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Scheeßel
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Scheeßel

160pxAbb. 1 Wappen von Scheeßel
Basisdaten
Bundesland Niedersachsen
Höhe 30 m
PLZ 27383
Vorwahl 04263
Website www.scheessel.de
Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU)

Scheeßel ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.

Geografie

Geografische Lage

Scheeßel liegt in der Stader Geest unweit der Nordheide in einer Höhe von etwa . Durch den Ort fließen die Wümme und die Beeke. Die Umgebung wird geprägt durch Wälder, Wiesen und Moore (Geestlandschaft).

Der im Ortsteil Westerholz gelegene Bullerberg stellt mit seinen 53 Metern eine der höchsten Erhebungen im Kreisgebiet dar.

Die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ist etwa neun Kilometer entfernt. Die nächsten größeren Städte sind das rund 40 Kilometer entfernte Bremen sowie das rund 50 Kilometer entfernte Hamburg.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Scheeßel besteht aus den folgenden Ortschaften:

  • Abbendorf – 283 Einwohner
  • Bartelsdorf – 473 Einwohner
  • Hetzwege – 393 Einwohner
  • Jeersdorf – 1.385 Einwohner
  • Ostervesede (Ortsteile: Deepen, Einloh) – 754 Einwohner
  • Scheeßel (Ortsteile: Büschelskamp, Veersebrück, Veerse) – 6.741 Einwohner
  • Sothel – 202 Einwohner
  • Westeresch (Ortsteile: Wenkeloh) – 510 Einwohner
  • Westerholz (Ortsteile: Bult) – 635 Einwohner
  • Westervesede – 776 Einwohner
  • Wittkopsbostel (Ortsteile: Oldenhöfen) – 515 Einwohner
  • Wohlsdorf – 356 EinwohnerHinweis: Die Zahlen hinter den Namen der Ortsteile geben die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz an. (Stand: 30. September 2009)

Nachbarstädte

Geschichte

Steinzeitliche Gräber in der Gemeinde zeugen von einer Besiedlung in der Ur- und Frühgeschichte. Urkundlich wurde ein Ort Schesla zusammen mit Bardowick, Magdeburg und Erfurt 805 im Diedenhofener Kapitular von Karl dem Großen erwähnt. Unklar ist, ob es sich dabei um das heutige Scheeßel handelt. Diese Schesla könnte im Raum Hitzacker/Dannenberg gelegen haben, da hier der Fluss Jeetzel zur Namensgebung beigetragen haben könnte. Scheeßeler Heimatkundler verwiesen auf eine Verdener Bischofsurkunde von 1205, in der von Scheeßel als scesle die Rede ist. Heute besteht kein Zweifel mehr daran, dass es sich bei dem Ort Schesla nicht um das heutige Scheeßel gehandelt hat.

Scheeßel wurde 1205 als Archidiakonat und im 13. Jahrhundert als Gografschaft des Bistums Verden genannt.
Nach 1567, unter Bischof Eberhard von Holle, setzte sich die Reformation in der Region durch; Scheeßel ist bis heute fast rein protestantisch. 1626 brannten Kirche, Pfarrhaus, Mühle und einige Häuser ab.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gingen die Herzogtümer Bremen und Verden und damit Scheeßel an Schweden, bis sie nach dem Nordischen Krieg, nach einer kurzen dänischen Herrschaft, 1719 an das Kurfürstentum Hannover fielen.

Stärker als der 30-jährige zog der Siebenjährige Krieg die Region in Mitleidenschaft. Marodierende französische Truppen waren dafür verantwortlich. Der Rotenburger Amtmann von Haerlem fasst die Folgen 1757 für die Bevölkerung so zusammen: „Es sind die hiesigen Amtsuntertanen auf viele Jahre totaliter ruinieret.“ 1755 wurde eine romanische Kirche abgebrochen und die barocke St.-Lucas-Kirche entstand bis 1758.

In der Franzosenzeit gehörte Scheeßel als Teil Frankreichs von 1810 bis 1813 zum Kanton Tostedt im Departement Elbemündung (''Bouches de l'Elbe''). Eine Straße (heute B 75) wurde in dieser Zeit angelegt.

Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 gehörte Scheeßel zum Königreich Hannover. Umfangreiche soziale und wirtschaftliche Veränderungen vollzogen sich in den nächsten Jahrzehnten wie u.a. Gewerbefreiheit, Gemeinheitsteilungen, Verkoppelungen und die endgültige Ablösung grundherrlicher Pflichten.

1866 wurde das Königreich Hannover zur preußischen Provinz Hannover. 1874 wurde der Ort an die Bahnstrecke Hamburg-Bremen angeschlossen und der Bahnhof Scheeßel entstand. 1876 gründeten Scheeßeler Bürger eine bis heute bestehende Sparkasse. Am Ende des Jahrhunderts schlossen sich die Bauern zu einer Molkereigenossenschaft zusammen. Trachtenfeste (1904) und Heimatverein (1905) entstanden zur Traditionspflege.

In der Weimarer Republik wurde in den Juliwahlen 1932 die NSDAP im Kirchspiel Scheeßel die mit Abstand stärkste Partei. Die Machtergreifung der Nazis vollzog sich problemlos, das politische Leben in Scheeßel wurde gleichgeschaltet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Scheeßel weitestgehend verschont; nur in Wohlsdorf gab es im April 1945 heftige Kämpfe. Danach verdoppelte sich durch die Flüchtlinge die Bevölkerungszahl.

Eingemeindungen

Am 1. März 1974 wurden die selbständigen Gemeinden Abbendorf, Bartelsdorf, Hetzwege, Jeersdorf, Ostervesede, Sothel, Westeresch, Westerholz, Westervesede, Wittkopsbostel und Wohlsdorf in die Einheitsgemeinde Scheeßel eingegliedert.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Gemeinde Scheeßel besteht aus 30 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern. Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU).

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:

  • CDU (41,86 %) – 12 Sitze
  • SPD (32,07 %) – 10 Sitze
  • Grüne (15,61 %) – 5 Sitze
  • WFB (3,76 %) – 1 Sitz
  • MenSch (3,68 %) – 1 Sitz
  • FDP (3,0 %) – 1 Sitz

Bürgermeister

Seit 2001 ist Käthe Dittmer-Scheele (CDU) hauptamtliche Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Scheeßel. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde sie als Amtsinhaberin mit 63,5 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,5 %. Dittmer-Scheele trat ihre weitere Amtszeit am 1. November 2014 an.

Wappen

Das Wappen der Gemeinde zeigt sechs grüne Eichenblätter (3 und 3) auf goldenem Grund mit grüner Umrandung. Die Eichenblätter sollen symbolisch die sechs ersten Höfe darstellen, aus denen der Ort hervorgegangen ist.

Städtepartnerschaften

  • Tukums (Lettland)
  • Teterow (Mecklenburg-Vorpommern)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Das Heimatmuseum Scheeßel zeigt auf zwei in sich geschlossenen Hofanlagen mit insgesamt 13 historischen Fachwerkbauten die Wohn- und Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Bereits 1913 wurde das sogenannte „Heimathaus“ an seinem ursprünglichen Standort abgetragen und als Museumsgebäude wieder aufgebaut. Seit den 1970er Jahren wurde die Anlage kontinuierlich erweitert. Auf dem Heimathausgelände wird heute das Wohnen und Wirtschaften der Menschen auf einer Hofanlage mit niederdeutschem Hallenhaus dargestellt. Auf dem Gelände des historischen Meyerhofs werden textile Handwerke (Spinnen, Weben, Blaudruck, Occhi) lebendig gehalten.

Trachtengruppen

Scheeßel ist bekannt für seine regionalen Trachtengruppen. Die wohl bekanntesten sind die Tanz- und Trachtengruppe De Beekscheepers Scheeßel e. V. und die Original Scheeßeler Trachtengruppe. Beide Gruppen haben sich der Aufgabe verschrieben, norddeutsches Kulturgut national und international bekannt zu machen und zu pflegen. Jedes Jahr findet daher in Scheeßel ein großes Trachtenfest statt, das weit über die Grenzen Scheeßels hinaus bekannt ist. Dieses wird im Wechsel von den Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe ausgerichtet und wartet jedes Mal mit vielen Trachtengruppen aus dem In- und Ausland auf. Vom 19. bis 21. Juli 2013 fand das von den Beekscheepers veranstaltete Internationale Beeke-Festival, früher als Beeke-Trachtenfest bekannt, zum 20. Mal statt.

Musik

Auch im Bereich der Rock- und Popmusik hat Scheeßel Tradition: In den Jahren 1973 und 1977 fanden auf dem Eichenring in Scheeßel große Open-Air-Festivals statt. Zu diesen Veranstaltungen kamen so namhafte Musiker und Gruppen wie Chicago, Chuck Berry und Golden Earring. Seit Ende der 1990er Jahre ist Scheeßel wieder Heimat eines großen Open-Air-Festivals: Im Jahre 1997 wurde auf dem Eichenring erstmals das Hurricane Festival ausgerichtet. Diese Musikveranstaltung findet alljährlich im Juni statt, im Jahre 2008 mit rund 75.000 Besuchern.

Bauwerke

  • St.-Lucas-Kirche im Bauernbarock-Stil aus dem Jahre 1757 mit der etwa 600 Jahre alten Gerichtslinde
  • Amtsvogtei im Vogteipark
  • Heimatmuseum
  • Meyerhof
  • Scheeßeler Mühle
  • Empfangsgebäude (Bahnhofsgebäude)

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Hurricane Festival (jährlich seit 1997)
  • Internationales Beeke-Festival (Trachtenfest, alle zwei Jahre seit 1975 am dritten Juli-Wochenende)
  • Internationale Trachtenbegegnung (alle zwei Jahre seit 1986)
  • Deutscher Mühlentag in der Scheeßeler Mühle und der Westerveseder Mühle (jedes Jahr zu Pfingstmontag)
  • Scheeßeler Museumsfest auf dem Meyerhof und Heimathausgelände (jährlich am 1. Mai)
  • Scheeßel-Tag (jährlich Ende August)
  • Auf dem Eichenring in Scheeßel jedes Jahr Ende August/Anfang September Internationale Motorrad-Sandbahnrennen auf der 1.000 m Sandbahn des MSC Eichenring Scheeßel.

Wirtschaft und Infrastruktur

In Scheeßel und den umliegenden Ortschaften haben sich zahlreiche kleine und vor allem mittelständische Unternehmen angesiedelt, da der Ort verkehrsgünstig zwischen den Ballungszentren Hamburg, Bremen und Hannover liegt. Scheeßel ist zudem einer der Schwerpunkte des Fremdenverkehrs der Wümmeniederung.

Ansässige Unternehmen

  • Das Unternehmen Campana-Schwimmbad-Überdachungen ((Campana)) produziert und vertreibt weltweit Schwimmbad-Überdachungen und Salvada Terrassenüberdachungen in Deutschland. Unter anderem wurden im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2004 Schwimmbadüberdachungen nach Athen geliefert.
  • Ebenfalls weltweit tätig ist das Unternehmen Adolf Müller, seit 1906 ist das Maschinenbauunternehmen in Scheeßel ansässig. Wurden in den Anfangsjahren Sägewerksmaschinen produziert, werden heute Rollenwickel und -schneidmaschinen für die Papier, Kunststoff und Aluminium verarbeitende Industrie produziert.
  • MAM Babyartikel GmbH als Tochtergesellschaft der österreichischen MAM Babyartikel gesGmbh vertreibt Babyprodukte.
  • Die Lackfabrik Norix
  • Scheeßel ist Sitz der Sparkasse Scheeßel
  • Scheeßel besitzt eine Geschäftsstelle der Volksbank Wümme-Wieste eG.

Bildung

Von der Krippe bis zum Gymnasium: mehrere Kitas, zum Teil als Ganztagskindergarten bzw. Krippe, Grundschule, Oberschule „BeekeSchule“, Gymnasium Eichenschule Scheeßel.

Soziale Einrichtungen und Gesundheitsversorgung

Der Zentralort Scheeßel ist Standort mehrerer Hausarztpraxen, einer Kinderarztpraxis, einer Augenarztpraxis und mehrerer Pflegeheime. Ein Pflegeheim befindet sich in der Ortschaft Ostervesede. Außerdem befinden sich hier mehrere Zahnarztpraxen.

Verkehr

Straße

Scheeßel ist sehr gut an den regionalen und auch überregionalen Verkehr angebunden. Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 75 und in der Nähe verläuft die Bundesautobahn 1 (etwa 15 km bis zur Anschlussstelle in Sittensen). Durch diese verkehrsgünstige Lage ist man mit dem Auto in etwa einer Stunde in Hamburg, Bremen oder Hannover und auch die Urlaubsregionen der Nord- und Ostsee sowie der Harz sind mit dem PKW in höchstens zwei Stunden zu erreichen. Wann die Ortsumgehung der B 75 realisiert werden kann, ist offen. Mehrfach wurde das Bauvorhaben auf Vorhabenlisten gesetzt und wieder entfernt.

Eisenbahn

Östlich des Ortes verläuft die Hauptbahn Hamburg–Bremen (–Ruhrgebiet). Aus dieser soll in der Nähe von Scheeßel die geplante Y-Trasse abzweigen. Scheeßel verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, an dem im Rahmen des Hanse-Netzes verkehrende Züge der metronom Eisenbahngesellschaft auf der Verbindung Hamburg-Bremen halten. Mit dem Zug kommt man in knapp 40 Minuten nach Bremen und in knapp 50 Minuten nach Hamburg.

Flugverkehr

Der nächste Verkehrslandeplatz liegt in Rotenburg (Wümme). Die nächsten internationalen Flughäfen sind der Hamburg Airport, der Flughafen Bremen und Hannover-Langenhagen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Hinrich Meyer (1880–1963), bewirtschaftete den Meyerhof und schrieb die Kirchenspielchronik, 1955 Ehrenbürger
  • Friedrich Behrens († 2003), 30 Jahre lang Vorsitzender des Heimatvereins und Leiter des Heimatmuseums

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Wilhelm-Cord Müller (1830–1915), Reichstagsabgeordneter
  • Ernst Müller-Scheeßel (1863–1936), Künstler, Begründer des Bremer Künstlerbundes und Professor an der späteren Hochschule für Künste Bremen
  • Hinrich Brunckhorst (1903–1992), Landrat und Landtagsabgeordneter
  • Heinz Fehling (1912–1989), Werbegrafiker, einer der bedeutendsten deutschen Werbegrafiker vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Karl H. Peter (1918–2003), Marineoffizier, Schiffskommandant, zuletzt Konteradmiral der Bundesmarine und Kommandeur der Marineschule Mürwik
  • Friedhelm Rathjen (* 1958), Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Übersetzer und Biograf

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde verbunden sind

  • Paul Carell, eigentlich Paul (Karl) Schmidt, (1911–1997), Schriftsteller und ehemalige Pressesprecher von Außenminister Joachim von Ribbentrop, lebte nach seiner Freilassung in Scheeßel
  • Jürgen Hoops von Scheeßel (* 1958), Heimat- und Ahnenforscher, Chronist, Roman- und Buchautor
  • Gabriele Weinspach (* 1968), Schauspielerin
  • Matthias Scherz (* 1971), ehemaliger Fußballspieler (zuletzt 1. FC Köln)
  • Kirsten Bolm (* 1975), Leichtathletin (Juniorenweltmeisterin, Teilnahme Olympische Spiele 2004)
  • Elke Twesten (* 1963), Landtagsabgeordnete Bündnis90/Die Grünen

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Scheeßel

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