Informationen
Strassen
Einrichtungen
Rathenow
Navigation
Stadtverwaltung
Rathenow
Berliner Str. 15
14712 Rathenow

http://www.rathenow.de

Rathenow

160pxAbb. 1 Wappen von Rathenow
Basisdaten
Bundesland Brandenburg
Höhe 29 m
Fläche 113.10 km2
PLZ 14712
Vorwahl 03385
Gliederung 6 Ortsteile
Adresse der Verwaltung Berliner Str. 15
14712 Rathenow
Website www.rathenow.de
Bürgermeister Ronald Seeger (CDU)
Rathenow {{IPA|ˈʁaːtənoː}} ist eine amtsfreie Stadt an der Havel, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und Verwaltungssitz des Landkreises Havelland in Brandenburg. Das heutige Stadtgebiet ist identisch mit dem von 1992 bis 2001 existierenden Amt Rathenow. Seit dem 13. Mai 2013 führt die Stadt offiziell, auch auf den Ortseingangsschildern, die Zusatzbezeichnung „Stadt der Optik“.

Geographie

Ortsteile

Laut Hauptsatzung sind als Ortsteile ausgewiesen:

  • Böhne
  • Göttlin
  • Grütz
  • Semlin
  • Steckelsdorf

Wohnplätze

  • Albertsheim
  • Böhnsche Schäferei
  • Bölkershof
  • Heidefeld
  • Heidekrug
  • Hilgenfeldshof
  • Lötze
  • Ludwigshof
  • Ludwigslust
  • Möthlowshof
  • Neu Friedrichsdorf
  • Semlin Ausbau
  • Steckelsdorf Ausbau
  • Vogelgesang
  • Wilhelminenhof
  • Wolzensee

Innerhalb des Stadtgebiets Rathenow bestehen die Stadtteile bzw. Ortslagen Altstadt, Rathenow West (ehem. Neue Schleuse), Rathenow Ost, Nordsiedlung, Waldsiedlung, Südsiedlung und Stadtrandsiedlung.

Eingemeindungen

  • 1. März 1948: Gemeinde Neu Friedrichsdorf
  • 1. Juli 1950: Gemeinde Neue Schleuse
  • 31. Dezember 2001: Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf

Klima

In der Stadt Rathenow herrscht gemäßigtes Klima. Dieses wird von Osten vom Kontinentalklima und vom Westen vom atlantischen Seeklima beeinflusst. Die deutlichen Niederschläge verteilen sich über das ganze Jahr. Ausgesprochene Trockenmonate gibt es nicht. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag für Havelsee liegt bei 536 mm. Trockenster Monat ist der Februar mit einer Niederschlagsmenge von 31 mm, wohingegen der meiste Niederschlag im Juni mit durchschnittlich 63 mm fällt.Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9 °C. Der statistisch wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen 18,2 °C. Der Monat Januar, als kältester Monat im Jahr, weist eine Durchschnittstemperatur -0,2 °C auf.

Geschichte

Siedlungsanfänge und Entwicklung bis in das späte Mittelalter

Schon in früher Vorzeit wurde die Gegend um Rathenow besiedelt. Im Jahr 1157 wurde auf dem Gebiet der heutigen Steckelsdorfer Gemarkung ein Burgwall erwähnt, der als Ursprung der Stadt gilt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als „Ratenowe“ datiert auf den 28. Dezember 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. 1220 entsteht eine spätromanische Kreuzbasilika als Vorgängerbau der heutigen Sankt-Marien-Andreas-Kirche auf dem Kirchberg. 1288 erhält der Ort die Gerichtsbarkeit. Im Jahre 1295 verlieh Markgraf Otto IV. Rathenow das Stadtrecht. 1517 bis 1562 erfolgte der Umbau der Kirche zu einer spätgotischen Hallenkirche. 1564 erfolgt der Bau des 1945 zerstörten Rathauses.Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Im Jahr 1648 wohnten nur noch 40 Menschen in der Stadt.

Die Stadt vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart

Nach dem Schwedeneinfall 1674/75 fand während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges am 25. Juni 1675 die Schlacht von Rathenow statt, die die brandenburgischen Truppen gewannen. In der Schlacht bei Fehrbellin erhielten die Schweden drei Tage später die kriegsentscheidende Niederlage.

Rathenow wird als Wiege der industriellen Optik in Deutschland bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker entwickelte in Rathenow die erste Vielspindelschleifmaschine zur rationellen Herstellung von Brillengläsern und begründete dort 1801 die optische Industrie.Bekannt war auch die Ziegelindustrie; ein Großteil der Ziegel für die Bauten von Schloss Sanssouci, des Holländischen Viertels in Potsdam und des Roten Rathauses in Berlin stammen aus Rathenower Produktion.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat im Jahr 1816 war Rathenow Verwaltungssitz des Kreises Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam in der preußischen Provinz Brandenburg.

Von 1889 bis 1891 wurde die Zietenhusarenkaserne errichtet (einfach gegliederte Ziegelbauten).

Am 1. Juni 1925 schied die Stadtgemeinde Rathenow aus dem Landkreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis, der als Exklave mitten im Kreisgebiet lag.

In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Kaserne der Zietenhusaren eine Reitschule der Polizei untergebracht. Das Bethaus der Jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet und später von der NSV in ein Kinderheim umgewandelt. Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Pestalozzischule für Lernbehinderte. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten an der Milower Landstraße ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem mindestens 1000 Männer (nach anderen Angaben auch Frauen) Zwangsarbeit in den Arado-Flugzeugwerken verrichten mussten. Außerdem wurden in 33 Rathenower Lagern mindestens 4975 Zwangsarbeiter und in 12 Westhavelländer Lagern mindestens 2070 Zwangsdeportierte ausgebeutet (Stand 1943/44). Die Emil Busch AG betrieb sechs eigene Lager mit mindestens 1600 Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern (1943/44). Alle Lager waren den Betrieben zugeordnet. Im Arbeitskommando des Kriegsgefangenenlagers STALAG IIIA (Lange Pannen) waren mehr als 166 Gefangene zur Zwangsarbeit konzentriert. Am 18. April 1944 wurde ein Teil Rathenows durch einen US-amerikanischen Bomberverband zerstört. Dieser war ursprünglich zum Ziel Berlin unterwegs, dort aber durch heftiges Flakfeuer zum Umdrehen gezwungen und lud dann einen Teil der Fracht über der ersten sich bietenden Stadt ab. Dabei entstand der größte Brand in der Tischlerei Blöbaum, über deren Gelände zwei Sprengbomben und dutzende von Brandbomben niedergingen.

Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 zerschossen die anrückenden sowjetischen Truppen mehr als 75 Prozent der Stadt. Sie wurde von einigen versprengten deutschen Truppen unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Keitel verteidigt.

Mit der Verwaltungsreform in der DDR 1952 wurde die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Rathenow.

Am 17. Juni 1953 entstanden im Zusammenhang mit dem Volksaufstand auch in Rathenow heftige Proteste. Dabei wurde der Betriebsschutzleiter des HO-Geschäfts und SED-Mitglied Wilhelm Hagedorn von aufgebrachten Demonstranten gelyncht.

Während der DDR-Zeit arbeiteten im VEB Rathenower Optische Werke (ROW) mehrere tausend Menschen. Ein Großteil der Länder des RGW wurde von hier aus mit Brillen und optischen Geräten beliefert. Mit der deutschen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Jahr 1990 brachen diese Märkte schlagartig weg.

Im Zuge der Ämterbildung im neu gegründeten Bundesland Brandenburg erteilte der Minister des Innern der Bildung des Amtes Rathenow am 30. Juni 1992 seine Zustimmung. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 3. Juli 1992 festgelegt. Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Rathenow und bestand aus fünf Gemeinden (Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin, Steckelsdorf) und der Stadt Rathenow des damaligen Kreises Rathenow.

Am 6. Dezember 1993 wurde Rathenow im Rahmen der Kreisreform Kreisstadt des Landkreises Havelland.

Die oben genannten fünf Gemeinden wurden mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 in die Stadt Rathenow eingegliedert und das Amt Rathenow zur gleichen Zeit.

Basierend auf den in der Stadt vorhandenen qualifizierten Fachkräften auf dem Gebiet der optischen Industrie eröffnete der Optikkonzern Fielmann im Jahr 2002 ein neues Produktions- und Logistikzentrum mit 600 Beschäftigten in der Stadt.

2015 wurde Rathenow als "Kommune des Jahres" im Land Brandenburg vom Sparkassenverband OSV für die positive Stadtentwicklung in den letzten Jahren geehrt.

Trotzdem ist die Stadt geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung jüngerer Einwohner. Ein Großteil der Gebäude im Plattenbaugebiet Rathenow Ost – darunter mehr als eintausend Wohneinheiten – wurde bereits abgerissen.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1540 2.500
1648 40
1740 3.820
1875 9.949
1890 16.353
1910 24.891
1925 27.566
1933 28.043
1939 32.124
1946 27.566
Jahr Einwohner
1950 29.353
1964 28.961
1971 29.836
1981 32.126
1985 31.500
1989 30.935
1990 30.175
1991 29.221
1992 29.209
1993 28.953
Jahr Einwohner
1994 28.800
1995 28.625
1996 28.339
1997 28.099
1998 27.653
1999 27.161
2000 26.639
2001 28.476
2002 28.000
2003 27.558
Jahr Einwohner
2004 27.230
2005 26.973
2006 26.640
2007 26.265
2008 25.791
2009 25.515
2010 25.301
2011 24.348
2012 24.253
2013 24.164
Jahr Einwohner
2014 24.127
2015 24.387

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung Rathenow setzt sich aus 28 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister zusammen. Seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 und den Veränderungen Anfang 2016 verteilen sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Parteien bzw. Gruppierungen:

  • CDU: 10 Sitze
  • LINKE: 7 Sitze
  • SPD: 6 Sitze
  • FDP: 2 Sitze
  • NPD: 1 Sitz
  • Wählergemeinschaft Pro Rathenow: 1 Sitz
  • Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz

Bürgermeister

  • 1994–2002: Hans-Jürgen Lünser
  • seit 2002: Ronald Seeger (CDU)

Ronald Seeger wurde in der Bürgermeisterwahl vom 28. Februar 2010 mit 73,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 51,0 %).

Wappen und Siegel

Das Wappen bzw. Siegel der Stadt wurde bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts dreimal geändert. Das erste bekannte Siegel stammt von 1347:
Blasonierung: „Geharnischter Mann (Mgf.) mit Speer hinter Mauer, welcher Schild mit Adler in linker Hand trägt.“

Um 1400 tauchte dann ein verändertes Siegel auf. Wohl durch die Zeit, in der die Herrschaft schwach war, verschwand er auch aus dem Siegel:
Blasonierung: „Engel der Adlerschild hält, neben dem eine Weintraube, ein Eichen- oder Kieferzweig liegen.“

Das aktuelle Wappen wurde am 18. März 1993 genehmigt, aber schon 1939 eingeführt:
Blasonierung: „In Silber ein rotbezungter goldbewehrter befiederter roter Adlerkopf, seitlich und unten von drei sechsstrahligen blauen Sternen begleitet.“

Flagge

Die Stadtflagge ist weiß und enthält einen Adlerkopf. Die Sterne sind mastseitig verschoben, sodass ihre Mittelachse auf 2/5 der Flaggenlänge liegt.

Städtepartnerschaften

Partnerstädte der Stadt sind:

  • (Flatow) in Polen und
  • in Schleswig-Holstein

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Rathenow war 2015 einer der Schauplätze der ersten dezentral ausgerichteten Bundesgartenschau (BUGA 2015). Die BUGA 2015 wurde zwischen dem 18. April und dem 11. Oktober 2015 gemeinsam in den Orten Brandenburg an der Havel, Rathenow, Premnitz, Stölln und Havelberg veranstaltet und dabei von ca. 1,05 Millionen Gästen besucht.

Vom 22. April 2006 bis 15. Oktober 2006 fand in Rathenow die Landesgartenschau des Landes Brandenburg unter dem Motto Den Farben auf der Spur statt, die knapp 500.000 Gäste besuchten. Dazu wurden umfangreiche Baumaßnahmen sowohl auf dem Weinberg als auch dem Schwedendammgelände durchgeführt. So wurde eine stark verfallene Mühle komplett umgebaut. Sie diente vor und während der Gartenschau der LAGA GmbH als Geschäftsstelle und beherbergt ein „grünes“ Klassenzimmer. Nach der Landesgartenschau zog die Musikschule Rathenow – nach kurzen Umbaumaßnahmen – in die Räumlichkeiten ein. Auf dem Gelände der Rathenower Landesgartenschau eröffnete am 28. April 2007 der Optikpark Rathenow

In den nächsten Jahrzehnten soll die Untere Havel renaturiert werden und der Fluss seine natürliche Gestalt wiedererlangen. Dadurch wird der Verlauf kurviger und die Auen weiter, was dem Hochwasser-Risiko entgegenwirkt.

Das Kulturzentrum Rathenow (Theater, Optikindustriemuseum, Kunstausstellungen und Restaurant) befindet sich im Zentrum der Stadt.

Das Rolfsche Fernrohr ist ein weltweit einzigartiges Brachymedial-Fernrohr. Erbaut wurde es von Ingenieur Edwin Rolf in den Jahren 1949 bis 1953 und stand bis 1994 auf seinem Privatgrundstück. Das Fernrohr ist ein technisches Denkmal, wurde von 1994 bis 1996 vollständig saniert und auf das Gelände der Bruno-H.-Bürgel-Schule umgesetzt. Es befindet sich seit dem 6. Dezember 2008 im Optikpark.

Im Südosten der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Wolzensee. Das Naturschutzgebiet Untere Havel Süd erstreckt sich über eine Fläche von 3933 Hektar die Untere Havel von Rathenow bis Havelsee.

Bauwerke

Seit der Bundesgartenschau 2015 ist Rathenow um ein Wahrzeichen reicher: Die Weinbergbrücke, die rund 10 Millionen Euro gekostet hat, überspannt mit ihren zwei charakteristischen Bögen in elegantem Schwung nicht nur die Havel, sondern auch Hellers Loch, ein durch einen Havel-Altarm gespeistes Gewässer.

In der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, die in den 2010er Jahren restauriert wurden. Ansonsten prägen Bauten aus der Nachkriegszeit die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung.

Am Friedrich-Ebert-Ring befindet sich eine ausgedehnte Wohnanlage aus dreigeschossigen Zeilenbauten, die 1929–1931 von dem Architekten Otto Haesler (damals: Celle) geplant und errichtet wurde. Es handelt sich dabei um die architektonisch wohl bedeutendste Wohnsiedlung der Weimarer Republik auf dem Gebiet des späteren Landes Brandenburg. Durch eine Sanierung Mitte der 1990er Jahre wurden die Proportionen der Fassaden durch das Aufbringen eines Wärmedämmsystems empfindlich gestört.

Der Architekt Otto Haesler, nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übergesiedelt, hatte für die kriegszerstörte Innenstadt von Rathenow einen Wiederaufbauplan vorgelegt, der ebenfalls radikal auf der Zeilenbauweise basierte. Dieser Plan wurde nur in Rudimenten realisiert. So konnte Haesler rund um den Platz der Jugend in der Altstadt 1950/1951 einige Gebäude tatsächlich bauen. Sie lehnen sich – zum Beispiel mit dem Motiv der erkerartig hervortretenden, verglasten Treppenhäuser – an die Entwürfe des Architekten der zwanziger Jahre an, erreichen allerdings deren Eleganz nicht mehr. Kurz darauf wurde in der DDR der Baustil der „Nationalen Tradition“ obligatorisch; insofern sind die Haesler-Bauten in der Rathenower Altstadt ein seltenes Beispiel für eine sozial engagierte Architektur im Stil der Vorkriegs-Avantgarde in der Anfangszeit der DDR.

Kirchen

Die in der Altstadt stehende evangelische St.-Marien-Andreas-Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil errichtet und im 15. und 16. Jahrhundert nach Plänen von Meister Lindemann zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Sie wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.

Weitere evangelische Kirchen sind die Auferstehungskirche, ein als Friedhofskapelle von 1914 bis 1917 errichteter Backsteinbau von Curt Steinberg, sowie die 1932 im Stil des Neuen Bauens errichtete Lutherkirche. Darüber hinaus befindet sich in Rathenow eine Landeskirchliche Gemeinschaft, sowie weitere evangelische Kirchen in den Ortsteilen von Rathenow.

Die erste katholische Kirche seit der Reformation in Rathenow wurde im Jahr 1893 als Kirche St. Georg eingeweiht. Ihre Pfarrei gehört zum Erzbistum Berlin. Eine weitere katholische Kirche befindet sich am Horstenweg im Ortsteil Steckelsdorf (Ausbau). Es ist die 1962 geweihte Kirche St. Josef, benannt nach Josef von Nazaret. Heute gehört diese Kirche zur Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Tangermünde, und damit zum Bistum Magdeburg.

Die neuapostolische Gemeinde Rathenow wurde 1908 gegründet, ihre Kirche befindet sich an der Kleinen Hagenstraße. Die kleine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) hat 2011 ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. Darüber hinaus sind die Siebenten-Tags-Adventisten, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die Zeugen Jehovas in Rathenow vertreten.

Denkmäler

  • In der Stadt steht das größte barocke Sandsteindenkmal Norddeutschlands, welches an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erinnert, der in der Schlacht von Fehrbellin 1675 die Schweden besiegte. Das Denkmal wurde von 1736 bis 1738 von Johann Georg Glume nach einem Modell von Bartolomé Damart geschaffen und zeigt den Großen Kurfürsten in der Tracht eines römischen Imperators auf einem Postament, an dem Allegorien und Schlachtenreliefs angebracht sind.
  • Auf dem Weinberg, einem innenstadtnahen Erholungspark (2006 Teil der Landesgartenschau), steht der 1914 eingeweihte 32 m hohe Bismarckturm, errichtet zu Ehren Otto von Bismarcks, der in der Nähe von Rathenow in Schönhausen/Elbe geboren wurde. Der Turm wurde 1945 schwer beschädigt, in den 1960er Jahren gab es Umbauversuche zu einer Sternwarte, 2003 wurde er nach Sanierung wieder eingeweiht.
  • Denkmal für die Opfer des Faschismus (von 1951) auf dem Stufenunterbau des 1942 eingeschmolzenen Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem Platz der Freiheit
  • Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf dem Städtischen Friedhof westlich der Großen Milower Straße für 98 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern. Auf dem gleichen Friedhof sind 56 weitere Opfer der Zwangsarbeit begraben
  • Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und ihre Kinder auf dem 1943 errichteten „Ausländerfriedhof“ in einem Wald zwischen Bammer Landstraße und der B188, zu erreichen über die Neufriedrichsdorfer Straße
  • Jüdischer Friedhof mit Gedenkstein für die von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Bürger der Stadt an der Neufriedrichsdorfer Straße 17
  • Gedenktafel am ehemaligen Betsaal der Jüdischen Gemeinde Fabrikenstraße 2 zur Erinnerung an die ausgerottete Gemeinde
  • Gedenktafel an der Dorfkirche des Ortsteils Steckelsdorf für die jüdischen Opfer der Umschulungsorganisation Landwerk („Hachschara“) am Horstenweg 5/6
  • Gedenktafel für Pfarrer August Froehlich am Pfarrhaus von St. Georg Rathenow in der Friesacker Straße

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Rathenow mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Optische Industrie

Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Rathenow ist eng mit der Entwicklung der optischen Industrie verbunden. Nach Etablierung der späteren Rathenower Optische Werke (ROW) siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 300 Unternehmen der optischen Industrie in Rathenow an.Viele Jahrzehnte arbeiteten mehrere Tausend Menschen in diesem Bereich. Nach 1949 avancierte Rathenow beispielsweise zum alleinigen Fabrikationsort für Brillengläser in der DDR. Einige der nach 1990 privatisierten Nachfolgeunternehmen von ROW sind weiterhin im Bereich der optischen Industrie tätig (z. B. Mikroskopbau durch Askania).

Verkehr

Straßenverkehr

Rathenow liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen B 102 (Richtung Brandenburg an der Havel und Neustadt (Dosse)) und B 188 (Richtung B 5 Hamburg–Berlin und Stendal).

Busverkehr

In und um Rathenow verkehren Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft, die die einzelnen Ortsteile und die umliegenden Städte und Gemeinden mit Rathenow verbinden.

Schienenverkehr

Vom 2. April 1900 bis 1945 war Rathenow der Ausgangsbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.Am Bahnhof Rathenow verlaufen die Bahnlinien Berlin–Hannover und Brandenburg–Neustadt (Dosse). Von Dezember 2007 bis Dezember 2009 hielten hier auch Züge der IC-Linie Stettin-Berlin-Amsterdam und von April bis Oktober während der BUGA 2015 Züge der IC-Linie Berlin-Amsterdam. Es bestehen folgende Bahnverbindungen im Regionalverkehr: RE 4 nach Ludwigsfelde über Berlin, RB 51 nach Brandenburg an der Havel und RB 13 nach Stendal. Die Verbindung nach Neustadt (Dosse) wurde Ende 2003, das Teilstück von Rathenow nach Rathenow-Nord Ende 2005 eingestellt.

Flugverkehr

Privaten und gewerblichen Flugverkehr gibt es in Stechow, etwa acht Kilometer nordöstlich der Stadt; der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Berlin-Tegel in 65 Kilometer Entfernung.

Schiffsverkehr

Durch die Lage Rathenows an der Havel kann Schifffahrt betrieben werden. Es gibt einen Hafen und eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe ins Havelland.

Bildung

In Rathenow gibt es die vier Grundschulen Am Weinberg, Friedrich Ludwig Jahn, Geschwister Scholl sowie die Grundschule Otto Seeger in Rathenow-West. Als weiterführende Schulen existieren das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, die Bruno-H.-Bürgel-Gesamtschule und die Oberschule Johann Heinrich August Duncker. Außerdem sind noch eine Schule für geistig Behinderte Spektrum und die allgemeine Förderschule J.H. Pestalozzi vorhanden, zwei Förderschulen in Rathenow.

Die Grundschule Geschwister Scholl wird am Ende des Schuljahres 2016/17 geschlossen und mit der Grundschule Am Weinberg zusammengeführt.

Weitere Bildungseinrichtungen sind die Musikschule Rathenow, die Musik-, Kunst-, und Volkshochschule Havelland, das Oberstufenzentrum Havelland und das Bildungs- und Technologiezentrum für Augenoptik des Landes Brandenburg.

Sport

Aushängeschild der Stadt Rathenow ist der 2016/17 in der Oberliga Nordost spielende Verein FSV Optik Rathenow. Die Sportler der direkt an der Havel angesiedelten Wassersportvereine sowie Handball-, Leichtathletik-, Kampfsport- und Bogenschießvereine gewannen zahlreiche Titel auf nationaler und teilweise internationaler Ebene und machten die Stadt über die Region hinaus bekannt; sie betreiben gute Nachwuchsarbeit.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel (1784–1877), preußischer Generalfeldmarschall; seit 1856
  • Johann Friedrich Meuß (1813–1878), Apotheker und Ziegeleibesitzer; seit dem 26. Juli 1877
  • Otto von Bismarck (1815–1898), wurde einst mit den Stimmen der Rathenower Wahlmänner in den Preußischen Landtag gewählt und begann so seine politische Laufbahn; seit dem 15. Juni 1875
  • Max Hobrecht (1827–1899), Schriftsteller,; seit dem 13. Dezember 1897
  • Friedrich Lange (1844–1916), 27 Jahre Bürgermeister der Stadt Rathenow; seit dem 16. Juli 1906
  • Karl Mertens (1903–1988), Bildhauer; seit 1987
  • Erika Guthjahr, geb. Pelzer (1916–2005), Malerin, Schriftstellerin und Heimatforscherin; seit dem 12. September 1996
  • Otto Martin Günter Thonke (* 1928); seit dem 6. Mai 2009, Bäckermeister, Heimatforscher
  • Friedrich Klaus Otto Eichler (* 1939); seit dem 6. Mai 2009, ehemaliger Chefingenieur im Chemiefaserwerk Premnitz und Abteilungsleiter für Infrastruktur im Ministerium für Infrastruktur des Landes Brandenburg

Söhne und Töchter der Stadt

  • Stephan Bodecker (1384–1459), Bischof von Brandenburg
  • Joachim Christian Blum (1739–1790), Dichter
  • Johann Heinrich August Duncker (1767–1843), Begründer der deutschen optischen Industrie
  • Wilhelm Schneider (1781–1811), Pianist und Komponist
  • Friedrich Meier (1785–1815), Maler, Teilnehmer an den Befreiungskriegen
  • Friedrich Adolf Ahlert (1788–1833), Architekt, Kölner Dombaumeister
  • Karl Adolph Paalzow (1823–1908), Physiker
  • Gustav Hermann von Alvensleben (1827–1905), Militär
  • Friedrich Wilhelm Kaeding (1843–1928), Stenograph
  • Alfred zur Nieden (1868–1957), Landrat und Polizeipräsident in Gelsenkirchen
  • Otto Weber (1889–1972), Politiker (KPD)
  • Käthe Miethe (1893–1961), Schriftstellerin
  • Albert Gustav Bunge (1893–1976), Metall-, Emailkünstler und Maler
  • Fritz Weber (1894–1944), (SPD), Abgeordneter des Volkstages der Freien Stadt Danzig
  • W. H. Lippert (1898–1981), Bildhauer, Maler und Grafiker
  • Georg Mierdel (1899–1987), Elektrotechniker, Physiker und Hochschulprofessor
  • Kurt-Christoph von Knobelsdorff (1904–1945), Turnierreiter
  • Kurt Laube (1905–1987), kommunistischer Widerstandskämpfer, Interbrigadist und Funktionär der VVN
  • Walter Mönch (1905–1994), Romanist und Literaturwissenschaftler
  • Joachim Mrugowsky (1905–1948), Arzt und NS-Verbrecher
  • Wolfgang Imle (1909–2001), Politiker (FDP)
  • Günter Scheel (1924–2011), Historiker und Archivar
  • Wolfgang Gruner (1926–2002), Kabarettist, Schauspieler und Regisseur
  • Immo Stabreit (* 1933), Diplomat
  • Hans-Joachim Geffert (* 1935), Heimatforscher und -schriftsteller
  • Hans-Günter Naumann (1935–2010), Politiker (SPD), 1970–1994 Mitglied des Bayerischen Landtags (SPD)
  • Dietrich Weber (1935–2008), Germanist und Literaturwissenschaftler
  • Peter Rabenalt (* 1937), Filmkomponist und -wissenschaftler, geboren im heutigen Ortsteil Semlin
  • Bernd Rabehl (* 1938), Soziologe
  • Heinz Bartsch (* 1939), Arbeitswissenschaftler und Ingenieur
  • Rosemarie Köhn (* 1939), 1993–2006 Bischöfin von Hamar (Norwegen) (weltweit zweite Frau als lutherische Bischöfin)
  • Kurt-Dieter Grill (* 1943), Politiker (CDU), 1994–2005 Bundestagsabgeordneter
  • Barbara Heinisch (* 1944), Malerin
  • Wulf Herzogenrath (* 1944), Kunsthistoriker und Kurator
  • Gerhard Günther (* 1955), (CDU), 2004–2014 Mitglied des Thüringer Landtags
  • Christoph Dieckmann (* 1956), Journalist und Autor
  • Jörg Friedrich (* 1959), Ruderer
  • Jörg Freimuth (* 1961), Leichtathlet
  • Uwe Freimuth (* 1961), Leichtathlet
  • Christian Görke (* 1962), Politiker (Die Linke), seit 2014 Finanzminister des Landes Brandenburg
  • Stephan Schill (* 1964), Schauspieler
  • Christian Rudolf (* 1965), Schauspieler, Moderator und Sänger
  • Kerstin Köppen (* 1967), Ruderin
  • Mario Streit (* 1967), Ruderer
  • Jörg Heinrich (* 1969), Fußballspieler, geboren im heutigen Ortsteil Böhne
  • Christian Beeck (* 1971), Fußballspieler
  • Stefan Rudolf (* 1974), Schauspieler
  • Marco Tschirpke (* 1975), Musik-Kabarettist
  • Florian Foest (* 1976), Kameramann
  • Katrin Bühring (* 1977), Schauspielerin
  • Julia Mitrici (* 1982), Schauspielerin
  • Colett Rampf (* 1991), Triathletin, Duathletin, Fußballspielerin
  • Dennis Mast (* 1992), Fußballspieler
  • Johna Fontaine (* 2000), Kinderdarstellerin

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

  • Samuel Christoph Wagener (1763–1845), Feldprediger und Schriftsteller
  • Emil Busch (1820–1888), Industrieller der Feinmechanik und Optik
  • August Froehlich (1891–1942), römisch-katholischer Priester, Pfarrer in Rathenow, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, starb im KZ Dachau
  • August Hild (1894–1982), Schriftsteller
  • Käthe Korth (1902–1982) Schriftstellerin, lebte einige Jahre in Rathenow
  • Regina Thoss (* 1946), Sängerin, lebte einige Jahre in Rathenow
  • Victoria Herrmann (* 1969), Fernsehmoderatorin, wuchs in Rathenow auf und absolvierte eine Lehre bei den Rathenower Optischen Werken

Verweise

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Rathenow

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Deutschlandkarte
Stadtplan Rathenow