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Schweinfurt
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Stadtplan Schweinfurt
Stadt Schweinfurt
Markt 1
97421 Schweinfurt

http://www.schweinfurt.de

Schweinfurt

160pxAbb. 1 Wappen von Schweinfurt
Basisdaten
Bundesland Bayern
Höhe 226 m
PLZ 97421, 97422, 97424
Vorwahl 09721
Gliederung 15 Stadtteile
mit 23 Bezirken
Adresse der Verwaltung Markt 1
97421 Schweinfurt
Website www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU)

Schweinfurt (; möglicherweise von altniederländisch Swin, schweinfurterisch: Schweifert) ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken des Freistaats Bayern. Die wichtigste Industriestadt Nordbayerns und Hafenstadt am Main ist Oberzentrum, Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Teilstandort zweier Landesbehörden und Hochschulstadt. Schweinfurt besteht, als deutsche Ausnahme, fast nur aus der Kernstadt, weshalb die Einwohnerzahl keinen Vergleichsmaßstab bietet. Die Agglomeration hat 100.000 Einwohner (2019) und das Einzugsgebiet der Stadt 759.000 Einwohner. Zu ihm gehören die Region Main-Rhön und der mittlere Teil Südthüringens.

Schweinfurt war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und wurde 791 erstmals urkundlich erwähnt. Die Markgrafen von Schweinfurt verloren bereits vor 1000 Jahren ihre überregionale Bedeutung. Vom 12. Jahrhundert bis 1802 war Schweinfurt Reichsstadt, in der Frühen Neuzeit ein humanistisches Zentrum und 1770 begann die Industrialisierung. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wegen ihrer Schlüsselindustrie (Wälzlager) stark umkämpft, geriet durch die Deutsche Teilung ins Abseits und durch die Wiedervereinigung in die bundesdeutsche Mitte, als neuer Autobahnknoten.

Durch Überwindung der Strukturkrise um 1992 wurde die Stadt nicht deindustrialisiert und hat die höchste Arbeitsplatzdichte (2015) und das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Deutschlands (2014). Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF, der zweitgrößte Schaeffler und der drittgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen sowie der DAX-Konzern Fresenius Medical Care haben ihre größten Werke in Schweinfurt.

In der Stadt am Main wurden das Tretkurbel-Fahrrad von Philipp Moritz Fischer (1853), der Fahrradfreilauf (1889) und die Rücktrittbremse (1903) von Ernst Sachs und die Inlineskates als Serienprodukt von SKF (1978) erfunden. 1652 wurde in Schweinfurt die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt gegründet, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina; sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.

Geographie

Lage

Die Region Schweinfurt liegt in der Mitte des Deutschen Sprachraums (D-A-CH-Region) und wurde zu einem wichtigen Logistikstandort. Seit dem Brexit liegt der Mittelpunkt der Europäischen Union 30 km nordöstlich Schweinfurts. Im 120 km-Umkreis befinden sich drei Internationale Flughäfen. Schweinfurt liegt am Beginn des Maindreiecks, dem flussabwärts das Mainviereck folgt (siehe zweite untere Abb. von links). Unweit westlich der Stadt schneidet der 50. Breitengrad den 10. Längengrad und bildet den einzigen Konfluenzpunkt eines Haupt-Breiten- und Längengrades in Deutschland (Konfluenzdenkmal). Der Raum Schweinfurt wird umgeben von den Naturparks Haßberge, Steigerwald, Spessart und dem Biosphärenreservat Rhön. In Sichtweite liegen Steigerwald, Gramschatzer Wald und Rhön. Schweinfurt liegt in einem Großraum hoher Gegensätze, im Süden mit den sommerheißen Mainfränkischen Platten und im Norden mit der Mittelgebirgsschwelle, mit internationalem Wintersport in Oberhof im Thüringer Wald.

Constanta-Rotterdam DE.PNG|Schweinfurt liegt am Europakanal...Main catchment.png|...in der Mitte des Einzugsgebiets
des Mains...Karte Schweinfurter Becken 2.png|…und am Nordostrand des Schweinfurter BeckensSchloß Bismarckshöhe Herbst 19.10.2008 006.jpg|Rechts: Schweinfurter Becken mit Stadtpark. Links: Schweinfurter Rhön mit Schloss Mainberg
und Weinbergen

Die Topografie des Stadtgebietes vereint typische, kontinentaleuropäische Merkmale: die Innenstadt liegt nördlich des Flusses, der Hafen südlich, Arbeiterviertel, Großindustrie und Hauptbahnhof liegen kompakt im Westen in Richtung Rheinschiene und die bürgerlichen Viertel auf Anhöhen im Osten. Der Osten und Norden der Stadt liegt naturnah an Mainauen und Schweinfurter Rhön. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt im Südwesten am Main auf , der höchste im Norden in der Schweinfurter Rhön auf .

Raumordnung

Schweinfurt ist ein Oberzentrum und bildet den Kern des einzigen Verdichtungsgebietes der Planungsregion Main-Rhön, einer ansonsten ländlich geprägten Region. Main-Rhön (Nr. 3) ist eine von 18 Planungsregionen in Bayern und gilt mit fünf Kurbädern als Bayerische Bäderregion; 20 km nördlich von Schweinfurt liegt Bad Kissingen.

Naturräumliche Gliederung

Der größte Bereich des Stadtgebietes liegt im Schweinfurter Becken (Haupteinheit 136). Der Nordosten gehört zum bergigen Hesselbacher Waldland (139).

Geologie

Die Geologie des Stadtgebietes reicht (von älter/unten nach jünger/oben) von den harten Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den weicheren tonig-mergeligen, von einzelnen Sandsteinen und Kalkbänken unterbrochenen Unterkeuper (Lettenkeuper), bis zu den weichen Tonsteinen des Gipskeupers. Sedimente (Kies- und Sand) schufen die Schwemmebene zwischen Main und Schwebheimer Wald (siehe auch: Kiesabbau). In den Kaltzeiten entstanden im Schwebheimer Wald Flugsanddünen.

Tektonik

Die Tektonik des Stadtgebietes wird von der nordöstlich der Innenstadt von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Kissingen-Haßfurter Störungszone geprägt, die das Hebungsgebiet des Kissingen-Haßfurter Sattels von der Schweinfurter Mulde trennt.

Neue Zentralität

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. 2005 wurde die A 71 Erfurt–Schweinfurt als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 und teuerste Autobahn Deutschlands fertiggestellt. Mit der Bahn ist seit 2017 Berlin durch das 10 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 unter dreieinhalb Stunden erreichbar und bereits zuvor konnte man München ab 2 Stunden 33 Minuten und Hamburg ab 3 Stunden, 57 Minuten über zwei nahegelegene Hochgeschwindigkeitsstrecken mit ICE-Halten in Bamberg und Würzburg erreichen. Berlin und München sind von Schweinfurt etwa eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt a. M. erreichbar. Im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive erhält Schweinfurt voraussichtlich im Dezember 2028 einen direkten IC -Anschluss durch den neuen IC Bamberg – Schweinfurt – Würzburg – Stuttgart – Tübingen. Die meisten Autobahnen mit der 7 als erster Ziffer führen in Richtung Schweinfurt bzw. Gegenrichtung. 5 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck schneidet der 50. Grad nördlicher Breite (siehe oben: 50°) der der Mainlinie und A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (siehe oben: 10°) der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas Dänemark – Norditalien und der A 7 ist (Konfluenzdenkmal).

Gewässer

Die Wasserflächen der Stadt umfassen ca. 170 Hektar (2020). Zwischen der Innenstadt und Sennfeld liegen der dort bis zu 170 m breite Main und zwei (einstige) Nebenarme: der Altarm Saumain und das Altwasser Sennfelder Seenkranz. Sie bilden einen bis zu 800 m breiten Gewässerkomplex mit dazwischen liegenden Inseln und einer größeren Halbinsel. Durch den Nordwesten des Stadtgebiets fließt in einem Bogen die Wern und aus der Schweinfurter Rhön fließen Marienbach und Höllenbach in den Main, zudem mündet dort der Zellergrundbach in den Marienbach. Zu beiden Seiten der südlichen Stadtgrenze liegen mehrere Bagger-, Naturseen und Mainbuchten mit Bademöglichkeiten sowie einige Fischteiche. (Siehe auch: Freizeit)

Die bebauten Stadtbereiche sind hochwasserfrei, außer kurzzeitiger, kleinräumiger Straßenüberschwemmungen durch Starkregen. Da sich der Main bei Schweinfurt verbreitert und die Innenstadt auf einem Sockel ca. 10 bis 15 m über dem Wasserspiegel des Mains liegt. Am Main und in der näheren Umgebung richteten jedoch Hochwasser und starker Eisgang wiederholt größere Schäden an, insbesondere 1845 und 1909.

Siehe auch: Maininseln in Schweinfurt und Mainbrücken in Schweinfurt

Wälder, Parks und Schutzgebiete

Innerhalb des Stadtgebietes liegen trotz eng gezogener politischer Grenzen relativ ausgedehnte Wälder (Stadtwald und Hospitalstiftung), mit einer Gesamtfläche von 1.756 Hektar. Die Waldgebiete liegen größtenteils im Nordosten auf den Höhen der Schweinfurter Rhön. Ein kleinerer Teil des Waldes hat einen völlig anderen Charakter. Er liegt 100 Meter tiefer, im brettflachen, wintermilden Tiefland südlich des Mains, von Seen umgeben, als Teil des Schwebheimer Waldes. Laubwald dominiert, auf dem Sandboden des Schwebheimer Waldes kommen auch Kiefern vor.

25.000 Stadtbäume gibt es an Straßen und in Parks, zudem neun Kleingartenanlagen mit insgesamt 40,5 Hektar, weshalb Schweinfurt als grüne Stadt gilt.

Die Wehranlagen gegenüber der Altstadt zählen zu den ältesten botanischen Gärten Deutschlands. Sie ziehen sich 2 Kilometer am Main entlang, am Rand mit teilweise urwaldähnlichen Auwäldern. Die Altstadt wird größtenteils von Ringanlagen umgeben. Zudem gibt es eine Grünanlage auf einem Trümmerschuttberg des letzten Krieges im Musikerviertel sowie den Seinäjoki-Park am Deutschhof, oberhalb des Höllentals und das Naherholungsgebiet Baggersee am Schwebheimer Wald, mit einem Rundweg um den See. Die Tradition der Zoologischen Gärten lässt sich in Schweinfurt bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. 1966 wurde im Stadtwald der Wildpark an den Eichen mit ersten Tiergehegen eröffnet und im Laufe der Jahrzehnte erweitert. Heute leben 500 Tiere auf 18 Hektar im Wildpark, der in die von Tälern durchschnittenen Wälder der Schweinfurter Rhön übergeht. 2026 richtet Schweinfurt voraussichtlich die bayerische Landesgartenschau aus. Auf Stadtgebiet liegen ein Naturschutzgebiet, zwei Landschaftsschutzgebiete, zwei FFH-Gebiete und ein Geotop.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete in Schweinfurt, Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Schweinfurt und Liste der Geotope in Schweinfurt

Weinbau

Der örtliche Weinbau hat kaum noch wirtschaftliche aber nach wie vor kulturelle Bedeutung. Die großlagenfreien Weinberge mit 3,54 Hektar bestockter Rebfläche (2017) gehören zum Bereich Volkacher Mainschleife des Fränkischen Weinbaugebiets.

In Schweinfurt wird seit über 1000 Jahren Weinbau betrieben. Im 19. Jahrhundert war es eine bedeutende Weinbau- und Weinhandelsstadt, 1802 mit etwa 320 Hektar Rebfläche. Östliche Stadtteile befinden sich auf einstigen Weinbergen. Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern. 1902 tauchte die Reblaus in Franken auf und traf den Schweinfurter Raum besonders hart. Seit den 1980er Jahren wird wieder in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau mit der Leitsorte Silvaner betrieben. Durch die fast vollständige Unterbrechung des Weinbaus blieben die Weinberge von der Zuordnung zu Großweinlagen und der großen Flurbereinigung der 1970er Jahre mit der Zerstörung historischer Strukturen verschont.

Klima

Der Niederschlag ist mit knapp über 600 mm pro Jahr für westdeutsche Verhältnisse gering, bedingt durch die Lage östlich des Landrückens Rhön–Spessart, auf der Leeseite (Schweinfurter Trockenplatte). Dauerregen sind seit jeher i. d. R. maximal einen halben Tag lang. Im Hochsommer gibt es öfters Hitzegewiitter, weshalb Schweinfurt 2015 mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer „Deutschlands Blitzhauptstadt“ wurde.

Die Winter sind mitunter kalt, die Übergangszeiten für bayerische Verhältnisse durch die niedrige Seehöhe relativ mild und die Sommer meist warm. Das Frühjahr zieht im Schweinfurter Becken bald ein und ist sehr ausgeprägt. Das gemäßigte Kontinentalklima kommt sonst in Westdeutschland nirgends vor, ist aber in Ostdeutschland weit verbreitet. Schweinfurter und Berliner Klima-Eckdaten sind nahezu identisch. Durch die Klimaerwärmung verminderten sich bis in die 1980er Jahre auftretende, strengere Winter rapide. Die Sommer wurden besonders im Süden, im Schweinfurter Becken, zuweilen tropisch heiß, sind aber im Norden in der Schweinfurter Rhön seit jeher etwas gemäßigter, mit tendenziell ausgeprägteren Wintern. Für Schweinfurt wird bis 2050 „ein mediterranes Klima mit Niederschlägen wie an der Costa Brava (400 mm) vorausgesagt“.

Im Stadtklima wird der Wärmeinsel-Effekt durch begünstigende topografische Faktoren abgemildert und ist geringer als beispielsweise im benachbarten Würzburg. Schweinfurt liegt nicht in einem Talkessel, besitzt relativ viel Grün und Gewässer und das Maintal verläuft in der Hauptwindrichtung von Ost nach West.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet besteht fast nur aus der Kernstadt (Gründe siehe: Eingemeindung). Es gibt keine amtliche Stadtgliederung. Das Stadtgebiet wurde lediglich verwaltungsintern in 26 statistische Bezirke eingeteilt und diese 15 Stadtteilen zugeordnet (blaue Fettschrift auf nachfolgender Liste). Ob auch die Altstadt einen eigenen Stadtteil bildet, bleibt unklar (siehe: Altstadt).

Schweinfurt-Altstadt.jpg|Schweinfurt, Rüfferstraße 1-002.jpg|

Schweinfurt, Luitpoldstraße 21-crop.jpg|Kreuzbergstr. 2-10 - panoramio.jpg|

Stadtgliederung und Sozialstruktur
Nr. Name des statistischen Bezirks/Stadtteils Einwohner
31. Dez. 2015
Ausländer
(%)
Doppelstaatler
(%)
11 Altstadt 2.529 17,7 6,9
12 Innenstadt-West 4.291 29,4 15,7
13 Innenstadt-Nord 3.994 23,0 13,1
21 Bergl 9.162 18,8 23,9
22 Musikerviertel 3.103 20,4 20,1
31 Nordwestlicher Stadtteil 3.314 19,1 15,5
32 Gartenstadt 2.787 6,6 9,4
33 Nördlicher Stadtteil 3.024 11,9 16,6
34 Haardt 1.779 7,4 17,4
35 Eselshöhe 2.561 4,3 13,9
41 Hochfeld/Steinberg 5.126 7,6 10,8
42 Nordöstlicher Stadtteil 2.734 7,4 8,2
43 Deutschhof-Süd 1.855 6,1 26,3
44 Deutschhof-Mitte 1.454 9,6 27,4
45 Deutschhof-Ost 962 7,3 25,7
46 Deutschhof-Nord 963 6,0 14,6
47 Deutschhof-Zeilbaum 784 1,9 11,4
51 Hafen-Ost 244 7,8 7,4
52 Hafen-West 22 50,0 4,5
53 Schweinfurt-Süd/Baggersee 4 0,0 0,0
54 Maintal 2 0,0 0,0
61 Oberndorf-Süd 1.135 11,3 9,7
62 Oberndorf-Mitte 1.326 16,1 13,7
32.5, 36, 63 Diverse Randgebiete 47 2,1 25,5
Schweinfurt insgesamt 53.202 14,6 16,2

Stadtbild

Schweinfurt ist trotz seiner Großindustrie eine organisch gewachsene Stadt. Nach dem Krieg war kein planmäßiger, schneller Wiederaufbau nötig, wodurch es für spätere Stilepochen Gestaltungsspielraum gab. Das Stadtbild ist frei von industrieller Zersiedelung, alten Bahngebieten und Brachen. Den Südwesten um den Hauptbahnhof prägen Industrie-Klinkerbauten der Neuen Sachlichkeit der 1930er Jahre. Südlich des Mains liegen ausschließlich große Industrie- und Gewerbeparks. Beide Bereiche bilden zusammen mit ca. 6 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Industriegebiet Bayerns. Innenstadtnahe Industriebauten aus der Gründerzeit wurden für Bürohäuser und die Stadtgalerie Schweinfurt abgebrochen. Hinter der südlichen, von der Industrie geprägten Skyline überrascht die Altstadt, mit historischen Zeugnissen der reichsstädtischen Vergangenheit. Die Entwicklung von einer historischen Kleinstadt über die Industrialisierung bis zum Oberzentrum für eine halbe Million Einwohner widerspiegelt sich im gegensätzlichen Stadtbild der Innenstadt. Es wandelt sich von Ost nach West (in unterer Bildleiste von links nach rechts). Altfränkische Gassen der östlichen Altstadt gehen über in mittelstädtische, zuweilen chaotische Strukturen um den Roßmarkt, bis hin zu großstädtischem Stadtbild in der westlich gelegenen City. Eine Ausnahme im Osten bildet das Rückert-Center. (Siehe auch: Architektur)

Schweinfurt, Kaufhaus 2.jpg|Rückertstraße/Am Mühltor,
Rückert-Center
und Alte ReichsbankSchweinfurt Burggasse 15-001.JPG|Altstadt,
Zürch,
BurggasseSchweinfurt, Markt, Rathaus 20170225 027.jpg|Altstadt,
Markt mit Altem RathausSchweinfurt Petersgasse 3 Schrotturm-001.JPG|Altstadt,
Ehemaliges GewerbeviertelSpitalstraße.JPG|Altstadt,
SpitalstraßeIdunahochhausJägersbrunnen.JPG|City,
Jägersbrunnen
mit IdunahochhausSW Luitpold 001.jpg|Westl. Gründerzeitviertel,
Luitpoldstraße

Das am Main gelegene Scheibenhochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF (1960–1962) von A. Kubitza wurde nach dem Vorbild des UNO-Hauptquartiers am East River in New York geschaffen. Dort existierte bis in die 1960er Jahre eine durch Raumlicht hinter den Fenstern geschaltete Leuchtschrift „UN“. Auch sie diente zum Vorbild, für das blaue SKF-Logo, das 2014 im Rahmen einer Generalsanierung des Hochhauses auf LED-Technik umgestellt wurde.

River view (2).jpg|^ UNO-Haupt-
quartier (1951) am East RiverSchweinfurt und der Main bei Nacht.jpg|^ SKF Dt. Hauptverwaltung (1962)
nach UNO-Vorbild am Main

Namensbildung

Nicht das Schwein, sondern Swin hat laut Wolf-Armin von Reitzenstein der Stadt ihren Namen gegeben. Das Wort stamme wahrscheinlich nicht aus dem Althochdeutschen, sondern wurde von den Franken aus ihren ursprünglichen Gebieten um Maas und Schelde mitgebracht. Im Niederländischen bezeichnet Zwin {{IPA|zʋin}} einen Priel, einen Wasserlauf in Watt und Marsch. Swin bedeutet im eigentlichen Sinn abnehmen (schwinden) und bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das seichte Wasser einer Furt. Das Wort war auch im Altsächsischen in Gebrauch, worauf mehrere Orte namens Swinford auf den Britischen Inseln hinweisen, ferner auch Swinemünde an der Swine.

Das Dorf Altstadt war die erste Siedlung von Schweinfurt. Sie lag östlich der heutigen Altstadt zwischen Marienbach und Höllental, auf Höhe des Sennfelder Seenkranzes, eines früheren Nebenarm des Mains. Dort wird die Furt über den Hauptstrom und den Nebenarm vermutet, da Furten bevorzugt an Flussarmen angelegt wurden, mit gefahrloserer Flussquerung in Etappen. Der Siedlungsname ist wie folgt belegt:

  • 720 „Suinuurde“
  • 791 „Suuinfurtero“ (erste urkundliche Erwähnung)
  • 804 „Suuinfurte“
  • ? „Swinfurt“
  • ? „Swinvordi“
  • 1230 „Swinfurthe“
  • 1254 „Swinvorde“
  • ? „Sweinvort“
  • 1500 „Sweynfurt“
  • ? „Schweinfurt“

„Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt, weil du führest Wein, heißen können, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein.“ Friedrich Rückert, geboren 1788 in Schweinfurt

Geschichte

Der Höhepunkt der Geschichte Schweinfurts, mit nationalem Einfluss, liegt bereits 1000 Jahre zurück, als zweimal die Markgrafen von Schweinfurt spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reichs unterstützten. Größere überregionale Bedeutung erlangte die Stadt erst wieder 900 Jahre später, als Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie.

Die frühe Stadtgeschichte ist nicht zusammenhängend belegt, da sie auf drei historischen Orten und dem ursprünglich autarken Fischerrain beruht. Diese vier Orte ziehen sich am Main 2,2 Kilometer entlang (von Ost nach West) mit: Burgberg Peterstirn (heute Weingut), Dorf Altstadt (Wüstung im heutigen Nordöstlichen Stadtteil), Reichsstadt (heutige Altstadt) und Fischerrain (in heutiger Altstadt).

Urgeschichte

Während der jüngsten Vereisungsphase, der Würm-Eiszeit, die um 10000 v. Chr. endete, lag das Gebiet Schweinfurts in der Mitte des eisfreien, ca. 250 km breiten Korridors, zwischen alpinem und skandinavischem Eisschild. Die ersten Zeugnisse finden sich im angrenzenden Vorort Dittelbrunn, wo ein mittelsteinzeitlicher Fund (um 10000 v. Chr.) belegt ist. Innerhalb des heutigen Stadtgebietes lassen sich Siedlungsspuren seit 7500 Jahren (Beginn der Jungsteinzeit) nahezu lückenlos nachweisen. Von der Bandkeramischen Kultur (5500 bis 5000 v. Chr.) mit zwei Langhäusern an der an Dittelbrunn angrenzenden Eselshöhe, der Stichbandkeramik (4900 bis 4500 v. Chr.), weiteren Epochen der Jungsteinzeit (bis 2200 v. Chr.), der Urnenfelderzeit (1300 bis 800 v. Chr.), der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) am Fischerrain, bis zur Latènezeit (450 v. Chr. bis zum Jahr 0) ebenfalls am Fischerrain.

Eine Besiedlung durch Kelten um 500 v. Chr. und Germanen ist am Biegenbach, zwischen Bergl und Geldersheim, nachgewiesen. Während der Drusus-Feldzüge stießen die Römer im Jahre 10 v. Chr. bis zum Schweinfurter Mainknie vor.

Die erste namentlich bekannte Siedlung auf Schweinfurter Stadtgebiet ist die Wüstung Affeltrach am Ufer der Wern, am Nordrand von Bellevue. Der Name leitet sich wohl vom althochdeutschen Wort für Apfelbaum, aphaltar, her. Wahrscheinlich wurde das Dorf bereits in vorchristlicher Zeit von Germanen gegründet.

Auch im Gebiet des mittelalterlichen Dorfs Altstadt (siehe: Namensbildung) gibt es vorgeschichtliche Funde eines Langhauses der Bandkeramik sowie einer Fischersiedlung der Eisenzeit aus dem 5. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Sie lag 1,3 Kilometer mainaufwärts bzw. östlich der einstigen Fischersiedlung Fischerrain. Eine durchgehende Besiedlung des Gebiets des Dorfs Altstadt von der Bandkeramik bis zum Beginn des Frühmittelalters ist nicht nachgewiesen.

Frühmittelalter

Vom Dorf Altstadt zeugen frühmittelalterliche Streufunde aus der Merowingerzeit (5. bis 8. Jh. n. Chr.) sowie Funde von 800 bis 1200 n. Chr. aus dem Früh- und Hochmittelalter.

Die Franken besiegten die Thüringer 531 und überlagerten daraufhin auch das Dorf Altstadt. Damit war die Christianisierung verbunden, die in Franken Ende des 7. Jahrhunderts einsetzte (Kilianskirche am Westrand des Dorfs Altstadt).

Um 750 ist die Existenz Schweinfurts urkundlich nachgewiesen. 791 wird Schweinfurt erstmals im Codex Edelini des Klosters Weißenburg urkundlich erwähnt, in dem Besitzungen des Klosters vier Jahrzehnte zuvor aufgezählt werden. Das heute wie auch zur reichsstädtischen Zeit zu Schweinfurt gehörende Oberndorf wurde bereits zuvor 741 urkundlich erstmals erwähnt.

Die Markgrafen von Schweinfurt errichteten im 10. Jahrhundert ihre Stammburg auf der Peterstirn, oberhalb des Höllentals, unweit östlich des Dorfs Altstadt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde oberhalb der markgräflichen Burg eine Reichsburg errichtet, mit heute noch erhaltenem Burggraben. Bedeutung erlangte Schweinfurt bereits im Jahre 941, mit der Nennung Bertholds als erstem Glied der Markgrafen. Er nahm eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet ein, dem Herzogtum Franken. Berthold gab König Otto I. (reg. 936–973) gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto die Grafschaften für den Folkfeld- und den Radenzgau sowie die Markgrafschaft für den Nordgau, in etwa die heutige Oberpfalz. Dadurch waren er und ab 980 sein Sohn Heinrich von Schweinfurt (genannt: Hezilo) die mächtigsten, weltlichen Adeligen im heutigen Nordbayern, mit einer Kette von Burgen bis in den Bayerischen Wald. Hezilo unterstützte Heinrich II. (reg. 1002–1024) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde von Baiern zugesagt. Nach der Wahl löste Heinrich II. das Versprechen nicht ein. Darauf kam es 1003 zur Schweinfurter Fehde. Hezilo verlor, mit Ausnahme des Burgbergs Peterstirn, seinen gesamten Besitz. Die entzogenen Königsgüter bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg. Das Schweinfurter Adelsgeschlecht, mit Judith von Schweinfurt als sagenumwobener, zentraler Figur Schweinfurter Geschichte, starb im Mannesstamm 1057 aus.

Hochmittelalter

Zu Beginn des Hochmittelalters verkam Schweinfurt zu einem unbedeutenden Dorf. Das wohl als Sühnestiftung wegen der Erhebung Hezilos gegen Heinrich II. von Hezilos Mutter Eila 1003 gegründete Nonnenkloster (später Benediktinerkloster) verwahrloste und gelangte 1112 mit dem Dorf Altstadt als Erbe in den Besitz des Hochstifts Eichstätt. Schweinfurt erlebte nun den Katholizismus in Reinkultur.

Die heutige Altstadt rund um den Marktplatz entstand im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Staufer. Sie wurde 1 Kilometer westwärts des Dorfs Altstadt, jenseits des Marienbachs und unmittelbar östlich des zunächst weiterhin eigenständigen Fischerrains errichtet. Hierzu gibt es zwei Ansichten, eine allmähliche Verlagerung des Dorfs Altstadt oder eine Gründungsstadt in Konkurrenz zur eichstättischen Siedlung durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa (regierte 1152–1190), als Civitas Imperii (Reichsstadt), unter Verwendung von vorhandenem Königsgut. Der klassische mittelalterliche Stadtgrundriss (Straßenkreuz am Marktplatz mit vier Vierteln) und der fehlende Nachweis einer Stadtrechtsverleihung sprechen für eine Gründungsstadt. Dort liefen wichtige Handelsstraßen zusammen, von Obermain, Untermain, Erfurt und aus Norddeutschland. Als erstes Stadtviertel entstand der Zürch. Bis 1524 waren alle Bewohner des Dorfs Altstadt übergesiedelt, das danach verfiel.

Spätmittelalter

Im Kampf um die Vorherrschaft Mainfrankens zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). Es ist umstritten, ob diese Zerstörung noch im Dorf Altstadt erfolgte und ein Grund für den Aufbau der Reichsstadt war oder ob sie bereits dort stattfand. In einem Brief König Wilhelms vom 9. Januar 1254 heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen (...Swinforde, que olim imperii civitas fuerat). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Zerstörung Bezug genommen wird. Jedoch ist dieser Brief der erste urkundliche Nachweis von Schweinfurt als Reichsstadt und somit auch als Ort mit Stadtrecht. Die Reichsstadt Schweinfurt errichtete die erstmals 1258 urkundlich erwähnte und teilweise noch erhaltene Stadtbefestigung. 1282 wurde Schweinfurt von Rudolf von Habsburg (reg. 1273–1291) als Reichsstadt bestätigt. Durch Verpfändung kam 1309 Schweinfurt an die Henneberger, die von 1310 bis 1427 eine Reichsburg im Zürch unterhielten, deren Burgkapelle (Chor von St. Salvator) noch teilweise erhalten ist.

Reichsstadt Schweinfurt: Territorium von 1620–1802<br />und umgebende Gebiete

1436 wurde Oberndorf erworben. 1437 konnten aufgrund guter wirtschaftlicher Entwicklung zudem die Besitzungen des Deutschen Ordens einschließlich der Dörfer Zell und Weipoltshausen, mit allen vogteilichen Rechten, erworben werden. Die Bürger dieser Orte erhielten kein Bürgerrecht, sondern waren Untertanen des Stadtstaates. Nach 1437 begann die inzwischen notwendig gewordene Stadterweiterung.

Frühe Neuzeit

Der Reformation schloss sich Schweinfurt 1542 an. Das war relativ spät, da die Stadt vom Hochstift Würzburg umgeben war und bei einem Konfessionswechsel mit militärischen Übergriffen gerechnet werden musste. Der Schutzherr der Stadt, Graf Wilhelm von Henneberg, bot dafür nicht genügend Rückhalt.

Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde die Stadt 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Dies ging als „Zweites Stadtverderben“ in die Stadtgeschichte ein. Der Wiederaufbau zog sich bis 1615 hin. In der Form blieb die Altstadt, mit Ausnahme später modernisierter Befestigungsanlagen, bis ins frühe 19. Jahrhundert fast unverändert. 1609 trat die Stadt der Protestantischen Union bei. Nach dem Erwerb der Exklave Madenhausen 1620 umfasste das Territorium der Reichsstadt 53 km², (z. Vgl.: heutiges Stadtgebiet 36 km²) das von Südwesten nach Nordosten eine Ausdehnung von 17 km hatte. Dadurch war von Schweinfurt über den Ritterkanton Baunach ein nahezu durchgehender protestantischer Korridor durch die Hochstifte Würzburg und Bamberg ins protestantische Herzogtum Sachsen entstanden.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) öffnete 1632 die Reichstadt dem schwedischen König Gustav II. Adolf (reg. 1611–1632) ihre Tore. Der schwedische Generalfeldmarschall Karl Gustav Wrangel errichtete hier sein Hauptquartier und baute die Stadtmauer in eine moderne Befestigungsanlage mit vorgelagerten Schanzen aus (siehe: 2. untere Abbildung von links). Die schwedische Zwischenregierung endete 1634. Im April 1647 eroberten schwedische Truppen unter einigen Schäden die Stadt, die ansonsten den Dreißigjährigen Krieg schadlos überstand. Die beiden bekanntesten Abbildungen der Reichsstadt (1. und 2. untere Abbildung von links) stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Schweinfurt-1648-Merian.jpg|Reichsstadt Schweinfurt,
M. Merian, Frankfurt a. M. (1648)De Merian Frankoniae 128.jpg|Reichsstadt Schweinfurt
in Topographia Franconiae (1656)1 Ultsch1 Spitaltor Heilig Geist Zuckerfabrik Steinweg Spitalgasse vor 1896 S. 11.jpg|Spitalstraße
(Foto vor 1896)1 Ultsch1 äußeres Spitaltor Wachturm von 1555 vor 1896 S. 13.jpg|Äußeres Spitaltor
und Innerer Spitalturm
(Foto vor 1896)

Gescheiterte Universitätsgründung

Auf Weisung von Gustav Adolf II. wurde 1632 in Schweinfurt das Gymnasium Gustavianum, das heutige Celtis-Gymnasium, gegründet. Zudem wollte er in der Stadt, als protestantischen Gegenpol zur Universität Würzburg, eine vom katholischen Dogmatismus befreite, allein der Wissenschaft verpflichtete Universität gründen. Er nahm deshalb im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Würzburg Geldersheim und 17 weitere Ortschaften weg und schenkte sie Anfang 1632 der Reichsstadt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde durch seinen Tod Ende 1632 in der Schlacht bei Lützen und schließlich durch das Ende der örtlichen schwedischen Herrschaft 1634 vereitelt, als die 18 Orte wieder dem Hochstift zurückgegeben werden mussten.

Geistiges Leben

Die Lateinschule wurde im 13. Jahrhundert gegründet, aus der berühmte Humanisten hervorgingen: Konrad Celtis (1459–1508), 1493 zum ersten deutschen poeta laureatus gekrönt, Johannes Cuspinian (1473–1529), 1500 Rektor der Universität Wien und Johannes Sinapius (1502–1560), 1534 Professor der Medizin an der Universität Ferrara. Olympia Fulvia Morata (1526–1555) aus Ferrara scharte in Schweinfurt einen Kreis humanistisch gebildeter Freunde um sich. Sie wurde als neue Sappho gepriesen und 1555 an die Universität Heidelberg berufen.

1652 wurde in Schweinfurt die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet, die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhoben wurde (siehe: Gründungsort der Leopoldina).

Beginn der Industrialisierung

1770 begann die Industrialisierung der Stadt, mit einer bis heute durchgängigen 250-jährigen Industriegeschichte, ohne Phasen der Deindustrialisierung, die allen anderen fränkischen Industriestädten widerfuhren. Die chemische und Farbenindustrie machte 1770 den Anfang, mit der Errichtung der Wolfschen Bleiweißmühle an den heutigen Wehranlagen. Sie soll laut Ferdinand Gademann (1880–1969) die älteste deutsche Bleiweißfabrik gewesen sein. 1780 wurde sie von Johann Martin Schmidt übernommen. Weitere fabrikähnliche Anlagen entstanden an der Bellevue und im Vorort Niederwerrn.

Königreich Bayern

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern. 4000 Menschen demonstrierten am Roßmarkt vergeblich gegen den Anschluss. Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel Schweinfurt 1814 an das neu gegründete Königreich Bayern. Die zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer wurden ausgegliedert. Dadurch verlor Schweinfurt über die Hälfte seines Gebietes. Im Deutschen Krieg besiegten am 10. Juli 1866 in der Schlacht bei Kissingen preußische Truppen die Bayern, die nach Schweinfurt flüchteten. Die Preußen folgten ihnen bis nahe der Stadt, erhielten aber dort den Befehl, gegen Frankfurt am Main zu marschieren. Schweinfurt stand zu keiner Zeit unter dem Einfluss Preußens.

1852 erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn von Bamberg zum Stadtbahnhof der Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1874 wurde 2,5 Kilometer weiter westlich der Hauptbahnhof im damals noch selbständigen Oberndorf als „Centralbahnhof“ eröffnet. Die Schweinfurter Straßenbahn verband als Pferdebahn und erste kommunale Straßenbahn Bayerns von 1895 bis 1921 den Hauptbahnhof mit dem Stadtzentrum.

Straßenbahn Schweinfurt.png|Schweinfurter Straßenbahn (Pferdebahn)
in der Hauptbahnhofstraße1 Ultsch2 Spitalstraße mit Pferdebahn nach 1896 S. 44.jpg|Spitalstraße nach 1894,
mit Straßenbahn1 Ultsch1 Leinritt am Fischerrain Pumpwerk Maxbrücke um 1902 S. 34.jpg|Main an der Maxbrücke um 1902
mit Pumpwerk und Mühlen(1913) SCHWEINFURT Fichtel & Sachs Abb.2.jpg|Fichtel & Sachs AG Werk 1
im Jahr 1913 (ab 1929 VKF)

Weimarer Republik

Bei der Ermordung des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner entging dessen Mitarbeiter Benno Merkle und spätere Schweinfurter Oberbürgermeister (MSPD, 1920–1933) knapp den Schüssen. Nach Ausrufung der Münchner Räterepublik 1919 durch den „Arbeiter- und Soldaten-Rat“ (ASR) wurde der Schweinfurter Gewerkschafter Fritz Soldmann „Volksbeauftragter des Inneren“ und forderte per Telegramm die Stadt auf, sich der Räterepublik anzuschließen. Auf der Maininsel Bleichrasen waren tausende Menschen bei der Ausrufung dabei. In der Stadt kam es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen mit einigen Toten. Die ASR nahm nachts einen Panzerzug unter Feuer und beschoss vom Oberndorfer Wasserturm den Hauptbahnhof. „Die Arbeiterhochburg am Main war einige Tage lang sowjetisch.

1929 wurde die deutsche Wälzlagerindustrie in einem Kartell unter Führung der schwedischen SKF sowie von Ernst Sachs (Fichtel & Sachs AG) und Georg Schäfer (Kugelfischer) neu geordnet, was sich für den Standort als Weichenstellung erwies. Sachs verkaufte seine Wälzlagersparte an die SKF, die bereits seit 1925 eine aggressive Expansionsstrategie verfolgte. SKF erwarb die Schweinfurter Fries & Höpflinger AG und zudem Werke in Berlin und Krefeld, die zu den Vereinigten Kugellagerfabriken (VKF, ab 1953 SKF) fusionierten, mit Hauptsitz in Schweinfurt. Im Aufsichtsrat saßen u. a. Ernst Sachs, Peter Klöckner, Fritz Thyssen und Günther Quandt. VKF beherrschte 80 % des deutschen Marktes. Einziger verbliebener deutscher Konkurrent war Kugelfischer. SKF legte nun die Werke in Berlin und Krefeld sukzessive still. Die deutsche Wälzlagerindustrie wurde jetzt komplett aus Schweinfurt gesteuert, von zwei Zentralen, die nur 500 m auseinander lagen.

Anfang der 1930er-Jahre war Adolf Hitler in der von der SPD dominierten Arbeiterstadt nicht sehr beliebt. Bei seinem zweiten Besuch in der Stadt 1932 kamen nur etwa 9.000 Menschen, während ihn zuvor in Coburg über 70.000 Menschen gehört hatten. Hitler soll in Schweinfurt äußerst ungehalten gewesen sein, auch da ihn bei der Einfahrt viele „Pfui“-Rufe begleitet hatten.

Nationalsozialismus

Auf die wirtschaftliche Depression folgte ab 1934 ein von Arbeitsbeschaffungsprogrammen und Kriegsrüstung getragener Wirtschaftsaufschwung. Die Mitarbeiterzahl der metallverarbeitenden Großfirmen stieg bis 1939 auf 20.700 an. Weitläufige Wohnanlagen, das Willy-Sachs-Stadion und Kasernen entstanden.

Der Zweite Weltkrieg brach mitten im Bauboom aus. Unter großen Anstrengungen wurde die Produktion aufrechterhalten, mit teilweise bunkerartig gegen Bomben geschützten Fabriken. Teile der Produktion wurden an andere Standorte verlegt. 1942 begann die Organisation Todt den Gipsstollen Neckarzimmern für die Wälzlagerproduktion der VKF massiv zu erweitern. Für den Stollenvortrieb und als Produktionshelfer wurden Zwangsarbeiter aus dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen KZ Neckarelz eingesetzt.

Der Luftkrieg über Schweinfurt unterschied sich von anderen Städten. Nicht die einheimische Bevölkerung, sondern die angreifende Luftwaffe erlebte einen Schicksalstag. Die örtliche, kriegswichtige Wälzlagerindustrie war eine Schlüsselindustrie für den Panzer- und Flugzeugbau. Laut Albert Speer wäre bei Ausfall der Schweinfurter Industrie der Krieg in zwei Monaten zu Ende gewesen, weshalb die Stadt die beste Luftverteidigung Deutschlands besaß. In 22 Luftangriffen wurde die Stadt zu 40 % und das Industriegebiet zu 80 % zerstört, was als Drittes Stadtverderben bezeichnet wird. Jedoch wurde kein Feuersturm entfacht, im Gegensatz zum benachbarten Würzburg, das in einem Angriff zu 80 % zerstört wurde. Beim ersten Angriff auf Schweinfurt am 17. August 1943 erlitt die United States Army Air Forces im Rahmen der Operation Double Strike bereits große Verluste, der zweite Angriff am 14. Oktober 1943 führte sie in die größte Luftniederlage ihrer Geschichte. Der Black Thursday (Schwarzer Donnerstag) führte zu 600 Todesopfern unter den Bomberbesatzungen. Luftangriffe auf Schweinfurt waren fortan bei den Alliierten gefürchtet. Vom ersten Angriff zeugt ein Farbfilm der Amerikaner (siehe: Videos).

Am 11. April 1945 marschierten die Amerikaner in die Stadt ein, zwei Kasernen wurden sofort besetzt und schließlich die US-Heeresgarnison Schweinfurt gegründet.

Bundesrepublik Deutschland

Im Kalten Krieg hatte der Schweinfurter US-Standort die höchste Konzentration von US-Kampf-Einheiten in der Bundesrepublik Deutschland. Im Wirtschaftswunder boomte die Großindustrie, ab 1960 wurden Gastarbeiter angeworben. Die Großen Drei (Fichtel & Sachs, SKF, FAG Kugelfischer) zählten zu den 100 größten Unternehmen Deutschlands und die Fußballstadt (1. FC Schweinfurt 05) hatte einen hohen Bekanntheitsgrad.

Unter Oberbürgermeister Georg Wichtermann (SPD, 1956–1974), in der von der SPD mit absoluter Mehrheit regierten Stadt, entstanden mehrere neue Stadtteile und dank hoher Gewerbesteuereinnahmen eine großzügige Infrastruktur. Mit dem Sprung über den Main 1963 wurden der neue Hafen (1963), das Industriegebiet Hafen-West und der Gewerbepark Hafen-Ost entwickelt. 1971 eröffnete die heutige Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt.

Die Zeit des Oberbürgermeisters Kurt Petzold (SPD, 1974–1992) stand unter den Zeichen von Konsolidierung, Ölkrise und Rezessionen, mit Stellenabbau in der Großindustrie. 1979 begann die Altstadtsanierung, 1981 wurde das Leopoldina-Krankenhaus und 1990 das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt eröffnet.

Mit Gudrun Grieser (CSU, 1992–2010) gelang es der CSU erstmals den Oberbürgermeister zu stellen. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) begleitete den Machtwechsel wohlwollend und Teile des Bayerischen Landessozialgerichts und des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden von München nach Schweinfurt verlegt. Ab Mitte der 1990er Jahre stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage, 4500 neue Arbeitsplätze in der Industrie und 6000 im Dienstleistungsbereich entstanden und die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe. Unzählige, z. T. in der Architekturwelt beachtete Bauprojekte wurden verwirklicht. Hervorzuheben sind der neue Industrie- und Gewerbepark Maintal (ab 1995), das Museum Georg Schäfer (2000), das Konferenzzentrum Maininsel (2004), die Stadtbücherei im Ebracher Hof (2007) sowie der Stadtumbau West (2009) mit der Stadtgalerie Schweinfurt und der Kunsthalle Schweinfurt.

Unter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU, ab 2010) erreichten die Gewerbesteuereinnahmen neue Rekorde. Rücklagen konnten für das Mammutprojekt US-Konversion eingesetzt werden, das zu den derzeit fünf größten Militär-Konversionsprojekten Deutschlands zählt. Hervorzuheben sind hierzu der i-Campus Schweinfurt und der neue Stadtteil Bellevue. Andere Planungen (insbesondere die Landesgartenschau 2026) gerieten in Kritik und bei der Stadtratswahl 2020 verlor die CSU wieder ihre langjährige Dominanz.

Wiki chk Fichtel-Sachs AG 01.jpg|Ernst-Sachs-Straße
im Jahre 1959KurtPetzoldHansSchuierer.jpg|OB Kurt Petzold (l.) bei einer Anti-Atomkraft-Kundgebung in den 1980er JahrenKunsthalle-schweinfurt-schwimmhalle.jpg|Kunsthalle Schweinfurt
(1933/2009)Einkaufsgalerie SW4.jpg|Stadtgalerie Schweinfurt (2009)G.-Wichtermann-Platz ehem. Krönleinareal.jpg|Krönlein Karree (2018)

Siehe auch: Schweinfurter Industriegeschichte

Bevölkerung

Religionen

Evangelische Landeskirche

Schweinfurt schloss sich 1542 der Reformation an. Philipp I. von Hessen, führender Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus, konnte als Schutzherr und Reichsvogt gewonnen werden. Der von ihm gesandte Johann Sutel (gen.: Sutellius) hielt 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste eine Kirchenordnung. Katholiken waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten etwa 700 protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus.

Siehe auch: Evangelisch-Lutherisches Dekanat Schweinfurt

Landeskirchliche Gemeinschaft

Die Christliche Gemeinschaft Schweinfurt der LKG ist Teil der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und gehört zum Landeskirchlichen Gemeinschaftsverband (LKG) in Bayern, der eine Zwischenstellung zwischen Landeskirche und Freikirchen einnimmt.

Freikirchen

Im 19. Jahrhundert stand am Schillerplatz ein Saalbau der Freien Christlichen Gemeinde, der spätestens ab 1868 als Konzerthalle genutzt wurde. Bis in die 1970er Jahre gab es in Schweinfurt nur eine Gemeinde der Methodisten, die im weiteren Sinn zu den Freikirchen gezählt werden und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie mehrere englischsprachige Gemeinden von Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison Schweinfurt. Seitdem entstanden weitere Gemeinden, sowohl mit pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Zu Ersteren gehören die Baptisten, die Freikirchliche Gemeinde Christen in Aktion in Oberndorf und die Christliche Gemeinde Schweinfurt, zur zweiten Gruppe Wort des Glaubens und die Biblische Gemeinde Schweinfurt. Einige Freikirchen sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

Römisch-katholische Kirche

Der Katholizismus blieb für die kulturelle Ausprägung Schweinfurts bedeutungslos. Mit Einführung der Reformation waren alle Kirchen der Reichsstadt evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglichte 1806 die Wiedergründung einer katholischen Pfarrei. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde durch den stetigen Zuzug von Katholiken aus dem Umland mit der Zeit zu klein und abgebrochen. 1902 wurde daneben als Nachfolgebau die Heilig-Geist-Kirche fertiggestellt, die seitdem die Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken ist.

Siehe auch: Dekanat Schweinfurt-Stadt

Griechisch-orthodoxe Kirche

Die Griechisch-orthodoxe Gemeinde hält ihre Gottesdienste im Untergeschoss von St. Anton ab.

Weitere christliche Gemeinschaften

Zudem sind in der Stadt Gemeinden der Sieben-Tags-Adventisten, der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas vertreten.

Judentum

Mit dem 1212 genannten Abraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen. Auch für die Folgezeit lassen sich jüdische Familien in der Stadt belegen, die sowohl von den Rintfleisch-Verfolgungen von 1298 als auch vom Pestpogrom von 1348/49 betroffen waren. 1368 erhielt die Stadt Schweinfurt von Kaiser Karl IV. das Privileg, in ihren Mauern erneut Juden aufnehmen zu dürfen. In der Folgezeit konnten Juden gegen Zahlung hoher Steuern relativ frei und sicher leben. In der Judengasse im Alten Gewerbeviertel befand sich die Synagoge. Die mittelalterliche jüdische Gemeinde, die ihren Lebensunterhalt im Geldverleih und Handel bestritt, fand 1554/55 ihr Ende. Die Schweinfurter Bürger gingen gegen die Juden vor, weil sie bei ihnen stark verschuldet waren.

Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 wieder Juden ansiedeln, die in der Siebenbrückleinsgasse ein Gemeindezentrum errichteten. 1874 wurde der Jüdische Friedhof eröffnet, in dem es 1969 die bisher letzte Bestattung gab. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, danach in ein Feuerwehrdepot umfunktioniert und 1943 durch mehrere Fliegerbomben zerstört. 1945 wurde das Grundstück des Gemeindezentrums der Jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen, die es später an die Städtische Sparkasse verkaufte. Um 1970 wurde das jüdische Gemeindehaus südlich der Synagoge für die Erweiterung des Sparkassenparkplatzes abgebrochen. 1973 wurde an dieser Stelle ein Gedenkstein angebracht, der zwei falsche Informationen enthält: „Hier stand die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde unserer Stadt. Sie wurde am 9. November 1938 ein Opfer des Rassenwahns – Den Toten zum ehrenden Gedenken – Den Lebenden zur Erinnerung u. Mahnung.

Islam

Ab den 1960er Jahren erlangte der Islam Bedeutung in Schweinfurt, infolge der Zuwanderung türkischer Arbeitskräfte in das großindustrielle Zentrum. Es folgten Nachzüge von Familien, die inzwischen in der dritten Generation in ihrer neuen Heimat leben. In jüngerer Zeit kamen Migranten islamischen Glaubens aus aller Welt dazu. In der Stadt gibt es mittlerweile fünf Moscheen, u. a. von den Gemeinschaften DITIB, Millî Görüş, IBV und der Arabischen Gemeinde. Der größten Gemeinde DITIB gehören etwa 2.500 Gläubige an.

Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt

Kulturelle Prägung

Trotz deutscher Mittellage an der Mainlinie ist Mainfranken ethnisch und kulturell süddeutsch geprägt. Es liegt im Bereich des Oberdeutschen und im Verbreitungsgebiet des Grußes Grüß Gott, man feiert Fasching statt Karneval und spielt(e) Schafkopf statt Skat.

Jedoch steht die in neuerer Zeit weithin multikulturell geprägte Schweinfurter Kernstadt, mit einer Bevölkerung mit 45 % Migrationshintergrund und 128 Nationalitäten im Kontrast zum Umland, dessen Landkreise den niedrigsten Anteil von Migranten Westdeutschlands besitzen. Das Schweinfurter Land ist ein Zentrum fränkischer Tracht und fränkischen Brauchtums, mit der für Franken typischen Mischung protestantischer und katholischer Orte. Die protestantischen Vororte waren Reichsritterschaften bzw. Sennfeld und Gochsheim Reichsdörfer.

Sprache

Der in Schweinfurt und bis in Randbereiche Südthüringens gesprochene Unterostfränkische Dialekt hat weit mehr Ähnlichkeit mit dem bis in die äußerste Nordostecke Frankreichs reichenden Südfränkischen Dialekt (siehe: rötliche Flächenfärbungen auf linker Karte), als mit dem Bairischen (blaue Flächenfärbungen). Bis 1990 erstreckte sich diese fränkische Dialektzone über drei Staaten, von Frankreich über die Bundesrepublik Deutschland bis in die DDR und bis 1945 bis an den äußersten Rand Tschechiens.

In Schweinfurt werden im Gegensatz zum benachbarten Würzburger Raum fränkische Dialektbezeichnungen negiert, man spricht nicht Meefränkisch (Mainfränkisch), sondern Schweinfurterisch. Ein auffälliger Unterschied ist die Verkleinerungsform in der Pluralbildung, mit der Endung lich statt li; z. B. Häuslich statt Häusli (Häuschen).

Heute ist der Schweinfurter Dialekt innerhalb der Kernstadt fast bedeutungslos (siehe: Kulturelle Prägung). Aber auch früher wurde der Dialekt in der Stadt weniger ausgeprägt gesprochen als im Umland, als Sprache der einfacheren Leute, Arbeiter und Bauern.

Amerikaner in Schweinfurt

Die US-Heeresgarnison (USAG) Schweinfurt wurde infolge der Schließung vieler anderer amerikanischer Militärstandorte in Deutschland Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem der größten US-Standorte Europas, mit bis zu 12.000 Amerikanern (Soldaten und Zivilisten). Die USAG Schweinfurt baute im Laufe der Zeit eine zivile Infrastruktur auf, die der einer amerikanischen Kleinstadt entsprach (Little America). Infolge der Aufhebung der Wehrpflicht 1973 bekam der US-Standort einen zivilileren Charakter. Mit den Berufssoldaten kamen viele Familienangehörige, die schließlich in der Mehrheit waren. Zudem machte sich auch in Schweinfurt der soziale Wandel in den USA bemerkbar, hin zu einer multikulturelleren Gesellschaft, mit mehr Afroamerikanern, Latinos und Asiaten. Es bildete sich im Laufe der Zeit auch eine deutsch-amerikanische Szene, zu erwähnen ist hier der Schweinfurter Jazzmusiker Ed Sperber.

Die erste große Umstrukturierung der deutschen US-Streitkräfte wurde 2014 mit der Auflösung des Standorts Schweinfurt abgeschlossen. Auf den einstigen US-Arealen entstehen derzeit mehrere Großprojekte.

Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt

Gesellschaftliche Umbrüche

Seit den 1970er Jahren verließen viele jüngere Familien wie auch alteingesessene Bürger die eng gezogene Stadtgrenze (Gründe hierfür siehe: Eingemeindung) und zogen in die Vororte, wodurch ein Speckgürtel entstand. Die westliche Kernstadt, die nicht mehr den gestiegenen deutschen Wohnansprüchen entsprach, wurde nun von Segregation bestimmt, durch Familien mit Migrationshintergrund, wodurch hier durch Ethnizität geprägte Viertel entstanden.

Einwohnerentwicklung

1939 hatte Schweinfurt 50.000 Einwohner. Anfang der 1960er Jahre rechnete man damit, dass die Stadt in ihrer heutigen Fläche, ohne Eingemeindungen, im Jahr 2000 auf 95.000 Einwohner anwachse. Doch bereits um 1970 war der bisherige Höchststand mit nur 58.500 Einwohnern erreicht. Während danach nahezu alle anderen deutschen Städte demografisch bedingte Einwohnerabnahmen durch Eingemeindungen ausgleichen konnten, gab es in Schweinfurt keine einzige Eingemeindung (Gründe siehe: Eingemeindung). Wodurch die Einwohnerzahl bis 1987 auf 52.000 absank. Danach stieg sie bis 1996 durch Zuzug von Spätaussiedlern wieder auf 56.000 an. 2014 fiel die Einwohnerzahl mit 51.600 auf den tiefsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre. Danach trat aufgrund mehrerer Faktoren eine Wende ein und die Einwohnerzahl nahm steig zu, bis auf 54.032 im Jahre 2018. In den Einwohnerstatistiken sind die zwischen 1945 und 2014 stationierten Soldaten und Angehörigen der US-Heeresgarnison Schweinfurt nicht enthalten, mit zeitweise 12.000 Menschen.

Die Agglomeration ist im Falle Schweinfurts eine bessere Vergleichsgröße zur Einwohnerzahl anderer Städte. 1994 hatte sie 105.000 Einwohner, sank auf 96.600 Einwohner (Zensus 9. Mai 2011) und stieg danach wieder auf 100.000 Einwohner (Schätzung für den 31. Dezember 2019).

Datum Einwohner
1800 6.045 ¹
1. Dezember 1840 7.766 ²
1. Dezember 1871 10.840 ²
1. Dezember 1900 17.401 ²
16. Juni 1925 36.336 ²
17. Mai 1939 49.302 ²
13. September 1950 46.128 ²
6. Juni 1961 56.923 ²
27. Mai 1970 58.446 ²
25. Mai 1987 51.962 ²
31. Dezember 1994 55.500 ³
31. Dezember 1995 55.700 ³
Datum Einwohner
31. Dezember 1996 55.700 ³
31. Dezember 1997 55.400 ³
31. Dezember 1998 55.100 ³
31. Dezember 1999 54.500 ³
31. Dezember 2000 54.300 ³
31. Dezember 2001 54.600 ³
31. Dezember 2002 54.700 ³
31. Dezember 2003 54.600 ³
31. Dezember 2004 54.500 ³
31. Dezember 2005 54.273 ³
31. Dezember 2006 53.970 ³
31. Dezember 2007 53.798 ³
Datum Einwohner
31. Dezember 2008 53.588 ³
31. Dezember 2009 53.533 ³
31. Dezember 2010 53.415 ³
9. Mai 2011 52.143 ²
31. Dezember 2011 52.118 ³
31. Dezember 2012 52.098 ³
31. Dezember 2013 51.851 ³
31. Dezember 2014 51.610 ³
31. Dezember 2015 51.969 ³
31. Dezember 2016 52.724 ³
31. Dezember 2017 53.437 ³
31. Dezember 2018 54.032 ³

Fett: höchster Stand
Rot: niedrigster Stand seit Anfang der 1950er Jahre
¹ Angabe der Stadt Schweinfurt
² Volkszählung bzw. Zensus (Amtliche Einwohnerzahl)
³ Angabe des Bayerischen Landesamtes für Statistik (Amtliche Einwohnerzahl)

Politik

Schweinfurt war in der Nachkriegszeit neben München und Nürnberg eine der wenigen bayerischen SPD-Hochburgen, in der die Partei ständig die Oberbürgermeister stellte. Im Schweinfurter Stadtrat besaß die SPD die absolute Mehrheit bis in den 1990er Jahren aufgrund des gesellschaftlichen Wandels die CSU die Oberhand gewann. Sie dominierte die Stadt über eineinhalb Jahrzehnte. Jedoch blieb Schweinfurt weiterhin ein Zentrum von Gewerkschaften und Linken mit Vertretern auf Landes- und Bundesebene.

Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 44 Sitzen. Der von den Wahlberechtigten in direkter Wahl gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats.

Seit 1990 zogen, wie vielerorts, neben etablierten Parteien auch Wählergruppen in den Stadtrat ein. In der Kommunalwahl am 15. März 2020 wurde die Dominanz der CSU gebrochen und sie vereinbarte eine Zusammenarbeit mit den Grünen.

Oberbürgermeister

Lange Amtszeiten kennzeichnen Schweinfurts Oberbürgermeister. Im 19. Jahrhundert war Carl von Schultes 45 Jahre im Amt. Die SPD stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister, der mit Gudrun Grieser (1992–2010) erstmals von der CSU gestellt wurde. Für die Oberbürgermeister-Wahl 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann die Stichwahl mit 63,4 % und wurde 2014 mit 66,9 % und am 15. März 2020 mit 58,4 % im Amt bestätigt.

Städtepartnerschaften

Schweinfurt unterhält folgende Städtepartnerschaften:

  • seit 1962: , Vereinigtes Königreich
  • seit 1964: , Frankreich
  • seit 1979: , FinnlandDer Bezirk North Lanarkshire entstand 1996 im Zuge einer schottischen Verwaltungs-Neugliederung. In ihm ging Schweinfurts älteste Partnerstadt Motherwell auf.

Wappen

Eingemeindung

Bei der bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte nach Schweinfurt eingemeindet. Es gibt hierfür unterschiedliche Begründungen und politische Schuldzuweisungen. Am 1. Mai 1978 musste Grafenrheinfeld lediglich ein 2 Quadratkilometer großes, unbesiedeltes Gebiet an die Stadt Schweinfurt als Raum für ihre industrielle Entwicklung abtreten (Maintal). Schweinfurt umfasst deshalb gegenüber fast allen anderen deutschen Städten fast nur die Kernstadt und wurde zur flächenkleinsten kreisfreien Stadt Deutschlands.

Einzig Oberndorf, das bereits von 1436 bis 1802 zur Reichsstadt Schweinfurt gehörte, wurde 1919 eingemeindet, als es bereits komplett mit der Stadt zusammengewachsen war und es kamen 8,18 km² mit 3.886 Einwohnern hinzu. Den Ausschlag gab die örtliche Großindustrie, die zum größten Teil, einschließlich des Hauptbahnhofs, auf Oberndorfer Gemeindegebiet lag. Oberndorf konnte die Wasserversorgung der Großfirmen nicht mehr gewährleisten. Um die drohende Eingemeindung abzuwenden, ließ das Dorf 1911/12 einen Wasserturm errichten. Das sehr harte Wasser lehnte die Großindustrie jedoch wegen hoher Verkalkungsgefahr ab.

In neuerer Zeit rückte die Gebietsreform der 1970er Jahre und deren Folgen für die Stadt wieder in den medialen Blickpunkt.

Architektur

Profanbauten

Die Renaissance ist in der Altstadt der prägende historische Stil der protestantischen Reichsstadt. Die Schranne wurde als Kornspeicher 1560 errichtet. Das Alte Rathaus (1570–1572) gilt als Glanzleistung der profanen deutschen Renaissance. Das Alte Gymnasium (1582–1583) war von 1634 bis 1881 Domizil des Gymnasium Gustavianum (Celtis-Gymnasium); das Zeughaus (1589–1591) war das Waffenarsenal der Reichsstadt. Der Schrotturm (1611) ist ein vorgelagerter Treppenturm eines Renaissance-Bürgerhauses, der im 19. Jahrhundert um vier Geschosse zu einem Schrotturm erhöht wurde. Am Kiliansberg entstanden um 1900 Villen von Industriellen.

Zahlreiche bekannte Architekten des 20. Jahrhunderts standen mit der Stadt in Verbindung. Der gebürtige Schweinfurter Theodor Fischer war an den Planungen des Berliner Reichstagsgebäudes beteiligt, distanzierte sich schließlich vom Historismus, schuf die Grundlagen für das Bauhaus-Manifest und baute in Schweinfurt die Wirsing-Villa (1909) (Bild siehe: Wissenswertes). Den Werdegang des Erbauers des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz kann man an Schweinfurter Bauwerken nachverfolgen, von der noch historisierenden Friedenschule (1908) zur Moderne mit der Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–1933), die sich am Berliner Shell-Haus von Emil Fahrenkamp orientiert, und zu der Tribüne des Willy-Sachs-Stadions (1936) im Bauhausstil. Roderich Fick, ein Lieblingsarchitekt Adolf Hitlers (Obersalzberg, Linz) baute zuvor in Schweinfurt ein Wohnhaus am Kiliansberg (Am Löhlein 4, 1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1931–1933), die heutige Kunsthalle Schweinfurt. Von Ludwig Gies, dem Erschaffer des Bundesadlers (1953) im Bonner Bundeshaus, ist der auf einer Erdkugel krallende, nationalsozialistische Bronzeadler (1936), auf einem Pylon am Eingang des Willy-Sachs-Stadions. Ein Hauptwerk von Olaf Andreas Gulbransson ist die Auferstehungskirche (1959) am Bergl. Mies van der Rohe entwarf zwischen 1960 und 1963 ein Museum in Schweinfurt für die Privatsammlung von Georg Schäfer. Der Entwurf wurde nicht ausgeführt und danach in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt.

Brückenstraße 29 Schweinfurt 20181019 002.jpg|Hauptzollamt (links, 2007)
und Ebracher Hof (1431/1575)
BrückenstraßeSchweinfurt, Spitalstraße 1, 002.jpg|Bürgerhaus,
Spätgotik,
SpitalstraßeZeughaus in Schweinfurt.jpg|Zeughaus,
Renaissance (1591)
Westliche AltstadtMainberger Straße 10 Schweinfurt 20181019 001.jpg|Villa,
Klassizismus/Neugotik (1875)
KiliansbergJustizgebäude in Schweinfurt.jpg|Justizpalast,
Neubarock (1905)
Westliches GründerzeitviertelSchweinfurt, Ludwigstraße 5-001.jpg|Friedenschule v. Paul Bonatz,
Reduzierter Historismus(1908)
Westliches GründerzeitviertelErnst-Sachs-Straße 92 (Schweinfurt) 03.jpg|Fichtel & Sachs AG v. Bonatz,
Neue Sachlichkeit (1933)
Oberndorf

Das Museum Georg Schäfer (1998–2000) von Volker Staab gilt als einer der hervorragendsten modernen, deutschen Museumsbauten, mit seiner Treppenhalle nach Vorbild der Alten Pinakothek in München. Die gegenüberliegende Stadtbücherei (2004–2007) ist ein Um- und Ausbau des Ebracher Hofs (1431/1575), mit neuem unterirdischen Basisgeschoss (Bild siehe: Bibliotheken). Sie bildet mit dem Hauptzollamt (2005–2007) ein Bauensemble, das vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt 2008 zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt wurde, in einer Simbiose von Tradition und Moderne.

Die Kunsthalle Schweinfurt (2008/09) ist ein Um- und Ausbau des vormaligen Ernst-Sachs-Bades, mit 500 m² großer Halle. Der Innenhof wurde für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert, wobei Reste der sogenannten Naturheilschanze integriert wurden, die Carl Gustav Wrangel 1648 anlegen ließ.

Die Stadtgalerie Schweinfurt (2007–2009), mit einem 230 m langen Glasdach, ist eine 300 m lange Shopping Mall im klassischen Sinne, die aus einer einzigen, geraden Ladenpassage besteht, in zwei Ebenen mit Galerie. Das Technologiezentrum von Fresenius Medical Care (2019) im Hafen-West stammt von Gunter Henn, dem Architekten der Autostadt von Volkswagen in Wolfsburg und der Gläsernen Manufaktur in Dresden.

Kirchen

St. Johannis (ab 1200) ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, mit romanischem Kern, gotischem Querhaus, Taufstein von 1367 und Malereien des Mittelalters. Die Kreuzkirche (13. Jahrhundert/1940) in Oberndorf steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg, Chor und Turm waren Teile der Burgkapelle. St. Salvator (1717) im Zürch, mit gotischem Chor (vermutlich von 1412), ging ebenfalls aus einer Burgkapelle (um 1315) hervor. Die Heilig-Geist-Kirche (1897–1902, Neuromanik) hat die Form einer romanischen Kathedrale, mit Nachbildungen der Kathedrale San Vigilio in Trient (Vierungsturm und Chor). St. Kilian (1954) besitzt eines der größten Kirchenfenster Deutschlands (250 m²), das Georg Meistermann schuf. Mit der Auferstehungskirche (1959) am Bergl schuf Olaf Andreas Gulbransson das einzige größere Beispiel des neuen Baustils der Ornamentik in Sichtmauerwerk, der Kunsthandwerk und Moderne vereint. Nach dem tödlichen Autounfall Gulbranssons 1961 kam diese Art bei anderen postum fertiggestellten Kirchen nicht mehr vor.

Gewölbe, Querhaus, St. Johannis, Schweinfurt.JPG|St. Johannis
(ab 1200)
Romanik
und GotikSchweinfurt, St. Salvator, Chor-20151122-002.jpg|St. Salvator
(1412/1717)
Gotik
und BarockAnton-Niedermeier-Platz 1 Schweinfurt 20180324 002.jpg|Heilig-Geist-Kirche
(1897–1902)
Neuromanik,
HauptportalSchw. St. Kilian inn.jpg|St. Kilian
(1954)
mit 250 m² Fenster
von Georg MeistermannSchweinfurt, Brombergstraße 73, 001.jpg|Auferstehungskirche
(1959)
am Bergl,
von Olaf A. Gulbransson

Denkmäler und Brunnen

Das Rückert-Denkmal (1890) auf dem Markt ist ein Wahrzeichen der Stadt und erinnert an den 1788 in Schweinfurt geborenen Dichter und Orientalisten Friedrich Rückert.

In den Ringanlagen um die Altstadt befinden sich mehrere Denkmäler und Brunnen. Ein Duplikat des Great Beijing Wheel-Lagers, des nicht ausgeführten größten Riesenrads der Welt, steht vor dem Stadttheater. Das Walzenwehr-Denkmal ist die Nachbildung einer Kettenaufzugsvorrichtung für das erste Walzenwehr der Welt von MAN (1903). Der Anker ist eine Monomentalskulptur auf der Schleuseninsel. Der Ludwigsbrunnen (1830) zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. steht am Fuß der historischen Weinberge an der alten Mainleitenstraße. Der Gedenkort für die Opfer der Zwangsarbeit (2011) ist ein 3 km langer ehemaliger Lagerweg in Oberndorf am ehemaligen Zwangsarbeiterlager von Kugelfischer. Das Deutsch-amerikanische Luftkriegsdenkmal (1998) am Hochbunker am Spitalseeplatz ist das einzige Denkmal seiner Art in Deutschland. Es erinnert insbesondere an den Black Thursday, den 14. Oktober 1943, als die Amerikaner über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage erlitten (siehe: Nationalsozialismus).

Stadtmodell

Seit 2015 befindet sich im Stadtschreiberhaus am Martin-Luther-Platz ein Stadtmodell, das Schweinfurt um das Jahr 1800 zeigt. Es soll bis zur Peterstirn auf 4,80 Meter Länge erweitert werden, das dann das historische Stadtgebiet mit einer Ausdehnung von zwei Kilometern abbildet.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Schweinfurt

Kultur

In Schweinfurt entwickelte sich seit den 1980er Jahren neben der herkömmlichen auch eine alternative Kulturszene. Die Stadt wurde zur Produktionsstätte für Kulturschaffende und ab der Jahrtausendwende zu einem überregionalen Zentrum in der Sparte Tanz.

Theater und Bühnen

Das Theater der Stadt Schweinfurt gehört zu den führenden Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Viele Berühmtheiten traten hier bereits auf, wie Jose Carreras, Ingeborg Hallstein, Heinz Rühmann, Marcel Marceau und andere. In jeder Spielzeit stehen etwa 150 Aufführungen mit Künstlern aus dem In- und Ausland auf dem Programm. Die drei Spielstätten werden von über 80.000 Menschen jährlich besucht, darunter ca. 6.600 Abonnenten. Publikum kommt auch aus einem weiten Umkreis.

In der Disharmonie (Kulturwerkstatt am Main) finden Theater-, Kabarett-, Musik- und Kunstveranstaltungen statt. Die Kleinkunstbühne Schrotturmkeller befindet sich im Keller eines Renaissance-Hauses am Schrotturm, im Alten Gewerbeviertel. Die Hans-Sachs-Gruppe pflegt das spätmittelalterliche Fastnachtsspiel und den Renaissancetanz. Zudem gibt es den Freundeskreis Puppentheater Schweinfurt.

Museen und Galerien

Das Museum Georg Schäfer (MGS) präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken Carl Spitzwegs. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Ferdinand Georg Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und vielen anderen gezeigt. Die Bibliothek Otto Schäfer ist heute Teil des Museums Otto Schäfer (MOS) und enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.

In der Kunsthalle Schweinfurt finden jährlich vier Präsentationen statt, wie beispielsweise 2014 die Sammlung Gunter Sachs, mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dali und Max Ernst. Das derzeit (2020) in Planung befindliche Kulturforum Martin-Luther-Platz soll mehrere historische Gebäude und derzeit geschlossene Museen vereinigen. Das Deutsche Bunkermuseum im Fichtel-und-Sachs-Bunker von 1941 ist Geschichtsmuseum, Militärmuseum, Kriegsmuseum und Gedenkstätte, mit Veranstaltungen. Das kleine Museum ist eine Privatsammlung und zeigt grafische Werke von Hundertwasser, Leihgaben aus deutschen und internationalen Galerien sowie Ausstellungsobjekte von Udo Lindenberg. Das Gunnar-Wester-Haus präsentiert die Sammlung Graf Luxburg, eine kulturgeschichtliche Sammlung zur Entwicklung von Feuererzeugung und Beleuchtung seit der Antike und die Ikonensammlung von Fritz Glöckle. Das Naturkundliche Museum zeigt die Vogelsammlung der Brüder Schuler. Die Sparkassengalerie in der Schranne präsentiert in Wechselausstellungen zeitgenössische Kunst. Der Künstlerhof Oberndorf befindet sich im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Künstlers Gustl Kirchner, mit Kirchner-Ausstellung und Kirchner-Archiv. Das ZF Sachs Museum zeigt die Sachs-Ausstellung der ZF Friedrichshafen AG zur Industriegeschichte der Fichtel & Sachs AG, mit den drei Abteilungen Unternehmensgeschichte, Technische Highlights, Marketing und Motorsport. Das Kleine Industriemuseum in der historischen Spinnmühle am Main zeigt Exponate der Schweinfurter Industriegeschichte. Das Saazer Heimatmuseum befindet sich in einem von der Stiftung Saazer Heimatmuseum erworbenen Bürgerhaus in der Oberen Straße 8. Es zeigt eine Ausstellung zum Leben in Saaz (Žatec) bis 1945, zur Vertreibung der Sudetendeutschen und zur Aufnahme von über 28.000 Vertriebenen und Flüchtlingen in Schweinfurt.

Carl Spitzweg 021.jpg|Der Bücherwurm
um 1850Carl Spitzweg 013.jpg|Der abgefangene Liebesbrief
1855Carl Spitzweg 027.jpg|Der Kaktusfreund
vor 1858

Siehe auch: Liste der Museen in Schweinfurt

Musik

Orchester

Schweinfurt ist die zweite Heimat der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie, die 2019 im Theater der Stadt Schweinfurt ihr 500. Konzert gaben. Die Bläserphilharmonie Schweinfurt mit Profimusikern und erfahrenen Amateurmusikern bietet als große Besetzung mit vollem Schlagwerk die Möglichkeit, an Programmen zu arbeiten, mit Klassischer Musik, Filmmusik und Bearbeitungen von Jazz- und Popstandards. Im Schweinfurter Kammerorchester spielen junge Musiker, die sich an der Schwelle zum Musikstudium befinden. Das Kreisblasorchester Schweinfurt ist eine Einrichtung des Nordbayerischen Musikbunds.

Chöre

Der Thalia Chor entstand 1860, damals wurde auch geschauspielert. Sein heutiges Repertoire liegt im Bereich Pop, Rock, Musical, Gospel und Swing. Die Sängerlust 1867 Schweinfurt hat traditionelles Liedgut sowie Evergreens und moderne Lieder im Repertoire. Der Konzertchor Schweinfurt gibt große Konzerte im Stadttheater und arbeitet mit renommierten Symphonieorchestern und Solisten zusammen. Jungen Stimmen Schweinfurt wurde 2006 gegründet und hat geistliche und weltliche Chormusik aller Epochen und Stile im Programm.

Pop- und subkulturelle Musik

1988 fand auf den Oberndorfer Mainwiesen ein Monsters of Rock-Festival vor über 40.000 Besuchern statt, u. a. mit KISS und Iron Maiden; es kam zu schweren Ausschreitungen. Seit den 1990er Jahren finden jeden Sommer im Willy-Sachs-Stadion größere Popkonzerte mit bis zu 25.000 Besuchern statt, es kamen u. a. die Backstreet Boys und Sunrise Avenue. Der Stattbahnhof ist ein Zentrum für Konzerte, Comedy und vieles mehr. Der Name wurde vom heute noch betriebenen Stadtbahnhof abgeleitet (statt eines Bahnhofs), in dessen einstiger, historischer Schalterhalle und den Nebenräumen das Kulturzentrum beheimatet ist. In der Zeitschrift Visions wurde der Stattbahnhof zu den Besten 50 Adressen der deutschen Clubszene gewählt. Bekannte Namen gastierten hier, wie Marla Glen oder Ten Years After.

Seit den 1980er Jahren gründeten sich zahlreiche Bands in Schweinfurt, die Alben der Musikrichtungen Rock, Metal und Punk auf den Markt brachten. The Ghost Rockets (kurz TGR) ist eine Rock-Band; Alben: The Ghost Rockets (2009) und Goodbye Utopia (2014). Hatred (engl.: Der Hass) ist eine Power- und Thrash-Metal-Band die es in die Enzypedia des Rock Hard Magazins schaffte; Alben: Soulless (2004), Madhouse Symphonies (2008), Destruction Manual (2010) und War of Words (2015). Vendetta ist eine Thrash-Metal-Band; Alben: Go and Live… Stay and Die (1987), Brain Damage (1988), Hate (2007) und Feed the Extermination (2011). Kromlek war eine 2004 gegründete und 2012 aufgelöste Metal-Band mit antichristlicher Symbolik. 2005 fand ihr erster größerer Auftritt auf dem Newcomer Festival in Schweinfurt statt, das sie gewannen, unter anderem spielten sie auf dem Ragnarök-Festival 2007; Alben: Strange Rumours… Distant Tremors (2007) und Finis Terrae (2011). Tagtraum ging aus der Punk-Band Untergang hervor, wurde 1992 gegründet und beschloss 2006 ihre Trennung. Die Bandmitglieder spielen weiterhin in anderen Formationen, Jörg Holdinghausen u. a. bei Wir sind Helden; Alben Trotz & Träume (1997), Feuer gratis (1998), Seelenpuzzle (1999), Augen auf und durch (2001) und Komm lass es echt sein (2003). 2019 wurde die Indie-Rockband Sondermarke mit acht Bandmitgliedern gegründet, mit dem einstigen Gitarristen von Tagtraum Bernhard Wegner-Schmidt. Daniel Schnorr, auch Jagi Lion King genannt, weitestgehend im Bereich Hiphop und Rap, veröffentlichte 2020 sein erstes Album Im not here for you.

Tonquadrat ist eine Plattform für Elektronische Musik. Das Musiklabel in der Schweinfurter DDC Factory produziert Musik jeder Art.

Tanz

Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC), die 1999 gegründet wurde und heute überwiegend aus hauptberuflichen Tänzern besteht, gehört zu den besten Breakdance-Gruppen der Welt. 2012 gewann DDC das Triple, den TAF Deutschen Breakdance Meistertitel, den IDO Europameistertitel und zum zweiten Mal den IDO Weltmeistertitel. 2013 verband DDC mit dem Berliner Regisseur und Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik mit Breakdance in ihrem Theaterstück Breakin Mozart, das seitdem über 190 Mal im Berliner Wintergarten Varieté sowie in vielen anderen Städten aufgeführt wurde. Die Firma DDC Entertainment UG & Co. KG wurde gegründet, mit den vier Sparten DDC Breakdance – DDC Produktion – DDC Workshops – DDC Agentur. Mit der Show Breakdance in Lederhosen wurde 2014 der Gedanke des Crossover endgültig als Markenzeichen der DDC etabliert. 2015 folgte der internationale Durchbruch. DDC vertrat Deutschland im 15. Wuqiao International Circus Festival in China und erhielt einen Special Price for Excellent Performance. Die DDC-Factory im Stadtteil Yorktown Village, mit Arena und Studio, wurde zu einem nationalen Tanzzentrum. In ihrer eigens produzierten Radioshow DDC TakeOver – Breakdancer OnTour berichten die Tänzerinnen und Tänzer über ihre jährlich 170 Shows im lokalen Jugendsender Radio Hashtag+.

2006 wurde die Dance Academy Schweinfurt mit zwei Standorten gegründet, in der Innenstadt und in der Turngemeinde Schweinfurt 1848. Als eine Akademie für Hobbytänzer und für Berufsausbildungen zum Tänzer, Tanzpädagogen und DTHO-Hip-Hop-Tanzlehrer. Die Akademie besitzt in der Kategorie Profi-League die Formation Blazin’ Heat und seit 2019 in der Alterskategorie Juniors 1 die Formation Destiny Queens.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Raum Schweinfurt ist für seine hohe Dichte an Festen bekannt, was auch die Lebensart der Bewohner unweit des Überlappungsbereichs von Weinfranken mit Bierfranken widerspiegelt, (siehe auch: Kulturelle Prägung). Es gibt unzählige traditionelle Kirchweihen (Kerm) und Weinfeste, wozu viele neuere Feste hinzukamen. An manchen Wochenenden finden in der Stadt und dem näheren Umland mehrere Feste und Kirchweihen gleichzeitig statt, worüber Festkalender einen Überblick geben.

Messe

Die ufra (Unterfrankenschau) ist eine Regionalmesse für Verbraucher und findet alle zwei Jahre (in den geraden Jahren) im Oktober auf dem Volksfestplatz statt. Mit über 400 Ausstellern und 70.000 Besuchern in 22 Hallen gehört sie zu den größeren Regionalmessen Frankens.

Festivals

Das Honky Tonk in Schweinfurt ist die Mutter der Kneipenfestivals, das hier 1993 erfunden wurde. Zum jährlichen, eintägigen Honky Tonk-Festival in ca. 40 Kneipen, vorwiegend in der Altstadt, kamen in der Anfangszeit bis über 20.000 Besucher. Das Musikfestival Nachsommer Schweinfurt mit internationaler Besetzung findet alljährlich drei Wochen im September innerhalb der Werke örtlicher Großfirmen statt, derzeit im ZF-Kesselhaus. Hierzu gastierten bereits bekannte Namen, wie Malia. Das Internationale Varietéfestival ist Europas größtes Varietéfestival und findet etwa alle drei Jahre am Sennfelder See statt, wofür ein Zelt aufgebaut wird.

Stadtteil-Kirchweihen der Bürgervereine

Die Stadtteil-Bürgervereine besitzen in Schweinfurt eine besondere Tradition und Bedeutung für die Selbstwahrnehmung der alteingesessenen Bevölkerung und ihrer Stadtteile. Der oder die erste Vorsitzende der Bürgervereine wird umgangssprachlich Stadtteilbürgermeister/in genannt. Eine Ausnahme bildet der erst 1997 gegründete Bürger- und Kulturverein Oberndorf mit seinem Namen sowie dem Verzicht auf einen Stadtteilbürgermeister. Es gibt insgesamt acht Bürgervereine für die Stadtteile Altstadt (nicht zu verwechseln mit der heutigen Altstadt), Bergl, Deutschhof, Eselshöhe, Gartenstadt, Klingenbrunn, Oberndorf und Zürch.

Alle Bürgervereine richten die für Schweinfurt charakteristischen Stadtteil-Kirchweihen aus, mit Ausnahme des Bürgervereins Oberndorf, der dafür mehrere Feste anderer Art veranstaltet. Hervorzuheben sind die über 300 Jahre alte Zürcher Kirchweih im Juni im Zürch, die St Johannis-Kirchweih um den Johannistag (24. Juni) auf dem Martin-Luther-Platz und die Altstadt-Kirchweih an der Stadtmauer, Am Unteren Wall, Mitte Juli.

Die beiden größten traditionellen Feste der Schweinfurter liegen außerhalb der engen Stadtgrenzen. Die zeitgleich um den ersten Sonntag im September stattfindenden Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste (Kirchweihen) in den beiden ehemals kaiserlich unmittelbaren und freien Reichsdörfern.

Weitere Veranstaltungen

Die drei Schweinfurter Faschingsgesellschaften ESKAGE, Schwarze Elf und Antöner Narrenelf präsentieren Sitzungsabende. Am Faschingsdienstag führt der traditionelle Faschingsumzug der ESKAGE durch die Innenstadt, mit jährlich etwa 25.000 Besuchern.

Im April findet das erste Fest im Freien statt, der Vogelschuss, ein kleines Volksfest einer Schützengesellschaft. Im Mai lädt Schweinfurt@night zu einer Einkaufs- und Kulturnacht. Das Walpurgisgericht am Fronleichnam ist ein mittelalterliches Fest mit Handwerkermarkt im Friedrich-Pfister-Park in Oberndorf. Am Freitag nach Fronleichnam startet für elf Tage das Schweinfurter Volksfest, als eines der größten Frankens. Im Mai findet das Frühlings- und im Juli das Sommerweinfest des Weingut Dahms auf der sonst nicht zugänglichen Peterstirn statt. Anfang August findet, jedoch nicht jährlich, das Schweinfurter Weinfest auf dem Marktplatz statt. Ende August präsentiert an zwei Tagen das Schweinfurter Stadtfest auf mehreren Plätzen der Schweinfurter Altstadt „Genuss und Lebensqualität der Region“. Das Mittelalterfest wird alle 3 Jahre im September (zuletzt 2019) an der Stadtmauer Am Unteren- und Oberen Wall abgehalten. Am selben Ort findet Ende September das Federweißer-Fest GenussReichStadt Schweinfurt vom Weingut Dahms statt. Beim Straßenmusikfestival Pflasterklang im September treten an rund 20 Orten der Altstadt Musiker aller Stilrichtungen, Jongleure, Zauberer und Straßenmaler auf. Die Nacht der Kultur lädt im Oktober zu Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett und Kurzfilmen an Orte um den Marktplatz. Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz beschränkt sich auf Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck. Traditionell kommt alljährlich das Nürnberger Christkind zu seiner ersten Auswärtsvisite, mit seinem Prolog vom Rathausbalkon. Zwischen Weihnachten und Dreikönigstag steht das Schweinfurter Winterdorf auf dem Marktplatz.

Kulinarische Spezialitäten

Prägend für die örtliche Küche sind viele Direktvermarkter aus den Gemüsedörfern Sennfeld und Gochsheim, vor den Toren der Stadt, mit frischen Waren auf dem Schweinfurter Wochenmarkt. Die Stadt liegt in der Mitte des Slow Food Conviviums Mainfranken-Hohenlohe, das zu den größten Regionalgruppen von Slow Food Deutschland gehört.

Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte (fränkisch: Schlachtschüssel) findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern ein Fest in geselliger Runde über mehrere Stunden für einen größeren Personenkreis. Der Ablauf erfolgt nach einem überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel dieser Art wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Das Kesselfleisch wird auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert, von denen auch gegessen wird. Dazu gibt es nur Schwarzbrot, Kren und Sauerkraut. Getrunken wird Frankenwein, Weinschorle oder Most, Bier ist verpönt.

Die Meefischli (hochdeutsch: die Mainfischlein), winzige Weißfische die dreimal schwimmen, im Main, im Fett und dann im Wein, werden wie andere Fische traditionell nur in den Monaten mit dem Buchstaben r, also von September bis April verzehrt. Blaue Zipfel sind saure Bratwürste im Zwiebelsud, die vor allem im Winter, auch am Heilig Abend, gegessen werden. Das Süße Kugellager bildet die Schweinfurter Alternative zu Salzburger Mozartkugeln und wird von Konditoreien der Kugellagerstadt hergestellt: hochwertige Vollmilch- oder Bitterschokolade aus reiner Kakaobutter wird mit einer abgestimmten Nougatcreme gefüllt.

Nachtleben

Lokale

Die beiden klassischen Kneipenmeilen verödeten teilweise aus unterschiedlichen Gründen, während woanders Neues entstand.

Die Niederwerrner Straße, eine vielbefahrene Ausfallstraße, bietet im mittleren Bereich als Allee mit Vorgartenzone einen Rahmen für Straßencafés. Hier entwickelte sich ab den 1960er ein deutsch-amerikanischer Boulevard, vorwiegend mit Eiscafés, Pizzerien (La Gondola seit 1959) und Nachtlokalen, der an schönen Sommertagen von nachmittags bis in die Nacht belebt war. Die Schließung der US-Heeresgarnison Schweinfurt im Jahre 2014 brachte einen Rückschlag.

Die 1990er Jahre waren die Blütezeit der Kneipenmeile in der nördlichen Altstadt, wo das Kneipenfestival unter dem Namen Honky Tonk erfunden wurde. Die Kneipenmeile zog sich von der Oberen Straße über Kornmarkt und Bauerngasse bis zum Zeughaus, mit im Kern über 100 Jahre alten Wirtshäusern. Die derzeit (2020) in diesem Quartier laufende Altstadtsanierung soll wieder neue Impulse bringen. Das Leben verlagerte sich teilweise zum Obertor.Die südöstliche Altstadt entwickelte sich insbesondere in neuerer Zeit zu einem gastronomischen Quartier, mit älteren und neueren Restaurants unterschiedlichen Standards und Trendlokalen gehobener Qualität, vorwiegend Bars und Cafés.

Kinos

In Schweinfurt gab es, wie anderswo, zahlreiche Schließungen von Filmtheatern. Die Zahl der Kinosäle erhöhte sich trotzdem durch Konzentration auf wenige Orte. So besitzt die Stadt heute mit 14 Kinosälen eine relativ hohe Zahl an Leinwänden, davon zwölf am östlichen Rand der Altstadt. Das KuK (Kino und Kneipe) im Musikerviertel ist ein mehrfach ausgezeichnetes Programmkino mit zwei Sälen. Das Weltbio Kino-Center aus den 1950er Jahren wurde zum Schachtelkino mit fünf Sälen umgebaut. Unweit davon eröffnete 2009 die Filmwelt Schweinfurt, ein Multiplex-Kino in 3-D, mit sieben Sälen und insgesamt 1010 Sitzplätzen, wo auch Konzerte und Events live übertragen werde.

Diskotheken

Die örtliche Diskothekenszene hat sich seit dem Abzug der Amerikaner 2014 teilweise verändert. Die 2012 abgebrannte 90 m lange Großdiskothek Megadrom am Hainig zog als selbsternannter Hottest Hip-Hop-Club of Germany samstagabends ein afroamerikanisches und deutsch-amerikanisches Publikum aus einem weiten Umkreis an. Heute besteht die Diskothek in verkleinerter Form als Club 360 Grad. Im einstigen Mad in Oberndorf, mit damals ähnlichem Publikum, gastierte Ende der 1990er Jahre zweimal VIVA Club Rotation, moderiert von Daisy Dee. Die in Club Diamond umbenannte Großdiskothek, mit zwei Floors, wurde nach dem Abzug der Amerikaner, wie zuvor schon das Megadrom, zu einer deutsch-russischen Diskothek. Die neben dem Club 360 Grad liegende Rockfabrik, ebenfalls mit zwei Floors, hat sich seit Beginn der Ära von Techno und Großdiskotheken Anfang der 1990er Jahre bis heute unverändert gehalten. Die als Eastside bekannte Diskothek an der Ludwigsbrücke eröffnete 2017 neu als Pure Club & Lounge mit diversen Musikrichtungen und Partys. Der einstige Suzie Club im Hafen-Ost verstand sich als Edeldiskothek und wird heute als Tante Suzie geführt.

Wissenschaft und Bildung

Gründungsort der Leopoldina

1652 wurde in der Reichsstadt Schweinfurt die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet und nach Kaiser Leopold I. benannt. Seit 1878 hat sie ihren Sitz in Halle (Saale). Sie ist die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt. Die Gründung erfolgte einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Académie des sciences) gegründet wurden. 2008 wurde die Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhoben. Der ebenfalls in Halle ansässige Freundeskreis der Leopoldina hält seine Jahresveranstaltungen alle vier Jahre in Schweinfurt ab.

Hochschule für angewandte Wissenschaften

rechts

In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt studieren derzeit (WS 2019/20) 2.858 Studenten. Die Zahl der Studienanfänger hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule. Sie wird auch Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) genannt und ist mit insgesamt ca. 9000 Studenten die viertgrößte Fachhochschule Bayerns. In Schweinfurt wurde 2011 östlich des Campus 1 der Campus 2 eröffnet.

i-Campus Schweinfurt

Auf dem Areal der einstigen Ledward Barracks baut die FHWS derzeit den i-Campus Schweinfurt auf, im Rahmen der Internationalisierung der Hochschule, die FHWS i-Campus genannt wird. Erste englischsprachige Vorlesungen für Studenten aus aller Welt begannen bereits im Wintersemester 2014/15 im Campus 1. Ein Studentendorf wird angegliedert, wo erste Gebäude bereits bezogen wurden. Die Abteilung Schweinfurt der FHWS hat sich auf die MINT-Fächer spezialisiert, was im i-Campus fortgeführt werden soll. Die zusätzlichen Projekte i-Company und Industrie on Campus sehen eine Zusammenarbeit mit Unternehmen und deren direkten Zugang zu Forschungseinrichtungen der Hochschule vor, bis hin zur Verschmelzung von Industrie und Hochschule. Im Endausbau soll der i-Campus 2.000 bis 3.000 Studenten umfassen.

Außenstelle des Fraunhofer IPA

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) erstellte 2019 ein Konzept für eine digitale Fabrik im i-Campus Schweinfurt. Die sogenannte i-factory soll Forschungs- und Transferzentrum für die Großindustrie und den Mittelstand werden. Eine Außenstelle des Fraunhofer IPA wurde zunächst zur Vorbereitung des Projekts im ehemaligen US-Hauptquartier in den einstigen Ledward Barracks untergebracht und soll danach in einem neuen Gebäude vor Ort angesiedelt werden. Im Rahmen des i-factory-Konzepts führt die FHWS im i-Campus auch den bundesweit ersten Studiengang Roboting ein.

Siehe auch: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, i-factory Schweinfurt

Akademisches Lehrkrankenhaus

Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina-Krankenhaus (Volksmund: Leo) ist akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die Leo Academie bietet Mitarbeitern und externen Teilnehmern Fort- und Weiterbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen an, mit Dozenten aus den eigenen Kliniken und externen Lehrkräften.

Weiteres zum Leopoldina-Krankenhaus siehe: Gesundheitswesen

Schulen

Von den acht staatlichen Grundschulen beherbergen drei eine Mittelschule. Daneben gibt es eine private Grund- und Mittelschule, in der nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird, zwei Realschulen und die Private Real- und Wirtschaftsschule O. Pelzl. Die fünf Förderschulen bieten unterschiedliche Förderschwerpunkte an.

Abitur, Fachhochschulreife oder Internationales Abitur kann man in neun Schulen erlangen: in fünf Gymnasien (u. a. Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, Olympia-Morata-Gymnasium und dem 1632 gegründeten Celtis-Gymnasium) sowie im Bayernkolleg Schweinfurt, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der englischsprachigen International School Mainfranken. Eine Besonderheit stellt das private Lyzeum der Republik Griechenland dar. Der Schulträger ist das Bildungsministerium Griechenlands und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.

Unter den Berufsschulen sind die Fachakademie für Sozialpädagogik und die BDS-AzubiAkademie besonders zu erwähnen. Die Musikschule wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Bayerns. Bundesweit wurde über Vorkommnisse in der Ersten Privaten Fachoberschule Schweinfurt berichtet, die zu ihrer Schließung führten.

Bibliotheken

  • Bibliothek der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.
  • Bibliothek Otto Schäfer
  • Stadtbücherei Schweinfurt, Zentralbücherei im Ebracherhof sowie Zweigstellen im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und Oberndorf.

Auszeichnungen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina verleiht für herausragende wissenschaftliche Tätigkeiten die Carus-Medaille. Seit 1961 wird den Trägern der Medaille der Carus-Preis der Stadt Schweinfurt verliehen. Er ist nach Carl Gustav Carus benannt, dem 13. Präsidenten der in Schweinfurt gegründeten Leopoldina.

Der Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt wird alle drei Jahre an herausragende Schriftsteller vergeben.

Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung (siehe: Stiftungen) verleiht regelmäßig einen Wissenschaftspreis für Historiker.

Stiftungen und Organisationen

Stiftungen

In Schweinfurt gibt es 103 Stiftungen (2013). Die Stadt hat bundesweit die meisten Stiftungen pro 100.000 Einwohner (Gründe hierzu siehe auch: Wissenswertes, Superlative).

Hospitalstiftung Schweinfurt

Die größte und älteste Stiftung ist die stadtnahe Hospitalstiftung Schweinfurt, deren Anfänge vor dem Jahr 1364 gelegen haben müssen und die spätestens 1417 über ein Vermögen verfügt haben muss. Sie unterhält Altenheime und Altenwohnungen und ihr gehören Waldungen bei Schwebheim und Euerdorf sowie das Gut Deutschhof, das 1977 nach Grettstadt ausgelagert wurde. Ihr Grundvermögen liegt bei 19 Millionen Euro.

Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung

Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung ist eine Treuhandstiftung und wurde 1999 von Erich Kronauer und seiner Frau Erna gegründet. Die Stiftung ist eng mit dem Historiker Ernst Nolte verbunden. Die Verleihung des Historikerpreises an den mit geschichtsrevisionistischen Thesen hervortretenden Stefan Scheil (2014), der mittlerweile Vorstandsmitglied ist, führte zu einer öffentlichen Kontroverse, spätestens im Zuge dessen Experten der Stiftung insgesamt eine Nähe zur Neuen Rechten attestierten (siehe auch: Auszeichnungen).

Organisationen

Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew

Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew hat ihren Sitz in Schweinfurt, wo sie 1980 gegründet wurde. Mit über 16.000 Patienten- und Fördermitgliedern gehört sie zu den größten Patientenorganisationen Deutschlands.

World Bicycle Relief

Die internationale Hilfsorganisation World Bicycle Relief hat ihre europäische Geschäftsstelle im Schweinfurter Maintal, im Gebäude des Fahrradkomponentenherstellers SRAM.

Wirtschaft

Schweinfurt besitzt das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt (2018) und mit 76,2 % (2017) die zweithöchste Einpendlerquote Deutschlands. 39.600 Menschen pendeln täglich zur Arbeit nach Schweinfurt. Die Stadt hatte 2017 insgesamt 52.898 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, fast so viele wie Einwohner, davon 26.823 im produzierenden Gewerbe, ca. 17.750 im Dienstleistungssektor und 8.311 im Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Die Superlative und Extremwerte haben auch nicht wirtschaftsbedingte Ursachen (siehe: Wissenswertes, Superlative).

Bekannte Unternehmen

  • Bosch Rexroth, Lineare Bewegungstechnik; Hauptsitz in Lohr am Main
  • Carl Kühne KG; Werk Schweinfurt (auf Sennfelder Gemarkung)
  • Ewellix (vormals SKF Motion Technologies) Lineare Bewegungstechnik; Hauptsitz in Göteborg
  • Fresenius Medical Care, größter Produktions- und Entwicklungsstandort des DAX-Konzerns ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Bad Homburg
  • Schaeffler KG (vormals DAX-Konzern FAG Kugelfischer), zweitgrößter Wälzlagerkonzern der Welt; größter Fertigungsstandort ist in Schweinfurt, zugleich Sitz der Sparte Industrie; Hauptsitz in Herzogenaurach
  • Schwedische Kugellagerfabriken SKF, größter Wälzlagerkonzern der Welt; größter Standort ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Göteborg
  • SenerTec, europäischer Marktführer für Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen
  • SRAM (vormals Fahrradkomponenten von Fichtel & Sachs), europäische Zentrale ist in Schweinfurt; Hauptsitz in Chicago
  • Winora-Staiger, Fahrräder
  • ZF Friedrichshafen (vormals Fichtel & Sachs), drittgrößter Automobilzulieferer der Welt, größter Standort ist in Schweinfurt, zugleich Sitz der Division E-Mobility; Hauptsitz in Friedrichshafen

Großindustrie

Fag stammsitz schweinfurt.jpg|Torpedo-515-36-2.jpg|

In der Großindustrie waren 2019 über 22.000 Menschen beschäftigt. Schweinfurt ist seit den 1930er Jahren europäisches Zentrum der Wälzlagerindustrie. Nach ersten Schwierigkeiten in den 1970er Jahren mit Personalabbau in Folge eines japanischen Dumping-Angriffs auf die Schweinfurter Wälzlagerindustrie geriet die Stadt um 1992 schließlich in Folge der Globalisierung in eine schwere Krise, die ohne Werksschließungen überwunden wurde. Seit den 1990er Jahren vollzog sich ein Wandel, weg von billiger Massenproduktion und dominierender Automobilzulieferung, hin zu Hightech-Wälzlagern, auch für Bergbau, Schiffbau, Luft- und Raumfahrt, Großlagern für Windkraftanlagen und Spezialanfertigungen, wie z. B. dem Pendelrollenlager fürs London Eye von FAG Kugelfischer. Forschung und Entwicklung wurden immer wichtiger und Ingenieure ersetzten Arbeiter. Dazu kamen neue Branchen, wie Lineartechnik und Medizintechnik mit Fresenius Medical Care, mit der weltweit größten Produktion von Dialysegeräten. Durch den seit 2017 im Aufbau befindlichen i-Campus Schweinfurt soll die Zusammenarbeit von Industrie und Hochschule intensiviert werden, u. a. mit dem bundesweit ersten Studiengang Roboting.

Siehe auch: Schweinfurter Industriegeschichte

Informationstechnologie

Die GPSoverIP GmbH ging 2003 aus einem 1996 gegründeten Schweinfurter IT-Haus hervor. Sie entwickelte das neue Verfahren GPSoverIP zur Positionsübermittlung von Geokoordinaten. Es wird u. a. in der Logistik-Branche bei LKWs und bei Formel 1-Rennwagen angewendet. Die GPSoverIP GmbH arbeitet im Auftrag von namhaften deutschen Unternehmen, wie Audi und BMW und ist der vielfach ausgezeichnete Branchenprimus. Zudem besteht seit 2008 eine enge Zusammenarbeit mit dem ADAC.

Die netlands edv consulting GmbH im Maintal wurde 1999 gegründet und ist im Bereich Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen tätig.

bb-net im Maintal wurde 1996 gegründet und ist ein IT-Aufbereiter (Aufbereitung von PCs, Tablets und Workstations).

Das südlich ans Maintal anschließende Grafenrheinfeld entwickelte sich zu einem IT-Standort, mit zwei Firmen mit zusammen bereits über 1000 Beschäftigten (2020) (siehe: Grafenrheinfeld, Unternehmen).

Finanzen und Dienstleistungen

In Schweinfurt sind mehrere Finanzdienstleister ansässig. Das Bankhaus Max Flessa (Kurzbezeichnung: Flessabank) ist eine private Universalbank mit Hauptsitz in Schweinfurt und Niederlassungen in drei Bundesländern. Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge ist ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut. Mercator-Leasing ist ein Tochterunternehmen zweier Privatbanken (Bankhaus Max Flessa und Fürstlich Castell’sche Bank). Die SKD BKK ist eine offene Betriebskrankenkasse für die zehn westdeutschen Bundesländer und Berlin. Unicredit betreibt ein Callcenter.

Zudem sind weitere Dienstleister erwähnenswert. Die Deutsche Telekom ist ebenfalls mit einem Callcenter vertreten. Die DB FuhrparkService ist mit zwei ihrer insgesamt fünf deutschen DB Autohäusern in Schweinfurt ansässig. Die Firma dronesecure betreibt die erste und bisher (2019) einzige Drohnenschule Deutschlands.

Bau- und Immobilienwirtschaft

Schweinfurt ist das Zentrum der Bau- und Immobilienwirtschaft Mainfrankens. Die Firmengruppe Riedel Bau mit ca. 430. Mitarbeitern agiert als Bauunternehmen bundesweit und bei Projektentwicklung und Realisierung von Bauträgerprojekten mit Schwerpunkt in Mainfranken. Die Unternehmensgruppe Glöckle mit ca. 420. Mitarbeitern agiert in selber Weise, zudem auch im Tiefbau.

Verlage

Der Verlag Vogt & Fritz ist ein weltweit tätiger Noten-Spezialverlag für zeitgenössische Musik. Der Buch- und Idee-Verlag und der Revista Verlag haben Schweinfurt und die Region als thematischen Schwerpunkt.

Zeitungen

Die beiden Tageszeitungen Schweinfurter Tagblatt und Volkszeitung gehören zur Würzburger Mediengruppe Main-Post, die im Bereich der Printmedien eine Monopolstellung in Mainfranken besitzt und zur Mediengruppe Pressedruck in Augsburg gehört. Anzeigenblätter werden von der Mediengruppe Main-Post (markt und main Sonntag) und vom Schweinfurter SAZ-Verlag (Schweinfurter Anzeiger und Sonntagsanzeiger) herausgegeben. Zweimal im Jahr (Mai und November) erscheint für Studenten die hochschuleigene Zeitschrift BLICK, von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Online-Zeitungen

Die Mediengruppe Main-Post hat eine Online-Ausgabe. Spezielle Online-Zeitungen sind Schweinfurt City/swity.de, deren Artikel das Nachrichtenmagazin Focus in seiner bayerischen Online-Ausgabe ungeprüft übernimmt, SW1.News und inFranken.de mit einer Schweinfurter Ausgabe.

Rundfunk

1991 nahm Radio Primaton als privater Hörfunksender sein Programm auf. 2017 wurde der private Hörfunksender Radio Hashtag+ gegründet, mit der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Der Bayerische Rundfunk (BR) unterhält ein Studio (siehe Fernsehen) und produziert für BR-Hörfunkprogramme Beiträge aus der Region Main-Rhön.

Fernsehen

Das Studio Main-Rhön des Bayerischen Rundfunks in Schweinfurt produziert Beiträge aus der Region und sendet Live-Berichte für den BR und die ARD. TV touring Schweinfurt sendete seit 1990 für Schweinfurt und die Region Main-Rhön ein tägliches Live-Programm von 17 bis 18 Uhr, das danach alle drei Stunden wiederholt wurde. Seit 2017 heißt der Sender TV Mainfranken, nach wie vor mit getrennten Programmen für Schweinfurt und Würzburg, einschließlich ihrer Regionen.

Internetradio- und Fernsehen

Radio Hashtag+ und TV Mainfranken sind auch über das Internet empfangbar. Ausschließliches Internetfernsehen bietet SW-N.TV an, mit Beiträgen aus dem Stadtgebiet.

Tourismus und Konferenzen

2004 wurde das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) auf der Maininsel Bleichrasen zusammen mit einem Viersterne-Hotel eröffnet. In Schweinfurt gab es 2017 insgesamt 21 Beherbergungsbetriebe, 1.547 Gästebetten, 130.375 Gästeankünfte (+ 3,7 % im Vergleich zu 2016) und 228.764 Übernachtungen (+ 1,5 %), davon 32.902 Auslandsgäste. 2019 arbeiteten in den Hotels und Gaststätten der Stadt rund 1.700 Menschen. Unter den Touristen sind Geschäftsreisende, Konferenz-Teilnehmer, Museums- und Radtouristen (Main-Radweg) und Urlauber auf dem Weg in den Süden.

Schweinfurt liegt in einer Tourismus-Region, zwischen dem bayerischen Staatsbad Bad Kissingen und der Volkacher Mainschleife. Zusammen kommt diese Region auf über 2 Millionen jährliche Übernachtungen und über 200 Beherbergungsbetriebe mit etwa 10.000 Gästebetten. Bei größeren Konferenzen in Schweinfurt muss auf Hotels in Bad Kissingen zurückgegriffen werden.

Einzelhandel

Das Einzugsgebiet des Schweinfurter Einzelhandels hat 759.000 Einwohner. Für die knapp eine Million Mainfranken ist die Stadt in maximal einer Stunde erreichbar. Die Stadt besitzt eine sehr hohe Einzelhandelszentralität von 214 Punkten (z. Vgl.: Würzburg 189 Punkte, beide Werte für 2019; siehe auch: Wissenswertes, Superlative). Die Verkaufsfläche Schweinfurts beträgt 237.600 m² (2016). Davon entfallen 70.200 m² auf die Innenstadt. Die Verkaufsflächendichte liegt bei hohen 4.500 m² pro 1.000 Einwohner (2016). Die Leerstandsquote lag 2016/17 unter den rund 800 Geschäften in der Innenstadt bei 9,9 % (78 Geschäfte) und lag damit insgesamt unter dem Niveau anderer Oberzentren. Nur in den 1 A-Lagen gab es überdurchschnittlich viele Leerstände.

In der City liegen das größte innerstädtische Warenhaus Unterfrankens, eine Filiale der Galeria Kaufhof (1964) mit rund 10.000 m² Verkaufsfläche, das Rückert-Center (1973), mit 21.000 m² und das größte innerstädtische Einkaufszentrum Mainfrankens, die Stadtgalerie Schweinfurt (2009), eine 300 m lange Shopping Mall mit 22.500 m² Verkaufsfläche, 100 Geschäften und 1.300 Parkplätzen.

Im Hafen-Ost entstand seit den 1980er Jahren eine der größten Fachmarktagglomerationen Deutschlands, in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt im Hafen jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu. 2009 eröffnete XXXLutz im benachbarten Maintal zwei Möbelhäuser seiner Marken XXXL Neubert und Mömax mit zusammen 34.900 m² Verkaufsfläche.

EinkaufsgalerieSW3.jpg|Westliche City:
Stadtgalerie SchweinfurtSchweinfurt Altstadt 03.jpg|City:
JägersbrunnenSW Hugendubel.jpg|City:
Georg-Wichtermann-PlatzSchweinfurt, Stadtmauer, Am Unteren Wall-20160105-007.jpg|Unterer Wall:
Rückert Center

Weiteres

Fahrräder

In der Geburtsstadt des Fahrrads (siehe: Artikel-Einleitung) sind auch heute namhafte Firmen der Branche ansässig. Neben SRAM und Winora (siehe jeweils: Bekannte Unternehmen) zudem das erst 2017 gegründete Unternehmen Pexco, der branchenbekannten Schweinfurter Familie Puello, mit zwei Radkollektionen, einschließlich E-Bikes, ihrer neuen Marken Raymon und Husqvarna Bicycles.

Kunststoffe

Schweinfurt ist Hauptsitz von Maincor, Hersteller von Kunststoffrohren, Sitz von Mainplastik und von Melaplast, das Melamin-Laminate produziert. KLT Hummel Plastic (KunstoffLagerTechnik) produziert vor allem für die Automobilindustrie (einschließlich Nutzfahrzeuge). Zu den Kunden zählen Daimler, Scania, ZF, Schaeffler und Continental. Zudem arbeitet KLT mit SKF im Bereich Gleitlager zusammen, für wartungsfreie Lager, wie sie im Großformat im Oosterschelde-Sperrwerk eingebaut wurden.

Farben

Im historischen Zentrum der deutschen Farbenfabriken (Schweinfurter Grün) gibt es heute nur noch die Buntfarbenfabrik Deifel.

Textilien

P.A.C. am Hainig und im Maintal ist ein weltweit führender Hersteller von Multifunktionstüchern.

Lebensmittel

Das lößreiche Schweinfurter Gauland im Westen des Landkreises ist die Kornkammer der Region, wo auch Braugerste hoher Qualität gedeiht. In Schweinfurt sind eine Getreidemühle (Cramer Mühle) und zwei Malzfabriken ansässig (Ireks, mit Hauptsitz in Kulmbach und Mälzerei Günther Schubert).

Brauereien

Schweinfurt liegt unweit westlich von Bierfranken. Von insgesamt elf Brauereien in der Stadt existiert heute nur noch die Brauerei Roth (siehe: Liste ehemaliger Brauereien in Bayern, Schweinfurt).

Logistik

Schweinfurt ist aufgrund der zentralen deutschen und europäischen Lage ein wichtiger Logistikstandort. Hier haben ZF Friedrichshafen und SKF ihr deutsches bzw. europäisches Logistikzentrum. DB Schenker bietet in und nahe der Stadt an insgesamt drei Standorten alle Bereiche der Logistik an, von See- und Luftfracht über Messelogistik bis zur Kunstlogistik. Beiderseits der südlichen Stadtgrenze sind weitere Logistikunternehmen, allein Schäflein hat hier zehn Standorte.

Mineralöle

Das Mineralölunternehmen Erik Walther hat seinen Hauptsitz in Schweinfurt, mit einem Tanklager im Hafen. Das Unternehmen betreibt rund 70 eigene Tankstellen in vier Bundesländern und verschifft die Mineralöle mit einer eigenen Tankerflotte von den ARA-Häfen (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) zum Hauptsitz und anderen Tanklagern.

Kiesabbau

Im Süden der Stadt betreibt die Schweinfurter Baufirma Glöckle Sand- und Kiesabbau, wodurch die Schmachtenseen entstanden (siehe auch: Geologie).

Land- und Forstwirtschaft

Landwirtschaftlich werden 1033 ha im Stadtgebiet genutzt. Zwei Aussiedlerhöfe liegen am Rande der Gartenstadt und zwei am Münzberg. Der Weinbau umfasst 3,5 ha (2017) an der Peterstirn (siehe: Weinbau). Die Wasserflächen betragen ca. 170 ha (2018), u. a Karpfenteiche westlich des Sennfelder Sees; es gibt noch einige Fischwirte. Die Waldgebiete umfassen 500 ha, die abgesehen von kleineren naturgeschützten und urwaldähnlichen Zonen am südlichen Mainufer der Forstwirtschaft unterliegen.

Gründerzentren

Das erste Gründerzentrum wurde bereits 1994 eröffnet, als Gründer- Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS). Es bietet insbesondere Gründern aus den Bereichen Informationstechnik, Software, Technologie und unternehmens­nahen Dienstleistungen angepasste Büroräume am Hainig zur Miete. Das von der Stadt Schweinfurt betriebene Chancen-Center Maintal vermietet Hallen für Start-up-Unternehmen im Gewerbebereich im Industrie- und Gewerbepark Maintal. Seit 2018 bietet ebenfalls die Stadt Coworking-Spaces im Friedrich-Rückert-Bau in der Altstadt an, dazu drei externe Ladenlokale in der Innenstadt, zudem ein Startup-Chancencenter im Gewerbegebiet Heckenweg im Nördlichen Stadtteil.

Infrastruktur

Mainbrücken

Schweinfurt besitzt insgesamt 62 Brücken, davon sieben Mainbrücken, die den Main oder nur einzelne Mainarme oder nur den Altmain queren. Darunter befindet sich eine Eisenbahnbrücke, alle anderen sind Straßenbrücken. Die nachfolgend von Ost nach West (mainabwärts) aufgeführten Brücken queren vollständig den Main. Die Maxbrücke ist eine dreispurige Straßenbrücke, Baujahr 1958. An ihrer Stelle befand sich bereits um 1400 die erste Brücke der Stadt über den Hauptarm des Mains. Die Gerolzhöfer Brücke ist eine eingleisige Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Schweinfurt-Hbf–Kitzingen-Etwashausen, die derzeit, außer Güterverkehr im Raum Schweinfurt, nicht im Betrieb ist. Die erste Eisenbahnbrücke an dieser Stelle wurde 1903 errichtet. Über die Hahnenhügelbrücke, die 1964–1967 erbaut wurde, führt die Bundesstraße 286. Mit über 41.800 (2011) Kraftfahrzeugen am Tag bildet sie die südmainische Hauptzufahrt in die Innenstadt. Sie besitzt vier Fahrspuren und soll in einigen Jahren durch einen fünf- oder sechsspurigen Brückenneubau ersetzt werden. Die Mainbrücke Oberndorf ist eine sechsspurige Straßenbrücke (vier Fahrspuren und zwei Standspuren), Baujahr 1970/1994, der Bundesautobahn 70. Die Brücke überqueren ebenfalls über 40.000 Kraftfahrzeuge (2017) am Tag.

Bundeswasserstraße

Schweinfurt liegt an der 3.500 km langen Großschifffahrtsstraße, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Jährlich passieren 1.000 bis zu 135 Meter lange Flusskreuzfahrtschiffe und 6.000 Frachtschiffe die Stadt, darunter bis zu 180 Meter lange Schubverbände, meist Container- oder Tankschiffe. Derzeit wird im Raum Schweinfurt die Fahrrinne des Mains von 36 auf 40 Meter verbreitert und von 2,5 auf 2,9 Meter vertieft. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202 km zuständig. Schweinfurt war 1911/1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main, die 1936 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde.

Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personen- und Flusskreuzfahrtschiffe sowie Bootshäfen. Im Stadtgebiet befindet sich zudem das Laufwasserkraftwerk Schweinfurt, mit Staustufe und Schleusen für Schiffe und Sportboote.

Öffentlicher Verkehr

Schweinfurt besitzt unter allen deutschen Städten das dichteste Netz an Haltestellen im öffentlichen Personennahverkehr (Gründe hierzu siehe auch: Wissenswertes, Superlative).

Verkehrsverbünde

Die Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (VSW) ist eine Verkehrsgemeinschaft des Öffentlichen Personennahverkehrs für das Gebiet der kreisfreien Stadt Schweinfurt und den Landkreis Schweinfurt. 23 Buslinien von örtlichen Busunternehmen und zwei Bahnlinien der Erfurter Bahn, bzw. der Deutschen Bahn, bieten einen Gemeinschaftstarif an. 2022 soll die Region Schweinfurt/Main-Rhön dem Verkehrsverbunds Mainfranken (VVM) angegliedert werden, zum nach Einwohnern drittgrößtem und Fläche zweitgrößtem Verkehrsverbund Bayerns.

Schiene

Bahnhöfe:

  • Schweinfurt Hauptbahnhof (Kategorie 3)
  • Bahnhof Schweinfurt Stadt (Kategorie 5)
  • Bahnhof Schweinfurt Sennfeld (derzeit kein Personenverkehr)
  • Haltepunkt Schweinfurt Mitte (Kategorie 6)
  • Containerterminal Schweinfurt

Im Dezember 2028 erhält Schweinfurt Anschluss an das Intercity-Netz durch den neuen IC Bamberg–Schweinfurt–Stuttgart–Tübingen

Schweinfurt liegt an folgenden Regionalexpress- (RE) und Regionalbahnlinien (RB):

  • RE Bamberg–Schweinfurt Stadt–Schweinfurt Mitte–Schweinfurt Hbf–Frankfurt am Main; über diesen Zug ist Paris-Est von Schweinfurt mit einmaligem Umstieg in Frankfurt erreichbar
  • RE Würzburg–Schweinfurt Hbf–Bamberg–Nürnberg
  • RE Würzburg–Schweinfurt Hbf–Erfurt
  • RB Schweinfurt Stadt–Schweinfurt Mitte–Schweinfurt Hbf–Meiningen
  • RB Schweinfurt Stadt–Schweinfurt Mitte–Schweinfurt Hbf–Bad Kissingen–Gemünden am Main

Seit längerer Zeit gibt es Initiativen zur Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt. Zudem ist eine direkte Fernverkehrsverbindung von Schweinfurt nach Fulda im Gespräch.

1 Ultsch1 Hbf SW von der Fußgängerbrücke aus um 1903 S. 90.jpg|Hauptbahnhof um 1903
Das Empfangsgebäude wurde 1943 zerstört und nach dem Krieg weiter westlich neu errichtetHaltepunkt Schweinfurt Mitte - panoramio.jpg|Schweinfurt Mitte
Haltepunkt der Deutschen Bahn (DB) und Erfurter Bahn (EB)Schweinfurt Stadt - panoramio.jpg|Stadtbahnhof Durchgangsbahnhof der DB und Endstation der EB (im Bild auf Stumpfgleis)

Busse

Zentrale Omnibusbahnhöfe (ZOB):

  • ZOB Bahnhofsplatz (Fern- und Regionalbusse)
  • ZOB Roßmarkt (Stadtbusse)

Fernbusse ab ZOB Bahnhofsplatz, mit Verbindungen in viele Städte Zentraleuropas. Regionalbusse der Omnibusverkehr Franken (OVF) und der VSW fahren neben dem ZOB Bahnhofsplatz weitere Haltestellen im Stadtgebiet an. Die OVF unterhält in Schweinfurt eines von insgesamt drei Depots. Stadtbusse der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Schweinfurt fahren sternförmig den ZOB Roßmarkt an. 34 Linien auf einer Streckenlänge von 161 Kilometern mit ca. 8 Millionen beförderten Personen (2016) bedienen das Stadtgebiet und die meisten Vororte.

Personenschifffahrt

Die Schweinfurter Personenschifffahrt führt von März bis Oktober auf dem Main Rundfahrten durch, auch in Verbindung mit Veranstaltungen mit gastronomischen Angeboten an Bord.

Straßenverkehr

Die Planungen der Reichsautobahnen gingen vollständig an Schweinfurt vorbei (siehe: Strecke 46 und Strecke 85). In Folge der deutschen Teilung und der damit verbundenen Umplanungen und der deutschen Wiedervereinigung wurde die Stadt schließlich zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte (siehe: Neue Zentralität). Bei Schweinfurt bilden die A 70 als Südtangente und die A 71 als Westtangente eine Umfahrung um die Stadt, mit insgesamt sieben Anschlussstellen für Stadt und Vororte, weshalb Schweinfurt nur 5 %  Durchgangsverkehr besitzt. Die Bundesstraßen spielen für Schweinfurt nur noch eine geringere Rolle und wurden deshalb hier teilweise in Abschnitten zu Staatsstraßen zurückgestuft. Schweinfurt liegt an folgenden Fernstraßen:

  • TEN Alta (Nordkap)–Gela (Sizilien). Die europäische Nord-Süd-Achse, mit fast 5000 km Länge, verläuft auf der A 7 über das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck.
  • TEN Schweinfurt–Prag. Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck. Im Endausbau wurde sie als durchgehende, vierspurige Schnellstraße von Schweinfurt bis Prag angestrebt, was durch die Einstellung der Planung der Fichtelgebirgsautobahn 2009 nicht mehr möglich ist.
  • An die erste Autobahn durch Unterfranken erhielt Schweinfurt Anfang der 1960er Jahre seinen ersten Autobahnanschluss Schweinfurt-Süd/Wiesentheid über einen 34 km langen Autobahnzubringer. Die Anschlussstelle wurde später für die Stadt durch drei neue, nähere Autobahnen bedeutungslos und deshalb in Wiesentheid umbenannt.
  • Sie verläuft von der dänischen zur österreichischen Grenze. Anschlussstellen Wasserlosen (vormals Schweinfurt/Niederwerrn) und Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A 7/A 70). Zwischen dem Kreuz Schweinfurt/Werneck und der A 3 begann der sechsstreifige Ausbau zunächst an fünf Brücken, die bis 2023 fertiggestellt sein sollen.
  • Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und läuft über Bamberg bis zum Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach (A 70/A 9).
  • Sie endet bei Schweinfurt am Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) und beginnt am Autobahndreieck Südharz (A 71/A 38).
  • Eisenach–Kleines Walsertal. Sie verläuft 2 km vor der Stadtgrenze als Westtangente und wurde zwischen der A 70 und Meiningen herabgestuft.
  • Riedstadt (Rhein)–Bamberg, wurde im Raum Schweinfurt herabgestuft
  • Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck–Arnstein. Bundesstraße auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.
  • im Bundesverkehrswegeplan 2030. Geplante Schnellstraße (dreistreifig mit abwechselnder Überholspur) vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck zur A 3 (Anschlussstelle Helmstadt) als direkte Verbindung von Schweinfurt nach Frankfurt am Main via A 3 und Stuttgart via A 81. Die B 26n verläuft zunächst auf der Trasse der B 26a bis Arnstein und dann weiter auf neuer Trasse bis Karlstadt am Main.
  • Enzlar–Bad Brückenau. Im Abschnitt zwischen A 3, Anschlussstelle Wiesentheid und Schweinfurt-Hafenkreuz kreuzungsfreie Schnellstraße. In diesem Abschnitt von Gerolzhofen bis zur Anschlussstelle Schwebheim dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur und ab da bis Hafenkreuz vierstreifig.
  • A 7, Anschlussstelle Wasserlosen–Schirnding (Tschechische Grenze bei Eger). Zwischen der A 70 bei Schweinfurt und dem Coburger Land auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.

Radwege

Die Stadt besitzt im westlichen Bereich ein relativ dichtes Radwegenetz und liegt an drei Radfernwegen. Der 600 Kilometer lange Main-Radweg wurde 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet. Ferner liegt die Stadt am Main-Werra-Radweg und am Werntal-Radweg.

Luftverkehr

Schweinfurt liegt zwischen dem Frankfurter Flughafen (118 km westlich) und dem Nürnberger Flughafen (85 km südöstlich). Wegen dieser Nähe gibt es dazwischen keinen Regionalflughafen, obwohl um 1970 unweit westlich des heutigen Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck ein Regionalflughafen angedacht war. Um Schweinfurt liegen drei Flugplätze:

  • Verkehrslandeplatz: Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt, im 25 Kilometer entfernten Haßfurt, wird auch von größeren Flugzeugen angeflogen.
  • Sonderlandeplatz: Flugplatz Schweinfurt-Süd, mit Graspiste; für Motor- und Segelflugzeuge des Aeroclubs Schweinfurt e. V. und Geschäftsreiseflugzeuge und -hubschrauber.
  • Militärflugplatz (seit 2014 ungenutzt): Er hatte unterschiedliche Bezeichnungen: Flugplatz Schweinfurt (1937–1945), Schweinfurt Air Base (1945–1948), Conn Barracks (bis 2014).

Energieversorgung

Die Stadtwerke Schweinfurt betreiben in der Stadt und einigen Randgemeinden ein Stromnetz, Methangasnetz, Fernwärmenetz und Kabelnetz. Die Stadtwerke sind Miteigentümer des Laufwasserkraftwerks Schweinfurt. Gas wird vollständig zugekauft. Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH bezogen, die das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) betreibt.

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Grenze des Stadtgebietes befindet, wurde 2015 stillgelegt. Bis ca. Ende 2020 ist die Brennelementefreiheit und bis 2033 der anschließende nukleare Rückbau geplant. Danach beginnt der konventionelle Abriss der Gebäude und Kühltürme, der um 2035 beendet sein soll. Die schwach- und mittelradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wurde am KKG eine Bereitstellungshalle (BeHa) errichtet. Die hochradioaktiven Abfälle werden im 2006 am KKG erbauten Zwischenlager, dem Brennelementbehälterlager (BELLA), gelagert. Es hat eine Laufzeit von 40 Jahren. Wo danach die radioaktiven Abfälle hinkommen steht noch nicht fest, da es noch kein zentrales Endlager gibt. Die beiden Gebäude BeHa und BELLA werden das Einzige sein, was nach dem Abbruch vom KKG übrigbleibt. Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2 Milliarden Euro kosten. E.ON hat bislang (2020) noch kein Konzept, was danach mit dem Werksgelände geschehen soll.

Einer der wichtigsten deutschen Leitungsknoten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung befindet sicham Kernkraftwerk und am gegenüberliegenden Mainufer bei Bergrheinfeld. Er bleibt bestehen und wird seit Anfang 2015 weiter ausgebaut, als ein Ende der geplanten Stromtrasse Suedlink, als erstes Großprojekt in Erdverkabelung.

Öffentliche Einrichtungen

Gesundheitswesen

Das Leopoldina-Krankenhaus (Volksmund: Leo) ist ein städtisches Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung, mit 2.000 Mitarbeitern, über 700 Planbetten, 15 bettenführenden Fachabteilungen, 6 Instituten und 12 Dialyseplätzen. 2019 wurde das Leo im Klinikvergleich des Nachrichtenmagazins Focus als „Top regionales Krankenhaus“ ausgezeichnet. Auf dem Campus befinden sich zudem ein Medizinisches Versorgungszentrum (Ärztehaus) sowie weitere Institute.

Das Krankenhaus St. Josef ist ein katholisches Krankenhaus mit 260 Betten und 7 bettenführenden Fachabteilungen. Unweit des Krankenhauses, in der ehemaligen Frauenklinik Dr. Knüpffer, befindet sich die Palliativstation des Josefskrankenhauses, dem ebenfalls ein größeres Ärztehaus mit sieben Fachpraxen angegliedert ist.

Die Tagesklinik für Psychiatrie Schweinfurt ist eine Außenstelle mit 20 Betten des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck. Die Augenklinik Mainfranken im Rückert Center führt ambulante Operationen und Behandlungen im großen Spektrum der Augenheilkunde durch. Das Ambulante Reha-Centrum am Hainig befasst sich mit Wiederherstellung und Erhalt der Beweglichkeit.

In Schweinfurt kommen auf einen Arzt, einschließlich Psychotherapeuten, 356 Einwohner. Das ist ein Mittelwert, der zwischen den vergleichbaren Nachbarstädten Bamberg (277, Platz 1 in Deutschland) und Aschaffenburg (392) liegt (jeweils 2018).

Behörden

Die Zuständigkeitsbereiche mehrerer in Schweinfurt angesiedelter Behörden erstrecken sich teilweise weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurde das Bayerisches Landesamt für Statistik aus München nach Schweinfurt teilverlegt. 2020 kündigte die bayerische Staatsregierung eine weitere Behördenverlagerung an, eine Außenstelle des Finanzamts München mit 300 Stellen wird in Schweinfurt ab 2022/23 angesiedelt.

  • Agentur für Arbeit Schweinfurt, zuständig für die Region Main-Rhön
  • Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Bayerisches Landesamt für Statistik, Dienststellen in Schweinfurt und München (Hauptsitz in Fürth)
  • Eichamt
  • Finanzamt Schweinfurt
  • Finanzamt München, Außenstelle ab 2022/23
  • Hauptzollamt Schweinfurt, zuständig für Unterfranken und nahezu ganz Oberfranken
  • Hauptzollamt Schweinfurt, Außenstelle
  • Staatliches Forstamt
  • Staatliches Gesundheitsamt
  • Staatliches Hochbauamt
  • Staatliches Schulamt
  • Straßenbauamt Schweinfurt
  • Vermessungsamt
  • Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt, zuständig für die Bundeswasserstraße Main im Bereich Schweinfurt und Würzburg
  • Zentrale Ausländerbehörde Unterfranken (seit Mitte 2020 im Vorort Geldersheim)
  • Zollamt, Dienststelle des Hauptzollamtes Schweinfurt

Polizei

  • Polizeiinspektion (PI) Schweinfurt. Sie ist für die kreisfreie Stadt Schweinfurt und den Landkreis Schweinfurt zuständig, ohne den Altlandkreis Gerolzhofen. Zudem werden schwerwiegende Umweltdelikte in der Region Main-Rhön bei Bedarf zentral von der PI Schweinfurt bearbeitet.
  • Wasserschutzpolizei Schweinfurt. Sie gehört zur PI Schweinfurt und ist für 75 Main-Kilometer zwischen Limbach (Landkreis Haßberge) und Gerlachshausen (Landkreis Kitzingen) sowie für diverse Gewässer in der Region Main-Rhön zuständig.
  • Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Schweinfurt. Sie umfasst mit ca. 455.000 Einwohnern den gesamten Bereich der Region Main-Rhön.
  • Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck (Autobahnpolizei). Sie liegt an der Schnittstelle der Autobahnen 7, 70 und 71. Ihr Zuständigkeitsbereich für verkehrs-, allgemeinpolizeiliche Aufgaben und Kriminalitätsbekämpfung umfasst die Bundesautobahnen im Bereich der Region Main-Rhön.

Bis zur Auflösung der US-Heeresgarnison Schweinfurt im Jahre 2014 gab es zudem die US-Militärpolizei (MP) Schweinfurt.

Gerichte

Schweinfurt gehört zum Gerichtsbezirk des Oberlandesgerichts Bamberg. Schweinfurt ist Sitz mehrerer Gerichte unterschiedlicher Instanzen. In den 1990er Jahren wurde ein bayerisches Landesgericht aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

  • Bayerisches Landessozialgericht, einzige bayerische Zweigstelle (Hauptsitz in München)
  • Landgericht Schweinfurt
  • Amtsgericht Schweinfurt
  • Arbeitsgericht, Außenkammer des Arbeitsgerichts Würzburg

Justizvollzugsanstalt

In Schweinfurt befindet eine Justizvollzugsanstalt (JVA) mit 84 Haftplätzen. Hier werden Untersuchungshaft- und Freiheitsstrafen im Erst- und Regelvollzug bis zu sechs Monate für den Landgerichtsbezirk Schweinfurt sowie Freiheitsstrafen im gleichen Umfang für den Amtsgerichtsbezirk Gemünden vollzogen. Auf dem Gelände der JVA in der Altstadt, an der westlichen Stadtmauer, wurde erstmals 1884 ein Gefängnis errichtet, das im letzten Krieg zerstört wurde. Ab 1945 diente der Hochbunker A4 (Goethebunker) im Musikerviertel als Notgefängnis, bis 1957 das heutige Gebäude an einstiger Stelle fertiggestellt war.

Jugendhilfeeinrichtung

Das Haus Marienthal ist eine Jugendhilfeeinrichtung mit nahezu 170-jähriger Tradition. 1849 besuchte Johann Hinrich Wichern, der Gründer der Inneren Mission, auch Schweinfurt. Er hatte in Hamburg das Rauhe Haus zur Rettung verwahrloster Kinder errichtet. 1854 wurde auf Initiative von Ludwig von Jan das Schweinfurter Waisen- und Rettungshaus eingeweiht. Seit 2000 gehören sämtliche Schülerhorte der Stadt Schweinfurt zum Haus Marienthal. Die einstmals protestantische Stiftungsschule wird heute noch von historischen, evangelischen Vororten (Reichsdörfer und Reichsritterschaften) unterstützt.

Feuerwehren

In der Stadt sind mehrere Feuerwehren ansässig. Die Berufsfeuerwehr Ständige Wache Schweinfurt, die Freiwillige Feuerwehr Schweinfurt und die Werkfeuerwehren von Schaeffler, SKF und ZF Friedrichshafen. Zudem gab es bis zur Auflösung der US-Heeresgarnison Schweinfurt im Jahre 2014 eine amerikanische Feuerwehr.

Sport

Schweinfurt galt als Stadt des Sports. Diese Bezeichnung wird auch heute noch manchmal verwendet, obwohl der Sport hier seit Jahrzehnten keine überregionale Rolle mehr spielt, sofern man von Randsportarten wie Korbball absieht.

Vereine

In der Stadt gibt es 76 Sportvereine und Betriebssportgemeinschaften (2020). Mehrere herkömmliche Sportvereine, insbesondere mit Fußballabteilungen, wurden allerdings, wie vielerorts, durch die Demografie dezimiert und mussten teilweise neu organisiert werden. Viele Tennisanlagen wurden in Folge der Konkurrenz durch den Golfboom rückgebaut oder verwahrlosten.

Der älteste Verein der Stadt ist die Bürgerliche Schützengesellschaft 1433 Freischütz von 1875 Sie bestand vermutlich schon vor 1433. Noch vor Erfindung des Schießpulvers entstand hier ein Verein für Armbrustschützen. In der Tradition der Fußballstadt steht der 1. FC Schweinfurt 05 (siehe: Fußball). Die beiden größten Vereine sind jedoch die Turngemeinde Schweinfurt 1848 mit rund 3.000 Mitgliedern und außerhalb herkömmlicher Sportvereine die Sektion Schweinfurt des Deutschen Alpenvereins mit über 4.000 Mitgliedern (2020), sie betreibt die Schweinfurter Hütte in den Stubaier Alpen und die Hütte an der Haselstaude in der Schweinfurter Rhön sowie das DAV-Kletterzentrum Schweinfurt. Weitere Traditionsvereine sind der Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882 und die 1. Radfahrer-Vereinigung 1892 Schweinfurt. Ferner ist der ERV Schweinfurt zu nennen, mit seiner Eishockey-Mannschaft Mighty Dogs. Die beiden letztgenannten Vereine stehen auch in Verbindung mit der Fahrrad- und Rollschuh-Tradition der Stadt, in der Fahrräder, Skateboards, Inlineskates und dazugehörige Kugellager hergestellt wurden bzw. werden. Das Angebot im Wassersport rundet der Segelclub Ellertshäuser See Schweinfurt (SCES) ab.

Willy-Sachs-Stadion

Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936, eine Woche vor den Olympischen Spielen in Berlin, als Volkspark eröffnet. Es besitzt eine Tribüne im Bauhausstil. Die gesamte Anlage, mit altem Baumbestand, steht unter Denkmalschutz. Am Namen des Stadions wurde bundesweit wegen der Verbindungen des Stadionstifters Willy Sachs zum Nationalsozialismus Kritik geübt. Bei der Einweihung waren die mit Willy Sachs befreundeten Heinrich Himmler und Hermann Göring anwesend.

Anfang der 1960er Jahre, als das Willy-Sachs-Stadion noch zu den größten Sportparks der Bundesrepublik Deutschland gehörte, war geplant, das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik dort zu errichten, das aber dann in Hannover realisiert wurde.

Fußball

Der 1. FC Schweinfurt 05 stellte mit Andreas Kupfer den ersten Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellten Schweinfurter Fußballer in einem Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe, mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (beide FC 05) und Robert Bernard (VfR 07 Schweinfurt). Die größten Erfolge des FC 05 waren das Erreichen der Endrunden für die deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales im Tschammerpokal, wie der DFB-Pokal damals hieß. In den 1930er und Anfang der 1940er Jahre war der FC 05 nach dem 1. FC Nürnberg die Nummer 2 im bayerischen Fußball. Von 1931 bis zur Einführung der 1. Bundesliga 1963 spielte der FC 05 ohne Unterbrechung in der jeweils höchsten nationalen Spielklasse. Zweimal 1966 und 1975 misslang der Versuch in die 1. Bundesliga aufzusteigen. 1974 wurde der FC 05 Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga. In der Saison 2001/02 gehörte der Verein zum dritten und bisher letzten Mal der 2. Liga an. Seitdem spielte er in diversen Amateurligen, derzeit (2019/20) in der Fußball-Regionalliga Bayern.

Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Highbury in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.

Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse, der Gauliga Bayern, im Stadion am Hutrasen. Der größte Erfolg des Vereins war 1940 das Erreichen der zweiten Hauptrunde im Tschammerpokal, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Schweinfurt Gastgeber der Tunesischen Nationalmannschaft.

Leichtathletik

Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen olympischen Ringen im roten Streifen).

Weiteres

Eis- und Rollhockey

Aus dem Eislauf- und Rollschuhverein ERV Schweinfurt ging der zweimalige Eisschnelllauf-Weltrekordinhaber im Großen Vierkampf Günter Traub hervor, der von 1969 bis 1970 die US-amerikanische Nationalmannschaft im Eisschnelllauf trainierte. In den 1960er Jahren bildete der ERV Schweinfurt das Zentrum des deutschen Rollhockeys und stellte fast die gesamte Nationalmannschaft. Derzeit spielt der ERV in der 2. Bundesliga. Die größten Erfolge der Eishockey-Mannschaft des ERV (seit 2003 Mighty Dogs) waren zwei Spielzeiten in der 2. Liga Süd von 1994 bis 1996 und die Meisterschaft in der Oberliga Süd/Ost 2003.

Faustball

Faustball ist in Schweinfurt seit jeher populär. Die Faustball-Weltmeisterschaft 1972 und die Faustball-Europameisterschaft 2012 der Männer fanden im Willy-Sachs-Stadion statt.

Korbball

Ähnliches gilt für eine andere Randsportart Korbball, für die der Raum Schweinfurt sogar ein deutsches Zentrum ist.

Regattastrecke

Der Ruder-Club Franken unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main. Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die deutschen Sprintmeisterschaften und der Deutsche Rudertag ausgetragen wurden.

Golf

Der Golfclub Schweinfurt gehört mit ca. 1000 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen der Stadt. Er betreibt in Löffelsterz in der Schweinfurter Rhön eine 18-Loch-Anlage, einen öffentlichen 6-Loch-Kurzplatz und eine öffentliche Driving Range.

Freizeit

An den Mainpromenaden liegt in einer Mainbastion der „Stadtstrand Schweinfurt“. An den Mainkais sind Anlegestellen für Flusskreuzfahrtschiffe, der Schweinfurter Personenschifffahrt (Rundfahrten) und einer Bootsvermietung für „Grillboote“ (Grillen auf dem Boot). Am gegenüberliegenden, südlichen Mainufer ziehen sich die Wehranlagen entlang, mit Bademöglichkeiten, Sportclubs, Bootshäfen und Gastronomie.

Im Nordosten der Stadt bildet die von Tälern des Zellergrundbachs und Höllenbachs durchzogene Schweinfurter Rhön ein weitläufiges Naherholungsgebiet, mit Biergärten und einem dichten Netz von Wanderwegen. Mit dem bis auf ansteigenden, sommerkühlen Haartwald, dem Stadtwald, dem Höllental, dem Wildpark an den Eichen, der Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins und dem Silvana-Freizeitbad, mit Blick über die Silhouette der Stadt.

Die Peterstirn liegt über der Mainleite, einem Prallhang des Mains, mit Weinbergen und einem Weingut (Weinfeste). Dort bietet der Beerhüterturm einen Blick über das Hafengebiet und das Schweinfurter Becken auf den Kamm des Steigerwalds in alle drei fränkischen Regierungsbezirke. Ein Wanderweg führt von der Peterstirn durch den Steilhang einstiger Weinberge (heute Landschaftsschutzgebiet) zur Aussichtskanzel Bismarckshöhe, mit Blick auf Schloss Mainberg (Bild siehe: Lage).

Im Süden der Stadt, im 100 Meter tieferen Schweinfurter Becken, ist am Schwebheimer Wald dei Naherholungsanlage Baggersee, mit einem Badesee (26 ha) mit 1 Kilometer langem Strand, Bootsvermietung und Hochseilgarten. Außerhalb der eng gezogenen Stadtgrenze befinden sich drei weitere Badeseen, u. a. im Sennfelder Seenkranz.

Eislauf ist auf der Natureisbahn an der Ludwigsbrücke und im Icedome am Willy-Sachs-Stadion möglich. Eine Rodelbahn im Stadtwald führt hinunter zum Zellergrundbach.

In der Stadt beginnen drei Fernwanderwege. Ein Ast des Unterfränkischen Jakobswegs führt zum Kreuzberg/Rhön (928 m) mit dem Kloster Kreuzberg, ein Weg zum Schweinfurter Haus am Gangolfsberg (736 m) im Biosphärenreservat Rhön und der Friedrich-Rückert-Wanderweg vom Geburtshaus Friedrich Rückerts am Markt durch die Haßberge nach Neuses bei Coburg. Schweinfurt liegt am nordöstlichen Ende der Bocksbeutelstraße, die entlang des Mains ins Zentrum des Fränkischen Weinlandes führt, der Volkacher Mainschleife. Die Region Schweinfurt/Main-Rhön gilt als bayerische Bäderregion (siehe: Raumordnung).

Siehe auch: Wälder, Parks und Schutzgebiete

Wissenswertes

Sattlerbrief

Der Schweinfurter Industrielle Wilhelm Sattler sprach sich als bayerischer Landtagsabgeordneter als erster bereits 1847 für die Vereinheitlichung der Gebühren und die Einführung von Postwertzeichen nach englischem Vorbild aus, wo schon 1840 mit dem One-Penny-Einheitsporto die Briefmarke eingeführt worden war. Was dazu führte, dass das Königreich Bayern 1849 als erster deutscher Staat Briefmarken herausgab, die sich aufkleben ließen. Der Sattlerbrief von 1850 mit postalischen Besonderheiten wurde 2002 in Schweinfurt aufgefunden und ist heute im Museum für Kommunikation Nürnberg.

Theodor Fischer: ein Vater des Bauhauses

Der Architekt Theodor Fischer wurde 1862 in Schweinfurt geboren wo er auch aufwuchs. Er wandte sich von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der Moderne und des Bauhauses. Seine Gedanken im Manifest für die deutsche Baukunst wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. In einer Rede 1933 vor versammelter NS-Prominenz appellierte er vergeblich für den Erhalt des Bauhauses.

Erfindung des schnürlosen Fußballs

1920 erfand der Schweinfurter Fritz Stöcklein den schnürlosen VAU-DE-Es-Fußball mit Rückschlagventil.

Erstes Bodybuilding-Studio Deutschlands

Der US-Amerikaner Harry Gelbfarb wurde 1951 zur Armee eingezogen und später in Schweinfurt stationiert. Nach seiner Armeezeit traf er in Kalifornien bekannte Bodybuilder und eröffnete danach 1956 in Schweinfurt das erste Bodybuilding-Studio Deutschlands. 1959 gründete er mit Mitgliedern seines Studios den ersten deutschen Bodybuilding-Verband (DKB). 1981 organisierte Gelbfarb in seinem Schweinfurter Studio die ersten deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf der Frauen. Für die ersten Frauenmeisterschaften im Bodybuilding formulierte Gelbfarb die Richtlinien mit. Gelbfarb hat „das moderne Zeitalter dieser Sportart in Deutschland eingeleitet“. „Sie waren zu siebt, als Harry Gelbfarb im Jahr 1959 den ersten deutschen Bodybuilding-Verband gründete. Ein halbes Jahrhundert später sind es sieben Millionen Menschen, die in Fitnessstudios ihre Kraft mit Gewichten und Maschinen trainieren“.

Ludwig Mies van der Rohe und Schweinfurt

40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer (MGS) beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer den Architekten Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtels Garten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin in den Jahren 1965 bis 1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit einer Tochter Georg Schäfers verheiratet war. 2017 fand im MGS die einzige Ausstellung Deutschlands mit Collagen Mies van der Rohes neben seiner Geburtsstadt Aachen statt, als Leihgabe des Museum of Modern Art in New York City.

Gunter Sachs

Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt 1932 geboren. Er war in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt. Nach seiner Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya 1962 war er von 1966 bis 1969 mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet. Der Fotograf und Kunstsammler führte das Nachkriegsdeutschland aus seiner Provinzialität, machte die Pop Art salonfähig und entdeckte Andy Warhol. Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/14 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Salvador Dalí zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.

Beinamen und Mottos

Schweinfurt gilt seit langem als Kugellagerstadt (manchmal sogar: Welthauptstadt der Kugellager). Die Stadt Schweinfurt verwendet den Begriff in neuerer Zeit nicht mehr, da er den Strukturwandel hin zu mehr Forschung und Dienstleistung negiert, während er in der rivalisierenden Nachbarstadt Würzburg weiterhin abwertend gebraucht wird. Industrie und Kunst steht seit Anfang des 21. Jahrhunderts auf braunen Touristischen Unterrichtungstafeln an den Autobahnen. Der Spitzname für den 1. FC Schweinfurt 05 Schnüdel wird in der Stadt nur als Bezeichnung für den Verein und im Umland zudem auch als Spottname für die Schweinfurter benutzt. Der Name wurde von der Verschnürung des Fußballs abgeleitet, die wiederum ein Schweinfurter überflüssig machte (siehe oben).

Superlative

Schweinfurt besitzt zahlreiche Superlative. Der Hauptgrund hierfür liegt in ausgebliebenen Eingemeindungen (siehe: Eingemeindung), wodurch sich viele statistische Werte auf eine vergleichsweise geringe Einwohnerzahl beziehen. Das ergibt jedoch im sozialen Bereich auch Negativrekorde, da der Speckgürtel komplett außerhalb der engen Stadtgrenzen liegt und ergibt in der Summe teilweise völlig widersprüchliche Werte. Den (überregionalen) Medien sind diese Ursachen nicht bewusst, weshalb die Superlative nahezu immer als objektive Vergleichswerte zu anderen Städten veröffentlicht werden, ohne Nennung der Hintergründe. Während die Stadt Schweinfurt öfters positive Superlative anführt, greift die politische Opposition gerne negative auf.

Schweinfurt

  • ist die flächenkleinste kreisfreie Stadt Deutschlands,
  • hat die höchste Arbeitslosenquote aller kreisfreien Städte Bayerns,
  • hat die höchste Arbeitsplatzdichte Deutschlands (2015),
  • besitzt unter allen deutschen Städten das dichteste Netz an Haltestellen im öffentlichen Personennahverkehr,
  • hat die meisten Stiftungen pro 100.000 Einwohner Deutschlands,
  • hatte 2015 mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer die meisten Blitzeinschläge Deutschlands (siehe auch: Klima).

Persönlichkeiten

Aus Schweinfurt stammen Judith von Schweinfurt, (Königin von Ungarn (?), beigesetzt im Veitsdom zu Prag), Friedrich Rückert (Dichter und Orientalist), Theodor Fischer (Architekt), Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (einzige Deutsche in der ersten Weltelf der Fußballgeschichte 1938), Stefan Marquard (Starkoch) und der „gefallene Star“ Jürgen Höller (Autor und Motivationstrainer). Gunter Sachs (Playboy, Fotograf, Kunstsammler und Ehemann von Brigitte Bardot) wurde im Schweinfurter Vorort Mainberg geboren.

Daneben war die Stadt Anziehungspunkt und Teil des Lebens bekannter Personen, wie Ernst Sachs (Erfinder und Industrieller), Klaus Ernst (Mitbegründer der WASG und ehemaliger Vorsitzender der Linkspartei) oder Tommy Jaud (Autor). Familiäre oder berufliche Bezüge zu Schweinfurt haben Ludwig Mies van der Rohe (Architekt), Michael Glos (Politiker) und Sarah Kreuz (Sängerin).

Anhang

Weblinks

Videos

Einzelnachweise und Anmerkungen

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurt

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