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Calbe
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Stadtverwaltung Calbe (Saale)
Markt 18
39240 Calbe

http://www.calbe.de

Calbe (Saale)

160pxAbb. 1 Wappen von Calbe (Saale)
Basisdaten
Bundesland Sachsen-Anhalt
Höhe 60 m
Fläche 56.62 km2
PLZ 39240
Vorwahl 039291
Gliederung Kernstadt und 2 Ortsteile
Website www.calbe.de
Bürgermeister Sven Hause (freier Bürgermeister)

Calbe (Saale) ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geographie

Calbe liegt am Rande eines Endmoränenzugs am linken Ufer der Saale, die bis Calbe für Europaschiffe ausgebaut ist. Die Stadt liegt nahe dem geographischen Mittelpunkt Sachsen-Anhalts, der sich im 5 km entfernten Ort Tornitz befindet.

Calbe (Saale) ist von einer Reihe geschützter Biotope umgeben: im Norden liegen die schilfbestandenen Gribehner Teiche, östlich die Niederungen des Saalebogens und im Westen die Endmoränenhügel des bewaldeten Wartenberges.

Stadtgliederung

Zu Calbe (Saale) gehören die Ortsteile

  • Schwarz
  • Trabitz

Geschichte

Die Stadt Calbe (Saale) wurde laut einer Urkunde des Königs Otto I. vom 13. September 936 unter dem Namen Calvo erstmals erwähnt. Man geht heute aber davon aus, dass Calbe älter ist: eine Ansiedlung gab es vermutlich schon im 8. oder zu Beginn des 9. Jahrhunderts. Als Kristallisationspunkt der Marktsiedlung gilt der ottonische, vielleicht sogar karolingische Königshof (curtis regia) bzw. die Burganlage.

Aufgrund der guten Verkehrslage im östlichen Teil des damaligen Deutschlands als Ausgangspunkt für den Handel mit den kolonisierten slawischen Gebieten bekam Calbe um 1160 das Marktrecht verliehen. Von der Existenz einer Ratsverfassung darf im Spätmittelalter ausgegangen werden. Von 968 bis 1680 gehörte Calbe zum Erzbistum Magdeburg; die Magdeburger Erzbischöfe hatten dort ihren Sommer- und Zweitsitz. Die Rechtsprechung des Calber Schöffengerichts im 14. Jahrhundert (fast ausschließlich das Privatrecht betreffend) ist im so genannten Wetebuch von Calbe auch heute noch greifbar. An den Erzbischof von Magdeburg Albrecht IV. schickte Martin Luther 1517 und 1520 Briefe mit der Erläuterung seiner 95 Thesen.

1634 wurde in Calbe die Hospital-Schwester Ursula Wurm als Hexe verbrannt. Seit der Zeit der Hexenverfolgungen wird der Wach- und Gefängnisturm hinter dem Rathaus der Hexenturm genannt.

1680 wurde Calbe als sogenannte Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im Holzkreis. In der Folge erlebte die Stadt als Tuch-Manufaktur-, später als Tuch-Industrie-Zentrum eine zweite wirtschaftliche, politische und kulturelle Blütezeit. Von 1816 bis 1950 war Calbe Kreisstadt und Verwaltungssitz des preußischen Kreises Calbe a./S. Das Ende des Aufschwunges kam mit dem Ersten Weltkrieg.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte bei Kampfhandlungen das Schloss Calbe aus, die Ruinen wurden 1951 beseitigt.

Eine dritte, nur wenige Jahre anhaltende wirtschaftliche und soziale Blüte brachte die Zeit Calbes als DDR-Industriestadt: 1950 entstand in Calbe das erste und einzige Niederschachtofenwerk der Welt. Der Betrieb wurde aber bereits 1968 wegen Unrentabilität eingestellt.

Politik

Stadtrat

Der Rat besteht entsprechend der Gemeindeordnung aus 20 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister. Er wird auf die Dauer von fünf Jahren gewählt.

  • CDU: 7 Sitze
  • Die Linke: 2 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
  • FDP: 1 Sitze
  • Wählergruppen: 8 Sitze

(Kommunalwahl am 25. Mai 2014)

Wappen

Blasonierung: „In Blau eine silberne Burg mit gezinnter, schwarz gefugter Mauer und zwei durch einen Wehrgang verbundenen spitzbedachten und beknauften Türmen mit je einer schwarzen Rundbogenfensteröffnung; der Wehrgang mit an den Giebeln beknauften Walmdach, in der Mitte bekrönt mit einem beknauften Türmchen (Laterne) mit drei schwarzen Rundbogenfensteröffnungen. Zwischen den Türmen in Gold ein auf den Mauerzinnen stehendes, hersehendes rotes Kalb mit schwarzen Hufen.“

Städtepartnerschaft

Burgdorf (Region Hannover) ist seit 1990 Partnerstadt von Calbe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Schleuse Calbe
  • Rathaus Calbe mit Rolandstatue (Calbe)
  • Bismarckturm (Calbe)
  • Der Hexenturm war ein Wachturm der früheren Stadtbefestigung, deren Überreste noch erkennbar sind. Er diente als Ratsarchiv und Gefängnis für Schwerverbrecher. Heute wird er als Stadtarchiv verwendet und beherbergt neben Dokumenten aus der Stadtgeschichte auch Schriften von Johann Heinrich Hävecker und Friedrich Schiller.
  • Der Blaue Turm, ursprünglich mit blauem Schiefer gedeckt, gehörte ebenfalls einst zur Befestigung der Stadt. In seiner jetzigen Form wurde er im 19. Jahrhundert im Garten der Landratswohnung wieder aufgebaut.
  • Steinkreuz in der Nienburger Straße
  • Die Papierfabrik östlich hinter den Häusern des Marktplatzes am Wehr

Die Kulturdenkmale der Stadt sind im örtlichen Denkmalverzeichnis verzeichnet.

Gedenken

  • Bismarckturm auf dem Wartenberg bei Calbe, errichtet in dankbarer Erinnerung an den Einiger des Deutschen Reiches und Reichskanzler Otto von Bismarck. Der Turm wurde am 22. März 1904, am Geburtstag Kaiser Wilhelms I., feierlich eingeweiht.
  • Kriegerdenkmal zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Calbener mit einer umgebenden, halbrunden Pergola, am 24. Juni 1929 im Beisein zahlreicher Krieger- und Veteranenvereine enthüllt. Über die Feierlichkeiten berichtete die Magdeburgische Zeitung ausführlich in ihrer Ausgabe vom 25. Juni 1929.
    In neuerer Zeit erfuhr das Denkmal auch eine Nachwidmung für die Gefallenen und Opfer des Zweiten Weltkrieges.
  • Gedenkwand am Eingang des Städtischen Friedhofs für 24 Frauen, Männer und ein Kleinkind aus verschiedenen Nationen, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden, sowie Gedenkwand für die deutschen Opfer des Faschismus und nach 1945 verstorbene Antifaschisten
  • Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteiles Trabitz für einen unbekannten Polen, der während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und ein Opfer von Zwangsarbeit wurde
  • Gedenkstein am stillgelegten Karl-Schröter-Schacht auf dem Hof der Agrargenossenschaft zur Erinnerung an den Bergmann und kommunistischen Stadtverordneten Karl Schröter, der an den Folgen der erlittenen Zuchthaushaft 1940 verstorben ist

Kirchen

  • Evangelische St.-Stephani-Kirche
  • Evangelische St.-Laurentii-Kirche
  • Katholische Pfarrkirche St. Norbert
  • Neuapostolische Heilig-Geist-Kirche

Sport

  • TSG Calbe

Wirtschaft und Infrastruktur

Auf Grund des sehr guten Ackerbodens wurde in Calbe schon immer Landwirtschaft betrieben. 1591 wurde der Zwiebelanbau erstmals erwähnt, der auch heute noch betrieben wird. Dies brachte der Stadt den Spitznamen Bollencalbe (Bolle = Zwiebel) ein. Weiterhin wurde zu damaliger Zeit Weidehaltung von Schafen betrieben. Die gewonnene Wolle legte den Grundstein für ein florierendes Tuchmachergewerbe, das später unter Anderem die preußische Armee belieferte.

Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelten oder gründeten sich unter anderem: Ziegeleien, Braunkohlegruben, Tuchfabriken, die Seifenfabrik Rudolf Imroth und die Papierfabrik Brückner. Die metallverarbeitende Industrie ist nach der Landwirtschaft der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor der Stadt.

Bei Calbe befindet sich das leistungsstärkste deutsche Pflanzenölkraftwerk, mit 10 Megawatt Leistung.

Niederschachtofenwerk

  • siehe:Niederschachtofenwerk Calbe (Saale)

Einen industriellen Aufschwung erlangte Calbe mit der Inbetriebnahme des ersten Niederschachtofenwerkes der Welt 1951. So genannte Armerze (Siderit und Hämatit) aus den Harz-Gruben Büchenberg und Braunesumpf kamen hier zur Verhüttung.

Verkehr

Eisenbahnverkehr

Calbe verfügt über den Bahnhof Calbe (Saale) Ost an der zweigleisigen, elektrifizierten Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig. Dort zweigt auch die eingleisige Verbindung der Bahnstrecke Bernburg–Calbe (Saale) nach Bernburg über die Haltepunkte Calbe (Saale) Stadt und Calbe (Saale) West ab. Diese Haltepunkte liegen auch an der seit 2005 teilweise stillgelegten Strecke Bahnstrecke Berlin–Blankenheim.

Straßenverkehr

Calbe liegt direkt an der L 65, die von Magdeburg nach Bernburg führt.

Schifffahrt

Calbe liegt am schiffbaren Teil der Saale (bis Klasse IV). Bei Gottesgnaden liegt eine Schleuse.

Bildung

Überregionale Schlagzeilen machte die Stadt Calbe, als sie die 1911 gegründete Stadtbibliothek, die auf der Roten Liste Kultur stand, Ende 2012 schloss.

Schulen

  • Friedrich-Schiller-Gymnasium (offenes Ganztags-Gymnasium)
  • Heinrich-Heine-Schule
  • Herder-Schule (Real-, Sekundar- und Hauptschule)
  • Gotthold-Ephraim-Lessing-Schule (Grundschule)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Nach Geburtsjahr
  • Anna Margareta Wrangel Gräfin von Salmis (1622–1672), Ehefrau des schwedischen Heerführers und Staatsmanns Carl Gustav Wrangel
  • Friedrich August Scheele (1776–1852), Superintendent und Oberpfarrer
  • Bernhard Grobe (1819–1891), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Ernst Hundt der Ältere (1832–1906), Pfarrer
  • Max Maercker (1842–1901), Agrikulturchemiker
  • Gustav Hertel (1847–1903), Historiker
  • Carl Miller (1860–1930), Kommunalpolitiker in Magdeburg
  • Willy Wolterstorff (1864–1943), Geologe, Konservator und Herpetologe
  • Hermann Krukenberg (1863–1935), Arzt
  • Ernst Hundt der Jüngere (1877–1945), Kirchenjurist
  • Constantin von Dietze (1891–1973), Agrarwissenschaftler und Theologe
  • Max Sidow (1897–1965), Schriftsteller
  • Werner Trenkner (1902–1981), Komponist und Dirigent
  • Werner Aßmann (1924–1993), Handballspieler
  • Wilfried Ortmann (1924–1994), Schauspieler
  • Joachim Garz (1930–2016), Agrarwissenschaftler
  • Hermann Bley (1936–2011), Fußballspieler
  • Christina Berger (* 1946), Professorin für Werkstoffkunde an der Technischen Universität Darmstadt
  • Norbert Neubecker (* 1949), Jurist
  • Steffen Kammler (* 1965, Dirigent)
  • Mark Zabel (* 1973), Kanute

Persönlichkeiten, die mit Calbe in Verbindung stehen

  • Till Eulenspiegel, Gaukler
  • Johann Heinrich Hävecker, Theologe
  • Johann Friedrich August Kinderling, Philologe
  • Wilhelm Loewe (1814–1886), Politiker, Parlamentspräsident des Rumpfparlaments
  • Jacob Lüdecke (1625–1696), Jurist und Amtmann, Bürgermeister von Calbe
  • Marie Nathusius, Erzählerin
  • Friedrich August Scheele, Superintendent und Oberpfarrer
  • Christian Scriver, Theologe
  • Markus Scheibel, Fußballschiedsrichter
  • Hugo Sholto Oskar Georg von Douglas, Unternehmer
  • Bernhard von Beauvryé, Erbauer des Palais Beauvryé in Berlin, preußischer General, 1747 Amtshauptmann von Calbe
  • Martin Patzelt, langjähriger Heimleiter im St.Elisabeth-Heim, CDU-Bundestagsabgeordneter und Beauftragter zur geschichtlichen Aufarbeitung ehemaliger DDR-Kinderheime im deutschen Bundestag

Trivia

  • Ein Marskrater mit einem Durchmesser von 13,3 km wurde nach der Stadt Calbe benannt.
  • Die Stadt Kalbe (Milde) im Norden Sachsen-Anhalts wurde bis 1952 ebenfalls Calbe geschrieben. Die Schreibweise wurde geändert, um Verwechslungen mit Calbe (Saale) zu vermeiden.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Calbe (Saale)

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