Vetschau/Spreewald

160pxAbb. 1 Wappen von Vetschau/Spreewald
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 60 m
PLZ 03226
Vorwahl 035433, 03541 (Gahlen), 035436 (Laasow, Ogrosen, Fleißdorf), 035752 (Koßwig, Missen, Tornitz), 035604 (Wüstenhain)
Gliederung 10 Ortsteile
Website www.vetschau.de
Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos)

Vetschau/Spreewald (bis 31. März 1997 Vetschau), , ist eine Kleinstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Bundeslandes Brandenburg.

Geografie

Vetschau liegt am Südrand des Spreewaldes ostsüdöstlich von Lübbenau und nördlich von Calau. Die nördlichen Ortsteile liegen unmittelbar im Biosphärenreservat Spreewald.

Stadtgliederung

Als Ortsteile der Stadt sind ausgewiesen:

  • Göritz (niedersorbisch Chórice)
  • Koßwig (Kósojce)
  • Laasow (Łaz)
  • Missen (Pšyne)
  • Naundorf (Njabožkojce)
  • Ogrosen (Hogrozna)
  • Raddusch (Raduš)
  • Repten (Herpna)
  • Stradow (Tšadow)
  • Suschow (Zušow)

Daneben existieren die bewohnten Gemeindeteile Belten (Běłośin), Fleißdorf (Długi), Gahlen (Gołyń), Lobendorf (Łoboźice), Märkischheide (Wusoka, bis 23. Oktober 1937 amtlich deutsch Weißagk), Tornitz (Tarnojsk) und Wüstenhain (Huštań) sowie die Wohnplätze Alte Windmühle (Stary wĕtšnik), Altstadt (Stare město), Brandtemühle (Brandtowy młyn), Briesen (Brjaze), Dubrau (Dubrawa), Göritzer Mühle (Chóricański młyn), Jehschen (Jažyn), Knorraue (Knorawa), Neustadt (Nowe město), Radduscher Buschmühle (Radušański młyn), Radduscher Kaupen (Radušańske kupy), Radduscher Ziegelei (Radušańska cyglownja), Stradow Ausbau (Tšadojske wutwarki), Stradower Mühle (Tšadojski młyn) und Suschower Ausbau (Zušojske wutwarki).

Geschichte

Urkundlich wurde Vetschau zuerst 1302 als Veczicz erwähnt. Der Ortsname änderte sich im Laufe der Zeit von Vetczaw im Jahr 1434 über Fetzow 1450 zu Fetczaw im Jahr 1480. 1527 wurde der Ort unter dem Namen Fetzscho erstmals als Städtlein bezeichnet, das formelle Stadtrecht erhielt Vetschau im Jahr 1543.Das Wappen für Rath und Gmaind des Marckhts Vetzschew wurde dem Ort am 17. März 1548 durch König Ferdinand I. in Augsburg ausgestellt. Die Urkunde war lange verschollen und wurde erst im Juli 2005 auf einem Dachboden in Vetschau wiederentdeckt.

Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die meisten Dörfer in der näheren Umgebung von Vetschau überwiegend sorbischsprachig. Der Sprachwechsel zum Deutschen erfolgte hier – beschleunigt durch die Abschaffung sorbischer Gottesdienste und die Durchsetzung des Deutschen in den Schulen – im Wesentlichen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

In den Jahren 1929 bis 1932 fanden hier jeweils Anfang August die Spreewälder Volks- und Trachtenfeste statt. Organisiert wurden sie vom damaligen Bürgermeister Otto Rohde und der niedersorbischen wissenschaftlichen Gesellschaft Maśica Serbska in Cottbus.

Vetschau war von 1964 bis 1996 Standort eines der größten Braunkohlekraftwerke der Region, des Kraftwerks Vetschau. Die Schornsteine des Kraftwerks waren Wahrzeichen der Stadt, sorgten aber auch für eine erhebliche Schwefeldioxidbelastung.

Vetschau gehörte 1952–1993 zum Kreis Calau (bis 1990 im DDR-Bezirk Cottbus 1990–1993 im Land Brandenburg).

;EingemeindungenMärkischheide wurde 1959 eingemeindet. Ende 2001 wurden vier, Ende 2002 zwei und im Oktober 2003 weitere vier ehemalige Gemeinden eingegliedert.

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Briesen 1. Januar 1926 Eingemeindung nach Tornitz
Dubrau 1. Oktober 1966 Eingemeindung nach Koßwig
Fleißdorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Naundorf
Gahlen 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Missen
Göritz 31. Dezember 2001
Jehschen 1. Januar 1928 Eingemeindung nach Missen
Koßwig 26. Oktober 2003
Laasow 26. Oktober 2003
Märkischheide 1. April 1959
Missen 26. Oktober 2003
Naundorf 31. Dezember 2001
Ogrosen 31. Dezember 2002
Raddusch 26. Oktober 2003
Repten 31. Dezember 2001
Schönebegk 1. Januar 1928
Stradow 31. Dezember 2001
Suschow 31. Dezember 2002
Tornitz 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Laasow
Wüstenhain 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Laasow

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 2 452
1890 3 142
1910 2 699
1925 2 471
1933 2 908
1939 2 990
1946 4 064
1950 4 047
Jahr Einwohner
1964 7 494
1971 9 233
1981 9 628
1985 9 415
1989 9 258
1990 9 063
1991 8 574
1992 8 446
1993 8 352
1994 8 224
Jahr Einwohner
1995 8 203
1996 7 977
1997 7 824
1998 7 739
1999 7 548
2000 7 338
2001 7 978
2002 8 320
2003 10 025
2004 9 778
Jahr Einwohner
2005 9 616
2006 9 384
2007 9 208
2008 9 036
2009 8 903
2010 8 770
2011 8 702
2012 8 541
2013 8 491
2014 8 421
Jahr Einwohner
2015 8 307
2016 8 297
2017 8 182

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung von Vetschau besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:

  • CDU: 5 Sitze
  • SPD: 5 Sitze
  • Wählergemeinschaft Ortsteile: 3 Sitze
  • Die Linke: 3 Sitze
  • Grüne: 2 Sitze

Bürgermeister

  • 1994–2010: Axel Müller (SPD)
  • seit 2010: Bengt Kanzler

Kanzler wurde am 29. November 2009 mit 53,8 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister Vetschaus gewählt. Er wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 8. Oktober 2017 mit 51,7 % der gültigen Stimmen für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.

Wappen

Das Wappen wurde am 3. Mai 1993 genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Rot ein aufgerichteter, nach links gewendeter silberner Windhund mit goldenem Halsband, hinten blau-silbern geschacht.“

Flagge

Die Flagge besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus zwei Längsstreifen in den Farben Weiß – Rot, auf die das Stadtwappen auf der Nahtstelle aufgelegt ist.

Städtepartnerschaft

Bedburg (Nordrhein-Westfalen) ist Partnerstadt von Vetschau.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Das Storchenzentrum Vetschau bietet Ausstellungen zum Weißstorch und Informationen zum Biosphärenreservat Spreewald.

;BauwerkeVetschau verfügt über eine zum Teil noch gut erhaltene historische Bausubstanz. Diverse Gebäude sind in der Denkmalliste eingetragen.

  • Schloss Vetschau, um 1540 entstanden, heute Sitz der Stadtverwaltung
  • Wendisch-Deutsche Doppelkirche aus dem 17. Jahrhundert
  • Fachwerkhaus in der Schlossstraße 8, ältestes Wohnhaus der Stadt, um 1710 entstanden, bemalter Längsbalken mit historischem Segensspruch
  • Ratskeller am Markt 5, um 1890 entstanden
  • Katholische Heilige-Familie-Kirche vom Ende des 19. Jahrhunderts, Ernst-Thälmann-Straße
  • Gedenkstein zur Erinnerung an die 1928 erfolgte Eingemeindung des Dorfes Schönebegk nach Vetschau, 2008 in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße aufgestellt
  • Slawenburg Raddusch, originalgetreuer Nachbau einer Slawenburg im Ortsteil Raddusch

Die Bodendenkmale sind in der Liste der Bodendenkmale in Vetschau/Spreewald aufgeführt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen

Die Schälmühle am nördlichen Ortseingang, zusammen mit der Spreewaldmühle in Burg Eigentum der Familie Kümmel, ist ein modernes Wahrzeichen der Stadt. Außerdem Standort des Stahlbauunternehmens TransTec F&E Vetschau GmbH, ein Zulieferer von Drehgestellen für Schienenfahrzeuge. Hervorgegangen am Produktionsstandort aus der Fahrzeug- und Gerätebau GmbH (FAGEB) und der späteren VEB Waggonausrüstungen Vetschau. Im südlich gelegenen Ortsteil Tornitz befindet sich die Bolart Schweineproduktionsanlagen GmbH.

Verkehr

Vetschau liegt an der Landesstraße L 54 zwischen Calau und Burg (Spreewald). Die A 15 mit der Anschlussstelle Vetschau durchquert das Stadtgebiet.

Der Haltepunkt Raddusch und der Bahnhof Vetschau an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz werden von der Regional-Express-Linie RE 2 Wismar–Berlin–Cottbus bedient.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Ferdinand Griebenow (1848–1910), Unternehmer, am 15. Juli 1898 zum Ehrenbürger ernannt
  • Selma Griebenow geborene Blütchen (1851–1942), Stifterin, am 15. Juli 1898 zur Ehrenbürgerin ernannt
  • Richard Hellmann (1876–1971), Unternehmer, am 3. Mai 1929 zum Ehrenbürger ernannt
  • Peter Ettelt (1966–2009), Musiker, am 10. Dezember 2009 zum Ehrenbürger ernannt

Söhne und Töchter der Stadt

  • Simon Musaeus (1521–1576), Theologe
  • Johannes Bock (1569–1621), Dichter
  • Alexander von Rabenau (1845–1923), Heimatforscher
  • Max Pannwitz (1854–1921), Schriftsteller und Übersetzer
  • Richard Hellmann (1876–1971), deutsch-amerikanischer Unternehmer
  • Wilhelm Schieber (1887–1974), Maler, geboren im Ortsteil Weißagk (Wusoka), ab 1937 Märkischheide
  • Hans Stiebner (1898–1958), Schauspieler und Theaterregisseur
  • Wilfried Terno (* 1946), 2001–2011 Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof
  • Martin Neumann (* 1956), Politiker (FDP), Bundestagsabgeordneter
  • Harry Kaulfers (* 1959), Fußballspieler
  • Birgit Uibel-Sonntag (1961–2010), Hürdenläuferin, anerkanntes DDR-Doping-Opfer, geboren im Gemeindeteil Belten
  • Anja Pohontsch (* 1970), sorbische Radio- und Fernsehmoderatorin (siehe Łužyca)
  • Christian Rohde (* 1974), Fernsehjournalist, Redakteur für das politische Magazin Frontal21
  • Richard Banusch (* 1998), Radrennfahrer

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Vetschau/Spreewald

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