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Nordhausen
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Nordhausen

160pxAbb. 1 Wappen von Nordhausen
Basisdaten
Bundesland Thüringen
Höhe 208 m
PLZ 99734, 99762 (Rodishain, Stempeda)
Vorwahl 03631, 034653 (Rodishain, Stempeda)
Gliederung 16 Stadtteile
Adresse der Verwaltung Markt 1
99734 Nordhausen
Website nordhausen.de
Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) ()
Nordhausen (lateinisch Northusia, Nordhusa, Nordhuse; Mundart Nordhusen; auch Nordhausen am Harz) ist die Kreisstadt des nach ihr benannten Landkreises im Norden Thüringens. Die Stadt liegt am Südrand des Harzes und im Nordwesten der Goldenen Aue. Durch das Stadtgebiet fließt die Zorge. Als große kreisangehörige Stadt nimmt Nordhausen in der Landesplanung den Status eines Mittelzentrums mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ein.

Nordhausen ist nach Erfurt, Jena, Gera, Weimar, Gotha und Eisenach die nach Einwohnern siebtgrößte Stadt in Thüringen, nahezu gleichauf mit Eisenach. Die nächstgelegenen Großstädte sind Göttingen (etwa 60 km westlich), Erfurt (etwa 61 km südlich), Halle (Saale) (etwa 81 km östlich), Braunschweig (etwa 87 km nördlich) und Magdeburg (etwa 91 km nordöstlich).

Auf dem Frauenberg entstand um 780 eine karolingische Königspfalz als Mittelpunkt eines Krongutbezirks und wurde 927 als Nordhuse in einer Schenkungsurkunde Heinrichs I. erstmals urkundlich erwähnt. Nordhausen war bis 1802 neben Mühlhausen eine von zwei freien Reichsstädten in Thüringen. Zwischen 1430 und 1432 war die Stadt Mitglied im Bund der Hanse. Von 1937 bis 1945 befand sich bei Nordhausen das Rüstungszentrum Mittelwerk Dora und ab August 1943 das Konzentrationslager Mittelbau, in dem 60.000 Häftlinge unterirdisch die V2-Waffe produzierten. Anfang April 1945 zerstörten zwei Luftangriffe auf Nordhausen der Royal Air Force drei Viertel des Stadtgebiets mit zahlreichen Kulturdenkmälern; ca. 8.800 Menschen kamen ums Leben.

Das Nordhäuser Stadtbild wird durch viele Anhöhen, Grünanlagen (u. a. Petersberg, Stadtpark, Promenade) sowie einer lockeren urbanen Bebauung mit hohem Anteil von Nachkriegsbauten, diversen Baudenkmälern und Kirchbauten geprägt. Das bedeutendste Bauwerk Nordhausens ist der Dom Zum Heiligen Kreuz aus der romanisch-gotischen Zeit. Anlässlich der zweiten Thüringer Landesgartenschau 2004 wurden Teile der Stadt umgestaltet und saniert.

Bekannt ist die Stadt auch für ihre Spirituosenherstellung (zum Beispiel Nordhäuser Doppelkorn). Wegen seiner Kautabakfabrik G. A. Hanewacker (gegründet 1817) galt Nordhausen als Zentrum der Kautabakproduktion in Deutschland.

In der Stadt beginnt mit der Harzquerbahn die Süd-Nord-Achse der Harzer Schmalspurbahnen, die vor Ort mit der Straßenbahn Nordhausen verknüpft ist.

Die höchste Bildungseinrichtung in der Stadt ist die Hochschule Nordhausen.

Geographie

Geographische Lage

Nordhausen ist eine Mittelstadt und liegt eingebettet zwischen den Vorhöhen des Harzes im Norden, der fruchtbaren Goldenen Aue im Südosten und der Rüdigsdorfer Schweiz im Nordosten. Nördlich angrenzend liegt der Naturpark Südharz. Die Umgebung von Nordhausen gehört der Schichtstufenlandschaft an, welche als südliches Vorland des Harzes den Raum zwischen dem Gebirgsrand und der Hainleite einnimmt. Dieses Vorland weist neben breiten und flachen, zuweilen beckenartig erweiterten Talniederungen eine Anzahl Höhenzüge von geringer Erhebung auf. Den Baugrund bilden diluviale Schotter über Oberem Buntsandstein.

Durch die Stadt fließen die Zorge – ein Nebenfluss der Helme – und die Salza, die der größten Quelle Thüringens, dem Salzaspring, entspringt. Das ursprüngliche Stadtgebiet (die heutige Altstadt) liegt auf einer westlich und südlich abfallenden Anhöhe.

Die Fläche der Stadt beträgt 105,62 km² (2016), was 14,8 Prozent der Fläche des Landkreises ausmacht. Die Nord/Süd-Ausdehnung beträgt 12,8 km und die Ost/West-Ausdehnung 19,0 km. Der niedrigster Punkt des Stadtgebietes ist 165 m über HN und der höchste 360 m.Ursprünglich besaß Nordhausen wenig Ländereien rund um das Stadtgebiet. Im Jahr 1315 erfolgte der Ankauf Hohnsteinischer Gebiete rings um die Stadt. 1365 wurde das Neustadtgebiet eingemeindet und es gab weiterhin das Bestreben, durch Kauf Land im Westen und Süden über die Zorge hinaus bis zu Helme und Salza zu gewinnen (1368, 1370, 1559, 1578). 1950 wurden die Dörfer Krimderode und Salza eingemeindet, ab den 1990er Jahren folgten insgesamt zwölf weitere Eingemeindungen, wodurch die Stadtfläche von 79,14 km² (1994) auf 105,62 km² (2016) anwuchs.

Stadtteile

  • Bielen, etwa 1.370 Einwohner
  • Herreden, etwa 590 Einwohner mit Hochstedt, etwa 75 Einwohner
  • Hesserode, etwa 660 Einwohner
  • Hörningen, etwa 280 Einwohner
  • Leimbach mit Himmelgarten, etwa 900 Einwohner
  • Petersdorf, etwa 390 Einwohner
  • Rodishain, etwa 320 Einwohner
  • Steigerthal, etwa 400 Einwohner
  • Steinbrücken, etwa 240 Einwohner
  • Stempeda, etwa 300 Einwohner
  • Sundhausen, etwa 1.200 Einwohner
  • Nordhausen mit Krimderode, Salza (mit Obersalza und Niedersalza) und Rüdigsdorf, etwa 38.000 Einwohner

Klima

Die Umgebung von Nordhausen wird zum so genannten Bördeklima gerechnet, das sich durch Julimittel von über 17 °C, einem milden Winter (Januar nicht unter -1 °C) und gerade ausreichende Niederschläge mit 500–650 mm auszeichnet. Buchenwald, Eiche und Hainbuche bilden sein Charakteristikum. Westlich und nördlich schließt sich das etwas rauhere mitteldeutsche Berg- und Hügellandklima an, während der Oberharz mit dem Brocken eine Sonderstellung durch sein Mittelgebirgsklima mit kurzer Vegetationszeit, überreichlichen Niederschlägen und verhältnismäßig tiefen Temperaturen hat. Der Harz nimmt eine Schutzfunktion für Nordhausen ein; der Harzrumpf ist so hoch und breit, dass er die von Norden und Nordosten sich heranschiebenden Kaltluftmassen voll wirksam abstaut. Viel offener liegt Nordhausen vor den Westwinden.In den Frühjahrs- und Herbstmonaten kann eine kräftige Bodennebelentwicklung auftreten. Die Stadtchronik berichtet von etlichen Jahren, in denen die Mühlen aufgrund des Ausbleibens der sommerlichen Niederschläge nicht mahlen konnten.

Von 1900 bis 1950 betrug die Durchschnittstemperatur 8,1 °C, von 1956 bis 2005 8,6 °C. Im August 1998 wurde ein Temperaturmaximum von 38,6 °C gemessen, im Januar 1987 ein Temperaturminimum von −27,2 °C.

Nach Aufzeichnungen des Historikers Friedrich Christian Lesser gab es von 1615 bis 1781 22 schwere Unwetter. Im 20. Jahrhundert wurden drei Unwetter (1925, 1946, 1980) gezählt. Zum Jahreswechsel 1925/26 und im Januar 1946 verursachte Hochwasser große Schäden; die Sommer- und Winterhochwässer sind auf die spezifischen Abflussverhältnisse des Südharzgebietes zurückzuführen.

Ein Orkan mit Windstärke 12 und Starkregen beschädigte am 15. Juli 1980 zahlreiche Häuser und entwurzelte Bäume. Im Stadtpark wurden 60 Prozent und im Gehege ein Drittel des Baumbestandes zerstört. Auch der wertvolle Baumbestand im Park Hohenrode wurde erheblich dezimiert. Besonders verheerend wütete der Orkan in den angrenzenden Forstrevieren, wo er 240.000 Festmeter Bruchholz verursachte; etwa 70 Prozent der getroffenen Bäume waren Buchen, Rest Fichten. Viele Hänge wurden zu Kahlflächen.

Geschichte

Der Raum Nordhausen war keltisches, dann germanisches Siedlungsgebiet. Er gehörte zum Thüringer Reich und wurde nach dessen Untergang fränkisch. Im heutigen Ortsteil Bielen fanden sich Siedlungsspuren aus der Zeit um 650 bis 700, als eine wendisch-sorbische Gruppe dort lebte.

Mittelalter

Um das Jahr 780 wurde auf dem Frauenberg im Süden der Altstadt eine karolingische Königspfalz gegründet. Der Ort Nordhausen selbst wurde am 13. Mai 927 als Nordhuse in einer Schenkungsurkunde Heinrichs I. an seine Frau Mathilde erstmals urkundlich erwähnt. Eine frühere Siedlung lässt sich jedoch schon bis ins Jahr 785 nachweisen, als die fränkische Siedlung „Nordhausen“ am Frauenberg entstand. In etwa zwischen 908 und 912 erbaute Heinrich I. die Burg Nordhausen. Der Überlieferung nach wurde hier um 920 der Sohn von Heinrich I. und Mathilde, Heinrich, geboren. Mathilde gründete 961 neben der von Heinrich I. erbauten Burg ein Stift, was Handwerk und Gewerbe einen Anreiz gab, sich hier niederzulassen. Aus dem Stift entwickelte sich der Nordhäuser Dom. 1158 schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa alle Reichsbesitzungen in Nordhausen dem Domstift, das dadurch erheblich an Einfluss gewann. 1180 wurde die Stadt durch die Truppen Heinrichs des Löwen wegen eines Zerwürfnisses zwischen Heinrich und dem Kaiser zerstört. Beim folgenden Wiederaufbau wurde die Stadtbefestigung um 1206 verstärkt, um den Grafen und Rittern des Umlandes Paroli bieten zu können. Diese fühlten sich in ihren Rechten durch die Stadt eingeschränkt und befehdeten sie mehrfach. Am 22. Juli 1212 heiratete Kaiser Otto IV., Sohn Heinrichs des Löwen, in Nordhausen Beatrix von Schwaben aus dem Hause der Staufer, wodurch beide Herrscherlinien eine Versöhnung erfuhren. Bereits 1234 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Stadt.

Am 27. Juli 1220 wurde Nordhausen vom König und späteren Kaiser Friedrich II. zur Freien Reichsstadt erhoben, was es bis zur Mediatisierung 1802 blieb. 1225 erhielt die Stadt ihr erstes Siegel, um 1260 wurde erstmals ein Rat gebildet und um 1280 ein erstes Rathaus am heutigen Standort errichtet. 1277 gab es einen Aufstand der Handwerker und Kleinbürger gegen die Reichsritter. Dabei wurde die Reichsburg zerstört. 1290 bestätigte der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg die Reichsfreiheit Nordhausens und stellte die Stadt unter seinen Schutz, um sich mit den Bürgern zu versöhnen. Durch seine günstige wirtschafts- und verkehrsgeographische Lage verfügte Nordhausen wahrscheinlich im 13. Jahrhundert über einen beachtlichen Wohlstand.

Im 13. und im 14. Jahrhundert griffen die Grafen von Schwarzburg, von Stolberg, von Hohnstein und die Ritter der Burg Klettenberg mehrfach Nordhausen an. Als im Jahre 1329 Ritter der Grafen von Hohnstein zu Sondershausen, der Grafen von Stolberg und aus der Burg Klettenberg – letztlich erfolglos – durch das Barfüßertor und das Altentor in die Stadt einzudringen versuchten, fielen der Nordhäuser Bürgermeister Helwig von Harzungen und drei Bürger, die ihre Tore verteidigten. Bei einem weiteren Aufstand am 14. Februar 1375 wurde der Rat gestürzt und seine Mitglieder verbannt. Die Stadt erhielt eine neue Verfassung und die Handwerker übernahmen die Macht. In dieser Zeit ließen sich einige Orden in Nordhausen nieder, beispielsweise Augustiner, Dominikaner und Franziskaner. Auch die benachbarten Klöster in Walkenried und Ilfeld gründeten in der Stadt Klosterhöfe. Bereits seit dem 14. Jahrhundert verlangte die Reichsstadt Nordhausen von ihren Bürgersöhnen, die in einen dieser Orden eintreten wollten, einen schriftlichen Verzicht auf ihr Erbe, um zu verhindern, dass der steuerfreie Grundbesitz der Kirche („Tote Hand“) weiter zunahm.

1430 trat Nordhausen der Hanse bei. 1500 wurde Nordhausen Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

Frühe Neuzeit

1507 wurde die Produktion von Branntwein in der Stadt erstmals urkundlich erwähnt. In Spitzenzeiten gab es 100 Brennereien in der Stadt. Auch Kautabak wurde in Nordhausen produziert. Schon im 16. Jahrhundert wurde auch Vitriolöl produziert; nach dem ersten Produktionsort Nordhausen wurde das Produkt „Nordhäuser Vitriol“ genannt.

1523 setzte sich in Nordhausen die Reformation durch. Treibende Kraft war hierbei der Bürgermeister Michael Meyenburg. In diesem Jahr hielt sich Thomas Müntzer in der Stadt auf. Nordhausen war die erste Stadt, die sich per Ratsbeschluss 1524 offiziell der Reformation anschloss, nachdem bereits 1522 ein Gefolgsmann Martin Luthers in der St.-Petri-Kirche eine der ersten protestantischen Predigten in Deutschland gehalten hatte. In der Folgezeit wurden alle Pfarr- und Klosterkirchen der Stadt lutherisch und die Kirchengüter wurden säkularisiert, mit der einzigen Ausnahme des Heilig-Kreuz-Stifts, das bis 1810 als katholische Körperschaft fortbestand.

Obwohl zwei Stadtbrände (1540 und 1612), der Ausbruch der Pest (1626) und der Dreißigjährige Krieg die Entwicklung der Stadt erschwerten, wuchs sie weiter an.Nordhausen war 1559 bis 1644 von Hexenverfolgung betroffen. 27 Personen gerieten in Hexenprozesse, acht wurden hingerichtet, fünf zu Landesverweis verurteilt, vier starben in der Folter oder im Kerker.Zu weiteren Stadtbränden kam es in den Jahren 1710 und 1712, sodass nur wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten blieb. Von den zwölf Kirchen im Mittelalter blieben ebenfalls nur noch der Dom, die Blasiikirche, die Frauenbergkirche und die Altendorfer Kirche erhalten.Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zeitweilig von den Schweden besetzt, dabei wurden hohe Kontributionen erpresst und sämtliche Kanonen der Stadt sowie einige der Kirchenglocken gestohlen. In der Folge unterstützte die Stadt die Harzschützen heimlich mit Geld, Unterkunft und Verpflegung.

Vom 19. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik

1802 erhielt Preußen als Entschädigung für an Frankreich verlorene linksrheinische Territorien auch thüringische Gebiete. So wurde die Stadt Nordhausen am 2. August 1802 von preußischen Truppen besetzt und in das Königreich Preußen eingegliedert, womit ihre Reichsfreiheit verloren ging. Am 7. Februar 1803 verlor die Stadt das Münzrecht. 1807 bis 1813 gehörte Nordhausen zu dem von Napoleon für seinen Bruder Jérôme Bonaparte konstruierten Königreich Westphalen, danach wieder zu Preußen, was 1815 durch den Wiener Kongress bestätigt wurde.

Im dritten Buch (zweites Kapitel) seines Romans Der Glöckner von Notre-Dame von 1831 rühmt Victor Hugo Nordhausen neben Nürnberg, Vitré in Frankreich und Vitoria in Spanien als gotische Musterstadt, die sich im Gegensatz zum Paris des frühen 19. Jahrhunderts ihre Ursprünglichkeit bewahren konnte.

In der Zeit bis 1866 blühte in Nordhausen ein bis dato in Thüringen nicht gekanntes Schmugglerwesen. Geschmuggelt wurden vor allem Kaffee, Tee und Tabak, weil diese Genussmittel im benachbarten Königreich Hannover wesentlich geringer besteuert wurden als in Preußen. Auch strengste Strafandrohungen konnten nichts an dem Zustand ändern. Die Grenze verlief entlang der heutigen Straße am Gehege. Zeitweise wurden das Rauchen von Tabak und der Genuss von Branntwein in der Öffentlichkeit verboten.

1867 begründete Eduard Baltzer die deutsche Vegetarier-Bewegung in Nordhausen. Es folgt 1869 der erste Kongress der deutschen Vegetarier in der Stadt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Nordhausen die Industrialisierung ein und erstreckte sich zunächst auf Kautabak, Kornbranntwein (Nordhäuser), Tapetenfabrikation, Weberei, Eismaschinen und Kaffeesurrogat. Die wirtschaftliche Basis verbreiterte sich um 1900 hauptsächlich auf dem Sektor der Maschinen-, Motoren- und Schachtbauindustrie.

1866 erhielt Nordhausen Anschluss an die Eisenbahn aus Halle (Saale), die Fortsetzung nach Heiligenstadt und Kassel wurde ein Jahr später eröffnet. Es folgten in den nächsten Jahren Bahnstrecken nach Northeim und Erfurt. Seit dem 25. August 1900 gibt es die Straßenbahn in Nordhausen. Die Inbetriebnahme einer modernen Wasserleitung (1874), eines Krankenhauses (1888), der Harzquerbahn (1897/99) und der Bau der Nordhäuser Talsperre kennzeichnen im Weiteren den kommunalen Fortschritt bis zum Ersten Weltkrieg.

Von 1815 bis 1945 gehörte Nordhausen zur preußischen Provinz Sachsen, in der es seit 1882 ein eigener Stadtkreis im Regierungsbezirk Erfurt war. Zusätzlich befand sich hier das Landratsamt des Landkreises Grafschaft Hohenstein.

Mit Beginn des Weltkrieges wurden 3.000 Wehrpflichtige eingezogen, 1916 stieg die Zahl auf über 5.000 und im Mai 1918 auf etwa 6.500. Das 1925 errichtete Kriegerdenkmal erinnert an 1.048 gefallene Nordhäuser. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde zwar durch den Krieg unterbrochen, nahm jedoch einen positiven Fortgang, der sich u. a. in lebhafter Bautätigkeit äußerte; es entstanden das neue Stadttheater und das Stadion mit Freibad.

Vom 27. bis 29. Mai 1927 feierte die Stadt ihr tausendjähriges Bestehen, zu dessen Anlass Sonderstempel, Briefverschlussmarken, Festpostkarten und Medaillen sowie eine zweibändige und reich illustrierte Stadtgeschichte herausgegeben wurden. Das Reichsfinanzministerium genehmigte zudem die Herausgabe einer kursfähigen 3-Mark-Gedenkmünze mit einer Auflage von 100.000 Stück.

Nationalsozialismus

1933 übernahm die NSDAP die Kontrolle über die Stadt. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erreichte sie in Nordhausen 46,7 Prozent der Stimmen. Bis zum Sommer 1933 wurden mindestens 20 Mitglieder von KPD und SPD in Schutzhaft genommen, mehrere jedoch nach kurzer Haft wieder frei gelassen. Einige der Verhafteten wurden im Siechenhof interniert, andere in das Gerichtsgefängnis, die Mehrheit jedoch in das Polizeigefängnis in Erfurt und von dort in Konzentrationslager verbracht. In der Stadtverordnetenversammlung verfügten NSDAP und DNVP im März 1933 über fast 60 Prozent der Mandate. Es folgte die Gleichschaltung der Stadtverwaltung. Der als linksliberal geltende Oberbürgermeister Curt Baller versuchte vergeblich, sich im Amt zu halten. Am 1. Juli 1933 wurde der Rechtsanwalt Heinz Sting durch die Bezirksregierung zum Oberbürgermeister ernannt. Im September 1933 wurde der Sozialdemokrat und Redakteur der „Volkszeitung“ Johannes Kleinspehn verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Im Juni 1933 gründete sich die Ortsgruppe der Deutschen Christen unter dem Pfarrer der St.-Blasii-Gemeinde.

Nach dem Tod des Landrates Gerhard Stumme entflammte im Frühjahr 1934 ein heftiger Machtkampf zwischen Sting und dem NSDAP-Kreisleiter Heinrich Keiser, was auch in der Berliner Parteikanzlei für Aufsehen sorgte. Am 19. Oktober 1934 wurde Heinz Sting als Oberbürgermeister beurlaubt, Keiser wurde 1935 nach Saalfeld-Rudolstadt versetzt.

Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht entstand 1935/36 für die Luftwaffe im Südosten Nordhausens die Boelcke-Kaserne mit Unterkunftsgebäuden und Fahrzeughallen. Der Fliegerhorst diente vor allem als Schulungs- und Testgelände, zeitweilig war hier auch eine Flugzeugwerft in Betrieb.

Während der Novemberpogrome 1938 wurden Wohnungen und Geschäfte zerstört, die Synagoge in Brand gesetzt. Die etwa 400 Nordhäuser Juden emigrierten oder wurden später in die Konzentrationslager deportiert. Im März 1939 wurden die etwa 70 Sinti und Roma auf den Schinderrasen und in Baracken An der Bleiche und am Holungsbügel bei Salza zwangsumgesiedelt; die Stadt ließ die Bewohner bei der Straßenreinigung, in der Grünpflege und einer Ziegelei arbeiten. Im Städtischen Krankenhaus wurden zwischen 1935 und 1943 392 als „erbkrank“ eingestufte Personen zwangssterilisiert.

Zweiter Weltkrieg

Von Dezember 1939 bis Juni 1940 wurden rund 9.000 Saarländer in Nordhäuser Privathaushalten und Sammelunterkünften untergebracht. Im Herbst 1939 trafen erste polnische Kriegsgefangene ein; Anfang 1942 waren etwa 450 und im März 1945 700 Kriegsgefangene registriert.

Von 1937 bis 1945 befand sich bei Nordhausen das Rüstungszentrum Mittelwerk Dora und ab August 1943 das Konzentrationslager Dora-Mittelbau mit 60.000 Häftlingen (von denen 20.000 bis 1945 ums Leben kamen), in welchem nach dem Angriff auf Peenemünde die Produktion der sogenannten Vergeltungswaffen, vor allem der neuen V2, aber auch der älteren V1, stattfand. Außerdem mussten 10.000 deutsche Strafgefangene und ausländische Zwangsarbeiter, die in 38 Lagern untergebracht waren, in diversen Unternehmen zwangsarbeiten. Das größte Zwangsarbeiterlager mit max. 6.000 Insassen, die teilweise für den Junkers-Konzern arbeiten mussten, befand sich in der ''Boelcke-Kaserne''. Diese wurde ab Ende Januar 1945 ein „Kranken- und Sterbelager des Mittelbau-Komplexes“ und lag im südöstlichen Nordhausen. Es wurde bei den britischen Bombenangriffen am 3. und 4. April schwer getroffen. Die US-Armee zwang die Einwohner Nordhausens zu Bergung, Transport und Bestattung der Toten. Auf dem Ehrenfriedhof am Stresemann-Ring wurden die 1.300 Todesopfer bestattet. An sie erinnert ein 1999 errichtetes Denkmal. Daneben befindet sich ein 1946 angelegter Ehrenfriedhof für 215 sowjetische Todesopfer.

In der Nacht vom 25. August auf den 26. August 1940 wurde Nordhausen erstmals Ziel eines Luftangriffs, als zwei Bomber den Flugplatz angriffen. Kleinere Angriffe wurden am 12. April 1944 und am 4. Juli 1944 geflogen. Am 22. Februar 1945 griffen gegen 12 Uhr 30 US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof an, trafen jedoch die Unterstadt, einige Anlagen des Industriegebietes und die frühere Fernmeldeschule der Luftwaffe in der Boelcke-Kaserne. Insgesamt fielen 296 Mehrzweckbomben und töteten 40 Menschen. Im Südharzer Kurier erschien am 26. Februar eine Todesanzeige für die „Gefallenen des Terrorangriffs“ mit der Ankündigung zur Beisetzung mit Trauerfeier der Stadt.

Am 29. Oktober 1944 wurden die Jahrgänge 1884 bis 1928 für den Volkssturm erfasst und in 29 Bataillone unterteilt. Die ersten 200 Volkssturmmänner wurden am 21. Februar 1945 zur Front gerufen.

Anfang März 1945 waren in Nordhausen 42.207 Einwohner gemeldet. Hinzu kamen 23.467 „Ortsfremde Personen“ (659 Kriegsgefangene, 503 verwundete Soldaten in 5 Lazaretten, 420 Angehörige der Kriegsmarine, 6082 ausländische Arbeitskräfte in Massenquartieren).

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Noch eine Woche vor Einmarsch der US-Streitkräfte wurde die Stadt am 3. und 4. April 1945 durch zwei britische Luftangriffe auf Nordhausen zu 74 % zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen ums Leben kamen und über 20.000 obdachlos wurden. Die Bombardierung wurde am 2. April 1945 vom Alliierten Oberkommando (SHAEF) befohlen. Dort forderte man einen Angriff zur Unterstützung der 1. US-Armee mit Priorität zur frühestmöglichen Gelegenheit. Der Zweck der RAF-Angriffe im April 1945 bestand darin, den Weg für einen ungehinderten Vormarsch von der im Südharzer Raum erwarteten Gegenwehr freizumachen.Der erste Großangriff am 3. April um 16 Uhr wurde ausgeführt von 247 Lancaster-Bombern und 8 Mosquitos der 1. und 8. Bombergruppe, die in 20 Minuten 1.170 Tonnen Sprengbomben, besonders auf den südöstlichen Quadranten der Stadt abwarfen. Dabei starben auch etwa 1.200 Häftlinge. Der zweite Großangriff am 4. April um 9 Uhr mit 243 Lancaster-Bombern der No. 5 Bomber Group und 1.220 Tonnen Bomben gilt als der schwerste Angriff und zielte als Flächenbombardement, auch mit durch Phosphorbomben ausgelöstem Feuersturm auf das Innenstadtgebiet.Es wurden hauptsächlich Wohngebiete (10.000 Wohnungen), das Krankenhaus und zahlreiche Kulturdenkmäler von hervorragender Bedeutung zerstört. Das bereits am Abend des 3. April evakuierte Stadtkrankenhaus zog am 8. April in die Stollenanlage im Kohnstein um. Dorthin waren ab 3./4. April auch viele Tausende Nordhäuser geflüchtet. Bis auf die frühere Boelcke-Kaserne wurden keine als militärisch oder kriegswichtig identifizierbaren Ziele getroffen. So blieben der Bahnhof, der Flugplatz, die Gleisanlagen, die Industriebetriebe und das Konzentrationslager Dora, in dem auch die „Vergeltungswaffe 2“ produziert worden war, unzerstört. Schwer beschädigt wurden die St.-Blasii-Kirche, der Dom und die Frauenbergkirche. Zerstört wurden Frauenbergkloster, Neustädtische Pfarrkirche St. Jakobi, Marktkirche St. Nikolai, St.-Petri-Kirche (Turm teilweise erhalten). Die Reste dieser Gebäude wurden nach dem Krieg abgetragen. Die Stadtmauer einschließlich der teilweise genutzten Türme und Wiechhäuser wurde schwer getroffen, das Rathaus bis auf die Umfassungsmauern zerstört. In großer Zahl wurden die für Nordhausen charakteristischen bürgerlichen Fachwerkbauten aus Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko und Frühklassizismus vernichtet. In der Innenstadt wüteten tagelang noch zahlreiche Brände, Bomben mit Zeitzündern explodierten, und das Stadtgebiet lag unter Beschuss durch Tiefflieger. Zunächst nur wenige Einwohner versuchten daher, Tote zu bestatten oder Hab und Gut zu bergen.

Verluste der ständigen Bevölkerung 6.000
Verluste der nicht ständigen Bevölkerung 1.500
Verluste der Häftlinge der Boelcke-Kaserne 1.300
zusammen 8.800

Die geschätzte Opferzahl von 8.800 bezieht sich nur auf das engere Stadtgebiet von Nordhausen, ohne die Verluste in den später eingemeindeten Ortsteilen. Es gibt auch höhere Schätzungen von über 10.000 Toten, so durch den Antifa-Ausschuss im Juni 1945. Von den 8.800 Toten waren etwa 4.500 Frauen und Kinder Für mehr Informationen siehe Hauptartikel: Luftangriffe auf Nordhausen

Anfang April 1945 wurden vom Volkssturm Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt getroffen. So wurden in der Gumpe, auf dem Holungsbügel, an der Promenade, im Gehege und an den Stadteingängen Gräben ausgehoben. Ein Großteil der Offiziere und Fliegersoldaten setzte sich in den folgenden Tagen Richtung „Harzfestung“ ab. Kurz nachdem die Ordnungspolizei und Parteidienststellen die Stadt verließen, löste sich der durch die Luftangriffe dezimierte Volkssturm auf.

Am Morgen des 11. April 1945 besetzte die über Werther anrückende 104. US-Infanterie-Division (1. US-Armee) mit Panzerunterstützung kampflos Nordhausen. Gegen 11 Uhr stießen die Soldaten in der schwer zerstörten Boelcke-Kaserne auf die Überlebenden des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau. Etwa 1.200 Häftlinge starben bei der Bombardierung der Stadt in den Unterkunftsblocks. Am gleichen Tag wurde das nordwestlich gelegene Konzentrationslager erreicht. Das Mittelwerk Dora selber war nie bombardiert worden und fiel den US-Truppen unzerstört mit allen Geheimwaffen und Unterlagen in die Hände. In der Umgebung des Kohnsteins und im Dorf Crimderode sprengten deutsche Nachhuten Brücken über die Zorge. Etwa 200 deutsche Soldaten und verdächtige Personen im Stadtgebiet wurden gefangen genommen und im Sammellager Rothleimmühle zusammengeführt. Am Nachmittag erfolgte die offizielle Übergabe der Stadt; Militärgouverneur wurde Captain William A. McElroy.

Das Military Governement gab Nordhausen am 12. April acht Tage lang den ehemaligen Häftlingen und ausländischen Zwangsarbeitern zur Plünderung frei. Aktivitäten der Organisation Werwolf wurden Ende April bekannt und einige Waffen und Munitionsvorräte beschlagnahmt. Am 8. Mai 1945 musste der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister, der sozialdemokratische Arbeiterführer Otto Flagmeyer, in einem Aufruf allen Plünderern die Todesstrafe androhen. Am 13. Mai fand auf dem Ehrenfriedhof eine Trauerfeier für die Opfer aus der Boelcke-Kaserne statt. An ihr mussten alle erwachsenen Nordhäuser teilnehmen, danach erhielten sie Personaldokumente und Lebensmittelkarten. Da die Nordhäuser Krankenhäuser alle zerstört worden waren, wurde ab April 1945 ein Hilfskrankenhaus in Ilfeld eingerichtet. Auch in Nordhausen herrschte ab Frühjahr 1945 eine Typhus-Epidemie und verschärfte noch die desolate Lage in der Stadt.

Sowjetische Besatzungszone und DDR-Zeit

Am 16. Juni 1945 wurde der bis dahin preußische Regierungsbezirk Erfurt und damit auch Nordhausen in das Land Thüringen eingegliedert. Die Rote Armee löste die US-Armee als Besatzungsmacht am 2. Juli 1945 ab.

Im Juli 1945 hielten sich über 7.200 Personen in Stadt- und Landkreis auf, die in den nun neu gebildeten drei westalliierten Besatzungszonen ihren Wohnsitz hatten. Sie suchten in der Region während des Krieges Schutz vor den Luftangriffen. Im Dezember 1945 betrug ihre Zahl noch 1.411. Im Zuge der Vertreibung betrug die Zahl der Flüchtlinge im Juni 1945 10.463, im Dezember 1945 insgesamt 18.054. Sie stammten aus Berlin und der Mark Brandenburg, aus Pommern, Ost- und Westpreußen, sehr viele aus dem Sudetenland und die überwiegende Anzahl aus Schlesien; sie wurden zunächst in größeren Lagern untergebracht.

Die kriegszerstörte Innenstadt von Nordhausen wurde nach Enttrümmerung ab 1945 in den 1950er und 1960er Jahren wieder aufgebaut. Dabei wurde die historische Siedlungsstruktur vollkommen missachtet. Stattdessen entstanden dem Zeitgeschmack entsprechende, breite Magistralen wie die Rautenstraße und die Töpferstraße. Nur im Nordwesten der Altstadt in der Umgebung des Doms blieb altstädtische Bausubstanz erhalten, die sowohl die Luftangriffe als auch die DDR-Zeit überstand. Das Bismarckdenkmal in der Promenade und das Wehrfreiheitsdenkmal auf dem Theaterplatz wurden 1945 abgetragen.

Nach Auflösung der Länder in der 1949 gegründeten DDR, gehörte die Stadt von 1952 bis zur Neukonstituierung Thüringens als Bundesland 1990 zum Bezirk Erfurt. Dort war sie Kreisstadt des Kreises Nordhausen, der 1994 in den heutigen Landkreis Nordhausen umgewandelt wurde.

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Nordhausen war am und um den 17. Juni 1953 ein Zentrum der Unruhen im Bezirk Erfurt. Schon in den ersten Junitagen 1953 erfolgten Streikaktionen gegen die verfügten Arbeitsnormerhöhungen. Am 17. Juni gab es dann einen mächtigen Streik im VEB IFA-Schlepperwerk. Die Arbeiter konnten jedoch nicht zu Demonstrationen in die Stadt, da das Werk durch Volkspolizei und Kasernierte Volkspolizei umstellt worden war. Einen Streik gab es auch im Schachtbau- und Bohrbetrieb. Bald wurden die Losungen der Streikenden politisch: Hinweg mit der Regierung, freie Wahlen und Aufhebung des von der Sowjetarmee verhängten Ausnahmezustands. Streikführer wurde der Gewerkschaftsfunktionär Otto Reckstat (1898–1983), der als Hilfsschlosser bei der Nordhäuser VEB ABUS-Maschinenbau arbeitete. Streiks und Unruhen hielten auch noch am 18. Juni an, dann besetzten unter dem Schutz der Sowjetarmee Volkspolizei-Einheiten die Betriebe.

Am 22. August 1961 war Nordhausen Ziel der 5. Etappe (Jena – Nordhausen; 136 km) sowie am Folgetag Start der 1. Halbetappe (Nordhausen – Kyffhäuser; Einzelzeitfahren; 24 km) der 6. Etappe (Nordhausen – Dessau; 164 km) der 12. DDR-Rundfahrt; am 14. August 1962 Ziel der 1. Etappe (Magdeburg – Nordhausen; 147 km) sowie am Folgetag Start der 2. Etappe (Nordhausen – Bad Langensalza; 100 km) der 13. DDR-Rundfahrt; am 5. September 1974 Ziel der 6. Etappe (Dessau – Nordhausen; 143 km) sowie am Folgetag Start und Ziel der 7. Etappe („Quer durch den Harz“; 134 km) der 22. DDR-Rundfahrt; am 20. August 1976 Ziel der 7. Etappe (Jena – Nordhausen; 165 km) sowie am Folgetag Start und Ziel der 8. Etappe („Quer durch den Harz“; 119 km) der 24. DDR-Rundfahrt.

Am 29. Mai 1980 wurde bei einem Treffen von Vertretern des Kommandos der LSK/LV und der Grenztruppen der DDR aufgrund des gewachsenen Personal- und Technikbestandes die Verlegung der Hubschrauberstaffel 16 von Salzwedel an den neuen Standort Nordhausen beschlossen. In den folgenden Jahren wurde dieser Mitte der 1930er Jahre errichtete Luftwaffen-Fliegerhorst ausgebaut und mit betonierten Hubschrauber-Stellflächen, Rollwegen sowie einer Wartungshalle versehen. Am 14. Oktober 1986 verlegte die Staffel samt Stab. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 15 Mi-2 und drei Mi-8 im Bestand.

Mit 52.290 Einwohnern (1989) gehörte die Stadt zu den bevölkerungsreichsten im Bezirk Erfurt und war das zweitgrößte industrielle Zentrum. In den Betrieben, die zahlreiche Produkte für die gesamte DDR herstellten, waren um 1989 ca. 25.000 Menschen beschäftigt. Zu den wichtigsten zählten u. a. die IFA Motorenwerke, der VEB Schachtbau und das RFT Fernmeldewerk, in dem alle Telefone für die DDR produziert wurden. Der VEB Nordbrand galt als der „größte und modernste Spirituosenproduzent der DDR“, der VEB Tabak als der „größte Zigarettenhersteller der Republik“; bis Ende der 1990er Jahre wurde hier u. a. die Zigarettenmarke Cabinet hergestellt.

Am 31. Oktober 1989 trafen sich auf dem August-Bebel-Platz ca. 25.000 Menschen zur ersten offenen Demonstration gegen das DDR-Regime, am 7. November 1989 versammeln sich ca. 35.000 bis 40.000 Teilnehmer. Mitglieder des Neuen Forums besetzten am 4. Dezember 1989 die Kreisdienststelle des MfS und verhinderten eine weitere Vernichtung von Akten. Nachdem im Februar 1990 Peter Heiter (SED) als Oberbürgermeister zurückgetreten war, hatte Olaf Dittmann (NDPD) das Amt inne. Am 6. Mai 1990 wurde der Arzt Manfred Schröter (CDU) erster frei gewählter Bürgermeister.

Nordhausen im wiedervereinigten Deutschland

Seit dem 14. Oktober 1990 gehört Nordhausen als Kreisstadt dem Land Thüringen an. Bis Ende Juli 1991 verließen die letzten sowjetischen Soldaten ihre Garnison.  

Am 1. Juli 1994 erhielt Nordhausen im Zuge einiger Eingemeindungen den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt.

1997 wurde die Fachhochschule Nordhausen gegründet, seit 2002 ist Nordhausen an die Bundesautobahn 38 angeschlossen.

Im Rahmen der Landesgartenschau Nordhausen 2004 wurden weite Teile der Innenstadt wie der Petersberg erneuert. Am 1. Dezember 2007 wurden Petersdorf, Rodishain und Stempeda eingemeindet.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. 2012 erfolgte die Aufnahme in den „Städtebund Die Hanse“. Nordhausen war die erste Stadt, die sich per Ratsbeschluss 1524 offiziell der Reformation angeschlossen hatte und ist Mitglied im Bund der Lutherstädte.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Bielen 1. Juli 1994
Herreden 1. Juli 1994
Hesserode 1. Januar 1997
Hochstedt 1. Juli 1950  Eingemeindung nach Herreden
Hörningen 1. Juli 1950
1. Januar 1963
1. Juli 1994
 Eingemeindung nach Herreden,
 Ausgliederung aus Herreden,
 Eingemeindung nach Nordhausen
Krimderode 1. Juli 1950
Leimbach 1. Juli 1994
Petersdorf 1. Dezember 2007
Rodishain 1. Dezember 2007
Rüdigsdorf 23. März 1993
Salza 1. Juli 1950
Steigerthal 1. April 1999
Steinbrücken 1. Juli 1994
Stempeda 1. Dezember 2007
Sundhausen 1. Juli 1994

Geschichte der Branntwein-Herstellung

Die Branntwein-Herstellung hat in Nordhausen eine lange Tradition. 1507 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt, als die Stadt begann, die Branntweinproduktion zu besteuern und somit die erste Branntweinsteuer Deutschlands einführte. 1545 wurde die Kornbrennerei in Nordhausen wegen Fehlernten und drohender Hungersnot verboten; 1570 erlaubte die Stadt das Kornbrennen wieder. Ähnliches geschah in den nächsten Jahrhunderten (unter anderem auch während der Weltkriege) noch einige Male. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erreichte die Schnapsbrennerei überregionale Bedeutung; der so genannte Nordhäuser Korn brachte die Stadt wieder zu Reichtum. 1726 wurden jährlich 1,3 Millionen Liter Branntwein in 69 Brennereien erzeugt. Wenig später, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, erreichte die Zahl der Branntweinbrennereien mit 100 ihr Maximum. 1775 erließ der Rat ein Auswanderungsverbot für Brenner.

1789 wurde ein Reinheitsgebot für die Zutaten des Nordhäuser Korns festgelegt: mindestens zwei Drittel Roggen und maximal ein Drittel Gerstenmalz. 1795 wurde das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Elbe mit Nordhäuser Doppelkorn beliefert. Als jedoch 1819 der preußische Staat die Branntweinherstellung aus Kartoffeln zu fördern begann, mischten viele Nordhäuser Brennereien dem Korn Kartoffelsprit bei.

Im April 1945 wurden bei der Bombardierung der Stadt alle Brennereien zerstört oder beschädigt. Bereits 1948 wurden wieder 200.000 Liter Branntwein produziert. 1949 wurden mit Gründung der DDR landesweit Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VEB) gebildet. Der VEB Nordbrand verdrängte in den folgenden Jahren die verbleibenden Brennereien. Ab 1961 wurde der Nordhäuser Korn auch nach Westdeutschland exportiert.Ende der 1960er Jahre wurden in dem Betrieb über 10 Millionen Liter Spirituosen jährlich hergestellt. Dies entsprach 15 % der DDR-Spirituosenproduktion.1986 erreichte die Kornproduktion in Nordhausen ihren Höhepunkt, als jährlich 60 Millionen Liter Branntwein hergestellt wurden. Nach der politischen Wende 1989/90 halbierte sich die Korn-Produktion. 1991 wurde der Betrieb von der Eckes AG übernommen, woraufhin das Produkt deutschlandweit besser vermarktet werden konnte.Im Februar 1994 wurde begonnen, das ehemalige Museum der Nordhäuser Brennereigeschichte in ein arbeitendes technisches Denkmal mit eigenem Brennrecht von 103.500 Litern reinem Alkohol umzuwandeln. Die dort erzeugten Spirituosen sind so rar, dass sie nicht flächendeckend im Supermarkt verkauft werden können, sondern nur in wenigen Spirituosenläden zu erhalten sind.

Für mehr Informationen siehe Hauptartikel: Nordhäuser Korn.

Bevölkerung

Die Einwohner der Stadt heißen korrekt „Nordhäuser“ (in der Mundart „Nordhisser“).

Per Zensus am 9. Mai 2011 zählte Nordhausen 42.473 Einwohner. Der Anteil der Ausländer wurde mit 2,3 Prozent ermittelt, 970 Personen hatten einen Migrationshintergrund. Die Arbeitslosenquote bezifferte sich am 31. Dezember 2014 auf 11,7 Prozent.

Jahr Einwohner
1360 ≈3.000
1550 ≈6.300
1626 ≈8.000
1750 ≈7.800
1802 8.355
1821 9.900
1824 9.700
1840 12.000
1880 26.198
1890 26.847
Jahr Einwohner
1900 28.497
1905 29.497
1910 32.564
1914 33.159
1918 29.515
1919 34.093
1924 34.759
1925 35.056
1929 36.759
1932 37.772
Jahr Einwohner
1933 37.635
1937 38.500
1939 39.618
1944 41.575
März 1945 42.207
Dezember 1945 31.743
1946 32.848
1950 39.452
1960 39.768
1966 42.279
Jahr Einwohner
1970 42.018
1977 45.400
1980 47.000
1981 47.121
1984 47.176
1985 47.000
1986 47.681
1994 48.028
1995 47.324
1996 46.750
Jahr Einwohner
1997 46.650
1999 46.057
2000 45.633
2001 45.196
2002 44.701
2003 44.311
2004 43.894
2005 43.594
2006 43.344
2007 44.057
Jahr Einwohner
2008 44.189
2009 44.127
2010 44.296
2011 42.191
2012 41.926
2013 41.839
2014 41.800
2015 42.217
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Bevölkerungsstruktur

Die folgende Übersicht zeigt die einzelner Altersgruppen in Nordhausen. Alle Daten stammen vom 31. Dezember eines Jahres (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik).

Jahr Gesamtbevölkerung Alter: unter 6 Alter: 6 bis 15 Alter: 15 bis 65 Alter: ab 65
2012 41.926 1.983 2.726 26.592 10.625
2013 41.839 1.972 2.755 26.514 10.598
2014 41.800 2.031 2.841 26.386 10.542
2016 42.217 2.124 2.914 26.534 10.645

Sprache

In Nordhausen wird die nordthüringische Mundart gesprochen, die zu den thüringisch-obersächsischen Dialekten zählt. Der Name der Stadt Nordhausen in dieser Mundart lautet „Nordhusen“. Bis Anfang des 14. Jahrhunderts herrschte in Nordhausen überwiegend der nordthüringisch-harzer Sprachgebrauch mit starkem niedersächsischen Einschlag.

Politik

Verwaltungsgeschichte

Bis zum Jahr 1220 stand an der Spitze der Stadt der Reichsvogt (Advocatus), der dreimal im Jahr den Vogtthing einberief. Unter ihm gab es den Schultheiß als Verwalter der inneren Angelegenheiten, des Marktgerichtes usw., dem auch sogenannte Marktschöppen zur Seite standen. Aus diesen und den Thingberatern des Vogtes erwuchs die Gemeinschaft der „Consules“.

Nach 1220 war der Consules konstituiert und erlangte gegenüber Vogt und Schultheiß Selbständigkeit (Nennung 1266). Aus ihrer Mitte wählten die Consules zwei „Magistri“ (Nennung 1290). Die Mitglieder des so geschaffenen Rates entstammten den Geschlechtern, es wählte der alte Rat jeweils am 6. Januar einen neuen. Auf diese Weise entstanden ein „sitzender“ Rat und zwei „gemeine“ Räte, die in dreijähriger Folge wechselten. Hinzugezogen wurden seit Anfang des 14. Jahrhunderts vier Vertreter der damaligen Stadtteile und sechs Handwerksmeister, außerdem seit etwa 1320 ein aus 24, dann 42 Männern bestehender Bürgerausschuss.

Nach 1375 wurde die Geschlechterherrschaft durch einen gewaltsamen Sturz beseitigt und die Ratssitze durch die Zünfte besetzt (bis 1802). Die Ratseinteilung blieb im Wesentlichen bestehen (ein „sitzender“ Rat und zwei „gemeine“ Räte). Aus dem sitzenden Rat wurden vier Bürgermeister gewählt und dazu 14 „Viermänner“, die eine Aufsichtsinstanz über den ganzen Rat bildeten. Nach 1626 wurde die Zahl der Ratspersonen eingeschränkt (jährlich nur zwei Bürgermeister, 14 Stadträte und aus denselben drei Vierherren).

Die Rechtsprechung über Leib und Leben lag zunächst in den Händen des Reichsvogtes, der auch später noch als Vorsitzender erscheint. Die Rechtsprechung erfolgte nach den Statuten (ab 1219), ab 1567 nach den Constitutio Criminalis Carolina. Ab 1546 oblag die Rechtsprechung ausschließlich in der Hand des Rates. Die Teilnahme des Vogtes erfolgte nur noch bei der öffentlichen Urteilsverkündung.

Die Bürgerschaft setzte sich zunächst aus zugezogenen Bauern und Handwerkern zusammen. Eine Oberschicht entstand durch zugezogene Ministerialen und reich gewordenen Handelsleuten, die die „Consules“ stellten und ab 1290 in wachsende Unabhängigkeit von Reichsvogt und Schultheiß gelangten. Im beginnenden 14. Jahrhundert versuchten die Kleinbürger und Handwerker, sich in den Ratsregimentern Geltung und Sitze zu verschaffen und erzielten zunächst geringe Erfolge bis zum gewaltsamen Sturz der Geschlechterherrschaft 1375. Seitdem herrschten ausschließlich die Zünfte bis zum Erlöschen der Reichsfreiheit 1802.

Von 1802 bis 1808 stand ein Königlich Preußischer Stadtdirektor an der Spitze, unter ihm ein Bürgermeister und der Magistrat. Unter der französischen Herrschaft des Königreich Westphalen bis 1813 gab es einen Präfekten mit Bürgermeister, Magistrat und Munizipalrat.

Nach 1814 erfolgte dann die endgültige Eingliederung in die preußische Verwaltung mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie mit einer Stadtverordnetenversammlung als gewähltem Gremium. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieses System mit der Deutschen Gemeindeordnung 1935 im Sinne des Führerprinzips aufgelöst. Wichtige Neubauten der Stadtverwaltung waren das Stadthaus (1909) und das Neue Rathaus (1937).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete die sowjetische Besatzungsmacht den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister neu. Der Rat wurde durch eine Einheitsliste der Nationalen Front in unfreien Wahlen bestimmt.

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland 1990 wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Der Oberbürgermeister wird seit 1994 direkt von den Bürgern für sechs Jahre gewählt. Er ist sowohl Vorsitzender des Stadtrats sowie auch oberster Dienstvorgesetzter aller städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter. Die Stadt hat zudem einen hauptamtlichen und zwei ehrenamtliche Beigeordnete, wobei der Erstgenannte gleichzeitig Stellvertreter des Oberbürgermeisters ist.

Kriegswesen

Oberster Kriegsherr der Freien Reichsstadt Nordhausen war ursprünglich der Reichsvogt, später der Rat, der aus seiner Reihe zwei Kriegsherren (sog. Pfeilmeister) ernannte. Das städtische Heer bestand aus der wehrhaften Bürgerschaft (Statuten 1350) und geworbenen Söldnern (Stadteinigung 1308). Einst waren die Pfeilmeister auch Stadthauptleute. Ab 1350 wurden ritterliche Hauptleute in städtischen Dienst genommenen. Die Bürgerschaft wurde in Rotten mit Zugrundelegung der Pfarr- und Kirchspieleinteilung (Pfeilmeisterliste 1443–1545) unterteilt. So gab es 21 Rotten mit unter je zwei Rottenmeistern, die Rottenstärke schwankte dabei (1491−1499) von 17 bis 48 Mann. Im Jahr 1499 wurden 577 waffenfähige Bürger gezählt. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gab es Stadtsoldaten unter einem Hauptmann, die 1794 rund 70 Mann zählten. Die Bürgerwehr setze sich aus zwei Kompanien zusammen. Unter preußischer Herrschaft war Nordhausen kurzzeitig Garnisonsstadt: 1832–1848 IV. Jägerabteilung, 1868–1870 II. Bataillon 67. Infanterie-Regiment.

Städtischer Haushalt

Der Schuldenstand der Stadt ist seit dem Jahr 2012 rückläufig und betrug damals noch 878 Euro pro Kopf. Bis in das Jahr 2015 sank die Verschuldung pro Kopf auf 699 Euro. Durch Schlüsselzuweisungen erhielt die Stadt 2017 einen Betrag in Höhe von 9.701682 Euro. Die Gewerbesteuereinnahmen betrugen 2015 14.631.684 Euro.

Stadtrat

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 gab es in der Stadt Nordhausen 35.682 Wahlberechtigte. Die 36 Mitglieder des Stadtrates verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:

  • CDU: 11 Mitglieder (+2)
  • SPD: 11 Mitglieder (−2)
  • LINKE: 8 Mitglieder
  • Grüne: 3 Mitglieder (+1)
  • FDP: 2 Mitglieder (−1)
  • NPD: 1 Mitglied

Der Oberbürgermeister ist kraft Amtes stimmberechtigtes Mitglied des Stadtrates.

Die Kommunalwahlen von 1994 bis 2014 hatten folgende Ergebnisse:

Parteien und Wählergemeinschaften %
1994
Sitze
1994
%
1999
Sitze
1999
%
2004
Sitze
2004
%
2009
Sitze
2009
%
2014
Sitze
2014
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,7 11 37,2 14 36,0 14 25,9 9 31,5 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,1 14 36,3 14 28,7 11 35,3 13 29,2 11
LINKE Die Linke 19,2 8 21,2 8 25,4 9 22,0 8 23,2 8
FDP Freie Demokratische Partei 3,3 2,2 5,0 2 7,3 3 5,2 2
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 6,8 3 3,1 4,8 6,3 2 6,9 3
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 3,1 1 3,9 1
FORUM Neues Forum 3,9
Neubürger Neubürger 3,0
Gesamt 100 36 100 36 100 36 100 36 100 36
Wahlbeteiligung in % 67,5 49,7 40,8 48,6 42,1

Oberbürgermeister

Der Oberbürgermeister wird seit 1994 direkt für eine regelmäßige Amtszeit von sechs Jahren gewählt.

Seit Oktober 2017 ist der parteilose Kai Buchmann Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen. Er setzte sich bei der Stichwahl am 24. September 2017 mit 66,2 % der abgegebenen gültigen Stimmen gegenüber 33,8 % für Inge Klaan (CDU) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,2 % und war die höchste seit 1994. An dem Tag fand neben der Oberbürgermeisterwahl auch die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag statt. Bei der vorangegangenen Oberbürgermeisterwahl am 10. September 2017 erreichte keiner der fünf Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit: Inge Klaan (CDU, 35 %), Kai Buchmann (parteilos, 29,1 %), Jutta Krauth (SPD, 18,7 %), Michael Mohr (Linke, 11,4 %), Dirk Erfurt (parteilos, 5,7 %). Die Stimmbeteiligung lag bei 44,8 %.

Von Juli 2012 bis Mai 2017 war der langjährige Thüringer Minister Klaus Zeh (CDU) Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen. Er setzte sich bei der Stichwahl am 6. Mai 2012 mit 51,1 Prozent gegen Matthias Jendricke (SPD) durch. Zuvor hatte bei der Wahl am 22. April 2012 keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht: Klaus Zeh (39,35 %), Matthias Jendricke (37,1 %), Hannelore Hasse (Linke, 16,8 %), Christian Darr (Grüne, 4,2 %), Martin Höfer (FDP, 2,6 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 44,1 %.Nachdem Zeh am 18. Mai 2017 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, wurde das Amt bis Oktober 2017 kommissarisch von der Bürgermeisterin Jutta Krauth (SPD) geführt.

Ergebnisse der Wahlen zum Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen
Bezeichnung Partei Stimmen Wahlgang Prozentanteil Wahlgang
Oberbürgermeisterwahl 2017 am 24. September (Stichwahl)
Wahlbeteiligung abgegeben: 21.500 von 35.150 (314 ungültige) 61,2 %
Kai Buchmann parteilos 14.019 66,2 %
Inge Klaan CDU 7.167 33,8 %
Oberbürgermeisterwahl 2012 am 6. Mai (Stichwahl)
Wahlbeteiligung abgegeben: 14.391 von 36.116 (260 ungültig) 39,8 %
Klaus Zeh CDU 7.225 51,1 %
Matthias Jendricke SPD 6.904 48,9 %
Oberbürgermeisterwahl 2006 am 7. Mai
Wahlbeteiligung abgegeben: 14.404 von 35.916 (269 ungültig) 40,1 %
Barbara Rinke SPD 8.761 62,0 %
Norbert Klodt CDU 2.992 21,2 %
Martin Höfer FDP 1.747 12,4 %
Ursula Burkhardt Grüne 635 4,5 %
Oberbürgermeisterwahl 2000 am 28. Mai (Stichwahl)
Wahlbeteiligung abgegeben: 13.048 von 36.759 (73 ungültig) 35,5 %
Barbara Rinke SPD 7.523 58,0 %
Klaus Zeh CDU 5.452 42,0 %
Oberbürgermeisterwahl 1994 am 26. Juni (Stichwahl)
Wahlbeteiligung abgegeben: 16.934 von 37.845 (413 ungültig) 44,7 %
Barbara Rinke SPD 10.057 60,9 %
Manfred Schröter CDU 6.464 39,1 %

Liste

Die Liste umfasst die Bürgermeister der Stadt seit 1899:

Amtsperiode Bürgermeister Partei
1899–1924 Carl Contag
1924–1933 Curt Baller
1933–1935 Heinz Sting NSDAP
1935–1942 Johannes Meister NSDAP
1943–1945 Herbert Meyer NSDAP
1945 Otto Flagmeyer SPD
1945 Richard Senger
1945–1946 Karl Schultes KPD/SED
1946–1952 Hans Himmler SED
1952–1953 Alfred Meyer SED
1953–1957 Heinz Andree SED
1957–1963 Friedrich Giessner SED
1963–1973 Kurt Juch SED
1973–1981 Fritz Lande SED
1981–1985 Herbert Otto SED
1985–1990 Peter Heiter SED
1990 Olaf Dittmann NDPD
1990–1994 Manfred Schröter CDU
1994–2012 Barbara Rinke SPD
2012–2017 Klaus Zeh CDU
seit 2017 Kai Buchmann parteilos

Bundestagwahl

Nordhausen ist seit 1990 Teil des Bundestagswahlkreises 189 und wird seit 1994 durch den Direktabgeordneten Manfred Grund (CDU) vertreten, der zur letzten Bundestagswahl 2017 in der Stadt Nordhausen 30,2 Prozent der Stimmen erhielt. Weitere Bundestagsabgeordnete für Nordhausen sind Jürgen Pohl (AfD) und Kersten Steinke (Die Linke), die über den Listenplatz gewählt wurden.

Landtagswahl

Im 2014 gewählten Thüringer Landtag vertritt die Abgeordnete Katja Mitteldorf (Die Linke) die Stadt Nordhausen (siehe Wahlkreis Nordhausen II).

Wappen, Flagge und Logo

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Banner, Wappen und Hissflagge
  • Blasonierung: Die Stadt Nordhausen besitzt ein Vollwappen, das aus Schild, Helm und Helmzier/Helmdecke besteht.
    Schild: In Gold ein gekrönter, nach rechts blickender, schwarzer Adler mit roter Zunge und roter Bewehrung.
    Oberwappen: Stechhelm mit schwarz-goldenen Helmdecken, darauf zwei goldene, mit je sechs goldenen dreiblättrigen Lindenstängeln besteckte Büffelhörner.
    Fakultativ kann auch nur der Wappenschild mit dem Adler ohne Oberwappen verwendet werden.
  • Beschreibung: Das Wappen von Nordhausen zeigt den Reichsadler und einen schräg stehenden Schild mit reich verziertem Helm. Die Helmzier besteht aus zwei Büffelhörnern, die aus der Krone hervorstreben; beide sind nach außen mit sechs Lindenzweigen besteckt. Die Helmdecken sind schwarz-golden.
    Nach der Sage soll der Helm dem Burgherr der Schnabelsburg am Kohnstein gehört haben. Dieser überfiel nach dem Bau der Burg 1366 immer wieder Reisende, Fuhrleute und Bürger. Der Nordhäuser Rat beschloss daher, ihn in die Stadt zu locken, unter dem Vorwand, man wolle ihm die Schnabelsburg für einen stattlichen Preis abkaufen. Als sich der Ritter in der Stadt einfand, stürmte ein Trupp seine Burg und brannten sie nieder. Wutentbrannt versuchte er aus der Stadt zu gelangen, wurde aber an der Stadtmauer aufgehalten. Mit einem Hieb wurde ihm der Kopf abgeschlagen und sein Helm flog in weitem Bogen an das Tor der Mauer.
  • Seit dem Jahr 2003 führt die Stadt Nordhausen ein Logo, mit dem sie sich öffentlich präsentiert und welches für die städtische Korrespondenz genutzt wird. Dem Logo gehört ein Slogan an: „Die neue Mitte“.

Partnerstädte

Nordhausen unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

, Israel (seit 1992)

, Deutschland (seit 1990)

, Frankreich (seit 1978)

(Ostrowo), Polen (seit 1995)

Seit dem 21. Januar 2004 besteht ein Städtebund mit dem benachbarten Sondershausen (Kyffhäuserkreis) sowie seit dem 11. Dezember 2008 eine Städtekooperation mit dem benachbarten Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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Die Rolandsfigur am Alten Rathaus erinnert an den Sturz des Rates von 1375. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Das Rathaus selbst erhielt sein heutiges Aussehen um 1610. Um den Stadtkern herum finden sich Teile der alten Stadtmauer. Der am Alten Rathaus stehende Roland ist eine Kopie aus Gips, das hölzerne Original ist im Neuen Rathaus, direkt gegenüber, zu sehen.

Stadtbild

Das Gefüge des spätmittelalterlichen Nordhausen zeigte vier Teile, die in einer Durchdringung von allmählichen Wachstum und einiger Anpassung an Terrassen und Hang entstanden. Es waren:

  1. Die Altstadt mit unregelmäßigem Grundriss. Zwei Hauptstraßen nach Geländeabfall in flachem Boden verlaufend (Rautenstraße, Kranich-Barfüßerstraße). Diese Altstadt im engeren Sinne bildet ein Oval von 500x750 Metern, dessen größere Achse nordwärts zieht. Sie enthält Burg (Domstift) und Petersberg, in der Mitte den Markt, das Rathaus und die 1945 zerstörte Hauptkirche St.-Nikolai.
  2. Der Frauenberg auf dem Bergsporn südlich des Petersbergs.
  3. Die Neustadt zwischen Mühlgraben bzw. Zorge und dem Hang der Oberstadt.
  4. Altendorf zwischen Geiersberg und Mühlgraben.Diese vier Elemente wurden 1365 durch eine Stadtbefestigung vereinigt.

Der Charakter der Häuser in Nordhausen war durch überwiegende Fachwerkkonstruktion gegeben. Als Agrarstadt zeigte die Stadt überwiegend mitteldeutsche Formen, nahm jedoch mit zunehmenden Handelsbeziehungen immer mehr niedersächsische Bauweise an, wobei Goslar und Hildesheim als Vorbild dienten (Nordhausen steht dabei im Gegenspiel zum Nachbarort Heiligenstadt, das in seinen Häusern fränkische Formen zeigt). Dieses architektonische Gepräge und die räumliche Gliederung erhielten sich im Gebiet der alten Ober- wie Unterstadt durch die mannigfaltigen Stadtbrände hindurch im Wesentlichen bis zur Zerstörung Nordhausens im April 1945.

Die nachmittelalterlichen Erweiterungen, vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert, haben sich weitläufiger ausgebreitet und folgten dem Muster des Schachbretts. Als Bauformen kamen nicht mehr niedersächsische, sondern zeitgebundene zur Anwendung, wie sie im ganzen Reich zu sehen waren. Diese durchdrangen gleichzeitig die Altstadt im erheblichen Maße, gefördert durch die im ganzen sehr positive wirtschaftliche Entwicklung. Als Beispiel sei hier das 2017 abgerissene „Altendorf 30“ zu nennen, das erste Massivhaus in Nordhausen.

Die 1930er Jahre waren mit der Bebauung der Stadtrandsiedlungen geprägt. So wurde 1932 mit den ersten Eigenheime der Siedlung Niedersalza begonnen und im Nationalsozialismus folgte die Hans-Maikowsi-Siedlung (heute Erich-Weinert-Siedlung) mit NSKK- und Weddigen-Siedlung (heute Blumensiedlung).

Im Jahr 1940 veröffentliche das Reichsheimstättenamt einen Erweiterungsplan, der eine Bebauung für den Geiersberg und seine Hänge vorsah; der Berg sollte locker eingeschossig bebaut werden, die Höhe durch einen zweigeschossigen Kern betonen und eine Sportanlage im Stadtpark anfügen. In einem 1941 für die Stadt aufgestellten Wirtschaftsplan rechnete man für die Jahre 1960–70 mit 70.000 Einwohnern. Dementsprechend wurde mit zusätzlichen 5.100 Wohnungen gerechnet und 220 ha Land ausgewiesen. Vor allem wurde das Projekt Geiersberg von 1940 übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die weitere Entwicklung der Stadt durch die staatlichen Wohnungsbauprogramme in der DDR bestimmt. Die völlig zerstörte Stadtmitte wurde in den 1950er und 1960er Jahren wieder aufgebaut, wobei die historische Siedlungsstruktur keine Beachtung fand; es wurden breite Magistralen wie die Rautenstraße (1958/59) und Töpferstraße angelegt. Besonders prägend für das Stadtbild waren die Bauten des Stadtplaners Friedrich Stabe (1912–2000).1949 wurde der erste Wohnblock am Weinberg errichtet, es folgten 1950 drei Wohnblocks an der Hohekreuzstraße. Von 1950 bis 1954 wurde das Wohnviertel Jüdenstraße-Predigerstraße-Königshof-Lutherpkatz errichtet. 1954–56 wurde die Blödau-, Körner, Lindenstraße und Morgenröte bebaut.

Bis in die 1980er Jahre blieben jedoch weite Flächen des Stadtzentrums unbebaut. Viele Bauten, die die Luftangriffe 1945 überstanden hatten, mussten zu DDR-Zeiten wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.

1966 bis 1968 wurden Wohnscheiben in Großplattenweise in der Töpferstraße errichtet. Später entstanden die beiden Großsiedlungen Nordhausen-Nord (1978 bis 1982) und Nordhausen-Ost (ab 1984) mit Wohnblöcken in Plattenbauweise.

Zu Ortserweiterungen kam es Anfang des 21. Jahrhunderts mit der Bebauung am Rössingsbach in Nordhausen-Ost sowie im Gumpetal im Norden der Stadt.

Theater

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Das Theaterleben blickt in Nordhausen auf eine über 400jährige Tradition zurück.

Im Frühjahr 1913 wurde an der Promenade mit dem Bau des neuen neoklassizistischen Theatergebäudes nach den Plänen des in Nordhausen lebenden Architekten Gustav Riecken und unter der Leitung des Ingenieurs Nerlich an seinem heutigen Standort begonnen. Nördlich vom Bau existierte von 1882 bis 1913 das „Neue Trivolitheater“ an der Stadtmauer der Promenade. Trotz erschwerter Rahmenbedingungen im Zuge des Ersten Weltkrieges konnte mit knapp drei Jahren Verzögerung das neu fertiggestellte Stadttheater am 29. September 1917 eröffnet werden. Der ursprüngliche Plan wurde jedoch nicht vollständig realisiert, ein geplanter nördlicher Anbau, in welchem unter anderem die Werkstätten des Theaters untergebracht werden sollten, wurde nicht gebaut. Das Theater wurde bei den Bombenangriffen im April 1945 zerstört und wieder aufgebaut. Die Fusion im Jahre 1991 mit dem Loh-Orchester Sondershausen zur Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH leitete die Bildung eines Drei-Sparten-Theaters ein (Musiktheater, Schauspiel und Ballett). 2004 musste aus Kostengründen die eigene Schauspielsparte abgewickelt werden. Seitdem tauschen die Theater Nordhausen (Musiktheater, Ballett) und Rudolstadt (Schauspiel) gegenseitig ihre Produktionen aus. 2006 kämpfte das Theater erneut ums Überleben. Orchester, Musiktheater und Ballett blieben trotz notwendiger Personalreduzierungen zunächst bis 2016 weiterhin erhalten.

Kirchen und Klöster

  • Altendorfer Kirche St. Maria im Tale
  • Nordhäuser Dom (Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen, röm.-kath.)
  • Frauenbergkirche St. Maria auf dem Berg – schwere Zerstörung durch Bomben am 4. April 1945. 1953 bis 1955 Enttrümmerung. Nachfolgend Sicherung des noch erhaltenen Mauerwerks, Aufbringen der Dächer und Einziehen der Gewölbe. 1968 mit dem Innenausbau begonnen. Restaurierung und Neugestaltung des Außenbereichs im Vorfeld der Landesgartenschau 2004
  • St. Petri: Die Kirche wurde bei dem Bombenangriff am 3. April 1945 vollständig zerstört. Erhalten blieb der Turm, er erhielt 1954 ein Notdach und wurde als Petri-Turm zur Landesgartenschau 2004 restauriert
  • Pfarrhaus und Kirche St. Blasii
  • St. Jacobi: Nur noch wieder freigelegte Grundmauern vorhanden. Die Kirche wurde am 3. April 1945 durch Bomben zerstört. Die Reste des Kirchenschiffs wurden abgetragen, später die Turmruine beseitigt
  • St Nikolai: Die Kirche wurde ebenfalls am 3. April 1945 zerstört
  • Christuskirche: Kirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten), Grimmelallee 51
  • Kapelle der Adventgemeinde (Siebenten-Tags-Adventisten): Hesseröder Straße 4
  • Neuapostolische Kirche: Riemanstraße 2
  • Barfüßerkloster: Einziger Überrest ist das 1667 erbaute Torhaus des Spendekirchhofes
  • Dominikanerkloster: Predigerstraße am heutigen Humboldt-Gymnasium. Gestiftet wahrscheinlich 1287, Abwanderung der Klosterinsassen 1525. Die Gebäude, fortan zu Schulzwecken bestimmt, hielten sich infolge einiger Ausbesserungen bis zum Abriss im Jahr 1866.
  • Augustinerkloster: Gestiftet um 1300 und einst im Besitz eines reichen Kirchenschatzes, der nach der Reformation an die Stadt fiel, bis alles 1532 zur Türkensteuer verkauft wurde. Die Kirche brannte 1612 durch Blitzschlag nieder.
  • Walkenrieder Hof: Nachweisbar um Mitte des 12. Jahrhunderts. Kapelle ist seit der Reformation allmählich zugrunde gegangen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts diente es als Hauptzollamt, Hauptsteueramt und Stadtarchiv. Heute als Museumsdepot und Sitz von Teilen der Stadtverwaltung Nordhausen genutzt.
  • Hospital und Cyriaci-Kapelle, von der Kreismusikschule genutzt
  • Hospital und Kirche St. Elisabeth: 1828 Abbruch der Kirche
  • Hospital und Kirche St. Martini: 1808 Abriss des Turmes, 1835 Abbruch der Kirche
  • Hospital und Kapelle St. Georg: Im Stadtbrand 1612 zerstört

Museen und Gedenkstätten

  • Flohburg
  • KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
  • Kunsthaus Meyenburg
  • Museum Tabakspeicher
  • Südharzer Fachwerkzentrum Nordhausen e. V. (Sanierungsobjekt Altendorf 48)
  • Traditionsbrennerei
  • Todesmarsch-Stele Stolberger Straße
  • Gedenkstein am ehemaligen Standort der Synagoge am Pferdemarkt
  • Stele vor dem Rathaus zur Erinnerung an die 8.800 Opfer der Luftangriffe auf Nordhausen am 3. und 4. April 1945
  • Mahnstein, seit 1993 im Garten des Meyenburg-Kunsthauses, mit der Inschrift: „Gedenkstein der Nordhäuser und Südharzer, errichtet 1955 in Bad Sachsa als Mahnmal gegen die Teilung Deutschlands 1945–1989. Die Heimat gefunden 1993 in Nordhausen“

Parks und Naherholungsgebiete

Nordhausen besitzt zahlreiche Parkanlagen und Grünflächen (insgesamt 80 Hektar) und ist eine bis ins Zentrum durchgrünte Stadt. Etwa 18.000 Bäume säumen die Straßen im Stadtgebiet.

1874 entstand der Park Hohenrode, eine durch Heinrich Siesmayer und Philipp Siesmayer geplante zehn Hektar große Anlage, die sich der Fabrikant Carl Kneiff als privaten Villenpark errichten ließ. Dieser heute frei zugängliche Park gilt als bedeutendster und dendrologisch wertvollster der Stadt.

Der älteste Naturpark von Nordhausen ist das 18 Hektar große Gehege am Geiersberg. Das Gebiet war ursprünglich kahl und wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts aufgeforstet. Es entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Hochwaldpark mit einem großen Eichen- und Buchenbestand. 1817 legte Carl Friedrich Salomo, Schüler von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, im Gehege einen der ersten Turnplätze Deutschlands an. Ein Gedenkstein am Eingang zum Gehege erinnert an den ersten Turnplatz in Nordhausen. Ab 1830 fanden hier regelmäßig Konzerte statt, es wurden Springbrunnen und Tonhallen errichtet, seit 1861 gab es Gasbeleuchtung. 1892 wurde der Gehegeplatz in seiner jetzigen Form angelegt und rundum entstanden die ersten Lokale. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gehege dann ein „Lustwäldchen“ und bis heute finden hier Veranstaltungen statt.

Nördlich vom Stadttheater befindet sich die Promenade. Das Gelände war ursprünglich ein Wallgraben, der von der inneren und äußeren Stadtmauer eingefasst wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts diente der Graben als Bauschuttdeponie, ab 1835 begann man mit der Einebnung und Bepflanzung des Areals. Im Juni 1900 wurde im nördlichen Bereich das Bismarckdenkmal enthüllt und im Oktober 1901 auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz (heute Theaterplatz) das Kaiser-Friedrich-Denkmal. Ab 1902 erfolgte eine umfassende Umgestaltung des Geländes zu einer Parkanlage, so wurden u. a. mehrere Blutbuchen gepflanzt. 1917 erfolgte die Einweihung des Stadttheaters am Fuße des Parks. 1935 wurde der Neptunbrunnen aufgestellt. Im gleichen Jahr erfolgte eine weitere Umgestaltung.

Der am Rande von Nordhausen gelegene Stadtpark mit der Kastanienallee wurde 1880 errichtet und war ursprünglich ein sumpfiges Überflutungsgebiet der Zorge. Tausende Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, Rundwege und zwei Teiche angelegt, die durch einen künstlich geschaffenen Wasserlauf miteinander verbunden sind. Seit den 1950er Jahren befindet sich im Park auch ein Tiergehege.

1927 wurde der Rosengarten im Norden der Stadt eingeweiht, unweit des heutigen Südharz-Klinikums.

Bibliotheken

Anfang des 16. Jahrhunderts begann der Prior Johannes Pilearius mit dem Aufbau der Klosterbibliothek Himmelgarten, die durch die Wirren des Bauernkrieges 1525 in die St.-Blasii-Kirche gelangt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bibliothek zunächst im Kalischacht Wolkramshausen zwischengelagert und fand anschließend im Pfarrhaus von St. Blasii ihr Domizil. Danach wurde sie nach Naumburg überführt und von dort gelangte sie 1989 in das Evangelische Predigerseminar in der Lutherstadt Wittenberg. 2014 kehrte die Bibliothek nach Nordhausen zurück und ist im Museum Flohburg aufgestellt.

Im 19. Jahrhundert entstanden erste privat betriebene Leihbibliotheken, die fast ausschließlich Trivialliteratur anboten. Unter Mitwirkung des Städtischen Vereins und der 1871 ins Leben gerufenen Gesellschaft zur Förderung der Volksbildung wurde 1877 die Volksbibliothek gegründet, die heutige Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“.

Mit Gründung der Hochschule Nordhausen entstand 1997 die Hochschulbibliothek mit ca. 112.000 Medien (2015).

Archive

Die Anfänge des Stadtarchivs in Nordhausen lassen sich aufgrund fehlender Quellen nicht zweifelsfrei rekonstruieren und liegen vermutlich bis in das 13. Jahrhundert zurück. Wahrscheinlich ging die Archivbücherei aus der einstigen „Ratsbücherei“ (16. Jahrhundert) hervor.Der Gymnasiallehrer und Heimatforscher Ernst Günther Förstemann (1788–1859) betreute nebenamtlich das Archiv sowie die Bibliothek und trug dazu bei, dass der Bestand ab 1834 erstmals systematisch geordnet wurde. Im Jahr der Jahrtausendfeier 1927 zog das Archiv und die Historische Bücherei in das einstige Stadtgefängnis in der Maurerstraße 15. Unter dem Studienrat und Heimatforscher Hans Silberborth wurde die Archivbücherei 1939 neu geordnet und den modernen Grundsätzen angepasst (u. a. Katalogisierung). Die Luftangriffe auf Nordhausen am 3. und 4. April 1945 zerstörten das Archivgebäude und die Bibliothek. Anfang Mai 1945 wurden Akten, Chroniken und andere Handschriften, die in den Kellerräumen der Sparkasse ausgelagert wurden, größtenteils durch ehemalige polnische Zwangsarbeiter geplündert und vernichtet. Bestände der wissenschaftlichen Bibliothek und Zeitungsbände wurden im Waisenhaus ausgelagert und von Nordhäusern vor den Plünderern im Keller der Heinrich-Mittelschule verborgen. Hans Silberborth stellte 1947 den „bescheidenen Rest der einst stattlichen Archivbücherei“ wieder geordnet zur Verfügung. Nahezu alle Urkunden überstanden den Krieg, Verluste waren bei den Akten, sehr große Verluste bei den Amtsbüchern und sonstigen gebundenen Handschriften, Innungsakten und Chroniken zu verzeichnen.Im Februar 1952 zog das Archiv in zunächst drei Zimmer des neu entstandenen Altes Rathaus um, 1975 in das Obergeschoss des Walkenrieder Hofes in der Waisenstraße, im Sommer 1997 dann in das Neue Rathaus. Der Bestand beläuft sich auf ca. 3.000 lfm (2015).

Das Kreisarchiv mit ca. 3.000 lfm (2012) befindet sich in der Grimmelallee 20 beim Historischen Landratsamt.

Treppen

Die zahlreichen Treppen in Nordhausen sind ein charakteristisches Merkmal des Stadtbildes. Die folgende Liste führt bedeutenden Freitreppen auf, die im Stadtgebiet Nordhausens liegen:

Name Geschichte Stufen Koordinaten Straßen
Wassertreppe Wahrscheinlich die älteste Treppe in Nordhausen und existiert wohl bereits seit dem 9. Jahrhundert. Für das 15. Jahrhundert ist sie nachweislich bezeugt. 74 51°3011.4"N

10°4722.8"E

Grimmel/Neuer Weg → Domstraße
Johannistreppe Wurde nach der Trockenlegung des Sumpfgebietes Grimmel angelegt. Die Treppe in ihrer heutigen Form entstand 1872. 85 51°3007.0"N

10°4724.1"E

Unter den Weiden → Neuer Weg
Kutteltreppe Gehört mit der Wassertreppe zu den ältesten Stiegen in Nordhausen. Die Kuttelpforte wurde 1206 sowie 1304 erstmals erwähnt. Sie besitzt als einzige Treppe eine noch erhaltene Maueröffnung der alten Stadtbefestigung. Der Name stammt von den Kutteln (Eingeweiden), welche die Fleischer zum Reinigen zum Mühlgraben schafften. 74 51°3001.1"N

10°4728.9"E

Lohmarkt/Neuer Weg → Predigerstraße
Schlunztreppe Ist seit dem Jahr 1411 nachweisbar. Die Treppe wurde 1899 umgebaut und durch die Luftangriffen auf Nordhausen 1945 schwer beschädigt; 1951 wurde der obere Teil zugeschüttet. 114 (bis 1945), 65 51°2958.1"N

10°4743.4"E

untere Rautenstraße → Petrikirchplatz
Altendorfer Stiege 86 51°3022.9"N

10°4728.1"E

Altendorf/Kreuzen → Wallrothstraße
Bingerhoftreppe Name der Straße und Treppe geht auf Louis Binger zurück. Sie sollte im Zusammenhang mit der „Liebestunneltreppe“ im Gehege gesehen werden. 86 51°3031.5"N

10°4721.6"E

Bingerhof → untere Wallrothstraße
Petersbergtreppe Wurde zur Landesgartenschau 2004 rekonstruiert. 33 (1945) 51°3004.1"N

10°4747.6"E

Weberstraße → Petrikirchplatz
Frauenberger Stiege Bis 1945 war die Stiege eine schmale Straße ähnlichen Verlaufs. Der untere Teil an der Kirche war eine schmale Gasse. 162 51°2949.7"N

10°4748.4"E

Martinstraße → Am Frauenberg
Jacob-Plaut-Treppe Benannt nach Jacob Plaut. 65 51°2947.9"N

10°4822.6"E

Plautstraße → Bergstraße
Liebestunneltreppe Vier Treppenstufen bestehen aus Steinen vom Geiersbergfriedhof. 145 51°3032.5"N

10°4729.0"E

Wallrothstraße → Alexander-Puschkin-Straße
Neue Lesserstiege In unmittelbarer Nähe der Stadtterrasse. 51°2958.1"N

10°4735.7"E

Rautenstraße → Jüdenstraße

Sonstiges

siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Nordhausen
  • Alte Kautabakfabrik
  • Altes Postamt
  • Altes städtisches Wasserwerk
  • Eichamt
  • Harzquerbahnhof
  • Judenturm auf dem Petersberg
  • Lindenhof
  • Der alte Roland von 1717 im Neuen Rathaus
  • Der neue Roland von 1993 (Replik des Rolands von 1717)
  • Der Riese am Lutherplatz (urkundlich erwähnt seit 1375)
  • Altstadt mit Fachwerkbauten
  • Domstraße 12, erbaut 1327 (d) und 1555 (d)
  • Altendorfer Kirchgasse 3, erbaut um 1370.
  • Finkenburg, erbaut um 1444 (d)
  • Altendorf 55, Haus Bochum, erbaut um 1450.
  • Gumpertstraße 1, erbaut ca. 1712 (älter Kernbau von 1643)
  • Torhäuschen, erbaut 1667.
  • Altendorf 48, erbaut 1668 (d) (zwei Bohlenstuben, Bäckereibackofen von 1900 vorhanden, Hausbrunnen im Keller)
  • Altendorf 49, erbaut um 1680.
  • Waisenhaus, erbaut 1715 bis 1717 (u)
  • Pfaffengasse 2, erbaut 1719.
  • Altendorf 50, Rokokofachwerk um 1770.
  • Altendorf 30, erbaut um 1850, spätklassizistischer Putzbau im Palazzo-Stil, 2017 abgerissen
  • Altendorf 24, Brennereigebäude, Historismus, erbaut 1842 (i) und 1849 (u)
  • Altendorf 27, Brennereigebäude, Historismus, erbaut 1873 (u)

Brauchtum

Zum Brauchtum der Stadt Nordhausen entwickelte sich die von Brautpaaren begangene Tradition, am nördlichen Stadtrand Im Gehege – dem Stadtwald von Nordhausen – einen Gedenkbaum zu pflanzen. Der so in den letzten zwei Jahrhunderten entstandene Waldpark bietet besonders im Sommer und Herbst Gelegenheit zu Spaziergängen. An der höchsten Stelle des Geheges befindet sich der Ort der sagenhaften Merwigslinde, der heutige Baum wurde 1972 nachgepflanzt. Die wohl schon in vorreformatorischer Zeit stattliche Merwigslinde wurde von der Nordhäuser Bevölkerung als Hutebaum betrachtet und war der verehrungswürdige Mittelpunkt des oft ausschweifend begangenen Nordhäuser Lindenfestes. Die Merwigslinde erinnert an einen thüringischen Stammesfürsten oder -könig mit Namen Merwig, der sich vor seiner Königswahl auch als kunstfertiger Schuhmacher einen Namen gemacht hatte. Ihm zu Ehren pilgerten die Nordhäuser Schuhmacher alle sieben Jahre zu der Linde, wo einst ein Bote Merwig über das Ergebnis der Königswahl unterrichtet haben soll.

Das dreitägige und jedes Jahr im Juni stattfindende Rolandsfest verfügt über die höchste öffentliche Resonanz. Das seit 1955 bestehende Volksfest zieht etwa 100.000 Besucher an. Die dabei auftretende Rolandgruppe besteht aus vier Figuren: Nordhäuser Roland, Brockenhexe, Professor Zwanziger und dem Alten Ebersberg.

Musik und Nachtleben

Seit 1995 befindet sich die Kreismusikschule Nordhausen in der Cyriaci-Kapelle.

Zwischen 2000 und 2004 fand im Stadtgebiet die Rolandparade, eine Technoparade nach dem Vorbild der Loveparade in Berlin, statt.

Eine klassische Großraumdiskothek ist die 1995 gegründete Alte Weberei im Stadtteil Salza mit Schwerpunkt auf House- und Electro-Musik. Im historischen Gesellschaftshaus Harmonie an der Promenade befindet sich das Jugendclubhaus Nordhausen, das sich an alle Mainstream-Genres und Altersklassen richtet. Auf dem Gelände der Hochschule Nordhausen befindet sich der Studentenclub Karzer.

Nordhausen ist die Heimat verschiedener Sänger und Bands, etwa von der Auld Corn Brigade und Maroon.

Veranstaltungsorte

Veranstaltungsorte für Großveranstaltungen: Wiedigsburghalle am Herder-Gymnasium sowie die Freilichtbühne im Gehege. Für städtische Veranstaltungen wird der Ratssaal im Bürgerhaus genutzt.

Sport

Der erfolgreichste Fußballverein der Stadt ist der FSV Wacker 90 Nordhausen, der seit 2013 in der Fußball-Regionalliga Nordost spielt. Überregional trat der Verein durch mehrere DFB-Pokalteilnahmen in Erscheinung. Seine Heimspiele trägt der Verein im Albert-Kuntz-Sportpark aus, der Platz für 8.000 Zuschauer bietet. Weiterhin gibt es den in der Kreisliga spielenden Fußballverein FSG 99 Salza-Nordhausen. Die Fußballsektion der Betriebssportgemeinschaft BSG Motor Süd Nordhausen spielte in der Fußball-Landesklasse Thüringen 1948–1952.

Im Dezember 2014 wurden die Bundesliga-Boxer des Nordhäuser SV erstmals deutscher Mannschafts-Meister.

In der Volleyball-Thüringenliga ist die Männermannschaft des SVC Nordhausen vertreten.

Seit 1971 findet in und um Nordhausen die Roland-Rallye statt. Sie zählt heute zu den Rallye 200 und ist Bestandteil des Schotter Cup. Ausgetragen wird die Veranstaltung durch den Nordhäuser MSC e. V. im ADAC Hessen-Thüringen.

Nordhausen besitzt eine ebenfalls langjährige Triathlon-Tradition. Seit 2013 wird mit Ziel am Nordhäuser Theater der internationale ICAN Nordhausen Germany ausgetragen. Die vorherigen zehn Jahre sorgte bereits der Scheunenhof-Triathlon für Bekanntheit über die Landesgrenzen hinaus. Organisiert wird das Event durch den Nordhäuser Triathlon-Verein.

Am Südrand Nordhausens befinden sich der Sundhäuser See und weitere Baggerseen, die heute u. a. als Tauchgewässer genutzt werden, erschlossen durch zwei Tauchbasen. So kann von Tauchern neben mehreren Wracks u. a. die Unterwasserstadt Nordhusia mit Deutschlands erster Unterwasserkirche besucht werden.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Stadt hat seit dem Jahr 962 das Marktrecht. Die wirtschaftliche Entwicklung Nordhausens gründete sich zunächst auf Landwirtschaft und auf den Austausch eigener Handwerkserzeugnisse im Marktverkehr mit Umgebung und Hinterland. Erste Keime einer Industrie brachte das Bierbrauereigewerbe, das 1308 geregelt und 1386 privilegiert zum Ausfuhrfaktor wurde. Versuche, den Weinbau heimisch zu machen, scheiterten Anfang des 16. Jahrhunderts, stattdessen erwuchs ab 1507 mit der Branntweinbrennerei (Roggen) ein Wirtschaftszweig höchster Bedeutung. Für mehr Informationen siehe: Geschichte der Branntwein-Herstellung in Nordhausen

Bis zum Dreißigjährigen Krieg blieben die Brennereien und Brauereien Hausindustrien (1612 gab es über 100 Nordhäuser Brauhäuser), danach beherrschte Getreidehandel das städtische Wirtschaftsleben bis Ende des 18. Jahrhunderts. 1750 wurde an Markttagen 400 bis 600 mit Frucht beladene Wagen gezählt, die Verfrachtung allein von Thüringen her betrug jährlich 700.000 Scheffel. Gleichlaufend entwickelte sich die Branntweinbrennerei zur selbstständigen Industrie. Seit 1721 war die Tabakverarbeitung in Nordhausen nachweisbar, insbesondere die Kautabakfabrikation, die nach 1945 einging.

Verkehr

; Schienenverkehr

Am Nordhäuser Bahnhof treffen die Bahnstrecken Halle–Kassel, Northeim–Nordhausen und Nordhausen–Sondershausen–Erfurt aufeinander. Neben mehreren Regionalbahnlinien verkehren außerdem schnelle Regionalexpresszüge nach Halle Hauptbahnhof und Leinefelde im Stundentakt sowie zweistündlich nach Kassel-Wilhelmshöhe. Es fahren keine Fernverkehrszüge durch Nordhausen. In direkter Nachbarschaft befindet sich mit dem Bahnhof Nordhausen Nord seit 1898 zudem der südliche Endpunkt der meterspurigen Harzquerbahn (HSB) von Wernigerode.

Für den ÖPNV in Nordhausen ist die Stadtwerke-Tochter „Verkehrsbetriebe Nordhausen“ verantwortlich. Diese betreibt drei Straßenbahn- und acht Stadtbuslinien. Seit 2004 sind die Gleise von Nordhäuser Straßenbahn und Harzquerbahn am Bahnhof Nordhausen Nord verbunden. Straßenbahnen mit Hybridantrieb verkehren seitdem als Linie 10 durchgehend vom Krankenhaus in der Nordhäuser Innenstadt bis in den Nachbarort Ilfeld.

; Fernstraßen

  • Autobahnen: A 38
  • Bundesstraßen: B 4 (früher noch: B 80, hinabgestuft zur Landesstraße 3080, und B 243, hinabgestuft zur Kreisstraße 28)

; LuftverkehrZwischen Nordhausen und dem Ortsteil Bielen liegt der Flugplatz Nordhausen, der für Segelflugzeuge und kleine Motorflugzeuge mit einem Start- und Landegewicht bis 7,5 t geeignet ist. Die nächsten internationalen Verkehrsflughäfen sind der etwa 60 km entfernte Flughafen Erfurt-Weimar, der 100 km entfernte Flughafen Leipzig/Halle und der 130 km entfernte Flughafen Hannover-Langenhagen.

Ansässige Unternehmen

Wegen seiner Kautabakfabrik G. A. Hanewacker (gegründet 1817) galt Nordhausen als Zentrum der Kautabakproduktion in Deutschland. Die 1849 in Nordhausen gegründete Firma Grimm & Triepel Kruse-Kautabak war bis zu ihrer Auflösung im Dezember 2016 landesweit der letzte Hersteller von Kautabak.

Von der „Montania AG vormals Gerlach & König“ werden seit 1907 Lokomotiven mit Verbrennungsmotor gebaut. Im Jahr 1912 wird die Montania von der Maschinenbau-Firma Orenstein & Koppel übernommen und in „Orenstein & Koppel AG – Nordhausen“ umbenannt. Bis 1935 wurden 5.299 Lokomotiven hergestellt, bis zur letzten Lieferung 1942 insgesamt 9.371 Stück, darunter vermutlich auch die Baureihe 50 der Deutschen Reichsbahn und die Kriegslokomotive BR 52. Im Januar 1942 wird der Lokomotivbau einschließlich 421 bereits begonnener Lokomotiven nach Prag verlagert. Nach Kriegsende wird der Lokomotivbau in Nordhausen nicht wieder aufgenommen.

Von 1925 bis 1935 wurden in der Fahrzeugfabrik Rudolf Weide Kleinwagen gebaut.

Zu Zeiten der DDR wurden im VEB Schwermaschinenbau NOBAS Nordhausen unter anderem Bagger hergestellt. Der Betrieb wurde in den 1990er Jahren von der GP Günter Papenburg AG übernommen und firmiert als deren Betriebsteil GP Papenburg Maschinenbau GmbH (zuvor (1998−2015): HBM-Nobas). Es werden hauptsächlich Motorgrader, Komponenten für Baumaschinen sowie Seilbagger hergestellt. Ebenfalls wurden zu DDR-Zeiten im Motorenwerk Nordhausen Motoren für die LKW W 50 und L 60 gebaut. Nach der Privatisierung konnte sich der Betrieb bis 1996 halten und ist seitdem insolvent. Das Firmengelände wurde durch die LEG-Thüringen saniert und beherbergt heute die Firma BBM Laseranwendungstechnik GmbH. Das seinerzeit größte Bohrunternehmen Deutschlands, die Firma H. Anger’s Söhne, siedelte 1952 nach Hessisch Lichtenau um. Auf dem Betriebsgelände entstand der VEB Hydrogeologie.

International tätig ist die Schachtbau Nordhausen GmbH, in großem Maße im Brückenbau. 1898 als Gebhardt & Koenig gegründet, durchlebte sie etliche Umbenennungen und Umfirmierungen, teilweise auf Grund der historischen Begebenheiten, bis sie 1992 in die Bauer Gruppe eingegliedert wurde.

Bekannt ist die Nordbrand Nordhausen GmbH, die sich aus dem ehemaligen DDR-Betrieb VEB Nordbrand Nordhausen entwickelt hat und seit 2007 zu den Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien gehört.

Die Stadt Nordhausen ist nicht nur ein Zentrum für die Industrie, sondern auch des Einzelhandels, und die vielen kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe spielen in der Stadt eine große Rolle. Seit Februar 2014 verfügt die Stadt über zwei Einkaufszentren, so gibt es neben der Südharzgalerie in der Bahnhofstraße auch in der Oberstadt ein weiteres Einkaufszentrum mit dem Namen Echte Nordhäuser Marktpassage.

Das Spektrum im Einzelhandel reicht von großen Warenhäusern und Discountketten bis zu kleinen Fachhändlern. In Nordhausen ist unter anderem auch der Sitz der Nordthüringer Volksbank eG und der Kreissparkasse Nordhausen. Auch durch die Ansiedlung der Fachhochschule sind in Nordhausen innovative neue Unternehmen entstanden, teilweise als Ausgründungen aus der Hochschule.

Bildung

Die ers‍te schriftliche Erwähnung einer Schule stammt aus dem Jahr 1220. Nordhausen war in den 1880er Jahren neben Halle die einzige Stadt der Provinz Sachsen, die zwei städtische höhere Knabenschulen besaß. Als große kreisangehörige Stadt besitzt Nordhausen eine eigene Schulträgerschaft für die Grund- und Regelschulen. Die in der Stadt gelegenen Gymnasien (Humboldt- und Herdergymnasium sowie das zum berufsbildenden Zentrum gehörende berufliche Gymnasium) befinden sich in der Trägerschaft des Landkreises Nordhausen. 1997 wurde die Fachhochschule Nordhausen gegründet.

Insgesamt gibt es acht Grundschulen, vier Regelschulen, zwei Gymnasien, drei Berufsschulen und zwei Förderschulen. Erweitert wird dieses Bildungsangebot durch die Kreismusikschule, die Kreisvolkshochschule (KVHS), das Kreis- und Stadtarchiv sowie durch die Bibliothek der Hochschule Nordhausen und die Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“.

Öffentliche Einrichtungen

Nordhausen ist Sitz mehrerer öffentlicher Einrichtungen auch überregionaler Bedeutung.

Das Amtsgericht Nordhausen ist als Teil der ordentlichen Gerichtsbarkeit dem Landgericht Mühlhausen untergeordnet. Daneben existieren in Nordhausen ein Arbeitsgericht und ein Sozialgericht.

Die Landespolizeiinspektion Nordhausen ist die nördlichste von insgesamt sieben Landespolizeiinspektionen der Thüringer Polizei. Zum Schutzbereich gehören die Landkreise Nordhausen, Kyffhäuser, Eichsfeld und Unstrut-Hainich (insgesamt ca. 400.000 Einwohner). Auch eine der drei Thüringer Autobahnpolizeistationen (AS) hat ihren Sitz in Nordhausen. Die Landespolizeiinspektion befindet sich in einem ehemaligen Kasernengelände am Darrweg. Die Gebäude der Kaserne wurden Ende der neunziger Jahre durch Neubauten ergänzt.

Gesundheitswesen

Krankenpflegeeinrichtungen in Nordhausen sind seit dem 13. Jahrhundert belegt, so das Sankt Georg-Hospital (1289), das Sankt Martin-Hospital (1389) und das Sankt Elisabeth-Hospital (1436).

Im Mai 1888 wurde das Kreiskrankenhaus Nordhausen am Taschenberg mit 28 Krankenzimmern und 103 Betten eingeweiht; 1913 folgte ein Erweiterungsbau. Das Gebäude wurde bei den Luftangriffen auf Nordhausen am 3./4. April 1945 zerstört.

Das heutige Südharz Klinikum Nordhausen ist mit ca. 1.900 Mitarbeitern das größte Krankenhaus Nordthüringens. Die Grundsteinlegung für den Gebäudekomplex westlich vom „Rosengarten“ im Stadtteil Nordhausen-Nord erfolgte 1976. Pläne für einen großen Krankenhausneubau an dieser Stelle gab es bereits Ende der 1930er Jahre, der Bau wurde jedoch aufgrund des Kriegsausbruchs 1939 verschoben.Mit der Inbetriebnahme 1981/82 standen 850 Betten zur Verfügung. 1982 wurden die Kinderklinik mit 135 Betten und die Poliklinik angegliedert. 1983 erhielt das Krankenhaus den Namen „Maxim Zetkin“, 1991 folgte die Umbenennung in „Südharz-Krankenhaus Nordhausen“. Seit dem 1. Januar 1992 besteht das Krankenhaus als gemeinnützige GmbH mit dem Landkreis und der Stadt Nordhausen als Gesellschafter. Seit Oktober 1992 ist auf dem Gelände ein Rettungshubschrauber stationiert. In den folgenden Jahren wurde das Krankenhaus u. a. um ein Bettenhaus erweitert. 1999 erhielt das Südharz-Krankenhaus den ersten Preis für das umweltfreundlichste Krankenhaus im Bundesvergleich. Das Klinikum dient dem Universitätsklinikum Jena sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Lehrkrankenhaus. Nach eigenen Angaben werden im Jahr mehr als 31.000 Patienten versorgt.

Trinkwasserversorgung

Die Wasserkünste von Nordhausen zählen zu den „Sieben Wundern von Nordhausen“. Bis zum Anfang der 1970er Jahre geschah die Wasserversorgung der Stadt durch neun öffentliche Brunnen und zwei Wasserkünste, die „Oberkunst“ und die „Unterkunst“. Die Oberkunst im Altendorf (heute Altendorfer Kirchgasse 5), die 1546 durch Hans Saxner aus Niedersachswerfen angelegt und von Peter Günther aus Halle 1598 erweitert worden war, hob das Wasser aus dem von der Zorge abgeleiteten Kunstgraben 52 Meter hoch bis in das Reservoir am Geiersberg, das sogenannte „Schöpfmännchen“. Von dort lief das Wasser mit eigenem Gefälle in hölzernen Rohren zu den einzelnen Wasserkünsten und Gossenspülern.Die Unterkunst lag am Fuße der Johannistreppe, war 1598 ebenfalls von Peter Günther angelegt worden und trieb das dem Mühlgraben entnommene Wasser 44 Meter hoch in ein beim Neuen-Weg-Tor angebrachtes Reservoir und wurde im März 1837 beseitigt.

Gegenüber der Gebrauchswasserversorgung geschah die Trinkwasserversorgung der Stadt größtenteils durch natürliche Quellen. Eine solche Quelle befand sich im Rumbach (heute Vor dem Vogel), weiter galt das Wasser des Elisabethbrunnens (Elisabethstraße) als das beste der Stadt. Zudem war das „Tröppelbörnchen“ im Grimmel, unterhalb der Wassertreppe, sehr frequentiert; dieser Brunnen wurde um 1900 beseitigt. Die „Judenbrunnen“ oder „Wolfsbrunnen“ (um 1240 angelegt) in der ehemaligen Jüdenstraße und der „Frankenborn“ in der Barfüßerstraße galten als die ältesten Brunnen von Nordhausen. Ein sehr alter Brunnen scheint auch auf dem Königshof gestanden zu haben; 1434 wird hier die Herstellung eines neuen Brunnens urkundlich erwähnt. Weiterhin gab es noch mindestens sieben öffentliche Brunnen, die seit dem 15./16. Jahrhundert existierten und in den 1890er Jahren beseitigt bzw. zugeschüttet wurden.

1874 erwarb die Stadt noch das von der Gesellschaft „Neptun“ 1873 vollendete Wasserwerk. 1904/1905 wurde die Talsperre Neustadt errichtet.

Gefahrenabwehr

Die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren sorgen für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe in Nordhausen.

Persönlichkeiten

Sonstiges

Münzprägung

Die Nordhäuser Münzgeschichte geht bis ins 12. Jahrhundert zurück; in Nordhausen war nachweislich mindestens seit 1130 eine Münzstätte tätig. Die Münzprägung in Nordhausen endete im Jahr 1685. Zur Jahrtausendfeier im Jahr 1927 genehmigte das Reichsfinanzministerium die Herausgabe einer kursfähigen 3-Mark-Gedenkmünze mit einer Auflage von 100.000 Stück.

Ortsneckname

Wegen seiner jahrhundertealten Tradition der Branntwein-Herstellung trägt Nordhausen auch den Ortsnecknamen Branntwienpisser. Ein weiter Spottname ist Priemköppe wegen der ehemaligen Kautabakproduktion.

Straßen, Personen und Objekte, die nach Nordhausen benannt wurden

  • Nordhausen ist ein Thüringer Adelsgeschlecht
  • die Nordhausen war ein 1976 in Dienst gestelltes Frachtschiff vom Typ ''Mercator''
  • Nordhausen-Hauptprozess war ein Kriegsverbrecherprozess der United States Army im Jahr 1947
  • Schöner aus Nordhausen ist eine 1892 in den Handel gebrachte Apfelsorte aus Nordhausen
  • Sender Nordhausen/Hesseröder Berg ist eine Sendeanlage bei Hesserode
  • Nordhäuser Kreuz ist ein romanisches Prunkkreuz aus Nordhausen
  • Nordhäuser Straße ist eine wichtige Ausfallstraße in Erfurt
  • Nordhäuser Talsperre ist eine Stauanlage bei Neustadt/Harz
  • Nordhäuser Vitriol bzw. Vitriolverfahren ist das älteste Verfahren zur Herstellung von Schwefelsäure
  • Nordhausen ist der Name einer von dem Nordhäuser Max Krause im Jahr 1940 gezüchteten Strauchrose
  • Nordhausen ist der Name eines Albums der Synthie-Pop-Band And One

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Nordhausen

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