Markt Peiting
Hauptplatz 2
86971 Peiting

http://www.peiting.de

Peiting

160pxAbb. 1 Wappen von Peiting
Basisdaten
Bundesland Bayern
Höhe 718 m
PLZ 86971
Vorwahl 08861
Adresse der Verwaltung Hauptplatz 2
86971 Peiting
Website www.peiting.de
Bürgermeister Michael Asam (SPD)
Peiting ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Umgeben von den Moränenhügeln Schlossberg, Kalvarienberg, Schnaidberg und Bühlach ist Peiting ein Ort, der sich trotz der Bevölkerungszunahme nach dem Zweiten Weltkrieg seinen bayerisch-dörflichen Charakter erhalten konnte. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind außerhalb des Ortskerns in verschiedenen Weilern angesiedelt. Der Ortsname leitet sich vermutlich von dem Adelsgeschlecht der Peutinger ab, das sich wohl schon im 6. Jahrhundert im Ortsgebiet ansiedelte. Geschichtlich bedeutungsvoll ist der Ort als Stammsitz der hier einst ansässigen Welfen.

Zur Gemeinde Peiting gehört auch die Siedlung Herzogsägmühle, eine Einrichtung der Diakonie.

Geografie

Lage

Peiting liegt in der Region Oberland östlich von Schongau nahe dem Ostufer des Lechs, an den das Gemeindegebiet aber nur südwestlich der Bundesstraße 17 auf unbesiedeltem Gebiet tatsächlich grenzt. Der Peitinger Mühlbach (auch Peitnach genannt) durchfließt das Ortsgebiet in nördlicher Richtung.

Gemarkungen

  • Birkland
  • Peiting
  • Hohenbrand

Dialekt

Obwohl Peiting politisch zum Regierungsbezirk Oberbayern gehört, wird im Ort kein typisches (Mittel-)Bairisch gesprochen, sondern der Lechrainer Dialekt, welcher bairische und alemannische Sprachelemente verbindet und charakteristisch für das Gebiet unmittelbar östlich des Lechs ist.

Geschichte

Bis zur Gemeindegründung

Funde erster Besiedlung am Ostufer des Lechs reichen in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurück. Früheste Funde sind ein Steinbeil und Tonscherben. Es gibt bronzezeitliche Gräber auf dem Bühlachberg, auch Kelten und Römer hinterließen Spuren. Auf den „Neukirchwiesen“ war in der Römerzeit ein großer Gutshof mit vielen Nebengebäuden. Nach den Römern besiedelten die Alemannen das Gebiet.

Die erste urkundliche Erwähnung Peitings war 1055 als „neue“ Burg Peiting der hier ansässigen Welfen. Die Welfenburg befand sich auf dem Schlossberg und war Mittelpunkt aller Handlungen der Lechrainer Welfen. Diese Welfen nahmen u. a. auch an Kreuzzügen teil und gründeten die Klöster Rottenbuch und Steingaden. Die Peitinger Welfenlinie starb 1191 aus. Der letzte dieser Linie war Welf VI. Durch ein Erdbeben im Jahr 1348 stürzte die Welfenburg teilweise ein. Im Jahre 1438 erhielt Peiting durch den bayerischen Herzog Ernst das Marktrecht. Die Stadt Schongau sah sich durch diese Herausstellung Peitings in „ihren Freiheiten beeinträchtigt“ und bat den Herzog, den Peitingern das Marktrecht wieder abzusprechen. Das Ersuchen wurde abgewiesen, und Herzog Albrecht bestätigte 1455 den Peitingern das Marktrecht erneut. 1490 wurde das Peitinger Marktgericht mit der Stadt Schongau vereinigt. Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1632 wurde die Welfenburg von den Schweden vollständig zerstört. Zur selben Zeit brach das „hitzige Fieber“ (vermutlich Flecktyphus) aus, an dem in Peiting im Jahre 1632 etwa 400 Menschen starben. Sowohl im Spanischen Erbfolgekrieg als auch im Österreichischen Erbfolgekrieg fielen feindliche Truppen über Peiting her, brandschatzten und plünderten es.

Peiting wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde, die zum Landgericht Schongau gehörte.

20. Jahrhundert

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein Kohlebergwerk in Peiting errichtet. Nach 1945 kamen 1500 Heimatvertriebene als Flüchtlinge nach Peiting. Im Jahre 1957 hatte das Kohlenbergwerk Peiting mit 882 Bergleuten und 47 Angestellten seinen höchsten Belegschaftsstand. 1958 erhielt das damals größte Dorf Oberbayerns erneut das formelle Marktrecht. 1968 wurde das Bergwerk geschlossen. Es folgte eine kurze wirtschaftliche Krise. Schnell siedelten sich neue Betriebe an.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1976 wurde im Rahmen der Gebietsreform die bis dahin selbständige Gemeinde Birkland eingegliedert.

Einwohnerentwicklung

1.727
1900 2.361
1939 5.495
1961 8.385
1970 9.664
1987 10.319
10.814
1995 11.382
2000 11.834
2005 11.924
2010 11.848
2015 11.334
2016 11.302

Politik

Gemeinderat und Bürgermeister

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen
Partei / Liste Wahl 2014 Wahl 2008 Wahl 2002
Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze
SPD 40,4 % 10 46,4 % 11 40,7 % 10
CSU 28,9 % 7 36,5 % 9 43,3 % 11
Bürgervereinigung 23,6 % 5 17,1 % 4 12,9 % 3
Bündnis 90/Die Grünen Bayern 7,1 % 2
Deutsche Partei 3,1 %
Gesamt 100 % 24 100 % 24 100 % 24
Wahlbeteiligung 57,9 % 65,6 % 62,3 %

Bürgermeister ist seit 1996 Michael Asam (SPD). Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er mit 81,1 % der gültigen Stimmen zum wiederholten Mal im Amt bestätigt.

Gemeindefinanzen

Im Jahr 2014 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 9.422.000 €, davon waren 3.285.000 € Gewerbesteuereinnahmen.

Wappen

Im Jahre 1438 verlieh Herzog Ernst Peiting dem Ort ein eigenes Ortswappen, das wittelsbachische Rautenwappen mit einem schrägen, roten Querbalken. Es war erst die vierte Wappenverleihung in Bayern an einen Ort.

Die weiß-blauen Rauten weisen zum einen an die stete Zugehörigkeit zu Altbayern und zum anderen an die engen Beziehungen der Gemeinde zu dem Hause Wittelsbach hin.Der rote Schräglinksbalken kann zur Unterscheidung vom landesherrlichen Rautenwappen dienlich gewesen sein. Die Gestaltung folgt der im Wappenprivileg von 1438 überlieferten Beschreibung.Das Wappen wurde durch Herzog Ernst von Bayern verliehen, alsgleich die Marktfreiheit.

Durch ministerielle Erlaubnis durfte die Gemeinde das historische Wappen im Jahre 1836 wieder führen, dennoch geriet es wieder in Vergessenheit.

Man stützte sich fortan bei der Darstellung des Wappens auf eine Überlieferung an einem Glasfenster der Kapelle Maria Egg (Maria unter der Egg) sowie auf der Veteranenfahne.Wappen- und Marktprivileg vom 28. Mai 1438; Ministerialentschließung vom 24. April 1836;
Hupp, Otto: Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer, Frankfurt am Main 1912, S. 57
Stadler, Klemens: Deutsche Wappen, Bd. 6, Bremen 1968, S. 39
Unser Landkreis Weilheim-Schongau, Bamberg 1986, S. 146 f.

Wirtschaft und Infrastruktur

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1998 insgesamt 3674. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 14 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 135 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3488 ha. Davon waren 185 ha Ackerfläche und 3293 ha Dauergrünfläche.

Öffentliche Einrichtungen

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2015):

  • Kindergärten: 388 Kindergartenplätze
  • Volksschulen: drei mit 45 Lehrern und 897 Schülern
  • Peitinger Wellenfreibad mit Volleyballplatz und Spielplatz

Verkehr

Peiting ist Knotenpunkt dreier Bundesstraßen. Die B 472 verläuft von Irschenberg über Bad Tölz nach Marktoberdorf in Ost-West-Richtung. Die B 17 verläuft von Augsburg nach Füssen in Nord-Süd-Richtung. Die B 23 ist die schnellste Verbindung von Peiting nach Garmisch-Partenkirchen und weiter zum Grenzübergang nach Scharnitz in Tirol.Bis Anfang der 1990er Jahre litten die Anwohner unter Stau und Verkehrslärm, heute jedoch kann der Ortskern auf der gut ausgebauten Umgehungsstraße umfahren werden.

Es gibt zwei Bahnstationen in Peiting an der Bahnstrecke Schongau–Peißenberg:

  • den Bahnhof ''Peiting Ost'',
  • sowie den Haltepunkt ''Peiting Nord''Auf dieser Strecke verkehren im Stundentakt Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. Zu Bergbauzeiten hatte das Bergwerk einen eigenen Gleisanschluss, der nach Beendigung des Abbaus bis 2005 durch andere Firmen weiter genutzt wurde. Außerdem gab es bis in die 1950er Jahre ab Peiting Ost eine Schmalspurbahn zum Torfwerk im Schwarzlaichmoor.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Museum im Klösterle

Bauwerke

  • Der 66 m hohe Funkturm Rottenbuch war zur Zeit seiner Errichtung (2002) der höchste Holzturm Deutschlands.
  • Das ortseigene Windkraftrad wurde trotz vieler Proteste auf dem Bühlach errichtet und wird von einer privaten Investorengemeinschaft betrieben.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Michael Zieglmeier (1874–1959), Oberbergdirektor
  • Karl Fliegauf, Altbürgermeister und Ortschronist; im Amt von 1954 bis 1978
  • Michael Dacher (1933–1994), Extrembergsteiger

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Placidus Braun (1756–1829), deutscher Kirchenhistoriker
  • Martin Erhard (1918–2017), Gewerkschafter und Politiker
  • Karl Werner (1956–2007), Entomologe
  • Hubert Filser (1959–2012), römisch-katholischer Theologe und Dogmatiker
  • Christine Echtler-Schleich (* 1963), Skibergsteigerin
  • Martin Echtler (* 1969), Bergsteiger und Alpinsportler
  • Markus Gleich (* 1987), Eishockeyspieler

Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten

  • Günther Neureuther (* 6. August 1955), zweifacher olympischer Medaillengewinner im Judo; wohnt in Peiting

Sonstiges

  • Katholische Landjugend Peiting
  • Judoabteilung
  • Eishockeyverein EC im TSV Peiting
  • Fußballverein FA Peiting
  • Villa Rustica Peiting
  • Fischereiverein Peiting
  • Das Moor bei Peiting ist Fundort der ca. 1000 Jahre alten Frau von Peiting, auch "Rosalinde" genannt.
  • Anbindung an zahlreiche kartografierte Radwanderwege, z. B. den König-Ludwig-Radweg
  • Die Männer des Kegelvereins SKV im TSV Peiting spielen 2014/15 in der 1. Kegel-Bundesliga (Classic) im Wertungssystem „120 Wurf“.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Peiting

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