Stadt Großräschen
Seestr. 6
1983 Großräschen

http://www.grossraeschen.de

Großräschen

160pxAbb. 1 Wappen von Großräschen
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 115 m
PLZ 01983
Vorwahl 035753
Gliederung 5 Stadtteile und 7 Ortsteile
Website www.grossraeschen.de
Bürgermeister Thomas Zenker (SPD)

Großräschen () ist eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Niederlausitz.

Geografie

Die Stadt liegt in der Niederlausitz, einer Landschaft, die zum größten Teil im Süden von Brandenburg liegt. Großräschen ist 110 Kilometer südlich von Berlin, 64 Kilometer nördlich von Dresden, 30 Kilometer südwestlich von Cottbus sowie 123 Kilometer nordöstlich von Leipzig gelegen.

Großräschen liegt südlich der kiefernbestandenen Moränen des Niederlausitzer Landrückens, an dessen Übergang zur Elsterniederung und am Flüsschen Rainitza. Die Stadt befindet sich außerdem am Ufer des entstehenden Großräschener Sees (Flutungsbeginn: 15. März 2007), der ein Teil des Lausitzer Seenlandes ist.

Nachbargemeinden
Gliederung Name Grenze Landkreis
Gemeinde Bronkow N OSL
Gemeinde Altdöbern N OSL
Stadt Senftenberg O, S OSL
Gemeinde Schipkau S OSL
Gemeinde Sallgast W EE

Stadtgliederung

Zum eigentlichen Stadtgebiet zählen die Ortsteile Großräschen und Kleinräschen. Großräschen Süd (Bückgen) wurde wegen des Braunkohlebergbaus devastiert.

Stadtteile:

  • Großräschen Nord (Plattenbausiedlung, die teilweise rückgebaut wird, dazu gehören zum Beispiel: Wilhelm-Pieck-Straße, Dimitroffweg)
  • Großräschen Ost (früher Schmogro, Eingemeindung am 1. März 1946)
  • Großräschen Süd (früher Bückgen, Eingemeindung am 1. März 1946)
  • Kunze-Siedlung
  • Temposiedlung
  • Waldrand-Siedlung

Ortsteile mit anerkanntem Status (in Klammern die Eingemeindungsdaten):

  • Allmosen (Wołobuz; Eingemeindung am 31. Dezember 2001)
  • Barzig (Barce; Eingemeindung am 31. Dezember 2001)
  • Freienhufen (Dobry Wótšow; Eingemeindung am 30. Juni 1997)
  • Dörrwalde (Suchy Gózd; Eingemeindung am 1. Januar 1974)
  • Saalhausen (Załuž; Eingemeindung am 31. Dezember 2001)
  • Wormlage (Wormlag; Eingemeindung am 31. Dezember 2001)
  • Woschkow (Wóškow; Eingemeindung am 31. Dezember 1998)

In der Nähe des Ortsteils Freienhufen liegt die Wüstung Nossedil.

Geschichte

Großräschen wurde erstmals 1370 als Redschin magnum et parvum erwähnt, d. h. Groß- und Kleinräschen. Kleinräschen ist historisch der ältere Ortsteil, ein wendisches Angerdorf. Ernst Eichler und Hans Walther leiten den Namen von Rěčina, also in etwa „Ort am Bach“, ab. In den Jahren 1662, 1725 und 1781 gab es größere Ortsbrände. Bis zur Zusammenlegung beider Dörfer 1925 war Kleinräschen immer das größere der beiden Dörfer. Vor der Industrialisierung wurde in beiden Dörfern mehrheitlich Sorbisch gesprochen; in der Großräschener Kirche wurde der sorbische Gottesdienst 1868 eingestellt, zu einem Zeitpunkt, als noch etwa die Hälfte der Pfarrgemeinde sorbischsprachig war.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts begann der rapide Aufschwung des Braunkohlenbergbaus. Zu dieser Zeit wanderten viele Menschen aus Schlesien, Polen und Böhmen ein. Im Zuge der Industrialisierung wurde die sorbische Sprache und Kultur immer mehr verdrängt. Wegen der reichen Tonvorkommen in Verbindung mit der vorhandenen Kohle siedelte sich um 1900 ebenfalls die Ziegelindustrie an (vgl. Ilse Bergbau AG). Von 1954 bis 1990 erfolgte die Ausbildung der Ziegler für das gesamte Gebiet der DDR zentral in Großräschen. Anfang der 1990er Jahre wurde die letzte Ziegelei durch einen Brand zerstört und abgerissen.

Im Jahr 1965 erhielt das bis dahin größte Dorf der DDR die Stadtrechte. In den 1980er Jahren begann die Umsiedlung der Bevölkerung von Großräschen-Süd/Bückgen (größte bergbaubedingte Umsiedlung in der Geschichte der Lausitz). Für diese wurden im Norden der Stadt Neubauten in Großplattenbauweise errichtet.

Seit 1816 gehörte Großräschen zum Landkreis Calau in der preußischen Provinz Brandenburg, die 1947 zum Land Brandenburg wurde. Ab 1952 gehörte der Ort dann zum Kreis Senftenberg (bis 1990 im DDR-Bezirk Cottbus, 1990 bis 1993 im Land Brandenburg).

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 486
1890 1 192
1910 6 093
1925 6 779
1933 7 431
1939 7 268
1946 11 895
1950 11 900
1964 12 609
1971 13 633
Jahr Einwohner
1981 11 919
1985 11 753
1989 12 264
1990 12 527
1991 12 455
1992 12 450
1993 12 832
1994 12 731
1995 12 462
1996 12 219
Jahr Einwohner
1997 12 670
1998 12 404
1999 12 043
2000 11 687
2001 12 402
2002 12 049
2003 11 785
2004 11 537
2005 11 335
2006 11 148
Jahr Einwohner
2007 10 873
2008 10 697
2009 10 428
2010 10 262
2011 9 200
2012 9 010
2013 8 863
2014 8 785
2015 8 655

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung von Großräschen besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister als stimmberechtigtem Mitglied. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hatte bei einer Wahlbeteiligung von 44,7 % folgendes Ergebnis:

SPD Grüne Liga CDU Die Linke Einzelbewerber André Lehnick
Prozent 30,6 23,8 22,3 20,0 3,3
Sitze 5 4 4 4 1

Bürgermeister

Thomas Zenker (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl vom 29. November 2009 mit 93,9 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 35,3 %).

Wappen

Übernahme des Wappens des aufgelösten Amtes Großräschen anstelle des tradierten Stadtwappens. Das Wappen wurde am 12. April 2002 genehmigt.

Blasonierung: „Schräg gevierteilt von Rot und Silber; oben eine wachsende silberne Harke mit sieben Zinken; links ein aufrechter schwarzer Buchenzweig mit acht Blättern, rechts gekreuzte schwarze Schlägel und Eisen, unten drei zu einem Dreischenkel zusammengestellte silberne Hufeisen.“

Städtepartnerschaft

Großräschen unterhält seit 2006 eine Städtepartnerschaft mit dem polnischen Trzebiatów (Treptow).

Sehenswürdigkeiten und Kultur

In der Lokalpresse (Lausitzer Rundschau) wird Großräschen häufig auch als „IBA-Stadt“ bezeichnet. Dies deutet auf die Tatsache hin, dass die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land (IBA) seit 2000 ihren Sitz in der Stadt hat. Auf den 2004 errichteten IBA-Terrassen, dem Besucherzentrum der IBA, am Rand des entstehenden Großräschener Sees können Ausstellungen besucht werden, die den einmaligen und derzeitigen Wandel in der Region veranschaulichen. Außerdem sind geführte Touren durch die Bergbaufolgelandschaft buchbar, die den zukünftigen Grund des Großräschener Sees beinhalten. Die IBA-Terrassen (Architekt: Ferdinand Heide aus Frankfurt/Main) haben 2005 den Brandenburgischen Architekturpreis erhalten.

Bauwerke

In der Liste der Baudenkmale in Großräschen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.

  • Seehotel Großräschen
  • Evangelische Stadtkirche
  • Katholische Kirche St. Antonius mit Innenraumgestaltung von Friedrich Preß
  • Gemeindehaus Neu-Bückgen mit Einrichtungsgegenständen aus der abgetragenen Kirche in Bückgen
  • Kurmärker mit Wettigs Hof am Marktplatz
  • Denkmal mit den vier Berufen des Stadtwappens
  • Historische Dorfanlage Kleinräschen mit Senftenberger Vierseitenhöfen
  • Holländerwindmühle in Dörrwalde
  • Mittelalterliche Dorfkirche in Freienhufen
  • Anti-Kriegs-Denkmal von 1956 in Freienhufen am Ortsausgang in Richtung Großräschen mit Goethe-Zitat
  • Denkmal von 1968 für die Opfer des Faschismus an der „Allee der Steine“
  • Grabmale für 14 polnische und sowjetische Zwangsarbeiter auf dem Nordfriedhof, die vom Südfriedhof umgebettet wurden, weil dieser dem Tagebau weichen musste

Parks

In den letzten Jahren wurden zwischen einzelnen Wohnkomplexen des Neubaugebietes parkähnliche Grünanlagen (Grüne Mitte I u. II) angelegt. Im Ortsteil Wormlage gibt es eine ältere Parkanlage, einst zum Gut gehörend. In diesem Park befinden sich auch zwei versteckte Gräber.

Naturdenkmale

Von den künstlich aufgeschütteten Terrassen kann man momentan Einblick in den ehemaligen Tagebau Meuro nehmen. Am 15. März 2007 wurde der Startschuss zur Flutung des zukünftigen Großräschener Sees gegeben. Die Flutung ist voraussichtlich 2018 beendet.

Dort beginnt auch die „Allee der Steine“, ein mit Findlingen aus dem Bergbau gestaltetes Parkgelände der Internationalen Bauausstellung (kurz: IBA) „Fürst-Pückler-Land“.

Großräschener Orgelkonzerte

Seit 1991 gibt es in Großräschen eine internationale Orgelkonzertreihe. Das Hauptkonzertinstrument ist heute die Jehmlich-Orgel in der Katholischen Pfarrkirche St. Antonius. Sie wurde 1978 erbaut und ist in die Altarwand von Friedrich Press integriert. Der Orgelzyklus wird vom Großräschener Orgelkonzerte e. V. organisiert.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die historischen Wirtschaftszweige waren Landwirtschaft, Glasherstellung, Ziegelherstellung und Bergbau (in der DDR außerdem die Gleichrichterherstellung). Seit der Wende sind alle industriellen Zweige im Niedergang begriffen. Seitdem gab es kaum nennenswerte Neuansiedlungen. Heute sind auch Stahlverarbeitung und Abfallverwertung in der Stadt oder dem Umland angesiedelt. Der Wirtschaftsstandort ist einer von 15 Regionalen Wachstumskernen im Land Brandenburg. Dadurch werden ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert.

Verkehr

Die Bundesstraße 96 führt zwischen Finsterwalde und Senftenberg durch Großräschen. Die Anschlussstelle Großräschen der Bundesautobahn 13 Berlin–Dresden befindet sich zwischen den Ortsteilen Saalhausen und Freienhufen.

Die Stadt verfügt über einen Personenbahnhof an der Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 24 Eberswalde–Berlin–Senftenberg bedient.

Bildung

In Großräschen gibt es momentan zwei Grundschulen (Pestalozzi und GutsMuths) und eine Oberschule. Das Friedrich-Hoffmann-Gymnasium wurde 2007 geschlossen (Rückgang der Schülerzahlen). Es erfolgte ein Umbau zur Oberschule (ab August 2007). Im Juli 2008 wurde der Umbau des Schulhauptgebäudes abgeschlossen. Am 17. August 2008 erfolgte die feierliche Eröffnung der Friedrich-Hoffmann-Oberschule.

Die Handwerkskammer Cottbus betreibt seit 1995 den Lehrbauhof in Großräschen. Dort erfolgt für eine Vielzahl von Baugewerken die Aus- und Fortbildung (Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Straßenbauer, Fliesen-/Platten- und Mosaikleger, Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer, Stuckateure, Dachdecker, Trockenbauer, Bürokauffrauen/-männer).

Sport

Der größte Verein der Stadt ist der SV Großräschen e. V., ca. 570 Sportler/innen trainieren hier in zehn Abteilungen. Das Angebot reicht vom aktiven Sporttreiben bis hin zu sportlichen Freizeitangeboten. Die Abteilungen Fußball, Kegeln, Kraftsport, Tennis und Laufgruppe tragen Wettkämpfe auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene im Jugend-, Erwachsenen- und Seniorenbereich aus.

Dazu kommen noch Gymnastik, Handball, Tischtennis und Volleyball.

Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist das weit gefächerte Freizeitangebot für Kinder ab 5 Jahren und für Jugendliche. Auch eine Behindertensportgruppe ist in den Verein integriert. Trainiert wird auf der Sportanlage in der Chransdorfer Straße oder in Turnhallen im Stadtgebiet.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Herbert Scurla (1905–1981), Schriftsteller
  • Fritz Bönisch (1923–2007), Heimatforscher
  • Karl-Heinz Becker (* 1943), Fußballspieler
  • Bernhard Lehmann (* 1948), Bobfahrer
  • Uwe Jank (* 1950), Fußballspieler
  • Monika Balt (* 1951), Politikerin (parteilos), 1998–2002 Mitglied des Bundestages für die PDS
  • Hans-Joachim Hartnick (* 1955), Straßenradsportler, Gewinner der Friedensfahrt 1976, in Wormlage geboren

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Großräschen

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Deutschlandkarte
Stadtplan Großräschen