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Nußloch
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Stadtplan Nußloch

Nußloch

160pxAbb. 1 Wappen von Nußloch
Basisdaten
BundeslandBaden-Württemberg
Höhe100-317 m
PLZ69226
Vorwahl06224
Websitewww.nussloch.de
BürgermeisterJoachim Förster (parteilos)

Nußloch (einst: Nuzlohon, Nozloch) ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa zehn Kilometer südlich von Heidelberg an der südlichen Bergstraße und badischen Weinstraße. Die Gemeinde gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und feierte 2016 ihr 1250-jähriges Bestehen. Sowohl landschaftlich als auch kulturell hat die Ortslage viel zu bieten.

Geographie

Landschaft, Geologie

Nußloch hat Anteil an verschiedenen Naturräumen und bietet ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Im Norden finden sich die Ausläufer des Kleinen Odenwalds, im Südosten die des Nördlichen Kraichgaus und im Westen die Oberrheinebene. Das historisch gewachsene Nußloch liegt am südlichen Ausläufer der Bergstraße, entlang der alten Bundesstraße 3, und fußt mit seinen in den 1990er Jahren erstellten südlichen Siedlungs-, Gewerbe- und Freizeitflächen auf dem einst versumpften Grabenrand (Lichtenau) der Nördlichen Oberrheinebene. Im Westen von Nußloch fließt der Leimbach. In der vorindustriellen Zeit nutzten zwei Mühlen seine Wasserkraft. Etwa parallel zu seinem Verlauf, der mehrfach durch den Menschen verändert wurde, erhebt sich im Osten der Anstieg zu der dem Kraichgau angehörenden tertiären Vorbergzone. Das ganze Gebiet wirkt terrassenartig (ehemalige Obst- und Weinbergslagen) und trägt die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Siedlungsgebiete im Bereich Markgrafenstraße, Panoramastraße und Rheinblick (meist Wohnbebauung). Nach der Vorbergzone folgt der bewaldete, nach Süden niedriger werdende Steilanstieg der Hauptverwerfung. Hier steht Muschelkalk in guter Qualität an. Im Norden der Gemeinde ist dem Steilanstieg mit seinen anstehenden Laub- und Mischwäldern (meist Buche, partiell auch Fichte) ein schmaler Streifen von jüngerem, nacheiszeitlichem Lößlehm vorgelagert. Darunter findet sich Buntsandstein. Der ca. 350 ha große Gemeindewald wird seit einigen Jahren naturnah gepflegt. Ein Großteil der Waldfläche ist ausgewiesenes FFH-Gebiet.

Der zu Nußloch gehörende Ortsteil Maisbach liegt etwa zwei Kilometer östlich in einem engen Taleinschnitt inmitten des Kraichgauer Hügellands. Durch den großen Muschelkalksteinbruch des heutigen Baustoffkonzerns HeidelbergCement, der 1899 von der Bergstraße aus zunächst in einem schmalen Einschnitt durch den Schneckenberg in den Kraichgau vorgedrungen ist, wurde die ursprüngliche Landschaft im Bereich Stupfelberg, Baiertaler Weg und Ameisenbuckel vollständig verändert. Anstehende fruchtbare Böden aus Parabraunerde und Kolluvium gingen hier der Gemarkung Nußloch großflächig verloren. Dafür bieten die mächtigen, aufgeschlossenen Muschelkalkfelsen innerhalb des Steinbruchs tiefe Einblicke in Geologie und Landschaftsgeschichte des Nördlichen Kraichgau. In verkarsteten Spalten und Gängen findet man die typischen Blei-Zink-Vererzungen (sog. Galmeien), als Ausläufer der Erzvorkommen, die bereits im 14. und im 17./18. Jahrhundert im Nußlocher und Wieslocher Bergbau intensiv genutzt wurden.Die Gemarkungsflächen nördlich des Steinbruchs sind dicht bewaldet. Hier stehen dicke Pakete von Löß bzw. Lößlehm an, die nacheiszeitlich durch starke Westwinde herangeweht und an den Hanglagen ablagert wurden. Einen Eindruck davon vermittelt die bekannte „Weiße Hohle“, ein Hohlweg mit bis zu 8 m hohen Steilwänden aus hellem ausgebleichtem Löß, unmittelbar an der Kreisstraße 4157, Richtung Maisbach.

Naturschutzgebiet Nußlocher Wiesen

Das kombinierte Natur- und Landschaftsschutzgebiet Nußlocher Wiesen, in der einst versumpften Leimbachniederung, blickt auf eine über 200-jährige Geschichte als Wässerwiesengebiet zurück. Mit der Aufgabe der Bewässerung nach dem 2. Weltkrieg erlangen die ausgedehnten Flächen im Naturraum der Hardtebenen sowohl einen hohen ökologischen als auch hydrologischen Stellenwert. Die ca. 70 ha große Fläche wurde somit 1993 als Naturschutzgebiet durch das Regierungspräsidium Karlsruhe ausgewiesen. Zugleich dient das NSG als Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung. Der linke Leimbachdamm, darf wie bisher unterhalten werden.

Für das heutige Bild der Wiesenlandschaft sind die Glatthafer-Wiesen mit der Wiesen-Witwenblume, der Wiesen-Glockenblume und dem Großen Klappertopf prägend. Auf den trockenen Bereichen finden sich Karthäuser-Nelke, Kriechender Hauhechel, Arznei-Schlüsselblume und Großer Wiesenknopf. Als botanische Kostbarkeit kommt die Unterart des Pyrenäen-Milchsterns (Ornithogalum pyrenaicum) vor, die bei Nußloch ihre nordöstlichste Verbreitungsgrenze erreicht. Die Wiesenniederung ist ein optimales Nahrungshabitat für den Weißstorch (Ciconia ciconia), der nach über 40-jähriger Abwesenheit nach Nußloch zurückgekehrt ist und hier wieder brütet. In den Wintermonaten kann man auf den Wiesen hin und wieder auch Silberreiher auf Nahrungssuche beobachten. Als weitere Wintergäste sind seit Jahrzehnten im Dezember/Januar auch größere Schwärme von Saatkrähen vor Ort. Die Vögel sind in den Sommermonaten in Sibirien und der Ukraine beheimatet. Im Umfeld des Leimbachs findet sich ganzjährig der Graureiher. Das Naturschutzgebiet ist mit seinen flachen, barrierefreien Wegen gut für Besucher begehbar. Mehrere Sitzbänke auf dem Gelände laden zum Verweilen ein.

Ehemaliges Naturdenkmal „Dicke Buche“

Eingebettet im Naturpark Neckartal-Odenwald stößt der Wanderer im Nußlocher Gemeindewald, in Nähe des Erlenteichwegs, auf die Reste der Dicken Buche. Laut Infotafel der Forstamts, wies das ehemalige Naturdenkmal am Hirschberg eine Gesamthöhe von 46 m und einen Stammumfang von 4,20 m auf. Das Alter der Buche wurde auf etwa 260 Jahre geschätzt. Aufgrund dendrologischer Angaben ist der Baum um 1740 gekeimt.

Nach einem Blitzeinschlag im Frühjahr 1968 brach ein Hauptast ab. Infolge eindringender Feuchtigkeit fraßen sich Fäulnis- und Frostschäden im Laufe der Zeit in das Stamminnere. Sanierungsversuche der Forstbehörden scheiterten an den hohen Kosten. Somit wurde die mächtige Buche zur Gefahr und musste am 9. Juni 1999 gefällt werden. Stamm und Stumpf sind vor Ort verblieben, als Zeugnis Nußlocher Waldgeschichte.

Teichanlage am Erlenteichweg

Am Osthang des Hirschbergs, zwischen Nußloch und Maisbach, existiert seit Juni 2021 eine naturnah gestaltete Teichanlage als Lebensraum für heimische Amphibien und Wasserinsekten sowie als Tränke für Wildtiere, insbesondere in trockenen Frühjahr- und Sommermonaten. Das Biotop wurde mittels einer Geldspende in Zusammenarbeit mit der KWGN unter Regie des Forstbezirksleiter P. Schweigler innerhalb von 5 Wochen am Erlenteichweg im Nußlocher Wald geschaffen. Dazu waren etwa 30 t Tonerde aus der Tongrube Nußloch (Gemarkung Dammstücker) notwendig, um den Waldboden entsprechend abzudichten. Die beiden Teiche dienen gleichzeitig dem Hochwasserschutz bei Starkregen. Die Baumaßnahme steht im Zusammenhang mit dem Umweltprojekt "Vom Kraichgau zum Teichgau" (Sinsheim). Der Gewannname Erlenteichweg weist offensichtlich auf ein bereits früher existierendes Gewässer hin. Im Umfeld der Anlage stehen mehrere hohe Eschen, eine Waldbaumart, die inzwischen als gefährdet gilt (Eschensterben).

Klingen und Hohlwege am Hirschberg

Am Hirschberg (317 müNN) existiert ein nach Südosten abfallendes verzweigtes Klingen- und Hohlwegsystem, zu dem auch die bekannte "Weiße Hohle" gehört. Etwas weniger bekannt ist die Leimerklinge am Amerikanerweg. Noch vor einiger Zeit war sie wasserführend und entwässerte in den Quellhorizont des Maisbach. Aufgrund der zahlreichen Trinkwasserbrunnen am Hirschberg und die klimabedingten geringer gewordenen Niederschläge, ist die Leimerklinge inzwischen ausgetrocknet. Zurückgeblieben sind eindrucksvolle, steile Hangstrukturen, die den Nußlocher Wald durchschneiden. Bis in das Jahr 2000 existierte sogar eine Brücke über die bis zu 7 m tiefe Klamm. Der parallel zur Leimerklinge verlaufende 1,5 km lange Amerikanerweg wurde 1968 mit Hilfe der damals in Heidelberg stationierten 7. US-Armee ausgebaut. Zu jener Zeit hielten die Amerikaner regelmäßig Feldmanöver auf der Nußlocher Gemarkung ab. Als Ausgleich für die entstandenen Flurschäden formten 1965 vier Kettenraupen den heutigen Wander- und Wirtschaftsweg. Danach blieb der Wegkörper zum Absetzen zwei Jahre unberührt. Als spätere Befestigung diente 1967 Abraum und Hangschutt aus dem Nußlocher Steinbruch. Dank des Einsatzes der US-Truppe erhielt der Weg seinen Namen "Amerikanerweg".

Hardtbachwehr

Der Hardtbach wurde auf der westlichen Gemarkungsgrenze zu Walldorf als Entlastungskanal durch ein im Jahr 2000 errichtetes Wehr vom Leimbach abgezweigt. Das Bauwerk steuert zugleich den Zufluss zum Hochwasserrückhaltebecken Leimbach mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 295.000 Kubikmeter. Das Becken liegt nördlich des Wehrs auf einer Teilfläche des Naturschutzgebiets Nußlocher Wiesen; an seinem Auslassbauwerk wird der Abfluss des Leimbachs auf maximal einen Kubikmeter pro Sekunde begrenzt. Der Lauf des Hardtbachs (einst: Haardbach) wurde bereits Mitte des 16. Jahrhunderts durch das Kurfürstentum angelegt, um den Leimbach und die Ortslage Nußloch sowie deren Mühlen vor schweren Hochwasserereignissen zu schützen. Gemeinsam mit dem Kraichbach mündete er zu dieser Zeit in den künstlich aufgestauten Karl-Ludwig-See bei Ketsch.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Nußloch gehört die Ortslage Maisbach, mit dem Hofgut Neurott sowie die Wohnplätze Erzwäsche (1857 im Zuge des Bergbaus errichtet), Fischweiher (ehemalige Forellenzucht, heute: Nußlocher Ziegenkäsehof an der damaligen B 3, heute L 594) sowie der Weiler Kreuzhof (Aussiedlerhöfe) an der "Alten Bruchsaler Straße" zwischen Nußloch und Wiesloch.

Im Nordosten der Gemarkung, am Hirschberg, an der Grenze zwischen Leimen und Nußloch, finden sich Reste der im Jahr 1252 erwähnten abgegangenen Ortschaft Grauenbrunnen (einst: Grawenburnen, dann Grawenbrunnen). Archäologische Grabungen förderten Reste einer ca. 450 m langen mittelalterlichen Stützmauer sowie zahlreiche Keramikfunde aus dem 13./14. Jh. zu Tage. Die archivalischen Zeugnisse belegen den Niedergang der Ortslage bereits im 14. Jahrhundert. Der Verein "Die Hexe vum Grobrunn e.V." hält die Erinnerung an die historische Siedlung und das Bodendenkmal wach.

Rätselhaft bleibt die Gemarkung "Im abgebrannten Dorf", in einer Senke unterhalb der Gemarkung "Bohleneck". Offensichtlich existierte hier eine kleine Ansiedlung (Weiler), die für das Jahr 867 urkundlich erwähnt ist.

Nachbargemeinden

Unmittelbar benachbarte Gemeinden sind Leimen, Wiesloch, Walldorf und Sandhausen.

Geschichte

Frühe Geschichte

Nußloch wird im Lorscher Codex in einer auf den 31. Dezember 766 datierten Urkunde anlässlich der Schenkung eines Weinbergs an das Kloster Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Im hohen Mittelalter bestanden bei Nußloch zwei Burgen mit unterschiedlichen Besitzverhältnissen. Als Besitzer traten u. a. die Herren von Lichtenau und die Herren von Weinsberg auf. 1259 bzw. 1269 ging der Ort von diesen an die Kurpfalz über und gehörte dort zur Kirchheimer Zent. Die Ortsherrschaft lag seit dem 15. Jahrhundert bei den Freiherren von Bettendorf.

Der Ort geriet in die Fehde zwischen den Pfalzgrafen bei Rhein und dem römisch-deutschen König Albrecht I. im Jahr 1301 und war vom Pfälzischen Krieg 1462 betroffen, wurde dafür im Bauernkrieg verschont. Im Dreißigjährigen Krieg soll nahezu die gesamte Bevölkerung dahingerafft worden sein. Das 1249 als Musebach erstmals urkundlich erwähnte Maisbach war von 1648 bis 1653 total entvölkert. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 und einer kurzen Erholungsphase verursachte der Pfälzische Erbfolgekrieg (1685–1697) erneut viel Leid und Tod in der Region um Heidelberg. Kurfürst Karl Ludwig siedelte ab 1651 Schwaben, Bayern, Tiroler und Schweizer sowohl in Nußloch als auch in Maisbach an.

19. Jahrhundert

Mit Gründung der Rheinbundstaaten durch Napoleon gelangte Nußloch 1803 zum Großherzogtum Baden (später Republik Baden). In diesen bewegten Zeiten machte ein Maisbacher Bauer von sich reden. Johann Adam Müller (1769–1832), ursprünglich ein Meckesheimer, der nach seiner Heirat nach Maisbach (damals Maisbachhof) übersiedelte, wurde durch seine phrophetischen Vorhersagen zu politischen Ereignissen und Entwicklungen weithin bekannt. Die Heidelberger Schriftstellerin Irma von Drygalski würdigte 1928 den Maisbacher Bürger in ihrem Roman "Der Bauernprophet". Auf alte Ratsprotokolle und mündliche Überlieferungen gestützt, erzählt Drygalski das Schicksal des Bauern, der mit dem zweiten Gesicht begabt, zu König Friedrich Wilhelm III. nach Königsberg reiste, um ihn zum Kampf gegen Napoleon zu bewegen. Angelehnt an den Roman wurde 1994 das Volksstück vom "Bauernpropheten" in Nußloch, auf dem historischen Anwesen des Adelsgeschlechts von Bettendorf, uraufgeführt.Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein gewisser wirtschaftlicher Aufschwung ein. Nach dem Krieg 1870/71 entstanden in Nußloch zahlreiche kleinere Betriebe. Vor allem die vom Heidelberger Unternehmer P. J. Landfried gegründete Zigarrenindustrie ermöglichte der kleinbäuerlich geprägten Bevölkerung Nordbadens ein zusätzliches Einkommen. Dabei spielte nicht nur der damals in der Kurpfalz weitverbreitete Anbau von Tabak eine wichtige Rolle, sondern auch die Trocknung und Fertigung von Zigarren. So befanden sich auch in Nußloch über längere Zeit zwei Fabrikgebäude, in denen Tabakwaren hergestellt wurden. Meist war dies Frauenarbeit. Aber spätestens mit 40 Jahren war für sie das Wickeln von Zigarren in der Fabrik abgeschlossen, da laut zeitgenössischer Inspektoren, die "Gelenkigkeit der Finger stark nachlässt".

Der Bergbau auf der Nußlocher Gemarkung erwies sich schon früh als eine der Grundsäulen des Nußlocher Wirtschaftens und Lebens, neben der üblichen landwirtschaftlichenTätigkeit. Die ältesten urkundlichen Nachweise liegen aus dem 11. Jh. für die Wiesloch-Nußlocher Gegend vor. Der mit wechselndem Erfolg beschiedene historische Silber- und Zinkbergbau an der Südlichen Bergstraße endete im Jahr 1894. Zeitweise beschäftigte er bis zu 400 Menschen. Die Bergleute entstammten längst nicht alle aus Nußloch, sondern kamen als Wanderarbeiter meist von weit her.

Ende des 19. Jh. interessierten nun andere Rohstoffe, wie z. B. hochwertige Muschelkalkvorkommen für die Herstellung von Zement. Nach Untersuchungen des Geologischen Instituts der Universität Heidelberg, ergriff 1899 das Unternehmen Heidelberger Zement die Chance und sicherte sich eine Abbaukonzession auf der Gemarkung Nußloch zunächst für die Bereiche Ludwigsberg und Stupfelberg. Später folgten dann Erweiterungsverträge für den Schlangengrund und den Ameisenbuckel. Während man in den Anfängen für Transport des gebrochenen Kalks in das frisch erbaute Zementwerk Leimen Pferdefuhrwerke einsetzte, benutzte man ab 1901 die Gleistrasse der Heidelberger Straßenbahnlinie Heidelberg-Wiesloch. Ab 1919 übernahm die werkseigene Luftseilbahn (Nußloch-Leimen) diese Aufgabe.

Aufgrund der südwestexponierten Lage Nußlochs, besaß der Weinbau eine lange Tradition und zählte schon immer zum kleinbäuerlichen Erwerbsleben. Bezeichnend dafür ist die Tatsache, dass bereits im Jahr 766 die Schenkung eines Weinbergs an das Kloster Lorsch zur ersten urkundlichen Erwähnung von Nußloch führte. Noch im 19. Jh. befanden sich weitläufige Anbauflächen an den Westhängen des Leopoldsbergs, des Wilhelmsbergs sowie am Neuen Berg. Heute sind die Rebflächen aus dem Landschaftsbild nahezu verschwunden. Reste finden sich noch auf der zu Wiesloch angrenzenden Gemarkung Wilhelmsberg. Eine Weinkellerei aus Leimen unterstützt den dortigen ökologischen Anbau.

20. Jahrhundert

Politisch waren vor dem Ersten Weltkrieg die Nationalliberalen am stärksten, ehe sie von den Sozialdemokraten überflügelt wurden. Durch die Spaltung der Linken, zeitweise war nur die KPD im Gemeinderat, wurde in der Spätphase der Weimarer Republik das Zentrum die stärkste Partei, bis schließlich die NSDAP 1933 die meisten Stimmen erhielt. 1933/34 kommt es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern katholischer Jugendgruppen und den örtlichen Nationalsozialisten. Vor allem die Aktiven des katholischen Jugendbunds Neu-Deutschland bieten den neuen Machthabern die Stirn. Der Ortsvorsitzende der Jugendorganisation wird deshalb mehrfach bedroht. 1935 wird Maisbach mit Ochsenbach per Verordnung vereinigt. Bereits zwei Jahre später wird der Erlass wieder aufgelöst und Maisbach am 1. April 1937 nach Nußloch eingemeindet.

Am 31. März 1945 marschieren Teile der 63. Infanteriedivision der US-Armee von Leimen her kommend in Nußloch ein. Aufgrund der Gegenwehr zurückgebliebener Soldaten der Reichswehr und mehreren Angehörigen der Waffen-SS, kommt es im Ortszentrum zu einer militärischen Auseinandersetzung. Dabei brennen das Rathaus, mehrere Wohngebäude sowie eine Fabrik nieder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfährt der Ort durch zahlreiche Flüchtlinge einen bedeutenden Einwohneranstieg und vergrößert sich durch die Ausweisung von Neubaugebieten auf den südlich gelegenen Gemarkungsflächen (u. a. Gemarkung: "Auf der Liss") erheblich. Politisch ist von nun an wie in den meisten Gemeinden Baden-Württembergs die CDU dominant.

Als 1973 der Landkreis Heidelberg im Rahmen einer Verwaltungsreform aufgelöst wird, kommt Nußloch zu dem neugeschaffenen Rhein-Neckar-Kreis.

Einwohnerentwicklung

Jahr 1577 1777 1834 1875 1905 1939 1961 1965 1970 1987 1991 1995 2005 2015 2020
Einwohner 930 1.023 2.055 2.872 3.375 4.052 6.207 7.063 7.893 8.987 9.814 10.231 10.793 10.910 11244

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Nußloch hat nach der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg 18 gewählte Mitglieder. Dazu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender des Rats.

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):

Gemeinderat 2019
ParteiStimmenSitze
CDU 29,3 % (−1,5) 5 Sitze (−1)
Grüne 28,5 % (+9,3) 5 Sitze (+2)
FDP/BfN 24,5 % (+9,6) 5 Sitze (+2)
SPD 17,7 % (+1,3) 3 Sitze (±0)

Die Wahlbeteiligung lag bei 64,6 % (+10,3).

Bürgermeister

  • 1961–1986: Hans Feil (parteilos)
  • 1986–2002: Ernst Bauch (FDP)
  • 2002–2018: Karl Rühl (CDU)
  • seit 1. März 2018: Joachim Förster (parteilos)

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber ein von Silber und Blau schräggerauteter Schild, auf dem ein grüner Nussbaum mit schwarzem Stamm und schwarzen Wurzeln steht.

Das Wappen geht zurück auf ein Gerichtssiegel, das ab 1498 nachweisbar ist, und wurde im Jahr 1898 vom Generallandesarchiv verliehen. Es zeigt die kurpfälzischen Rauten und einen Nussbaum, womit das Wappen redend auf den Gemeindenamen deutet.

Die Flagge ist Blau-Weiß und wurde 1965 vom Innenministerium verliehen.

Partnerschaften

Die Gemeinde Nußloch unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Andernos-les-Bains in Frankreich seit 1977, Nagyatád in Ungarn seit 2000 und Segorbe in Spanien seit 2001. Andernos liegt 47 km südwestlich von Bordeaux, in der Region Aquitanien. Die Gemeinde entstand im Jahre 1789. Zahlreiche Einwohner leben bis heute von der Austernzucht.

Nachbarschaftsverband

Nußloch gehört zum Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, dessen Aufgabe es ist, den regionalen Flächennutzungsplan zu erstellen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Denkmale

Statue des hl. Johannes von Nepomuk

Bis 1981 stand an der Kreuzung Hauptstraße-Walldorfer Straße das bekannte Nepomuk-Denkmal, das inzwischen um 100 m südlich auf das Gelände des ehemaligen Friedhofs (heute: Nepomuk Park) versetzt wurde. Auf einem quadratischen Unterbau aus heimischen Buntsandstein, der etwa noch 1,5 m im Boden versenkt ist, erhebt sich der eigentliche Barocksockel mit der Statue des hl. Johannes von Nepomuk. Gemäß der Inschrift am Sockel erinnert das Denkmal von 1757 an die Auseinandersetzungen des Schutzheiligen mit König Wenzel IV. von Prag im ausgehenden 14. Jahrhundert. Die Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Umsetzung, bestätigten die Erkenntnisse, die schon im Rahmen einer früheren Restaurierung gewonnen wurden. Demnach hat der Unterbau, auf dem die Statue ruht, ursprünglich wohl als Andachtskapelle gedient. Der baldachinartige Bau dürfte nach der Art der Gestaltung zu schließen, aus dem frühen 16. Jh. stammen. Im 18. Jh. wurde dann die Nepomukstatue aufgesetzt und die Zugangsöffnung zur Kapelle zugemauert. Heute ist der kleine quadratische Raum zur Hälfte wieder freigelegt und durch ein Gitter gesichert.

Grabmal der Adelsfamilie von Bettendorf an der St.-Laurentius-Kirche Nußloch

Das aus Sandstein gefertigte, dreiteilige Grabmal des Adelsgeschlechts von Bettendorf wurde schon mehrfach restauriert. Auch die die schützende Überdachung wurde erst nachträglich installiert. Ursprünglich befanden sich die drei Grabsteine im Innenraum der früheren katholischen Pfarrkirche St. Laurenti, die erstmals 1256 urkundlich erwähnt wird. Das heutige barocke Gebäude der St.-Laurentius-Kirche entstand 1756/57 und wurde 1897 nochmals erweitert. Im Rahmen des Neu- bzw. Umbaus versetzte man die Grabsteine an die südliche Außenfassade. In der Mitte des Grabmals findet sich der Grabstein des Freiherrn Hans von Bettendorff, der laut Inschrift 1556 verstorben ist. Rechts davon ruht Ulrich Bettendorff (gest. 1451) und Ehefrau Elisabeth von Nippenburg (gest. 1454), gemeinsam verbunden über das sog. Allianzwappen. Auf der linken Seite werden Johann Ludwig von Bettendorff (gest. 1701) und Ehefrau Anna Ursula von Lenthe (gest. 1686) genannt. Alle bewohnten zumindest zeitweise das benachbarte, denkmalgeschützte Anwesen mit Herrenhaus in Nußloch, das seit dem 15. Jh. hier ansässig ist. Auf den Gemarkungen von Gauangelloch, Schatthausen und Eubigheim finden sich noch weitere Besitztümer dieses Adelsgeschlechts.

Mahnmal und Stolpersteine für die 1940 deportierten jüdischen Mitbürger

Das Mahnmal wurde im Rahmen der Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag der Deportationen jüdischer Mitbürger nach Gurs am 22.10.2020 in Nußloch eingeweiht. Im Vorfeld wurden vier Stolpersteine mit den Lebensdaten der Nußlocher Mitbürger an den ehemaligen Wohnstätten installiert. Julius Bernheim (wohnhaft Hauptstraße 46) war zum Zeitpunkt der Deportation bereits 83 Jahre alt. Er verstarb wenige Monate später. Die Mayer-Schwestern wohnten in der Friedrichstraße im Haus Nummer 6. Da in der Straße seither ein weiteres Haus gebaut worden war, verschob sich die Nummerierung nach oben, das ursprüngliche Gebäude trägt daher heute die Nummer 8. In Unkenntnis dieser Tatsache wurden die Stolpersteine zunächst vor dem falschen Haus eingelassen. Dieser Fehler ist im Februar 2017 erkannt worden. Inzwischen sitzen die Stolpersteine an der richtigen Stelle.

Gräfelskreuz

An der "Alten Bruchsaler Straße" nahe der Aussiedlerhöfe (Kreuzhöfe) befindet sich das Gräfelskreuz, ein Sühnekreuz. Das aus Sandstein gearbeitete Feldkreuz soll an einen Jungen namens Graf erinnern, der hier vor langer Zeit auf den Feldern beim Spielen auf tragische Weise ums Leben kam. Im Rahmen der letzten Flurbereinigung wurde um das Kreuz eine halbkreisförmige Grünanlage mit Sitzbänken angelegt, die mit mehreren Linden bepflanzt wurde. Nach der Gedenkstätte ist der bis heute gültige Flurname "Am Gräfelskreuz" benannt.

Kirchengebäude

Die ortsprägende ehemalige lutherische Kirche in der Sinsheimer Straße wurde 1721 fertiggestellt. Sie diente bis 1821 als Gotteshaus der lutherischen Gemeinde. Mit der Vereinigung der Lutheraner und der Reformierten zu einer Landeskirche verlor das Gebäude seine Funktion als Gotteshaus und wurde letztlich als Magazin für den Bauhof genutzt. Das Hauptportal an der Frontseite wurde verschlossen und mit einem Brunnen versehen, der vom Nußbach gespeist wird. Das Gewässer, das am Brunnenfeld entspringt, verläuft entlang der Loppengasse unterirdisch verdohlt, durch die gesamte bebaute Ortsfläche. Seit der Renovierung 1972, ist in dem ehemaligen Kirchengebäude die Gemeindebibliothek untergebracht. Auf einer Fläche von 310 m2 stehen Medien aller Art den Einwohnern kostenlos zur Ausleihe zur Verfügung. In den Räumlichkeiten finden auch Konzerte und Autorenlesungen statt.

Die katholische Kirche St. Laurentius wurde nach Plänen von Franz Wilhelm Rabaliatti 1756 errichtet. Das Querschiff von 1897 ersetzte den polygonalen Chor.

Die heutige evangelische Kirche wurde 1812 im frühklassizistischen Stil von den Reformierten erbaut. Chor und Glockenturm stammen von der Erweiterung aus dem Jahr 1901. Am 9. April 1942 nahmen die Nationalsozialisten die beiden größeren Glocken ab und schmolzen sie für Kriegszwecke ein.

Heimat

Heimatverein

Der Heimatverein Nußloch e.V. wurde 1950 unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Helmuth Frey zur Förderung der ländlichen Heimat und Pflege des heimatlichen Brauchtums gegründet. Der Verein betreut im Fahrweg 3 ein eigenes kleines Museum. Es befindet sich nur wenige Gehminuten vom Lindenplatz entfernt. Ein Hinweisschild ist in der Sinsheimer Straße 41 sowie in der Loppengasse an der Ecke zum Fahrweg angebracht.

Nußlocher Gajemänndl

Angeregt durch die alemannische Fasnet kam 1980 der damalige Präsident des Karneval-Club Nußloch Claus Müller auf die Idee, den Nußlocher Karneval um die Gestalt des Gajemändl zu bereichern. Der Sage nach lebte der Waldgeist in einer der zahlreichen Hohlwege am Hirschberg. Generell belohnte der Berggeist Fleiß und Ehrlichkeit der Holzsammler, bestrafte aber Habgier und vor allem Waldfrevel. Am 6. Januar 1982 war die offizielle Geburtsstunde des Nußlocher Gajemänndls, das sich an diesem Tage zum ersten Mal in der Gajemänndls Hohl – dort wo es gehaust haben soll – der Bevölkerung präsentierte. Dabei ist es bis heute geblieben. Alljährlich am 6. Januar (am "Gajemänndls Kummdag") erscheint es pünktlich um 11.11 Uhr in der Gajemänndls Hohl, womit der KCN seine Fastnachtskampagne jeweils eröffnet. Die Vereinsgruppierung des KCN zählt mittlerweile um die 80 Mitglieder, die ihre Kostüme selbst schneidern.

Nußlocher Heimatlied (1949)

Mein Nußloch liegt am Bergeshang
So lieblich hingestreckt,
und seine sanften Höhen sind
von hohem Wald bedeckt.
Nußloch, o Heimat, ich grüße Dich!
Nußloch, o Heimat, dich liebe ich.
Nußloch mein Dörfchen am Bergeshang,
Dich will ich lieben mein Leben lang

Am Hange wächst der gute Wein,
so spritzig und so klar,
im Feld die edle Zwetschge reift,
sie schmeckt so wunderbar.
Nußloch, o Heimat, ich grüße Dich!
Nußloch, o Heimat, dich liebe ich.
Nußloch mein Dörfchen am Bergeshang,
Dir will ich treu sein mein Leben lang!

In Nußloch wohnen gute Leut′,
sie singen gar zu gern′,sie schaffen fleißig allezeit
und beten fromm zum Herrn.
Nußloch, o Heimat, ich grüße Dich!
Nußloch, o Heimat, dich liebe ich.
Nußloch mein Dörfchen am Bergeshang,
hier will ruh′n nach dem letzten Gang

Autor: Karl Gehrig (* 8. März 1894 – † 3. August 1981), Heimatforscher und Ehrenbürger von Nußloch

Musik

Zahlreiche musikalische Vereine bereichern das kulturelle Leben der Gemeinde Nußloch.

MGV 1867 Nußloch Männer- und Frauenchor e. V.

Der älteste Musikverein Nußlochs ist der MGV 1867 Nußloch e. V., der mittlerweile aus Frauen- und Männerchor sowie gemischtem Chor besteht und von Markus Zepp geleitet wird.

Musikverein Feuerwehrkapelle 1875 Nußloch e. V.

Zunächst als freie Kapelle gegründet, schloss sich das Ensemble 1891 der Freiwilligen Feuerwehr Nußloch an und nannte sich seitdem „Freiwillige Feuerwehrkapelle 1875 Nußloch“. 1987 erfolgte die Namensänderung zum heutigen Vereinsnamen. Als musikalischer Leiter steht seit 2017 Luca Rodrigues am Pult. Probetermin für die Gesamtkapelle ist jeweils Freitag 20 Uhr im Saal des Feuerwehrhauses.

Sängereinheit 1875 Nußloch e. V.

Unter dem Namen „Concordia Nußloch“ 1875 gegründet, spaltete sich vom noch jungen Ensemble bald der heute nicht mehr bestehende „Liederkranz“ ab. Der Name „Concordia“ wurde damals in „Sängereinheit“ verdeutscht. Seit 1994 wird der Chor von Wolfgang Tropf geleitet.

Musikzug KC Nußloch

Als Abteilung des Karneval Clubs Nußloch 1960 e. V. (KCN) gegründet, weist der erfolgreiche Musikzug KC Nußloch ein dreigliedriges Ausbildungssystem auf, das vom A-B-C-Orchester über das Schülerorchester bis hin zum Hauptensemble reicht. Der Hauptverein steht unter der Leitung von Matthias Lange (Stand: März 2022).

Kammerorchester Nußloch e. V.

Das Kammerorchester Nußloch wurde 1978 auf Initiative des Nußlocher Lehrers und Chorleiters Günter Eberhard gegründet und widmet sich fast ausschließlich dem klassischen Repertoire. Ehemalige Dirigenten waren u. a. Rudolf Kelber und Richard Geppert. Seit 2010 wird das Ensemble von Timo Jouko Herrmann geleitet.

Stimmbande Nußloch

Seit 1998 existiert das Vokalensemble Stimmbande als Chor des Eltern-Kind-Vereins Apfelbäumchen e. V., die Leitung des Chores hat Michael Leibfried.

Sport

SG Nußloch e. V.

Größter Verein Nußlochs ist die SG Nußloch 1887 Nußloch e. V. mit ihren sechs Abteilungen. Dazu gehören die Abteilungen Handball, Turnen, Tischtennis, Leichtathletik, Schwimmen und Judo. Die 1984 gegründete Abteilung Leichtathletik veranstaltet seit 1986 jährlich den Internationalen Volkslauf.

Reitverein Nußloch

Der Reit-, Fahr- und Pferdezuchtverein Nußloch (RVN) veranstaltet seit 1999 das Internationale Jugend-Dressurfestival Baden-Württemberg. 2007 war der RVN Ausrichter der FEI Dressur-Europameisterschaft Junioren und Junge Reiter.

Billardsport

Die BSF Kurpfalz spielen in der zweiten Poolbillardbundesliga.Boulekugeln.jpg|mini|Nebenbouler Nußloch e.V.<ref>Nebenbouler Nußloch nebenbouler-nussloch.de, abgerufen am 25. Januar 2022/</ref>">Boulekugeln.jpg|mini|Nebenbouler Nußloch e.V.<ref>Nebenbouler Nußloch nebenbouler-nussloch.de, abgerufen am 25. Januar 2022/</ref>

Nebenbouler Nußloch e. V.

Im Jahr 2010 haben sich „Die Nebenbouler aus Nußloch e. V.“ gegründet. 2021 musste der Verein wegen baulicher Erweiterung des REWE–Markts den bisherigen Bouleplatz an der Walldorferstraße räumen. Durch die Gemeinde und mit Hilfe des Bauhofs wurde zwischenzeitlich ein vorläufiger, neuer Platz in der Carl–Metz Straße am Feuerwehrhaus einrichtet. Training und Spiel, finden dort montags und donnerstags ab 16 Uhr sowie am Wochenende nach Verabredung statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen

HeidelbergCement
Im benachbarten Leimen steht ein Zementwerk der Firma HeidelbergCement, das Rohstoff aus dem Muschelkalksteinbruch in Nußloch erhält. Der Abbau des Kalkgesteins in Nußloch begann 1899. Der gebrochene Muschelkalk wird nach Zerkleinerung mit Hilfe einer circa fünf Kilometer langen Materialseilbahn nach Leimen transportiert. Die inzwischen betagte Anlage (Baujahr 1918) hat sich als sehr umweltfreundliches Transportmittel erwiesen. Vor dem Bau der Seilbahn wurde der Muschelkalk mit zwei elektrisch angetriebenen Lorenbahnen transportiert, die gegen Gebühr auf den Gleisen der Heidelberger Straßenbahn (Linie: Heidelberg-Wiesloch) regelmäßig verkehrten. Im Steinbruch selbst wird das gebrochene Gestein über Förderbänder bis zur Beladestation der Luftseilbahn gebracht. Die Abbaustätte ist auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Das Unternehmen unterstützt auf seinem Gelände in mehrfacher Hinsicht den Biotop- und Artenschutz. So werden Flächen, die nicht mehr der Bearbeitung unterliegen, entsprechend naturbelassen rekultiviert. Bis zu der Corona-Pandemie (2020) fanden jährlich mehrmals sachkundige Führungen zu verschiedenen Themen (z. B. Geologie, Bergbau, Natur- und Umweltschutz) innerhalb des Steinbruchs statt. Das Ende des Abbaus ist für das Jahr 2025 vorgesehen.

In Nußloch ist die Winter Holding GmbH & Co. KG ansässig, zu der mehrere Mode-Unternehmen wie Betty Barclay gehören und die weltweit rund 900 Mitarbeiter beschäftigt.

Leica Biosystems, eine Tochter von Leica Microsystems, beschäftigt in Nußloch rund 320 Mitarbeiter. Das Unternehmen stellt Präzisionsinstrumente, wie z. B. Mikrotome für die Elektronenmikroskopie, her.

Noch bis in die 1960er Jahre waren die Tongrube der Gebrüder Stauch (heute NSG Dammstücker) sowie die Koppertsmühle wichtige ortsansässige Unternehmen. Beide existieren nicht mehr. Seit 1996 bewirtschaftet die Kommunale Wohnungs- und Grundstücks GmbH Nußloch (KWGN) die Tongrube Nußloch im Gewann Dammstücker. Der hochwertige Ton wird zur Herstellung von Mauerziegeln, mineralischen Abdichtungen von Deponien oder für Rückhaltebecken verwendet. An den Standort der Koppertsmühle, unmittelbar am Lauf des Leimbachs, erinnert heute nur noch der Straßenzug "Hinter der Mühle". Der Abriss erfolgte 1969. Der Mühlenstandort existierte seit dem Spätmittelalter.

Verkehr

Nußloch wird im Westen tangiert von der in Nord-Süd-Richtung führenden Bundesstraße 3. Bei Walldorf besteht Anschluss an die Bundesautobahn 5 sowie im Süden bei Wiesloch an die Bundesautobahn 6.

Über einen langen Zeitraum war Nußloch an die Heidelberger Straßenbahn angebunden. Bereits am 23. Juli 1901 fand die feierliche Eröffnung der Strecke Heidelberg – Wiesloch statt. Die Bahnlinie startete am Vorplatz des Heidelberger Hbf, folgte dann der Rohrbacher Straße über den Stadtteil Rohrbach, vorbei am Zementwerk in Leimen. Nach einer Steigungsstrecke von 6,6 %, parallel zur alten Bundesstraße 3, erreichte sie Nußloch. Mit den Haltestellen Nußloch Kreuz, – Kirche, – Rathaus und – Friedhof führte die eingleisige Strecke mitten durch die Ortslage. Auf Höhe des alten Friedhofs bzw. später am Badischen Hof (heute: Apotheke) existierte eine Ausweiche, die noch heute im Straßenbild erkennbar ist. Das nebenstehende Foto zeigt den Triebwagen (TW 80) der HSB AG mit Beiwagen in der Hauptstrasse Nußloch, auf Höhe des ehemaligen Gasthauses "Zum Löwen". Der abgebildete Wagentyp KSW-TW wurde von 1949 bis 1952 von der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg gebaut.

Im Sommer 1973 erfolgte überraschend die Stilllegung des Streckenabschnitts Leimen – Wiesloch und das Ende der Straßenbahnlinie 8, das bis zum heutigen Tag immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt. Mehrfache Intentionen einer Reaktivierung scheiterten an der Finanzierung. Heute verkehren in Nußloch Buslinien mit den Nummern 723, 724, 726 (Schulbus) und 759. Die Gemeinde gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Bildung

In Nußloch gibt es zwei Grundschulen (Lindenschule und Schillerschule). Weiterführende Schulen finden sich in den benachbarten Orten Walldorf, Wiesloch, Leimen und Sandhausen. Die Gemeinde betreibt in der lutherischen Kirche eine eigene Bücherei. Für die jüngsten Einwohner gibt es zwei evangelische und zwei römisch-katholische Kindergärten sowie das Kinderhaus Apfelbäumchen.

Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Nußloch wurde am 1. November 1891 nach dem Brand der ortsansässigen Mälzerei und des Gasthauses „Zum Löwen“ gegründet. Heute besteht die Freiwillige Feuerwehr Nußloch aus ca. 50 aktiven Einsatzkräften, einer Altersmannschaft sowie einer Jugendfeuerwehr (10 bis 17 Jahre) und Bambinifeuerwehr (6 bis 10 Jahre). Zu der technischen Ausstattung gehören zwei Löschfahrzeuge, eine Drehleiter, ein Kommandantenfahrzeug, zwei Mannschaftstransportfahrzeuge sowie ein Logistik-Gerätewagen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Nußloch hat die Ehrenbürgerwürde bislang siebenmal verliehen.

  • August Ziegelmüller (1868–1953), war Chorleiter und Kapellmeister des Musikvereins Feuerwehrkapelle Nußloch
  • Ehrhart Schott (1879–1968), war Generaldirektor der Portland-Zementwerke Heidelberg
  • Karl Gehrig (1894–1981), Landwirtschaftsschulrat und Heimatforscher
  • Max Berk (1907–1993), Gründer der Unternehmensgruppe Betty-Barclay
  • Hans Feil (1923–2004), von 1961 bis 1986 Bürgermeister von Nußloch
  • Paul Hügle (1924–2015), war mehr als drei Jahrzehnte Gemeinderat für die CDU und 17 Jahre erster stellvertretender Bürgermeister
  • Gerhard Rensch (1933–2017), war mehr als drei Jahrzehnte Gemeinderat für die FDP/FWV später FDP/BfN und engagierte sich außerordentlich für Kultur, Sport und das Vereinsleben.

Söhne der Gemeinde

  • Johannes Bach (1791–nach 1849), Jurist und Kommunalpolitiker
  • Karl Freund (1882–1943), Kunsthistoriker
  • Franz Fehringer (1910–1988), Tenor
  • Ernst Ditton (1912–1977), Landrat im Landkreis Mosbach 1954–1972
  • Willi Heckmann (* 1952), Ringer
  • Martin Hoffmann (* 1959), Medienmanager
  • Markus Münch (* 1972), Fußballspieler

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Carl Eichhorn (1810–1890), Theologe und Gründer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden
  • Clapeko van der Heide (* 1940), Bildender Künstler
  • Ulf Hoelscher (* 1942), Violinist
  • Georg Geierhaas (27.9.1864 – 12.2.1957), Verwaltungsbeamter im militärischen Sanitätsdienst
  • Martin Grzimek (* 1950), Schriftsteller
  • Aytaç Sulu (* 1985), Fußballspieler, begann in Nußloch mit dem Fußballspielen

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Nußloch

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