Informationen
Strassen
Einrichtungen
Herrsching
Navigation
Gemeinde Herrsching
Bahnhofstrasse 12
82211 Herrsching

http://www.herrsching.de

Herrsching am Ammersee

160pxAbb. 1 Wappen von Herrsching am Ammersee
Basisdaten
Bundesland Bayern
Höhe 568 m
PLZ 82211
Vorwahl 08152
Gliederung 3 Ortsteile
Website www.herrsching.de
Bürgermeister Christian Schiller (parteilos)

Herrsching am Ammersee (amtlich: Herrsching a.Ammersee) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg.

Geographie

Lage

Herrsching liegt ca. 40 Kilometer südwestlich von München im Fünfseenland am Ostufer des Ammersees unterhalb des Klosters Andechs mit der Klosterkirche Andechs.

Ortsteile

  • Breitbrunn befindet sich am Ostufer des Ammersees, nördlich von Herrsching gelegen und war ursprünglich selbständig.
  • Ellwang
  • Rausch
  • Wartaweil
  • Widdersberg liegt östlich des Pilsensees, wurde 1972 eingemeindet und war zuvor selbstständig.
  • Lochschwab

Geschichte

Bis zum 19. Jahrhundert

Die geologische Formation des Fünfseenlandes entstand in der letzten Eiszeit, der sogenannten Würmeiszeit, die vor geschätzten 10.000 Jahren zu Ende ging. In Fließrichtung der Gletscher entstanden die hohen Seitenmoränen, etwa der Andechser Höhenrücken und die Untergrabungen für die späteren Seen. Der Wasserspiegel des Ammersees war etwa 30 m höher als derzeit, damit reichte der See vom Grafrath im Norden bis Weilheim. Die Verlandung und die Eingrabung der Amper senkten nicht nur den Wasserspiegel, sondern trennten auch den Wörthsee und Pilsensee ab.

Erste Spuren einer Besiedlung stammen aus der Bronzezeit (bis 1200 v. Chr), so wurden unterhalb von Widdersberg und östlich des jetzigen archäologischen Parks in Herrsching Keramik bzw. Scherben gefunden. Die typischen Grabhügel aus der Hallstattzeit sind Anfang bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts eingeebnet worden. Spuren aus der Römerzeit (15 v. Chr. bis 400 n. Chr.): In Herrsching wurden Fundamente eines römischen Trockenofens, eines Steinhauses und etliche Münzen gefunden. Ein römischer Grabstein aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. ist in der Außenwand der Kirche St. Michael in Widdersberg geschützt aufgestellt. Römische Einzelspuren, also Münzen oder Scherben wurden zudem in verschiedenen Teilbereichen des jetzigen Gemeindegebiets gefunden.

Aus dem Frühmittelalter (400–788 n. Chr.) wurden in Herrsching und Breitbrunn zunächst nur Gräber gefunden, ehe man bei Erweiterungsarbeiten am gemeindlichen Friedhof ein Tuffkammergrab mit menschlichen Skelettresten freilegte. Hierbei stellte sich bei den weiteren Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege heraus, dass es sich um ein frühmittelalterliches Adelsgrab der Merowinger-Zeit und dem fast vollständig erhaltenen Fundament einer frühchristlichen Kirche aus dem 7. Jahrhundert handelte. Der Fundplatz wurde in Form eines archäologischen Parks 1996 mit Adelsgräbern, einer rekonstruierten Kirche und Repliken eröffnet.

776 wurde Herrsching erstmals bei einer Schenkung der Adelsfamilie der Huosier ans Kloster Schlehdorf beurkundet. 1098 wurde „Preitbrunnen“ (Breitbrunn) erstmals in einer Urkunde erwähnt. Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete Herzog Albrecht V. ein Schloss in dem heutigen Ortsteil Mühlfeld.

Bis ins 19. Jahrhundert blieb Herrsching ein Fischer- und Bauerndorf, dann begann es, sich zum Ausflugs- und Urlaubsort zu entwickeln.

20. Jahrhundert

Im Jahr 1903 erhielt Herrsching einen Bahnanschluss nach München. Heute stellen touristische Tagesausflüge und auch längere Gästeaufenthalte eine wesentliche Einnahmequelle dar. Im Jahre 1889 erbaute der Maler Ludwig Scheuermann ein Schlösschen im Gründerzeit-Stil am Seeufer, wo er im Sommer mit seinen Freunden Künstlerfeste feierte. Das Scheuermann-Schlösschen ging 1934 in Gemeindebesitz über. Nachdem es in der Nachkriegszeit als Flüchtlingsquartier diente, wurde es renoviert und dient heute unter dem Namen Kurparkschlößchen als Kulturzentrum für Konzerte und Ausstellungen sowie als Hochzeitsschloss.

Im Ortsteil Wartaweil ist das Anwesen Villa Bräustedt wegen "Steuerschulden" während der Zeit des Nationalsozialismus an den NSDAP-Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz und später an die Herrschinger Finanzschule übergegangen. Zu dieser Zeit wurde es als "Erholungsheim für Werktätige" und als Erholungsheim der NSV genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als Unterkunft für Flüchtlinge, Schwangere und als Entbindungs-, Säuglings- und Kinderheim geführt. Die Gründerinnen waren Luise Silverberg und Gertrud Thyssen. Ihr Betrieb wurde von Hausschwangeren und Angestellten sowie der Wohlfahrt finanziert (Tagesgeld). Es sollten dort keine "asozialen Elemente" aufgenommen werden. Viele Kinder wurden dort geboren und zur Adoption abgegeben. Gertrud Thyssen "kannte die Vorliebe der Amerikaner für Babies", wie in der Sonntagspost vom Süddeutschen Verlag 1957 berichtet wurde. Da Starnberg die Mietung für das Heim beenden wollte, wurde im Bayerischen Landtag verhandelt, dass das Wartaweil Kinder- und Säuglings-Heim für kurze Zeit von der Bruderschaftschaft Salem e.V. betrieben wurde. 1966 wurde es vom Land Bayern als Erweiterung der Landesfinanzschule genutzt.

Einwohner

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts aufwärts: Um 1940 waren es noch rund 2.500 Einwohner, 1950, bedingt durch Flüchtlingszuzüge, auf 4229. 2013 gab es 10.714 Einwohner (inklusive der Zweitwohnsitze) in Herrsching am Ammersee, davon 1.644 in Breitbrunn und 437 in Widdersberg.

Zum 31. Dezember 2013 betrug der Anteil an ausländischen Mitbürgern 1.309 Personen (12,22 %). Insgesamt leben in der Gemeinde Herrsching 83 Nationalitäten.

Zur besseren Integration von Ausländern, von Neubürgern und von Zugezogenen wird jährlich ein Integrationstreff (Herrschinger Willkommenstag) durch die Gemeinde durchgeführt.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1972 wurde aufgrund der Gebietsreform in Bayern die bis dahin selbständige Gemeinde Widdersberg und am 1. Januar 1978 die Gemeinde Breitbrunn am Ammersee eingemeindet.

Politik

Gemeinderat

Nach den Kommunalwahlen 2002, 2008 und 2014 ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung im Gemeinderat:

Jahr CSU SPD Grüne FDP BGH/FW FBU WHW gesamt Wahlbeteiligung
2014 10 4 4 3 3 0 0 24 54,5 %
2008 9 3 3 2 4 3 0 24 71,2 %
2002 6 3 2 1 3 3 2 20 66,7 %
BGH/FW = Bürgergemeinschaft Herrsching/Freie Wähler     FBU = Freie Bürger Union     WBW = Wählervereinigung Breitbrunn-Widdersberg

Bürgermeister

Erster Bürgermeister der Gemeinde ist Christian Schiller (parteifrei). Er wurde 2008 als Nachfolger von Christine Hollacher (Freie Wähler) in das Amt gewählt.

Partnerstädte

Die Gemeinde Herrsching hat zwei Partnerstädte: Ravina in Italien und Chatra im indischen Westbengalen. Den Kontakt zu Chatra pflegt besonders auch der Verein „Indienhilfe“.

Baudenkmäler

Bemerkenswerte Gebäude von Herrsching:

  • Kurpark und Kurparkschlösschen (Scheuermann-Schlösschen)
  • Finanzschule Herrsching: Die Finanzschule - nun Hochschule für den öffentlichen Dienst/Fachbereich Finanzwesen - ist der mit Abstand größte Gebäudekomplex in Herrsching. Er liegt nicht zentral, und ist auch versteckt hinter Bäumen und daher nur bei direkter Annäherung sichtbar. Der Spatenstich für das monumentale Hauptgebäude erfolgte am 21. September 1935. Initiator des Vorhabens war der in Herrsching ansässige NSDAP-Funktionär Fritz Reinhardt. Die Gebäude wurden während und nach dem Zweiten Weltkrieg für Lazarette genutzt, ab Mitte der 1950er Jahre dann wieder für die Ausbildung von Steuerbeamten und bis 1972 auch als Zollschule. Diese Bildungsstätte ist eine der wichtigsten Einrichtungen für Herrsching.
  • Schloss Mühlfeld
  • Martinskirche, Herrsching
  • St. Nikolauskirche, Herrsching
  • Erlöserkirche, evangelische Kirche Herrsching
  • St. Michael, Widdersberg
  • Friedhof: Der Friedhof wurde von Roderich Fick um 1926 entworfen und umgesetzt. Kennzeichnend ist die schlichte Außenumfassung, darin neben einem kleinen Weiher die Aussegnungshalle. Auf diesem Friedhof sind u. a. begraben: Roderich Fick, Rudi Schuricke. Am Rande des Friedhofs befindet sich der Archäologische Park.
  • Bahnhof Herrsching

Verkehr, Infrastruktur, Tourismus

Herrsching liegt 15 km südlich der Autobahnabfahrt Inning am Ammersee im Verlauf der A 96 von Memmingen nach München.

Herrsching ist durch die S-Bahnlinie 8, die auf der Bahnstrecke München–Herrsching verkehrt, mit München verbunden. Vom Bahnhof fahren verschiedene Busse, u. a. zum Kloster Andechs und nach Weilheim.

In Herrsching legen die Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt an. Die Schiffe verkehren von Ende März bis Mitte Oktober und verbinden die nördlichen, südlichen und westlichen Uferorte. Angelaufen werden z. B. das nördlich gelegene Stegen, das nordwestlich gelegene Utting, der nördlich gelegene Ortsteil Breitbrunn und das südwestlich gelegene Dießen. Herrsching ist zugleich Namensgeber für den Raddampfer „Herrsching“, der mit 54 m Länge und einer Kapazität von etwa 400 Passagieren das größte Schiff am Ammersee ist. Das Schiff wurde 2002 in Dienst gestellt und löste das gleichnamige Motorschiff ab, dessen Schiffstaufe 1956 war und Platz für rund 240 Passagiere bot. Weitere aktuelle Schiffe am Ammersee sind der Raddampfer „Diessen“ und die Motorschiffe „Augsburg“ und „Utting“.

Am Ammersee entlang verläuft von Herrsching aus die längste See-Uferpromenade Deutschlands, auf der man rund zehn Kilometer weit flanieren kann, für sportlichere Gäste empfehlen sich die vielen Wander- und Radfahrwege (z. B. nach Wessobrunn) oder zum Starnberger See.

Auf dem Ammersee wird teilweise gesurft und gesegelt, es gibt zahlreiche Bademöglichkeiten und einen Bootsverleih.

Sind Gastronomie und Tourismus auch ein überragend wichtiges Wirtschaftselement, so lockt die Gemeinde Herrsching heute auch Freiberufler und Dienstleister an, Künstler, Künstleragenturen, Verlage.

Vereine (Auswahl): D’Herrschinger Wildschütz’n, Sportfreunde Breitbrunn, Morgenstern Schützengesellschaft, TC Herrsching und TSV Herrsching. Die Volleyballer des TSV Herrsching spielden seit der Saison 2014/15 in der Ersten Bundesliga.

Bildung

Alle Beamten des gehobenen Dienstes der bayerischen Finanzverwaltung absolvieren ihre Ausbildung im Fachbereich Finanzwesen an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern Dienstort Herrsching, die in einem imposanten Bau aus den 1930er Jahren untergebracht ist.

Eine weitere Bildungseinrichtung ist das Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching. Hervorgegangen aus der ehemaligen Bauern- und Bäuerinnenschule des Bayerischen Bauernverbandes (der am 30. November 1948 gegründeten und damit ältesten ländlichen Heimvolkshochschule Süddeutschlands) ist es heute ein offenes Tagungszentrum für Menschen aus dem ländlichen Raum zur persönlichen und fachlichen Weiterbildung. Außerdem beherbergt es die wertvolle Agrarhistorische Bibliothek Herrsching mit über 20.000 Bänden.

Persönlichkeiten

  • Rainer René Graf Adelmann von Adelmannsfelden (* 1948), Rechtsanwalt
  • Arno Assmann (1908–1979), Schauspieler
  • Hans Baur (1897–1993), Chefpilot von Hitler, wohnte in Widdersberg
  • Martin Benrath (1926–2000), Schauspieler
  • Thilo Bode (* 1947), Umweltschützer, Gründer und Geschäftsführer von Foodwatch, vorher Manager bei Greenpeace, in Herrsching aufgewachsen
  • Helene Böhlau (1856–1940), Schriftstellerin, begraben in Widdersberg
  • David Coverdale (* 1951), Sänger Deep Purple von 1973 bis 1976
  • Thomas Darchinger (* 1963), Schauspieler
  • Thorwald Dethlefsen (1946–2010), Esoteriker und Autor
  • Holm Dressler (* 1949), TV-Produzent und Regisseur, seit 1984 in Herrsching
  • Wolfgang Döbereiner (* 1928), Astrologe und Verleger
  • Michael Dürsch (* 1957), Ruderer
  • Roderich Fick (1886–1955), Architekt, lebte und arbeitete in der „Alten Mühle“, Mühlfeld von 1920 bis 1955
  • Helmut Hammerschmidt (1920–1998), Rundfunkintendant
  • Rudolf Hanauer (1908–1992), Jurist und Politiker (CSU), Präsident des Bayerischen Landtags (1960–1978), bis zu seiner Wahl als Landtagsabgeordneter von 1946 bis 1954 Gemeinderat von Herrsching, lebte bis 1992 in Herrsching
  • Thomas Heinemann (* 1958), Regisseur und Autor
  • Camilla Horn (1903–1996), Schauspielerin
  • Hanns Erich Köhler (1905–1983), Karikaturist
  • Clemens Kuby (* 1947), Dokumentarfilmer und Autor
  • Dieter Kühn (1935–2015), Schriftsteller, besuchte die Volksschule in Herrsching
  • Christian Morgenstern (1871–1914), Dichter: seine Witwe Margareta lebte ab 1919 bis zu ihrem Tod 1968 in Breitbrunn.
  • Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg (1910–2003), Diplomat und Autor, Überlebender des Untergangs der Bismarck
  • Hanns Christian Müller (* 1949), Theaterregisseur
  • Ruth Paulig (* 1949), Mitgründerin der Partei die Grünen in Bayern 1979, Abgeordnete der Grünen im Bayerischen Landtag 1986–1994, 1998 bis 2008
  • Alfred Ploetz (1860–1940), Mediziner
  • Dagmar Ploetz (* 1946), Übersetzerin
  • Eberhard Puntsch (1926–2015), Sachbuchautor und von 1978 bis 1982 Abgeordneter des Bayerischen Landtags (FDP), geboren in Dresden, wohnte in Herrsching
  • Simone Rethel (* 1949), Schauspielerin
  • Ludwig Scheuermann (1859–1911), Maler, Erbauer des Scheuermann-Schlößchens
  • Otto Schnitzenbaumer (1922–2012), Bauunternehmer, ehemaliger Eigentümer von Schloss Wartaweil
  • Rudi Schuricke (1913–1973), Sänger, Schauspieler, lebte von 1955 bis 1973 in Herrsching, Eigentümer des ehemaligen Hotels Seespitz
  • Sabine Thomas, Autorin und Fernsehmoderatorin
  • Klaus Wennemann (1940–2000), Schauspieler
  • Harald Winter (* 1953), Künstler
  • Fritz Winter (1905–1976), Maler
  • Franz Wördemann (1923–1992), Journalist und Sachbuchautor
  • Maximilian Ritter von Zottmann (1882–1966), Generalmajor, Bayerischer Max-Joseph-Ritter (Schlacht um Arras 9. April 1917)

Gewässer

  • Ammersee
  • Pilsensee
  • Kienbach
  • Fischbach
  • Widdersberger Weiher

Weblinks

    Hinweis

    Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Herrsching am Ammersee

    Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

    Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

    Deutschlandkarte
    Ortsplan Herrsching