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Stadtplan Nauen
Stadt Nauen
Der Bürgermeister
Rathausplatz 1
14641 Nauen

http://www.nauen.de

Nauen

160pxAbb. 1 Wappen von Nauen
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 35 m
PLZ 14641
Vorwahl 03321, 033230 (Börnicke, Tietzow), 033237 (Ribbeck), 033239 (Groß Behnitz, Schwanebeck, Wachow)
Gliederung 14 Ortsteile
Website www.nauen.de
Bürgermeister Manuel Meger (LWN plus Bauern)

Nauen ist eine Stadt im Landkreis Havelland des Landes Brandenburg. Bezogen auf ihre Einwohnerzahl von etwa 18.000 ist Nauen eine Kleinstadt, jedoch mit einer Gesamtfläche von über 268 km² seit dem Jahr 2003 eine der flächengrößten Gemeinden Deutschlands. Infrastrukturell fungiert die Stadt als Mittelzentrum, ist Sitz des Amtsgerichts Nauen, welches Zentrales Vollstreckungsgericht für das Land Brandenburg ist. Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Die im frühen 20. Jahrhundert geleistete Pionierarbeit in der Funktechnik trug ihr den Beinamen „Funkstadt“ ein.

Geografie

Lage

Die Stadt Nauen bildet den westlichen Teil des Osthavellandes im Landkreis Havelland. Die Kernstadt Nauen liegt 27 km nordwestlich der Landeshauptstadt Potsdam und 41 km westnordwestlich des Zentrums der Bundeshauptstadt Berlin; die Entfernung zum Berliner Stadtrand (Bahnhof Albrechtshof) beträgt 18 km. Nauen belegt mit seiner Gesamtfläche Rang 36 unter den flächengrößten Städten und Gemeinden Deutschlands, noch vor dem auf Rang 44 liegenden Frankfurt am Main. Landschaftlich liegt Nauen im Havelländischen Luch zwischen dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Nauen-Brieselang-Krämer und überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen im Süden und Südwesten.

Nachbarstädte und -gemeinden

Übersicht:

Geologie

Die Landschaften Nauens sind eiszeitlichen Ursprungs. In geologischer Hinsicht liegt die Stadt am nördlichen Rand der nach ihr benannten Nauener Platte, einer bis zu 15 Meter dicken und weitgehend geschlossenen Grundmoräne der Saaleeiszeit und der letzten Eiszeit, die zum Teil von flachwelligen Endmoränen überlagert ist. Im Südwesten des Stadtgebietes liegen die in der Beetzseerinne gebildeten Seen Groß Behnitzer See, Klein Behnitzer See und Riewendsee. Diese glaziale Rinne beginnt zwischen den Ortsteilen Ribbeck und Berge und zieht sich in Form mehrerer Seen nach Südosten bis zur Stadt Brandenburg an der Havel.

Umwelt- und Naturschutz

; ProblemeIm West-Süd-Westen der Kernstadt Nauen existieren zwei Seen, welche als Beispiel für einen Schwundprozess durch natürliche und anthropogene Einflüsse dienen können. Längs des Ortsteils Groß Behnitz erstreckt sich der Groß Behnitzer See, am südöstlichen Ortsausgang des Ortsteils Klein Behnitz liegt der Klein Behnitzer See. Noch vor 250 Jahren, im späten 18. Jahrhundert, handelte es sich um ein einzelnes, zusammenhängendes Gewässer. Dieser ehemals langgezogene Behnitzer See zerfiel spätestens im frühen 19. Jahrhundert durch Verlandung als natürlichem Einfluss in zwei Seen, wobei sich eine Verlandungsfläche zwischen den neu entstehenden beiden Teilseen bildete. Ein ehemaliges Fischerhaus, welches einst am Ostufer des Behnitzer Sees lag, steht inzwischen auf der Verlandungsfläche zwischen beiden Teilseen. Noch im Jahr 1880 war der südlicher gelegene Klein Behnitzer See der größere der beiden Seen. Mit der Anlage des Klinkgrabens, eines Abflussgrabens vom Klein Behnitzer See in den Riewendsee, schloss man diesen an die Beetzsee-Riewendsee-Wasserstraße an. Der Klein Behnitzer See verlor mit diesem anthropogenen Eingriff zusehends deutlich an Volumen und Fläche. Im frühen 21. Jahrhundert ist er nunmehr im Vergleich der kleinere der beiden Seen. Die insgesamt verlorenen Wasserflächen werden von moorig-sumpfigen Böden und einem ausgedehnten Schilfgürtel bedeckt.

Stadtgliederung

Die Stadt Nauen besteht aus der Kernstadt Nauen und 14 räumlich außerhalb der Kernstadt liegenden Ortsteilen, von denen zwölf noch zusätzliche Wohnplätze aufweisen. Die zur Stadt Nauen gehörenden Ortsteile samt ihren Wohnplätzen sind in alphabetischer Reihenfolge:

Ortsteile zugehörige Wohnplätze
Berge Siedlung
Bergerdamm Bergerdamm-Hanffabrik, Bergerdamm-Lager, Friesenhof, Hertefeld
Börnicke Ebereschenhof, Nauener Ausbau
Groß Behnitz Fischerhaus, Quermathen, Sandkrug
Kienberg Teufelshof
Klein Behnitz Friedrichshof, Heineberg
Lietzow Utershorst
Markee Markau, Mühlenberg, Neugarten, Neuhof, Röthehof
Neukammer
Ribbeck Marienhof
Schwanebeck
Tietzow Geislershof, Lindenhorst
Wachow Gohlitz, Niebede
Waldsiedlung Stolpshof

Geschichte

Frühgeschichte

Das Gebiet um die heutige Kernstadt Nauen war bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt.

Mittelalter (500–1500)

Eine These hinsichtlich der Namensgebung Nauens besagt, eine Familie aus Nauen am Westharz habe sich hier angesiedelt und ihrer neuen Wohnstatt den Namen ihrer alten Heimat gegeben. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Name von dem slawischen Wort „nowo“ stammt, was „neu“ oder „neuer Ort“ bedeutet. Nauen wurde 1186 erstmals als „Nowen“ in einer Urkunde von Bischof Baldram von Brandenburg erwähnt und nicht, wie in früheren Quellen dargestellt, im Jahre 981. Nauen erhielt 1292 das Stadtrecht, woraufhin die Bürger 1302 das erste Rathaus errichteten. 1317 wurde ihr durch den brandenburgischen Markgrafen Waldemar den Großen das Marktrecht verliehen. Bereits im Mittelalter siedelten Juden in der Stadt. Im Jahre 1414 verursachte ein Rachefeldzug des Raubritters Dietrich von Quitzow einen großen Stadtbrand.

Neuzeit (1500 bis Ende des 18. Jahrhunderts)

Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten im Jahr 1631 die kaiserlichen Truppen Tillys einen Teil der Stadt. Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges fand am 27. Juni 1675 das „Gefecht bei Nauen“ zwischen schwedischen und brandenburgischen Truppen statt. Ab 1716 begann die Einquartierung von Militär. Im Jahre 1732 hielt sich Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II. von Preußen, für drei Monate als Kommandeur eines Bataillons in Nauen auf. Der Bau von zwei Kasernen erfolgte 1767 im Bereich des heutigen Landratsamtes.

19. bis 21. Jahrhundert

Preußen und Deutscher Bund

Im Jahr 1800 weihte die jüdische Gemeinde ihre Synagoge in der Goethestraße 11 ein.

Im Jahre 1816 entstand der Landkreis Osthavelland. Die jüdische Gemeinde konnte 1819 außerhalb der Stadt Am Weinberg einen Friedhof anlegen. Nauen wurde 1826 Kreisstadt und blieb dies über alle folgenden Gesellschaftsformen hinweg bis zur Kreisreform 1993.

Die Stadt erhielt 1846 einen Anschluss an die Berlin-Hamburger Bahn. Zwischen 1865 und 1930 wurden mehrere Großprojekte verwirklicht, darunter 1865 die städtische Gasanstalt.

Norddeutscher Bund (1867–1871) und Deutsches Kaiserreich (1871–1918)

Im Jahr 1869 erfolgte die Einweihung einer höheren Knabenschule.

Im Jahr 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1889 erfolgte der Bau der Zuckerfabrik Nauen. Das neue Rathaus der Stadt im Stil der norddeutschen Backsteingotik wurde zwischen 1888 und 1891 errichtet. Ein Orkan im Februar 1911 brachte dessen Turm zum Einsturz, welcher durch das Dach schlug, woraufhin die Turmspitze mitten in den Sitzungssaal ragte. Mittels der Eisenbahn wurde 1890 der Vorortverkehr nach Berlin eröffnet. Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Nauen Endbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. 1906 entstand die nördlich vor Nauen liegende Funkstelle als Versuchsstation von Telefunken, deren Erweiterung zur Großfunkstelle Nauen im Jahr 1921 erfolgte. Sie ist damit die älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt. Im Jahr 1907 wurde ein Kreiskrankenhaus eröffnet, dessen Entwurf von den Charlottenburger Architekten Mohr & Weidner stammte. Im Jahr 1912 ließ die Stadtverwaltung die Beleuchtung elektrifizieren. Der Bau des Gymnasiums in der Parkstraße erfolgte 1916.

Weimarer Republik (1918–1933)

1923 erfolgte die Eröffnung der städtischen Badeanstalt. 1930 wurde die Vollkanalisation der Innenstadt durchgeführt.

Drittes Reich (1933–1945)

Bereits in den ersten Wochen nach der Machtergreifung der NSDAP kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf Mitglieder der Arbeiterbewegung, im August 1933 etwa wurde der Arbeitersportler Karl Thon von Angehörigen der Nauener SA verschleppt und erschlagen. Zudem richtete die SA-Standarte 224 im Jahre 1933 in einer Zementfabrik im heutigen Ortsteil Börnicke das KZ Börnicke als Teillager des frühen KZ Oranienburg ein. Zwischen 150 und 500 politische Gefangene – überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Landkreis Osthavelland – befanden sich hier in Schutzhaft, wobei mindestens zehn von ihnen ermordet wurden und weitere an den Haftfolgen starben. Nach der Auflösung des KZ Börnicke im Juli 1933 diente die Anlage als KZ-Außenlager des KZ Oranienburg.

Die Nauener Synagoge wurde 1938 während der Novemberpogrome stark beschädigt.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte am 20. April 1945 ein US-amerikanischer Luftangriff am Tage, bei dem 83 Menschen starben. Der Bahnhof und die umliegenden Stadtgebiete erlitten schwere Zerstörungen.

Am 23. April 1945 rückten unter dem Oberbefehl von Marschall Schukow Bodentruppen der 1. Weißrussischen Front der Roten Armee, in deren Reihen auch Truppen der 1. Polnischen Armee kämpften, bei der Umfassung der Reichshauptstadt in Vorbereitung der Schlacht um Berlin gegen Nauen vor. Sie nahmen die Stadt innerhalb von 24 Stunden ein.

Sowjetische Besatzungszone (1945–1949) und Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Nauen zur Sowjetischen Besatzungszone. Die Stadt lag nun im Land Brandenburg. Enteignungen und Bodenreform prägten Nauen und seine umgebenden damals politisch noch selbständigen Gemeinden nachhaltig. Es setzte eine dauerhafte Flurbereinigung ein. Die bestehenden Produktionsbetriebe und Landwirtschaftsgüter vor Ort wurden nach Jahren der Reparationsleistungen in die Sowjetunion kollektiviert und ihre Privatbesitzer entrechtet. Das Vermögen über Gut und Boden wurde nun als Volkseigentum deklariert. Es folgte die Bildung von LPGs und VEGs als auch VEBs auf dem Stadtgebiet. Konsum- und Handelsgenossenschaften wie HO und Konsum ersetzten die Meisten der privaten Einzelhandelsgeschäfte. Im Verlauf der DDR entstanden in der Stadt auch einzelne Spezialgeschäfte wie Delikat. Der private Wirtschaftsbereich bestand als Nische unter staatlicher Duldung fort, ergänzte das zentral geplante Warenangebot und milderte so Versorgungsengpässe.

Im Jahr 1952 erhielt sie den Status einer Kreisstadt im Kreis Nauen, und da mit der Gründung der DDR die früheren Länder abgeschafft worden waren, gehörte sie nun zum Bezirk Potsdam. Die Aufstände von 1953 wirkten sich vornehmlich in der Region um Nauen aber weniger in der Stadt selbst aus. Nach 1953 normalisierten sich die Lebensbedingungen vor Ort weiter, es entstanden eine Anzahl an öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen:

  • 1953: Beginn des Baus der Freilichtbühne (bis 1955)
  • 1955: Bau des „Theaters der Freundschaft“
  • 1959: Fertigstellung des Baus der Molkerei
  • 1967: Entwicklungsbeginn des Industriegebiets Ost
  • 1968: Inbetriebnahme des Stadtbades an der Zuckerfabrik
  • 1974: Einweihung eines neuen Schulkomplexes mit zwei Schulen und mehr als 1000 Schülern an der Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (heute Kreuztaler Str.)

Im späteren Nauener Ortsteil Groß Behnitz befand sich vom 7. Oktober 1969 bis zum 7. Oktober 1986 die NVA-Kaserne der Raketenabteilung 1 (Abkürzung: RA-1). Diese Kaserne trug den Ehrennamen Rudi Arndt und den Tarnnamen Ogarok (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Огарок = „Kerzenstummel“). Die Raketenabteilung 1, welche den Tarnnamen Morena (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Морена = „Moräne“) trug, unterstand der 1. Motorisierten Schützendivision (Abkürzungen: 1. Mot.-Schützendivision beziehungsweise 1. MSD) in Potsdam-Eiche,

Nach 1945 wurde direkt im Zentrum der Ehrenfriedhof für die in und um Nauen gefallenen sowjetischen Soldaten angelegt. Zum Ende der 1980er Jahre wurde er mit Zustimmung der SED-Kreisleitung auf den Städtischen Friedhof verlegt und Anfang der 1990er Jahre schließlich als weithin sichtbare Gedenkstätte mit rotem Stern abgebaut. Die SED-Kreisleitung und die Kreisdienststelle Nauen des MfS bildeten die vor Ort sichtbaren Sicherheitsstrukturen der DDR.

Bis zum Bau der Autobahn und der Ortsumgehung führte der Transitverkehr von Hamburg nach Westberlin durch die Innenstadt Nauens. Die zentrale Hamburger Straße und Berliner Straße als Teilstrecke der alten F5 waren daher häufig mit Verkehr verstopft. Das hatte zur Folge, dass während der DDR-Zeit der Hamburger Teil unter ständiger Kontrolle der Sicherheitsorgane stand.

Noch vor der Maueröffnung wurde am 22. September 1988 eine Städtepartnerschaft mit dem West-Berliner Bezirk Spandau vereinbart. Jährlich waren jeweils vier Treffen mit Vertretern beider Kommunen vorgesehen. 1989 fanden zwei Fußballfreundschaftsspiele zwischen der BSG Einheit Nauen und einer Spandauer Bezirksauswahl statt. Beim Hinspiel blieben zwei Nauener Spieler in Spandau und kehrten nicht mehr nach Nauen zurück. Die Idee zum Aufbau einer Städtepartnerschaft inmitten des Kalten Kriegs entstand 1987, als Werner Salomon auf der Rückreise von einem Treffen des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds in Potsdam, ohne Erlaubnis mit einigen Kollegen nach Nauen fuhr und sich dort mit Alfred Kuhn, den Nauener Bürgermeister traf. Für das Treffen wurde Kuhn von der DDR-Regierung gerügt. Trotzdem beschlossen Honecker und Diepgen bei einer Unterredung den Aufbau von gemeinsamen Städtepartnerschaften im Februar 1988.

Die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft Nauen, einer der größten Betriebe in Nauen, errichtete umfangreiche Gewächshausanlagen am damaligen Ortseingang. Die Genossenschaft produzierte große Mengen an Gartenbauprodukten, die allerdings für den Westberliner Markt bestimmt war. Von der örtlichen Produktion hatten die Nauener nichts. Dies verstärkte die vielfach geäußerte chronische Mangelversorgung mit Konsumgütern in der Wahrnehmung der damaligen Stadtbevölkerung.

Die Häuser der Nauener Altstadt wurden im Laufe der Jahrhunderte immer baufälliger. Aufgrund der nicht genügend vorhandenen Baumaterialien und auch der niedrigen Arbeitsproduktivität in den Baubetrieben, wurden sie zu Ruinen, in denen unter schlechten hygienischen Verhältnissen Menschen lebten. 1987/88 begannen erste Abrissarbeiten in der historischen Altstadt. Da 68 baufällige Häuser in der Altstadt fotografisch dokumentiert wurden, wäre der Kern der Stadt verschwunden und Nauen hätte sein historisches Aussehen verloren. Die sich abzeichnende Wende verhinderte den Vollzug der Abrissplanungen.

Vor Ort wurde wie anderswo in der DDR, ab den fortgeschrittenen 80ern eine allgemeine nachlassende Dynamik in Gesellschaft und Wirtschaft in der Bevölkerung bemerkt. Auf die Diskrepanzen zwischen Wahrnehmung und Propagiertem reagierte der örtliche Karnevalsverein „NKC“, der eine bedeutende Mitgliederbasis und Stellung besaß, mit traditionellen Spott in den Büttenreden, die trotz üblicher Zensurbestimmungen Kundgabe fanden. Kritisiert wurden die allgemeinen städtischen Defizite, die häufig Versorgungsengpässe aber auch die Angewohnheit des Hamstern über den Eigenbedarf hinaus thematisierten.

Am 7. Mai 1989 fanden in der DDR Kommunalwahlen statt. Erstmals überwachten unabhängige Bürger die Stimmenauszählung und konnten nachweisen, dass Wahlergebnisse manipuliert wurden. Dies wirkte als ein Aufbruchsignal für die Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Entsprechende Wahlfälschungen wurden auch in Nauen berichtet.

Das Konzert der westdeutschen Rockband „The Lords“, auf ihrer auf ihrer Good-Bye-Tour in der DDR, zusammen mit den Puhdys und Turbo am 7. August 1989 in der ausverkauften Freilichtbühne in Nauen verstärkten die Destabilisierungen der Strukturen vor Ort.

1989 entstand auch in Nauen eine Oppositionsbewegung um das Neue Forum. Die Gründung des Kreisverbands der Freidenker im Oktober 1989 und die öffentlich zur Diskussion gestellte neue Nauener Stadtordnung bildeten den Wendeauftakt in Nauen. Frühes Protestzentrum war die St. Jacobikirche und das Kino ab Ende Oktober und November 1989. Auf dem heutigen Rathausplatz wurden nach Aufrufen der evangelischen Kirche Kundgebungen organisiert, die bis zu 4000 Personen anzogen. Die Oppositionsbewegung lässt sich bis auf Reinhard Steinlein zurückverfolgen, der von 1970 bis 1984 Superintendent in Nauen war. Steinlein ging zu den Annäherungsversuchen des Staats zunehmend auf Distanz. Seine Kritik richtete sich gegen den Absolutheitsanspruch des DDR-Systems. Er bezog in seinen kritischen Äußerungen gegenüber Kirche und Staat einen dezidiert lutherischen Standpunkt, der eine Minderheitenposition darstellte.

Die Stadt erhielt seit Monaten keine Gelder mehr von den übergeordneten Institutionen, eine echte kommunale Selbstverwaltung, die auch eigene Finanzmittel enthalten hätte, hatte es nicht gegeben. Versuche der Stadt, durch öffentliche Aussprachen die Kontrolle über die ihr entgleitenden Geschehnisse zu behalten, endeten in wüsten und emotionalen Vorwürfen, die die aufgebrachte Nauener Bevölkerung gegenüber den Stadtverantwortlichen bei öffentlichen Sitzungen entgegenbrachte. Zu heftigen Disputen führten konkrete Nachfragen bezüglich der Mülldeponien Vorketzin, Röthehof und in Schwanebeck. Auch Missstände in den Bereichen Wohnungsverwaltung, Wohnraumerhaltung, Straßenbau, Gesundheitswesen, Handel und Versorgung und Verwaltungsantragsbearbeitung aber auch unverhältnismäßige Korruptionsvorwürfe wurden häufig aufgegriffen. Der Pfarrer aus Berge, Harald Gräber führte die Diskussionen an. Am 9. November fand während des „zweiten Rathausgesprächs“ im Kino die Nachricht Umlauf, das eben die Mauer geöffnet wurde, was anhaltenden Jubel unter den Teilnehmern hervorrief. Eine längere inhaltlich arbeitende Reformgruppe vor Ort etablierte sich aber nicht. Das Interesse an der Erarbeitung von Reformthemen erlosch binnen kurzer Zeit nach Einräumung der Möglichkeit der Einreise in das „kapitalistische Ausland“.

Nach der Maueröffnung zerfielen die Strukturen vor Ort in raschem Tempo. Die bei den letzten (unfreien) Kommunalwahlen gewählten Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung blieben den Sitzungen fern.

Bundesrepublik Deutschland (seit 1990)

Die völlig veränderten Staatsstrukturen führten zu einem fundamentalen Wandel der städtischen Strukturen, Personalzusammensetzung und städtischen Einrichtungen. Kitas und Schulen wurden komplett neu ausgerichtet. Auch die städtische Verwaltung durchlief Transformationsprozesse. Der Anteil an Büroarbeitsplätzen stieg an, bei gleichzeitigem Abbau an Arbeitsplätzen im handwerklichen und produktiven Bereich. Städtische Kantinen und Küchen wurden abgebaut, die Büros mit Personalcomputern und Rechennetzen ausgestattet. Es setzten in den 1990er Jahren in der Stadtverwaltung anhaltende Personalabbauprozesse ein, da eine Überausstattung an Personalkräften vorhanden war, die den plötzlich gewandelten Qualifikations- und Aufgabenanforderungen der neuen Zeit nicht mehr entsprachen.

Nach den ersten Kommunalwahlen nach der Grenzöffnung am 6. Mai 1990 stellten vier Parteien die Stadtverordnetenversammlung. Die noch geltende Kommunalverfassung der DDR schrieb ein 40-köpfiges Gremium vor. Die Kommunalwahlen 1993 reduzierten die Anzahl der Stadtverordneten auf 22 Mitglieder. Das Wahlergebnis brachte der SPD die absolute Mehrheit mit 22 Mandaten. Verbunden mit der Kommunalwahl 1993 war dies die erste Urwahl des Bürgermeisters. Aus dem Kreis der drei Kandidaten Werner Appel (SPD), Dirk Bütow (CDU) und Robert Heller (BüBü) ging Werner Appel als Wahlsieger hervor. Mit 74 % der abgegebenen Stimmen führte Werner Appel die bereits 1991 begonnene Amt weiter. Die Bürgerinitiative für gerechte Gebühren initiierte mit einer Unterschriftensammlung das in der Gemeindeordnung verankerte Recht des Abwahlverfahrens des Bürgermeisters. Am 16. Juni 1996 scheiterte das Abwahlbegehren an dem vorgegebenem Quorum von 25 % der Wahlberechtigten.

Mit Verabschiedung des „Gewerbegesetzes der DDR vom 6. März 1990“ wurde erstmalig nach der Ära der sozialistischen Planwirtschaft die Gewerbefreiheit erklärt. Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 galt dann automatisch die Gewerbeordnung der Bundesrepublik Deutschland auch für das Territorium der neuen Bundesländer. Waren in der Vorwendezeit jährlich lediglich ein bis sieben Gewerbeanmeldungen in einem Jahr zu verzeichnen, begann mit der Einführung der Gewerbefreiheit eine regelrechte Gründerzeit. 1990 schnellten die Gewerbeanmeldungen auf über 250 jährlich hoch. Ab 1993 pegelte sich die Anzahl auf einen etwa gleichbleibenden Stand von etwa 150 Gewerbeanmeldungen pro Jahr ein.

1990 fragte die Stadt Kreuztal in Nauen an, ob eine Kontaktaufnahme gewünscht sei. Diese Frage wurde von dem damaligen Nauener Bürgermeister Wolfgang Seeger positiv beschieden und zugleich mit einer Einladung nach dort verbunden. Im November 1990 trafen Stadtdirektor Erdmann, Stadtbaurat Koch und Dezernent Siebel aus Kreuztal in Nauen ein, um festzustellen, ob und in welcher Weise eine Unterstützung möglich sei. Der Einblick in die Ausstattungssituation der Freiwilligen Feuerwehr Nauens führte spontan dazu, dass ein in Kreuztal überzähliger Rüstwagen angeboten wurde. Auf die Kreuztaler Gegeneinladung fuhr dann Ende Januar 1991 eine Delegation aus Nauen nach Kreuztal mit dem Auftrag der Stadtverordnetenversammlung Nauen, eine Städtepartnerschaft mit einer Kommune aus Westdeutschland herzustellen. Schnell wurden die Absichten der Partnerschaftserklärungen in die Tat umgesetzt. Am 23. Februar 1991 erfolgte der Abschluss des Partnerschaftsvertrages mit Kreuztal.

1992 wurde das 700 jährige Stadtjubiläum über das gesamte Jahr hinweg mit vielen Jahresprogrammpunkten begangen. Neben einem großen historisierenden Umzug gab es eine vermehrte publizistische Tätigkeit rund um die Jubiläumsfeierlichkeiten im regionalen Bereich. Bekannte Landespolitiker besuchten öffentlichkeitswirksam die Stadt. Auch die neue Stadtpartnerschaft mit Kreuztal wurde im Rahmen der Feierlichkeiten vertieft und ausgebaut.

Die Zuckerfabrik Nauen wurde 1993 aufgelöst. Viele weitere ehemalige DDR-Betriebe wurden ebenfalls abgewickelt, die Anzahl der Arbeitslosen stieg rasch. Dem wirtschaftlichen Strukturwandel wurde mit der Entwicklung von neuen Gewerbegebieten begegnet. In den neu entstandenen Arealen siedelten sich teils namhafte Unternehmen an. So produziert Wirthwein in seiner Niederlassung Nauen seit Mitte der 1990er Jahre jährlich um die 500.000 Waschmaschinen. Um die Wohnungsnot in der Kernstadt zu lindern, entstand ab 1994 ein großer neuer Wohnpark in der Hamburger Straße, das erste größere Neuinvestitionsprojekt in Nauen nach der Wende.

Bauliche Investitionen wurden ab 1993 vermehrt umgesetzt, der bauliche Sanierungsstau in der Kernstadt wurde so bis etwa 2005 kontinuierlich abgetragen:

  • 21.04.1993 Grundsteinlegung des Hausgerätewerkes Nauen
  • 14.06.1993 Grundsteinlegung für die Rekonstruktion des Nauener Stadtbades
  • 27.08.1993 Baubeginn des Gewerbegebietes „Nauen-Ost“
  • 01.10.1993 Richtfest des Turmes der St. Jacobi-Kirche (Sanierung)
  • 29.10.1993 Richtfest Einkaufszentrum Dammstraße
  • 15.11.1993 Grundsteinlegung „Wohnpark Hamburger Straße“

Durch die Zusammenlegung des Landkreises Nauen mit dem Landkreis Rathenow zum Landkreis Havelland im Dezember 1993 verlor Nauen seinen Status als Kreisstadt an Rathenow, behielt aber Teile der Landkreisverwaltung. Über ein Landesgesetz erhielt die Stadt für die Dauer von vier Jahren finanzielle Kompensation in Form einer Investitionspauschale.

Nauen wurde am 18. Oktober 2001 Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg“. Dadurch rückte die Altstadtsanierung in den Mittelpunkt der Stadtpolitik.

Die angeordnete Stasiaufarbeitung bei Nauenern Mandatsträgern und leitenden Angestellten in Nauen endete nach 2012.

Durch die Inkorporation von 13 Gemeinden des vormaligen Amt Nauener Land veränderte sich der städtische Charakter grundlegend. Die so sprunghaft gewachsene Flächengemeinde erfuhr durch die Fusionierung zweier kommunaler Verwaltungen in den Folgejahren eine quantitative und qualitative Ausweitung ihrer Aufgaben. Infrastrukturaufwendungen, Erneuerungsmaßnahmen und gewachsene Bedarfe an öffentlichen Gütern wie zum Beispiel Schulplätze und Kitaplätze führten seit 2010 zu gestiegenen Investitionen in den Ausbau der Schul- und Kitainfrastruktur auf dem Gemeindegebiet.

Als 2015 zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sollte in Nauen eine Flüchtlingsunterkunft für ca. 100 Menschen eingerichtet werden. In der Nacht vom 24. auf den 25. August 2015 wurde ein Brandanschlag auf den Gebäudekomplex verübt,, sodass Nauen in der Folge in den Medien häufig als „Zentrum der rechtsextremen Szene in Brandenburg“ bezeichnet wurde. Mit dem Toleranzfest Nauen stellen sich seitdem mehr als 30 Organisationen und die Stadtverwaltung dieser Entwicklung entgegen. Sie wollen auf friedliche Weise signalisieren, dass sich die Mehrheit der Einwohner der Stadt für ein tolerantes, demokratisches und solidarisches Miteinander der Menschen einsetzt.

Eingemeindungen

Zur Stadt Nauen gehörten vor dem Jahr 2003 die drei Ortsteile Neukammer, Schwanebeck sowie die Waldsiedlung (Am Weinberg). Im Jahr 2003 beschloss der Brandenburgische Landtag am 24. März eine Gemeindegebietsreform. Diese Reform betraf im Landkreis Havelland auch das Amt Nauen-Land, welches sich bis dahin aus 14 Gemeinden zusammengesetzt hatte. Von diesen 14 Gemeinden wurden mit Wirkung zum 26. Oktober 2003 insgesamt 11 Gemeinden Ortsteile der Stadt Nauen. Dies sind die neuen Ortsteile Berge, Bergerdamm, Börnicke, Groß Behnitz, Kienberg, Klein Behnitz, Lietzow, Markee, Ribbeck, Tietzow und Wachow.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 6.929
1890 8.120
1910 9.176
1925 9.625
1933 10.659
1939 11.907
1946 13.106
1950 13.521
1964 12.090
1971 11.828
1981 11.787
Jahr Einwohner
1985 11.543
1989 11.215
1990 10.965
1991 10.769
1992 10.680
1993 10.594
1994 10.445
1995 10.355
1996 10.951
1997 10.918
1998 10.858
Jahr Einwohner
1999 10.736
2000 10.807
2001 10.987
2002 11.024
2003 16.774
2004 16.555
2005 16.649
2006 16.674
2007 16.675
2008 16.626
2009 16.523
Jahr Einwohner
2010 16.684
2011 16.475
2012 16.491
2013 16.616
2014 16.761
2015 16.943
2016 17.436
2017 17.686
2018 17.967
2019 18.182

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nauen besteht aus 28 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister bei folgender Sitzverteilung:

Partei / Wählergruppe Sitze
Ländliche Wählergemeinschaft Nauen (LWN) 7
SPD 6
CDU 4
AfD 4
Die Linke 2
Bündnis 90/Die Grünen 2
Frischer Wind für Nauen und Ortsteile / Piratenpartei 1
Wählergruppe Bauern 1
FDP 1

(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2019)

Bürgermeister

  • 2001–2017: Detlef Fleischmann (SPD)
  • seit 2017: Manuel Meger (Ländliche Wählergemeinschaft Nauen)

Manuel Meger wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 mit 50,6 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.

Wappen und Flagge

Das Stadtwappen wurde am 7. Januar 1994 genehmigt. Blasonierung: „In Silber ein schrägrechtsgestellter blauer Karpfen.“

Die Farben der Flagge sind Blau – Silber (Weiß). Der Tuchuntergrund wird im Verhältnis 1:1 längs geteilt. Das amtliche Wappen kann in der oberen Hälfte der Flagge eingebracht werden.

Städtepartnerschaften

  • Berlin-Spandau, Deutschland, seit 1988, Spandau liegt 24 km entfernt
  • Kreuztal, Deutschland, seit 1991. Kreuztal liegt in Nordrhein-Westfalen und ist 388 km entfernt.

Bauwerke und Kultur

Sehenswürdigkeiten

Theater der Freundschaft und Museum

Das Theater der Freundschaft ist ein bedeutendes Bauwerk des sozialistischen Klassizismus der DDR der 1950er Jahre. Es befindet sich am Rand der Altstadt in der Stadtmitte.

Die Reste des vormaligen Museums der Stadt Nauen können nach Voranmeldung weiter als Dauerausstellung besichtigt werden.

St. Jacobi

Die Kirche St. Jacobi geht auf das Spätmittelalter zurück. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts, genauer um 1400, ließen die Nauener die Kirche erbauen, die architektonisch der Backsteingotik zuzurechnen ist. Erst ein halbes Jahrhundert später, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, war der Chor mit dem Altar fertiggestellt. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche im 16. Jahrhundert evangelisch. Ende des 17. Jahrhunderts zerstörte ein Brand das Gebäude, woraufhin die Gemeinde das Gotteshaus im Jahr 1695 wieder errichten ließ. Zwölf Jahre später, im Jahr 1707, wurde der 55 m hohe Turm mit seiner barocken Haube auf den ursprünglichen Unterbau aufgesetzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine 1874 gebaute Orgel aus der Werkstatt Heerwagen.

Weitere Kirchen

  • Die Fachwerkkirche in Markee entstand 1697 als Ersatz für den hinfälligen Vorgängerbau. Sie enthält vorreformatorische Apostelfiguren, ein Bild aus der Cranach-Schule, eine Altarkanzel und eine Empore aus der Zeit um 1700 sowie Art déco-Ausmalungen aus den 1930er-Jahren.
  • Die Dorfkirche Markau hat nach dem Dehio-Handbuch eine „ungewöhnlich aufwändige und qualitätvolle“ barocke Ausstattung.
  • Die Dorfkirche Markee der Stadt Nauen ist eine Fachwerkkirche aus dem Jahr 1697. Im Innern steht unter anderem ein Kanzelaltar aus der Zeit um 1700.
  • Von 1905 bis 1906 wurde die Katholische Kirche St. Peter und Paul im Stil einer neuromanischen Backsteinbasilika erbaut.

Historische Altstadt

In der historischen Altstadt befinden sich einige Gebäude, die im Zeitraum zwischen dem 17. Jahrhundert und dem 20. Jahrhundert entstanden. Dazu gehören der zwischen 1888 und 1891 fertiggestellte Rathausplatz mit dem Rathaus als neugotischem Backsteinbau sowie das Sittelsche Haus. Der Wasserturm an der Ecke Mauerstraße/Goethestraße wurde 1898 erbaut und 2006 renoviert; er beinhaltet jetzt Nauens höchste Wohnung. Zwischen 1999 und 2002 sanierte man in der Innenstadt das im Jugendstil errichtete „Voßsche Haus“ (Mittelstraße 33) sowie das Barzsche Haus (Mittelstraße 12–16) und schließlich das Rumpffsche Haus.

Gedenkstätten

  • Gedenkstein für die KZ-Opfer von Börnicke auf dem Gelände der einstigen Fabrik aus dem Jahr 1975
  • Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge in der Goethestraße Nr. 11 aus dem Jahr 1988. Im gleichen Jahr stellte man auf dem jüdischen Friedhof Am Weinberg eine Skulptur des Künstlers Ingo Wellmann zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger auf.
  • Sowjetischer Ehrenfriedhof: Er erinnert an die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges getöteten sowjetischen Soldaten der Roten Armee sowie zusätzlich an die während des Zweiten Weltkrieges in Nauen umgekommenen Zwangsarbeiter anderer Nationen. Der Friedhof befand sich ehemals an der Berliner Straße, wurde aber nach der Wiedervereinigung auf den Städtischen Friedhof verlegt.
  • In der Stadt sind mehrere Stolpersteine zur Erinnerung an vormals ansässige Opfer des Nationalsozialismus verlegt. → Hauptartikel: Liste der Stolpersteine in Nauen

In den Medien

Nauen diente als Kulisse für die Produktion von 16 Filmen. So wurden Teile des DEFA-Spielfilms „Solo Sunny“, der im Jahr 1980 erschien, in der Marktstraße in Nauen gedreht.

Wirtschaft und Infrastruktur

Überblick

Bezüglich seiner infrastrukturellen und wirtschaftsgeografischen Bedeutung bildet Nauen neben Falkensee und Rathenow eines von drei Mittelzentren im Landkreis Havelland.

Funksende- und Windkraftanlagen

Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde in der Großfunkstelle Nauen bedeutende Pionierarbeit in der Funktechnik geleistet. Diese Leistungen trugen der Stadt den Beinamen „Funkstadt“ ein.

Nauen ist seit dem 19. August 1906, als die Großfunkstelle für drahtlose Telegraphie in Betrieb genommen wurde, Standort bedeutender Sendeanlagen (). Anfangs diente die Anlage dazu, Telegramme über weite Strecken auch ohne Kabel zu übertragen mit dem Fernziel Funkkontakt zu den deutschen Kolonien in Afrika und Asien. Bis 1945 befand sich in Nauen ein großes Sendezentrum für Lang- und Kurzwelle, dessen Drahtantenne eine Fläche überspannte, die größer als das Fürstentum Monaco war. Die Tragmasten, die bis zu 260 Meter hoch waren, gehörten zu den höchsten Bauwerken Europas. 1913 wurden bereits Reichweiten bis 6.400 Kilometer erreicht. Klar verständlich telefonierte man von hier nach Wien. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs kam der Funkstelle auch militärische Bedeutung zu. Weil die Entente das Deutsche Überseekabel gekappt hatte, wurde die Anlage nun das Tor zur Welt. Von hier aus lenkte das Reich seine U-Boot-Flotte, hier hielt es den Kontakt in die Kolonien. 1918 übernahm die von Telefunken betriebene Gesellschaft Transradio die Funkstation. Die Technik wurde schrittweise weiterentwickelt und ermöglichte bald Reichweiten bis zu 20.000 Kilometer. Nauen wurde durch diese Anlagen weltbekannt („Nauen kennt die Welt und die Welt kennt Nauen“).

Bis 1925 lag der Muthesiusbau, das Sendergebäude des Senders Nauen, fast direkt an der damaligen Fernverkehrsstraße 273. Infolge einer späteren Geländeerweiterung der Sendeanlagen umgeht die Straße seither das weiträumige Areal der Sendeanlage in großem Bogen ostwärts. 1945 wurden die Anlagen demontiert und der Muthesiusbau zeitweise als Kartoffellager genutzt.

Ab 1954, in der DDR-Zeit wurden neue Sendeanlagen aufgebaut, insbesondere für Rundfunk und andere Funkdienste im Kurzwellenbereich. Beim Ausbau des Kurzwellenzentrums Nauen entstand 1976 eine 70 Meter hohe Drehstandantenne, die im 21. Jahrhundert unter Denkmalschutz steht. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden einige Teile der Sendeeinrichtungen aus der DDR-Zeit demontiert. Allerdings wurden zwischen 1995 und 1997 in Nauen auch vier neue drehbare Antennen, die ALISS-Antennen, errichtet. Sie sind 80,5 Meter hoch, wiegen 280 Tonnen und haben eine Spannweite von 87 Metern. Hauptsächlich werden Programme der Deutschen Welle auf Kurzwelle ausgestrahlt (Stand im Jahr 2015).

Die Nauener Platte ist im 21. Jahrhundert ein ausgewiesenes Windnutzungsgebiet, welches durch eine hohe Anzahl und Dichte von Windkraftanlagen charakterisiert wird.

Verkehr

Individualverkehr

Nauen liegt an der Bundesstraße B 5, die Hamburg mit Berlin verbindet. Die Entfernung nach Hamburg beträgt 247 km, bis zum Berliner Bezirk Spandau beträgt sie 24 km. Auf dem Weg in die Bundeshauptstadt ist Nauen über die B 5 an den westlichen Berliner Ring (A 10) angeschlossen (Anschlussstelle Berlin-Spandau). Von Nauen führt die Bundesstraße B 273 über die Anschlussstelle Kremmen der A 24 nach Kremmen.

Nauen liegt am Havelland-Radweg, der von Berlin in den Naturpark Westhavelland führt.

Öffentlicher Personennah- und Fernverkehr

Der Bahnhof Nauen ist Endhaltepunkt der Regionalbahnlinien RB 10 (Nauen–Berlin Südkreuz) und RB 14 (Nauen–Berlin–Flughafen BER – Terminal 1-2) des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), betrieben von der Deutschen Bahn AG (DB AG). Für die Züge der VBB-Regionalexpress-Linie RE 2 (Wismar–Berlin–Cottbus), welche hier auf der Bahnstrecke Berlin–Hamburg verkehren und von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) gefahren werden, dient er als Durchgangsbahnhof.

Die Gleise 1 und 4 sind reine Durchfahrtgleise mit Linienzugbeeinflussung (LZB) für den schnellen Personenverkehr. Gleise 2 und 5 sind ebenfalls mit LZB ausgestattet. Die Gleise 7 und 8 sind für den Güterverkehr vorgesehen. Gleis 3 am südlichen Bahnsteig hat eine Nummer, aber keine Schienen. Beide Bahnsteige sind auch über einen Aufzug erreichbar.

Nauen war Endbahnhof der 1963 eingestellten Osthavelländischen Kreisbahnen Nauen-Ketzin sowie Nauen-Velten.

Die Bus-Linien der Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH verbinden Nauen mit dem Umland.

Bildung

In Nauen gibt es vier Grundschulen. Neben den drei in städtischer Trägerschaft befindlichen Grundschulen, der Käthe-Kollwitz-Grundschule (VHG), der Grundschule am Lindenplatz und der Dr. Georg Graf von Arco‑Oberschule mit Grundschulteil wird in privater Trägerschaft die Kreativitäts- und Ganztagsgrundschule des Leonardo-da-Vinci-Campus betrieben.

Hinzu kommen zwei Förderschulen in Trägerschaft des Landkreises Havelland, nämlich die Havellandschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowie die Regenbogenschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen.

Die zwei Oberschulen sind die städtische Dr. Georg Graf von Arco-Oberschule mit Grundschulteil sowie die Kreativitäts- und Ganztagsoberschule des Leonardo-da-Vinci-Campus in privater Trägerschaft.

Nauen bietet drei Berufsbildende Schulen: die Berufliche Schule für Wirtschaft Nauen in freier Trägerschaft, das Jugendaufbauwerk Nauen e. V. und das Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landkreises Havelland.

In drei Gymnasien können Schüler das Abitur abzulegen: das städtische Goethe-Gymnasium, das privat betriebene Internationale Ganztagsgymnasium des Leonardo-da-Vinci-Campus sowie das Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landkreises Havelland.

Als Volkshochschule steht den Nauenern die Musik-, Kunst- und Volkshochschule des Landkreises Havelland offen.

Öffentliche Einrichtungen

Bekannt ist das in Nauen etablierte Krankenhaus. Seit dem 21. Jahrhundert ist es die Havelland Klinik Nauen.In Nauen befindet sich ein Schwimmbad, betrieben als Stadtbad.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Hans Werner Salomon (1926–2014), Politiker (SPD), Ehrenbürger seit 1996, von 1979 bis 1992 Bürgermeister des Berliner Bezirks Spandau, von 1995 bis 2014 Vorstandsvorsitzender des Ortsverbandes Nauen e. V. des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland

Söhne und Töchter der Stadt

Mit Nauen verbundene Persönlichkeiten

  • Albert Borsig (1829–1878), Unternehmer, lebte auf Gut Groß Behnitz
  • Ernst Borsig (1869–1933), Unternehmer, lebte und starb auf Gut Groß Behnitz
  • Georg Graf von Arco (1869–1940), Elektroingenieur, Verantwortlicher für den Ausbau der Großfunkstelle Nauen
  • Senta Maria Anna Siller (geb. 1935), Designerin, Unternehmerin, aktiv im Förderverein „Cultura“ auf dem ehemaligen Landgut Borsig in Groß Behnitz

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Nauen

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