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Kelsterbach
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Stadtplan Kelsterbach
Magistrat der Stadt
Kelsterbach
Mörfelder Str. 33
65451 Kelsterbach

http://www.kelsterbach.de

Kelsterbach

160pxAbb. 1 Wappen von Kelsterbach
Basisdaten
Bundesland Hessen
Kreis Groß-Gerau
Höhe 104 m
PLZ 65451
Vorwahl 06107
Website www.kelsterbach.de
Bürgermeister Manfred Ockel (SPD)
Kelsterbach ist eine Stadt im hessischen Kreis Groß-Gerau mit  Einwohnern (Stand ). Sie liegt am südwestlichen Stadtrand von Frankfurt am Main in einem Flussbogen am linken Mainufer, unmittelbar an der Mündung der Kelster (umgangssprachlich ebenfalls Kelsterbach genannt).

Das ursprünglich weitgehend landwirtschaftlich geprägte Dorf wandelte sich nach dem Bau der Bahnlinie Frankfurt–Mainz ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts stark. Die Ansiedlung großer Fabriken und die Nachbarschaft zu den Chemiewerken in Höchst am Main und Griesheim zog einen großen Bevölkerungszuwachs nach sich. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Unternehmen hinzu, die mit dem nahe gelegenen Frankfurter Flughafen in Beziehung stehen. Die Stadt ist bedeutender Standort für Logistikdienstleister und chemische Produktion.

Per 30. Juni 2014 wies die Stadt Kelsterbach einen hohen Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit) in Höhe von 31,0 Prozent auf und hat somit nach Offenbach am Main den zweithöchsten Anteil aller hessischen Kommunen.

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt liegt am linken beziehungsweise östlichen und südöstlichen Ufer des Flusses Main und westlich des Frankfurter Stadtwalds. Der allgemein als Unterdorf bezeichnete ursprüngliche Ortskern im Norden des Stadtgebiets grenzt sich scharf von dem wesentlich größeren, allgemein Oberdorf genannten Siedlungsbereich ab, der erst mit dem Bau der Bahnlinie und der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts oberhalb der etwa 17 Meter hohen Kelsterbacher Terrasse entstand, die sich vom Frankfurter Stadtwald acht Kilometer nach Westen zieht. Kelsterbach ist Teil der Stadtregion Frankfurt sowie der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main.

Nachbargemeinden

Kelsterbach grenzt im Westen an Okriftel, einen Stadtteil von Hattersheim am Main (Main-Taunus-Kreis), im Norden an die Stadtteile Sindlingen, Höchst und Schwanheim der kreisfreien Stadt Frankfurt am Main, im Osten und Süden an das Areal des Flughafens Frankfurt am Main sowie im Südwesten an die Stadt Raunheim.

Stadtgliederung

Zwar ist im Volksmund für den alten Ort am Main vom Unterdorf die Rede, während die Lage oberhalb der Kelsterbacher Terrasse Oberdorf genannt wird, offiziell gibt es jedoch keine Ortsteile.

Geschichte

Steinzeit

Für einige Zeit galt Kelsterbach als der Ort, bei dem der älteste anatomisch moderne Mensch Europas gefunden wurde. Der als Dame von Kelsterbach bekannt gewordene und auf ein Alter von 32.000 Jahren datierte angebliche Schädel eines Cro-Magnon-Menschen verschwand jedoch im Zusammenhang mit dem Skandal um den Anthropologen Reiner Protsch spurlos im Jahre 2004 und war wohl eine Fälschung.

Aus der Mittelsteinzeit wurden im Bereich der Kelsterbacher Terrasse Mikrolithen gefunden. Ob es sich dabei um Siedlungsspuren handelt, muss dahingestellt bleiben. Auch zahlreiche in alle Epochen der Jungsteinzeit datierende Keramikfunde belegen nicht unbedingt eine dauerhafte Besiedelung.

Metallzeiten

Eine Besiedelung für die Bronzezeit ist wahrscheinlich. Erste wertvolle Funde aus der Frühzeit dieser Epoche kamen bereits im Jahr 1937 zu Tage. 1972 wurden beim Bau der Kelsterbacher Spange an der Kante der Kelsterbacher Terrasse zwischen Römerschneise und Schwedenschanze mehrere bronzezeitliche Fundkomplexe angeschnitten. Daraus wird auf eine mittel- bis spätbronzezeitlichen Ansiedlung etwa 10–15 Meter oberhalb des Mains geschlossen. Aus der älteren Eisenzeit (700–450 v. Chr.) liegen ebenfalls Siedlungsspuren vor.

Römer

Frühere Funde gaben bereits Veranlassung, eine römische Ansiedlung des 3. Jahrhunderts in der Kelsterbacher Mainniederung zu vermuten. 1973 in der Flur Auf dem Weilsee gefundene Ziegelteile und Münzen in römischen Brandgräbern waren Anlass zu geophysikalischen Untersuchungen in den Jahren 2001 und 2003. Dabei fanden sich Gebäudestrukturen. Das Institut für archäologische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main führte 2004 und 2005 umfangreiche Grabungen durch. Dabei kam ein Gebäude mit Brunnen zu Tage, das als Kleinvilla interpretiert und auf 200–220 n. Chr. datiert wird. Nach dem Fall des Limes um 260 wurde sie aufgegeben.

Mittelalter

Aufgrund des Ortsnamens wird eine fränkische Gründung Gelsterbach vermutet (gelster = laut rauschend). Als Grundlage dieser Bezeichnung kann der als spärliches Rinnsal dahin ziehende Bach, der in den Schwanheimer Wiesen entspringt, aber kaum gelten, selbst wenn er früher deutlich mehr Wasser geführt haben sollte.

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Gelsterbach findet sich, wie für viele weiterer Orte, im Lorscher Codex (ca. 850 n. Chr.). Über viele Jahrhunderte gehörte Kelsterbach dann zum Wildbann Dreieich, dessen zentrale Verwaltung auf der Burg Hayn ansässig war. Auch nach dem Übergang der Territorialherrschaft an Ysenburg 1433 bestand das königliche Jagdrecht weiter. Kelsterbach gehörte zum Amt Langen der Grafschaft, ab 1523 der Teilgrafschaft Isenburg-Ronneburg.

Frühe Neuzeit

Graf Anton I. von Ysenburg-Ronneburg trat 1533 zum Luthertum über, band aber erst nach dem Augsburger Religionsfrieden die Bevölkerung an den herrschaftlichen Glauben. Bei der Erbteilung 1565 übernahm Graf Wolfgang von Ysenburg-Ronneburg den Landesteil, in dem Kelsterbach lag. 1566 begann er mit dem 21 Jahre dauernden Bau des Kelsterbacher Schlosses, dessen Aussehen vor allem durch einen Stich von Matthäus Merian überliefert ist. Der Sitz des Amtes Langen wurde nach Kelsterbach verlegt. Durch den Glaubensübertritt des Landesherrn wurde Kelsterbach im Jahr 1583 calvinistisch. In diesem Jahr gründete der Graf auch die erste Schule. Nach seinem Tod im Dezember 1597 wurde er in der Kelsterbacher Schlosskapelle beigesetzt. Nachfolger wurde sein Bruder Heinrich, der Wolfgang um 4 Jahre überlebte. Er war lutherisch und führte das von ihm regierte Territorium wieder dem Luthertum zu. Dies führte zu erheblichen Spannungen im Ysenburger Grafenhaus. Angesichts seines nahen Todes handelte Heinrich daher einen Vertrag mit dem lutherischen Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt aus, wonach das Amt Kelsterbach nach seinem Tod an Hessen-Darmstadt fallen sollte, um eine Rückkehr zum reformierten Glauben zu verhindern. Der heimliche Verkauf des Amtes Kelsterbach führte zu einem langwierigen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht zwischen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, der sich von 1601 bis 1711 hinzog und letztlich mit einer vollständigen Niederlage des Hauses Ysenburg-Büdingen endete. Zwischenzeitlich war das Kelsterbacher Schloss im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden zerstört worden. Landgraf Ernst Ludwig plante wegen der verkehrsgünstigen Lage, Kelsterbach zu einer Handwerkerstadt auszubauen. Von 1699 bis 1712 wurde dazu die großzügig angelegte heute noch bestehende Neukelsterbacher Straße mit zweigeschossigen Wohn- und Arbeitshäusern errichtet, in der calvinistische Flüchtlinge angesiedelt werden sollten. Vielfältige Probleme führten zum Scheitern dieses Vorhabens.

Mitte des 18. Jh. übernahm Landgraf Ludwig VIII. eine zuvor private Fayence-Fabrik, um daraus eine Porzellanmanufaktur zu machen. Der in Meißen ausgebildete Porzellanmaler Christian Daniel Busch wurde mit deren Leitung beauftragt. Namhaftester in Kelsterbach arbeitender Porzellankünstler war Carl Vogelmann. Kelsterbacher Porzellanmanufaktur bestand nur von 1761 bis 1768. Dort hergestellte Produkte sind u. a. in der Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung in Darmstadt ausgestellt. 2011 wurden im Prinz-Georg-Palais in Darmstadt die Sammlungsteile mit Kelsterbacher Porzellan anlässlich der 250-Jahr-Feier der Manufaktur gezeigt.

1756 wurde der Amtssitz nach Mörfelden verlegt, der Name Amt Kelsterbach blieb dennoch bestehen.

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Kelsterbach:

Im Jahr 1821 gegründeten hessisch-darmstädtischen Verwaltungsbezirk Groß-Gerau, schon 1832 in den Kreis Groß-Gerau überführt, wurden die Verwaltungsbezirke neu organisiert und das ehemalige Amt Kelsterbach aufgeteilt. Fortan teilte Kelsterbach bis heute die Geschichte und territoriale Zuordnung des Kreises Groß-Gerau. Verwaltungsmäßig gehörte es nun zum Landratsbezirk Langen. Dort befand sich auch das zuständige Landgericht, das 1879 vom Amtsgericht Langen abgelöst wurde. Später, ab 1957, war für Kelsterbach das Amtsgericht Frankfurt am Main und seit 1971 ist das Amtsgericht Rüsselsheim zuständig.

1899 wurde die Süddeutsche Waggonfabrik AG mit einem Kredit der Commerzbank über 1,2 Millionen Mark gegründet. Sie errichtet ihr Werk und den Firmensitz auf einem Gelände zwischen der Rüsselsheimer Straße und der Bahnstrecke Mainz–Frankfurt, unmittelbar südwestlich des Bahnhofs Kelsterbach und südwestlich der Helfmannstraße. Die Waggonfabrik belieferte unter anderem die Hedschasbahn und die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft für deren Bahnstrecke Amstetten–Laichingen mit Personen- und Güterwagen. Die Fabrik musste nach nur drei Jahren bereits wieder schließen und hatte bis dahin etwa 500 Wagen gebaut. Baulicher Überrest der Waggonfabrik ist deren in den Jahren 1899/1900 errichtete Arbeitersiedlung Helfmannstraße, ein Ensemble aus neun Mehrfamilienhäusern, heute Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz, und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Fabrik, heute Umwelt- und Nachbarschaftshaus.

Nach Liquidation der Waggonfabrik siedelte sich 1903 auf deren Gelände die 1890 in Frankfurt am Main gegründete Vereinigte Kunstseidenfabrik AG mit Produktionsgebäuden und Firmensitz an, die 1928 von der Vereinigten Glanzstoff AG übernommen wurde. Dieser Industriebetrieb mit zeitweise über 2600 Beschäftigten bestimmte für nahezu einhundert Jahre die weitere Entwicklung des Ortes.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich in Kelsterbach ein Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter, die meist aus Osteuropa stammten. Daher wurde es auch Russenlager genannt. Das Lager befand sich in der Nähe der Autobahn beim ehemaligen Umspannwerk.

Erhebliche Gemarkungsflächen gingen bei Gründung der Gemeinde Zeppelinheim 1938 verloren. Kelsterbach erhielt 1952 das Stadtrecht. Durch die Mitgliedschaft im 1975 gegründeten Umlandverband Frankfurt konnte die erwogene Eingliederung in die Stadt Frankfurt zwar abgewendet werden, aber 1977 musste im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch die zunehmende Ausdehnung des südlich angrenzenden Frankfurter Flughafens weitere Gemarkungsfläche abgegeben werden: Der 733 Hektar großer Anteil Kelsterbachs am Flughafengelände fiel an die Stadt Frankfurt. Da damit eine wichtige finanzielle Quelle verloren zu gehen drohte, wurde eine „Vorteilsausgleichszahlung“ vereinbart. Die Ausdehnung des Flughafengeländes setzte sich mit dem Bau der Landebahn Nordwest 2011 fort und stellt die kommunale Selbstständigkeit wieder zunehmend in Frage.

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Kelsterbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:

  • vor 1604 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Isenburg-Ronneburg, Amt Langen
  • nach 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Kelsterbach
  • ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Kelsterbach
  • ab 1806: Rheinbund, Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Kelsterbach
  • ab 1815: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Kelsterbach
  • ab 1821: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Langen (Trennung zwischen Justiz (Landgericht Langen) und Verwaltung)
  • ab 1832: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1848: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt
  • ab 1852: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1866: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-Gerau (Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen aufgelöst.)
  • ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau
  • ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen (seit 1946), Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau

Bevölkerung

Einwohnerstruktur

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kelsterbach 13 .312 Einwohner. Darunter waren 3684 (27,7 %) Ausländer von denen 2063 aus dem EU-Ausland, 1220 aus anderen Europäischen Ländern und 401 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 13,7 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 6545 Haushalten. Davon waren 2526 Singlehaushalte, 1584 Paare mit Kindern und 1680 Paare ohne Kinder, sowie 435 Alleinerziehende und 229 Wohngemeinschaften.

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon

• 1606: 34 Personen und Hausgesesse
• 1629: 20 Hausgesesse
• 1694: 113 Einwohner
• 1791: 338 Einwohner
• 1806: 750 Einwohner, 97 Häuser
• 1829: 930 Einwohner, 92 Häuser
• 1867: 1347 Einwohner, 193 Häuser

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon

• 1829: 859 lutherische (= 92,37 %), einen reformierten (= 0,11 %), 46 jüdische (= 4,95 %) und 24 katholische (= 2,58 %) Einwohner
• 1961: 6685 evangelische (= 59,54 %), 3613 katholische (= 32,18 %) Einwohner
• 2011: 3700 evangelische (= 27,8 %), 3030 katholische (= 22,8 %), 170 freikirchliche (= 1,2 %), 800 orthodoxe (= 6,0 %), 1210 andersgläubig (= 9,1 %), 4380

Erwerbstätigkeit

Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen:

  Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 7.389 98.042 1.695.567 2.524.156
Veränderung zu 2000 −35,6 % +5,4 % +16,1 % +16,0 %
davon Vollzeit 2017 78,2 % 75,9 % 72,8 % 71,8 %
davon Teilzeit 2017 21,8 % 24,1 % 27,2 % 28,2 %
Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 790 13.048 224.267 372.991
Veränderung zu 2000 +0,9 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Produzierendes Gewerbe 2000 9,4 % 43,8 % 27,0 % 30,6 %
2017 5,1 % 33,2 % 20,4 % 24,3 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 74,7 % 27,6 % 26,4 % 25,1 %
2017 55,8 % 27,9 % 24,7 % 23,8 %
Unternehmensdienstleistungen 2000 11,3 % 14,0 % 25,1 % 20,2 %
2017 29,7 % 19,9 % 31,6 % 26,1 %
Sonstige Dienstleistungen 2000 4,5 % 13,7 % 20,1 % 22,5 %
2017 9,5 % 18,6 % 23,0 % 25,4 %
Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 0,1 % 1,0 % 1,4 % 1,5 %
2017 0,0 % 0,5 % 0,3 % 0,4 %

Religionen

In Kelsterbach gibt es drei Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: die Christuskirchengemeinde, die Friedensgemeinde, und die St. Martinsgemeinde. Zum Dekanat Rüsselsheim im Bistum Mainz der katholischen Kirche zählt die Kirchengemeinde Herz-Jesu, die Gottesdienste in der Herz-Jesu-Kirche und in der Sankt-Markus-Kirche feiert.

Zudem ist in Kelsterbach noch die Petrusgemeinde Kelsterbach ansässig. Sie gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und ist eine Baptistengemeinde.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2021 2016 2011 2006 2001 1997
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 39,5 12 39,5 12 44,8 17 55,2 20 58,3 22 55,4 20
Wählerinitiative Kelsterbach WIK 15,9 5 20,6 6 21,3 8 12,7 5 13,4 5 18,2 7
Christlich Demokratische Union Deutschlands CDU 19,6 6 17,8 6 20,2 7 26,2 10 22,7 8 20,5 8
Liste unabhängiger Bürger LuB 10,8 3
Die Linke DIE LINKE 3,8 1 4,2 1 4,0 1
Freie Wähler FW 9,3 3 3,8 1 7,7 3
Freie Wählergemeinschaft F.W.G. 5,0 1
Freie Demokratische Partei FDP 2,5 1 1,9 1
Europäische Union Kelsterbach EUK 1,8 1 1,6 1 2,0 1 5,9 2 5,5 2 5,9 2
Forum Neues Kelsterbach FNK 2,5 1
prozentualer Anteil ungültiger Stimmabgaben 2,6 2,4 3,7 2,5 3,0 4,0
Sitze der Stadtverordnetenversammlung insgesamt 31 31 37 37 37 37
Wahlbeteiligung 51,7 % 45,0 % 45,7 % 42,7 % 50,2 % 69,5 %

Bürgermeister

Hauptamtlicher Bürgermeister war bis 30. April 2008 Erhard Engisch (SPD). Er wurde 1997 als erster Bürgermeister der Stadt direkt gewählt. Bei der Wahl 2003 wurde er in seinem Amt bestätigt. Im Februar 2008 gab er jedoch seinen Rücktritt bekannt. Bis zur Neuwahl eines Bürgermeisters wurden die Amtsgeschäfte kommissarisch durch den Ersten Stadtrat Manfred Ockel (SPD) geführt, welcher am 1. Oktober 2008 mit 84,3 % der Stimmen zum Bürgermeister der Stadt Kelsterbach gewählt wurde, bei einer Wahlbeteiligung von 31,6 %. Ockel wurde im Juni 2014 wiedergewählt. Die ursprünglich für den 14. Juni 2020 geplante Bürgermeisterwahl wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen auf März 2021 verschoben. In dieser wurde Manfred Ockel im ersten Wahlgang mit 54,53 % wiedergewählt.

Magistrat

Neben dem hauptamtlichen Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) gehören dem achtköpfigen Gremium ehrenamtlich an: Erster Stadtrat Kurt Linnert (SPD), Ursula Will (SPD), Bernd Erik Wiegand (SPD), Alfred Wiegand (CDU), Paul Stein (CDU), Hans Schuler (WIK), Annerose Tanke (WIK) sowie der jüngste Stadtrat Rahul Kumar (FDP).

Wappen und Flagge

WappenBlasonierung: „In Schwarz ein silberner Eichenzweig mit drei goldenen Eicheln.“

Das Wappen wurde der damaligen Gemeinde Kelsterbach im Kreis Groß-Gerau im Jahr 1925 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. In seiner heutigen Form wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth gestaltet.

Der Eichenzweig steht, wie bei vielen Ortswappen der Region, für die frühere Zugehörigkeit des Ortes zum Wildbann Dreieich. Die Farben Schwarz und Silber gehen hier auf die Grafen von Isenburg, die früheren Ortsherren zurück.Früher wurde der Eichenzweig auch als aus einem Dreiberg wachsend dargestellt.

Flagge

Am 31. März 1952 wurde der nun Stadt Kelsterbach durch den Hessischen Innenminister das Recht zur Führung einer Flagge verliehen, die wie folgt beschrieben wird:

„Auf der verbreiterten, weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuches das Stadtwappen.“

Städtepartnerschaften

  • , (Département Maine-et-Loire), Frankreich, seit 31. August 1979

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Apfelsorte

Im Jahr 2018 wurde die Apfelsorte Ruhm aus Kelsterbach als „Hessische Lokalsorte des Jahres“ durch die Landesgruppe Hessen des Pomologen-Vereins e. V. benannt. Es soll auf alte, erhaltenswerte Obstsorten in Hessen aufmerksam gemacht werden. Dabei werden jedes Jahr entsprechende Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt, wie Pflegemaßnahmen an Altbäumen, Reisergewinnung und Abgabe an Baumschulen, Pflanzaktionen sowie Vorträge und Ausstellungen.

Vereine

In den Sportstätten und den städtischen Räumlichkeiten findet ein reges Vereinsleben (ca. 90 Vereine und Organisationen) statt. Kelsterbach nennt sich daher auch Stadt der Vereine. Neben vielen kulturellen Veranstaltungen ist Kelsterbach weit über die Stadtgrenzen hinaus für seine traditionelle Kerb am ersten Sonntag im September bekannt, die auch heute noch von einer großen Zahl sogenannter Kerweborsch getragen wird. Auch das Altstadtfest eine Woche später wird wesentlich durch die Beteiligung der örtlichen Vereine mit gestaltet. Der örtliche Fußballverein Viktoria Kelsterbach spielte bereits in der Hessenliga.

Die Kelsterbacher Vereine, Organisationen und Verbände organisieren außerdem eigene Veranstaltungen im Bereich des Sports, der Musik und des Gesangs, aber auch in der Aus- und Fortbildung, der Hobbykunst und diversen Feldern des öffentlichen und sozialen Lebens sind sie tätig.Dabei ist auch die DLRG Kelsterbach, die eine der erfolgreichsten Mannschaften im Rettungsschwimmen besitzt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Flächennutzung

Das Gemeindegebiet umfasst eine Gesamtfläche von 1538 Hektar, davon entfallen in ha auf:

Nutzungsart 2011 2015
Gebäude- und Freifläche 336 326
davon Wohnen 136 135
Gewerbe 110 116
Betriebsfläche 61 59
davon Abbauland 13 13
Erholungsfläche 28 27
davon Grünanlage 25 24
Verkehrsfläche 204 436
Landwirtschaftsfläche 236 233
davon Moor 0 0
Heide 0 0
Waldfläche 574 360
Wasserfläche 77 77
Sonstige Nutzung 20 20

Verkehr

Straßenverkehr

Kelsterbach hat eine Anschlussstelle an die A 3, über die B 40a und einen Autobahnzubringer gelangt man schnell auf die A 66. Die B 43 führt durch das Stadtgebiet von Kelsterbach.Seit Frühjahr 2010 ist die B 43 durch die Ortslage Kelsterbachs zu einer Ortsstraße abgestuft worden und ist nunmehr in die Verantwortung der Stadt übergegangen. Die Verantwortlichen der Stadt haben eine umfangreiche neue Verkehrsregelung erarbeitet, die sicherstellen soll, dass der gesamte Schwerlastverkehr (ab 3,5 Tonnen) über die B 40, den Airportring und die Okrifteler Straße umgeleitet werden. Somit wollen die Verantwortlichen sicherstellen, dass der rege Durchgangsverkehr auf der alten B 43 verhindert wird und der für die Kelsterbacher Gewerbegebiete bestimmte Zielverkehr über die Anschlussstelle Kelsterbach Süd der A 3 Kelsterbach erreicht.

Eisenbahn

Durch Kelsterbach führt die Mainbahn, von ihr zweigt im Bahnhof Kelsterbach die Flughafenstrecke zum Flughafen Frankfurt am Main ab.

Auf beiden Strecken fahren die S-Bahn-Linien S8 und S9. Diese führen binnen drei Minuten zum Frankfurter Flughafen, in fünfzehn Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof sowie in 30 Minuten in die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Öffentlicher Personennahverkehr

In Kelsterbach verkehren vier Buslinien der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft des Kreises Groß-Gerau (LNVG GG) und eine Linie der traffiQ aus Frankfurt am Main. Die Linien wurden im Rahmen von Ausschreibungen an die Firmen Regionalverkehr Kurhessen (RKH) und Autobus Sippel vergeben.

Liniennummer bestellendes Unternehmen Auftragnehmer Linienführung
68 traffiQ Autobus Sippel Frankfurt-Schwanheim – Kelsterbach Gesamtschule
72 LNVG GG RKH (Ginsheim –) Bischofsheim – Rüsselsheim – Raunheim – Kelsterbach – Flughafen Frankfurt am Main
73 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach Friedhof – Rathaus – Flughafen Frankfurt am Main
74 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach Sportpark – Rathaus – Berliner Straße
75 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach (Friedhof –) Sportpark – Rathaus – Berliner Straße (– Niederhölle)
78 LNVG GG RKH Stadtbus Raunheim Raunheim Bahnhof – Gewerbegebiet Mönchhof – Kelsterbach Bahnhof

Radwanderwege

Am Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

  • Der Hessischen Radfernweg R3 (Rhein-Main-Kinzig-Radweg) führt unter dem Motto Auf den Spuren des Spätlesereiters. entlang von Rhein, Main und Kinzig über Fulda nach Tann in der Rhön. Auf Teilstück bis Eltville am Rhein–Hochheim am Main führt der R3 über die Rheingauer Riesling Route.
  • Die regionalen Themenrouten Regionalparkrouten Südwest und die Rhein-Main Vergnügungsroute 3 „Unterwegs zwischen Mainspitze und Mönchbruch“ (46 km).

Freizeit und Naherholung

Zur Naherholung stehen das schön angelegte Mainufer, der im Sommer stark frequentierte Südpark und ein ausgedehnter Stadtwald mit See und Wildgehege zur Verfügung. Abgesehen vom Mainufer werden diese Flächen aber weitgehend von der Fraport AG für die Ende 2007 von der Planfeststellungsbehörde genehmigte Erweiterung des Frankfurter Flughafens beansprucht. – Oberhalb des Kelstergrundes ist – unweit des Schwimmbads – noch der Standort der Schwedenschanze bekannt, von dem aus die Schweden im Dreißigjährigen Krieg das damalige Schloss beschossen haben sollen.Kelsterbach verfügte über ein großes kombiniertes Hallen- und Freizeitbad, das im März 2008 geschlossen wurde und mittlerweile durch ein neues und kleineres Sport- und Freizeitbad ersetzt wurde.

Bildung

Es sind eine der größten und modernsten Stadtbüchereien im Kreis Groß-Gerau (Hessischer Bibliothekspreis 2008) sowie eine Integrierte Gesamtschule, mehrere Grundschulen und eine Sonderschule vorhanden. Als einzige kreisangehörige Kommune in Hessen (abgesehen von den Städten ab 50.000 Einwohnern mit Sonderstatus) hat Kelsterbach noch selbst die Schulträgerschaft.Die sieben Kindergärten unter kirchlicher Leitung werden von der Stadt koordiniert und finanziell unterstützt. Im ehemaligen Schloss ist ein Jugendzentrum untergebracht.

Nahversorgung

Ausgeprägte Einkaufsmöglichkeiten sind – abgesehen von Lebensmittelmärkten – derzeit vor Ort kaum vorhanden, jedoch ist ein Einkaufszentrum im Bau (Stand 2008).

Energie

Im Zuge des Baus der Nord-Süd-Leitung entstand im Jahr 1926 im Wald südlich von Kelsterbach ein sehr großes Umspannwerk. Dieses gehört der RWE AG und verfügt heute über die Spannungsebenen 380, 220 und 110 kV.

Das Umspannwerk wurde als wichtiger Knotenpunkt im Höchstspannungsnetz des Rhein-Main-Gebietes errichtet und war daher Ausgangspunkt zahlreicher wichtiger 110- und 220-kV-Leitungen. So bestand seit 1927 eine 110-kV-Leitung zum ehemaligen Kraftwerk Dettingen, die zugleich einen Anschluss an das Bayernwerk darstellte. Weitere 110-kV-Leitungen führen zum Industriepark Höchst. In der 220-kV-Ebene war das Umspannwerk ein wichtiger Verteilerknoten. So verfügte es über eine Anbindung an die 1926 in diesem Abschnitt fertiggestellte Nord-Süd-Leitung und an eine 220-kV-Leitung, welche seit 1936 über Limburg das Koepchenwerk in Herdecke anband und weiter durch den Odenwald in den Stuttgarter Raum und weiter nach Waldshut-Tiengen führte (Schwarzwaldleitung). Weitere 220-kV-Leitungen verbanden das Umspannwerk mit der Adam Opel AG in Rüsselsheim und seit 1950 mit dem Bayernwerk in Aschaffenburg.

Wegen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens mussten die zu diesem Umspannwerk in südlicher Richtung kommenden Hochspannungsleitungen mehrfach neu verlegt werden. Nach dem Bau der Startbahn West wurden vom Mönchbruch bis zur A 3 niedrige Einebenenmasten errichtet.

Das Umspannwerk wurde in den Jahren 2006 bis 2007 komplett umgebaut, wobei die große Freiluftschaltanlage demontiert und eine moderne Innenraumschaltanlage gebaut wurde. Die 220-kV-Leitung in Richtung Koblenz wurde in eine 380-kV-Leitung umgebaut und das Kelsterbacher Umspannwerk auf 380-kV-Betrieb ertüchtigt. Alle zum Umspannwerk führenden Leitungen enden heute an Endmasten mit Kabeleinführungen, das Umspannwerk wird heute ausschließlich über Erdkabel gespeist. Die Leitungen nach Pfungstadt (Nord-Süd-Leitung), Limburg und Oberursel wurden demontiert, auch, weil diese bereits ein hohes Alter erreicht haben. Die nach Bayern führenden Leitungen wurden Anfang der 2000er Jahre teilweise demontiert.

Ansässige Unternehmen

Kelsterbach profitiert von und leidet gleichzeitig an der Nähe zum Frankfurter Flughafen, das Gewerbegebiet Kelsterbach-Süd grenzt direkt an den Flughafen an. Zahlreiche Logistik-Dienstleister haben hier Niederlassungen, unter anderem

  • Lufthansa Systems GmbH (IT-Dienstleister im Logistikbereich mit Unternehmenssitz in Kelsterbach) – inzwischen firmierend als IBM Deutschland Aviation Industry Services GmbH
  • Schenker Deutschland AG (Hauptsitz der Deutschen Landesgesellschaft der Schenker AG)
  • Hellmann Worldwide Logistics
  • Nippon Express (Deutschland) GmbH
  • FedEx
  • DSV

Auf dem 110 Hektar großen Mönchhof-Gelände, dem ehemaligen Raffinerie-Standort von Caltex am Mainufer, wird durch die Fraport AG ein neues Industrie- und Gewerbegebiet erschlossen, auf dem sich mittlerweile die ersten Unternehmen – überwiegend weniger personalintensive Logistikfirmen – angesiedelt haben. Insgesamt sollen hier bis zu 6.000 Arbeitsplätze entstehen.

Persönlichkeiten

In Kelsterbach geboren

  • Balthasar Helfmann (1848–1896), Bauunternehmer (Hochtief AG)
  • Philipp Helfmann (1843–1899), Bauunternehmer (Hochtief AG)
  • Ludwig Herpel (1887–1934), Wirtschaftswissenschaftler
  • Kai Hundertmarck (* 1969), Radsportler und Triathlet
  • Dieter Becker (* 1940), Politiker (SPD)
  • Gert Georg Wagner (* 1953), Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerPersönlichkeiten mit Bezug zu Kelsterbach
  • Bodo Maria (* 1943) Unternehmer, Sänger, Komponist und Liedertexter, lebte zeitweise in Kelsterbach
  • Dagmar LAY.D. (* 1962), Countrysängerin, wohnt in Kelsterbach

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