Hansestadt Lüneburg
Am Ochsenmarkt
21335 Lüneburg

http://www.hansestadtlueneburg.de/

Lüneburg

160pxAbb. 1 Wappen von Lüneburg
Basisdaten
Bundesland Niedersachsen
Höhe 17 m
PLZ 21335, 21337, 21339
Vorwahl 04131
Gliederung 17 Stadtteile
Adresse der Verwaltung Am Ochsenmarkt
21335 Lüneburg
Website hansestadtlueneburg.de
Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD)
Die Hansestadt Lüneburg (niederdeutsch Lümborg, englisch veraltet Lunenburg, lateinisch Luneburgum oder Lunaburgum, altsächsisch Hliuni, polabisch Glain) ist eine große Mittelstadt im Nordosten von Niedersachsen und eines von neun Oberzentren des Bundeslandes. Die Stadt an der Ilmenau liegt ungefähr 50 Kilometer südöstlich von Hamburg am Rand der Lüneburger Heide und gehört zur Metropolregion Hamburg. Die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises hat mit ihren rund 76.000 Einwohnern (Agglomeration etwa 120.000 Einwohner) den Status einer Großen selbständigen Stadt.

Lüneburg ist Sitz der Leuphana Universität, Mitglied im Lüneburgischen Landschaftsverband und war bis Ende 2004 Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirkes. Dieser wurde danach durch eine Regierungsvertretung und 2014 durch die heutigen Regionalbeauftragten für das nordöstliche Niedersachsen ersetzt.

Geografie

Geografische Lage

Lüneburg liegt am Unterlauf der Ilmenau, etwa 30 km vor ihrem Zusammenfluss mit der Elbe. Südlich erstreckt sich die Lüneburger Heide, eine etwa 7400 km² große Fläche, die durch den Einschlag großer Mengen von Holz, durch Waldbrände und Beweidung entstand. Die vielfach zitierte Aussage, die Heide sei durch Holzeinschlag für den Betrieb der Saline Lüneburg entstanden, ist historisch nicht gesichert. Wahrscheinlicher ist der Beginn menschlicher Einflussnahme in der Bronzezeit. Die Lüneburger Altstadt liegt zudem über einem Salzstock, der den Reichtum der Stadt begründete und dessen Kappe aus Gips, der Kalkberg, zugleich einen hervorragenden Bauplatz für die Fluchtburg darstellte, die Lüneburg ihren Namen gab.

Stadtgliederung

Die Formel (‚Berg, Brücke, Quelle‘) charakterisiert die Entwicklung der Stadt seit dem 8. Jahrhundert durch das Zusammenwachsen von zunächst drei, später vier, Siedlungsplätzen. Dies waren die Fluchtburg auf dem – damals noch wesentlich höheren – Kalkberg mitsamt der angrenzenden Niederlassung (Marktviertel), das Dorf Modestorpe zwischen der Brücke über die Ilmenau und dem großen Platz Am Sande (Sandviertel) sowie die Saline mit der abgeschlossenen Siedlung der dort beschäftigten Arbeitskräfte (Sülzviertel). Erst im 13. Jahrhundert bildete sich zwischen Marktplatz und Ilmenau die Hafensiedlung (Wasserviertel). Die daraus entstandene Form der Stadt blieb bis zur Ausweitung der Stadtfläche im späten 19. Jahrhundert bestehen und ist noch heute deutlich. Lüneburgs sechs historische Stadttore waren das Altenbrücker Tor, das Bardowicker Tor, das Rote Tor, das Sülztor, das Lüner Tor und das Neue Tor.

Stadtteile

Lüneburg gliedert sich in die Stadtteile Altstadt, Bockelsberg, Goseburg-Zeltberg, Kaltenmoor, Kreideberg, Lüne-Moorfeld, Mittelfeld, Neu Hagen, Rotes Feld, Schützenplatz, Weststadt und Wilschenbruch sowie die Ortschaften Ebensberg, Häcklingen, Ochtmissen, Oedeme und Rettmer.Jüttkenmoor, Klosterkamp, Bülows Kamp, In den Kämpen, Krähornsberg, Schäferfeld, Volgershall und Zeltberg sind Bezeichnungen für einzelne Baugebiete innerhalb eines Stadtteils oder einer Ortschaft.

Das Senkungsgebiet

Eine Besonderheit stellt das historische Viertel zwischen der Lüneburger Saline (heute Deutsches Salzmuseum) und dem Kalkberg dar. Die Häuser jenes Bereiches stehen über dem Salzstock, der vom Grundwasser abgelaugt wird. Dadurch senkte sich die Erdoberfläche über dem Salzstock allmählich. Nach Intensivierung durch erhöhtes Soleabpumpen ab Mitte 19. Jahrhundert erreichte die Senkung an wechselnden Stellen 3–5 cm/Jahr (heute bis 3 mm). Es entstand das so genannte „Senkungsgebiet“. Häuser und Kirchen am Rande dieses Gebietes verloren ihre Stabilität und mussten abgerissen werden (die Marienkirche 1818 und die Lambertikirche 1861). Die Senkung und vor allem die Unrentabilität der Salzherstellung waren Gründe für die Schließung der Saline im Jahre 1980. Heute werden nur noch geringe Mengen Sole für den Kurbetrieb in der Salztherme Lüneburg (SaLü) gefördert. Das Salinengebäude beherbergt heute das Deutsche Salzmuseum und einen Supermarkt.

An etwa 240 Messpunkten werden die Senkungen seit 1946 in einem zweijährigen Turnus überwacht. Die Senkungen sind noch nicht komplett zum Stillstand gekommen, das Gelände wurde neu bebaut und einige historische Gebäude, die gerettet werden konnten, sind inzwischen restauriert. Die Absenkungen sind bis auf den heutigen Tag gut zu erkennen. Besucher, die vom Am Sande bis zum Ende der Grapengießerstraße gehen, können dort die Ausmaße der Absenkungen deutlich erahnen. Die vor ihnen liegende Senke bildete früher eine Ebene mit der Grapengießerstraße.

In der Frommestraße sind weitere Zeugnisse der Erdbewegungen sichtbar: Das „Tor zur Unterwelt“, zwei eiserne Torflügel, die sich übereinander geschoben haben. Aufgrund der Senkungen wurden 2012 in diesem Bereich abermals zwei einsturzgefährdete Häuser abgerissen. Das Tor zur Unterwelt wurde bei diesen Abrißarbeiten an der Häuserzeile beschädigt und 2014 wieder aufgebaut. Im Zentrum der Senkung ist das Gelände von 2010 bis 2014 um 78,5 Zentimeter abgesackt. Die Senkungsgeschwindigkeit lässt indes seit 2014 nach. Dennoch musste 2016 ein Haus in der Egerstorffer Straße abgerissen werden, das durch plötzliche Erdbewegungen über Nacht instabil wurde.

An der Michaeliskirche sind ebenfalls Folgen der Senkung zu erkennen, und zwar an schiefen Säulen und in der Turmhalle. Weitere Erdbewegungen sind aktuell am Ochtmisser Kirchsteig zu beobachten.

Geschichte

Vorgeschichte

Die ersten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit im Raum Lüneburg werden in die Zeit der Neandertaler datiert. Es handelt sich um 58 Faustkeile, gefunden zu Beginn der 1990er Jahre beim Bau der Autobahn zwischen Ochtmissen und Bardowick. Sie sind etwa 150.000 Jahre alt. Bei dem Ochtmisser Fundplatz handelt es sich vermutlich um ein neandertalzeitliches Jagdlager, wo die frühen Menschen ihre Jagdbeute zerteilten. Von einer durchgehenden Besiedlung des späteren Stadtgebietes konnte damals noch keine Rede sein; jahrtausendelange Kaltzeiten verhinderten dies.

Das erste archäologische Zeugnis einer sesshaften Bauernkultur wurde nicht weit von dem genannten Fundplatz entfernt in der Ilmenau zwischen Lüne und Bardowick entdeckt. Es handelt sich um eine Axt, die aufgrund ihrer Form als „Schuhleistenkeil“ bezeichnet wird. Sie wird in das 6. vorchristliche Jahrtausend datiert und gelangte bereits im 19. Jahrhundert in die Lüneburger Museumssammlung.

Seit der Bronzezeit trägt der Lüneburger Zeltberg eine ganze Reihe vor- und frühgeschichtlicher Bestattungsplätze, welche die im Gebiet der heutigen Stadt Lüneburg ansässigen Menschen anlegten. Einer der ältesten Funde von dort ist ein sogenanntes „Aunjetitzer Randleistenbeil“. Es stammt aus der Zeit um 1900 v. Chr. Auch aus dem Stadtgebiet selbst stammen eine Reihe eisenzeitlicher Urnenfunde, die bereits im 18. Jahrhundert erwähnt werden. Diese sind – ebenso wie jene vom Lüneburger Kalkberg – in die Privatsammlungen einiger Gelehrter des 18. Jahrhunderts gelangt und bis auf wenige Ausnahmen mit ihnen untergegangen.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die langobardischen Urnengräberfelder vom Lüneburger Zeltberg und von Oedeme aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. Auch aus dem frühen Mittelalter existiert eine Reihe von Fundplätzen auf dem Gebiet der späteren Stadt, so beispielsweise auf dem Gebiet der alten Ortschaft Modestorpe unweit der Johanniskirche, dem Lambertiplatz nahe der Saline und im ehemaligen Wasserviertel.

Der vom griechischen Geografen Claudius Ptolemäus etwa 150 n. Chr. genannte Ort Leuphana könnte mit Lüneburg identisch sein.

Entwicklung vom Dorf zur Handelsstadt

Die erste urkundliche Erwähnung Lüneburgs im Mittelalter findet sich in einer Urkunde vom 13. August 956, in der König Otto I. die Zolleinnahmen aus der Saline zu Lüneburg an das „zu Ehren des heiligen Michaels errichtete Kloster“ schenkt (teloneum ad Luniburc ad monasterium sancti Michahelis sub honore constructum). Eine ältere Erwähnung des Ortes in den fränkischen Reichsannalen (zum Jahre 795 ad fluvium Albim pervenit ad locum, qui dicitur Hliuni) wird auf einen der drei Kerne Lüneburgs bezogen; vermutlich auf die spätere, ab 951 als Sitz der Billunger belegte Burg auf dem Kalkberg. Der elbgermanische Name Hliuni entspricht dabei dem langobardischen Wort für „Zufluchtsort“.

Aufgrund archäologischer Funde, die zum Teil im Museum für das Fürstentum Lüneburg ausgestellt sind, gilt als sicher, dass die Umgebung Lüneburgs zu dieser Zeit bereits besiedelt war und die Saline zu diesem Zeitpunkt ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Der Sage nach wurde das Salz vor mehr als 1000 Jahren von einem Jäger entdeckt, der eine weiße Wildsau geschossen hatte. Salzkristalle im Fell des toten Tieres sollen ihn auf die Saline aufmerksam gemacht haben.

Trotz der Saline war Lüneburg ursprünglich dem nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Bardowick untergeordnet. Bardowick war älter und ein bedeutender Handelsplatz mit den Slawen. Bardowicks Reichtum – es hatte sieben Kirchen – rührte auch daher, dass keine weiteren Handelszentren geduldet wurden. Erst nachdem Bardowick sich nicht Heinrich dem Löwen unterordnen wollte, wurde es 1189 von ihm zerstört. Daraufhin bekam Lüneburg das Stadtrecht und entwickelte sich nun an Bardowicks Stelle zum zentralen Handelsplatz der Gegend.

Der polabische Name für Lüneburg ist Glain (geschrieben als Chlein oder Glein in älteren deutschen Quellen), wahrscheinlich hergeleitet von glaino (slawisch: glina) „Lehm“. In lateinischen Texten taucht Lüneburg nicht nur als latinisiertes Lunaburgum, sondern auch als gräzisiertes Selenopolis (Mondstadt) auf, eine Anspielung an eine seit dem späten Mittelalter populäre Etymologie, die Lüneburg mit der Mondgöttin Luna verbindet. Münzen dieser Zeit und der Lunabrunnen auf dem Marktplatz greifen ebenfalls dieses Motiv auf.

Hansezeit

Durch seine lange Monopolstellung als Salzlieferant im norddeutschen Raum, die erst spät durch Salzimporte aus Frankreich geschwächt wurde, war Lüneburg ein frühes Mitglied der Hanse: Als Bund einzelner Kaufleute in Lübeck im Jahr 1158 begonnen, kam es 1356 (auf dem ersten allgemeinen Hansetag) zum Bund von Handelsstädten. Das Lüneburger Salz war notwendig, um die in der Ostsee und vor Norwegen gefangenen Heringe einzupökeln und so konserviert als Fastenspeise im Binnenland anzubieten.

Eine große Rolle spielte der Heringsmarkt der Schonischen Messe. So wurde Lüneburg zusammen mit Bergen (Norwegen) und Visby (den Fischlieferanten) sowie Lübeck (dem zentralen Handelspunkt zwischen Ostsee und Binnenland) rasch zu einer der wichtigsten und reichsten Städte der Hanse. Das Salz wurde im Mittelalter zunächst auf dem Landwege über die Alte Salzstraße nach Lübeck befördert. Mit Eröffnung des Stecknitzkanals im Jahr 1398 setzte sich der Transport auf dem Wasserweg in die Lübecker Salzspeicher durch.

Um 1235 entstand das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das wiederholt in verschiedene Linien geteilt und wieder zusammengeführt wurde. Die so immer wieder entstehenden Teilstaaten, die staatsrechtlich im Rang von Fürstentümern standen, erhielten ihre Namen in der Regel nach ihrer jeweiligen Residenz. So entstand zwischen 1267 und 1269 erstmals ein Fürstentum Lüneburg mit Lüneburg als Residenzstadt. Im Zuge des Lüneburger Erbfolgekriegs warfen 1371 aufständische Bürger die Fürsten aus der Stadt und zerstörten die landesherrliche Burg auf dem Kalkberg sowie das nahegelegene Kloster. Die dadurch und mit dem Landfrieden 1392 erkämpften Rechte unterschieden sich besonders im 15. Jahrhundert kaum noch von denen einer freien Reichsstadt; doch eine rechtliche Anerkennung einer Reichsunmittelbarkeit hat es nie gegeben. Diese weitgehenden Rechte konnten bis 1637 verteidigt werden. Das Geld blieb nun in der Stadt, die reichen Häuser und Kirchen entstanden.

Im Jahr 1392 wurde Lüneburg das Stapelrecht verliehen. Es zwang reisende Kaufleute, mit ihren Fuhrwerken Lüneburg aufzusuchen und ihre Waren dort zu „stapeln“, d. h. zum Verkauf anzubieten. Damit die Kaufleute Lüneburg nicht umfahren konnten, wurde um 1397 westlich der Stadt eine unpassierbare Landwehr angelegt, die Errichtung einer östlich gelegenen Landwehr erfolgte um 1479.

Eine Krise bedeutete der Lüneburger Prälatenkrieg von 1446 bis 1462, der erst aufgrund der Intervention des dänischen Königs Christian I., des Bischofs von Schwerin sowie des Lübecker Bischofs Arnold Westphal beigelegt werden konnte. 1454 wurde im Forderungskatalog der Sechziger mehr Einfluss der Bürger im öffentlichen Leben eingefordert. Seit Ende 2007 trägt Lüneburg wieder den Titel Hansestadt.

Neuzeit

Reformationszeit

In der Reformationszeit wandte sich die Stadt 1529/1530 dem protestantischen Bekenntnis zu, die intensiv von Herzog Ernst 'dem Bekenner' von Braunschweig-Lüneburg vorangetrieben wurde.

Die älteste Spur der reformatorischen Bewegung stammt aus dem Bittgesuch vom 25. März 1525 an Elisabeth von Geldern (eine Tochter Heinrich des Mittleren) des aus Lüneburg verbannten Bürgers Johann Funke, der die Stadt verlassen musste, weil er mit anderen deutsche Psalmen gesungen und, wie andere auch, geistliche und weltliche lutherische Schriften gelesen hatte. Zu dieser Zeit hing die Stadt noch dem alten katholischen Glauben an. Es folgten unruhige Jahre, in denen die Anhänger Roms und die Gefolgsleute Martin Luthers gegeneinander auftraten.

Jedoch änderte sich das in den Jahren 1529 und 1530, als Urbanus Rhegius als Reformator nach Lüneburg berufen wurde, wo er im Frühling 1531 eintraf und auf Begehren der Bürgerschaft eine neue Schul- und Kirchenordnung ausarbeitete. Rhegius kehrte bald wieder nach Celle zurück, reiste jedoch bis 1534 immer wieder nach Lüneburg, um die Reformation zu etablieren, was durch die Unterzeichnung der lutherischen Konkordienformel von 1577 durch Bürgermeister und Rat 1580 bekräftigt wurde.

Es folgte für Lüneburg eine Zeit höchster wirtschaftlicher und kultureller Blüte, wie sie noch nie zuvor und auch für mindestens zweieinhalb Jahrhunderte danach nicht wieder erreicht werden sollte.

1562 kam es zum Friedensschluss zwischen Lüneburg und dem Landesfürsten, zu dem im Hochsommer des Jahres die Herzöge Heinrich und Wilhelm, der letztere mit seiner Gemahlin Dorothea von Dänemark mit einem ansehnlichen Adelsgefolge in der Stadt erschienen. Mit den Stadtoberen wurden üppige Gelage im Tanzsaal des Rathauses gefeiert, ein Festumzug durchgeführt und den Herzögen Geschenke dargebracht.

Die Stadt wurde zu dieser Zeit als kunstvolles Bauwerk mit Wällen und Gräben, Toren und Türmen bis hinauf zu der von riesigen Wächtern und grimmigen Hunden bewachten Kalkbergveste, mit schmucken Straßen und Plätzen, dem Sand mit seinen schönen Turmbrunnen, den denkwürdigen Kirchen (darunter als vornehmstes Gotteshaus St. Michaelis mit seiner Goldenen Tafel) und Kirchhöfen, den Hospitälern, dem sechstürmigen Rathaus mit dem Weinkeller, dem Fürstenhaus, dem unerschöpflichen Solebrunnen, dem Hafen, dem Kaufhaus mit dem Kran, den Wassermühlen und der Wasserkunst und allgemeinem Wohlstand gepriesen.

Mit dem Niedergang der Hanse – und dem Ausbleiben der Heringe um 1560 vor Falsterbo in Schonen – brachen die großen Kunden für das Salz der Stadt weg; die Stadt verarmte rasch. In der folgenden Zeit wirtschaftlicher Stagnation wurden kaum noch neue Häuser gebaut. Auch erlitt Lüneburg im Zweiten Weltkrieg keine Schäden durch Bombardierung, sodass das historische Stadtbild fast unverändert bis in die heutige Zeit erhalten blieb.

Dreißigjähriger Krieg

Der 30-jährige Krieg berührte Lüneburg erst ab 1623, als die Stadt sich mit Truppendurchzügen im Land konfrontiert sah. Der Rat verstärkte die Bewachung der Tore und Mauern, lagerte zusätzliche Lebensmittel ein und reparierte die Brustwehren der Stadtmauer. Kriegskommissare und Mannschaften wurden in Sold genommen. 1625/1626 verstärkten sich die Truppendurchzüge, wobei jedoch die Stadt im Gegensatz zu den ländlichen Gebieten verschont wurde.

Verhältnismäßig milde flammte eine erste Pestepidemie 1624 auf, eine weitere brach Ende 1625 aus und wütete bis in das Jahr 1626 hinein. Während der heftigsten Ausbreitungsphase 1626 betrug die Höchstzahl der täglich zu Beerdigenden 50 Tote, die Trauergeläute begannen am frühen Morgen und endeten erst am finsteren Abend. Insgesamt wird die Zahl der Toten in den drei Jahren mit 6000, also annähernd der Hälfte der Bevölkerungszahl Lüneburgs, angegeben, wobei zu beachten ist, dass zu dieser Zeit sehr viele Menschen aus dem Umland in die Stadt geflohen waren.

Trotz Truppendurchmärschen wie 1627 die des Generals Tilly blieb Lüneburg verschont, musste aber allein 1628 bis 1629 33.600 Reichstaler Kriegskontribution zahlen.Zugleich sanken die Einnahmen aus der Sülze und z. B. aus der Bierakzise, sodass die Stadtkämmerei vermerkte, noch niemals zuvor so geringe Einkünfte gehabt zu haben.

Das Verlangen 1631, etwa des Herzogs Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg eine fürstliche Garnison zu errichten, bzw. des schwedischen Generals Tott die Aufnahme einer Besatzung zu erreichen, lehnte der Rat der Stadt ab. Noch 1635 kaufte sich Lüneburg von der schwedischen Besatzung durch General Banér für 10.000 Reichstaler frei, der jedoch im Folgejahr die Stadt erneut durch Truppen einschloss und die Stadt für sich begehrte. Nach anfänglichem Widerstand gab die Stadt nach und sah sich gezwungen weitere harte Bedingungen erfüllen, so musste z. B. eine Plünderung Lüneburgs durch die Soldaten mit 34.000 Reichstalern abgelöst werden. Um diese hohe Summe aufbringen zu können, mussten über 200 Stücke des Ratssilberschatzes zu Geld gemacht werden. Da der Verkauf zu denkbar ungünstigen Zeiten und in Eile stattfinden musste, dürften die dafür erzielten 5000 Reichstaler kaum dem reinen Materialwert entsprochen haben.

Zudem war seit Beginn des dreißigjährigen Krieges ein innerer Zwist in Lüneburgs Mauern und Rat erwachsen, in dem die Vormachtstellung der herkömmlichen patrizischen Oberschicht zum einen immer schwächer geworden war und die Handwerkszünfte und einfacheren Bürger Zugang zum Rat forderten. Zwischen dem Rat und dem Bürgerausschuß bestanden alte Spannungen, die verschiedene Ursachen hatten. Der Rat bestand aus der reichen Oberschicht, die zumeist die Süfl- und Barmeister stellte, und war nicht frei gewählt. Dieser Stand, der das städtische Regiment darstellte, hatte seine Position wie der Adel ererbt, während die Bürgervertretung aus Handwerkern und Innungen zusammengesetzt war. Gemeinnützigkeit, besonders in Stiftungen und ähnlichem, für die das bisherige Patriziat und die Sülfmeister zuständig waren, wurde zugunsten persönlicher Bereicherung hintertrieben, die Einnahmen und der Wohlstand der Stadt sanken beständig weiter ab.

Als die schwedische Haupttruppe schließlich Lüneburg verließ, ließ sie nur wenige Soldaten zum Schutz der Stadt zurück. Gleichzeitig gelüstete es kaiserliche, kursächsische und kurbrandenburgische Truppen nach der Stadt. Als die Lage für die ausgelaugte Stadt im August 1637 bedrohlich wurde, beschlossen die verzweifelten Bürger Lüneburgs Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg die Tore zu öffnen, um einer feindlichen Einnahme und Brandschatzung zu entgehen.

Lüneburg war im staatsrechtlichen Sinne niemals eine freie Reichsstadt, obgleich die Kaiser selber und ihre Kanzlei darüber im Unklaren waren, hatte faktisch aber dennoch diesen Status und war in seiner Freiheit und in seinem Reichtum den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg seit dem Verlust ihrer Burg auf dem Kalkberg 1371 ein Dorn im Auge. Am 3. September 1637 rückte der Herzog mit drei Kompanien in Lüneburg ein, das ihm vom schwedischen Oberst Stammer kampflos übergeben wurden (der dafür auf Befehl von General Banér in Wismar hingerichtet wurde).

Der Herzog setzte im Dezember 1637 den patrizischen Rat Lüneburgs ab, „weil er die Einnehmung der Schweden ohne Teilnahme der Bürgerschaft und zum Missfallen des fürstlichen Hauses gehandelt“ habe. Der neue Rat erwies sich allerdings nicht als handlungskräftig, sodass die Bürgerschaft wieder die Einsetzung des alten patrizischen Rates forderte. Es folgten zähe Verhandlungen zwischen Bürgermeistern und Rat Lüneburgs zum einen und dem Fürstenhaus zum anderen, bis im Mai 1639 Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg seine neue Machtstellung vollends durchsetzte:

Es mussten Bürgermeister und Ratsherren, alte und neue, die drei Ordines und sämtliche Gilden, Zünfte und Innungen mit der gesamten Bürgerschaft den Fürsten von Braunschweig-Lüneburg als ihrer von Gott vorgesetzten unmittelbaren hohen Obrigkeit die Untertänigkeit und Gehorsam beeiden. Am deutlichsten wurden die Verschiebung Machtverhältnisse zugunsten des Fürstenhauses von Braunschweig-Lüneburg zum einen in der Stationierung eines Stadthauptmannes und 75 ihm zugeordnete Männer, die sowohl dem Landesfürsten wie auch der Bürgergemeinde verpflichtet wurden, zum anderen in der Abtretung des Kalkberges, der 1371 mit seiner fürstlichen Feste von den Bürgern der Stadt erobert worden war und „an dem die stolzesten Erinnerungen jedes Bürgers hafteten, den die Stadt einst mit List und Gewalt bezwungen, dann aber ehrlich mit großen Summen erkauft hatte“. Alle Stadt- und Mauertürme, die den freien Blick vom Kalkberg auf Lüneburg hinderten, mussten niedergerissen werden. Die Handwerker wurden zum Rat der Stadt zugelassen, allerdings hatten die alteingesessenen Patrizierfamilien nach wie vor Anspruch auf die Hälfte der Ratsplätze, sowie auch die ersten beiden Bürgermeister aus ihren Reihen gestellt wurden.

Lüneburg erlitt den Verlust seiner Freiheit und die Vormachtstellung des bisher herrschenden Patriziats war für immer gebrochen, was sich z. B. auch in den Bauten der Stadt bis heute spiegelt, die bis um 1620 den Reichtum der patrizischen Familien Lüneburgs zur Schau stellten, danach kaum noch in dieser Größe und Pracht errichtet worden sind. Zudem war die Stadt enorm hoch verschuldet, sodass noch 1682 die Steuern „zur Abtragung von Kriegs- und anderen Schulden“ erhöht werden mussten.

19. und 20. Jahrhundert

Im Jahre 1810 wurde Lüneburg von Frankreich annektiert; die Franzosenzeit begann. Als im März 1813 nach der Niederlage der Franzosen in Russland eine allgemeine Volkserhebung in Norddeutschland ausbrach, verjagten die Lüneburger die französischen Beamten aus ihrer Stadt. Die Folge war das Gefecht bei Lüneburg am 2. April 1813.
Heinrich Heine, dessen Eltern von 1822 bis 1826 im heutigen Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg lebten, nannte es seine „Residenz der Langeweile“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Lüneburg Garnisonsstadt, was es bis heute blieb (Theodor-Körner-Kaserne).

Für 200 jüdische Lüneburger wurde 1894 von der Jüdischen Gemeinde in Lüneburg eine Synagoge eingeweiht. An der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Lüneburgs waren jüdische Lüneburger aktiv beteiligt.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde die Mitarbeit aller Juden im öffentlichen Leben boykottiert. Juden wurden vertrieben, in Konzentrationslager deportiert und ermordet. In Lüneburg erinnern 26 Stolpersteine an das Schicksal von Opfern des NS-Regimes. Stadtrundgänge der Geschichtswerkstatt Lüneburg führen an einige ehemalige Wohn-, Lern- bzw. Arbeitsorte von Lüneburgern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, sowie zu Orten in Lüneburg, die in der Zeit des Nationalsozialismus eine wesentliche Rolle spielten.

In der Kinderfachabteilung Lüneburg, Teil der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs vermutlich über 300 Kinder im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“ getötet.

Am Abend des 4. Mai 1945 kapitulierte südlich der Stadt auf dem Timeloberg (beim Dorf Wendisch Evern) eine Delegation der Regierung Dönitz vor dem britischen Feldmarschall Montgomery. Dies war das faktische Ende aller Kampfhandlungen in Norddeutschland, Dänemark, Norwegen und den nördlichen Niederlanden, also dem weitaus größten Teil des zu diesem Zeitpunkt noch von deutschen Truppen gehaltenen Territoriums.Die Stelle liegt heute unzugänglich für die Öffentlichkeit in einem militärischen Sperrgebiet; ein kleiner Gedenkstein an einem nahen Feldweg erinnert an die Kapitulation.Am 23. Mai 1945 nahm sich Reichsführer SS Heinrich Himmler in Lüneburg in britischer Gefangenschaft das Leben, indem er eine Zyankali-Kapsel zerbiss.

Nachkriegszeit

Noch vor dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher begann in Lüneburg am 17. September 1945 der erste Kriegsverbrecher-Prozess, der so genannte Bergen-Belsen-Prozess, bei dem 45 Menschen angeklagt werden.

Der Verfall der Bausubstanz nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte zu verschiedenen Überlegungen, wie die Wohnqualität zu verbessern sei. Ein ernsthaft diskutierter Vorschlag war, die gesamte Altstadt abzureißen und durch moderne Bauten zu ersetzen. Durch den folgenden Bürgerprotest wurde Lüneburg einer der Kristallisationspunkte für einen neuen Gedanken: den Denkmalschutz. Seit den frühen 1970er Jahren wurde die Stadt systematisch restauriert. Besondere Verdienste erwarb sich dabei bereits Ende der 1960er Jahre Curt Pomp: Gegen zahlreiche Widerstände aus Politik und Verwaltung setzte er sich in dem von ihm gegründeten Arbeitskreis Lüneburger Altstadt für die Erhaltung historischer Bausubstanz ein. Sein Engagement wurde belohnt mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und dem Bundesverdienstkreuz. Heute ist die Lüneburger Altstadt aufgrund dieser Restaurierungen – 1300 Backsteinhäuser sind denkmalgeschützt – eine Touristenattraktion; wichtige Teile der Wirtschaft sind auf Tourismus ausgerichtet.

Im Rahmen der Bundeswehrreform wurden seit 1990 zwei der drei Bundeswehr-Kasernen der Stadt geschlossen und die verbliebene verkleinert. Zusätzlich wurde die Bundesgrenzschutz-Kaserne aufgelöst, die teilweise heute von der Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen (4. Einsatzhundertschaft) genutzt wird. Auf dem Gelände der ehemaligen Bundesgrenzschutzkaserne entsteht heute der Lünepark mit neuen Gewerbeflächen für Existenzgründer. Die Wirtschaftsförderung und viele Firmen aus dem IT-Bereich haben sich dort bereits angesiedelt. In der Nähe wurde im Mai 2006 die Johannes-Westphal-Brücke für den Verkehr geöffnet. Diese verbindet den neu geschaffenen Lünepark mit dem jenseits der Ilmenau liegenden Stadtteil Goseburg.

Die Universität Lüneburg siedelte auf das Gelände der ehemaligen Scharnhorstkaserne um. Die Universität Lüneburg entwickelte sich aus den in den 1980er Jahren neu angelegten wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Fachbereichen und dem 1989 erfolgten Zusammenschluss mit der Pädagogischen Hochschule (PH). Seit ihrem Umzug auf das ehemalige Kasernengelände zog die Universität immer mehr Studenten an. Der Ausbau der Universität ist ein wichtiger Beitrag zur Umstrukturierung der Stadt zu einem Dienstleistungszentrum.

Durch die Gebietsreform von 1972 verlor Lüneburg den Status einer kreisfreien Stadt und wurde in den Landkreis Lüneburg eingegliedert. Am 5. Oktober 2007 erfolgte eine Namensänderung von Stadt Lüneburg zu Hansestadt Lüneburg und damit neben Stade als bis dahin einzige Hansestadt in Niedersachsen.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen

  • 1943: Hagen und Lüne
  • 1974 (1. März): Häcklingen, Ochtmissen, Oedeme und Rettmer sowie Gebietsteile Alt-Hagen und Pflegerdorf/Gut Wienebüttel
  • 1974 (1. April): Gebietsteile Ebensberg und Olm der Gemeinde Adendorf

Bevölkerungsentwicklung

Lüneburg hatte bereits im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit etwa 14.000 Einwohner und gehörte damit zu den damaligen Großstädten. Die Einwohnerzahl sank mit dem wirtschaftlichen Niedergang bis 1757 auf 9.400, stieg dann bis 1813 auf 10.400. Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1855 erst 13.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1939 bereits 35.000. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten der Stadt innerhalb weniger Monate einen Zuwachs um 18.000 Personen auf 53.000 Einwohner im Dezember 1945. Im Jahre 2003 überschritt die Bevölkerungszahl der Stadt die Grenze von 70.000. Die Stadt Lüneburg sowie ihr Landkreis und der benachbarte Landkreis Harburg gehören zu den wenigen Gebieten in Deutschland, die sich durch ein starkes Bevölkerungswachstum auszeichnen. Gründe dafür sind unter anderem das Wachstum an und Bevölkerungsverschiebungen zu den Randgebieten der Hamburger Stadtregion. Das Niedersächsische Landesamt für Statistik hat der Stadt Lüneburg bis zum Jahre 2021 eine Einwohnerzahl von 89.484 vorausgesagt.

Am 31. Dezember 2015 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Lüneburg nach Fortschreibung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 74.072 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern) – historischer Höchststand. Weiterhin hat Lüneburg besonders enge Beziehungen zu den unmittelbar benachbarten und mit der Kernstadt im Zusammenwachsen begriffenen Gemeinden, mit denen es eine Agglomeration bildet. Die Stadt hat mit den Orten Adendorf, Bardowick, Deutsch Evern und Reppenstedt sowie Vögelsen und Wendisch Evern eine Einwohnerzahl von etwa 108.000 und würde zusammen mit diesen Ortschaften die notwendige Einwohnerzahl einer Großstadt erreichen. Momentan ist Lüneburg die elftgrößte Stadt in Niedersachsen.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1813 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1530 14.000
1699 11.000
1757 9.426
1813 10.400
3. Dezember 1855* 13.352
3. Dezember 1861* 14.400
3. Dezember 1864* 15.700
3. Dezember 1867* 15.900
1. Dezember 1871* 16.284
1. Dezember 1875* 17.500
1. Dezember 1880* 19.100
1. Dezember 1885* 19.336
1. Dezember 1890* 20.665
2. Dezember 1895* 22.309
1. Dezember 1900* 24.693
Jahr Einwohner
1. Dezember 1905* 26.571
1. Dezember 1910* 27.790
1. Dezember 1916* 23.799
5. Dezember 1917* 23.282
8. Oktober 1919* 27.579
16. Juni 1925* 28.923
16. Juni 1933* 31.171
17. Mai 1939* 35.239
31. Dezember 1945 53.095
29. Oktober 1946* 49.169
13. September 1950* 58.139
25. September 1956* 56.845
6. Juni 1961* 59.563
31. Dezember 1965 60.269
27. Mai 1970* 59.516
Jahr Einwohner
31. Dezember 1975 64.586
31. Dezember 1980 62.225
31. Dezember 1985 59.645
25. Mai 1987* 59.543
31. Dezember 1990 64.857
31. Dezember 1991 65.586
31. Dezember 1992 66.054
31. Dezember 1993 65.525
31. Dezember 1994 65.926
31. Dezember 1997 67.372
31. Dezember 1998 67.920
31. Dezember 1999 68.554
31. Dezember 2000 69.413
31. Dezember 2001 70.395
31. Dezember 2002 70.503
Jahr Einwohner
31. Dezember 2003 69.718
31. Dezember 2004 70.128
31. Dezember 2005 70.667
31. Dezember 2006 70.931
31. Dezember 2007 71.119
31. Dezember 2008 71.179
31. Dezember 2009 71.303
31. Dezember 2010 71.549
31. Dezember 2011 72.040
31. Dezember 2012 72.575
31. März 2013* 72.686
31. Dezember 2013 73.194
31. Dezember 2014 74.106
31. Dezember 2015 75.663
*Volkszählungsergebnisse

Religion

Lüneburg ist konfessionell in der Mehrheit evangelisch-lutherisch und Sitz eines Kirchenkreises. So sind die drei verbliebenen historischen Stadtkirchen St. Johannis, St. Michaelis und St. Nicolai heute evangelisch. Die Kirchengemeinde Lüne nutzt die historische St.-Bartholomäi-Kirche des Klosters Lüne im Stadtteil Lüne-Moorfeld und das Gemeindehaus in Ebensberg. Moderne Kirchen in Lüneburg sind die Kreuzkirche am Bockelsberg, das Martin-Luther-Haus mit Kirchsaal aus den 1950er Jahren in Goseburg-Zeltberg, die Paul-Gerhardt-Kirche von 1963 in Neu Hagen und die Pauluskirche von 1971 auf dem Kreideberg.

Im Stadtteil Kaltenmoor steht seit 1974 das älteste ökumenische Gemeindezentrum (evangelische und katholische Kirche unter einem Dach) in Deutschland: St. Stephanus.

Zur katholischen Pfarrgemeinde St. Marien gehören neben der St.-Marien-Kirche auch die Kirchen in Kaltenmoor, Adendorf und Amelinghausen. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Zahl der katholischen Lüneburger, sodass die 1857 an der Wallstraße erbaute St.-Marien-Kirche zu klein geworden war und 1968 abgerissen wurde. Als Ersatz wurde bereits 1963 an der Friedenstraße ein Neubau eingeweiht.

Darüber hinaus befinden sich in Lüneburg weitere christliche Gemeinden: 1882 wurde die Neuapostolische Gemeinde gegründet, ihre heutige Kirche im Stadtteil Rotes Feld wurde 1959 eingeweiht. Die 1894 gegründete Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, zu ihr gehört die Friedenskirche im Stadtteil Bockelsberg. Die seit 1912 bestehende Adventgemeinde verfügt seit 1980 über die Kirche in der Friedenstraße. Die St.-Thomas-Gemeinde wurde 1927 gegründet und gehört zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, ihre Kirche befindet sich Am Springintgut am nordwestlichen Rand der Altstadt. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen wurde 1958 gegründet, zu ihr gehört in Lüneburg die Christuskirche in Kaltenmoor. Die Freie evangelische Gemeinde Lüneburg wurde 1991 gegründet und hat ihren Sitz in Neu Hagen. Die Freie Christengemeinde Lüneburg (Pfingstgemeinde) hat ihren Sitz in der Wedekindstraße im Stadtteil Schützenplatz, die Matthäusgemeinde mit dem Gemeindehaus am Kalkberg ist eine selbstständige evangelische Freikirche und gehört zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.

In der Psychiatrischen Klinik Lüneburg befindet sich eine Kapelle, im Städtischen Klinikum finden ebenfalls Gottesdienste statt. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kapelle auf Gut Schnellenberg befindet sich in Privatbesitz.

Die 1894 am Schifferwall von der jüdischen Gemeinde eingeweihte große Synagoge wurde 1938 zum Abbruch verkauft. Seit 1955 erinnert ein Gedenkstein an den Standort.

Ferner leben in der Hansestadt Lüneburg auch Muslime. Der Großteil der muslimischen Einwohner lebt im bevölkerungsreichsten Stadtteil Kaltenmoor. Zudem gibt es in der Hansestadt eine Türkisch-Islamische Gemeinde im Lüner Weg, auch bekannt als die Lüneburger Zentral Moschee (DITIB-Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüneburg e.V.).

Politik

Die Stadt Lüneburg gehört zum Landtagswahlkreis 49 Lüneburg und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.

Rat

Der Rat der Hansestadt Lüneburg besteht aus 43 Personen (einschließlich dreier Bürgermeister und eines Oberbürgermeisters).

Oberbürgermeister und Bürgermeister

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Oberbürgermeister der hauptamtliche Chef der Stadtverwaltung. Mit Einführung der Norddeutschen Ratsverfassung durch die britische Besatzungsmacht trat eine Trennung der Stadtspitze ein: Der ehrenamtliche Oberbürgermeister und zugleich Vorsitzende der Stadtvertretung war der politische Repräsentant der Stadt, der wie alle Mitglieder der Stadtvertretung von der Bevölkerung gewählt wurde, während die Verwaltung vom hauptamtlichen Oberstadtdirektor, der von der Stadtvertretung gewählt wurde, geleitet wurde. Durch die Reform der Kommunalverfassung sind seit 1996 beide Aufgaben (wieder) im Amt des hauptamtlichen Oberbürgermeisters, der nun von der Bevölkerung direkt gewählt wird, vereint.

  • 1945–1946: Werner Bockelmann, SPD
  • 1946–1949: Ernst Braune, SPD
  • 1949–1951: Paul Müller, DP
  • 1951–1952: Erich Dieckmann, DP
  • 1952–1954: Peter Gravenhorst, DP
  • 1954–1955: Reinhold Kreitmeyer, FDP
  • 1955–1958: Peter Gravenhorst, DP
  • 1958–1961: Wilhelm Hilmer, SPD
  • 1961–1964: Erich Drenckhahn, CDU
  • 1964–1978: Alfred Trebchen, SPD
  • 1978–1981: Heinz Schlawatzky, SPD
  • 1981–1987: Horst Nickel, CDU
  • 1987–1991: Jens Schreiber, CDU
  • seit 1991: Ulrich Mädge, SPD

Neben dem Oberbürgermeister gibt es (vom Stadtrat gewählte) ehrenamtliche Bürgermeister, die den Oberbürgermeister in seinen protokollarischen Aufgaben unterstützen und vertreten. Derzeitige Bürgermeister sind Eduard Kolle (SPD), Ulrich Löb (Grüne) und Gerhard Scharf (CDU).

Oberstadtdirektor

1946 führte die britische Besatzungsmacht die Doppelspitze in der Kommunalverwaltung ein. Bis 1996 gab es inLüneburg den Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung.

  • 1946–1955: Werner Bockelmann, SPD
  • 1955–1963: Walter Bötcher, FDP
  • 1963–1984: Hans Heinrich Stelljes, parteilos
  • 1984–1996: Reiner Faulhaber, CDU

Seit 1996 wird die Verwaltung durch den Oberbürgermeister geleitet.

Städtepartnerschaften

Lüneburg pflegt trotz seiner mittleren Größe zahlreiche Partnerschaften mit anderen Städten. Im Juni 2000 trafen sich Delegierte aller Partnerstädte in Lüneburg und Umgebung und feierten das größte Partnerschaftstreffen der Nachkriegszeit in dieser Region.

  • Scunthorpe, Vereinigtes Königreich, seit 1960
  • Naruto, Japan, seit 1974
  • Clamart, Frankreich, seit 1975
  • Ivrea, Italien, seit 1988
  • Viborg, Dänemark, seit 1992
  • Tartu, Estland, seit 1993

Zusätzlich bestehen noch diverse innerdeutsche Partnerschaften, so zum Beispiel mit Kulmbach und Köthen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Das Theater Lüneburg ist eines der kleinsten Drei-Sparten-Theater Deutschlands. Es werden nicht nur Theaterstücke aller Stilrichtungen aufgeführt, sondern auch Opern, Operetten, Musicals sowie Ballett. Trotz begrenzter finanzieller Mittel kann es sich gegen die zahlreichen Häuser des nahegelegenen Hamburg behaupten.Daneben verfügt Lüneburg über eine große Anzahl von Amateurbühnen, die ebenfalls regelmäßig Aufführungen produzieren. Als erste dieser Bühnen wurde 1973 „d.a.t. – das andere theater“ gegründet, das sich bis 1978 regelmäßig vor allem mit aktuellen Kinderstücken, Studioproduktionen und alternativen Theaterexperimenten einen Namen machte. Die heutige Vielfalt im Amateurtheaterbereich gibt es sonst nur in weitaus größeren Städten wie Hamburg oder Hannover.

Eine kleine Auswahl (sortiert nach Gründungsjahr):

  • Niederdeutsche Bühne Sülfmeister
  • Kleines Keller Theater e. V.
  • Amateurtheater Rampenlicht e. V.
  • Theater Spotlight
  • theater im e.novum: ein kleines Privattheater, in dem verschiedene Ensembles von Laienkünstlern spielen

Darüber hinaus gibt es in vielen umliegenden Gemeinden Amateurtheater, wie das Puschentheater in Melbeck und das Kleine Salzhäuser Theater (KleiST) in Salzhausen.

Museen

Die historische Stadt ist zwar schon per se eine Art Freilichtmuseum („Rothenburg des Nordens“), doch sie wird zusätzlich durch einige Museen belebt. Die wichtigsten Museen sind das Deutsche Salzmuseum in den Gebäuden der ehemaligen Saline, in dem die Bedeutung von Salz im Mittelalter und die Salzgewinnung anschaulich vor Augen geführt wird, das Ostpreußische Landesmuseum, das die Kultur und Geschichte des ehemaligen Ostpreußens von der Urgeschichte bis 1945 zeigt, sowie das in direkter Nachbarschaft befindliche Brauereimuseum mit wertvoller Trinkgefäßegalerie (aus 1200 Jahren). Erwähnenswert, aber wegen Umbaumaßnahmen für länger geschlossen, sind das Museum für das Fürstentum Lüneburg, in dem die Stadtgeschichte und die Geschichte der Umgebung dargestellt werden, sowie das Naturmuseum am Rande des Senkungsgebietes. Zeitgenössische Kunst stellt die Halle für Kunst Lüneburg e.V. aus.

Bauwerke

Lüneburg gehört zu den wenigen Städten Norddeutschlands, die ihren historischen Kern unzerstört durch den Zweiten Weltkrieg retten konnten. Allerdings haben die Vernachlässigungen der Bausubstanz bis in die 1960er Jahre hinein und die Schäden im Senkungsgebiet zu Lücken im historischen Stadtbild geführt. Zusätzlich sorgten in den 1950er und 1960er Jahren der Abriss maroder Gebäude und der Bau von Kaufhäusern mit (damals) moderner Prägung für Brüche in der Optik so mancher Straßenzüge. Seit Anfang der 70er Jahre wird Lüneburg aber sorgsam und liebevoll restauriert. Dadurch kam es inzwischen zu Entdeckungen von zuvor verborgenen Deckengemälden, mittelalterlichen Töpferstuben und vieler historischer Sickergruben, durch die ein wesentlich besseres Bild vom Leben im Mittelalter entstanden ist.

Besonders hervorzuhebende Gebäude sind die drei verbliebenen Stadtkirchen St. Johannis am Sande (Baubeginn 1289, vollendet 1470), die Kirche St. Michaelis, in der Johann Sebastian Bach von 1700 bis 1702 Chorknabe war, und die Stadtkirche St. Nicolai, die ab 1407 erbaut wurde. Die Lambertikirche musste bereits 1861 wegen Baufälligkeit abgerissen werden: sie stand im Senkungsgebiet. Ihre Sonntagsglocke von 1712 und das Uhrwerk findet man heute im Dachreiter der Heiligengeistschule, dem alten „Spital zum Heiligen Geiste“, welches als Seniorenstift und Grundschule dient.

Als eines der herausragendsten Baudenkmale Norddeutschlands kann das historische Lüneburger Rathaus mit seiner berühmten Gerichtslaube, dem ehemaligen Ratssaal, der von einem unbekannten Meister gestaltet wurde, angesehen werden. Es wurde um 1230 begonnen, über die Jahrhunderte immer weiter ausgebaut und gilt als größtes mittelalterliches Rathaus Norddeutschlands. Den vor dem Rathaus stehenden Lunabrunnen ziert eine bronzene Statue der Mondgöttin mit Pfeil und Bogen; das Original von 1532 wurde 1970 gestohlen und eingeschmolzen; die heutige Büste ist eine Nachbildung von 1972. Ebenfalls am Markt befindet sich das ehemalige Lüneburger Schloss der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, das seit 1925 das Landgericht beherbergt. Ebenso interessant sind das Glockenhaus (altes Zeughaus) am Glockenhof, die Alte Raths-Apotheke von 1598 in der Großen Bäckerstraße.

Im Bereich des alten Hafens steht noch die Barockfassade des Alten Kaufhauses, das in seinen übrigen Teilen aber abgebrannt ist und durch einen Neubau (sinnigerweise für die Feuerwehr) ersetzt werden musste und modernisiert heute als Hotel genutzt wird, und der Alte Kran, eine bis heute funktionsfähige mittelalterliche Holzkonstruktion, in deren Inneren zwei große Laufräder das Heben und Senken des Kranseils ermöglichen. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Herbst 2007 in neue Gebäude am Rand der Innenstadt verlegt, und in das Alte Kaufhaus ist jetzt ein Hotel eingezogen. Alle Baudenkmale Lüneburgs sind in der Liste der Baudenkmale in Lüneburg erfasst.

Keine Spuren haben sich von der namensgebenden Lüneburg auf dem Kalkberg erhalten, der ebenfalls durch Gipsabbau nur noch wenig von seiner einstigen Größe erahnen lässt. Am Südrand der Innenstadt befindet sich der heute als Aussichtsturm dienende Wasserturm Lüneburg. Vor den Toren der alten Stadt findet sich zudem das Kloster Lüne, ein ehemaliges Benediktinerinnenkoster. Es wurde ab 1172 erbaut und ist gut restauriert.

Etwa zwei Kilometer westlich von Lüneburg, in den Ortschaften Reppenstedt und Vögelsen gelegen, befindet sich ein gut erhaltener Abschnitt des Bodendenkmals Lüneburger Landwehr, der auch bewandert werden kann.

Sport

  • Der Lüneburger SK Hansa spielt mit ihrer Fußballmannschaft in der Regionalliga Nord.
  • MTV Treubund Lüneburg v. 1848 ist mit 6000 Mitgliedern der größte Sportverein der Region.
  • Die SVG Lüneburg ist ein Volleyballverein, dessen Herrenmannschaft seit 2009 in der 2. Bundesliga und seit 2014 in der 1. Bundesliga spielt.
  • Handballverein Lüneburg: 2008 gegründet zählt er 350 Mitglieder. Die erste Mannschaft der Herren spielt in der Verbandsliga Niedersachsen, die der Damen in der Oberliga Niedersachsen.
  • Die Salt City Boars Lüneburg spielen derzeit in der 2. Bundesliga Nord Inline-Skaterhockey

Regelmäßige Veranstaltungen

  • April: „Lüneburg blüht auf“ und Frühjahrsmarkt auf den Sülzwiesen
  • Juni: Stadtfest
  • Juni: Lunatic Festival: gemeinnütziges Musikfestival auf dem Universitätsgelände, Coraci-Festival (ehemals Sonar): politisches Festival des AStA auf dem Campusgelände
  • Juli: Frommestraßenfest
  • September: Oktoberfest auf den Sülzwiesen.
  • Anfang Oktober: Sülfmeistertage
  • Adventszeit: historischer Weihnachtsmarkt rund um die Michaeliskirche und Weihnachtsmarkt mit Märchenmeile und Giebelleuchten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, in der Grapengießerstraße und Am Sande.

2012 haben in Lüneburg die Hansetage stattgefunden.

Kulinarische Spezialitäten

Lüneburg ist für besondere Essensgerichte bekannt: Der Heidschnuckenbraten und der Stint. Ein kleiner Fisch, der im Frühjahr Saison hat. Eine weitere kulinarische Rarität ist eine regional abweichende, dänisch beeinflusste Variante des Labskaus (Skipperlabskovs, umgangssprachlich auch Gammel danske kaus).

Lüneburg hatte einst über 80 Brauereien. Die „Lüneburger Kronen-Brauerei von 1485“ in der Heiligengeiststraße braute in Norddeutschland sehr bekannte Biere wie das „Lüneburger Kronen-Pilsener“ und das „Moravia Pilsener“. Diese Biere werden heute von der Holsten-Brauerei AG in Hamburg gebraut, allerdings sind die Original-Hefestämme bei der Übernahme der Kronen-Brauerei vernichtet worden. Lediglich das ursprüngliche „Lüneburger Pilsener“ gibt es nach wie vor, wobei auch dieses inzwischen von der Holsten-Brauerei AG in Hamburg hergestellt und zwischenzeitlich nur noch im Fass verkauft wurde. Seit März 2011 wird „Lüneburger Pilsener“ in Kooperation mit der Holsten-Brauerei AG Hamburg auch wieder in Flaschen vertrieben. Heute gibt es nur noch zwei kleinere Gasthausbrauereien in Lüneburg. In der Gasthausbrauerei Nolte etwas außerhalb des Zentrums in der Dahlenburger Landstraße und im Brau- und Tafelhaus Mälzer in der Heiligengeiststraße lebt die Tradition Lüneburger Brauereien weiter.

Wirtschaft und Infrastruktur

Lüneburg hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt hin entwickelt. Dennoch spielen das mittelständische produzierende Gewerbe und Kleinbetriebe immer noch eine starke Rolle im Lüneburger Wirtschaftsgeschehen. Veränderungen und Impulse ergeben sich auch aus der Universität Lüneburg, welche mit ihren Studierenden zur Vitalisierung der Region beiträgt.

Unternehmen

Industrie und Handwerk

Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind in Lüneburg angesiedelt.

Erwähnenswert sind unter anderen im Textilbereich der Modehersteller Roy Robson (der Strickwarenhersteller Lucia, einst größter Arbeitgeber der Stadt, meldete 2008 Insolvenz an), im Lebensmittelbereich die Firmen DE-VAU-GE Gesundkostwerk als einer der größten deutschen Hersteller von vegetarischen Lebensmitteln, Pickenpack Production Lüneburg GmbH (ehemals Pickenpack Hussmann & Hahn Seafood GmbH) als eines der führenden europäischen Unternehmen im Bereich Tiefkühlfisch (Teil der Pacific Andes International Holdings Limited, Hongkong) und die Molkerei Lünebest, die heute Teil der Hochwald Foods ist. Im Industriebereich sind die größten ansässigen Firmen der Pkw-Innenausstatter Yanfeng Automotive Interiors, H. B. Fuller, die Impreglon SE und der Anbieter von Industrie-Elektronik die Sieb & Meyer AG. Ebenfalls in Lüneburg beheimatet ist mit der 1614 gegründeten von Stern’schen Druckerei die älteste noch in Familienbesitz befindliche Druckerei der Welt. Im Softwarebereich ist seit 1969 die Firma Werum tätig.

Tourismus, neue Technologien und Dienstleistung

Für den Bereich Tourismus ist besonders der von der Stadtgärtnerei gestalteten Kurpark mit einem Gradierwerk, Teichen, vielen Blumenrabatten und Kräutergarten zu nennen, der direkt neben dem Kurzentrum gelegen ist. Das Kurzentrum umfasst Meerwasserwellenbad, Salztherme, Wellness- und Saunawelt usw. (SaLü), zudem gibt es einen Soletherapiebereich mit Anwendungen für Haut- und Atemwegsbeschwerden. Lüneburg ist kein Kurort wie das benachbarte Bad Bevensen, verfügt aber über besondere Heilmittel, wie zum Beispiel die Lüneburger Sole (etwa 26 % Salzgehalt), mit der besonders Psoriasiserkrankte Linderung erfahren. Darüber hinaus ist hier seit 1978 die Hauptverwaltung der Tagungshotelgruppe Seminaris angesiedelt. Im Bereich Technologien und Dienstleistungen ist das Innovations- und Gründungszentrum e-novum zu nennen, das sich mit der Förderung von jungen Unternehmen befasst. Die Werum Software & Systems AG ist das größte Unternehmen Lüneburgs aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie.Außerdem sind in Lüneburg die Landeskrankenhilfe, die Volksbank Lüneburger Heide und die Sparkasse Lüneburg ansässig.

Öffentliche Einrichtungen

Lüneburg ist Sitz des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts, eines Landgerichts sowie des erstinstanzlichen Amtsgerichts, der Regierungsvertretung Lüneburg als Nachfolgerin der zum 1. Januar 2005 aufgelösten Bezirksregierung, der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade sowie der Polizeidirektion Lüneburg, der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen und des Bundespolizeireviers Lüneburg.Die alte Garnisonstadt (berühmt bis 1914 war das Dragoner-Regiment Nr. 16 in der Lüner Kaserne, heute ein lebendiger Gewerbepark) ist bis heute auch ein wichtiger Standort der Bundeswehr, auch wenn die Zahl der hier stationierten Soldaten seit den 1990er Jahren von etwa 9.000 auf heute rund 1.000 Soldaten abgenommen hat. In die einstige Scharnhorst-Kaserne ist die Universität Lüneburg gezogen, was als besonders gelungenes und fast einzigartiges Konversionsprojekt gilt. In einem Teil der Schlieffen-Kaserne sitzen heute Behörden wie das Verwaltungsgericht, das Arbeitsgericht, der Zoll, die Steuerfahndung, das Katasteramt. In der Theodor-Körner-Kaserne sind das Aufklärungslehrbataillon 3 (bis Juni 2007: Panzeraufklärungslehrbataillon 3), Logistikbataillon 3 (mit Teilen), das Sanitätszentrum Lüneburg, eine Fahrschulkompanie und einige Kleindienststellen stationiert.

Soziale Einrichtungen

In Lüneburg besteht das Städtische Klinikum Lüneburg. Dieses Krankenhaus nimmt am Elbe-Heide-Krankenhausverbund teil, der mehrere Kliniken im südlichen Hamburger Umland umfasst. Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg betreut und fördert Menschen mit Behinderungen in dieser Region. Am Wienebütteler Weg liegt die Psychiatrische Klinik Lüneburg; ein Unternehmen im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg. Als weitere Einrichtung existiert in Ochtmissen die Loewe-Stiftung, die psychisch erkrankten Menschen die Rückkehr ins Arbeitsleben ermöglicht. Noch ein sozial orientiertes Unternehmen ist die Neue Arbeit Lüneburg-Uelzen gGmbH innerhalb der Diakonie Deutschland. Deren hauptsächliche Aufgabe ist die Integration von Langzeitarbeitslosen, alleinerziehenden Frauen und Menschen über 50 in den ersten Arbeitsmarkt.

Bildung

Die erste Schule in Lüneburg war die im 14. Jahrhundert gegründete Michaelisschule. Heute befinden sich in Lüneburg vier Gymnasien. Neben der Herderschule, der Wilhelm-Raabe-Schule und dem Gymnasium Oedeme befindet sich darunter mit dem 1406 gegründeten Johanneum Lüneburg auch eine der traditionsreichsten Schulen Deutschlands. Außer den Grund-, Haupt- und Realschulen sind besonders die drei Berufsbildenden Schulen am Schwalbenberg wichtig geworden. Einen wichtigen Platz im Bildungsangebot nimmt auch die Volkshochschule (Haagestraße 4) ein. Außerdem gibt es eine Rudolf-Steiner-Schule und eine Montessori-Grundschule.

Die 1989 gegründete Universität Lüneburg (vormals Pädagogische Hochschule), die ihren Sitz in den Gebäuden einer der aufgelösten Kasernen hat, sowie das Zentrum der Fachhochschule Nordostniedersachsen (mit Studienstandorten in Lüneburg, Suderburg und ehemals Buxtehude) sind Hilfen bei der Umstrukturierung der Stadt von einer Garnisonsstadt zu einem Dienstleistungszentrum.

Seit dem 1. Januar 2003 ist die Universität eine Stiftung des Öffentlichen Rechts. Am 1. Januar 2005 wurden Universität und Fachhochschule unter dem Dach der Stiftung Universität Lüneburg fusioniert. Mit der Neuorientierung der Universität Lüneburg wurde diese am 21. März 2007 in Leuphana Universität Lüneburg umbenannt.

Eine der größten außerschulischen Bildungseinrichtungen befindet sich in der Bockelsberghütte. Diese im Stadtteil Bockelsberg gelegene Jugendbildungsstätte ist eines der wenigen freistehenden Fachwerkhäuser Lüneburgs und beherbergt nach seiner Renovierung mehrere Träger der freien Jugendhilfe.

Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade unterhält am Standort Lüneburg ein Technologiezentrum (TZH) für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Handwerksberufen. Das TZH Lüneburg verfügt über 43 Werkstätten mit 639 Arbeitsplätzen und 17 Unterrichtsräume mit 402 Plätzen. Pro Jahr werden dort etwa 10.000 Auszubildende in 23 unterschiedlichen Handwerksberufen im Rahmen der Technologischen Lehrlingsqualifizierung geschult. Außerdem erfolgt dort jährlich die Meisterausbildung für etwa 700 und die Technische Fort- und Weiterbildung für etwa 2.000 Handwerker. Zum TZH gehört ein Gästehaus mit 81 Zimmern und 213 Betten, in dem jährlich über 35.000 Übernachtungen stattfinden.

Verkehr

Eisenbahn

Stadt und Landkreis Lüneburg sind seit Dezember 2004 Teil des Hamburger Verkehrsverbundes. Durch seine Nähe zu Hamburg und seine verkehrsgünstige Lage ist Lüneburg leicht erreichbar. Der Lüneburger Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Hamburg-Hannover und wird von Zügen der Deutschen Bahn AG, der erixx GmbH und der Metronom Eisenbahngesellschaft angefahren. Die Fahrtzeit zum Hamburger Hauptbahnhof beträgt etwa 30 Minuten. Neben Regionalzügen halten in Lüneburg auch Intercity-Züge und einzelne ICE auf der Fahrt von und nach Hamburg. Nach Nordosten zweigt die Verbindung über Lauenburg/Elbe nach Lübeck ab. Über eine Stichbahn wird der Dannenberger Raum versorgt. Diese Wendlandbahn ist wegen der Atommülltransporte nach Gorleben bekannt geworden. Von Lüneburg aus betreibt die OHE mehrere Bahnstrecken im Güter- und Ausflugsverkehr. Es handelt sich hier um die Bahnstrecke Lüneburg–Bleckede, Bahnstrecke Lüneburg–Soltau und die Lüneburger Hafenbahn. Durch die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e.V. (AVL) werden auf dem eben genannten Streckennetz der OHE unter dem Namen „Heide-Express“ und als „Bleckeder Kleinbahn Verwaltungsges. UG“ Fahrten mit historischen Fahrzeugen angeboten.

Die Haltepunkte Lüneburg-Kurpark, Oedeme und Rettmer werden nur noch von einem unregelmäßigen Museumsverkehr bedient. Die Stationen Ochtmissen und Sternkamp an der Buchholzbahn wurden mit der Stilllegung im Jahr 2000 vollständig entfernt.

Straßenanbindung

Lüneburg verfügt über einen Autobahnanschluss der Bundesautobahn 39. Diese Autobahn soll in den nächsten Jahren in Richtung Süden bis Wolfsburg und Braunschweig verlängert werden, sodass mehrere Anschlussstellen im Stadtgebiet entstehen werden. Lüneburg ist über die Bundesstraßen B 4, B 209 und die B 216 an das Bundesstraßennetz angebunden. Die längste Straße Lüneburgs ist die Dahlenburger Landstraße.

Busverkehr

Der öffentliche Nahverkehr Lüneburgs wird von der KVG Stade betrieben. Von um 1926 bis 1934 bestand ein Stadtbusverkehr. Ab 1935 unterhielt die Firma Röhlsberger die Haupt- und Nebenlinien. Ein umfangreicheres Netz entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. 1955 gab es fünf Linien. 1982 wurde die Firma Röhlsberger verkauft und zum Tochterunternehmen KVG Lüneburg der KVG Stade umfirmiert. Seit 2004 gehört der Lüneburger Stadtverkehr und der regionale Busverkehr zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Daraus erfolgte die neue Linienkennzeichnung nach Richtungssektoren durch Zahlen mit dem Lüneburger Präfix 5xxx. Seitdem tragen die Stadtbuslinien die Nummern 5001 bis 5015.

Gegenwärtig besteht ein innerstädtisches Stadtbusnetz mit 13 Linien, die alle im Taktfahrplan über den Bahnhof Lüneburg fahren und bis auf zwei Ausnahmen auch den zentralen Stadtplatz Am Sande anfahren. Es werden alle Stadtteile, bis auf den Wilschenbruch und Hagen – die nicht an das Verkehrsnetz der KVG angebunden sind – bedient. Einzelne Linien führen über die Stadtgrenze hinaus bis in die angrenzenden Umlandgemeinden, wie Reppenstedt, Mechtersen und Vögelsen. Im Überlandverkehr ist Lüneburg im Tagesverkehr Ausgangspunkt zahlreicher Linien in die stadtnahen Umlandortschaften nach Bleckede, Salzhausen, Bardowick, sowie zu wichtigen Unterzentren (Amelinghausen, Melbeck) des Landkreises und in die Nachbarkreise. In den späteren Abendstunden und den sonstigen Verkehrsruhezeiten steht ein Anrufsammelmobil (ASM) für den wartenden Fahrgast bereit.

Schiffsverkehr

Lüneburg besitzt im Zentrum den alten, nicht mehr schiffbaren Ilmenauhafen und im Osten der Stadt einen Hafen am Elbe-Seitenkanal. Im 17 ha großen Hafenkerngebiet werden jährlich 200.000 Tonnen Massengüter umgeschlagen. Ferner ist Lüneburg über die beiden Wasserstrassen Elbe und dem Mittellandkanal per Schiff belieferbar. Dazu müssen die Schuten das Schiffshebewerk Lüneburg in Scharnebeck überqueren.

Luftverkehr

Am östlichen Stadtrand befindet sich der Flugplatz Lüneburg. Dieser ist ein Sonderlandeplatz und für Motorflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Segelflugzeuge bis zu einem Maximalgewicht von 2000 kg zugelassen. Hubschrauber sind bis zu einem Gewicht von 5700 kg erlaubt. Vom Flugplatz können auch Ballonfahrten unternommen werden. Der Landeplatz wird vom Luftsportverein Lüneburg e.V. (LVL) mit seinen 100 Mitgliedern (Stand: November 2011) genutzt. Ferner dient er als Standort für eines der zwei Flugzeuge des niedersächsischen Feuerwehr-Flugdienstes. In der Sommersaison (März bis Oktober) ist der Flugplatz am Wochenende von 9.00 bis 19.00 Uhr (Ortszeit) mit einem Flugleiter besetzt. Zu anderen Zeiten muss der Anflug beim Flugplatzbetreiber angemeldet werden. Platzrunden zur Schulung für Motorflugzeuge sind nicht gestattet, jedoch wird die Ausbildung für einen Ultraleicht-Pilotenschein am Platz angeboten. Die Segelflugausbildung unterliegt keinerlei Einschränkungen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Archive der Stadt verzeichnen erst ab 1800 die Aufnahme von Ehrenbürgern.

Ehrenbürger seit 1832:
1832: Georg Theodor Meyer (1797–1870), Minister und Senator
1832: Johann Rudolf Christiani (1761–1841), Superintendent
1832: Ernst Langrehr (1802–1863), Jurist und Dichter
1900: Carl Gravenhorst (1837–1913), Geheimer Justizrat
1906: Johannes Reichenbach (1836–1921), Senator
1918/1921: Paul von Hindenburg (1847–1934), Generalfeldmarschall
1937: Otto Telschow (1876–1945), Gauleiter (Aberkennung 2007)
1956: William A. Watt (Thomasville, USA)
1984: Johannes Eisenbeiss (Hamburg), Mäzenat
1984: Mitsuji Tani (Naruto, Japan), Oberbürgermeister
1986: Jean Fonteneau (Clamart), Bürgermeister
1998: Lucia Pfohe (1919–2008) und Hans Pfohe (1918–2004), Mäzenaten
1998: Helga Schuchardt (* 1939), Ministerin.

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten

Sonstiges

Das Lüneburger Ratssilber ist der größte erhaltene Silberschatz einer deutschen Stadt. Alle seine Stücke entstammen der Zeit zwischen 1443 und 1620. Die Originale des Ratssilbers sind nicht in Lüneburg zu sehen, sondern im Kunstgewerbemuseum Berlin (im Kulturforum am Potsdamer Platz) verwahrt; im Lüneburger Rathaus befinden sind aber originalgetreue Galvanoplastiken.

Mit einer Gaststättenkonzession (Restaurants, Cafés, Kneipen, Bistros, Dönerbuden usw.) pro zirka 200 Einwohner reklamiert Lüneburg (wie einige andere Städte in Deutschland) für sich die größte Kneipendichte Deutschlands und nach Madrid die zweitgrößte Europas. Viele der etwa 350 Gaststättenbetriebe liegen in der Altstadt um den Stintmarkt, den Markt, die Heiligengeiststraße, die Schröderstraße und den Platz Am Sande herum, meist in historischen Gebäuden.

Das Aufklärungslehrbataillon 3 erhielt am 30. September 2008 als Ehrung der Stadt den Beinamen „Lüneburg“.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Lüneburg

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Stadtplan Hansestadt Lüneburg