 beherrschten die Markgrafen von Schweinfurt weite Teile Nordbayerns. Vom 12. Jahrhundert bis 1802 war Schweinfurt Reichsstadt, um 1700 humanistisches Zentrum, 1777 begann die Industrialisierung. Im Zweiten Weltkrieg erlitten die Amerikaner ihre größte Luftniederlage über der Stadt, die durch die Wiedervereinigung sehr an Zentralität gewann und zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte wurde. Heute ist die Kernstadt mit 125 Nationalitäten multikulturell geprägt.

Schweinfurt wurde durch Überwindung der Strukturkrise um 1992 nicht deindustrialisiert und ist heute wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns. Schweinfurt wurde nach Zahl der Beschäftigten in der Großindustrie größter Standort Nordbayerns in Folge der Deindustrialisierung Nürnbergs.
Mitarbeiter in den Großfirmen:

Schweinfurt ca. 23.000: ZF Friedrichshafen 9.500 (2019) (), Schaeffler 6.500 (2019) (ebd.), SKF 4.100 (2018) (Wirtschaft in Mainfranken: „SKF Standort Schweinfurt mit ca. 4.100 Mitarbeitern größter Standort weltweit“, August 2018, S. 63), Bosch Rexroth ca. 2.000, Fresenius Medical Care 1.200 (2018) (Angabe Fresenius zum Produktions- und Entwicklungsstandort Schweinfurt).

Erlangen ca. 22.000: alle Siemens (2008), Tendenz seitdem weiterhin fallend. ()

Nürnberg ca. 18.700: Siemens 9.000 (2008), MAN 3.500 (2010), Diehl 3.000 (2010), Bosch 2.000 (2010), Federal Mogul 1200 (2010), Tendenz seitdem ebenfalls fallend. Alle Angaben zu Nürnberg (außer Siemens: siehe Beleg bei Erlangen):

Die Stadt hat die höchste Arbeitsplatzdichte (2015) und das vierthöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Deutschlands (2014) und überholte hierbei die großen Wirtschaftszentren. Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF, der zweitgrößte Schaeffler, der zweitgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen und der DAX-Konzern Fresenius Medical Care haben ihre größten Werke in Schweinfurt.

Weltbedeutende Erfindungen stammen aus der Stadt am Main: das Tretkurbel-Fahrrad von Philipp Moritz Fischer (1853) sowie Fahrradfreilauf (1889) und Rücktrittbremse (1903) von Ernst Sachs. In Schweinfurt wurde 1652 die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet. Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.

Geographie

Lage

Schweinfurt liegt nahezu in der Mitte der Europäischen Union, des deutschen Sprachraums und der DACH-Region sowie an der Großschifffahrtsstraße Main, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Die Stadt liegt jeweils etwa 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt und ist auf der Deutschlandkarte leicht lokalisierbar, am Beginn des Maindreiecks, dem flussabwärts das Mainviereck folgt.

Schweinfurt liegt in einer geografisch wie klimatisch sehr gegensätzlichen Region, zwischen den Mainfränkischen Platten im Süden, wo in einer der heißesten Stadt Deutschlands Kitzingen neuerdings Palmen wachsen und der Mittelgebirgsschwelle im Norden, mit dem internationalen Wintersportort Oberhof im Thüringer Wald. Schweinfurt liegt in der Mitte Mainfrankens, das von Rhön, Haßbergen, Steigerwald und Spessart umgeben wird. 20 km nordwestlich der Stadt liegt Bad Kissingen. Die Stadt besitzt eine zentrale und gleichzeitig naturnahe Lage, umgeben von Sennfelder Seenkranz, Schweinfurter Rhön mit Nationalem Naturerbe Brönnhof, Naturpark Haßberge, Naturpark Steigerwald und Biosphärenreservat Rhön. In Sichtweite der Stadt liegen Steigerwald und Rhön.

Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt am Main, auf 202 m ü NN, der höchste auf 343 m ü NN in der Schweinfurter Rhön. Industrie, Kraftwerke und Haupterschließung der Stadt liegen kompakt und landschaftsschonend im südwestlichen Stadtgebiet, um Hauptbahnhof und Hafen.

Neue Zentralität

In Folge des Falls des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. 2005 wurde die Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt– Schweinfurt als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 (VDE 16) fertiggestellt, mit zehn Millionen Euro pro Kilometer teuerste Autobahn Deutschlands. Die Autobahnen in der Region Schweinfurt sind nahezu staufrei und es gab auf ihren 165 Kilometern 2017 und 2018 jeweils nur halb so viele Unfälle wie auf den nur 144 Autobahn-Kilometern der benachbarten Region Würzburg.

Bei der Bahn erlangte Schweinfurt 2017 durch das 10 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) weitere Zentralität. Berlin ist nun von Schweinfurt unter dreieinhalb Stunden erreichbar, mit Umstieg im benachbarten Bamberg in den ICE der neuen 300 km/h Hochgeschwindigkeitsstrecke. Über die westlich vorbeiführende Hochgeschwindigkeitsstrecke, mit Umstieg in Würzburg, sind München ab 2:33 Stunden und Hamburg ab 3:57 Stunden erreichbar. Berlin und München sind nun von Schweinfurt etwa eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt a. M. zu erreichen und Paris ab 6:22 Stunden. Im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive erhält Schweinfurt bis spätestens Dezember 2028 einen direkten IC-Anschluss, durch den neuen IC Bamberg–Stuttgart–Tübingen. Zudem besitzt Schweinfurt unter allen deutschen Städten das dichteste Netz an Haltestellen im öffentlichen Personennahverkehr. Alle Autobahnen mit der ersten Ziffer „7“ führen in Richtung Schweinfurt (bzw. in Gegenrichtung), mit Ausnahme des nördlichen Teils der A 73. Unweit der Stadt kreuzt der 50. Grad nördlicher Breite (siehe oben: N 50 °), der der Mainlinie und A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (O 10 °), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas Dänemark – Norditalien und der A 7 ist. Am Schnittpunkt der beiden Grade, 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck, an der B 26a, befindet sich ein Schnittpunkt-Denkmal.

151011-154548 Bene-Pano.jpg|Blick vom Zabelstein im Steigerwald
über das Schweinfurter Becken Richtung StadtEhemalige Spinnmühle in Schweinfurt.jpg|Main mit Altstadt, links das ehemalige Fischerviertel FischerrainSchweinfurt Am unteren Marienbach Greiferdrehkran-003.JPG|Blick von der Maxbrücke zur Schweinfurter RhönSchloß Bismarckshöhe Herbst 19.10.2008 006.jpg|Schweinfurter Mainbogen mit Dorf und Schloss Mainberg und Weinbergen, rechts Wehranlagen (Stadtpark)Schweinfurt 2012 022.jpg|Main-Eisgang Februar 2012
an der Böckleinsinsel

Schutzgebiete

Im Stadtgebiet befinden sich ein Naturschutzgebiet mit dem Namen Saumain in der Stadt Schweinfurt, zwei Landschaftsschutzgebiete, zwei FFH-Gebiete (Stand März 2016) und ein Geotop.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete in Schweinfurt, Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Schweinfurt und Liste der Geotope in Schweinfurt

Weinbau

Der örtliche Weinbau hat nur noch eine sehr geringe wirtschaftliche, aber nach wie vor kulturelle Bedeutung für die Stadt. Er ist für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart wichtig. Schweinfurt ist heute ein großlagenfreier Weinort im Fränkischen Weinbaugebiet, im Bereich Volkacher Mainschleife, mit 3,54 ha bestockter Rebfläche (2017).

In Schweinfurt wird wahrscheinlich seit weit über 1000 Jahren Weinbau betrieben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bedeutende fränkische Weinbau- und Weinhandelsstadt. Zum Ende der Reichsstadtzeit 1802 waren es etwa 320 ha Rebfläche, was dem größten heutigen fränkischen Weinbauort Nordheim am Main entspricht (2017: 319 ha). Große Teile heutiger Stadtviertel, bis nahe an den Rand der Altstadt, befinden sich auf ehemaligen Weinbergen. Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern. Die Verbindung Goethes zum Schweinfurter Wein geht aus sieben Goethebriefen hervor, die im Goethe-Schiller-Museum in Weimar verwahrt werden.

Die Reblaus tauchte 1902 in Franken auf, sie traf den Schweinfurter Raum besonders hart. Seit den 1980er Jahren wird wieder planmäßig am Ostrand der Stadt, in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau mit der Leitsorte Silvaner betrieben. Durch die fast vollständige Unterbrechung des Weinbaus blieben die Weinberge von der Zuordnung zu Großweinlagen und der großen Flurbereinigung der 1970er Jahre verschont, bei der meist die historischen Strukturen zerstört wurden. Die kleine Wein-Kulturlandschaft am Schloss Peterstirn blieb dadurch unversehrt erhalten. Auf der Peterstirn befindet sich ein Weingut im Familienbesitz, wo zweimal jährlich ein Weinfest stattfindet (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

Klima

Regionales Klima

Typisches Kennzeichen ist der relativ geringe Niederschlag, mit knapp über 600 mm pro Jahr, durch die Lage der Stadt östlich des Landrückens Rhön–Spessart, auf der Leeseite. Die Winter sind mitunter sehr kalt, aber durch die für bayerische Verhältnisse niedrige Seehöhe die Übergangszeiten mild und die Sommer warm bis heiß. Während in den höher gelegenen Regionen Süddeutschlands der Frühling spät einzieht und in Folge der Klimaerwärmung heute relativ schnell in den Sommer übergeht, zieht das Frühjahr im Schweinfurter Becken bald ein und ist sehr ausgeprägt. Das führt zur frühen Obstblüte, vielfältiger Flora und guten klimatischen Bedingungen für Spargel- und Weinbauanbau (siehe: Weinbau).

Im Kontinentalitätsgrad liegt das örtliche Klima im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima. Dieses bereits gemäßigte Kontinentalklima, im Dreiklang mit geringem Niederschlag, kalten Wintern und warmen Sommern kommt sonst in Westdeutschland nirgends vor, ist aber in Ostdeutschland weit verbreitet. Die Schweinfurter und Berliner Klima-Eckdaten sind nahezu identisch. Der Spessart bildet die Klimascheide zum maritimen Klima.

Stadtklima

Der städtische Wärme-Insel-Effekt ist geringer als beispielsweise in der Nachbarstadt Würzburg, da Schweinfurt nicht in einem Talkessel liegt, verhältnismäßig locker bebaut ist und das Maintal in der Hauptwindrichtung von Ost nach West verläuft. Zudem grenzen Seen, Flussauen, Schweinfurter Rhön und Schwebheimer Wald an die Stadt. Die Winter sind ziemlich trocken. Ein Großteil des Niederschlags fällt im Hochsommer in kurzen Gewittergüssen, weshalb Schweinfurt 2015 Deutschlands Blitzhauptstadt wurde, mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer vor Cottbus (4,3/km²) und Garmisch-Partenkirchen (4,1/km²).

Kulturelle Prägung

Schweinfurt ist die nördlichste größere Stadt mit vollkommen süddeutscher Prägung.

Trotz der deutschen Mittellage an der Mainlinie ist Mainfranken ethnisch und kulturell ausschließlich süddeutsch geprägt und ist insofern dem Alpenraum näher als Frankfurt am Main. Mainfranken liegt im Bereich des Oberdeutschen und im Verbreitungsgebiet des Grußes Grüß Gott, man feiert Fasching statt Karneval und spielt(e) Schafkopf statt Skat. Schweinfurt war nie preußisch, liegt also südlich der einstigen Hegemonialgrenze Preußen/Bayern-Österreich. Andererseits ist der unterfränkische Dialekt, im großen Gegensatz zum Bairischen, dem bis in die äußerste Nordostecke Frankreichs reichenden Südfränkischen sehr ähnlich. Dasselbe gilt für Landschafts- und Ortsbilder.

Das Schweinfurter Land gehört zu den Regionen mit den ältesten Dörfern Deutschlands. Es ist ein Zentrum der Fränkischer Tracht und des Brauchtums, mit Kirchweihen (Kerm) und Weinfesten. Hinzu kommt bei den Schweinfurter Vororten die für Franken typische Mischung protestantischer und katholischer Orte. Die protestantischen Vororte waren Reichsritterschaften bzw. Sennfeld und Gochsheim Reichsdörfer, von denen es im Heiligen Römischen Reich insgesamt nur acht gab. Zudem überlappt sich im östlichen Teil der Region Weinfranken mit Bierfranken.

Durch die zahlreichen Faktoren besitzt die Region Schweinfurt ein hohes Maß an Lokalkolorit.

Siehe auch: Schweinfurter Dialekt

Stadtgliederung

Bei der Bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte eingemeindet, weshalb das Stadtgebiet nur die Kernstadt und das 1919 eingemeindete Oberndorf umfasst. Das Stadtgebiet wurde in 23 statistische Bezirke eingeteilt, die in 15 Stadtteilen zusammengefasst sind. Das Bergl war langezeit bevölkerungsreichster Stadtteil, mit 13.000 Einwohnern um 1970. Mit nur noch 9.163 Einwohnern lag es Ende 2017 nur noch an zweiter Stelle, nach der Innenstadt, mit inzwischen 11.276 Einwohnern.

Schweinfurt-Altstadt.jpg|Schweinfurt, Rüfferstraße 1-002.jpg|

Schweinfurt, Villa Gademann 20170513 001.jpg|Kreuzbergstr. 2-10 - panoramio.jpg|

Stadtgliederung und Sozialstruktur
Nr. Bezirk Einwohner
31. Dezember 2015
Ausländer
(%)
Doppelstaatler
(%)
11 Altstadt (zur Innenstadt) 2.529 17,7 6,9
12 Innenstadt-West 4.291 29,4 15,7
13 Innenstadt-Nord 3.994 23,0 13,1
21 Bergl 9.162 18,8 23,9
22 Musikerviertel 3.103 20,4 20,1
31 Nordwestlicher Stadtteil 3.314 19,1 15,5
32 Gartenstadt 2.787 6,6 9,4
33 Nördlicher Stadtteil 3.024 11,9 16,6
34 Haardt 1.779 7,4 17,4
35 Eselshöhe 2.561 4,3 13,9
41 Hochfeld/Steinberg 5.126 7,6 10,8
42 Nordöstlicher Stadtteil 2.734 7,4 8,2
43 Deutschhof-Süd 1.855 6,1 26,3
44 Deutschhof-Mitte 1.454 9,6 27,4
45 Deutschhof-Ost 962 7,3 25,7
46 Deutschhof-Nord 963 6,0 14,6
47 Deutschhof-Zeilbaum 784 1,9 11,4
51 Hafen-Ost 244 7,8 7,4
52 Hafen-West 22 50,0 4,5
53 Badesee am Schwebheimer Wald 4 0,0 0,0
54 Maintal 2 0,0 0,0
61 Oberndorf-Süd 1.135 11,3 9,7
62 Oberndorf-Mitte 1.326 16,1 13,7
nicht zuzuordnen 47 2,1 25,5
Schweinfurt insgesamt 53.202 14,6 16,2

Geschichte

Anfänge

Siedlungsspuren lassen sich auf heutigem Stadtgebiet an diversen Stellen seit 7500 Jahren nahezu lückenlos nachweisen. Die erste Siedlung des historischen Schweinfurts (Dorf Altstadt) lag ebenfalls am Main, zwischen Höllenbach und Marienbach, 1 km östlich der später gegründeten Reichsstadt, die der heutigen Altstadt entspricht. Das Dorf Altstadt ist in den ersten Anfängen mindestens 2100 Jahre alt.

Herkunft des Stadtnamens

Nicht das Schwein, sondern der Swin hat der Stadt ihren Namen gegeben. Das Wort stammt wahrscheinlich nicht aus dem Althochdeutschen, sondern wurde von den Franken aus ihren ursprünglichen Gebieten um Maas und Schelde mitgebracht. Im Hölländischen bezeichnet Zwin (Aussprache Swin) einen Priel, einen Wasserlauf in Watt und Marsch. Swin bedeutet im eigentlichen Sinn abnehmen („schwinden“), was sich in diesem Zusammenhang auf das seichte Wasser einer Furt bezieht. Das Wort war auch im Altsächsischen in Gebrauch, worauf mehrere Orte namens Swinford auf den Britischen Inseln hinweisen. Ferner auch Swinemünde an der Swine. Der Siedlungsname ist wie folgt belegt:

  • 720 Suinuurde.
  • 791 Suuinfurtero (erste urkundliche Erwähnung).
  • 804 Suuinfurte.
  • ? Swinfurt.
  • ? Swinvordi.
  • 1230 Swinfurthe.
  • 1254 Swinvorde
  • ? Sweinvort.
  • 1500 Sweynfurt.
  • ? Schweinfurt

Frühmittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung Schweinfurts (Dorf Altstadt) erfolgte im Jahr 791.

Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941 mit der Nennung des Grafen Berthold als erstem Glied des Hauses der Grafen von Schweinfurt. Er nahm eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet, dem Herzogtum Franken, ein. Berthold gab dem König des Ostfrankenreichs Otto I. (936-973), der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto I. die Grafschaften für den Folkfeld- und den Radenzgau sowie die Markgrafschaft für den Nordgau, in etwa die heutige Oberpfalz. Dadurch war er und ab 980 sein Sohn Heinrich der mächtigste weltliche Adelige auf dem Gebiet des heutigen Nordbayern. Später unterstützte Graf Heinrich (Hezilo) den ostfränkischen König Heinrich II. (1002–1024, ab 1014 römisch-deutscher Kaiser) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde von Baiern zugesagt. Nach der Wahl löste jedoch Heinrich II. (HRR) das Versprechen nicht ein. Daraufhin kam es 1003 zur Schweinfurter Fehde. Graf Heinrich verlor seinen gesamten Besitz. Die entzogenen Königsgüter bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg. Hezilo behielt jedoch seinen Besitz um den Burgberg Peterstirn. Das Geschlecht, in dem Judith von Schweinfurt zu einer zentralen Figur der Alt-Schweinfurter Stadtgeschichte wurde, starb im Mannesstamm 1057 aus und spätestens dieses Jahr markiert das unumstrittene Ende der bedeutenden Rolle der Markgrafen von Schweinfurt.

Zu den Anfängen der heutigen Altstadt aus dem 12. Jahrhundert, 1 km mainabwärts (westlich) der bisherigen Siedlung zwischen Marienbach und Höllenbach, gibt es unterschiedliche Ansichten. Die von einem allmählichen Aufbau bis zu einer geplanten Civitas Imperii (Reichsstadt), also einer Gründungsstadt, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa, unter Verwendung von vorhandenem Königsgut, reichen. Im Kampf um die Vorherrschaft in Mainfranken zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). Es ist jedoch umstritten, ob diese Zerstörung noch in der alten Siedlung zwischen Höllenbach und Marienbach erfolgte und somit ein Grund für den Neuaufbau der Stadt an der weiter westlich gelegenen, heutigen Stelle war oder ob die Zerstörung bereits hier stattfand. In einem Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254 heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen (...Swinforde, que olim imperii civitas fuerat). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Stadtzerstörung Bezug genommen wird. Jedoch ist dieser Brief der erste urkundliche Nachweis von Schweinfurt als Reichsstadt und somit auch als Ort mit Stadtrecht.

Territorium der Reichsstadt Schweinfurt von 1620–1802<br />und umgebende Gebiete

Spätmittelalter

Die (innere) Stadtbefestigung der neuen Stadt wurde errichtet und erstmals 1258 urkundlich erwähnt, sie ist am Marienbach heute noch weitgehend erhaltenen. 1282 wurde Schweinfurt von Rudolf von Habsburg (1273–1291) als Reichsstadt bestätigt. Durch Verpfändung kam 1309 Schweinfurt an die Henneberger, die von 1310 bis 1427 eine Reichsburg im Stadtteil Zürch unterhielten. Die Gefahr dem Reich auf Dauer entfremdet zu werden konnte nur durch Selbstauslösung (1361/1385) unter großen finanziellen Opfern gebannt werden. In Folge stärkten zahlreiche königliche Privilegien die Kommune in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht.

Im 15. Jahrhundert begann der Aufbau eines Territoriums um die Kernstadt, der sich bis 1620 hinzog. 1436 wurde die unmittelbar südwestlich an die Stadtmauer grenzende alte Fischersiedlung Fischerrain, deren Ursprünge im Dunkel der Geschichte liegen, in die Stadt eingegliedert. Auf Grund positiver wirtschaftlicher Entwicklung kann die Stadt 1436 den Vorort Oberndorf erwerben. 1436/37 erhielt der Rat der Stadt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Burg auf der Peterstirn sowie das zugehörige Landgebiet mit mehreren Dörfern.

Frühe Neuzeit

1542 schloss sich Schweinfurt der Reformation an.

Im Zuge des Zweiten Markgrafenkrieg wurde die Stadt 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Dies ging als Zweites Stadtverderben in die Stadtgeschichte ein (nach dem Ersten Stadtverderben um 1245, siehe: Frühmittelalter). Der Wiederaufbau zog sich bis 1615 hin. In dieser Form blieb die Altstadt, mit Ausnahme später modernisierter Befestigungsanlagen, bis ins frühe 19. Jahrhundert fast unverändert.

Nach der Bethbeschreibung (einer Steuer auf Haus-, Grundbesitz und Gewerbe) von 1585 zeigen der Anteil der Oberschicht am Steueraufkommen (8 % der Haushalte, 30 % des Steueraufkommens bzw. Vermögens), als der Unterschicht (56 % der Haushalte, 25 % des Vermögens) ein sozioökonomisches Profil.

1609 trat die Stadt der Protestantischen Union bei (siehe Evangelisch-lutherisch). Das reichsstädtische Territorium wurde 1620  zudem noch um Madenhausen ergänzt. Durch die Zuerwerbe hatte das Territorium der Reichsstadt nun von Südwesten nach Nordosten eine Ausdehnung von 17 km. Dadurch war von der Stadt Schweinfurt über den Ritterkanton Baunach ein nahezu durchgehender protestantischer Korridor durch die Hochstifte Würzburg und Bamberg ins protestantische Herzogtum Sachsen entstanden.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) kam 1632 der schwedische König Gustav II. Adolf in die Stadt. Der Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel errichtete sein Hauptquartier in Schweinfurt. In den 1640er Jahren wurde die Stadtmauer von Wrangel zu einer modernen Befestigungsanlage ausgebaut (siehe: Stadtmauer). Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt weder zerstört noch nennenswert beschädigt. Die beiden bekanntesten (nebenstehenden) Abbildungen der Reichsstadt stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Gescheiterte Universitätsgründung

Die Reichsstadt Schweinfurt war eine humanistische und protestantische Insel innerhalb des Hochstifts Würzburg und in Nachbarschaft zum Hochstift Bamberg, auf der ein enormer politischer Druck lag. Knapp hundert Jahre nachdem in Schweinfurt 1652 die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (heute Nationale Akademie der Wissenschaften) gegründet wurde, gab es in Würzburg die letzte Hexenverbrennung. Auf Weisung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf wurde 1632 in Schweinfurt das Gymnasium Gustavianum, das heutige Celtis-Gymnasium, gegründet. Zudem wollte Gustav Adolf in der Stadt als protestantischen Gegenpol zum Hochstift Würzburg eine Universität gründen. Er nahm im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Ländereien weg und schenkte sie der Reichsstadt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde letztlich durch seinen Tod 1632 in der Schlacht bei Lützen vereitelt.

Späte Neuzeit

Das Jahr 1777 markierte den Beginn der Industrialisierung der Stadt, mit ihrer über 240 Jahre alten Industriegeschichte, durch die Errichtung einer Bleiweißmühle von J. W. Schmidt. Weitere fabrikähnliche Anlagen dieser Art entstanden an der Bellevue und im benachbarten Vorort Niederwerrn.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern, drei Jahre bevor das Königreich Bayern gegründet wurde. 4000 Menschen demonstrierten am Roßmarkt gegen den Anschluss. Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel Schweinfurt 1814 an das Königreich Bayern. Die zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer wurden ausgegliedert. Dadurch verlor Schweinfurt etwa zwei Drittel seines Gebietes. 1852 erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn von Bamberg zum Stadtbahnhof der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Der Centralbahnhof (heute Hauptbahnhof) wurde in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern auf Oberndorfer Gemarkung als Personen- und Güterbahnhof angelegt, mit dem Ziel, möglichst viel Raum für die erwartete Industrialisierung um den Bahnhof zu lassen, die bis Ende der 1930er Jahre hier auch erfolgt war. Die Schweinfurter Straßenbahn verband als erste kommunale Straßenbahn Bayerns von 1895 bis 1921 den Hauptbahnhof mit dem Stadtzentrum.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten waren die 1930er Jahre in Schweinfurt eine der wichtigsten Epochen der Stadtentwicklung. Die Mitarbeiterzahl der metallverarbeitenden Großfirmen stieg bis 1939 auf 20.700 an. Dadurch kam es zu einem Bauboom und die Weichen für die moderne Stadtentwicklung wurden gestellt.

Zweiter Weltkrieg

Der Luftkrieg über Schweinfurt unterschied sich von den anderen Städten. Nicht die einheimische Bevölkerung, sondern die angreifende Luftwaffe erlebte einen Schicksalstag. Die örtliche, kriegswichtige Wälzlagerindustrie war eine Schlüsselindustrie, da ohne Wälzlager kein Panzer fahren oder Flugzeug fliegen kann. Albert Speer, ab 1942 Reichsminister für Bewaffnung und Munition, sagte dass bei Ausfall der Schweinfurter Industrie der Krieg zwei Monaten später zu Ende gewesen wäre. Deshalb hatte die Stadt die beste Luftverteidigung Deutschlands.

Die United States Army Air Forces (USAAF) erlitt in Luftkämpfen über der Stadt ihre größten Verluste. Insgesamt wurde in 15 größeren und sieben kleineren Luftangriffen die Stadt zu 40 % und das Industriegebiet zu 80 % zerstört, was als Drittes Stadtverderben bezeichnet wird (nach dem Zweiten Stadtverderben von 1554, siehe: Frühe Neuzeit). Jedoch wurde bei den Luftangriffen kein Feuersturm entfacht, im Gegensatz zum benachbarten Würzburg, wo in einem einzigen Angriff die gesamte Stadt zu 80 % zerstört wurde.

Nach dem verheerenden Versagen der Luftabwehr bei der vorangegangenen Operation Gomorrha in Hamburg hatte die deutsche Luftwaffenführung ihren Widerstand gegen neue Waffen aufgegeben. Erstmals kamen über Schweinfurt in größerer Zahl Luft-Luft-Raketen zum Einsatz. Der erste Luftangriff der Alliierten erfolgte am 17. August 1943, im Rahmen der Operation Double Strike der USAAF mit 376 Bombern. 36 Bomber wurden daraufhin abgeschossen und 122 beschädigt. Der zweite Angriff am 14. Oktober 1943 führte die USAAF in die Katastrophe, sie erlitt über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage. Der Tag ging später als Black Thursday (Schwarzer Donnerstag) in die Geschichte der amerikanischen Luftwaffe ein. Von insgesamt 291 Bombern bei diesem Angriff verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber und weitere 121 wurden so schwer getroffen, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnten. Unter den Bomberbesatzungen gab es mit 600 Todesopfern weit mehr als unter der Zivilbevölkerung. Darauf waren bei den Alliierten Bomberbesatzungen Angriffe auf Schweinfurt gefürchtet.

Moderne

Amerikaner in Schweinfurt

Am 11. April 1945 marschierte die US Army in die Stadt ein, nachdem sie vorher zwei Tage lang von Artillerie beschossen wurde. In die 1946 in Ledward Barracks umbenannte Panzerkaserne wurde das Hauptquartier der neu gegründeten U.S. Army Garrison Schweinfurt (USAG Schweinfurt) gelegt. Im Kalten Krieg hatte die USAG Schweinfurt die höchste Konzentration von US-Kampf-Einheiten in der Bundesrepublik Deutschland. Von den 1950er bis in die späten 1990er Jahre wurde daneben sukzessive eine zivile Infrastruktur aufgebaut, die der einer amerikanischen Kleinstadt entsprach und in Folge der Schließung vieler anderer deutscher US-Standorte wurde Schweinfurt schließlich zu einem der größten US-Standorte Europas.

Seit den 1990er Jahren veränderte sich das Bild gegenüber der herkömmlichen Vorstellung eines US-Standorts erheblich und die USAG Schweinfurt bekam zivileren Charakter. Mit den Berufssoldaten kamen viele Familienangehörige, die schließlich in der Mehrheit waren. Zudem bemerkte man den sozialen Wandel in den USA, hin zu einer multikulturelleren Gesellschaft, mit mehr Farbigen, Latinos und Asiaten. Amerikaner brachten eine multikulturelle Bereicherung, mit einer, im Vergleich zu anderen Städten, exotischeren Veranstaltungs- und Diskothekenszene (siehe: Nachtleben).

Die Umstrukturierung der US-Streitkräfte wurde 2014 mit der Auflösung des Standorts Schweinfurt abgeschlossen. Die USAG Schweinfurt umfasste Areale von 29 km². Die Ledward Kaserne wird derzeit (2019) zum neuen Stadtteil Carus-Park umgebaut. Hauptnutzer wird die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), mit einem Internationalen Hochschulcampus, dem i-Campus Schweinfurt.

Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt

Wiederaufbau und Nachkriegszeit

Ein schneller, planmäßiger Wiederaufbau der Stadt war auf Grund des Zerstörungsgrades von 40 bis 45 % nicht nötig, sondern er zog sich über mehrere Stilepochen hin. So blieb Schweinfurt ein tristes Nachkriegs-Stadtbild erspart (siehe: Stadtbild). Wie viele andere westdeutschen Städte erlebte auch Schweinfurt in den 1950er und 1960er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswunder und die Großindustrie boomte. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken wurden ab 1960 Gastarbeiter angeworben.

Die meisten Bauprojekte der Nachkriegszeit wurden unter der Ägide des Oberbürgermeisters Georg Wichtermann (SPD, 1965–1974) verwirklicht, in der von der SPD mit absoluter Mehrheit regierten Stadt. Zahlreiche neue Wohn-Stadtteile entstanden. Durch den Sprung über den Main (ab 1963) entstanden südlich des Mains der Gewerbepark Hafen-Ost und das neue Industriegebiet Hafen-West. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, u. a. mit dem Mainhafen (1963) und der heutigen Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (1971).

Nach erfolgtem Wiederaufbau und den Boomjahren stand die Zeit des Oberbürgermeisters Kurt Petzold (SPD, 1974–1992) unter den Zeichen von Konsolidierung, aber auch von Ölkrise und Rezessionen, mit Stellenabbau in der örtlichen Großindustrie. In der Stadt gab es nun, trotz weiterhin positiver Wanderungsbilanz, Einwohnerrückgang infolge eines enormen Geburtendefizits, wie überall in Deutschland. 1979 begann die Altstadtsanierung, als Anfangspunkt einer bis heute andauernden, 40 Jahre langen Umgestaltung der Stadt, mit erfolgtem Imagewandel, von der Grauen-Maus-Industriestadt zur Stadt hoher Lebensqualität. 1981 wurde das große städtische Klinikum Leopoldina-Krankenhaus eröffnet.

Gesellschaftliche Umbrüche

Seit den 1970er Jahren verließen viele jüngere Familien und auch alteingesessene Bürger die engen politischen Grenzen der Stadt und zogen in die Vororte, wodurch ein Speckgürtel entstand. Die Kernstadt wurde nun zunehmend von Segregation bestimmt, im Zusammenspiel mit abnehmender deutscher Bevölkerung in Folge der Demografie. In den innerstädtischen und westlichen Wohngebieten, die nicht mehr den neuen, gehobenen Ansprüchen entsprachen, fand vielfach ein Bevölkerungsaustausch statt. Migranten zogen in freiwerdende, preiswerte Wohnungen und es kam so zu keinen Leerständen. Dadurch bildeten sich neben den bürgerlichen Vierteln im Norden und Osten der Stadt durch Ethnizität geprägte Viertel, insbesondere im Westen. Es entstanden dadurch Viertel unterschiedlichster Ethnie, wie in sehr großen Städten. Heute liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Kernstadt bei fast 50 %. Sie steht in einem beispiellosen Gegensatz zum Speckgürtel und dem weiteren Umland, das bürgerlicher als vielerorts geprägt ist und ein Zentrum fränkischen Brauchtums und Tradition darstellt.

Die Ära Grieser 1992–2010

In der von der SPD dominierten Stadt gelang es der CSU 1992 erstmals den Oberbürgermeister zu stellen, mit der politischen Quereinsteigerin Gudrun Grieser. Die bayerische Staatsregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) begleitete den historischen Machtwechsel wohlwollend und Teile des Bayerischen Landessozialgerichts und des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden von München nach Schweinfurt verlegt.

Während der Amtszeit Griesers stabilisierte sich ab Mitte der 1990er Jahre die wirtschaftliche Lage, 4500 neue Industriearbeitsplätze und rund 6000 Jobs im Dienstleistungsbereich entstanden, was schließlich bis zur Weltwirtschaftskrise 2009 in einer Boom-Phase von 2005–2008 mündete. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe.

In der Grieser-Ära wurde das neue Motto der Stadt Industrie und Kunst entwickelt. Sehr viele Projekte, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten Jochen Müller (SPD) gaben der Stadt ein neues Gesicht, setzten in der Architektur neue, überregional beachtete Zeichen und wurden mit zahlreichen Architekturpreisen honoriert. Unter den vielen verwirklichten Projekten sind der neue Industrie- und Gewerbepark Maintal (ab 1995), das Museum Georg Schäfer (2000), das Konferenzzentrum Maininsel (2004), die Stadtbücherei im Ebracher Hof (2007), die Kunsthalle Schweinfurt (2009), die Stadtgalerie Schweinfurt (2009) mit Umgestaltung der Weststadt und dem neuen DB-Halt Schweinfurt-Mitte, das Jugendgästehaus (2009), der Gesundheitspark Schweinfurt (ab 2009) und der Campus 2 der Hochschule für angewandte Wissenschaften besonders zu erwähnen. Die Ära Grieser bleib bis heute stadtbildprägend, wie keine andere Epoche seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg und veränderte das Stadtimage nachhaltig.

Gegenwart

Unter dem neuen Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU, seit 2010) wurde das Großprojekt Neue Hadergasse umgesetzt. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen weiter und die Stadt konnte Rücklagen ansparen. Diese werden aktuell für das Mammutprojekt US-Konversion eingesetzt, das zu den derzeit fünf größten Militär-Konversionsprojekten Deutschlands zählt. Besonders hervorzuheben sind hierzu der Carus-Park mit dem i-Campus Schweinfurt und der neue Stadtteil Bellevue.

Weitere Großprojekte sind derzeit (2019) in Planung, so die Neuordnungen der Areale des Leopoldina-Krankenhauses und der städtischen Museen durch das Kulturforum Martin-Luther-Platz. Die sogenannte Stadtkasse hinter dem Rathaus weicht einem siebengeschossigen Rathaus-Neubau, der 2022 fertiggestellt sein soll.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl und die Einwohnerentwicklung Schweinfurts ist mit anderen Städten nicht vergleichbar, da bei der bayerischen Gebietsreform in Folge wahltaktischer Überlegungen örtlicher CSU-Mandatsträger keine Vororte eingemeindet wurden. Schweinfurt umfasst deshalb im Ggs. zu fast allen anderen deutschen Städten nur die Kernstadt und wurde zur flächenkleinsten kreisfreien Stadt Deutschlands. Schweinfurt besitzt beispielsweise weniger als die halbe Fläche des Vorortes Schonungen und nur die halbe Fläche der nahen Kurstadt Bad Kissingen.

1939 hatte Schweinfurt 50.000 Einwohner und 1970 den bisherigen Höchststand mit 58.500 Einwohnern. Während danach, insbesondere im Zuge der Gebietsreformen, nahezu alle anderen deutschen Städte demografisch bedingte Einwohnerabnahmen durch Eingemeindungen ausgleichen konnten, sank in Schweinfurt die Einwohnerzahl bis 1987 auf 52.000. Danach stieg sie bis 1996 in Folge der Spätaussiedler wieder auf 56.000 an. 2014 fiel die Einwohnerzahl mit 51.600 auf den tiefsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre.

Danach trat entgegen der Prognosen des Bayerischen Landesamt für Statistik und der Bertelsmann-Stiftung, die beide lediglich die demografische Entwicklung fortschrieben, eine positive Wende ein; aufgrund mehrerer nicht berücksichtigter Faktoren: Flüchtlinge, US-Konversion, i-Campus Schweinfurt und dem neuen Trend zurück in die Städte, zudem in Schweinfurt in Verbindung mit hoher Lebensqualität von Stadt und Region. Seit 2015 nimmt die Einwohnerzahl ständig zu, zuletzt auf 54.032 Ende 2018. Die Schweinfurter Kernstadt erfuhr damit bis heute im Vergleich zu den meisten anderen deutschen Kernstädten eine relativ geringe Einwohnerabnahme, seit den Höchstständen, die meist um 1970 lagen.

Nicht in den Einwohnerstatistiken enthalten sind die Angehörigen der zwischen 1945 und 2014 in und nahe der Stadt stationierten Personen der U.S. Army Garrison Schweinfurt mit ihren Familien. Dabei handelte es sich um zeitweise über 12.000 Menschen.

Die Agglomeration ist im Falle Schweinfurts wegen der ausgebliebenen Eingemeindungen eine bessere Vergleichsgröße zur Einwohnerzahl anderer Städte. 1994 hatte sie 105.000 Einwohner, sank auf 96.600 Einwohner (Zensus 9. 5. 2011) und stieg danach wieder auf 99.600 Einwohner (Schätzung 31. 12. 2017).

Religionen

Das alteingesessene Bürgertum ist ausschließlich protestantisch und wohnt vorwiegend in den östlichen Stadtteilen. Während in den westlichen Arbeitervierteln seit über 100 Jahren aus dem Umland zugezogene Katholiken vorherrschen, an deren Stelle in neuerer Zeit in Folge von Demografie und Migration teilweise Moslems traten.

Evangelisch-lutherisch

Landeskirche

Schweinfurt wurde relativ spät, 1542 evangelisch, da die Stadt zusammen mit benachbarten Reichsdörfern und reichsritterschaftlichen Dörfern (siehe Karte: Aufbau eines Territoriums) vollständig vom katholischen Hochstift Würzburg umgeben war. Bei einem Konfessionswechsel musste mit militärischen Übergriffen gerechnet werden. Der Schutzherr der Stadt Graf Wilhelm von Henneberg bot dafür nicht genügend Rückhalt.

In St. Johannis wird mit dem „Gemeinen Kasten“ eine eindeutig lutherische Einrichtung eingeführt. Im April 1525 wurde das erste Kind „auf teutsch“ getauft. 1532 predigte der sächsische Hofprediger Spalatin anlässlich des Fürstentages in der Liebfrauenkirche, die 1729 in St. Salvator umbenannt wurde. Vor der Einführung der Reformation fanden die evangelischen Gottesdienste außerhalb des reichsstädtischen Gebiets auf Schloss Mainberg und in Sennfeld statt. Die Stadt erwarb 1542 das aufgelöste Karmeliterkloster. Die Ratsherren Nikolaus Sprenger und Ludwig Scheffer konnten mit Landgrafen Philipp I. von Hessen den führenden Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus als Schutz- und Schirmherrn und Reichsvogt gewinnen. Der vom Landgrafen gesandte Prediger Johann Sutel, genannt Sutellius, hielt in Schweinfurt am 19. Juni 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste in der Folgezeit eine Kirchenordnung. Der Rat, die Pfarrer, und jeder, der das Bürgerrecht erwerben wollte, wurden fortan auf die evangelische Lehre vereidigt. Damit waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Stadtschreiber und Syndikus Adam Alberti († 1583) unterzeichnete 1579 für den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schweinfurt die lutherische Konkordienformel von 1577.

Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten an die 700 Glaubensflüchtlinge aus der Stadt und dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus.

Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt und Evangelisch-Lutherisches Dekanat Schweinfurt

Landeskirchliche Gemeinschaft

Die Christliche Gemeinschaft Schweinfurt der LKG ist Teil der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und gehört zum Landeskirchlichen Gemeinschaftsverband (LKG) in Bayern, der eine Zwischenstellung zwischen Landeskirche und Freikirchen einnimmt.

Freikirchen

Im 19. Jahrhundert stand an Stelle des heutigen Landratsamtes, an der Südseite des Schillerplatzes, als eines der ersten Gebäude des Gründerzeitviertels, eine repräsentative Halle der Freien Christlichen Gemeinde. Das große Gebäude wurde spätestens ab 1868 anderweitig als Concert Halle und Theater genutzt, woher auch der Name Schillerplatz abstammt.

Bis in die 1970er Jahre gab es in der Stadt nur eine Methodistische und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie mehrere englischsprachige Gemeinden von Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison Schweinfurt. Seitdem entstanden weitere Gemeinden, sowohl in pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Zu erstgenannten gehören die Freikirchliche Gemeinde Christen in Aktion in Oberndorf und die Christliche Gemeinde Schweinfurt. Zu zweitgenannten Wort des Glaubens, gegründet von John und Mirjana Angelina vom heutigen Gospel Life Center in München und die Biblische Gemeinde Schweinfurt. Einige Freikirchen sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

Die charismatische Bewegung ist zudem auch seit den 1970er Jahren in Schweinfurt in der Landeskirche vertreten, in der Auferstehungskirche am Bergl. In den 1990er Jahren wurden pfingstlich-charismatische Bücher vom Schweinfurter Druckhaus Weppert herausgegeben.

Römisch-katholisch

Der Katholizismus blieb für die kulturelle Ausprägung Schweinfurts weitgehend bedeutungslos. Mit Einführung der Reformation waren alle Kirchen der Reichsstadt evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglichte 1806 die Wiedergründung einer katholischen Pfarrei. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde durch den stetigen Zuzug von Katholiken aus dem Umland mit der Zeit zu klein. 1902 wurde der Nachfolgebau, die Heilig-Geist-Kirche fertiggestellt und ist seitdem Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken. Durch die fortschreitende Industrialisierung ist seit dem 20. Jahrhundert der Anteil der katholischen, einstigen Landbevölkerung etwas höher als der Anteil der alteingesessenen Protestanten.

Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt und Dekanat Schweinfurt-Stadt

Griechisch-orthodox

Die Griechisch-orthodoxe Gemeinde hält ihre Gottesdienste im Untergeschoss von St. Anton ab.

Weitere christliche Gemeinschaften

Zudem sind in der Stadt Gemeinden der Sieben-Tags-Adventisten, der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas vertreten.

Judentum

Mit dem 1212 genannten zuAbraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen. Auch für die Folgezeit lassen sich jüdische Familien in der Stadt belegen, die sowohl von den Rindfleisch-Verfolgungen von 1298 als auch vom Pestpogrom von 1348/49 betroffen waren.

1368 erhielt die Stadt Schweinfurt vom Kaiser Karl IV. das Privileg, in ihren Mauern erneut Juden aufnehmen zu dürfen. In der Folgezeit konnten die Juden, die sich in Schweinfurt niederließen, gegen Zahlung hoher Steuern relativ frei und sicher leben. Die Familien wohnten in der Judengasse im Alten Gewerbeviertel. Hier befanden sich auch Betstube und Tauchbad. Die mittelalterliche jüdische Gemeinde, die ihren Lebensunterhalt im Geldverleih und im Handel, besonders mit Wein bestritt, fand 1554/55 ihr Ende. Die Schweinfurter Bürger gingen gegen die Juden vor, weil sie bei ihnen stark verschuldet waren. Nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg erhielt die Stadt 1555 vom Kaiser das Recht, den Juden, die vorher in ihren Mauern gelebt hatten, den erneuten Zuzug zu verweigern.

Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 jüdische Familien wieder in der Stadt ansiedeln; sie bildeten eine Jüdische Gemeinde und errichteten zwischen Siebenbrückleinsgasse und Roßmarkt eine Synagoge. 1874 wurde der heute noch bestehende Jüdische Friedhof Schweinfurt eröffnet, in dem es 1969 die bisher letzte Bestattung gab. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern verwüstet, danach anderweitig genutzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Islam

In Schweinfurt befinden sich vier Moscheen: von den islamischen Gemeinschaften DITIB, Millî Görüş, IBV und der Arabischen Gemeinde. Die größte islamische Gemeinde der Stadt ist die DITIB-Moschee, mit ca. 2.500 Gläubigen.

Politik

Schweinfurt war in den Nachkriegsjahrzehnten neben München und Nürnberg eine der wenigen bayerischen SPD-Hochburgen, in der die SPD ständig den Oberbürgermeister stellte und die Stadtratswahlen gewann. Bis in den 1990er Jahren auf Grund des gesellschaftlichen Wandels auch in Schweinfurt die CSU die Oberhand gewann und die Stadt sogar zu einer CSU-Hochburg wurde. Die FDP war und ist in der Stadtpolitik bedeutungslos und die Grünen spielten in der Hochschulstadt ohne Universität nie eine größere Rolle. Nach wie vor ist die Industriestadt aber ein überregional bedeutendes Zentrum der Gewerkschaft und der Linken, deren Vertreter seit langer Zeit immer wieder Ämter auf Landes- und Bundesebene einnehmen.

Stadtrat

Seit 1990 zogen, wie vielerorts, neben etablierten Parteien auch Wählergruppen in den Stadtrat ein, der aus 44 Sitzen besteht, die sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt aufteilen:

Partei Sitze G/V
CSU 21 + 3
SPD 10 + 1
Linke 3 − 1
Schweinfurter Liste 3 − 1
Grüne 3 + 1
Pro Schweinfurt 2 − 1
REP/AfD 1 ± 0
FDP 1 ± 0

Der von den Wahlberechtigten in direkter Wahl gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats. Die vom Stadtrat aus seinen Mitgliedern gewählten Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind Sorya Lippert (CSU), als Zweiter und Karl-Heinz Kauczok (SPD) als Dritter Bürgermeister.

Oberbürgermeister

Lange Amtszeiten kennzeichnen Schweinfurts Oberbürgermeister. Die SPD war viele Jahrzehnte stärkste politische Kraft in der Stadt und stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister. Besonders prägend für Wiederaufbau und Nachkriegszeit war Oberbürgermeister Georg Wichtermann (1956–1974). Sein Nachfolger war Kurt Petzold (1974–1992). Nach der gewonnenen Oberbürgermeisterwahl durch Gudrun Grieser (1992–2010) aus der CSU im Jahr 1992 wechselte erstmals die Mehrheit im Stadtrat zu Gunsten ihrer Partei. Sie prägte die Stadtentwicklung in außergewöhnlicher Weise (siehe: Die Ära Grieser 1992–2010).

Für die OB-Wahl am 7. März 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann die Stichwahl mit 63,4 % und wurde am 16. März 2014 mit 66,9 % im Amt bestätigt.

Wappen

Partnerstädte

  • , Frankreich
  • , Council Area, in der die ursprüngliche Partnerstadt Motherwell liegt, Vereinigtes Königreich (Schottland)
  • , Finnland

Kultur

Schweinfurt besitzt seit den 1980er Jahren eine vielfältige herkömmliche wie auch alternative Kulturszene. Die Stadt wurde zudem Produktionsstätte für Kulturschaffende und entwickelte sich ab der Jahrtausendwende zu einem überregionalen Zentrum in der Sparte Tanz (siehe: Tanz).

Preise und Auszeichnungen

  • Carus-Preis der Stadt Schweinfurt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina verleiht für herausragende wissenschaftliche Tätigkeiten die Carus-Medaille. Seit 1961 wird den Trägern der Medaille der Carus-Preis der Stadt Schweinfurt verliehen. Er ist nach Carl Gustav Carus benannt, dem 13. Präsidenten der in Schweinfurt gegründeten Leopoldina.
  • Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt. Er wird alle drei Jahre an herausragende Schriftsteller vergeben.
  • Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung verleiht regelmäßig im Alten Rathaus der Stadt Schweinfurt einen Wissenschaftspreis für Historiker.

Stiftungen

Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung ist eine unselbstständige Stiftung mit Sitz in Schweinfurt. Sie wurde 1999 von Erich Kronauer und seiner Frau Erna Kronauer gegründet. Die Stiftung ist eng mit dem Historiker Ernst Nolte verbunden. Die Verleihung des Historikerpreises an den mit geschichtsrevisionistischen Thesen hervortretenden Stefan Scheil (2014), der mittlerweile Vorstandsmitglied ist, führte zu einer öffentlichen Kontroverse, spätestens im Zuge dessen Experten der Stiftung insgesamt eine Nähe zur Neuen Rechten attestierten.

Theater

  • Theater der Stadt Schweinfurt. Es gehört zu den führenden Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Jose Carreras, Ingeborg Hallstein, Heinz Rühmann, Marcel Marceau und viele andere traten hier auf.
  • Disharmonie. In der Kulturwerkstatt am Main finden Theater-, Kabarett-, Musik- und Kunstveranstaltungen statt.
  • Kleinkunstbühne Schrotturmkeller im Alten Gewerbeviertel.
  • Hans-Sachs-Gruppe. Sie pflegt das spätmittelalterliche Fastnachtsspiel und den Renaissancetanz.
  • Freundeskreis Puppentheater Schweinfurt.

Museen und Galerien

  • Museum Georg Schäfer (MGS) Das Museum Georg Schäfer präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken von Carl Spitzweg. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Ferdinand Georg Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und anderen gezeigt.
  • Museum Otto Schäfer (MOS) Mit der Bibliothek Otto Schäfer. Das Museum enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen in hoher Qualität. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.
  • Kunsthalle Schweinfurt Sie befindet sich im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad und beherbergt die Sammlung Joseph Hierling zum Expressiven Realismus, eine Sammlung für zeitgenössische Kunst der Stadt Schweinfurt und Wechselausstellungen.
  • Kulturforum Martin-Luther-Platz Am Martin-Luther-Platz sollen mehrere historische Gebäude einschließlich der einstigen Galerie Alte Reichsvogtei zum Kulturforum Martin-Luther-Platz vereinigt werden. Hierin sollen neben dem dort bestehenden und wegen Umbaus geschlossenem Stadtgeschichtlichen Museum auch die derzeit andernorts geöffneten Museen Saazer Heimatmuseum und Museum Otto Schäfer ab 2021 eine neue Heimat finden.
  • Deutsches Bunkermuseum Geschichtsmuseum, Militärmuseum, Kriegsmuseum und Gedenkstätte im Fichtel-und-Sachs-Bunker von 1941, mit Veranstaltungen.
  • Das kleine Museum Mit grafischen Werken Hundertwassers; die Privatsammlung wird durch Leihgaben aus deutschen und internationalen Galerien ergänzt; ferner Ausstellungsobjekte von Udo Lindenberg.
  • Gunnar-Wester-Haus Sammlung Graf Luxburg, Kulturgeschichtliche Sammlung zur Entwicklung von Feuererzeugung und Beleuchtung seit der Antike und Ikonensammlung von Fritz Glöckle.
  • Naturkundliches Museum Vogelsammlung der Brüder Schuler im historischen Gebäude Harmonie am Main.
  • Sparkassengalerie Zeitgenössische Kunst mit Wechselausstellungen im Hauptgebäude der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, der Schranne.
  • Künstlerhof Oberndorf Ehemaliges Wohnhaus und Atelier des Künstlers Gustl Kirchner, mit Kirchner-Ausstellung und Kirchner-Archiv, heute Wohnort und Atelier des Bildhauers Norbert Kleinlein und seiner Frau Heike, einer Keramikerin.
  • ZF Sachs Museum Sachs-Ausstellung der ZF Friedrichshafen AG zur Industriegeschichte der Fichtel & Sachs AG, mit den drei Abteilungen Unternehmensgeschichte, Technische Highlights, Marketing und Motorsport, u. a. mit einem Prototyp für eine Automobilfertigung in Schweinfurt, die von der Firmenleitung verworfen wurde.
  • Kleines Industriemuseum In der historischen Spinnmühle am Main, mit Exponaten der Schweinfurter Industriegeschichte, insbesondere der Wälzlager-Industrie.
  • Saazer Heimatmuseum Das Museum in einem von der Stiftung Saazer Heimatmuseum erworbenen Bürgerhaus in der Oberen Straße 8 zeigt eine Ausstellung zum Leben in Saaz (Žatec) bis 1945, der Vertreibung der Sudetendeutschen und der Aufnahme von über 28.000 Vertriebenen und Flüchtlingen in Schweinfurt.

M Schaefer Schweinfurt 2.JPG|Museum Georg Schäfer (MGS)
OberlichtsäleCarl Spitzweg 021.jpg|MGS
Carl Spitzweg:
BücherwurmMuseum Georg Schäfer, Schweinfurt - panoramio.jpg|MGS
Loggia an der MainseiteKH Schweinfurt 2.JPG|Kunsthalle Schweinfurt
InnenhofSchweinfurt Harmonie-Gebaeude.jpg|Naturkundliches Museum,
dahinter Spinnmühle mit Kleinem IndustriemuseumBunkermuseum Schweinfurt außen 1.jpg|Deutsches Bunkermuseum

Musik

1988 trat die Band Kiss im Rahmen des Monsters of Rock 88 Festivals in Schweinfurt vor 25.000 Besuchern auf den Mainwiesen auf. Nach dem Konzert kam es bis zum nächsten Tag durch 2.000 Besucher zu Ausschreitungen und Legung von Bränden in der Innenstadt.

Der Stattbahnhof ist ein Zentrum für Konzerte, Comedy und vieles mehr. Der Name wurde vom heute noch betriebenen Stadtbahnhof abgeleitet (…statt eines Bahnhofs), in dessen einstiger, historischer Schalterhalle und den Nebenräumen das Kulturzentrum beheimatet ist. In der Zeitschrift Visions wurde der Stattbahnhof zu den Besten 50 Adressen der deutschen Clubszene gewählt. Bekannte Namen gastierten hier, wie Marla Glen oder Ten Years After.

Tonquadrat ist eine Plattform für Elektronische Musik.

Seit den 1980er Jahren gibt und gab es mehrere Bands aus Schweinfurt, die Alben in den Musikrichtungen Rock, Metal und Punk auf den Markt brachten. The Ghost Rockets (kurz TGR) ist eine Rock-Band, die die Alben The Ghost Rockets (2009) und Goodbye Utopia (2014) herausbrachten. Hatred (engl.: Der Hass) ist eine Power- und Thrash-Metal-Band, die die Alben Soulless (2004), Madhouse Symphonies (2008), Destruction Manual (2010) und War of Words (2015) herausbrachten und es in die Enzypedia des Rock Hard Magazins schaffte. Vendetta ist eine Thrash-Metal-Band. Sie brachte die Alben Go and Live… Stay and Die (1987), Brain Damage (1988), Hate (2007) und Feed the Extermination (2011) heraus. Kromlek war eine 2004 gegründete und 2012 aufgelöste Metal-Band mit antichrislicher Symbolik. 2005 fand ihr erster größerer Auftritt auf dem Newcomer Festival in Schweinfurt statt, das sie gewannen, unter anderem spielten sie auf dem Ragnarök-Festival 2007. Sie brachten zwei Studioalben heraus, Strange Rumours… Distant Tremors (2007) und Finis Terrae (2011). Tagtraum ging aus der Punk-Band Untergang hervor, wurde 1992 gegründet und beschloss 2006 ihre Trennung. Die Bandmitglieder spielen weiterhin in anderen Formationen, Jörg Holdinghausen u. a. bei Wir sind Helden. Tagtraum brachte die Alben Trotz & Träume (1997), Feuer gratis (1998), Seelenpuzzle (1999), Augen auf und durch (2001) und Komm lass es echt sein (2003) heraus. 2019 wurde die Indie-Rockband Sondermarke mit acht Bandmitgliedern gegründet, mit dem einstigen Gitarristen von Tagtraum Bernhard Wegner-Schmidt.

Das Musiklabel in der Schweinfurter DDC Factory produziert Musik jeder Art.

Tanz

Dancefloor Destruction Crew (DDC)

Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC), die 1999 gegründet wurde und heute überwiegend aus hauptberuflichen Tänzern besteht, gehört zu den besten Breakdance-Gruppen der Welt. 2012 gewann DDC das Triple, den TAF Deutschen Breakdance Meistertitel, den IDO Europameistertitel und zum zweiten Mal den IDO Weltmeistertitel. 2013 verband DDC mit dem Berliner Regisseur und Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik mit Breakdance in ihrem Theaterstück Breakin Mozart, das seitdem über 190 Mal im Berliner Wintergarten Varieté sowie in vielen anderen Städten aufgeführt wurde. Die Firma DDC Entertainment UG & Co. KG wurde gegründet, mit den vier Sparten DDC Breakdance – DDC Produktion – DDC Workshops – DDC Agentur. Mit der Show Breakdance in Lederhosen wurde 2014 der Gedanke des Crossover endgültig als Markenzeichen der DDC etabliert. 2015 folgte der internationale Durchbruch. DDC vertrat Deutschland im 15. Wuqiao International Circus Festival in China und erhielt einen Special Price for Excellent Performance.

Die DDC-Factory im Stadtteil Yorktown Village, mit Arena und Studio, wurde zu einem nationalen Tanzzentrum. In ihrer eigens produzierten Radioshow DDC TakeOver – Breakdancer OnTour berichten die Tänzerinnen und Tänzer über ihre jährlich 170 Shows, im lokalen Jugendsender Radio Hashtag+ (siehe: Medien).

Dance Academy Schweinfurt

2006 wurde die Dance Academy Schweinfurt gegründet, mit zwei Standorten, in der Innenstadt und bei der Turngemeinde Schweinfurt 1848. Als Akademie für Hobbytänzer und für Berufsausbildungen zum Tänzer, Tanzpädagogen und DTHO-Hip-Hop-Tanzlehrer. Die Akademie besitzt in der Kategorie Profi-League die Formation Blazin’ Heat und seit 2019 in der Alterskategorie Juniors 1 die Formation Destiny Queens.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Raum Schweinfurt ist bekannt für seine sehr hohe Dichte an Festen, was auf mehreren Umständen beruht: dem rein süddeutschen Charakter der Region, mit seiner Lage in Bayern und in Weinfranken mit seiner Lebensart (siehe: Kulturelle Prägung). Es gibt unzählige traditionelle Kirchweihen (Kerm) und Weinfeste. Dazu kamen, wie anderswo, zahlreiche neuere Feste, so dass an manchen Wochenenden vom Mai bis Oktober in der Stadt und im nahen Umland mehrere Kirchweihen und Feste gleichzeitig stattfinden.

Messe

Die ufra (Unterfrankenschau), eine Regionalmesse für Verbraucher, findet alle zwei Jahre (in den geraden Jahren) im Oktober auf dem Volksfestplatz am Willy-Sachs-Stadion statt. Mit über 400 Ausstellern und 70.000 Besuchern in 22 Hallen gehört sie zu den größeren Regionalmessen Frankens.

Festivals

Das Honky Tonk in Schweinfurt ist die Mutter aller Kneipenfestivals, das hier 1993 erfunden wurde. Zum jährlich wiederkehrenden, eintägigen Honky Tonk Festival kamen schon bis zu 22.000 Besucher in derzeit über 40 Altstadtkneipen und Bühnen, mit Bands und Künstlern verschiedenster Musikrichtungen. Mittlerweile findet das Festival in über 50 Städten in vier Ländern statt und wird in sehr vielen anderen Städten unter anderem Namen kopiert, jedoch nahezu überall in kleinerer Form als in Schweinfurt. Der Name wurde von den Livemusik-Kneipen Honky-Tonk im Süden und Südosten der USA entlehnt. Das Musikfestival Nachsommer Schweinfurt findet alljährlich drei Wochen im September mit internationaler Besetzung statt. Bekannte Namen, wie Malia, gastierten bereits in der SKF Halle 411, mit großer Bühne und Tribüne mit 600 Sitzplätzen. Das Internationale Varietéfestival, Europas größtes Varietéfestival, findet etwa alle drei Jahre am Sennfelder See, knapp hinter der Stadtgrenze statt; das nächste Mal im Mai 2018. Für das Festival wird immer ein großes Zelt aufgebaut.

Stadtteil-Kirchweihen

Charakteristisch für Schweinfurt sind die zahlreichen Stadtteilkirchweihen, die die Bürgervereine des jeweiligen Stadtteils austragen. Hervorzuheben sind die über 300 Jahre alte Zürcher Kirchweih, älteste Unterfrankens, im Juni, im einstigen Burgenquartier Zürch. Die ebenfalls traditionelle Höllen-Kirchweih des Bürgervereins Altstadt, im Höllental, Mitte Juli. Die Johannis-Kirchweih, der ältesten Kirche der Stadt St Johannis, am Wochenende um den Johannistag (24. Juni) auf dem historischen Martin-Luther-Platz. Die Deutschhof-Kirchweih, Anfang Juli, wurde vor einigen Jahren vom Deutschhöfer Marktplatz in den Wildpark an den Eichen verlegt. Die beiden größeren traditionellen Feste der Schweinfurter liegen außerhalb der engen politischen Stadtgrenzen. Die zeitgleich um den ersten Sonntag im September stattfindenden Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste (Kirchweihen) in den ehemals kaiserlich unmittelbaren und freien Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim. Auch hier in der typisch fränkischen Kombination: die nähere Sennfelder Kirchweih hat Bier- und die Gochsheimer Kirchweih Weinausschank – für eine mögliche erste und zweite Festrunde.

Weitere Veranstaltungen im Jahreslauf

Die drei Schweinfurter Faschingsgesellschaften ESKAGE, Schwarze Elf und Antöner Narrenelf präsentieren Sitzungsabende. Am Faschingsdienstag führt der traditionelle Faschingsumzug der ESKAGE durch die Innenstadt, mit jährlich etwa 25.000 Besuchern.

Im April findet das erste Fest im Freien statt, der Vogelschuss, ein kleines Volksfest einer Schützengesellschaft. Im Mai lädt Schweinfurt@night zu einer langen Einkaufs- und Kulturnacht. Das Walpurgisgericht am Fronleichnam ist ein mittelalterliches Fest mit Handwerkermarkt im Friedrich-Pfister-Park in Oberndorf. Am Freitag nach Fronleichnam startet für elf Tage das Schweinfurter Volksfest, eines der größten seiner Art in Franken. Im Mai findet das Frühlings- und im Juli das Sommerweinfest des Weingut Dahms auf der sonst nicht zugänglichen Peterstirn statt. Mit Plätzen im Hof und mitten im Weinberg, mit Blick ins Maintal, gilt es als eines der schönsten Weinfeste Frankens. Ende August präsentiert an zwei Tagen das Schweinfurter Stadtfest auf mehreren Plätzen der Schweinfurter Altstadt Genuss und Lebensqualität der Region. Das Mittelalterfest wurde bisher seit 2007 alle 3 Jahre im September in den Wallanlagen Am Unteren und Oberen Wall an der Stadtmauer abgehalten. Beim eintägigen Straßenmusikfestival Pflasterklang im September treten an rund 20 Orten der Altstadt Musiker aller Stilrichtungen, Jongleure, Zauberer und Straßenmaler auf. Über drei Wochen im September lädt der Nachsommer Schweinfurt in die SKF-Halle 411 (siehe: Festivals). Die Nacht der Kultur lädt im Oktober zu Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett und Kurzfilmen an viele bekannte und unbekannte Kulturorte rund um den Marktplatz. Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz beschränkt sich auf Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck und gehört deshalb zu den stilvollsten seiner Art. Traditionell kommt alljährlich das Nürnberger Christkind zu seiner ersten Auswärtsvisite auf den Weihnachtsmarkt, mit seinem Prolog vom Rathausbalkon. Zwischen Weihnachten und Dreikönigstag steht das Schweinfurter Winterdorf auf dem Marktplatz.

Kulinarische Spezialitäten

Die kulinarischen Spezialitäten Schweinfurts sind eng mit den zahlreichen Festen in der Stadt und in den umgebenden Dörfern verbunden. Diese sind mit ihren fruchtbaren Böden, mit vielfältigen Erzeugnissen, ein Zentrum fränkischen Brauchtums.

Schweinfurter Schlachtschüssel

Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof Goldener Stern in der Oberen Gasse 36 im Jahre 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte, fränkisch Schlachtschüssel, findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern eher ein Fest in geselliger Runde, über mehrere Stunden, für einen größeren Personenkreis. Der Ablauf erfolgt nach einem genau überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Mit der wichtigsten Besonderheit, dass das Kesselfleisch auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert wird, von denen auch gegessen wird, an Stelle von Tellern. Dazu gibt es nur Brot, Kren (fränkisch für Meerrettich) und Sauerkraut. Getrunken wird dazu meist Frankenwein, Weinschorle oder Most.

Weitere meist saisonale Spezialitäten

Schnickerli (Rinderpansen, der Vormagen des Rinds) ist ein weiteres, typisches Schweinfurter Gericht. Prägend für die örtlichen Spezialitäten sind viele Direktvermarkter vor den Toren der Stadt, die nahezu täglich in die Stadt auf den Markt und auf Wunsch vor die Haustüre liefern und ein Essen am Tag der Ernte ermöglichen. Hervorzuheben sind hier die beiden benachbarten Gärtnerdörfer Gochsheim und das unmittelbar am Stadtrand, auf einer Sandbank am Main liegende Sennfeld, dessen Spargelfelder und weiteren Sonderkulturen bereits einen Kilometer südöstlich vom Schweinfurter Marktplatz beginnen.Saisonaler Höhepunkt ist zudem der Herbst. Mit warmen Zwiebelplootz (Zwiebelkuchen) mit Federweißer, insbesondere zu den Erntedankfesten in Sennfeld und Gochsheim. Plootz ist ein Käsekuchen vom Blech, bevorzugt bei den Kirchweihen im Herbst. Zu dieser Zeit sind auch die Heckenwirtschaften der Winzer und Weingüter geöffnet. Die Meefischli (Mainfische), winzige Weißfische „die dreimal schwimmen, im Main, im Fett und dann im Wein“, werden wie andere Fische traditionell nur in den Monaten mit dem Buchstaben r, also von September bis April verzehrt. Blaue Zipfel sind saure Bratwürste im Zwiebelsud, die vor allem im Winter, auch am Heilig Abend, gegessen werden. Die Slow Food-Region Schweinfurt namens Fränkisches Weinland Nord liegt in die Mitte der Slow Food-Regionalgruppe Mainfranken-Hohenlohe, bis 2012 die mit Abstand größte und heute (2018) mit 850 Mitgliedern nach München zweitgrößte Deutschlands. Eine Art Schweinfurter Alternative zu Salzburger Mozartkugeln ist das Süße Kugellager, hergestellt von Konditoreien aus der Kugellagerstadt. Hochwertige Vollmilch- oder Bitterschokolade aus reiner Kakaobutter wird mit einer abgestimmten Nougatcreme gefüllt. Die süßen Kugellager sind etwa 2,5 cm dick und haben einen Durchmesser von 6 cm.

Siehe auch: Weinbau

Nachtleben

Kneipen

Die Region Schweinfurt/Main-Rhön, am Überlappungsgebiet Weinfrankens mit Bierfranken, gehört zu den Gegenden mit der höchsten Kneipendichte Deutschlands.

Die Kneipenszene ist, ähnlich wie der Einzelhandel, einem für die Stadt typischen, häufigeren Wechsel unterworfen. Auch bedingt durch die Struktur der Schweinfurter Altstadt, mit einer Vielzahl von Plätzen und Gassen. Die Entwicklung ist untrennbar mit der Stadtsanierung verknüpft. Weshalb in neuerer Zeit, auch aufgrund der guten örtlichen wirtschaftlichen Situation, um Rathaus und Museum Georg Schäfer eine hohe Kneipendichte entstand, u. a. mit qualitativ höherwertigen Cafés, Restaurants und Bars. Nach der Sanierung des Fichtelsgartens entwickelte sich 2017 ein weiterer Schwerpunkt um das Obertor, am Nordende der Altstadt. Die Kneipenmeile auf der Nordseite des mittleren Bereichs der Niederwerrner Straße verschwand nahezu, was das Nachtleben betrifft, in Folge der Auflösung der US-Garnison Schweinfurt im Jahre 2014.

In den 1990er Jahren war die Blütezeit der langen Kneipenmeile in der nördlichen Altstadt: Obere Straße–Kornmarkt–Bauerngasse–Zeughaus, mit im Kern über 100 Jahre alten Wirtshäusern. Ab 1989 wurden hier die Schweinfurter Bluestage abgehalten. Daraus ging die örtliche Blues Agency hervor, die hier das Honky Tonk erfand (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen). Da dieses Altstadtquartier derzeit (2019) saniert wird, mit der Beseitigung von Leerständen, erwartet man wieder neue Impulse.

Kinos

In Schweinfurt gab es, wie anderswo, seit der Nachkriegszeit zahlreiche Schließungen von Filmtheatern. Die Zahl der Kinosäle erhöhte sich trotzdem durch Konzentration auf wenige Orte. So besitzt die Stadt heute mit 14 Kinosälen eine relativ hohe Zahl an Leinwänden, davon 12 am östlichen Rand der Altstadt, während es beispielsweise im benachbarten Würzburg zeitweise keinen einzigen Kinosaal in der Altstadt gab. Das KuK (Kino und Kneipe) im Musikerviertel ging aus dem alten CC Filmtheater und dem CC Tanzcafé aus den 1950er Jahren hervor. Das Programmkino mit zwei Sälen wurde mehrfach ausgezeichnet. Auf dem alten Dielenparkett des einstigen Tanzcafés wird einmal im Monat beim La Milonga del KuK Tango getanzt. Auch das Cinema am Markt aus den 1970er Jahren verband in der ersten Renaissance der Kinos einst Kino mit Kneipe, ersteres schloss, die Musikkneipe behielt den Namen. Das Weltbio Kino-Center aus den 1950er Jahren, das später zum Schachtelkino umgebaut wurde, besitzt fünf Säle. Unweit davon eröffnete 2009 die Filmwelt Schweinfurt, ein Multiplex-Kino in 3-D, mit Bar, mit sieben Sälen und insgesamt 1010 Sitzplätzen, wo auch Konzerte und Events live übertragen werden

Diskotheken

Die örtliche Diskothekenszene hat sich seit dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte aus der Stadt im Jahre 2014 (siehe: Moderne) teilweise verändert. Die 2012 abgebrannte 90 m lange Großdiskothek Megadrom am Hainig zog als selbsternannter Hottest Hip-Hop-Club of Germany samstagabends ein afroamerikanisches und deutsch-amerikanisches Publikum aus halb Deutschland an den zentral gelegenen Ort. Heute besteht die Diskothek in verkleinerter Form als Club 360 Grad, neben einer neuen Bowlingarena mit 18 Bahnen und Indoor-Minigolf. Im einstigen Mad in Oberndorf, mit damals ähnlichem Publikum, gastierte Ende der 1990er Jahre zweimal VIVA Club Rotation, moderiert von Daisy Dee. Die in Club Diamond umbenannte Großdiskothek mit zwei Floors wurde nach dem Abzug der Amerikaner, wie zuvor schon das Megadrom, zu einer deutsch-russischen Diskothek. Die neben dem Club 360 Grad liegende Rockfabrik, ebenfalls mit zwei Floors, hat sich seit Beginn der Ära von Techno und Großdiskotheken Anfang der 1990er Jahre bis heute unverändert gehalten. Die als Eastside bekannte Diskothek an der Ludwigsbrücke, später für kürzere Zeit W3, eröffnete 2017 neu als Pure Club & Lounge, mit diversen Musikrichtungen und Parties. Der einstige Suzie Club im Hafen-Ost mit kleinem Dancefloor und großer Bar hatte strenge Zutrittskontrolle, verstand sich als Edeldiskothek und wird heute auf andere Art als Tante Suzie geführt.

Rotlichtszene

Das Rotlichtmilieu liegt im üblichen Bereich eines Oberzentrums mit entsprechendem Umland. Da die Stadt keinen Sperrbezirk auswies, kam es zu keiner Konzentration von Rotlichtbetrieben und es entstand in Folge kein Rotlichtbezirk. Lediglich an der Mainlände gab es von der Stadt ausgewiesene Öffentliche Prostitution, die wegen der Nähe zur Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe 2009 aufgelöst wurde. Als Ersatz war die Franz-Schubert-Straße im Nordwestlichen Stadtteil von der Stadt vorgesehen, was am Widerspruch der örtlichen Bevölkerung scheiterte. Es gibt nur kleinere Nachtclubs und Etablissements, die über das Stadtgebiet verteilt sind, mit Ausnahme von Wohngebieten, wo sie auf Grund der baulichen Nutzung unzulässig sind. Die Sicherheitslage im Rotlichtbereich sei „als gut einzustufen“.

Bauwerke

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege listet für die Stadt Schweinfurt 170 Baudenkmäler, einschließlich Bauensembles und 36 Bodendenkmäler auf (Stand 20. November 2017).

Stadtbild

Schweinfurt ist trotz seiner Großindustrie eine organisch gewachsene Stadt, beispielsweise i. Ggs. zu Erlangen. In überregionalen Veröffentlichungen steht meist, dass Schweinfurt im letzten Krieg sehr stark zerstört worden sei, es wurde aber lediglich zu 45 % zerstört, so stark wie Rothenburg ob der Tauber. Es gab keinen Feuersturm, im Gegensatz zum benachbarten Würzburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb ein planmäßiger, schneller Wiederaufbau nur an einigen Stellen der Stadt nötig. Dadurch gab es für spätere Zeiten über viele Stilepochen noch Gestaltungsspielraum. So blieb der Stadt ein tristes Nachkriegsstadtbild erspart, i. Ggs. zu Würzburg, Heilbronn, Pforzheim, Hanau, Kassel, Hildesheim oder nahezu allen Städten in Nordrhein-Westfalen.

Im Westen der Stadt ist bis heute der Baustil der 1930er Jahre stadtbildprägend. Insbesondere die Klinkerbauten der Großindustrie im Bauhausstil, in bis heute komplett erhaltenen oder nach Kriegsschäden teilrekonstruierten Straßenfronten. Die Entwicklung von einer historischen Kleinstadt über die Industrialisierung bis zum Oberzentrum für eine halbe Million Einwohner spiegelt sich auch im gegensätzlichen Stadtbild wider. So wird in der Innenstadt das Stadtbild von Osten nach Westen hin allmählich großstädtischer (in obiger Bildfolge von links nach rechts). Altfränkische Gassen in sanierten Quartieren der östlichen Altstadt gehen über in mittelstädtische, zuweilen chaotische Strukturen um den Roßmarkt, bis zu großstädtischem Stadtbild in der westlichen City. Eine Ausnahme im Osten bildet das Rückert-Center.

Schweinfurt, Kaufhaus 2.jpg|Rückert Center
und Alte ReichsbankSchweinfurt, Markt, Rathaus 20170225 027.jpg|Marktplatz
mit RathausSchweinfurt Petersgasse 3 Schrotturm-001.JPG|Altes Gewerbeviertel mit SchrotturmSchweinfurt Ryn.jpg|FischerrainSchweinfurt, Schillerplatz 13-001a.jpg|Gründerzeitviertel
SchillerplatzIdunahochhausJägersbrunnen.JPG|City
mit Idunahochhaus

Siehe auch: Bilder Einzelhandel

Stadtmauer

Die Schweinfurter Stadtmauer wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Die Südostecke der Stadtmauer im vermutlich ältesten Viertel der Altstadt Zürch war zugleich Umfassungsmauer der Reichsburg, die sich hier von 1310 bis 1427 befand. In den 1640er Jahren wurde im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, den die Stadt unbeschadet überstand, die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer vom Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel, der sein Hauptquartier am Roßmarkt hatte, zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausgebaut. In den 1980er Jahren wurden die Befestigungsanlagen Am Oberen Wall wieder instand gesetzt und erst seit den 1990er Jahren wurden in Folge schwerer Zugänglichkeit und Bauarbeiten immer wieder an diversen Orten Entdeckungen gemacht. Teile der Spitaltorbrücke von 1748 wurden bei Bauarbeiten Ende der 1990er Jahre wiederentdeckt und freigelegt. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Stadtmauer Am Unteren Wall restauriert und beim Bau der Kunsthalle im Keller ein Abschnitt einer Schanze entdeckt und freigelegt. 2007 wurde ein Schalenturm, der sogenannte Jungfernkuss entdeckt, der in Teilen von einem 1367 gestifteten Karmeliterkloster (bis 1542) stammt. 2016 wurde der im Zweiten Weltkrieg zerstörte, kleine Höpperle Turm an der westlichen Stadtmauer rekonstruiert.

Profanbauten

Der Ebracher Hof wurde 1431 vom Zisterzienser Kloster Ebrach im Steigerwald als Amtssitz und Klosterhof erworben. Er ist im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 bis auf die Außenmauern abgebrannt und erst 1578 wieder aufgebaut worden. Nach Bauarbeiten im Jahre 1698 blieb der Hof bis heute unverändert. Die Renaissance ist in der Altstadt der prägende historische Stil der protestantischen Reichsstadt. Einem Zentrum des Humanismus und der Aufklärung, das im scharfen Gegensatz zu den benachbarten katholisch-barocken Bistümern Würzburg und Bamberg stand. Die Schranne wurde als Kornspeicher 1560 errichtet. Heute sind darin die Sparkasse Schweinfurt und die Sparkassengalerie untergebracht. Das Alte Rathaus (1570–1572) von Nikolaus Hofmann aus Halle (Saale) gilt als Glanzleistung der profanen deutschen Renaissance. Es ist das Hauptwerk Hofmanns, einem Meister und Bauunternehmer, der am Mansfelder Bergbau beteiligt war. In den 1980er Jahren wurde in den sanierten, großen Kellergewölben der Ratskeller eröffnet. Das Alte Gymnasium (1582–1583) ließ Gustav Adolf II. als Gymnasium Academicum errichten, es ist seit 1934 Heimat des Stadtgeschichtlichen Museums. Das Zeughaus (1589–1591) war Waffenarsenal der Reichsstadt und wurde 2014 umfassend restauriert. Der Schrotturm (1611) ist ein vorgelagerter Treppenturm eines Renaissance-Bürgerhauses, der im 19. Jahrhundert um vier Geschosse zu einem Schrotturm erhöht wurde (Bild siehe: Stadtbild). Das Stadtschreiberhaus (Klassizismus, beziehungsweise Biedermeier) ist im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert, ansonsten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Vorgarten ist das Johann-Christian-Schmid-Denkmal, ein kleiner Obelisk. Das Schloss Peterstirn (1873–1874, Historismus) ist ein Weinbergshaus mit zinnenbekrönten Karlsturm, Burgtor und Mauer. Es wurde auf Überresten einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert und eines Benediktiner-Klosters errichtet, mit dem lateinischen Namen Stella Petri (zu deutsch: Peterstern).

Zahlreiche bekannte Architekten des 20. Jahrhunderts standen mit der Stadt in Verbindung und die Verwicklungen, Probleme oder menschlichen Widersprüche mit der Zeit des Nationalsozialismus treten auch hier zu Tage. Der gebürtige Schweinfurter Theodor Fischer war an den Planungen des Berliner Reichstagsgebäudes beteiligt, distanzierte sich schließlich vom Historismus, schuf die Grundlagen für das Bauhaus-Manifest und wollte das Bauhaus im nationalsozialistischen Deutschland erhalten, was ihm nicht gelang. In Schweinfurt baute er die Wirsing Villa (1909) (Bild siehe: Wissenswertes). Den Werdegang des Erbauers des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz kann man an Schweinfurter Bauwerken nachverfolgen, von der noch historisierenden Ludwigschule (1908), hin zur Moderne mit der Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–33) die sich am Berliner Shell-Haus von Emil Fahrenkamp orientiert und schließlich der Tribüne des Willy-Sachs-Stadions (1936) im Bauhausstil. Roderich Fick, dessen Schwager Oberbaurat der Stadt Schweinfurt war, plante als einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers maßgeblich den Obersalzberg und den nur in Ansätzen verwirklichten Ausbau von Linz zur europäischen Kulturmetropole. Zuvor baute er in Schweinfurt ein Wohnhaus am Löhlein 4 (1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1931–33), die heutige Kunsthalle Schweinfurt. Von Ludwig Gies, dem Erschaffer des Bundesadlers (1953) im Bonner Bundeshaus, ist der nationalsozialistische Bronzeadler (1936), der auf einer Erdkugel krallt, auf einem Pylon, am Eingang des Willy-Sachs-Stadions. Ein Hauptwerk von Olaf Andreas Gulbransson ist die Auferstehungskirche (1959) im Stadtteil Bergl. Egon Eiermanns Kaufhaus-Systemfassade aus Porzellan ist bei Horten (1963), heute Kaufhof, vertreten. Der Enkel von Ludwig Mies van der Rohe Dirk Lohan heiratete in die Schweinfurter Industriellen-Familie Schäfer ein. Mies van der Rohe entwickelte zwischen 1960 und 1963 einen Entwurf für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, der nicht ausgeführt wurde und danach in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt wurde.

Das Hochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF (1960–1962) von A. Kubitza ist eine Etage höher als die Hauptverwaltung in Göteborg und sollte die Vormachtstellung der Schweinfurter SKF unter seinem damaligen Generaldirektor und schwedischen Konsul Gunnar Wester repräsentieren. Das Scheibenhochhaus am Main wurde nach Vorbild des UNO-Hauptquartiers am East River in New York geschaffen. Dort existierte, aber nur bis in die 1960er Jahre, eine durch das Raumlicht hinter den Fenstern geschaltete, farblose Leuchtschrift „UN“. Auch hier diente das UNO-Gebäude als Vorbild. Das SKF-Logo erschien abendlich durch blaue, heruntergezogene Fensterrollos, von außen mit Neonröhre bestrahlt (so noch auf unterem Bild). 2014 wurde das Hochhaus komplett saniert und die Leuchtschrift auf LED umgestellt.

River view (2).jpg|^ UNO-Haupt-
quartier am East RiverSchweinfurt und der Main bei Nacht.jpg|^ SKF Deutsche Hauptverwaltung,
nach UNO-Vorbild, am Main

Das Theater der Stadt Schweinfurt (1964–1966) von Erich Schelling wurde 2016 unter Denkmalschutz gestellt, als „einer der bedeutendsten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Bayern in der Nachfolge von Alvar Aaltos Essener Theater.“

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden in der Schweinfurter Architektur überregional beachtete Maßstäbe abseits des Mainstreams gesetzt, unter der Ägide der damaligen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (CSU) und des Baureferenten Jochen Müller (SPD). Wert wurde auf Stadtgestaltung mittels Architektenwettbewerbe gelegt, mit aufeinander abgestimmten Arbeiten in zeitloser Moderne, Platzgestaltung mit minimalistischen Mitteln und Harmonie zwischen Alt und Neu.

Das Museum Georg Schäfer (MGS) (1998–2000) von Volker Staab gilt als einer der hervorragendsten modernen, deutschen Museumsbauten. Das Museum wird über zwei Loggien erschlossen sowie eine große Treppenhalle nach Vorbild der Alten Pinakothek in München. Die dem MGS gegenüberliegende Stadtbücherei (2004–07) von Bruno-Fioretti-Marquez ist ein Um- und Ausbau des Ebracher Hofs, mit neuem unterirdischen Basisgeschoss. Es bildet mit dem Hauptzollamt (2005–07), ebenfalls von Bruno-Fioretti-Marquez, ein Bauensemble, das vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt 2008 zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt wurde und eine Simbiose von Tradition und Moderne zeigt. Der Bau 65 (2001–2003, innerhalb eines nicht zugänglichen Werksgeländes) im Bauhausstil, von Baurconsult, steht an Stelle einer im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Produktionshalle der Fichtel & Sachs AG (heute ZF Friedrichshafen) und wurde in Anlehnung an die typischen Schweinfurter Industrie-Klinkerbauten der 1930er Jahre errichtet. Die Halle wird durch eine große vorgehängte Glasfassade mit Tageslicht versorgt, die sich an den Fagus-Werken von Walter Gropius orientiert. Die Stadtgalerie Schweinfurt (2007–09), mit einem 230 m langen Glasdach, ist eine 300 m lange Shopping Mall im klassischen Sinne, die aus einer einzigen, geraden Ladenpassage (in zwei Ebenen mit Galerie) besteht. In den Komplex wurde ein SKF-Jugendstil-Portal integriert. Die Kunsthalle Schweinfurt (2008/09) von Hartwig N. Schneider und Peter Ropertz ist ein Um- und Ausbau des vormaligen Ernst-Sachs-Bades, mit 500 m² großer Halle. Der Innenhof wurde für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert, wobei Reste der sogenannten Naturheilschanze integriert wurden, die der schwedische Feldmarschall und Staatsmann Carl Gustav Wrangel 1648 anlegen ließ. 2019 wird das neue Technologiezentrum von Fresenius Medical Care von Gunter Henn eröffnet, dem Architekten der Autostadt von Volkswagen in Wolfsburg und der Gläsernen Manufaktur in Dresden.

Kirchen

St. Johannis (ab 1200, Romanik, Gotik und weitere Baustile) ist das bedeutendste kunsthistorische Kirchenbauwerk zwischen Bamberg und Würzburg. Die evangelische Hauptkirche ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. 1237 war der Nordturm mit romanischer Turmkapelle fertiggestellt, auf den Südturm verzichtete man. Mit gotischem Taufstein (1367), mit originaler Malerei, Barocker Kanzel und freigelegten Fresken und Malereien des Mittelalters. Nahezu alle europäischen Baustile über 8 Jahrhunderte, von der Romanik bis zum Klassizismus sind vertreten (Bild siehe auch: Evangelisch-lutherisch).

St. Salvator (1719, schlichter Barock) ist die Kirche für das Altstadtquartier Zürch und einstige Burgkapelle (um 1315) mit gotischem Ausbau, mit noch erhaltenem Chor. Zum 200. Jahrestag der Reformation 1717 begann die Stadt eine umfassende Erneuerung. Die Heilig-Geist-Kirche (1897–1902, Neuromanik), ist die katholische Hauptkirche der Stadt, an Stelle der abgerissenen gotischen Spitalkirche aus dem 15. und 16. Jahrhundert und an Stelle einer Zuckerfabrik. Die Kirche hat die Form einer romanischen Kathedrale, mit Nachbildungen der Kathedrale San Vigilio in Trient (Vierungsturm und Chor), mit 56 m hohen Turm von 1911 (Bild siehe auch: Römisch-katholisch). Die Kreuzkirche (13. Jahrhundert/1940) ist die alte evangelische Kirche des schon in historischer Zeit zur Reichsstadt Schweinfurt gehörenden Oberndorfs. Sie steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg. Chor und Turm stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle. Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche (1929) vom Schweizer Architekten Hans Hofmann wurde in den 1930er Jahren mit einem Chorturm mit Zwiebelhaube ergänzt. St. Kilian (1954) wurde auf den Außenmauern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neubarocken Kirche aufgebaut, mit einem der größten Kirchenfenster Deutschlands (250 m²) von Georg Meistermann.

Die Auferstehungskirche (1959) am Bergl, von Olaf Andreas Gulbransson, ist eine der außergewöhnlichsten modernen Kirchen Deutschlands und wurde bereits unter Denkmalschutz gestellt. Es ist das Meisterwerk von Gulbransson, in roten Sichtziegeln, im Innern mit blauen Spindelsäulen und Radleuchter, der die zwölf Tore des Himmlischen Jerusalems darstellt. Gulbransson schuf mit dieser Kirche das einzige Beispiel eines neuen Baustils, der Ornamentik, Kunsthandwerk und Moderne vereint und in Folge seines tödlichen Autounfalls bei anderen von ihm geplanten und postum fertiggestellten Kirchen nicht konsequent fortgesetzt wurde.

Denkmäler und Brunnen

Der Ludwigsbrunnen (1830, Klassizismus) von Johann Nepomuk Pertsch steht am Fuß der historischen Weinberge an der alten Mainleitenstraße. Von 1826 bis 1829 ließ die Stadt Schweinfurt die Straße ausbauen und pflastern. Aus diesem Anlass wurde zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. dieser Brunnen errichtet.

Das Rückert-Denkmal (1890) am Marktplatz ist ein Bronzeguss von Wilhelm von Rümann und Friedrich von Thiersch des 1788 in Schweinfurt geborenen Dichters und bahnbrechenden Übersetzers orientalischer Dichtung Friedrich Rückert. Das Walzenwehr-Denkmal (1903/1965) ist eine Kettenaufzugsvorrichtung für das erste Walzenwehr der Welt von MAN (1903). Das Denkmal am Willy-Sachs-Stadion (1936, Neoklassizismus) ist ein Bronzeguss von Ludwig Gies zu Ehren des Stadionstifters Willy Sachs.

Der Anker vom Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff ist eine Monomentalskulptur auf der Schleuseninsel. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore. Das Duplikat des Great Beijing Wheel-Lagers (2012) vor dem Theater der Stadt Schweinfurt entstand, nachdem FAG Kugelfischer in Schweinfurt die beiden Pendelrollenlager für das London Eye entwickelt und gebaut hatte. FAG wurde nun beauftragt, die Lager für das größte, 208 m hohe Riesenrad der Welt, das Great Beijing Wheel im Chaoyang-Park zu entwickeln, das jedoch nicht ausgeführt wurde. Der Innendurchmesser des Lagers entspricht exakt dem Außendurchmesser des Lagers des London Eye. Der Gedenkort für die Opfer der Zwangsarbeit (2011) von Herman de Vries ist ein 3 km langer Lagerweg und Gedenkort mit drei Linden am Main in Oberndorf. Der Weg führt entlang des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers von Kugelfischer, als Gedenkstätte an die über 10.000 Zwangsarbeiter, die auch aus Kriegsgefangenen rekrutiert wurden und in der Schweinfurter Großindustrie arbeiten mussten. Das Deutsch-amerikanische Luftkriegsdenkmal von 1998 am Hochbunker am Spitalseeplatz gilt als erstes und einziges seiner Art in Deutschland. Es erinnert insbesondere an den Black Thursday, den 14. Oktober 1943, als die Amerikaner über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage erlitten (siehe: Zweiter Weltkrieg). In den 1970er Jahren wurde die Second Schweinfurt Memorial Association (SSMA) gegründet, die schon in ihrem Namen auf diesen zweiten Angriff auf Schweinfurt Bezug nimmt und die Idee zum Denkmal hatte.

Stadtmodell

Seit 2015 befindet sich im Stadtschreiberhaus am Martin-Luther-Platz ein neu angefertigtes Stadtmodell, das Schweinfurt um das Jahr 1800 zeigt. In den nächsten Jahren soll das Modell bis zum Schloss Peterstirn auf 4,80 Meter Länge erweitert werden, das dann das historische Stadtgebiet (ohne Alt-Oberndorf) auf einer Distanz von knapp über zwei Kilometern abbildet.

Wirtschaft

Industrie

Überregional bekannte Firmen

  • Bosch Rexroth, Werk für Lineare Bewegungstechnik; Hauptsitz in Lohr am Main
  • Carl Kühne KG; einer der beiden größten deutschen Produktionsstandorte ist auf Sennfelder Gemarkung das Werk Schweinfurt; Hauptsitz in Hamburg
  • Fresenius Medical Care; größter Produktions- und Entwicklungsstandort des DAX-Konzerns ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Bad Homburg
  • Schaeffler KG (vormals DAX-Konzern FAG Kugelfischer), zweitgrößter Wälzlagerkonzern der Welt; größter Fertigungsstandort ist in Schweinfurt, zugleich Sitz der Sparte Industrie; Hauptsitz in Herzogenaurach
  • Schwedische Kugellagerfabriken SKF, größter Wälzlagerkonzern der Welt; größtes Werk weltweit ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Göteborg
  • SenerTec, europäischer Marktführer für Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen
  • SRAM (vormals Fahrradkomponenten von Fichtel & Sachs); europäische Zentrale ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Chicago
  • Winora-Staiger, Fahrräder
  • ZF Friedrichshafen (vorm. Fichtel & Sachs), zweitgrößter Automobilzulieferer der Welt; größtes Werk weltweit ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Friedrichshafen

Siehe auch: Schweinfurter Industriegeschichte

Eckdaten Schweinfurts

Schweinfurt ist heute wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns (vor Nürnberg und Erlangen) und besitzt das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt (2018) und mit 76,2 % (2017) die zweithöchste Einpendlerquote Deutschlands. Die Stadt hatte 2017 insgesamt 52.898 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, soviele wie Einwohner, davon 26.823 im produzierenden Gewerbe, ca. 17.750 im Dienstleistungssektor und 8.311 im Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Das verfügbare Einkommen ist aufgrund des moderaten, örtlichen Preisniveaus hoch; deutlich höher als beispielsweise in München und anderen Ballungsräumen, wo sehr hohe Mieten zum Standortnachteil wurden.

Siehe auch: Artikel-Einleitung

Wirtschaftliche Entwicklung

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Schweinfurt ist seit den 1930er Jahren europäisches Zentrum der Wälzlagerindustrie. Nach ersten Schwierigkeiten in den 1970er Jahren mit Personalabbau in Folge eines japanischen Dumping-Angriffs auf die Schweinfurter Wälzlagerindustrie geriet die Stadt um 1992 in Folge der Globalisierung in eine schwere Krise. Sie wurde erfolgreich überwunden, ohne eine einzige Werksschließung, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Industriezentren, wie beispielsweise Nürnberg. Die überregionalen Medien berichteten ausführlich über die große Krise, aber nicht über den nachfolgenden Wandel zur neuerlichen Industriemetropole, was deshalb in der Öffentlichkeit überregional bisher kaum wahrgenommen wurde.

Seitdem vollzog sich ein Wandel, weg von billiger Massenproduktion und alles dominierender Automobilzulieferung, hin zu Hightech-Wälzlagern mit Sensorentechnologie oder für Bergbau, Schiffbau, Luft- und Raumfahrt, Großlagern für Windkraftanlagen und riesigen Spezialanfertigungen, wie dem Pendelrollenlager fürs London Eye von FAG Kugelfischer. Forschung und Entwicklung wurden zum immer größeren Faktor. Zudem kamen neue Branchen in die Stadt, wie Lineartechnik mit Bosch Rexroth und Medizintechnik mit Fresenius Medical Care, mit der weltweit größten Produktion von Dialysegeräten in Schweinfurt.

SKF eröffnete 2017 das leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt. Am Schweinfurter ZF-Standort, dem Sitz der Division E-Mobility, wurde 2019 das E-Mobility-Center eröffnet. Am Schweinfurter Schaeffler-Standort, dem Sitz der Sparte Industrie und Zentrum der Mechatronik, werden der Prozess Industrie 4.0 und zudem eine digitale Lernfabrik angesiedelt. Fresenius eröffnet 2020 sein neues Technologiezentrum. Durch den seit 2017 im Aufbau befindlichen i-Campus Schweinfurt soll die Zusammenarbeit von Industrie und Hochschule intensiviert werden, u. a. mit dem bundesweit ersten Studiengang Roboting.

Prognose

Schaeffler-Betriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard:„Noch werde viel Geld verdient mit dem klassischen Autoteile- und Industriegeschäft. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern liege im Industriesektor (Standort Schweinfurt) bei zehn Prozent. Mit „alten Produkten“ für den Verbrennungsmotor werde noch bis etwa 2030 gutes Geld verdient, das sei auch nötig für die Entwicklung von innovativen Produkten der Zukunft. Die wolle Schaeffler nicht über Kredite, sondern aus Erträgen finanzieren Das Wälzlager wird bleiben, es gibt keine technische Lösung, die es überflüssig macht Wer es aber besser mache, langlebiger, etwa auch mit digitaler Verschleißprognose, könne damit weiter Geld verdienen. Lager oder Wankstabilisatoren, ausgestattet mit Sensoren, die ankündigen, dass ein Verschleißteil ausgewechselt werden muss – daraus könnte ein Geschäftsmodell werden. Produkt- und Prozessoptimierung mit digitalen Lösungen.“

Kunststoffe

Schweinfurt ist Hauptsitz von Maincor, Hersteller von Kunststoffrohren, Sitz von Mainplastik und von Melaplast, das Melamin-Laminate produziert. KLT Hummel Plastic (KunstoffLagerTechnik) produziert vor allem für die Automobilindustrie (einschließlich Nutzfahrzeuge). Zu den Kunden zählen Daimler, Scania, ZF, Schaeffler und Continental. Zudem arbeitet KLT mit SKF im Bereich Gleitlager zusammen, für wartungsfreie Lager, wie sie im Großformat im Oosterschelde-Sperrwerk eingebaut wurden.

Farben

Im historischen Zentrum der deutschen Farbenfabriken (siehe: Schweinfurter Industriegeschichte, Farben) gibt es heute nur noch die Farbenfabrik Deifel.

Textilien

P.A.C. am Hainig ist ein weltweit führender Hersteller von Multifunktionstüchern.

Lebensmittel

Das lößreiche Schweinfurter Gauland im Westen des Landkreises ist eine Kornkammer. Hier gedeiht auch Braugerste hoher Qualität. In der Stadt sind eine Getreidemühle, die Cramer Mühle und zwei Malzfabriken ansässig: Ireks, mit Hauptsitz in Kulmbach, und die Mälzerei Günther Schubert.

Informationstechnologie

Die GPSoverIP GmbH ging 2003 aus einem 1996 gegründeten Schweinfurter IT-Haus hervor. Sie entwickelte das neue Verfahren GPSoverIP zur Positionsübermittlung von Geokoordinaten. Es wird u. a. in der Logistik-Branche bei LKWs und bei Formel 1-Rennwagen angewendet. Die GPSoverIP GmbH arbeitet im Auftrag von namhaften deutschen Unternehmen, wie Audi und BMW. Zudem besteht seit 2008 eine enge Zusammenarbeit mit dem ADAC.

Finanzen und Dienstleistungen

Finanzdienstleistungen

Schweinfurt ist Hauptsitz von drei Finanzdienstleistern. Das Bankhaus Max Flessa (Kurzbezeichnung: Flessabank) ist eine private Universalbank mit Niederlassungen in drei Bundesländern. Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge ist ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut. Die SKD BKK ist eine offene Betriebskrankenkasse für die zehn westdeutschen Bundesländer und Berlin. Alle drei Finanzdienstleister haben ihren Sitz in der westlichen Innenstadt.

Weitere Dienstleistungen

Die Deutsche Telekom und die Unicredit betreiben jeweils ein Callcenter im Gewerbepark Maintal. Die DB FuhrparkService ist mit zwei ihrer insgesamt fünf deutschen DB Autohäusern in Schweinfurt ansässig, aufgrund der zentralen Lage der Stadt. Die Firma dronesecure betreibt die erste und bisher (2019) einzige Drohnenschule Deutschlands. Als Übungsplatz dienen das Freigelände und die einstigen Tennishallen einer ehemaligen Freizeitanlage am Sennfelder See.

Bau- und Immobilienwirtschaft

Schweinfurt ist das Zentrum der Bau- und Immobilienwirtschaft in Mainfranken. Die Firmengruppe Riedel Bau mit einem Umsatz von 191 Mio. Euro (2017) und ca. 430. Mitarbeitern agiert als Bauunternehmen bundesweit und bei Projektentwicklung und Realisierung von Bauträgerprojekten hauptsächlich in Mainfranken. Die Unternehmensgruppe Glöckle mit einem Umsatz von ca. 120  Mio. Euro und ca. 420. Mitarbeitern agiert in selber Weise wie Riedel Bau, zudem auch im Tiefbau.

Der Immobilienmarkt entdeckte neuerdings die hohe Standortqualität Schweinfurts, mit hoher Wirtschaftskraft und Lebensqualität (siehe auch: Geographie und Kulturelle Prägung). Immobilienpreise und Wohnungsmieten stiegen vom niedrigen Niveau in Relation beispiellos in Deutschland. 2014 lag die reale Kaltmiete im Stadtdurchschnitt nur 5 Cent über dem Wert des von starker Abwanderung geprägten Suhls im Thüringer Wald. Sie lag in Schweinfurt bei lediglich 5,81 €/m² und stieg bis April 2019 um 57,3 % auf 9,14 €/m². Während sie im gleichen Zeitraum in Würzburg um nur 9,0 % von 9,55 €/m² auf 10,41 €/m², in Berlin um nur 12,9 % von 10,47 €/m² auf 11,82 €/m² und in München um 23,9 % von 15,69 €/m² auf 19,44 €/m² stieg. In diesem Zeitraum überholte bei der Höhe der realen Kaltmieten Schweinfurt die fränkische Universitätsstadt Bayreuth und die ostdeutschen Boomstädte Jena und Leipzig. Die Nachverdichtung Schweinfurts ist deshalb derzeit (2019) im vollen Gange.

Trotz allem befinden sich die örtlichen Mieten für bayerische Verhältnisse noch auf moderatem Niveau. Sie liegen derzeit (2019) etwas unter den Mieten der wirtschaftlich schwächeren Nachbarstädte Bamberg und Aschaffenburg, wobei sich hier auch die größere Entfernung Schweinfurts zu den großen Ballungsräumen preismindernd auswirkt.

Tourismus und Konferenzen

Einen starken Zuwachs gab es in der Stadt 2015 bei den Übernachtungen, mit 215.181 (2014: 181.555) und den Gästeankünften mit 119.540 (2014: 103.301). Auch die Zahl der Beherbergungsbetriebe stieg auf 24 (2014: 21). Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich 2016 weiter auf 226.000. Unter den Touristen finden sich insbesondere Geschäftsreisende, Teilnehmer an Konferenzen, Radtouristen auf dem vielbefahrenen Main-Radweg, Museums-Touristen und Urlauber auf dem Weg in den Süden über die Skandinavienautobahn A 7. Auf dieser wird nach der geplanten Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2024 ein starker Zuwachs von Fernreisenden erwartet. Wegen der vermuteten, nahezu kompletten Verlagerung des Skandinavien-Transitverkehrs, weg von den Ostsee-Fähren und Ostdeutschland auf die A 7.

Schweinfurt liegt in einer Tourismus-Region. Unweit nördlich vom Landkreis Schweinfurt liegt das bayerische Staatsbad Bad Kissingen, unweit südlich die Volkacher Mainschleife. Zusammen kommt diese Region auf über 2 Millionen jährliche Übernachtungen und über 200 Beherbergungsbetriebe mit etwa 10.000 Gästebetten. Bei größeren Konferenzen in Schweinfurt wird deshalb bei Übernachtungen auf das große Ausweichpotenzial im 24 km (Straße) entfernten Bad Kissingen zurückgegriffen.

2004 wurde das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) auf der Maininsel Bleichrasen eröffnet. Es bietet Platz für 960 bzw. ca. 400 Teilnehmer (Stuhlreihen/Parlament) und bildet eine Einheit mit einem Viersterne-Hotel.

Einzelhandel

Das Einzelhandels-Gesamteinzugsgebiet Schweinfurts beträgt ca. 787.000 Einwohner. Die Stadt ist für die knapp eine Million Einwohner Mainfrankens in maximal einer Stunde gut erreichbar, besitzt deshalb eine sehr hohe Einzelhandelszentralität von 214 Punkten (2019) und liegt damit deutlich über dem benachbarten Würzburg mit 189 Punkten. Die Verkaufsfläche Schweinfurts beträgt 237.600 m² (2016). Davon entfallen 70.200 m² auf die Innenstadt, wo sich auch das größte innerstädtische Warenhaus Unterfrankens befindet, eine Filiale der Galeria Kaufhof mit rund 10.000 m² Verkaufsfläche und das 1973 eröffnete Rückert-Centrum, mit 21.000 m². Die Verkaufsflächendichte liegt bei hohen 4.500 m² pro 1.000 Einwohner (2016). Der Umsatz stieg ständig an, von 526 Millionen Euro (2014) und 646 Millionen Euro (2016) auf einen geschätzten Wert von 688 Millionen Euro für 2019.

Die Leerstandsquote der Geschäfte erreichte um und kurz nach 2015 einen Höchststand, möglicherweise bedingt durch den Onlinehandel, der 20 % des Umsatzes in der Region beträgt. Die Leerstandsquote lag 2016/17 unter den rund 800 Geschäften in der Innenstadt bei 9,9 % (78 Geschäfte). Die Leerstände waren seitdem wieder rückläufig, wobei sich steigende Reallöhne positiv auswirkten und außerdem Gastronomie eine wichtigere Rolle spielte.

2009 eröffnete das größte innerstädtische Einkaufszentrum Mainfrankens, die Stadtgalerie Schweinfurt, eine 300 m lange Shopping Mall mit 22.500 m² Verkaufsfläche, 100 Geschäften und 1.300 Parkplätzen auf dem Dach. Wegen der befürchteten negativen Auswirkungen für den etablierten Handel in der Innenstadt war 2005 ein Bürgerentscheid durchgeführt worden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für das Projekt des Hamburger ECE-Konzerns, das auf dem Gelände des früheren Werks 1 von SKF verwirklicht wurde. Die Stadtgalerie hat eine tägliche, durchschnittliche Frequenz von 16.000 Besuchern.

Im Hafen-Ost entstand seit den 1980er Jahren eine der größten Fachmarktagglomerationen Deutschlands, in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt im Hafen jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu. 2009 eröffnete XXXLutz im Maintal zwei Möbelhäuser seiner Marken XXXL Neubert und Mömax mit zusammen 34.900 m² Verkaufsfläche.

EinkaufsgalerieSW3.jpg|Westliche City:
StadtgalerieSchweinfurt Altstadt 03.jpg|City:
JägersbrunnenSW Hugendubel.jpg|City:
Georg-Wichtermann-PlatzG.-Wichtermann-Platz ehem. Krönleinareal.jpg|Neues „Tor“ von City in Altstadt: Krönlein-Karree (2017)Spitalstraße.JPG|Altstadt:
SpitalstraßeSchweinfurt, Stadtmauer, Am Unteren Wall-20160105-008.jpg|Am Unteren Wall:
Rückert-Centrum

Weiteres

Brauereien

Von insgesamt elf Brauereien existiert heute nur noch die Brauerei Roth.

Siehe auch: Liste ehemaliger Brauereien in Bayern, Schweinfurt

Logistik

Schweinfurt ist wichtigster Logistikstandort in Unterfranken. Hochregallager prägen den Südwesten der Stadt. SKF und ZF Friedrichshafen haben ihr europäisches bzw. deutsches Logistikzentrum in Schweinfurt. DB Schenker bietet in und nahe der Stadt an insgesamt drei Standorten alle Bereiche der Logistik an, von See- und Luftfracht über Messelogistik bis hin zur Kunstlogistik. Zudem sind in der Stadt und den südlichen Vororten aufgrund der zentralen Lage weitere Logistikunternehmen ansässig. Allein Schäflein hat hier zehn Logistikzentren.

Kiesabbau

Im südlichen Stadtgebiet und angrenzenden Bereichen betreibt die Firma Glöckle Kiestagebau im Nassabbau, mit angeschlossenem Transportbeton-Werk.

Mineralöle

Das Mineralölunternehmen Erik Walther hat seinen Hauptsitz in Schweinfurt, mit einem Tanklager im Hafen. Das Unternehmen betreibt rund 70 eigene Tankstellen in vier Bundesländern und verschifft die Mineralöle mit einer eigenen Tankerflotte von den ARA-Häfen (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) zum Hauptsitz und anderen Tanklagern.

Land- und Forstwirtschaft

Landwirtschaftlich werden 1033 ha im Stadtgebiet genutzt. Zwei Aussiedlerhöfe liegen am Rande der Gartenstadt und zwei am Münzberg. Der Weinbau umfasst 3,5 ha (2017) an der Peterstirn (siehe: Weinbau). Die Wasserflächen betragen ca. 170 ha (2018), u. a Karpfenteiche westlich des Sennfelder Sees; es gibt noch einige Fischwirte. Die Waldgebiete umfassen 500 ha, die abgesehen von kleineren naturgeschützten und urwaldähnlichen Zonen am südlichen Mainufer der Forstwirtschaft unterliegen.

Gründerzentren

Das erste Gründerzentrum wurde bereits 1994 eröffnet, als Gründer- Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS). Es bietet insbesondere Gründern aus den Bereichen Informationstechnik, Software, Technologie und unternehmens­nahen Dienstleistungen angepasste Büroräume am Hainig zur Miete. Das von der Stadt Schweinfurt betriebene Chancen-Center Maintal vermietet Hallen für Start-up-Unternehmen im Gewerbebereich im Industrie- und Gewerbepark Maintal. Seit 2018 bietet ebenfalls die Stadt Coworking-Spaces im Friedrich-Rückert-Bau in der Altstadt an, dazu drei externe Ladenlokale in der Innenstadt, zudem ein Startup-Chancencenter im Gewerbegebiet Heckenweg im Nördlichen Stadtteil.

Gewerkschaften

Schweinfurt ist Hauptsitz der DGB-Region Schweinfurt-Würzburg.

Infrastruktur

Mainbrücken

Schweinfurt hat insgesamt 62 Brücken, davon sieben Mainbrücken, die den Main oder nur einzelne Mainarme oder nur den Altmain queren. Darunter befindet sich eine Eisenbahnbrücke, alle anderen sind Straßenbrücken. Die nachfolgend von Ost nach West (mainabwärts) aufgeführten Brücken queren vollständig den Main. Die Maxbrücke ist eine dreispurige Straßenbrücke, Baujahr 1958. An ihrer Stelle befand sich bereits um 1400 die erste Brücke der Stadt über den Hauptarm des Mains. Die Gerolzhöfer Brücke ist eine eingleisige Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Schweinfurt-Hbf–Kitzingen-Etwashausen, die derzeit, außer Güterverkehr im Raum Schweinfurt, nicht im Betrieb ist. Die erste Eisenbahnbrücke an dieser Stelle wurde 1903 errichtet. Über die Hahnenhügelbrücke, die 1964–1967 erbaut wurde, führt die Bundesstraße 286. Mit über 41.800 (2011) Kraftfahrzeugen am Tag bildet sie die südmainische Hauptzufahrt in die Innenstadt. Sie besitzt vier Fahrspuren und soll in einigen Jahren durch einen fünf- oder sechsspurigen Brückenneubau ersetzt werden. Die Mainbrücke Oberndorf ist eine sechsspurige Straßenbrücke (vier Fahrspuren und zwei Standspuren), Baujahr 1970/1994, der Bundesautobahn 70. Die Brücke überqueren ebenfalls über 40.000 Kraftfahrzeuge (2017) am Tag.

Bundeswasserstraße

Schweinfurt liegt an der derzeit (2019) leistungsfähiger ausgebauten,3.500 km langen Großschifffahrtsstraße, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Jährlich passieren 1.000 Hotelschiffe (Flusskreuzfahrtschiffe) und 6.000 Frachtschiffe die Stadt. Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personenschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe sowie Bootshäfen. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem eine Staustufe, mit einer Schleuse und eine Bootsschleuse für Sportboote. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202 km zuständig.

Schweinfurt war 1911/1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main, die 1936 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde.

Öffentlicher Verkehr

Schiene

Während der deutschen Teilung lag die Stadt im Bahn-Fernverkehr im Abseits und erfährt in neuerer Zeit eine Trendwende (siehe: Lage). Dadurch gelangt Schweinfurt wieder seit 1939 an die schnellste Verbindung Stuttgart–Berlin, mittels Umstieg in Bamberg in die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Berlin. Ferner existieren folgende Regionalexpress- und Regionalbahnlinien:

  • RE Bamberg–Schweinfurt–Frankfurt am Main (Main-Spessart-Express); über diesen Zug ist Paris-Est von Schweinfurt mit einmaligem Umstieg in Frankfurt erreichbar
  • RE Würzburg–Schweinfurt Hbf–Bamberg–Nürnberg (Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf)
  • RE Würzburg–Schweinfurt Hbf–Erfurt
  • RB Schweinfurt Stadtbahnhof–Meiningen (Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen der Erfurter Bahn)
  • RB Schweinfurt Stadtbahnhof–Bad Kissingen–Gemünden (Bahnstrecke Gemünden–Ebenhausen der Erfurter Bahn)

Die Wiederinbetriebnahme der Steigerwaldbahn wird derzeit diskutiert. Das Neubauvorhaben einer direkten Schienenverbindung Schweinfurt–Fulda kommt frühestens in den Bundesverkehrswegeplan 2030.

Bahnhöfe:

  • Hauptbahnhof (Kategorie 3)
  • Stadtbahnhof (Kategorie 5)
  • Sennfelder Bahnhof, derzeit (2019) nur Güterverkehr
  • Haltepunkt Schweinfurt Mitte (Kategorie 6)
  • Containerterminal Schweinfurt

Verkehrsverbünde

Die Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (VSW) ist eine Verkehrsgemeinschaft des Öffentlichen Personennahverkehrs für das Gebiet der kreisfreien Stadt Schweinfurt und den Landkreis Schweinfurt. 23 Buslinien von örtlichen Busunternehmen und zwei Bahnlinien der Erfurter Bahn, bzw. der Deutschen Bahn, bieten einen Gemeinschaftstarif an. 2017 wurde die Nahverkehr Mainfranken GmbH (NVM) gegründet. Hauptziel ist die Verbundraumerweiterung des bisherigen Verkehrsverbunds Mainfranken (VVM) durch Angliederung der Region Schweinfurt/Main-Rhön zum 1. August 2022. Es entstünde dann nach Einwohnern der drittgrößte und nach Fläche der zweitgrößte Verkehrsverbund Bayerns.

Busse

Fernbusse halten am ZOB Hauptbahnhof, mit Verbindungen in viele Städte Zentraleuropas. Regionalbusse des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn Omnibusverkehr Franken (OVF) (auch: DB Frankenbus) und der Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (siehe oben) fahren insbesondere den ZOB Hauptbahnhof an und zudem weitere Haltestellen im Stadtgebiet. Die OVF unterhält in Schweinfurt eines von insgesamt drei Depots. Stadtbusse der Stadtwerke Schweinfurt fahren sternförmig den ZOB Roßmarkt in der Innenstadt an. 20 Linien bedienen das Stadtgebiet und die meisten Vororte.

Personenschifffahrt

Die Schweinfurter Personenschifffahrt führt von März bis Oktober auf dem Main Rundfahrten durch, auch in Verbindung mit Veranstaltungen mit gastronomischen Angebot an Bord.

Straßenverkehr

Schweinfurt besitzt sehr gute Straßenverkehrsanbindungen, als i. d. R. staufreier Autobahnknoten (siehe: Lage), der die Stadt entlastet, die nur noch 5 %  Durchgangsverkehr besitzt. Autobahn 70 (Südtangente) und Autobahn 71 (Westtangente) bilden eine Umfahrung um Schweinfurt, mit sieben Anschlussstellen für Stadt und Vororte. Während die landschaftlich wertvollen Bereiche im Norden und Osten (Schweinfurter Rhön) von Landschaftszerschneidungen verschont blieben. Bis zum Zweiten Weltkrieg gingen die Planungen der Reichsautobahnen vollständig am Raum Schweinfurt vorbei. In Folge der deutschen Teilung und der damit verbundenen Umplanungen (siehe: Strecke 46 und Strecke 85) und der Wiedervereinigung wurde die Stadt zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte.

Schweinfurt liegt an zwei Europastraßen (Transeuropäische Netze TEN):

  • TEN Alta (Nordkap)–Gela (Sizilien). Die europäische Nord-Süd-Achse, mit fast 5000 km Länge, verläuft auf der A 7 über das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck.
  • TEN Schweinfurt–Prag. Die E 48 beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und war als durchgehende Autobahn von hier bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding geplant, wo sie an die Schnellstraße R 6 über Karlsbad nach Prag anschließen sollte. Im Endausbau wurde die E 48 als durchgehende, vierspurige Schnellstraße von Schweinfurt nach Prag angestrebt. Da die Planung der Fichtelgebirgsautobahn im Januar 2009 aufgegeben wurde, verläuft die E 48 nur von Schweinfurt bis Bad Berneck über Autobahnen und läuft dann zunächst als Bundesstraße weiter.
  • An die erste Autobahn durch Unterfranken erhielt Schweinfurt Anfang der 1960er Jahre seinen ersten Autobahnanschluss Schweinfurt-Süd/Wiesentheid über einen 34 km langen Autobahnzubringer. Diese Anschlussstelle wurde später für die Stadt durch drei neue, nähere Autobahnen völlig bedeutungslos und wurde deshalb in Wiesentheid umbenannt. Der sechsstreifige Ausbau der A 3 in diesem Abschnitt (Autobahnkreuz Biebelried–Autobahnkreuz Fürth/Erlangen) ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP).
  • Sie verläuft von der dänischen zur österreichischen Grenze. Anschlussstellen Wasserlosen (vormals Schweinfurt/Niederwerrn) und Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A 7/A 70). Zwischen den Kreuzen Schweinfurt/Werneck und Biebelried ist der sechsstreifige Ausbau im BVWP 2030 im weiteren Bedarf mit Planungsrecht, kann aber bei entsprechenden Haushaltsmitteln wesentlich früher beginnen. Fünf neue sechsstreife Brücken sind derzeit im Bau und sollen zwischen Ende 2019 und Ende 2023 fertig sein.
  • Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und läuft über Bamberg bis zum Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach (A 70/A 9).
  • Sie endet an der Schweinfurter Stadtgrenze am Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) und läuft über das Autobahnkreuz Erfurt (A 71/A 4) zum Autobahndreieck Südharz (A 71/A 38).

Die Bundesstraßen spielen für Schweinfurt im Fern- und Regionalverkehr, der hier größtenteils über Autobahnen verläuft, nur noch eine geringe Rolle, dienen meist nur als Autobahnzubringer oder dem lokalen Verkehr und wurden deshalb zum Teil im Schweinfurter Raum zu Staatsstraßen zurückgestuft. Die Stadt liegt an, bzw. bei folgenden Bundesstraßen:

  • Eisenach–Kleines Walsertal. Sie verläuft 2 km vor der Stadtgrenze als Westtangente und wurde zwischen der A 70 und Meiningen herabgestuft.
  • Riedstadt (Rhein)–Bamberg, wurde im Raum Schweinfurt zur Staatsstraße herabgestuft
  • Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck–Arnstein. Bundesstraße auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.
  • im BVWP 2030. Geplante Schnellstraße vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck zur A 3 (Anschlussstelle Helmstadt), als Umgehung des Autobahnkreuzes Biebelried. Direkte Verbindung von Schweinfurt nach Frankfurt am Main via A 3 und Stuttgart via A 81. Kreuzungsfrei, dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur geplant. Der erste Bauabschnitt ist im vordringlichen Bedarf des BVWP 2030 und befindet sich derzeit (2019) bereits in fachplanerischer Umsetzung. Er verläuft zunächst auf der Trasse der B 26a bis Arnstein und dann weiter auf neuer Trasse bis Karlstadt am Main, mit fünf Anschlussstellen, zuletzt Karlstadt-Ost.
  • Enzlar–Bad Brückenau. Im Abschnitt zwischen A 3, Anschlussstelle Wiesentheid und Schweinfurt-Hafenkreuz kreuzungsfreie Schnellstraße. In diesem Abschnitt von Gerolzhofen bis zur Anschlussstelle Schwebheim dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur und ab da bis Hafenkreuz vierstreifig.
  • A 7, Anschlussstelle Wasserlosen–Schirnding (Tschechische Grenze bei Eger). Zwischen der A 70 bei Schweinfurt und dem Coburger Land auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.

Radwege

Die Stadt besitzt, besonders im westlichen Bereich, ein dichtes Radwegenetz und liegt an drei Radfernwegen:

  • Main-Radweg
  • Main-Werra-Radweg
  • Werntal-Radweg

Der 600 Kilometer lange Main-Radweg wurde 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet.

Luftverkehr

Schweinfurt liegt zwischen dem Frankfurter Flughafen (118 km westlich) und dem Nürnberger Flughafen (85 km südöstlich). Wegen dieser Nähe gibt es dazwischen keinen Regionalflughafen, obwohl um 1970 unweit westlich des heutigen Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck ein Regionalflughafen angedacht war. Um Schweinfurt liegen drei Flugplätze:

  • Verkehrslandeplatz: Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt, im 25 Kilometer entfernten Haßfurt, wird auch von größeren Flugzeugen angeflogen.
  • Sonderlandeplatz: Flugplatz Schweinfurt-Süd, mit Graspiste; für Motor- und Segelflugzeuge des Aeroclubs Schweinfurt e. V. und Geschäftsreiseflugzeuge und -hubschrauber.
  • Militärflugplatz: Er hatte unterschiedliche Bezeichnungen: Flugplatz Schweinfurt (1937–1945), Schweinfurt Air Base (1945–1948), Conn Barracks (bis 2014), seitdem ungenutzt.

Energieversorgung

Die Stadtwerke Schweinfurt betreiben in der Stadt und einigen Randgemeinden ein Stromnetz, Methangasnetz, Fernwärmenetz und ein Kabelnetz. Der Strom wird an der Börse in Leipzig gekauft und die Stadtwerke sind Miteigentümer des Wasserkraftwerkes an der Schweinfurter Main-Staustufe. Das Gas wird vollständig zugekauft. Die Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH bezogen, die am Schweinfurter Hafen das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) betreibt. Neben den Stadtwerken werden damit die größeren Industriebetriebe mit Heißdampf versorgt.

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Stadtgrenze befindet, wurde 2015 stillgelegt. Die Bauarbeiten, an denen 14.000 Menschen beteiligt waren, begannen 1974 durch die Bayernwerk AG. Es wurden zwei 143 m hohe Kühltürme errichtet, die auf über 50 km Entfernung bis nach Mittelfranken zu sehen sind. Am 9. Dezember 1981 ging das Kraftwerk mit einem Druckwasserreaktor und einer elektrischen Bruttoleistung von 1345 Megawatt in Betrieb. Das KKG arbeitete nahezu störungsfrei und wurde überregional wenig wahrgenommen. Es gab einen Vorfall der INES-Stufe 1 der siebenstelligen Bewertungsskala, alle anderen Vorfälle lagen unterhalb dieser niedrigsten Stufe. Bereits im ersten vollständigen Betriebsjahr 1983 produzierte das KKG mit 9,96 Milliarden Kilowattstunden Bruttostrom mehr als jede andere Anlage weltweit. Das KKG stellte danach zahlreiche weitere Jahres-Weltrekorde auf.

Zuständig für den Rückbau ist PreussenElektra das 2018 die Genehmigung hierfür erhielt. Bis ca. Ende 2020 ist die Brennelementefreiheit geplant und der anschließende nukleare Rückbau bis Ende 2033. Danach beginnt der konventionelle Abriss der Gebäude und Kühltürme, der um 2035 beendet sein soll. Die schwach- und mittelradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wurde am KKG eine Bereitstellungshalle (BeHa) errichtet. Die hochradioaktiven Abfälle werden im 2006 am KKG erbauten Zwischenlager, dem Brennelementbehälterlager (BELLA), gelagert. Es hat eine Laufzeit von 40 Jahren. Wo danach die radioaktiven Abfälle hinkommen steht noch nicht fest, da es noch kein zentrales Endlager gibt. Die beiden Gebäude BeHa und BELLA werden das Einzige sein, was nach dem Abbruch vom KKG übrigbleibt. Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2 Milliarden Euro kosten. E.ON hat bislang (2019) noch kein Konzept, was danach mit dem Werksgelände geschehen soll.

Einer der wichtigsten deutschen Leitungsknoten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung befindet sicham Kernkraftwerk und am gegenüberliegenden Mainufer bei Bergrheinfeld. Er bleibt bestehen und wird seit Anfang 2015 weiter ausgebaut, als ein Ende der geplanten Stromtrasse Suedlink, als erstes Großprojekt in Erdverkabelung.

Klimaschutz

Am 1. Januar 2019 waren für die Stadt 40.494 Fahrzeuge zugelassen, darunter 92 reine Elektrofahrzeuge und 81 Plug-in-Hybrid-Autos. „Im Bundesschnitt steht die Stadt damit sehr gut da, im Ganzen betrachtet sieht man aber, wie viel noch zu tun ist.“

Die Baumschutzverordnung für die Stadt wurde 2018 abgeschafft, da ein Bürgerentscheid für ihren Erhalt am Quorum scheiterte. 25.000 Stadtbäume (2019) gibt es insgesamt an Straßen und in Parks, ohne Privatgrundstücke und den Stadtwald. Darunter ca. 6.600 Ahornbäume, 4.000 Linden, 2.000 Eichen, 1.830 Hainbuchen, 1.800 Eschen, 1.140 Platanen und 900 Robinien. Als längerfristiges, größeres Projekt zur Verbesserung des Stadtklimas sind Baumpflanzungen im gesamten Bereich zwischen Hauptfriedhof und Hauptbahnhof geplant.

Wissenschaft und Bildung

Nationale Akademie der Wissenschaften

In der seinerzeitigen Reichsstadt Schweinfurt wurde 1652 die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhobene Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet (benannt nach Kaiser Leopold I.). Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und ist die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt. Die Gründung erfolgte einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Académie des sciences) gegründet wurden. Das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt erinnert an diese Gründung. Der ebenfalls in Halle ansässige Freundeskreis der Leopoldina hält seine Jahresveranstaltungen alle vier Jahre in Schweinfurt ab.

Hochschule für angewandte Wissenschaften

rechts

In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt studieren derzeit (WS 2018/19) 2.915 Studenten. Einen Rekord gab es dabei mit 1.014 Studienanfängern. Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule. Sie wird auch Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) genannt und ist mit insgesamt ca. 9000 Studenten viertgrößte Fachhochschule Bayerns. In Schweinfurt wurde 2011 östlich des Campus 1 der Campus 2 am nordwestlichen Rand der Innenstadt eröffnet.

i-Campus

2017 begannen auf dem Areal der einstigen Ledward Barracks, wo derzeit der neue Stadtteil Carus-Park entsteht, die Bauarbeiten für einen weiteren Campus der Fachhochschule, im Rahmen der Internationalisierung der Hochschule, die FHWS i-Campus genannt wird. Hier entsteht der internationale Hochschulcampus i-Campus Schweinfurt. Erste englischsprachige Vorlesungen für Studenten aus aller Welt begannen bereits im Wintersemester 2014/15 im bestehenden Campus 1. Ein Studentendorf wird angegliedert, ein erstes Gebäude wurde bereits bezogen.

Die Abteilung Schweinfurt der FHWS hat sich auf die MINT-Fächer spezialisiert, was im i-Campus fortgeführt werden soll. Hier soll auch der bundesweit erste Studiengang Roboting etabliert werden.

Die i-Factory soll auch Unternehmen direkten Zugang zu innovativen Forschungseinrichtungen der FHWS in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Mechatronik ermöglichen. Die zusätzlichen Projekte i-Company und Industrie on Campus sehen eine weitere Zusammenarbeit mit Unternehmen und deren direkten Zugang zu Forschungseinrichtungen der Hochschule, bis hin zur Verschmelzung von Industrie und Hochschule vor. Der Vorlesungsbetrieb im neuen Campus soll 2019 beginnen und im Endausbau Raum für 2.000 bis 3.000 Studenten aus aller Welt geboten werden.

Fraunhofer Institut

Die digitale Fabrik i-Factory ist derzeit am i-Campus in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut im Aufbau. i-Factory und ein neu angesiedeltes Fraunhofer-Institut sollen 2020 eröffnen und werden zunächst im zentralen Block der einstigen Ledward Barracks beherbergt.

Uni-Lehrkrankenhaus

Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina-Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Es verfügt mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern über 700 Planbetten und ist ein Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung für die ganze Region. Das Klinikum bildet den Kern eines großen medizinischen Versorgungs-Quartiers, mit Instituten, Ärztehäusern und weiteren Einrichtungen. Die Leo Academie am Leopoldina-Krankenhaus bietet Mitarbeitern und externen Teilnehmern Fort- und Weiterbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen an. Mit Dozenten aus den eigenen Kliniken und externen Lehrkräften.

Schulen

Schweinfurt ist eine Schulstadt, mit derzeit rund 19.000 Schülern in ca. 50 Schulen. Von den acht staatlichen Grundschulen beherbergen drei eine Mittelschule. Daneben gibt es eine private Grund- und Mittelschule, in der nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird, zwei Realschulen und die Private Real- und Wirtschaftsschule O. Pelzl.

Abitur, die Fachhochschulreife oder das Internationale Abitur kann man in neun Schulen erlangen: in fünf Gymnasien, dem Bayernkolleg Schweinfurt, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der englischsprachigen International School Mainfranken. Das Celtis-Gymnasium wurde 1632 auf Weisung des Schwedischen Königs Gustav II. Adolf als Gymnasium Gustavianum gegründet. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war in den 1970er Jahren mit über 2.000 Schülern größtes Gymnasiums Bayerns. Die englischsprachige International School Mainfranken ist als IB World School von der International Baccalaureate Organization (IBO) zertifiziert und bietet Schülern nach der 10. Jahrgangsstufe den internationalen mittleren Schulabschluss IGCSE und nach der 12. Klasse das International Baccalaureate Diploma (IB-Diploma), vergleichbar mit einem internationalen Abitur, das in über 110 Ländern anerkannt wird. Eine Besonderheit stellt das private Lyzeum der Republik Griechenland dar. Der Schulträger ist das Bildungsministerium Griechenlands und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.

Die fünf Förderschulen bieten unterschiedliche Förderschwerpunkte an. Es gibt vier Berufsschulen, davon eine zur sonderpädagogischen Förderung und eine Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Musikschule wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Bayerns.

Kurzfristig existierte eine Erste Private Fachoberschule Schweinfurt.

Gymnasien
  • Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
  • Celtis-Gymnasium
  • Olympia-Morata-Gymnasium
  • Privates Lyzeum der Republik Griechenland
  • Walther-Rathenau-Gymnasium

Internationale Schule

  • International School Mainfranken

Schulen des Zweiten Bildungsweges

  • Bayernkolleg
  • Friedrich-Fischer-Schule (FOS/BOS)

Realschulen

  • Walther-Rathenau-Realschule
  • Wilhelm-Sattler-Realschule
  • Private Realschule Pelzl
  • Private Wirtschaftsschule Pelzl

Bibliotheken

  • Bibliothek der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.
  • Bibliothek Otto Schäfer
  • Stadtbücherei Schweinfurt, Zentralbücherei im Ebracherhof sowie Zweigstellen im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und Oberndorf.

Öffentliche Einrichtungen

Gesundheitswesen

In Schweinfurt gibt es mehrere Kliniken. Das Leopoldina-Krankenhaus (Volksmund: Leo) ist ein städtisches Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 700 Betten, 15 bettenführenden Fachabteilungen, 6 Instituten und 12 Dialyseplätzen (siehe auch: Uni-Lehrkrankenhaus). Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) direkt neben dem Klinikum ist ein Ärztehaus, das vier Fachrichtungen vereint und hierbei die Innere Medizin wiederum zehn spezielle Fachbereiche umfasst.

Das Krankenhaus St. Josef (Volksmund: Josefskrankenhaus) ist ein katholisches Krankenhaus mit 260 Betten und 7 bettenführenden Fachabteilungen. Unweit des Krankenhauses, in der ehemaligen Frauenklinik Dr. Knüpffer, befindet sich die Palliativstation des Josefskrankenhauses, dem ebenfalls ein größeres Ärztehaus mit sieben Fachpraxen angegliedert ist.

Die Tagesklinik für Psychiatrie Schweinfurt ist eine Außenstelle des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck. Der Vorort Werneck ist das Klinikzentrum im Landkreis Schweinfurt, wo sich insgesamt drei weitere Kliniken befinden. Die Außenstelle in Schweinfurt verfügt über 20 Betten (Behandlungsplätze). Die Augenklinik Mainfranken im Rückert Center führt ambulante Operationen und Behandlungen im großen Spektrum der Augenheilkunde durch. Das Ambulante Reha-Centrum am Hainig befasst sich mit Wiederherstellung und Erhalt der Beweglichkeit.

In Schweinfurt kommen auf einen Arzt, einschließlich Psychotherapeuten, 356 Einwohner. Das ist ein Mittelwert, der zwischen den vergleichbaren Nachbarstädten Bamberg (277, Platz 1 in Deutschland) und Aschaffenburg (392) liegt (jeweils 2018).

Behörden

Schweinfurt ist ein wichtiger Behördenstandort. Die Zuständigkeitsbereiche mehrerer Behörden erstrecken sich weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurde eine bayerische Landesbehörde aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

  • Agentur für Arbeit Schweinfurt, zuständig für die Region Main-Rhön
  • Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Bayerisches Landesamt für Statistik, Dienststellen in Schweinfurt und München (Hauptsitz in Fürth)
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, zuständig für Unterfranken (ab Mitte 2020 im Vorort Niederwerrn)
  • Eichamt
  • Finanzamt Schweinfurt
  • Hauptzollamt Schweinfurt, zuständig für Unterfranken und nahezu ganz Oberfranken
  • Staatliches Forstamt
  • Staatliches Gesundheitsamt
  • Staatliches Hochbauamt
  • Staatliches Schulamt
  • Straßenbauamt Schweinfurt
  • Vermessungsamt
  • Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt, zuständig für die Bundeswasserstraße Main im Bereich Schweinfurt und Würzburg
  • Zentrale Ausländerbehörde Unterfranken (ab Mitte 2020 im Vorort Niederwerrn)
  • Zollamt, Dienststelle des Hauptzollamtes Schweinfurt

Gerichte

Schweinfurt gehört zum Gerichtsbezirk des Oberlandesgerichts Bamberg. Schweinfurt ist Sitz mehrerer Gerichte unterschiedlicher Instanzen. In den 1990er Jahren wurde ein bayerisches Landesgericht aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

  • Bayerisches Landessozialgericht, einzige bayerische Zweigstelle (Hauptsitz in München)
  • Landgericht Schweinfurt
  • Amtsgericht Schweinfurt
  • Arbeitsgericht, Außenkammer des Arbeitsgerichts Würzburg

Justizvollzugsanstalt

In Schweinfurt befindet eine Justizvollzugsanstalt (JVA) mit 84 Haftplätzen. Hier werden Untersuchungshaft- und Freiheitsstrafen im Erst- und Regelvollzug bis zu sechs Monate für den Landgerichtsbezirk Schweinfurt sowie Freiheitsstrafen im gleichen Umfang für den Amtsgerichtsbezirk Gemünden vollzogen. Auf dem Gelände der JVA in der Altstadt, an der westlichen Stadtmauer, wurde erstmals 1884 ein Gefängnis errichtet, das im letzten Krieg zerstört wurde. Ab 1945 diente der Hochbunker A4 (Goethebunker) im Musikerviertel als Notgefängnis, bis 1957 das heutige Gebäude an einstiger Stelle fertiggestellt war.

Jugendhilfeeinrichtung

Das Haus Marienthal ist eine Jugendhilfeeinrichtung mit nahezu 170-jähriger Tradition. 1849 besuchte Johann Hinrich Wichern, der Gründer der Inneren Mission, auch Schweinfurt. Er hatte in Hamburg das Rauhe Haus zur Rettung verwahrloster Kinder errichtet. 1854 wurde auf Initiative von Ludwig von Jan das Schweinfurter Waisen- und Rettungshaus eingeweiht. Seit 2000 gehören sämtliche Schülerhorte der Stadt Schweinfurt zum Haus Marienthal. Die einstmals protestantische Stiftungsschule wird heute noch von historischen, evangelischen Vororten (Reichsdörfer und Reichsritterschaften) unterstützt.

Feuerwehren

In der Stadt sind mehrere Feuerwehren ansässig. Die Ständige Wache Schweinfurt, die Freiwillige Feuerwehr Schweinfurt und die Werkfeuerwehren von Schaeffler, SKF und ZF Friedrichshafen. Zudem gab es bis zur Auflösung der U.S. Army Garrison Schweinfurt im Jahre 2014 eine amerikanische Feuerwehr.

Sport

Schweinfurt galt als Stadt des Sports. Diese Bezeichnung wird auch heute noch manchmal verwendet, insbesondere von der Stadt Schweinfurt, obwohl der Sport hier seit Jahrzehnten keine überregionale Rolle mehr spielt. Die dreimaligen Abstiege des 1. FC Schweinfurt 05 aus der 2. Fußball-Bundesliga zwischen 1976 und 2002 führten auch zu einer Abnahme des allgemeinen Bekanntheitsgrades der Stadt. Durch eine ambitionierte Führung des FC 05, mit wiederholtem Einzug in die Hauptrunde des DFB Pokals, wird der Verein neuerdings wieder überregional wahrgenommen.

Vereine

Mehrere herkömmliche Sportvereine der Stadt, insbesondere mit Fußballabteilungen, wurden wie vielerorts, durch die Demografie dezimiert und mussten teilweise neu organisiert werden. Viele Tennisanlagen wurden in Folge der Konkurrenz durch den Golfboom rückgebaut oder verwahrlosten.

In der Tradition der Fußballstadt steht der 1. FC Schweinfurt 05. Die beiden größten Vereine sind jedoch die Turngemeinde Schweinfurt 1848 mit ca. 3.000 Mitgliedern und außerhalb herkömmlicher Sportvereine die Sektion Schweinfurt des Deutschen Alpenvereins mit 3.805 Mitgliedern (2018), sie betreibt die Schweinfurter Hütte in den Stubaier Alpen und die Hütte an der Haselstaude in der Schweinfurter Rhön sowie das DAV-Kletterzentrum Schweinfurt. Weitere Traditionsvereine sind der Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882 und die 1. Radfahrer-Vereinigung 1892 Schweinfurt. Ferner ist der ERV Schweinfurt zu nennen, mit seiner Eishockey-Mannschaft Mighty Dogs. Die beiden letztgenannten Vereine stehen auch in Verbindung mit der Fahrrad- und Rollschuh-Tradition der Stadt, in der Fahrräder, Skateboards, Inlineskates und dazugehörige Kugellager hergestellt wurden bzw. werden. Das Angebot im Wassersport rundet der Segelclub Ellertshäuser See Schweinfurt (SCES) ab.

Siehe auch: Golfplätze

Willy-Sachs-Stadion

Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936 eine Woche vor den Olympischen Spielen in Berlin, als Volkspark eröffnet. Es wurde 2001 umfassend saniert, um die damaligen Auflagen für die 2. Fußball-Bundesliga zu erfüllen. Am Namen des Stadions, das unter Denkmalschutz steht, wird immer wieder bundesweit wegen der Verbindungen des Stadionstifters Willy Sachs zum Nationalsozialismus Kritik geübt. Bei der Einweihung waren die mit Willy Sachs befreundeten Heinrich Himmler und Hermann Göring anwesend. Der Sportpark mit seinem alten Baumbestand wurde nach dem Krieg erweitert und hat zusammen mit den Sportanlagen benachbarter Vereine und den ehemals amerikanischen Sportanlagen (siehe: U.S. Army Garrison Schweinfurt) eine Fläche von etwa einem halben Quadratkilometer. Das eigentliche Fußball- und Leichtathletikstadion nimmt nur einen kleineren Teil des Sportparks ein. Es ist der sogenannte Hauptplatz, mit einem Fassungsvermögen von einst 22.500 und heute 15.060 Zuschauern. „Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er-Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Volkspark und Aufenthaltsort für Familien gedacht.“

Anfang der 1960er Jahre, als das Willy-Sachs-Stadion noch zu den größten Sportparks in der Bundesrepublik Deutschland gehörte, war geplant, das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik dort zu errichten. Es wurden bereits Baupläne für eine große Sporthalle nördlich der Hauptkampfbahn veröffentlicht. Das Leistungszentrum wurde dann jedoch in Hannover verwirklicht.

Fußball

Der 1. FC Schweinfurt 05 stellte mit Andreas Kupfer im Spiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 den ersten Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. In der Rangliste der Vereine mit den meisten Abstellungen zu A-Länderspielen belegt der FC 05 bis heute (2017) den 17. Platz. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellte der FC 05 in einem Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (beide FC 05) und Robert Bernard (VfR 07 Schweinfurt). Die größten Erfolge des Vereins waren das Erreichen der Endrunden für die deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales im Tschammerpokal, wie der DFB-Pokal damals hieß. In den 1930er und Anfang der 1940er Jahre war der FC 05 nach dem 1. FC Nürnberg die Nummer 2 im bayerischen Fußball. Seit 1931 spielte der FC 05 ohne Unterbrechung in der höchsten nationalen Spielklasse, bis zur Einführung der 1. Bundesliga im Jahre 1963, als der Verein zweitklassig wurde. Zweimal misslang danach der Versuch in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Ein Jahr nachdem der FC Bayern München Meister der Regionalliga Süd wurde und aufstieg, wurde 1966 der FC 05 Meister dieser Liga und scheiterte in der Aufstiegsrunde. Der Verein wurde 1974 Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga, und gleich in der ersten Saison verpasste der FC 05 mit Lothar Emmerich durch ein Unentschieden zu Hause am letzten Spieltag die beiden Relegationsspiele zur 1. Bundesliga. In der Saison 2001/02 gehörte der Verein zum dritten und bisher letzten Mal der 2. Liga an. Seitdem spielte er in diversen Amateurligen, derzeit (2018/19) in der Fußball-Regionalliga Bayern (4. Liga).

Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Highbury in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.

Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse, der Gauliga Bayern, im Stadion am Hutrasen. Der größte Erfolg des Vereins war 1940 das Erreichen der zweiten Hauptrunde im Tschammerpokal, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Schweinfurt Gastgeber der Tunesischen Nationalmannschaft. Sie wurde Dritter der Gruppe H und erreichte das Achtelfinale nicht.

Eis- und Rollhockey

Der Eislauf- und Rollschuhverein ERV Schweinfurt hat die derzeit mit Abstand führende Rollhockey-Abteilung Bayerns. Der ERV ist 14facher Meister der 2. Rollhockey-Bundesliga-Süd, spielte auch in der 1. Rollhockey-Bundesliga und stellte einige Zeit die meisten Rollhockey-Nationalspieler. Die Mannschaft hat sich für die neu gegründete eingleisige 2. Bundesliga ab April 2017 qualifiziert, dominierte die Liga und wurde mit großem Punktabstand Meister. Zudem gewann sie 2017 zum vierten Mal in Folge die bayerische Meisterschaft, wo sie als einziger Verein mit der ersten und zweiten Mannschaft teilnahm.

Die größten Erfolge der Eishockey-Mannschaft (seit 2003 Mighty Dogs) des ERV Schweinfurt waren zwei Spielzeiten in der 2. Liga Süd von 1994 bis 1996, die Meisterschaft in der Oberliga Süd/Ost 2003 und die dreimalige Bayerische Eishockey-Meisterschaft 1990, 2009 und 2012. Die Spielstätte der Eishockey-Abteilung ist der überdachte Icedome neben dem Willy-Sachs-Stadion, mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern.

Leichtathletik

Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen olympischen Ringen im roten Streifen).

Faustball

Die Faustball-Weltmeisterschaft 1972 der Männer fand im Willy-Sachs-Stadion statt, in der die Bundesrepublik Deutschland Weltmeister wurde, vor Brasilien und Österreich. Im selben Stadion gewann die Schweiz die Faustball-Europameisterschaft 2012 der Männer, vor Österreich und Deutschland.

Regattastrecke

Der Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882 unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main. Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die deutschen Sprintmeisterschaften, der deutsche Rudertag und das deutsche Ruderwandertreffen ausgetragen wurden.

Freizeit

Parks

Wehranlagen (Stadtpark)

Schweinfurt - Wehranlage - 2016.jpg|Schweinfurt, Alter Friedhof, Kriegerdenkmal-20160507-002.jpg|

Schweinfurt, Kornmarkt 17-20160507-003.jpg|Wildpark Eichen8.jpg|

Die Wehranlagen zwischen Main und Sennfelder Seenkranz sind im innenstadtnahen Bereich ein Stadtpark, der nach außen in einen Waldpark und Auwald überläuft, mit urwaldähnlichen Bereichen am Mainufer. Dieser größere, äußere Bereich ist Landschaftsschutzgebiet. Die Parkanlagen ziehen sich entlang der Südseite des Schweinfurter Mainbogens insgesamt 2,5 km nach Osten hin. Sie liegen auf einem leicht erhöhtem Gebiet (siehe: Sennfelder Seenkranz, Einstige nördliche Flussinsel). Auf dem Areal lagen einst der Exerzierplatz des reichsstädtischen Militärs und am Main die Farbenfabrik Gademann. Von 1869 bis 1890 wurde der Park auf dem Gademann’schen Hügel (alte Bezeichnung: Auf dem Börklein) angelegt, vorwiegend mit Pflanzen aus China, Japan und Korea. Im Park befand sich zudem von 1880 bis 1944 ein Privatzoo, unter anderen mit einem Raubtierhaus. Der Zoo war 1880 umgesiedelt worden, er lag zuvor im heutigen Nordöstlichen Stadtteil auf dem Teilberg, an der heutigen Hofrat-Graetz-Straße. 1891, im Zeitalter der Hochräder, entstand an den Wehranlagen, zum Teil auf Sennfelder Gemarkung, eine 333 Meter lange Radrennbahn.

Entlang der Wehranlagen zieht sich im Süden beiderseits der Stadtgrenze ein fast 4 km langes Brunnen- und Quellengebiet hin. Mit dem Wasserwerk Schweinfurt, Thermalquellen im Sennfelder Seenkranz und einer Heilquelle im nahen Bad Sennfeld. In diesem Gebiet wird auch die Furt vermutet, die der Stadt den Namen gab (siehe: Herkunft des Stadtnamens).

Nach Partnerstädten benannt

  • Châteaudun-Park, nordwestlich der Schweinfurter Stadtmauer
  • Motherwell-Park, nordöstlich der Stadtmauer
  • Seinäjoki-Park, am Deutschfeld-Friedhof im Stadtteil Deutschhof

Weitere Parks

  • Alter Friedhof, an der südlichen Stadtmauer am Main
  • Fichtelsgarten, Wallanlagen nördlich der Altstadt, an der Fichtelsvilla
  • Grünanlage am Philosophengang, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach
  • Am Unteren Wall, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach
  • Am Schuttberg, auf Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs, am westlichen Rand der Innenstadt
  • Pfister-Park, am Friedhof in Oberndorf, an der Kreuzkirche

Tierpark

Nachdem der private Tiergarten im Schweinfurter Stadtpark ''Wehranlagen'' den Bombenangriffen 1944 zum Opfer fiel wurde an anderer Stelle, im Stadtwald, im Randgebiet der Schweinfurter Rhön ab 1962 ein 18 Hektar großer städtischer Tierpark aufgebaut. Der Wildpark an den Eichen, mit freien Eintritt. 50 europäische Tierarten mit insgesamt 500 Tieren sind hier beheimatet, zudem ein Streichelzoo, Wasser- und Abenteuerspielplätze, Liegewiese, Minigolfplatz und ein Biergarten.

Promenaden und Strände

  • Stadtstrand Schweinfurt, in der Mainbastion der Stadtmauer
  • Gutermann-Promenade am Main, mit Grünanlagen, Skulpturen und Industriedenkmälern. (siehe auch: Denkmäler und Brunnen)
  • Georg-Krug-Promenade am Main
  • Baggersee: Badesee am Schwebheimer Wald, mit 1 km langem Badestrand (teilweise Sandstrand), mit einer Gesamtfläche von 60 Hektar, dem 26 Hektar großen Badesee, Hochseilgarten, Beachvolleyball, Bootsvermietung, Kinderspielplätzen und Beachcafe.

Golfplätze

Im Raum Schweinfurt gibt es eine hohe Dichte an Golfplätzen, die Stadt liegt in der Golf-Region Franken. Die nächstgelegenen Anlagen befinden sich nordöstlich der Stadt, in sommerkühleren Höhenlagen, an Waldrändern in der Schweinfurter Rhön:

  • Golf Club Schweinfurt in Löffelsterz (380–400 m ü NN): Golfplatz (18 Loch), öffentlicher Golfplatz (6 Loch), öffentliche Driving Range
  • Golfakademie am Funkturm in Hoppachshof (420 m ü NN): öffentlicher Golfplatz (3 Loch), öffentliche Driving Range

Weitere Freizeiteinrichtungen

Es gibt viele weitere Freizeitmöglichkeiten, insbesondere in Folge der Naturnähe der östlichen Hälfte des Stadtgebietes.

  • Fünf Badeseen und eine Badebucht beiderseits der südlichen Stadtgrenze
  • Silvana, Hallenfreibad und Freizeitbad, am Wildpark an den Eichen
  • Bootsvermietung auf dem Main mit speziellen Grillbooten
  • Bootsvermietung auf dem Baggersee (siehe: Promenaden und Strände)
  • Hochseilgarten (siehe ebd.)
  • D.A.V. Kletterhalle, am Wildpark an den Eichen
  • Willy-Sachs-Stadion, als Volkspark gestaltet (siehe: Sport)
  • Eisstadion Icedome (3.000 Zuschauer), neben dem Willy-Sachs-Stadion
  • Natureisbahn (siehe: Wanderwege und Wintersport)
  • Rodelbahn (siehe ebd.)

Wanderwege und Wintersport

Die Schweinfurter Rhön zieht sich bis ins nordöstliche Stadtgebiet, wo ein dichtes Wanderwegenetz durch weithin unbesiedeltes Gebiet beginnt. Wege führen zu Bayerns größtem Nationalen Naturerbe am Brönnhof, zum Ellertshäuser See und bis in die Nachbarlandkreise Bad Kissingen und Haßberge.

In der Stadt beginnen drei Fernwanderwege Richtung Norden und Nordosten, durch dünn besiedelte Naturräume und Naturparks:

  • Unterfränkischer Jakobsweg von Schweinfurt zum Kreuzberg/Rhön (928 m, Kloster Kreuzberg, Klosterbrauerei, Schlepplifte, Berghotels).
  • Wanderweg zum Schweinfurter Haus am Gangolfsberg (736 m) im Biosphärenreservat Rhön, am Dreiländereck Bayern, Thüringen, Hessen (Weglänge 75 km).
  • Friedrich-Rückert-Wanderweg vom Geburtshaus Friedrich Rückerts am Marktplatz durch die Schweinfurter Rhön und die Haßberge nach Neuses bei Coburg (Weglänge 143 km).

Eine Natureisbahn befindet sich an der Ludwigsbrücke und eine Rodelbahn am Wildpark an den Eichen, die hinunter zum Zellergrundbach führt. Kleinere Wintersportmöglichkeiten in der Schweinfurter Rhön fielen der Klimaerwärmung zum Opfer. Eine Autostunde nördlich der Stadt, in der Rhön, bestehen nach wie vor vielfältige Wintersporteinrichtungen: unweit des Schweinfurter Hauses liegt das hessische Skilanglaufzentrum mit öffentlichen Loipen auf ca. 800 m ü. NN. Eineinhalb Autostunden nördlich Schweinfurts, an der Autobahn 71, liegt auf dem Thüringer Wald der internationale Wintersportort Oberhof, mit einem Biathlon-Stadion für 13.000 Zuschauer, mit Weltcups und Weltmeisterschaften.

Ferienstraße

Schweinfurt liegt am nordöstlichen Ende des größeren, unterfränkischen Teils der Bocksbeutelstraße. Sie führt von der Stadt nach Süden, entlang des Mains, vorbei an den beiden größten Weinorten des Landkreis Schweinfurts Stammheim und Wipfeld und weiter zum nahen Zentrum des Fränkischen Weinlands, der Volkacher Mainschleife (siehe auch: Weinbau).

Reisemobil- und Campingplätze

In Folge der zentral in der Touristikregion Mainfranken gelegenen Stadt gibt es im näheren Umfeld zahlreiche Reisemobil-Stellplätze. Ein kombinierter Reisemobil- und Campingplatz (Stadtcamping Schweinfurt) liegt an der westlichen Stadtgrenze am Hainig, ein weiterer Reisemobil-Stellplatz am Hutrasen, südlich des Naturschutzgebietes Saumain und ein weiterer Campingplatz kurz hinter der südöstlichen Stadtgrenze, am Schwebheimer Wald, auf Sennfelder Gebiet.

Wissenswertes

Theodor Fischer: ein Vater des Bauhauses

Der am 28. Mai 1862 in Schweinfurt geborene Theodor Fischer, der in Schweinfurt das heutige Celtis-Gymnasium besuchte, wurde „als einflussreichster und bedeutendster Architekt vor dem Ersten Weltkrieg“ bezeichnet. Fischer wandte sich von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der Moderne und des Bauhauses. Seine Gedanken im Manifest für die deutsche Baukunst wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. 1932 sowie in einer Rede im Oktober 1933 vor versammelter NS-Prominenz appellierte er vergeblich für den Erhalt des Bauhauses.

Erstes Bodybuilding-Studio Deutschlands

Der US-Amerikaner Harry Gelbfarb wurde 1951 zur Armee eingezogen und später in Schweinfurt stationiert, wo er seine spätere Frau Elly Böttcher, eine Sportlehrerin und Leichtathletin kennen lernte. Nach seiner Armeezeit traf er in Kalifornien bekannte Bodybuilder und eröffnete danach 1956 in Schweinfurt das erste Bodybuilding-Studio Deutschlands. 1959 gründete er mit Mitgliedern seines Studios den ersten deutschen Bodybuilding-Verband (DKB). 1981 organisierte Gelbfarb in seinem Schweinfurter Studio die ersten deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf der Frauen. Für die ersten Frauenmeisterschaften im Bodybuilding formulierte Gelbfarb die Richtlinien mit. Gelbfarb hat „das moderne Zeitalter dieser Sportart in Deutschland eingeleitet“. „Sie waren zu siebt, als Harry Gelbfarb im Jahr 1959 den ersten deutschen Bodybuilding-Verband gründete. Ein halbes Jahrhundert später sind es sieben Millionen Menschen, die in Fitnessstudios ihre Kraft mit Gewichten und Maschinen trainieren“.

Ludwig Mies van der Rohe und Schweinfurt

40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer (MGS) beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtelsgarten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies van der Rohe die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin an der Potsdamer Straße in den Jahren 1965 bis 1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte und gilt als Meisterwerk am Ende seiner langen Laufbahn. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit Heidemarie Schäfer, der Tochter von Georg Schäfer, verheiratet war. Wegen seiner Beziehungen zu Schweinfurt fand neben seiner Geburtsstadt Aachen im MGS von Ende Februar bis Ende Mai 2017 die einzige Ausstellung in Deutschland mit Collagen Van der Rohes als Leihgabe des Museum of Modern Art (MoMA) aus New York statt.

Gunter Sachs

Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt am 14. November 1932 geboren. Er war in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt. Nach seiner Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya 1962 war er von 1966 bis 1969 mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet. Der Fotograf und Kunstsammler führte das Nachkriegsdeutschland aus seiner Provinzialität, machte die Pop Art salonfähig und entdeckte Andy Warhol. Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/14 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dalí und Max Ernst zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.

Beinamen und Mottos

Schweinfurt wird seit langem Kugellagerstadt oder heute auch Wälzlagerstadt genannt. Die beiden größten Wälzlagerkonzerne der Welt haben ihr jeweils größtes Werk in der Stadt (siehe: Artikel-Einleitung). In neuerer Zeit wird Schweinfurt deshalb auch Welthauptstadt der Kugellager genannt.

Bis in die Nachkriegsjahrzehnte war der Beiname Stadt des Sports gebräuchlich, der seitdem, zumindest bis heute, nicht mehr gerechtfertigt ist (siehe: Sport).

In der Serie der ZEIT, Unterschätzte Stadt, war 2014 Schweinfurt vertreten.

Unter der Ägide der einstigen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser wurde das Stadtmotto Industrie und Kunst kreiert. Seitdem kommt der Beiname Kugellagerstadt in Publikationen der Stadt Schweinfurt nicht mehr vor, weil er die Weiterentwicklung der Stadt nicht beinhaltet.

Spitzname

Der mittlerweile bundesweit bekannte Spitzname für den 1. FC Schweinfurt 05 Schnüdel wird in der Stadt als Bezeichnung für den Verein verwendet. Im Umland wird er daneben in einer zweiten Bedeutung auch als Spottname für die Schweinfurter benutzt.

Persönlichkeiten

Zu Schweinfurts Ehrenbürgern gehört Otto von Bismarck (1895). Aus der Stadt stammen Judith von Schweinfurt, (Königin von Ungarn (?), beigesetzt im Veitsdom), Friedrich Rückert (Dichter und Orientalist), Theodor Fischer (Architekt und ein Vater des Bauhauses), Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (einzige Deutsche in der ersten Weltelf der Fußballgeschichte 1938), Stefan Marquard (Starkoch) und der „gefallene Star“ Jürgen Höller (Autor und Motivationstrainer). Gunter Sachs (bekanntester Playboy, Fotograf, Kunstsammler und Ehemann von Brigitte Bardot) wurde im an Schweinfurt angrenzenden Mainberg geboren. Daneben war die Stadt aber auch Anziehungspunkt und Teil des Lebens bekannter Personen, wie Ernst Sachs (Erfinder und Industrieller), Klaus Ernst (Mitbegründer der Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative und Vorsitzender von Die Linke) oder Sarah Kreuz (Sängerin). Familiäre, berufliche oder sonstige Bezüge zu Schweinfurt haben Ludwig Mies van der Rohe und Michael Glos.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurt

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